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Full text of "Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde"

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WHITNEY LIBRARY, 


HARVARD UNIVERSITY. 


THIE!GIET OF 


. DE WHIENETY, 


Sturgis Hooper Professor 


IN THE 


MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY 


0135 
ul, a ap | 


Neues Jahrbuch 
a 
Mineralogie, Geognosie, Geologie 


Petrefakten-Kunde, 


herausgegeben 
von 


Dr. K. C. von LEonHAarD und Dr. H. @. Bronn, 


Professoren an der Universität zu Heidelberg. 


Jahrgang 1842. 


Mit 11 Tafeln und mehren eingedruckten Holzschnitten. 


ee un ee Va Be a a N u ER er m 
STUTTGART, 
E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung. 


= 1842. 


: NER is st I; 
r Ei da | x Ä y < I P- ne ; \ 
RE REEN 
Be a Pen Er 


Inhalt. 


I. Abhandlungen. 


H. Creoner: das Flötz-Gebirge nördlich von Eisenach, mit 
Taf. 1 3 

E. F. GLockEr: 
Mährens B 

G. zu Münster: Beitrag : zur Kenntniss einiger neuen seltenen 
a uilonpen aus den lithographischen Schiefern in 
Baiern 

G. G. Puscu: über ein fossiles Hirsch-Geweih aus der Gruppe 
der Edelbirsche (Cervus Bresciensis) aus un 
mit Taf. I, Fig. 1,2 . 

RB. A. Puicierr: über Clypeaster altus Seuzws u. a. 
Verwandte, Taf. II, Fig. 3—5 2 

H. G. Bonn: die Gletscher- Theorie und Eiszeit- Hypothese 
des Hrn. L. Acassız aus dem physikalisch-geologischen 
Gesichtspunkte i - 

Von GutTBıer: über einen neuen Fundort fossiler Knochen 
bei Ölsnitz im Sächsischen Voigtlande, mit Taf. II 
und HI . - 

BiscHorr: über fossile, albfsgätle und nicht fossile Knochen 


re zur on Kenntniss 


„ über die erusta petrosa der Zähne 
Unser: über die Untersuchung fossiler Stämme holzartiger 
Gewächse 


Puscr: fossile Batrachier- und Bpkikier Reste aus Podolien 

PerzuoLpr: über Calamosyrinx ee mit 
Taf. V 

H. v. Meyer: een ein "Saurier aus dem Muschel- 
kalke von Luneville . 

G. v. Bröne: geologische Schilderung des grössten Theiles 
vom Gubernium Poltawa, mit 1 Holzschnitt - 

G. v. BLöne: Ergebnisse einer Reise von Charkow nach 
dem Donetz, mit Taf. VI, A H 

H. v. Meyer: über die Füsse des Pemphix Sueurii, mit 
Taf. VII, A 

Fr. A. Burmint neue Kreide- Foraminiferen, mit Taf. VII, B. 

G. Sınoserser: Vorläufige ‚Übersicht über die eigenthümn- 
lichen bei Villmar an der Lahn auftretenden” jüngern 
Kalkscbichten der ältern (sog. Übergangs-) Formation, 
besonders nach ihren organischen Einschlüssen, und 
Beschreibung ihrer wesentlichsten neuen Arten; ee 


Seite 


1—21 
22—34 
35—46 
47 —51 
92—55 
56—88 

127—144 
145—146 
147 —148 
149—178 
179—180 
181—183 
184—198 
198— 214 
255 — 260 
261—271 
272—273 


IV 


einem Vorwort über Namengebung in der Naturbe- 
schreibung überhaupt und in der Paläontologie insbe- 
sondere, Tafel VIII, B : RE 2 5 

Dr. PerzuorLpr: über Balanus carbonaria, Taf. IV . 

C. F. Naumann: über den Quincunx als Gesetz der Blatt- 
stellung bei Sigillarta und Lepidodendrum . . 

Ar. Braun: über die Blattstellung der Gewächse mit Be- 
ziehung auf die fossilen Formen und die vorangehende 
Abhandlung . - > i ü - - x 

D. Fr. Wıser: über die in den Eisen-Gruben am Gonzen 
bei Saryans im Kanton St. Gallen vorkommenden Mi- 
neralien, nebst einigen oryktognostischen Bemerkungen 
vermischten Inhaltes; mit 1 Holzschnitt 

Fr. v. Hasznow: Monographie der Rügen’schen Kreide- 
Versteinerungen, Ill. Abtheilung: Mollusken, mit Taf. IX 

H. Br. Geinitz: über einige Petrefakte des Zechsteins und 
Musehelkalks, mit Taf. X, Fig. 1—14 f “ 

M. L. FRANKENHEIM: über einige Mineral-Spezies ER 

Pn. Braun: Beiträge zur Lehre von den Fels-Spiegelfläche 

H,B. Geinitz: über Graptolithen, mit Taf. X, Fg. 15—29 

Pn. Braun: Versuch einer allgemeinen Theorie der Fels- 
spiegel-Flächen i R 2 k 3 e & 

G. LanpereEse: über eine im Basalt-Konglomerate des @nüll- 
Gehirges aufgefundene Frucht, Dryobalanus basal- 
ticus, aus der Familie der Kupuliferen, mit Taf. XI, A 


U. Briefwechsel. 
A. Mittheilungen, an den Geh. Rath von 


gerichtet, von den Herren: 


Pr. Braun: Spiegel und Schichtung des Bunt-Sandsteins; 
Kohlen-Sandstein Hessens s 2 e 5 . 

Fr. Reıcn: Knorria imbricata im Kohlen-Sandstein von 
Haynichen - . - - - x . . 

B. Corra: Hebuugs-Linien und Versteinerungen im Thü- 
ringer Muschelkalk - RL , ? . 

D. F. Wıser: oryktognostische Notizen über Zirkon, Fluss- 
spath, Kalkspath, Glimmer, Stilbit, Turmalin, 
Talk, Strahlstein, Pennin, Rutil,. Bitanıt 
Magneteisen, Titaneisen,Buntkupfererz,Ame- 
thyst, Granat, Diopsid, Asbest, Eisenkies, 
Eisenspath der Schweitz, und Kalkspath, Arra- 
gon, Lasurstein und Phillipsit andrer Länder 

C. Kersten: Erdbeben in Dalmatien am 4, Juli 1841 


L. Zeuscuner: Reise in den Karpathen und der Tatra; 


die Nummuliten-Formation ist Lias; Versteinerungen 
derselben . - : } , . . 
AusHhaus: Mesotype vom Alpstein; Ausscheidungen im 
Muschelkalk . > . : e - _ x { 
Escher von DER Lintu: Alter der letzten Alpen-Hebung; 
Klima während der Kies-Ablagerung ; Eis-Zeit; Gletscher- 
und Wasser-Schliff; Belege zur Gletscher-Theorie; — 
Fels-Metamorphosen in den Alpen » - 


Seite 
379—402 
403—409 

_410—417 
418—425 
507—527 
528— 575 
576—579 
631—655 
656—695 

696 — 701 
7157—812 
813—816 

LEONHARD 

89—90 
90—91 
215—217 
217— 226 

\ 274 

274—275 
276 
276— 281 


v 


C: F. Naumann: letzte Hebung des Erzgebirges zwischen 
Braunkohlen-Bildung und Basalttuff-Ablagerung , 

L. v. Buch: Metamorphismus und Glättung der Gesteine 
Schwedens . 

G. Hergst: Keuper, Muschelkalk und Buntsandstein i in N 
sen; Land- und Meer-Bildungen 

L. ZEUSCHNER: Nummuliten-Dolomit und Karpathen- Sandstein 
der Tatra; deren Versteinerungen, en und Muschel- 
kalk in Polen 

Russescer: Bohrungen am Piräus in Hippuriten- Kalk bis 


Glinimerschiefer A 
G. Hergest: Manganerz- Krystalle (Pyrolusit) von n- 
menau, mit 3 Holzschnitten . . 5 
SorEr: Neues Mineral im Wallis ! ; r 
F. Krauss: Gebrannter Lias- Schiefer bei Boll . ; 


LorteErt: Erscheinungen an erratischen Blöcken in Dauphine 

ZIMMERMANN: Wirkungen des Hamburger Brandes auf Mi- 
neral-Stoffe; Reise in die Sächsische Schweitz und Geo. 
logisches darüber : . . 

F. A. Genta: Analzim in Prehnit verwandelt; Alter ver- 

| schiedener Zechsteine 

D. F. Wiıser: Oryktognostische Bemerkungen üher Roth. 
eisenstein, Brauneisenstein, Schwarzman- 
ganerz, Bittersalz, Magneteisen der Schweitz 

B. Corra: körniger Kalk von Wunsidi 


B. Mittheilungen ; an Prof. Bronx gerichtet 
Herren: 


Fischer von WArLpnem: über denRhopalodon; Murcnison’s 
Bericht über die Geologie Russlunds ; Elasmwotherium; 
Versteinerungen von Moskau 


Fr. A. Rormer: Inoceramus involutus, Trigonia; 
Versammlung zu zur Trematosaurus und 
Mastodovsaurus; Nautilites (Clymenites), 
Sphenophyllites, Di plazites, Credneria; Gyps- 
Krystalle; Goniometer: Bode-Thal; Schwefel-Krystall; 
Kiesel - Gehalt vulkanischer Gesteine ; : Norddeutsche 
Theer-Gruben; Harz-Petrefakte . ER aR h : 

G, zu Münster: Fossile Fische und Sepien seiner Samm- 
lung; Iguana-Zahn; Isoarca ein neues Muschel- 
Geschlecht; DEKoNINcK’s ES REBLTIOO SE NEFUNE N 
neue Corniculina- Arten , : 


Görrert: Baumartiger Farn und gabelige Oyendiee i in den 
Nilgherri und baumartiges Lycopodium auf Sumatra 
lebend; Kalamiten - Skelett wie bei Lykepodien, 
Sigillaria - - . 5 - £ 5 Eh: 

Herm. v. Meyer: Simosaurus an. g. im Muschelkalk von 
Limneville, Nothosaurus Schimperi daselbst; Aus- 
arbeitung der Knochen aus dem Gestein; Protorosau- 
vus Thüringens; Metaxytherium und Halianassa 
sind verschieden; Rhinoceros in Molasse bei Lausanne ; 
Dinotherium Bevaricum und Mastodon angus- 
tidens in der Sammlung zu München & . . 


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281 
282— 283 
426—428 
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431—1433 
433—435 
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580—581 
581—582 
702—707 
707— 708 
708-709 
817—819 
‚„ von den 
91—95 
95—97 
97—98 
98—99 
99—102 


Yı 


Unene: Chloris Be Psaronieen; fossile Koni- 
feren . 

G. SANDBERGER: 
Schichten, Versteinerungen, Alter, Schaalsteiu; Kuge- 
liges An Glied der Goniabilens we. 
nites pinnafus 


F. A. Geng#: Binnen- Konchylien | lebender Arten in Kalktofl 


zu Ahlersbach - 
L. v. Buch: Produkten; Panurirs "über u: 


Terebratula nucella = T. sphaera . . 
Giırarn: Calceola Dylan n. sp. aus Gottland; mit 
3 Holzschnitten . : 


Cur. Karpp: Meeres- Strömungen, innere Bedieee devneläl 

Herm. v. Meyer: ,Labyrinthodonten-Genera: Mastodonsau- 
rus, Capitosaurus und Metopiasund deren Arten; 
BelosaurusPlieningeriim Keuper Württembergs ; 
Simosaurus in Deutschland; Glaphyrorhynchus 
Aalensisim Untereisenoolithund Brachytaeniuspe- 
rennis im gelben Jurakalk Würtiembergs; Pterodac- 
tylus Meyerivon Kelheim; Prosopen- und Pitho- 
noton-Arten daselbst ; 

Qussssteot: Geognostisches Verhalten Schwäbischer For- 
mationen und deren bemerkenswerthesten Versteine- 
rungen; Beweise alter Gletscher-Wirkuug auf der Alp 

Wissmann: Versteinerungen im Muschelkalk: Ceratites 
nodosus, Myophoria, Natica, Pleurotomaria, 
Lima, Nucula, Korallen . 3 

Fr. A. Rormer: alte Petrefakte und Formationen im Harz 

Paıcıper: Prozente lebender Petrefakten-Arten in I£aliens 
Tertiär-Gebilden . 

Acassız: Reise-Projekt nach en: Aar-Gletscher; 
Gletscher; Myazeen . 

Fr. v. HAGENoW: Kreide-Gebilde an der Nord- Küste; Gale- 
rites- Arten 

Cur. Karp: Meeres- Strömungen: äussere Bedingungen und 
Schluss-Bemerkungen . 

Rumer: Fährten im Banden iu der a Be un 
Hirsch-Geweihe (Taf. VIII, A); lebender Frosch im 
Muschelkaik ‚Trigouotretafragilis; :Muschelkalk ?-Dolomit 

MENTzZeEL: Delthyris rostratus im Muschelkalk Schle- 
siens, dessen Gesellschaft; Stylolithen e 

HeErm. v. Meyer: Nothosaurus auch im Muschelkalk zu 
Lüneville; Simosaurus von dort; Babyrinthodonten 
_ Xestorrhytias Perrinii — daselbst; Notho: 
saurus angustifrons bei Krailsheim; Nothosau- 
rus mirabilis im Muschelkalk Basels; neuer Saurier 
im Unter-Eisenoolith zu Aalen; Trochietis carbo- 
naria, Cervus lunatus, Mastodon Turicensis, 
Rbinoceros, Schildkröten und Myliobatis aus 
Tertiär-Bildungen der Schweitz, Tapirus priscus, 
Dorcatherium von Eppelsheim: Palaeomeryx von 
Mombach; Keitik über ve CHrıstors Arbeit über Rhi- 
noceros, Rh, Merckii im Rhein-Diluviale; Cancer 
Klipsteinii von Kressenberg; Carcinium sociale 
von Dives . h 

F. A. Gestn: Zusätze und Berichtigungen : zu S. 229 


ieh über 


Grauwacke bei Weilburg (Yillmar); ihre 


Seite 

102 
226— 229 
2329 
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283 —301 
501—304 
304— 309 
309-311 
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312 —313 
313—317 
317 
436—450 
450-451 
451—1453 
583 —589 
590 


VII 


G. Sınpeerger: Villmarer Versteinerungen: Goniatites, 
Strophomena; Vergleichung zwischen seiner und Ds 
Vernevir’s Synonymie 


B. Corra: über Perzuour’s Calamosyrinx } 
Fr. A. Rormer: über Versteinerungen und Eu aanen 
ım Harz 


C. Mittheilungen an Hrn. Prof. Brum von dem 


F. E. Gumerecnr: Geognostisches über die Formationen der 
Gothaer Gegend im Vergleich mit anderen . 

— — Bedingnisse des Entstehens und Zusammenvorkommens 
verschiedener Eruptiv-Gesteine . . ‚ ß 


IE. Neue Literatur. 


A. Bücher. 


1841: Atlas de Mineralogie; G. Bıschor; G. Fıscher DE 
Waupsem; C. Harrmann; K. v. Könıs; J. J. v. Litt- 
row; F. Lusan; G. zu Münster; D’Omarıus D’Harnoy; 
A. D’OrBıeny; L. Pır.a; J. Russescer; J. Sowersy; 
J. STEININGER; SURELL; G. TRrımMMmER . & 

1840: H. W. Dows; J. Scort BowERBANK; — 1841: H, 
Asıch; BEUDANT, DE Jussıeu et MıLne Epwarps; C. G. 
Carus; H.T. pe La Becuz; E. Fr. v. GLocker; L. DE 
Konıner; C#. Lyeit; Co. MAcLAREN: MAURER; H. Mayer; 
Mestivier; G. MICHELoTTT; Hucn MiıLLer; Ar. Perzuoror: 
J. PuırLies; OÖ. R. pu Roquan; L. ZEISzweR; — 1842: 
v. Horcer; J. N. Hrpına; C. LyerL; A. D’ORrBIENY . 

1840: C. Moxon; C. Moxon; — 1841; H. Asıcn; L. Asassız 
L. Agassız; BartLeTT; BaRTLeTtT übers.: H. G. Brown 
und J. J. Kaur; E. Desor; Durr£noy et ELIE DE Beav- 
MoNT; dies.; E. Hırcncock; A. PricHarn; J. SowERBY; 
F. Unser: — 1842: W. M. Hısccıns; F. J. Hucı A 

1838: H. D. Rogers; — 1839: H. D. Rocers; — 1841: 
J. DE CHARPENTIER,; L. DE Koniner; A. Pricuirn; H, 
D. Rogers; — 1842: F. J. Hucı; Cu. Lyeiu: A. D’OR- 
Bisny; F. L. Ruope; P. DE TeHikatcHorr . } 

1841: J. N. Fuchs; Hırcncock; P. v. Körren; CH. Lveır; 
E. SısmonDa; Geological Map of Nova Scotia; — 1842: 
L. Acassız; id.; C. Darwın; P.Durr; M. L. FRANKENHEIM ; 
H. Br. Geinitz ; A. v. Guteier; Ch. Lyerr; H. Mayer; 
MarteviLtLe; G. zu Münster; J. J. D’Omauıus pD’HarLoy; 
A. PerzuoLor; F. V. Rasruin: S. Sauvace und A. Bu- 
visnier; B. Srtuper; F. X. M. Zırpe i - 

1842: B. Corra; C. Prominenz; SOWERBY und Bee, 

1841: v.Leonnarn; — 1842: v. LEonnarn; A. D’OreıonY; A. 
D’Orgıcny; M.A. F, Prester zweim.;, G.Rose; D. VöLTER 


B. Zeitschriften. 


a. Mineralogische und Hüttenmännisch 


Kirsten und von Decuen: Archiv für Mineralogie, 
Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde, Berlin 
8°, [vgl. Jahrb, 841, S. vu]: 


Scite 

709—710 

819 
820—821 
Herrn: 
710-719 
821—842 
104—105 
234—R3b 
318—319 
A54—455 
591 —592 

720 
8413 —844 


vHI 


1841, 1; XVI, 1, S. 1—420, ,Tf. u . 3 


Der Bergwerksfreund etc. u 8° [vgl. Jahrb. 


1840, 591]. 
1840—1841, III und IV, 
Jahrbuch für den Berg- und Hütten- Mann für 1843 


E. F. Grocker: Mineralogische Jahres-Hefte 8° 
[vgl. Jahrb. 1341, S. vum] uns nicht zugekommen, 


J. G. Lünpe: Zeitschrift für vergleichende Erd- 
kunde, Magdeburg 8°, 
1842; I, ı, ı1; 1—192. 


J. Fr. L. Hausmann: Studien des Götlingischen Ver reins 
bergmännischer Freunde, Göttingen 8° [vgl. Jahrb, 
1838, 422]. 

1841; IV, 1, S, 285—397, Tf. ıı 
1812; V,5°8.3--101, TR n 


Bulletin de la societe geologigue de Prähes: Paris go (vol, 
Jahrb. 1841, S. vın]. 
1841 (Juni 7—Aug. 21); XIL, 337—424, pl. ıx . 
» (Sept. 1—9), XII, 425—488 (et xxvır pp.) pl. —xuı 
1842 (8. Nov.—6. Dez. 1841); XIII, 1—80 5 


Memoires de la societeE geologique de France, Paris a0 
[vgl. Jahrb. 1838, S. 674]. 
1839; III, ı1, 179—401, pl. xxı—xxv. . 2 
1840; IV, ı, 1—228, pl. ı-xıu 
1841; IV, 11, 229—365, pl. xım —xvir 


Annales des Mines, ou Recueil de memoires sur Pepe 


tation des mines, Paris 8° [vgl. Jahrb. 1841, S. Ir 
1841, 1; XIX, ı; p. 1—237, pl. ı1—nu ; 
». 15 30% XIX, I, I, p. 238—850, pl. m—ıx . 
»„ I, v5 XX, 1, ım p. 1468, pl. I 
A. Rıvıkre; Annales des sciences geologiques 4 - 
Anales de Minas, etc. Madrid 8° Ivgl, Jahrb, 1949, 101 
Tomo II, 458 pp., v pll. . - 
Cu. Moxonx: the Geogist, a Monthly Heard de 
1842 Jan.—März; I, ı—ın, p. 1—94, pl. 1-u &h 
Proceedings of the ro Society of London 8° Fe. 
Jahrb. 7841, vıır]. 
1841, Mai 20 fr. vgl, im Philosoph. Magaz. 
Transactions of the Geological Society of London, London 4° 
[vgl. Jahrb,. 1840, vıı). Nichts Neues. 


Transactions ofthe Manchester Geological Society, London 8° 
1841, I ’ : 3 JH ; \ i ; 


b. Allgemein naturhistorische u. a, 


Verhandlungen der Gesellschaft des vaterländischen Museums 
in Böhmen, Prag 8° [vgl. Jahrb. 1841, vıır], 
1841, 110 SS. xıı Tafeln , 
Berichte über die Verhandlungen der Böhmischen ehe er 
der Wissenschaften in den Sektionen, Prag 4°. 
1840—1841 (410 SS., 1842) 


Seite 
455 


320 
320 


594 


105 


323 


594 


594 


IX 


Vorträge bei der Deutschen Naturforscher - Versamnilung 
[Jahrb. 1841, vıu]. 
1842 in Maynz - ; 
Vorträge bei der Ialionischeh Gelehrten-Versammlung- 
1839 zu Pisa (nach der Isis) . e : ? 
1840 in Turin „ »  ») » i { 
Actes de la Societe helvetique des sciences ee: 
1840 a Fribourg - \ 3 


1841 zu Zürich - Ä Ber, 
J.C. PoGGENDORFF: Annalen der Physik und Chemie, 
Leipzig 8°. 


1842, ı, ı; Lv, 1, I, S. 1—340, Taf. I1—u h 

H. Kröyers Tidskrift for Naturvidenskaberne, Kjöbenh. 80, 
[Jahrb. 7841, vıı]. 
1840 111, 1--306, mit 3 Tafeln (n. d. Isis). 


Erman’s Archiv für wissenschaftliche Kunde von 
Russland, Berlin 8° 
1841, I, 1, ı1, S. 1—422, Tf. ı 
„Ss. 423-596, Ti. 1, 1m 
„ellıv.’S. 597-2794 


Bulletin de la Societe des Nanrnee de Moscou 80, 
1840, ı—-ıv; S. 1—540, Tf. ı—ıx } . . 
1841, ı—ıv; S. 1—928, Tf. ı—xı 
1842, 1; a 220, Tr. I 


Coumptes rendus hebdomadaires des seances ie Tidcallinie 
des sciences,par MM.lessecretaires perpetuels, Paris 4°. 
1842, I. Semestre, nro, 1—8; Janv.—Fevr.; XIV 1—322 
ae 5 „ 9-18; Fevr.— Mai; XIV 323—670 


L’Institut: Journal general des societes et travauz scien- 
tifiques de la France et de V’Etranger; Ie. Section: 
Sciences mathemaltiques, physiques et nalurelles, Paris 4° 
[vgl. Jahrb. 1841, vn]. 


IXe annee; 1841, nro. 397—404; p. 261— 328 5 

n 5 » Sept.—Dez.; nro. 405—414; p. 329 — 116 
> n Dez.; nro. 415—418; p. 417-452 : 
EBEN. ,, 1842, Jan.—Fevr.; nro. 119496; p: 1-72 
= > RE ONE: —Juil!., nro, 427— — 446, p. 73— 252 


The London, Edinburgh and Dublin. Philosophical Magazine 


and Journal of Science, third Series (incl. the Procee- 
dings of the Geological Society of London) London 8° 
[vgl. Jahrb. 71847, S. vın]. 


1841, August; XIX, ı: nro. 122, p. 97—176 $ 
RA Sept. —Oct.; XIX, 18, Iv; nro. 123—124, p. 177— 336 
“ Nov, —Jan.; a wu; nro. 125— ve P- 337 

2 — 6508 

1842, Jan. — Apr.; - XX, Iv; nro. 128-131, p. 1352. 

„ . Mai—July;..,„. ;v- Yun nro. RE, hi 353 
—606 D 
1842, July—Aug.; 2 XXI, L, 1: nro. 135-136, p- 1— 160. 


Jameson: Edinburgh new philosophical Journal, Edinb. 8°. 
1840, Juli, Oct.; nro. 57—58; XXIX, ı, ır, S. 1—432 . 
1841, Jan., Apr.; nro. 59— 60; XAX, ı, ı, S. 1—432, 

© 1841, Juli, Oct,; nro. 61—62; 2907 1, u; S. 1—444 


Seite 


846 


236 
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456 


324 


JARDINE, Sergey, Jounston, Dos and R. Tayror: the Annals 
a. Mugazine of Natural History ete., London 8° [vgl. 
Jalırb. 1841, vııı]. 

1841, Oct. —1842 März, nro. 49--54; VIII,u— vıa. .. 
p. 81-852, DEU x | > 

The Journal of the Asiutic Society en Bengal, go (det 

Jahrb. 1841, S. ıx]. 


B. SırLıman: the American. Journal of Science and Arts, 
New Hav. 8° [vgl. Jahrb. 1841, ıx). 

1841, Oct.; XLT, ı, u: S. 1—408 ® 

1842, Jan., Apr: XLI, ı, u1;S8. 1108, pl. iv : 


C. Zerstreute Abtiätedlungen 


sind angezeigt .  . : 3 107; 238; 324; 458; 598; 725; 


IV. Auszüge. 


A. Mineralogie, Krystallographie, Mineral-Chemie. 


H. Asıcn: Beiträge zur Kenntniss des Feldspathes, II. Abhaudl. 

F. VARRENTRAPP: Zusammensetzung verschiedener Chlorite 

G. Rose: über Hydrargilit von Slatoust . ! 

A. Damovr: einige als Quarz resinite bekannte Mineralien 

A. F. Svangere: Pikrophyll, neues Mineral von Sala 

G. Suckow: anomal gebildete Eisenkies-Krystalle . i . 

Senez: analysirt Belemniten-Kalkstein von Pillefranche 

Bootu und Lea: zerlegen Chromeisen-Erz von Kuba 

BREITHAUPT: zur genaueren Kenntniss bekannter Minerafige 

KunLmann: Silizifikation des Kalksteins 

J. DomeyKko: Analysen von Kupfererzen aus Chili 

Tu. Tuomson: um Glasgow vorkommende Mineral-Substanzen 

C. Rammeusgerg: Schlackiges a aus dem Basalt 
von Unkel am Rhein : : 

J. Jousston: Beryll-Varietät in Connecticut N . { : 

Wasser: Pouchkinit im Ural . 

L. A. Neerer: krystallisirtes Talk- Hydrat von Unst 

, „ Arragon in Schottland . 

v. SALM-Horstmar: Zerlegung des Torfs von Coesfeld . 

A. BreitHaupt: kohlensaures Wismuthoxyd von Hirschberg 

Kranz: über Konikrit und Pyrosklerit von Elba . 

G. Rose: Xanthophyllit in Talkschiefer von Slatoust 

JacgerLam: Platin-Form und Vorkommen in Columbien 

H. Rose: Zersetzung der natürlichen Aluminate 

E. Schweizer: Analyse des Porphyrs von Kreutznach 

Pu. Warter: zerlegt fossiles Wachs aus @allizien ; , 

G. Rose: Zerlegungen von Feldspath und Verwandten . 

SauvacE: Analyse der Pierre Morte der Ardennen 

W. O0. Bouzse: Vorkommen von Berylien u. a. in New Jersey 

Cu. U. Sueparn: Ledererit aus New-York und Canada 

J. Fr. L. Hausmann : Kıystallisation von Hi r- und Antimon- 
Nickel N » 

SEHR: L. Hausmann: Blatter Graphit aus Zeylon. 

C. RAsMELSBERG: Zusammensetzung des Lievrits 


Seite 


456 


322 
724 


848, 


332 
332 
333 


xI 


A. BrEITHAUpr: Kiese- und Kies- bildende Metalle; Isomorphie’n ; 
Greenockit i 

Bussr: Steinkohlen von Commentry N | 

Senez : Zerlegung verschiedener Eisenspathe 

Ch. U. Sueparp: zerlegt Meteorstein aus Missouri 

W. Hamincer: neue Varietät von Arragonit von Herrengrund 

L. Ersser: Eutwickelung einer krystallographischen Formel 

L. A. NEcker: chromsaures Rrskın yon Unst 

A. Beeıtnavuer: Plakodin, neuer Kies von Müssen 

PETERsEn: analysirt Basalt von Suhl . 

Dipvay: analysirt Kaolin von Grimaud 

W. Hamınser: neue Lokalität von Gaylussit- "Metamorphosen 

H. Rose: Licht-Erscheinungen bei Krystall-Bildung . . . 

Esermen: Aikalı-haltiges Mangan-Erz von Gy, Hauute-Saone 

C. Rammeusgerg: Zusammensetzung des Humboldtit’s von Bilin 

Kranz: Mineralien in Granit- Gängen auf Elba : 

Bior: Krystall-Bildung des Ap ophyl lits von Faröe und Grönland 

P. BerTHIER: Brom-Silber aus Mexico und Frankreich 

P. Savı: Branehit, ein Brenz aus Braunkohle T'loskana’s 

CLaussen: Diamanten ım alten rothen Sandstein Brasiliens . 

A. Erman: Gediegen-Eisen aus der Petropawlower Goldseife 

Po. Prantamove: neue Mineralien: Agirin und Titaneisen 

aus Schweden . 
Yorke: künstlicher Arragonit ! 
M. ve Serres: Tr ein neues Mineral aus dem Ardeche- 


Departement 
A. v’Aımour, Romäin, neues llineraft von st. Marcel 
TraıL: essbares Bergmehl aus Umea Lappland h 


PıyEen: Zeriegung chinesischen Mineralmehls 

Rammersserg: zerlegt Nickelglanz (Nickelarsenik-Kies) v.Luberstein 
h Psilomelan aus Siegen 

Biscuor: zerlegt Rasen-Eisenstein von Bloritzburg 


Duroczer: Mineralien der Faröer : - . 
Rammeusgenc: zerlegt Hausmannit von Ihlefeld 
R Heulandit aus Istand - 


Boye£ und Bor: zerlegen 3 Feldspathe aus Delaware 

J. Privauvx: Fibroferrit, natürliches Eisen-Sulphat aus Chi? 
H. Asıcn: Feldspath-artige Mineralien, Nachtrag II - 

A. BreitHaupT: neue Formen des tesserälen Kıystall- Systems 
Denis: Vorkommen der Diamanten in Minas geraes 
Sınvınc: Analyse des Bournonits von Neudorf . 
RammersgerG: zerlegt faserigen Braun- Eisenstein aus 


Braunschweig i 
'SAaUvAGE: zerlegt Halloysit von Mezieres 
C. Kersten: Vanadin in Deutschland { 


Bopvemann und Lirton: zerlegen Oligoklas und Feldspath - 
W. Haıinger: Hartit, ein neues Erdharz aus Nieder-Österreich 
J. Domzrro: Vorkommen von Fahl- und Buntkupfer-Erz Chälis 
Gruner: analysirt Kalkstein des Ambert-Tbales c i 
C. Bromsis: analysirt Fahlerz aus Blexico 
A. Gıirarn: Basalte und ihr Verhalten zu Doleriten 
. Rose: Dimorphie des Palladiums 
F. X. M. Ziere: Vulkanische Mineralien Böhmens und ibr geo- 
guostisches Verhalten . i Ä B - . 
SENEzZ: zerlegt Kalkstein von Veuzac 
Kranz: Eiseuglanz und Eisenkies auf Elba 


Scite 
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955 
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732 
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Xu 


. Seite 
Raımmersgers: zerlegt Bitterspath, Miemit, von Bilin . ; 851 
A. BreitHaupr: über Kalkspath und Arragon r & : 2 851 
SauvaceE: Analyse von Oxford-Thon und Craie tufau £ : 852 
EsBELmEen: ,„ des Kalks von Busey-les-Gy e : 852 
E. F. Grocker: Wasserkies, in Mähren und Schlesien. re 852 _ 
Durr£enoy: Untersuchung des Villarsits - . . » 853 
W. Haıpineer: Ixolit, ein neues Erdharz . - : : > 854 
R. Hermann: Ural-Orthit, ein neues Mineral , . A 854 
. B. Geologie und Geognosie. 

Pırıa: Versuche über die Erscheinungen an den Fumarolen der 
 Solfatare und des Aygnano-See’s . 113 
C. Harımann: „die Schöpfungs-Wunder der Unterwelt“ Stuttg. 

1841, 8.) 114 
W. Rıcnaroson: über die Lokalität des Hyracotherinm 114 
Ar. Bronenıart: Aschen-Regen auf einem See-Schiffe bei Sumatra 115 
Bramston: Beständig gefrorner Boden in N.-Amerika : E 116 
Hebung und Anschwemmung von Land in der untern Loire und 

der Vendee . e i F } } 117 
Duwvar: Neocomien- Gebirge im Drome-Dept. N 4 : ; 118 
Forcnnammer: Tertiär-Boden Dänemarks . 5 243 
E. Rosert: Ursprung der Kieselerde des Geysers auf Island 5 243 
C. Darwın: merkwürdige Sandstein-Barre zu Pernambuco u. a. 243 
MAaATHER 
H. D. Rocsrs| zerstreute Blöcke und Geschiebe des Diluvial- 
LockE Landes in Amerika . ; \ 2 ? : 245 
JACKSON 
G. BLödE: geognostische Beschreibung des Gouvts, Charkow . 246 
J. DE CHARPEnNTIER: „essai sur les glaciers etc.“ 1841, 8°. i 342 
L. A. Necker: Gletscher-Morainen und Eis-Zeit i 350 
Ca. Martins: Gletscher Spälzberyens, der Schweitz und Norwegens 354 

= In wie ferne Gletscher die Steine ausstosseu : 356 

L. Acassız: Neue Beobachtungen am Aar-Gletscher . 359 
W. A. Lamrapivus: künstliche Verflüchtigung des Goldes und Sübers 359 
Durrenoy: vulkanische Gebilde um Neupel f Ä , 465 
v. MEYENDoORFF: geognostischer Umriss von Russland ’ : 474 
E. Desor: Besteigung der ‚Jungfrau . ; 3 ; . 476 
r n Schliff-Flächen in den Kalk- Alpen ; \ , ; 476 
Fortführung von Staub über’s Meer . : \ : , 476 
De Correeno: Ritzen der Schliff-Flächen . : ; 478 
BovssineauLt: über die Wärmestrahlung des Schnee’ s ‘ } 478 
WANGENHEIM von QuaALen: Geognosie des westlichen Ural’s . 478 
G. Fıscuer v. Warpnem: Bestimmung dortiger Petrefakte > 483 
F. Uncer: fossile Pflanzen auf der Stangalpe . 3. s 607 
Daver£e: über die Zinnerz-Lagerstätten ü . } & : 609 
S. A. v. Herner: über Gang-Theorie’n 610 
WaLkEr u. A.: Zerstörungen von Gestein durch Saxicava rugosa 

zu Plymouth . ? Sp 
Arc. D’Orzıcnv: Tertiär- ‚System der Pampa’s S.-Amerika’s g 736 
Acassız’ und Desor’s Winter-Ausflug nach den Gletschern P 737 
J. DE CuArrentier: die Venerz’sche Hypothese auf erratische 

Erscheinungen des Nordens angewendet [vgl. S. 745] : 738 
Durocuer: Erratische Erscheinungen in den Pyrenden . 741 


H. Br. Geimitz: das Sächsisch-Böhmische Kreide- WENTEPR IIL,, 
Oberlausitz und innres Böhmen . 4 N . 74 


X 


J. Dessovees u. ©. Pr£evost: Knochen-Höhlen u. Breccien um Paris 
ELsıe pe Beaumont: über Durocuer’s Abhandlung von den Dilu- 


vial-Erscheinungen des Nordens . , 
Erıe pe Beaumont: Wirkung zentraler Wärme und äusserer Kälte 
auf Gletscher-Bildung . - , . a 
— — über erratische Phänomene . \ ; . . N 
D’AgBaDIE: das Tehama in W.-Arabien ; ! i \ . 


Steinkoblen-Lager in Istrien und Dalmatien 

v. SENARMoNT: das Kreide-Gebiet im Aube-Depart. 

A. PırLLette: Steinkohlen-Becken in den östlichen Pyrenäen 

Erdbeben in S.-Salvator, Guatemala ü i 
5 auf Ternate g 

Durrenoy: Aufnahme von Staub in die Wolken } 


C. Petrefaktenkunde. 


G. zu Münster: „Beiträge zur Petrefakten- Ber IV. Heft, 1841 

Ein modernes Mammont in N.-Amerika 5 

H. v. Meyer, „veue Gattungen fossiler Krebse im Bunten Sand- 
stein“ etc. 1840, 4. 

Koch und ScHhmip: „die Fährten-Abdrücke im n Bunten Sandsteine 
bei Jena, 1841, 4. . 

L. Vanuxem: Austern-Lager auf der Küste der Vereinten Staaten 

VALENcCIENNES: Fisch- und Reptilien-Genera des Meeres oder 
des Süsswasserss . 

H.R. Görrerr: Quadersandstein- Flor Schlesiens "und Aachens 

Kıur: über Canis propagator b 

Duvar-Jouve: „Belemnites des terrains eretaces“ ä 1841, 49 

Owen: 6 neue Arten fossiler See-Schildkröten ; 2 - 

D’OrszısnY: Foramiferen der Pariser Kreide s : 

v. Bucn: „Produkten oder Leptänen“, 1841, SP . 

G. Bronn u. J. J. Kıup: „Gavial-Reptilien des Lias“, 1841, fol. 

C. Luxıs: Zersetzung suceulenter Pflanzen-Stämme 

FıscHer v. WaLpnem: fossile Pflanzen Russlands 

De ChrıstoL: Sinemuria, ein neues Genus fossiler Muscheln . 

L. Acassız: Monographie d’Echinodermes, 3°. livr., Neuchatel 1842 

De Laızer et pe Parıev: fossiles Pachyderm, Oplotherium 

D’Arcusac: Fossilisation der Echinodermen „. . 

GörrperT und EHReENBERG: Schlesisches Wiesen- Papier 

R. Owen: 2. Bericht über fossile Reptilien Britaniens 

G. Gr. zu Münster: Beiträge zur Petrefakten-Kunde Y. Heft, 1842 

G. Fischer DE WALDHEIM: sur le Rhopalodon, Saurien fossile; 8° 

L. Acassız: Nomenclator zoologicus, Fascic. I, 1842, 4° 3 

H. E. Srricktanp: über das Muschel-Genus Cardinia im Lias 

S. P. Prast: Libellen-Flügel im Lias 

S. SturcHgury: Pachyodon, fossiles Muschel- Geschlecht i im n Lias 

A. E. Corpa: Karpolithen, besonders der Steinkohlen-Formation 

Ixem: Reinigung von Grünsand-Petrefakten : ; . 

L. Acassız: Poissons fossiles, livr. XIV, 1842 - ) : 

Bucktand: Schnecken-Löcher im Kalkstein . , L - b 

C. Pr£vost: desgl. - 

BuckıneHam: Menschen- Fährten im Sandstein 'N.-Amerika’s . \ 
A. v. GursIer: fossiler Farnen-Stamm: Caulopteris Freies- 
lebeni, in Zwickauer Schwarzkohle (1842, 8°) . i 
J. Scortr BowerBAank: Moos- Achate u. a, kieselige Körper e 
R. Owen: Polyptychodon-Reste im Untergrünsand Englands 


Bich-TaEs 


Seite 
743 


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502 
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503 
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620 


XIV 


. Seite 
M.- pe Senres: Metaxythberium- Skelett bei Beaucaire . - 622 
R. A. pu Roquan: „Description des Rudistes des Corbieres, 4°“ 623 
Coqguann: Abhandlung über Aptychbus und Teudopsis . ö 625 
M’CrerLanp: Hexaprotodon, ein fossil. Pachyderm: (stindiens 628 
T. B. Jorpan: Galvanische Kopie’n von Petrefakten 629 
C. MicnHerorr:: „Alunografia del Genere Murex, Vicenza 1841, 4° 745 
Uncer: Versteinte Hölzer des Museums zu Linz . 745 
E. Forges: zoo-geolog. Beobachtungen über Süsswasser- Konchylien 748 
A. D’OREIENY: Z00- geologische Beobachtungen über Rudisten.. 749 
Guerrin: Insekten in Bernstein Siziliens . ; ; : ; 750 
©. J. Dare: Fossile Libellen iu Lias \ ; ; E s 750 
v. NortHampron: Fossile Arachniden ; ä k : ö 750 
BuckLann: Bericht über fossile Insekten . - i 750 
Gray: 2 neue Seestern-Genera: Comptonia und Framia i 751 
Eve. Sısmonpa: „Monografia degli Echinidi del Piemonte“, 1841 4° 751 
C. G. EuRenBERG: Lager mikroskopischer Organismen in Berlin 752 


L. Acassız: Etudes critiques sur les Mollusques fossites, II, . 

Myes, le moitie (Neuchatel, ie 2 s ; E 8 862 
Corva: über fossile Pflanzen ; | ; 866 
W. H. Benson: systematische Stellung von. Bellerophon ee: 867 
J. Quezertr: Infusorien-Arten, welche im N. leben und in Rich- 


mund fossil sind . no: 5 . x N 153 868 
H. H. Wuıte: fossile xuntbidien 2 Y : z 868 
R. Owen: fossile Säugthiere von Darwın’s "Welt- Reise L : 868 


D. Mindralien- id RE ie, 


Veokanf einer bedeutenden Mineralien-Sammlung R 125 
OsermürLer und Tascae’s Sammlungen aus dem Pariser Bein 753— 756 


E. Geologische Preis-Aufgaben 


der Niederländischen Sozietät zu Harlem 2 . { L 829 


Drucktehler-Verzeichniss. 


Seite Zeile statt lies 

31, v0. .28 at, 

58, U4 „ u. AGassız v. CHARPENTIER und Acassız 
02, 4 „ im Abschwung im Abschwung 

68, o. Schoonen Schoonen, 

- . Atleynanys Allegannys 

1062.03 3) N 4) 

167, 22 „ „Ataenian taeniam 


ER pr IX. 
BE A 7 — Aug. 21 
316, 1, u. gändli zugleich 

439, 9, o. VerhäNnisse „ Verhältnisse, 


„ gestürzier gestürzte. 

verzeichnet, förderen sie oft die- 
selbe. Es 

jedoch die 

noch nach 

also 

Weltkrankheiten 

Identität, d. i. seine Gottheit, 

XLI 


445, 15 „ o. als 

» 2 „ u. Weltkräften 
447, 17 „ ,„ Identität 
455, 5,0. XL, 

2, u! 

y an 

459, 11 ,„ o. rhomboedri- 


722, 12 „ „ 10. JamEson’s 
24. 5,u11B 

743, 12 „ o. Blackdow 
750, 5 „ u. Bächer 

751, 7 ,„o. Kafer 


Das 
Flötz-Gebirge nördlich von Bisenach, 


von 
Brn. Bergmeister A. CREDNER 
in Gotha. 


— 


Hıezu Tafel ]. 


— 


Die Gegend, auf welche sich die nachfolgende Beschrei- 
bung beschränkt, umfasst das bergige -Land' nördlich von 
-der Zörsel bei Eisenach und östlich von der Werra bei 
Kreutzburg. Die Oberflächen - Verhältnisse derselben über- 
sieht man am leichtesten, wenn man auf der Strasse von 
Langensalza nach Eisenach die Höhe zwischen Gross-Beh- 
ringen und Gross- Lupmiz betritt. Bei dem ersten Dorfe 
endet die Keuper-Ablagerung, welche das ringsum von Mu- 
schelkalk- Höhen umschlossene Plateau von Gotha bedeckt. 
Unter braunrothen Mergeln heben sich westlich von jenem 
Dorfe die Glieder der Lettenkohlen-Gruppe hervor, gleich- 
förmig dem Muschelkalk angelagert, welcher in hor. obs. 
104 streichend und 50100 gegen NO, einfallend in einem 
flachgewölbten, von der Nessa durchschnittenen Rücken die 
Höhe des Zainichs mit dem Zöürselsberg bei Sättelstedt ver- 
bindet. Auf diesem Berg-Rücken zwischen Gross-Behringen 
und Zupnitz. angelangt, erblickt man ein schmales, in nord- 


westlicher Richtung langgezogenes Bassin vor sich. Scharfe 
Jahrgang 1842. 1 


2 


Berg-Rücken, deren Form in ihnen schon aus der Ferne 
Kalk-Berge erkennen lässt, umschliessen dasselbe von allen 
Seiten. Gegen SW. hin erstrecken sich die der Zürsel ent- 
lang laufenden Höhen des Zörselsberges, des Landgrafen- 
berges, des Ramsberges und Goldberyes, ferner jenseits der 
Werra, welche diesen Höhen-Zug bei Hörschel durchschnei- 
det, der Kieiforst und Entenberg; gegen NW. hin schliessen 
sich die Höhen jenseits der Werra bei Kreutzburg mit dem 
Hellerstein an die vorigen an; gegen N. und N®, vom er- 
wähnten Bassin erhebt sich der breite und hohe Kalk-Rücken 
des Aainichs, welcher sich nördlich von der Werra nach 
dem Kalk-Plateau des Eichsfeldes hinzieht. Das so begrenzte 
Bassin wird durch einen etwas niedrigeren, von Kreuizburg 
aus gegen SO. hin auslaufenden Höhen-Zug, welcher sich bei 
Neukirchen einerseits nördlich nach dem Zaimich, anderseits 
südlich nach dem Landgrafenberg hin verläuft, durchschnit- 
ten. Es entstehen hierdurch drei kleinere Bassins, das von 
Gross-Lupnilz, das von Mihla und das von Krauthausen. 
Aus diesem letzten erheben sich einige ansehnliche Berg- 
Höhen, der Moseberg, der Eichelberg, die Schlierberge und 
vor allen die Kesel-förmige Kuppe der Zageleite. Diese 
letzte erreicht gegen 1100’ Meeres-Höhe; die meisten der 
das Bassin umschliessenden Kalk-Berge erheben sich bis zu 
1300° und 1400'. 

Am südwestlichen Abhange des Berges zwischen Gross- 
Behringen und Gross-Lupnilz, welcher diese Übersieht ge- 
währte, gehen die oberen Lagen des Muschelkalkes in vie- 
len Schluchten zu Tage aus; sie streichen in hor. 11 und 
fallen 5°—10° gegen SW. Auf ihnen ruhen die Keuper- 
Mergel, welche sich jenem Berge entlang von Mellborn über 
Gross-Lupnitz bis Julienslust hinziehen. Hier bei Juhenslust 
liegen die mergeligen gelblich-braunen Schiefer der Letten- 
kohlen-Gruppe dem Muschelkalk gleichförmig auf; die Schichten 
streichen dein von Newkörchen nach dem Aatnich hiniziehenden 
Berg-Sattel parallel in hör. S, mit einem Fallen von 10% gegen 


SW. Ebendiese Schiefer zeigen oberhalb Zölzelsroda ein 


3 


südöstliches Streichen mit flaechem nordöstlichem Einfallen. 
Südlich von Wenigen- Dupnitz, am Fusse des Jörselsberges sieht 
man neben dem in hor. 10 streichenden und gegen NO. ein- 
fallenden Muschel-Kalk die buntgefärbten Mergel des Keu- 
pers in entsprechender Lagerung. Es geht hieraus hervor, 
dass dem Bassin von Gross- Lupnälz die Keuper-Mergel Mulden- 
förmig und dem Muschel-Kalk gleichförmig aufgelagert sind. 

Ganz dieselben Verhältnisse wiederholen sich im Bas- 
sin vor Mehla; doch sind hier die Glieder des Keupers in 
dem von Berka nach MiAle in nordwestlicher Richtung lau- 
fenden Thal-Grunde in ihrer ganzen Entwickelung zu beob- 
achten, während sie in der Gegend von Gross-Zupnitz durch 
die Acker-Erde fast gänzlich überdeckt sind. Unterhalb Berka 
ruhen die Lettenkohlen- Schiefer einen Fuss mächtig und 
‚ von dolomitischen Mergelin begleitet, gleichförmig. auf den 
oberen Lagen des Maschel-Kalkes am südwestlichen Abhange 
des Zainichs (Streichen hor. 10, Fallen 10° SW.). In ent- 
sprechender Lage findet sich bei Lauterbach der Dotomit, 
sowie unter demselben der braunrothe und grünlieh-graue 
Mergel-Sandstein dem Sandstein des rothen Steinbruches bei 
Goiha parallel. Bei Mihla wenden sich die Schichten der 
Lettenkohlen-Gruppe gegen SW. und ziehen sich hierauf in 
SO. Riehtung mit NO. Einfallen dem Newkirchener Höhen-Zug 
entlang hin. Also auch hier eine völlig geschlossene flache 
Mulde, welche nach ihrer Mitte zu mit braunrothen Keuper- 
Mergeln ausgefüllt ist. 

Manchfaltiger sind die geognostischen Verhältnisse des 
Bassins von Krauthausen. Es erstreckt sich in NW. Rich- 
tung vom Landgrafenberg bei Eisenach über Kraulhausen, 
die Saline Wilhelmsglücks- Brunn, über die Werra hinüber 
bis in die Gegend von /fla auf eine Länge von 2 Meilen, 
während die grösste Breite desselben zwischen Spiehra und 

Kreutzburg kaum eine halbe Meile beträgt. Ursprünglich 
_ dürfte dieser grosse Unterschied zwischen Länge und Breite 
noch ansehnlicher gewesen seyn, da das isolirte Vorkom- 
men der Lettenkohlen-Gruppe und jüngerer Gebilde. in 

1: 


4 


südöstlicher Richtung jenseits der Nesse und Zörsel hei 
Trennelhof und Rothehof auf einen früheren Zusammenhang 
mit dem Bassin bei Krautkausen hindeuten dürfte. 

Die Mulden-förmige Bildung, welche auch diesem Bas- 
sin zu Grunde liegt, geht aus den OÖberfllächen- Verhältnis- 
sen der Gegend wenigstens beim ersten Anblick nieht hervor; 
die Höhen und Berg-Rücken des Moseberges, des Eichelberges, 
der Hageleite, des Schlierberges und des Tellberges, welche 
sich regellos vertheilt in ihm erheben, scheinen vielmehr 
dagegen zu sprechen und deuten jedenfalls auf Anomalie’n 
der geognostischen Verhältnisse hin, welche die ungewöhnliche 
Form der Oberfläche zur Folge hatten. Sie werden sich 
leicht übersehen lassen, wenn zunächst die Gesteine, welche 
den Rand und den ursprünglichen Grund des Bassins bilden, 
und sodann die in demselben abgelagerten Gebilde betrachtet 
werden. 

Das Krauthäuser Bassin ist ringsum von Berg-Rücken 
des Muschelkalkes umschlossen, dem sich in Lagerung und 
Verbreitung die Lettenkohlen-Gruppe unmittelbar anschliesst, 
Den Berg-Rücken entsprechend streichen die Schichten vor- 
herrschend in nordwestlicher Richtung, am südwestlichen 
Bassin-Rand gegen NO,, am Nordostlichen gegen SW. ein- . 
fallend. In dieser Lagerung sieht man am rechten Thal- 
Gehänge der Hörsel unterhalb Slediefeld über dem Bunten 
Sandstein den Wellenkalk, den Gyps mit Dolomit und den 
Kalkstein von Friedrichshall in hor, 9—10 streichend und 
30°—40° gegen NO. einfallend. An dem gegenüberliegen- 
den Rande, am Höhen-Zuge zwischen Ütterode und Kreulz- 
burg fallen die Schichten des Wellenkalkes bei einem Strei- 
chen in hor. 9 unter 10°—15° gegen SW. ein, Sprechen 
diese vorherrschenden Lagerungs-Verhältnisse für eine Mul- 
den-förmige Bildung, so beweisen zahlreiche Beobachtungen, 
dass diese unter den gewaltsamsten Störungen stattfand und 
daher vielfachen Unregelmässigkeiten unterworfen war. Schon 
zwischen dem Dorfe Zörschel: und Stedtefeld in der Nähe 
der beiden Basalt-Gänge , welche im Wellenkalk aufsetzen; 


B) 


bemerkt man bald ein südwestliches Einfallen, bald eine 
lothreehte Stellung der Schichten. Weit auffallender sind je- 
doch die Lagerungs-Verhältnisse am Michelsberg bei Eisenach. 
Am westlichen Abhange dieser durch mehre Steinbrüche auf- 
geschlossenen Berg-Kuppe gehen die oberen Schichten des 
Bunten Sandsteines zu Tage aus; braunrother und grünlich- 
weisser, zum Theil dolomitischer Mergel-Sandstein wechselt 
in dünnen Lagen mit buntgefärbten Mergeln. Anfangs fallen 
die Schichten bei einem Streichen in hor. 91, unter 80°—S5° 
gegen NO., näher noch der Kuppe zu bei gleichem Streichen 
unter S0° gegen SW. Die Kuppe selbst besteht aus Wel- 
lenkalk, dessen Schichten, in hor, 9 streichend, unter 72° 
gegen SW., also unter den Bunten Sandstein einfallen. In 
einem Gyps-Bruch am östlichen Abhange des Michelsberges 
schneidet dieser Wellenkalk an einer stockförmigen Masse 
von thenigem Gyps und buntem Mergel scharf ab. Die 
Grenz-Fläche streicht in nördlicher Richtung und fällt unter 
ungefähr .50° gegen SW. ein. Wegen dieser Auflagerung 
des Wellenkalkes auf dem Gyps-Mergel wurde dieser selbst 
von Frıepe. HormAnn dem Bunten Sandstein beigezählt, wäh- 
rend er dem Keuper angehört, wie nicht nur aus seiner 
petrographischen Beschaffenheit, sondern auch aus seiner 
Auflagerung auf den Muschelkalk am Landgrafenberg und 
oberhalb Stregda hervorgeht. In dem erwähnten Bruch am 
Michelsberg erscheinen die Schichten des Keuper - Mergels 
stark gebogen, etwas vom Berge entfernter streichen sie in 
hor. 10 und fallen unter 50% gegen SW. 

Der Michelsberg ist nur durch den Michelsbach vom 
südöstlichen Fusse des Ramsberges getrennt. In dem Pro- 
file, welches die an diesem hinführende Chaussee bildet, zei- 
gen sich genau dieselben Anomalie’'n, wie am erstgenannten 
Berge. Statt des Keuper-Mergels erscheinen jedoch hier die 
Glieder der Lettenkohlen-Gruppe in gekrümmter, aufgerich- 
teter Schichten-Stellung unter dem Wellenkalk. Auch zeich- 
net sich dieser durch eine an Steinkernen von Trigonia 
vulgaris reiche Lage. aus; diese Kerne liegen nicht, wie 


6 


gewöhnlich, auf der oberen, sondern auf der nach unten gekehr- 
ten Seite derselben, eine Erscheinung, welche die förmliche Um- 
kippung der Schichten recht augenscheinlich darlegen dürfte. 
Wendet man sich in südöstlicher Richtung vom Michels- 
berg nach dem linken Thal-Gehänge der Zöürsel, so wiederholen 
sich ganz ähnliche abnorme Erscheinungen an den Kalk- 
Rücken des Gau/lgenberges. Die Schichten des Kalksteines 
von Friedrichshall, namentlich (die unteren oolithischen Lagen, 
streichen hier in hor. 104 und fallen unter 60° gegen SW. 
unter den Bunten Sandstein, der sich weiter hinauf nach 
dem Göpelsderg zu mit gleichem Streichen und Fallen auf- 
legt, welches sich erst in der Nähe des Zechsteines in die 
entgegengesetzte Richtung umändert. Dass jener Kalkstein 
am Galgenberg Muschelkalk sey, diess beweisen die zahl- 
reichen Versteinerungen desselben, namentlich Enerini- 
tesliliiformis,Peeten Albertii und AvieulaBronni. 
3ei dieser ist, wie gewöhnlich, die rechte Klappe mit der 
Kalk-Schichte verwachsen, die linke aber nicht nach oben, 
‚sondern nach unten gerichtet, indem auch hier die Versteine- 
rungen auf der nach unten gekehrten Seite der Schieht liegen. 
Der Kalksteın des Galgenberges zieht sich als ein schma- 

ler Kamm bis zum @efilde hin, dann erhebt er sich zu der 
Höhe des Arnsberges, weleher durch einen schmalen aber 
tiefen Berg-Sattel vom Reihersberg getrennt ist. Die Schlucht, 
welche sich zwischen beiden nach Fischbach zu öffnet, be- 
zeichnet zugleich einen verschiedenen Schichten-Bau in den 
Kalk-Bergen. Westlich von ihr fallen (Fg. 5) die vielfach ge- 
krümmten Schiehten des Wellenkalkes und ‘des unter ihm 
hervortretenden Bunten Sandsteines meist steil gegen SW., 
während man am östlichen Gehänge derselben ein theilweises 
Profil der gegen NW. einfallenden Lagen der verschiedenen 
Glieder des Muschelkalkes vor sich sieht. Auch die Letten- 
kohlen-Gruppe schliesst sich, um die Verwirrung zu ver- 
grössern, mit zum Theil stark aufgerichteten Schichten, 
welche theils gegen NW. und theils gegen NO. einfallen, 
dem Kalkstein von Friedrichshall an. 


7 


Solche auffallende Störungen sind indessen nicht nur 
auf den südlichen Rand des Krauthäuser Bassins beschränkt, 
sie finden ebenso am nördlichen und in der Mitte desselben 
Statt. Zwischen Siregda und Madelungen erhebt sich ein 
scharfer Berg-Kamm, niedriger als der angrenzende Mose- 
berg. Muschelkalk und die Schichten der Lettenkohlen- 
Gruppe, namentlich eines gelblichbraunen, an Kalkspath- 
Drusen reichen, körnigen Dolomites bilden ihn, -Die Gestein- 
Lagen streichen dem Berg-Rücken gleichlaufend in hor. 19 
"und fallen 35°—50° gegen SW. 

Noch verwickelter ist der Schichten-Bau einiger niedri- 
ger Rücken von Wellenkalk zwischen Madelungen und Ütie- 
roda am nördlichen Fuss der Zageleite. Wie bei den übri- 
gen Ralk-Bergen streichen auch hier die Schichten in Stunde 
9—10; dagegen zeigt sich in der Neigung derselben nichts 
Konstantes: unmittelbar nebeneinander sieht man sie bald 
steil aufgerichtet, bald in söhliger Lage, bald manch- 
faltig gekrümmt. 

Vom Goldberg oberhalb Stedtefeid zieht sich ein langer 
Höhenzug, der Tellberg, in nordnordwestlicher Richtung ‚queer 
durch das Krauthäuser Bassin nach Äreuizburg zu, welcher 
sich erst dicht vor der Saline Wilhelmsglücks-Brunn in die 
Ebene verläuft und gegen die Werra hin steil abfällt. Er 
besteht aus den Schichten des Kalksteines von Friedrichs- 
hall, unter welchen am steilen Abfall nach der Werra zu 
unterhalb Spzehra, am Spaienberg, der schon von Voisr be- 
‚schriebene Gyps ausgeht. Die Schichten des zum Theil ooli- 
thischen Kalksteines, reich an Encrinites liliiformis, 
Plagiostomastriatum, Terebratula vulgaris, Tur- 
ritella sealata, Avicula socialis, streichen auf der 
Höhe des Berges hor. 104 unter 45°—50° gegen SW. ein- 
fallend, und am Fusse desselben nahe bei der Saline und in 
der Nähe des Gypses hor. 14, flach gegen ©. fallend. 

Um ‚und neben den aus Muschelkalk und aus der Let- 
tenkohlen-Gruppe 'bestehenden Höhen, welche sich im Krauft- 
häuser Bassin erheben, erscheinen jüngere Gebilde an- und 


& 


auf-gelagert , ohne solche Störungen, wie die vorerwähn- 
ten, selbst in der unmittelbaren Nähe dieser Berge zu 
zeigen. Es folgt hieraus, dass das Bassin von Krauthau- 
sen vor Ablagerung solcher jüngeren Gebilde Form und 
Gestalt erhielt und dass diess mit gewaltsamen Störungen 
der Lagerung der bereits vorhandenen Gesteine verknüpft 
war, wobei sich auch hier die am T’häringer- Wald vorherr- 
schende nordwestliche Richtung der Hebungen geltend macht. 
Die Zeit, in welche diese Störungen fallen, dürfte mit der 
Billungs-Periode der Gyps-Mergel über der Lettenkohlen- 
Gruppe zusammentreffen. - 

Wir wenden uns nun zu den Gebilden, welche sich 
nach diesen Störungen im Krauthäuser Becken und um die 
aus ihm hervorstehenden Erhöhungen des Bodens ablager- 
ten. Sie bestehen aus der oberen Gruppe des Keupers und 
den Gliedern des Lias. Die braunrothen und grünliehgrauen 
Mergel des Keupers bedecken den grössten Theil des Kraut- 
häuser Bassins. Sie verbreiten sich vom Michelsberg nach 
Ramsborn, Deubachshof, Spiehra, vorzüglich aber über die 
Gegend von Stregda, Madelungen, Kraulkausen und Leng- 
röden, sowie jenseits der Werra nach Iffa zu. Am mäch- 
tigsten sieht man sie am nördlichen Abhang der Aageleste 
entwickelt. Es wechseln daselbst Schichten von grünlich- 
grauem Mergel mit licht-braunrothen Lagen desselben Ge- 
steines; dazwischen schalten sich einzelne 4’ — 2‘ mächtige 
Bänke eines dichten, festen, meist graulichweissen Thon- 
Quarzes oder eines diehteren Mergels mit krystallinischen 
Quarz-Nestern ein. Von Gyps zeigte sich keine Spur in 
dieser über 200° mächtigen Ablagerung. Die Schichten strei- 
chen hor. 11 bis 12 mit einem Einfallen von 15° bis 30% 
gegen SW. Eine gleiche Lage zeigen die Mergel am Eichel- 
bery, so wie a nördlichen Abhange des Moseberges. Da- 
gegen fallen dieselben Mergel-Lagen oberhalb Rumsborn und 
bei Spiehra unter 250 — 30° gegen NO., auf eine Mulden-för- 
mige Einlagerung derselben in Kraulhäuser Bassin hindeutend. 

In der Mitte dieses Beckens ist der untere Lias-Sandstein, 


“ 


9 


dem am,grossen Seeberg bei Gotha völlig entsprechend, abgela- 
gert. Er bedeckt die Höhe und den nordwestlichen Abhang des 
Moseberges, die Kuppe des Eichelberges und die Kuppe und den 
südwestlichen Abhang der Zageleite und der Schlierberge. Er 
ist meist gelblichweiss, feinkörnig, fester als die Sandsteine 
des Keupers und liefert ein ganz vorzügliches Bau-Material, 
welches. in. zahlreichen Brüchen am sSchäüerberg, an der 
Heageleite und am Eichelberg gewonnen wird. Er ist regel- 
mässig in mächtige Bänke geschichtet, welche gegen die un- 
terliegenden Mergel, mit welchen sie nirgends zu wechsel- 
lagern, scheinen, scharf begrenzt sind. Nur hier und da 
zeisen sieh schwache Lagen eines fetten grauen Thones 
zwischen den Sandstein-Schichten. Die oberste Bank, gegen 
10° stark, ist die mächtigste von allen; auf sie beschränkt 
sich fast ausschliesslich die Gewinnung von Bausteinen. Die 
Mächtigkeit der ganzen Sandstein-Bildung scheint ungefähr 
SO! zu betragen. Versteinerungen im Sandstein wurden bis 
jetzt nicht bemerkt. Die Schichten des Sandsteines streichen 
am Moseberg wie an den Schlierbergen hor. 94 bis 10% und 
fallen unter 10° bis 15° gegen SW.; nur an der Chaussee 
oberhalb Ramsborn scheint das entgegengesetzte Einfallen 
Statt‘ zu finden. Es möchte wohl keinem Zweifel unterlie- 
gen, dass die jetzt getrennten Partie'n des Sandsteines ur- 
sprünglich ein zusammenhängendes Ganzes bildeten und dass 
gegenwärtig nur noch einzelne Theile des nordöstlichen Flü- 
gels einer flachen Mulde vorhanden sind, welche die Mitte 
des Krauthäuser Bassins einnahm. Nur die festeren Sand- 
stein-Partien widerstanden bei der späteren Thal-Bildung 
der Zerstörung und schützten zugleich die unter ihnen lie- 
genden Mergel, die sich daher hier, wie zwischen Gotha 
und Arnstadt, als die untere Hälfte meist kegelförmig ge- 
stalteter Berge erhielten, 

Über dem unteren Lias-Sandstein folgen die Kalk- und 
Mergel-Schichten des Lias. Wenn sich diese einst auch in der 
Mitte des Krauthäuser Bassins ablagerten, so lässt sich doch 
nach den eben gemachten Bemerkungen im Voraus erwarten, 


10 


vorhandene Ablagerung desselben scheint sich anf eine kleine, 
dass ihr Vorkommen wegen ihrer leichteren Zerstörbarkeit 
noch beschränkter ist, als das des unterliegenden Sandsteines. 
In der That haben sich nur kleine Überreste ihrer Ablage- 
rung erhalten, die indess um so mehr Beachtung verdienen, 
je entschiedener sie für die frühere Verbreitung der Lias-For- 
mation im Krauthäuser Bassin sprechen und je deutlicher siedas 


Vorkommen der verschiedenen Glieder derselben nachweisen. 


Schon seit langer Zeit ist das Vorkommen von schwarz- 
grauen Mergel- Schiefern am Schlierberg namentlich durch 
Voist*), bekannt. Sie sind sehr dünnschieferig und der 
Verwitterung im hohen Grade ausgesetzt. Hiezu scheint die 
Zersetzung von Schwefelkies, welcher in ihnen vorkömmt, 
viel beizutragen. Sie ruhen, wie man namentlich im Kraut- 
häuser Steinbruch beobachten kann, unmittelbar auf dem 
weissen Sandstein, mit welchem sie in einigen schwachen 
Lagen wechsellagern. Weiter nach oben legen sich einige 
wenige Zolle starke Schichten eines schmatzig-gelben sandi- 
gen Mergels dazwischen. Noch höher hinauf sieht man eine 
gegen 1’ starke Bank zwischen den geradschieferigen Mergeln, 
welche aus plattgedrückten Nieren eines hellgrauen diehten 
Kalksteines und thonigen Sphärosiderites und aus Tuten-Mergel 
besteht. Darüber folgen wiederum schwarzgraue Mergel-Schie- 
fer, deren gesammte Mächtigkeit 20’ bis 25‘ beträgt. Sie sind 
dem unteren Lias- Sandstein völlig gleichförmig aufgelagert. 

Noch mehr, als diese Schichten-Folge, sprechen die Ver- 
steinerungen für die Zugehörigkeit der Schiefer zur Lias- 
Formation. In den Schichten unmittelbar über dem Sand- 
steine findet sich in zahlloser Menge Posidonomya Bro nnj, 
der kleinen, wenige Linien grossen Varietät entsprechend, 
welche Rormer **) als den bituminösen Lias-Schiefern ange- 
hörig bezeichnet. In den höheren Lagen scheint diese 


*) Vossr’s kleine mineralogische Schriften, Band I, S. 152. 
Desselben mineralogische Reisen durch das Herzogthum Weimar 
und Eisenach, Thi, 2, S. 95. 

**) Die Versteinerungen des norddeutschen Oolithen-Gebirges, $. 81. 


11 


Versteinerung gänzlich zu verschwinden, während eine kleine 
Avicula(Monotis), der A. fornieata*) ähnlich , immer 
häufiger wird; in dem dichten Kalkstein wurden sie bis 
jetzt nicht bemerkt. Ausserdem finden sich noch sehr häufig 
Abdrücke von Venus liasina, entsprechend der kleinen 
Varietät, welche Rosmer #*) aus den Kalk-Schiehten unter dem 
Tuten-Mergel bei Trilleke anführe. Endlich, sind Abdrücke 
und Steinkerne 'einer kleinen Bivalve, Cardium trunca- 
tum ***) entsprechend, in den Zwischenlagen von sandigem 
Mergel sehr häufig. Diese wenigen Arten von Versteine- 
rungen dürften genügen, um entschieden zu beweisen, dass die- 
ser schwarzgraue Mergel-Schiefer dem Posidonomyen - Schie- 
fer, wie er dem untern Lias-Sandstein im Innerste - Thal 
unmittelbar aufgelagert ist, völlig entspricht. Ammoniten und 
Terebrateln wurden bis jetzt in ihm nicht gefunden. Der 
Posidonomyen-Schiefer bedeckt den westlichen Abhang der 
Hayeleite und der Schlierberge; wenigstens wurde er hier 
bei verschiedenen Steinbruchs-Anlagen entblöst. In einem 
Schacht, welcher im Jahre 1798 versuchsweise auf Stein- 
kohlen angelegt wurde, fand man die Mergel-Schiefer gegen 
40! mächtig. in der Nähe des Sandsteines kommen nach 
Voıst}) einzelne kleine Partie'n einer vorzüglichen Stein- 
kohle, jedoch ohne Spur von Kräuter-Abdrücken vor. Ein 
gleichmässig fortsetzendes nur einigermaasen bauwürdiges 


Kohlen-Flötz wurde nicht aufgefunden. 


Ein zweiter Überrest des Lias hat sich am Moseberg 
erhalten. Schon Voicr +}) erwähnt, dass am Moseberg 
'Thon-artiger Eisenstein mit Gryphiten vorkomme, den er 
indess wegen seiner sehr beschränkten Verbreitung nieht 
habe auffinden können. Hrn. Gunmprecht gelang es vor 
Kurzem, diese Fundstelle näher nachzuweisen und durch 
das Vorkommen der entscheidendsten Versteinerungen das 
Vorhandenseyn des Lias-Kalkes darzuthun. Die jetzt noch 


*) Rormer’s Versteinerungen ete. Nachtrag, S. 32, Tf. XVII, Fg. 26. 
"”) a. a. ©. 109. — *””) Rozrmer a. a. O. Nachtrag, S. 39. 
1) a. a. 0. S. 154. — 7) Mineralogische Reisen, II, 88. 


12 


kaum 20 Schritte im Durchmesser betragende Fläche 'am 
nordwestlichen Abhange des Moseberges zu beschränken. Am 
sichersten findet man sie, wenn man den von Ramsborn nach 
Madelungen fülırenden Fussweg einschlägt, durch welchen 
da, wo er sich vom Berg-Rücken nach dem nordwestlichen 
Abhange herabzieht, einige Lagen des Lias entblösst sind. 
Sie bestehen aus schmutzig gelbgrauem Mergel-Thon und 
einer Schicht eines dichteren, theils schwarzgrauen, theils 
gelblichgrau gefleckten Mergel-Kalkes, mit welchem Nieren 
von thonigem Sphärosiderit vorzukommen scheinen. Die 
Mächtigkeit dieser Mergel- und Kalk-Lagen scheint nur we- 
nige Fusse zu betragen; sie ruhen unmittelbar auf dem unte- 
ren Lias-Sandstein, dessen obersten Schichten Mergel-reicher 
und weniger fest sind, als die tiefer liegenden. Wendet 
man sich gegen Ramsborn hin, so neigen sich hier die Schich- 
ten des gelblichweissen Sandsteines gegen NO., während sie 
in den alten Steinbrüchen an der nördlich von der Lias- 
Ablagerung gelegenen höheren Kuppe des Moseberges in hor. 
103 streichend unter 12° bis 15° gegen SW. einfallen. Es 
scheint hiernach, dass dieses Vorkommen des Lias der Über- 
rest des südöstlichen Flügels der ursprünglich Mulden-för- 
migen Ablagerung im Krauthäuser Becken ist. 

Welcher Abtheilung des Lias diese Überbleibsel am 
Moseberg parallel zu stellen sind, darüber lassen die vor- 
kommenden Versteinerungen kaum in Zweifel. Vor allen 
findet sich in ausserordentlicher Menge theils lose im Thon- 
Mergel, theils eingewachsen im Mergel-Kalk Gryphaea ar- 
cuata; weniger häufig sind Ammoniten, sämmtlich aus der 
Familie Arietes, Terebratula subserrata*®), Avi 
cula inaequivalvis, Venus liasina (9), eine Pecten- 
Art, so wie ein undeutliches Bruchstück eines Belemni- 
ten. Namentlich die unzweideutigen beiden erstgenannten 
Versteinerungen dürften die Annahme rechtfertigen, dass 
der Mergel und Kalk am Moseberg der Gruppe des Lias- 


Kalkes entspricht, in seinem petrographischen Charakter 


”) Rormer’s Versteinerungen, S. 42, Tf. U, Fg. 21. 


15 


mehr mit dem Vorkommen in Süddeutschland (besonders bei 
Bahlingen), als mit dem im nordwestlichen Deutschland *) über- 
einstimmend. | 

Voıst erwähnt in seinen mineralogischen Reisen **) 
eines alten in der Mitte des vorigen Jahrhunderts angeleg- 
ten Versuch-Baues auf Steinkohlen an den Kohlbergen süd- 
lich von Eisenach, welcher verschiedene Versteinerungen, A ste- 
rien, Belemniten, kleineAmmonshörner und Pecti- 
niten in ziemlicher Menge geliefert habe. Schon zweifelte 
ich an der Richtigkeit dieser Angabe und deutete sie auf 
die Versteinerungen und wulstförmigen Ausscheidungen des 
Wellenkalkes, welcher den Bunten Sandstein des Kohlberges 
umgibt, als icb bei Verfolgung der Schichten-Störung des 
Muscheikalkes der früher erwähnten Schlucht zwischen dem 
Arnsberg und Reihersberg eine alte Hialde fand, welche die 
Aussage Voıcr's völlig bestätigte. In zahlreichen Exempla- 
ren fanden sieh Bruchstücke von B 

Belemnites paxillosus (Tkleiner und spitzer zu- 
- Jaufend als B. paxillosus in Bronw’s Lethäa, 8. 409), 
die Falten an der Spitze in Folge der starken Verwitterung 
der Oberfläche undeutlich; 

B. pistilliformis (9 gleichfalls hassieh wegen star- 
ker Verwitterung der Oberfläche; 

Pentacrinites basaltifermis in zusammenhängen- 
‚den Stiel-Gliedern und einzelnen Wurzel-Stücken; 

AmmonitesAmaltheus, 14‘ bis 3 gross, 'zum Theil 
mit Knoten auf den abwechselnden Rippen, besonders häufig 
in einem schwarzgrauen Mergel versteinert; 

A. ...° (Fam. Faleiferi), in einem einzigen Bruch- 

stück gefunden; 

Terebratula vieinalis in Kalkstein eingewachsen; 

T. subserrata® mit der vorigen in Kalkstein einge- 
wachsen. 

Diese Versteinerungen, so wie das Vorkommen von lieht- 
gelblichgrauem dichtem Kalkstein, von thonigem Sphärosiderit 


'*) Rosmer’s Versteinerungen, S. 4, — "*) II, 100. 


14 

und schwarzem Mergel-Schiefer dürften die Annahme recht: 
fertigen, dass die hier abgelagerte Partie des Eias den Be- 
leinniten-Schichten entspreche, wie sie sich namentlich auch 
am Fusse des Zeimberges bei Göltingen finden. Aber unter 
welchen Verhältnissen erscheint diese Gruppe hier abge- 
lagert $ Voıst führt a. a.O.S. 99 an, dass in einem der ak 
ten Schächte eine Schicht schwarzgrauer Letten mit den 
Kalkstein - Schichten senkrecht niedergehe. Diese Angabe 
lleutet auf ungewöhnliche Lagerungs-Verhältnisse, über welche 
eine kurze Beschreibung der Umgegend weiteren Aufschluss 
ertheilen dürfte. | 

Südöstlich von Eisenach sind in einem kleinen Raum 
von ungefähr einer halben Stunde Länge und Breite, wel- 
cher mit dem Göpelsberg anhebend gegen W. von Marien- 
thal, gegen N. von der Zörsel und gegen 8. von einem un- 
bedentenden bei Rothehof in die Zörsel fallenden Bach be- 
grenzt wird, alle Formationen des Flötz-Gebirges zusammen- 
gedrängt, welche in der Zhüringen’schen Mulde vorzukommen 
scheinen. Vom Drachenslein herab ziehen sich die meist 
grobgeschichteten Bänke des Rothen-Todtliegenden mit grö- 
beren und kleineren Bruchstücken von Glimmerschiefer, Auarz, 
Granit und Porphyr bis an den südwestlichen Abhang des 
in südöstlieher Richtung lang sich hinziehenden Kammes des 
Güpelsberges. Hier erscheint ihm der Zeehstein, fast aus- 
schliesslich aus einem gelblichgrauen diehten un kleinkör- 
nigen Dolomit bestehend, aufgelagert, dem sich am nord- 
östlichen Abhange des Göpelsberges der Bunte Sandstein 
anschliesst., Bis dahin, wo sich dieser dem gegen NO. vor- 
liegenden Galgenberg und dem einzeln liegenden Hofe Ge- 
filde nähert und wo der von Eisenach nach Moosbach führende 
Fussweg gegen den Rothehöfer Grund zu abfällt, erscheinen 
die genannten drei Formationen in regelmäsiger, gleiehför- 
miger Auflagerung, in hor. 104 streichend und unter 25° 
bis 300 gegen NO, einfallend. Jenseits dieser Grenz-Linie 
hört die Regelmäsigkeit und Gleichförmigkeit der Schichten- 
Folge auf. Der Buute Sandstein und, noch weit auffallender, 


15 


derMuschelkalk erscheinen in der verworrensten Lagerung, 
Der letzte bildet den scharfen Kamm des Galgenberges, 
wie 'die steil nach allen Seiten hin abfallenden Rücken des 
Arnsberges, des Rerhersberges und des Armenberges. Die 
Richtung. dieser Berge und der ihr entsprechende Schiehten- 
Baunfolgt zwei Haupt-Linien; am Armenberg und Rerhersberg 
ist: sie der durch den Rofhehöfer Grund bezeichneten Grenze 
zwischen Muschelkaik und Buntem Sandstein im Allgemeinen 
parallel, die Schichten und Berg-Rücken streichen in nordöst- 
licher ‚Richtung und erste fallen unter 300—50° gegen NW. 
Am Galgenberg und Arnsberg herrscht die südöstliche Rich- 
tung, vor, mit vertikaler Aufrichtung oder steilem südwest- 
lichem Einfallen der Sehichten. Wo sich beide Hebungs- 
Linien durchkreutzen, sucht man vergeblich einen allmähliehen 
Übergang des Streichens der einen Richtung in das der an- 
deren ; eine tiefe Schlucht zwischen dem Arnsberg und 
Reihersberg, welche nieht nur den Muschelkalk , sondern 
auch, die oberen Lagen des Bunten Sandsteins durchschnei- 
det, „bezeichnet die Grenze zwischen beiden Richtungen ; 
südwestlich von ihr am steilen @ehänge des Arnsberges strei- 
chen die Schichten gegen SO., nordöstlich von ihr gegen NÖ. 
| Diesen offenbar gewaltsamen Störungen sind die vor- 
zugsweise verbreiteten Glieder des Welleukalkes, aber auch 
die des Kalksteines von Friedrichshail und der Lettenkohlen- 
Gruppe ausgesetzt gewesen, wie man recht deutlich an der 
Aufriehtung der Schichten in den Durchsehnitten letzter 
Gebilde am Fahrweg von Rolhehof nach dem Gefilde und 
‚an der Weinstrasse am Abhange des Armenberges beobach- 
ten, kann. Nur der Lias, welcher sieh in der Tiefe der 
erwähnten Schlucht ablagerte, war ihnen nicht unterworfen, 
Dafür sprieht nieht nur die auf diese Schlucht beschränkte 
Verbreitung desselben, sondern auch die wenig geneigte 
Lage seiner Schichten, namentlich des dichten Belemniten- 
reichen Kalksteines und der schwarzgrauen schiefrigen Mer- 
gel (Fig. 5). | | 

Der Einselinitt zwischen Arnsberg und Reihersderg kann 


16 


- hiernach füglicher Weise nicht anders, denn: als eineerweiterte 
Spalte betrachtet werden, gebildet nach: Ablagerung:der Let- 
tenkohlen-Gruppe und vor der des Lias, dessen Verbreitung 
sich hier auf die engen Grenzen innerhalb dieser Schlucht 
yu beschränken scheint. Denkt man sich die Richtung :der- 
selben gegen NW. hin verlängert, so trifft sie den ‘östlichen 
Abhang des Galgenberges und des Michelsberges,, sowie: das 
westliche Gehänge des Tellberges. Dieses Zusammentreffen 
legt den innigen Zusammenhang der Haupt-Störungen im Kraul- 
häuser Becken mit denen in der Nähe des Gefildes a eine 
schlagende Weise dar.  velrepind A 


Das Vorkommen des Lias lässt sich nach dem Vorher- 
gegangenen in der Umgegend von Eisenach an drei Punkten 
mit Sicherheit nachweisen. An den Schlierbergen und der 
Hageleite erscheinen über dem untern’Liäs!Sändstemidis Phl 
sidonomyen-Schiefer, am Moseberg über demselben Sandstein 
der Lias-Kalk, und am Fusse des Reihersberges die Belemniten- 
Schichten des Lias, Diese im hohen Grade beschränkten; 
gegenwärtig selbst unter einander isolirten Vorkommen :ste- 
hen ausser Konnex mit ausgedehnteren Ablagerungen des 
Jias; die Gegend von Coburg, in welcher die Verbreitüng 
des süd-deutschen Lias beginnt, ist ungefähr 15 Meilen, die 
des nord-deutschen Lias gegen 12 Meilen entfernt. Dennoch 
ist eine grössere Übereinstimmung der Eisenacher Vorkom- 
men mit dem letzten, als mit dem süd-deutschen Lias, un- 
verkennbar. Ganz besonders gilt diess vom Posidonomyen- 
Schiefer an den Schlierbergen, in seiner Zusammensetzung 
und Grösse der Posidonomya Bronni den gleichnamigen 
Schichten bei Astenbeck völlig entsprechend, und von der 
Belemniten-Schicht am Reihlersberg mit dem Vorkommen am 
Heimberg im hohen Grade übereinstimmend. 


Es liegt wohl nahe, das Vorkommen des Lias bei Bisen- 
ach mit dem des untern Lias-Sandsteines bei Golha*) zu 


*) Jahrbuch 1839, $. 380 ff. N a a2, 


a An 


17 


_ 


vergleichen. Bei diesem lassen sich, besonders deutlich am 
grossen Seeberg und am Rennberg, zwei Abtheilungen unter- 
scheiden. Die untere, 60‘—70' mächtig, besteht aus gelb- 
liehweissem feinkörnigem Sandstein mit einem quarzigen Binde- 
mittel, und nur ihre oberste 6‘—10' mächtige Bank aus einem 
weniger festen, leichter zu bearbeitenden mergeligen Sandstein. 
Diese untere Abtheilung stimmt selbst in den einzelnen Lagen 
mit dem Sandstein der Schlierberge und des Moseberges ganz 
überein, wenigstens möchte eine etwas geringere Festigkeit 
des letzten keinen wesentlichen Unterschied bilden. Be- 
sonders auffallend ist die Übereinstimmung der obersten Bank 
auch hinsichtlich ihrer 6°— 10‘ betragenden Mächtigkeit. 
Während über dieser bei Zisenach unverkennbare Glieder 
der Lias-Formation folgen, zeigen sich am yrossen Seeberg 
und ZRennberg Gebilde von einem zweideutigeren Charakter. 
Neuere Steinbruchs-Arbeiten gaben über sie folgenden Auf- 
schluss, 


Am grossen Seeberg liegen über dem gelblichweissen 
Sandstein 

1) Schwarzgrauer, feuerfester Thon mit schwachen La- 
gen von gelbem Thon und grauem sandigem Thon, 4° mächtig 
(a. a. ©. S. 399, ce): 

2) Grünlichgrauer Mergel-Sandstein mit schmutzig-grünem 
Mergel (z. Th. in flachgedrückten Kugeln) und sandigem 
Mergel-Schiefer abwechselnd; mit undeutlichen Spuren von 
Pflanzen-Überresten, 14° mächtig (a. a. ©. 8. 399, d). 

3) Gelblichgrauer Mergel- Schiefer und röthlichgelber 
Mergelthon mit Abdrücken und Kernen von Modiola mi- 
nima (Rormers Verst. S. 90, Tf. V, Fg. 6), Inocera- 
mus amygdaloides (f) und Cardium truncatum 
(Goror. Tf. OXLIUI, Fg. 10), 4'— 10' mächtig (a. a. O. 
S. 399, e). | 

Diese Schichten-Folge stimmt mit den, nur mächtiger 
entwickelten Gesteinen zwischen dem Salz-Gebirge und dem 
eigentlichen Lias der Umgegend von Salzgitter, wie RoEMER 


Jahrgang 1842. 2 


18 


(Verst. ete. Nachtrag, S. 2) anführt, überein. Mit einigen 
Abänderungen wiederholt sie sich am Rennberge bei Wech- 
mar. Am nordwestlichen Abhange desselben liegt in gleich- 
förmiger Auflagerung auf der obersten Bank des gelblich- 
weissen Sandsteines 

1) schmutzig grünlichgrauer und schmutzig braunrother 
Thon-Mergel, 4'—5' stark; 

2) gelblichgrauer Mergel-Thon, zuoberst reiner Thon; 
3’—4' mächtig; in dieser Lage finden sich, namentlich in 
der Nähe von schwachen Brauneisenstein- Adern, ringsum 
ausgebildete, gegen 1’ grosse Krystalle von weingelbem 
Gyps, in ihrer Form den Oxforder Krystallen gleich; 

3) gelber sandiger Eisenocker, meist ganz mürbe, 3° 
bis $' stark ; 

4) perlgrauer Thon, 4’ stark; 

5) schwarzer, schiefriger Kohlen-Letten, flache bis 34 
starke Nester einer sehr unreinen Bettenkohle umschlies- 
send; 3’—14‘ stark; 

6) gelblich sandiger Letten, 1’ mächtig; 

7) röthlich und gelblichweisser Mergel- Fan mit 
Equisetum, 

Dass man hier eine durch zufällige Lokal-Verhältnisse 
besonders stark entwickelte Zwischenlage vor sich habe, 
deren unter 1—6 angeführten Glieder der Lage des schwarz- 
grauen, feuerfesten Thones am Seeberg entsprechen werden, 
diess zeigt sich deutlich im obersten Steinbruch am Renn- 
berg, wo über der oberen S’—10°/ mächtigen Bank des gelb- 
lichweissen Sandsteines nachstehende Schichten folgen: 

a) braungelber sandiger Letten mit braunrothem sandi- 
gem Thoneisenstein, 14’ mächtig; 

b) grauer, fetter Thon, 1’ mächtig; 

e) schwarzer Kohlen-Letten, 1‘ stark; 

d) dünngeschichteter, thoniger Sandstein, 1/5 / 

e) röthlich- und bräunlich-gelber Sandstein, mit oft 
aufrechtstellenden Ästen eines Equisetum, Sl‘; 

f) grauer Letten, schieferig, 1%‘ stark; 


19 


g) gelblichbrauner, schieferiger Sandstein, 4; 

h) schmutzig gelblichgrauer schiefriger Letten. 

Hier entsprechen a, b, e und d den Lagen 1—6 am 
Fusse des Zennberges und h der obersten Schicht 3 am See- 
berg. An beiden Bergen liegt demnach über dem weissen 
Sandstein eine Bildung gegen 20‘ mächtig, aus Thon und 
Mergel, aus mergligem Sandstein . mit Pflanzen - Überresten 
besonders von einem Equisetum, und aus einem schmutzig 
gelblichen Letten mit Lias-Versteinerungen bestehend. Ror- 
MER rechnet nur diese Letten-Lage zum Lias, während er 
die tieferliegenden sandigen Schichten und namentlich den 
weissen Sandstein dem Keuper beizählt (Rorm. Verst. ete. 
Nachtrag, S. 2). Das beschränkte und untergeordnete Vor- 
kommen des weissen Sandsteines und noch mehr des Lias 
bei Eisenach und Gotha gewährt kein sicheres Anhalten, ob 
man über oder unter dem weissen Sandsteine die Grenz- 
Linie zwischen Keuper und Lias zu ziehen habe. Doch ist 
es nicht zu verkennen, dass der weisse Sandstein gegen den 
bunten Keuper-Mergel in beiden Gegenden scharf begrenzt 
erscheint, während er mit den entschiedenen Schichten des 
Lias am Schlierberge, wie am Seeberg durch Wechsellage- 
rung und Gesteins-Übergänge in näherem Zusammenhange 
steht. Die Equisetum-Art, welche sich im Sandstein am 
Zennberg und Seeberg findet, wurde bis jetzt in einem ent- 
schiedenen Gliede des Keupers nicht bemerkt. Auch die im 
weissen Sandsteine vorkommenden. Bivalven-Reste weichen 
von denen des Keupers unverkennbar ab. Hiedurch dürfte 
es gerechtfertigt werden, wenn die Bezeichnung des weis- 
‘sen Sandsteins der Schlierberge und des Seeberges als Un- 
terer Lias-Sandstein beibehalten wurde. 

Von diesen allgemeineren Bemerkungen über das Vor- 
kommen des Lias in der Umgegend von Eisenach und Gotha 
möge dem Verfasser gestattet werden, nochmals auf das 
Krauthäuser Bassin zurückzukommen. Ungefähr in der Mitte 
desselben, nahean 4 Meile südwestlich von Kreutzburg, liegt 


die früherhin auf herrschaftliche Rechnung betriebene, jetzt 
| Be 


20 

an Privat - Besitzer übergegangene Saline Wilhelmsglücks- 
Brunn. Der geringe 13 Procent nicht übersteigende Ge- 
halt der.in einem Sehachte gefassten Soole, welche hier zu 
Gute gemacht wird, veranlasste mehre Bohr-Versuche zur 
Auffindung von Steinsalz oder mindestens einer hochhalti- 
geren Salz-Quelle.. Bei einem der früheren Versuche im 
Jahre 1767, welcher auch VoiıGT (mineral. Reisen, II, 8.89) 
erwähnt, durchbohrte man unter dem 20° hohen’ Gerölle 

60‘ Bunte Mergel ohne Gyps, 

150‘ Bunte Mergel und Letten mit Gyps. 

Die beste Soole, welche hiebei aufgefunden wurde, er- 
reichte in ihrem Gehalte höchstens 0,03. Die Versuche wur: 
den daher als erfolglos eingestellt; da sie indess keineswegs 
als entscheidend betrachtet werden können, so sah man sich 
in neuerer Zeit zur Fortsetzung derselben veranlasst, um 
so mehr, als der Salz-Gehalt der meisten Quellen der Um- 
gegend auf eine verbreitetere Steinsalz-Ahlagerung hinzudeu- 
ten scheint; jedoch auch diese neueren Versuche blieben 


‘- ohne den erwarteten Erfolg: Nach einer mündlichen Mit- 


theilung des verstorbenen Berg-Inspectors Marrını soll sich 
in der Bohrarbeit vom Jahre 1829 Kalk-Gerölle bis gegen 
200° unter der Thal-Sohle niedererstreckt haben. So sehr 
diese Angabe für den ersten Augenblick befremden muss; 
so dürften doch die Lagerungs- Verhältnisse eine genügende 
Erklärung derselben geben. Es wurde bereits erwähnt, dass 
eine Haupt-Richtung, nach welcher eine Störung der Schich- 
ten-Lage Statt fand, vom Reshersberg über den Michelsberg 
und Zellberg hinlaufe, und dass ihr tiefer niedersetzende 
Spalten zu entsprechen scheinen. Diese Riehtung dureh- 
schneidet die Gegend der Saline Wilhelmsglücks-Brunn; es 
ist daher’ ein möglicher Zufall, dass der erwähnte Bohr- 
Versuch auf einer mit Kalk-Bruchstücken ausgefüllten Spalte 
angesetzt worden ist. Doch ganz abgesehen von der Zu- 
lässigkeit dieser Erklärung geben die eben erwähnten Ver- 
hältnisse einen Fingerzeig, wo bei künftigen Versuehen 
Steinsalz und eine gesättigte Soole zu suchen seyn dürfte 


21 


Zunächst möchte die Haupt-Niederlage von Steinsalz 
nicht im Keuper, dem der Bunte Mergel und Gyps bei 
Wilhelmsglücks - Brunn unzweifelhaft angehört, sondern im 
Gyps unter dem Kalkstein von Friedrichshall zu suchen seyn. 
Dieser findet sich reich an Terebratula vulgaris, Pla- 
giostoma striatum, Encrinites liliiformis und 
Rostellaria scalata am nordwestlichen Fusse des Zell- 
| berges nahe bei Wılhelmsglücks-Brunn unmittelhar dem Gyps 
am Spatenberg aufgelagert. Das nordöstliche und östliche 
 Einfallen seiner Schichten bezeichnet die Gegend zwischen 
Wilhelmsglücks-Brunn und Longröden, am nordöstlichen Fusse 
des Zellberges als die zu einem Bohr-Versuche vorzugsweise 
geeignete. Hier liegt die Wahrscheinlichkeit vor, unter 
dem Kalkstein von Friedrichshall den am Spatenberge aus- 
gehenden Gyps anzutreffen, und durch grössere Entfernung 
von der Werra und von den Spalten, welche am südwest- 
lichen Abhange des Tellberges und Spatenberges wahrschein- 
lich niedersetzen, den zu starken Zudrang wilder Wasser 
zu verhüten. 


Beiträge 


zur } 
seognostischen Kenntniss Mährens, 


Hrn. Professor E. F. GLOCKER. 


——— 


I. Über die Formation des Jurakalks im 
mittlen March-Gebiet. 


Nahe bei dem Dorfe Kurowitz, eine Meile südöstlich 
von Kremsier, auf dem linken Ufer der Murch im Aradischer 
Kreise erhebt sich eine ziemlich steile Anhöhe, deren Gi- 
pfel aus dichten weisslichgrauem Jurakalk besteht, wel- 
cher in zwei Brüchen gewonnen und als hydraulischer Kalk 
benützt wird. Dieser Kalkstein stimmt mit dem hellen Jura- 
kalk der Württembergischen Alp und der Nickolsburger Berge 
in Mähren vollkommen überein, enthält auch, wie dieser, 
Trümmer von Kalkspath und Zwischenlagen von grauem und 
grünlichem Mergel, und ist besonders durch die für die obere 
Abtheilung der Jura-Formation charakteristischen Aptychus- 
Schaalen ausgezeichnet. Bis zum Oktober 1840, wo ich die 
erwähnte Anhöhe besuchte, wusste man von einem Vorkom- 
men des Jurakalks in dieser Gegend von Mähren noch nichts; 
es waren vielmehr bis dahin nur zwei Punkte in Mähren 
bekannt gewesen, an welchen sich Jurakalk in kleinen Ge- 
birgs-Massen aus der Tertiär-Formation erhebt, nämlich bei 


23 


Nickolsburg im südlichen Theile des Brünner Kreises und 
bei Strumberg im östlichen Theile des Prerauer Kreises. 
Durch die Auffindung des Jurakalks von Kurowilz wird 
nun die Richtung bezeichnet, welche der Necholsburger Jura- 
kalk in seiner zu vermuthenden Fortsetzung unter die Ter- 
tiär-Formation zu nehmen scheint, und dadurch eine geogno- 
stische Lücke ausgefüllt. Die Richtung des Mährischen 
Jurakalks ist nämlich eine nordöstliche und zugleich bogen- 
förmige, queer durch das March-Gebiet hindurch. In diese 
Richtung fällt auch der Siramberger, Nesselsdorfer, Tichauer 
und Zeschner (Skotschauer) Jurakalk, an welchen letzten 
sich weiterhin der mehr nordwärts streichende Jurakalk 
des Krakauer Gebietes und Oberschlesiens anschliesst. Die 
durch die fast überall aufgelagerte Tertiär - Formation viel- 
fach unterbrochene Zone des Mährisch-Schlesischen Jurakalks 
erscheint als ein Ausläufer oder als eine nördliche Neben- 
Zone von der grossen Haupt-Zone des Jurakaiks der Alpen, 
welche von den Französischen Alpen aus durch die Schweitz, 
Tyrol, Salzburg, Steyermark und Österreich bis mitten in die 
Karpathen hinein sich erstreckt. Sie geht parallel mit dem- 
jenigen Theile der Haupt-Zone, welcher in die Karpaihen 
fällt, und ahmt zugleich auch das Streichen der grösseren 
westdeutschen Neben-Zone des Jurakalks nach, welche die 
Bauhe Alp und das Fränkische Gebirge in sich begreift. 

Der Kurowitzer Jurakalk ist deutlich geschichtet; die 
Schichten fallen steil nach SO. ein, aber nicht überall unter 
demselben Winkel. An einer Stelle im ersten Bruche fand 
ich den Einfalls-Winkel = 55—60°, an einer andern unge- 
fähr = 80°. Eine Ungleichheit des Einfalls-Winkels wird 
auch durch die Krümmung der Schichten hervorgebracht, 
welche bei meiner Anwesenheit in dem ersten Bruche an 
der dem noch unabgebauten Kalk -Rücken, welcher beide 
Brüche von einander trennt, gerade gegenüberliegenden Seite 
zu erblicken war, Die Schichten steigen dort in grossen 
Bogen-Linien .empor, 

Zwischen den Kalk - Schichten liegen mit mehrfacher 


24 


Wiederholung 1'7—2' dieke Schichten von festem dichte m 
und im Bruche flachmuschligen, ebenem oder unebenem hell- 
grauem Mergel, so wie Schichten eines mergligen Ju- 
rakalk-Konglomerats, welches aus unerdentlich unter- 
einander liegenden kleinen und sehr kleinen eckigen Stücken 
von weisslichgrauem dichtem Jurakalk und bald mehr bald 
weniger zahlreichen Schaalen-Resten von kleinen Individuen 
des Aptyehus imbricatus besteht, die entweder durch 
ein mergeliges Bindemittel oder auch für sich allein so innig 
mit einander verbunden sind, dass man gar kein Bindemittel 
wahrnimmt. Häufig, aber nicht durehgängig, zeigen sich 
auch noch sehr kleine, eckige oder flachgedrückte, rundliche 
oder längliche, weiche, graulichgrüne oder schwärzlichgrüne, 
talkige oder chloritische Partikeln, ähnlich den Glaukonit- 
Körnern des Grünsandsteins, in das Konglomerat eingemengt ; 
desgleichen hin und wieder sparsame kleine weisse Kalk- 
spath-Stückchen, selten etwas grössere Kalkspatlı- Partieen. 
Die grösste Menge von Schaalen-Resten befindet sich an den 
beiden Aussenseiten der Konglomerat-Platten, und die obere 
Fläche namentlich ist mit lauter solehen dicht-gedrängt über 
und neben einander liegenden Schaalen-Fragmenten bedeckt, 
so dass diese bier eine eigene dünne Schaalenkonglo- 
merat-Schicht über dem übrigen Kalk-Konglomerat bil- 
den. Im dichten Jurakalk selbst sind dagegen die Apty- 
cehus-Schaalen sehr selten. — Unter den zahlreichen kleinen 
Aptychus-Schaalen des Konglomerats befinden sich weit spar- 
samer einzelne grössere, welche derselben Art angehören, 
Beide trifft man selten Paar-weise neben einander, sondern 
fast immer vereinzelt und in allen Stellungen chaotisch unter- 
einander liegend an, 

Es ist auffallend, dass in dem Kurowitzer Jurakalk bis 
jetzt keine anderen Versteinerungen, als die genannten Apty- 
chus-Schaalen gefunden worden sind, und zwar diese in 
so grosser Menge in den mit dem dichten Jurakalk wech- 
selnden Kalkkonglomerat-Schichten. Die Thiere, von welehen 
diese Schaalen herrühren, müssen daher in dem Gewässer, 


25 


‚woraus sich der Jurakalk gebildet hat, in einer bestimmten 
‚Periode, welche durch den Absatz der Konglomerat-Schich- 
ten bezeichnet ist, in zahlreichen Familien gelebt haben. In 
allen Gebilden der Jurakalk- oder Oolith-Formation, in wel- 
chen man bis jezt diese noch immer räthselhaften Schaalen 
gefunden hat, erscheinen dieselben, so viel bekannt ist, nur 
zerstreut und isolirt; das Vorkommen einer so grossen Menge 
‚Konglomerat-artig zusammengehäufter Aptychus-Schaalen ist 
daher bis jetzt dem Kurewiltzer Kalk eigenthümlich. 

Es war mir schon zum voraus nicht wahrscheinlich, 
dass der Kurowitzer Kalk so ganz vereinzelt dastehen werde, 
und diese Vermuthung bestätigte sich im folgenden Jahre. 
Als ich nämlich zum zweitenmale in jene Gegend kam, fand 
ich auf einem Hügel bei Paczetluk, nördlich von Holleschau, 
12 Meilen NO. von Kurowilz, ein ganz ähnliches geschichte- 
tes kleinkörniges Kalk-Konglomerat, wie an dem letzten Orte, 
jedoch nur mit sparsamen kleinen Aptychus-Schaalen, ausser- 
dem aber auch noch mit sehr kleinen Stacheln von Cida- 
rites coronatus und mit flach-zylindrischen , sich dieho- 
tomisch verzweigenden, mehrfach gewundenen räthselhaften 
Körpern von 2 —4''! Breite und zum Theil beträchtlicher 
Länge. Die Schichten dieses Konglomerats sind wellenför- 
mig gebogen und wechseln mit Schichten eines grauen zer- 
brechliehen Mergels ab. Dass dieses Paczelluker Kalk- und 
Mergel-Gebilde zu derselben Formation gehöre, wie der Ku- 
rowilzer Kalkstein, ist keinem Zweifel unterworfen, 


H. Entdeckung von Versteinerungen im Grauwacken- 
Kalkstein der silurischen*) Formation bei Olmütz. 

So ausgedehnt bekanntlich die Grauwacken - Formation 

in Mähren, und an so vielen Orten sie auch durch Brüche 

aufgeschlossen ist, se war doch bisher noch in keinem 

Gliede derselben eine Spur von Versteinerungen vorgekom- 

men, Im Jahr 1539 fanden einige Steinbruch - Arbeiter auf 


”) Doch wohl eher der devonischen Formation, wenn man diese näm- 
lich als selbstständig anerkennen will, | Br. 


26 


einem aus schwarzem Grauwacke-Kalkstein bestehenden Hü- 
gel dicht bei dem Hanaken-Dörfchen Ritiberg, SW. von Ol- 
mülz, die ersten Exemplare von Versteinerungen dieser For- 
mation in Mähren, und der im December :1840 verstorbene 
Herr Generalmajor v. Keck lenkte zuerst seine Aufmerksam- 
keit darauf. Im September 1840 besuchte ich selbst in sei- 
ner Begleitung, und im gegenwärtigen Jahre noch zweimal 
den Aittberger Hügel und erbeutete dort eine Anzahl der 
für die Grauwacke- Formation eharakteristischen Versteine- 
rungen. 

Auf allen bis jetzt erschienenen geognostischen Charten, 
welche sich zugleich auf Mähren erstrecken, ist in einem 
ziemlich weiten Umkreise um Olmütz herum nichts als Di- 
luvial- oder Tertiär- Boden angegeben; und doch tritt die 
Grauwacke- Formation und zwar die silurische Abtheilung 
derselben an vielen Stellen deutlich zu Tage, so z. B. die 
Grauwacke selbst ganz nahe bei Olmätz, an der NW. Seite 
- gegen Halschein zu, so wie bei Kokor im SO. von Olmütz, 
Thonschiefer bei Grüyau, Krezman und Przedmost in eben- 
derselben Richtung, der Kalkstein dieser Formation bei Krez- 
man, Kohor, Zierawitz, Roketnitz, Ozekin, Przedmost, desglei- 
chen in SW. Richtung bei Nebetein und Ritlberg u. s. f.; 
ja Olmülz selbst steht auf Grauwacken- Fels, welcher zwar 
zum Theil von Thon-Schichten bedeckt ist, wie in der Mitte 
der Stadt, wo man ihn bis zu einer bedeutenden Tiefe durch 
einen artesischen Brunnen durcehbohrt hat, theils aber auch 
frei emporragt, wie am Burg-Thor, wo die Mauer des Fe- 
stungs-Grabens und ein Theil der Häuser unmittelbar dar- 
auf erbaut sind. Auf dem oben erwähnten Hügel bei Bilt- 
berg wird der Grauwacken - Kalkstein seit einiger Zeit in 
einer Menge einzelner unregelmässiger Löcher gebroehen, — 
eine sonderbare Art von Steinbruchs-Arbeit, die bei den Ha- 
naken ziemlich allgemein gebräuchlich ist. Den Bauern ist 
es bequemer, an jeder Stelle, wo sie festes Gestein wahr- 
nehmen, ein Loch zu machen, um die Steine herauszunehmen, 
als einen ordentlichen zusammenhängenden Bruch anzulegen, 


27 


Dieser Raubbau straft sich aber immer selbst sehr bald; 
denn die Wölbungen über den Löchern, welche oft stollen- 
artig eine kurze Strecke weit in den Berg hinein verlängert 
sind, stürzen früher oder später zusammen, ‚und es sind be- 
reits jetzt schon viele der vor Kurzem eröffneten Gruben 
verschüttet. Zuweilen wird auch eine Grube von ihrem Be- 
sitzer selbst, wenn sie ihm die benöthigte Quantität Steine 
geliefert hat, absichtlich wieder zugeworfen, um keinem An- 
dern durch das Offenstehen Veranlassung zum Graben zu‘ 
geben. In Folge dieser höchst verwerflichken unregelmässi- 
gen Art von St&inbruchs-Arbeit ist die obere Fläche und ein 
Theil des südlichen Abhanges des Aillberger Hügels ganz 
uneben geworden; grössere und kleinere Löcher und flache 
Vertiefungen wechseln mit hervorragenden Buckeln ab. Der 
Kalkstein, welcher hier gebrochen wird, ist dicht, feinsplitt- 
rig, fast durchaus graulichsehwarz oder schwärzlichgrau, zu- 
weilen jedoch auch bunt und zwar schwarz und grau, schwarz 
und weiss, oder schwarz, grau und roth gefleckt, und stellt 
dann einen schönen bunten Marmor dar. Der schwarze ver- 
hält sich als wahrer Stinkstein; denn er entwickelt beim 
Zerschlagen einen auffallend starken ammoniakalen Geruch. 

Die Petrefakte dieses Kalksteins finden sich, so viel 
bis jetzt bekannt ist, nur in einem kleinen Distrikte an 
dem flachen, Czellechowilzg zugekehrten Abhange des in 
Rede stehenden Hügels, und zwar mehr oder weniger ge- 
drängt bei einander, während dagegen auf dem obersten 
Rücken des Hügels der Kalkstein ganz Petrefakten - leer ist 
und auch an den übrigen Abhängen noch nirgends Petre- 
fakte wahrgenommen worden sind. Die grösste Menge die- 
ser Versteinerungen liegt vereinzelt in Verbindung mit vie- 
len Kalkstein-Bruchstücken in einer lockeren mergeligen Erde, 
welche unmittelbar unter dem Rasen folgt und die anste- 
hende zusammenhängende Masse des Grauwacken-Kalksteins 
bedeckt. Auch in manche der Kalkstein-Bruchstücke selbst 
sind Petrefakte eingewachsen, viel seltner aber in den un- 
terliegenden zusammenhängenden Kalkstein - Fels. Die mit 


28 


Kalkstein- Trümmern und Petrefakten angefüllte mergelige 
Erde bildet eine zwei und mehre Fuss mächtige Lage und 
geht nach unten zu in ein Aggregat von lauter fest mit ein- 
ander verbundenen Kalkstein-Stücken nebst dazwischen lie- 
genden Versteinerungen über. Die einzelnen in dieser Trüm- 
mer-Schicht liegenden Petrefakte sind fast immer durch 
Mergel-Umhüllung mehr oder weniger unkenntlich gemacht, 
seltner mit eisenocherigem Lehm bedeckt. Im Wasser lässt 
sich die mergelige Hülle zum Theil erweichen und ablösen, 
woranf dann die organischen Formen oft sehr deutlich her- 
vortreten, Sowohl die Petrefakte als die Kalkstein-Stücke 
sind auch zuweilen mit einer Rinde von Kalk-Sinter über- 
zogen, weleher sich ohne Verletzung der Ei ann 5; Form 
nicht ablösen lässt. 

Die Versteinerungen des ARitiberger Grauwacke-Kalk- 
steins sind in demselben unregelmässig vertheilt; doch be- 
merkt man, dass gewisse Gattungen und Arten vorzugsweise 
beisammen liegen. So findet man z. B. an einigen Stellen 
fast lauter Kalamoporen, an anderen ganze Haufen von 
Cyathophyllen, noeh an andern wieder beide bei einan- 
der oder auch gewisse andere Petrefakten-Arten in ihrer 
Begleitung. Sowohl die Petrefakte von einerlei Art, als 
auch verschiedene Arten von Petrefakten, worunter immer 
die Korallen die Oberhand haben, sind oft fest mit einander 
verwachsen oder eines auf das andere aufgewachsen, so dass 
sie wirkliche Korallen-Riffe gebildet zu haben scheinen. Die 
Korallen dieser ältesten Riffe scheinen auch von manchen 
anderen Thieren angegriffen worden zu seyn; denn man be- 
merkt verschiedenartige fossile thierische Körper oder deren 
Gehäuse oft tief in sie eingesenkt und nur theilweise aus 
ihnen hervorragend. Unter den Korallen selbst trifft man 
am häufigsten Cyathophyllen auf Kalamoporen aufgewachsen 
an, und zwar bald mit ihrem untern schmälern Ende, so 
dass sie aufreclit oder schief stehen, bald ihrer ganzen Länge 
nach auf- oder an-liegend, Zuweilen wächst ein Cyathophyl- 
lum auch wirklich aus dem Innern einer Kalamopore heraus; 


29 


Nicht selten sind gestreifte Terebrateln und Cyathophylien 
fest mit einander verwachsen, auch jene auf Kalamoporen 
aufsitzend ; ferner Enkriniten - Stiele oder Glieder von sol- 
chen auf Kalamoporen und Cyathophylien auf- oder in sie 
ein-gewachsen; Stomatoporen bilden einen netzförmigen 
Überzug auf Cyathophyllen u. s. f... Alles dieses beweist, 
dass ein vielfaches Ineinandergreifen dieser kleinen Welt 
von Organismen statt gefunden habe. 

Die Versteinerungs-Masse dieser Petrefakte ist 
am häufigsten der dichte schwarze Grauwacke - Kalkstein, 
welcher das herrschende Gestein des ZAäiltberger Hügels 
ausmacht, viel seltener, wie z. B. hei einzelnen Cyathophyl- 
len, ein graulichweisser, feinsplittriger Kalkstein. Bei man- 
chen der vorkommenden fossilen Schnecken (Bellerophon, 
Spirula, Euomphalus) ist der schwarze Kalkstein weiss 
oder grau marmerirt. Zuweilen bildet kleinkörniger weisser 
Kalkspath eine schwache Hülle um die Steinkerne der Schne- 
eken und Muscheln, bei welchen die Schaale selten vorhan- 
den ist und oft in Kalkspath verwandelt zu seyn scheint. _ 

Die Zahl der bis jetzt bei AReitberg aufgefundenen Gat- 
tungen und Arten von Petrefakten ist nicht gross, aber an 
Individuen sind einige dieser Arten schr reich. Man muss 
übrigeus hiebei bedenken, dass der Fund ganz neu ist und 
sich vorläufig nur auf einen sehr kleinen Raum und auf das- 
jenige erstreckt, was ich selbst gesammelt habe; daher man 
wohl erwarten darf, dass bei weiteren Aufdeckungen am 
Rittberger Hügel auch noch andere Gattungen und Arten 
zum Vorschein kommen werden. Unter den bis jetzt dort 
entdeckten fossilen organischen Resten, welches lauter thie- 
rische sind, erscheinen als die zahlreichsten und vorherr- 
schenden die der Kalamoporen und Cyathophylien. 

Wegen Unvollständigkeit der Exemplare haben sich mehre 
dieser Versteinerungen nicht ganz sicher bestimmen lassen. 
Sie scheinen aber alle zu bekannten Gattungen zu gehören 
und sind, mit Übergehung einiger noch problematischer, 


folgende: dei ’ 


50 


1. Krustazeen und zwar Trilobiten. 


Calymene macerophthalma (Broxen. Zist. nat. des 
Crusiacees foss., pl. ı, fg. 4). Kleine Exemplare, alle ein- 
zeln mitten in den festen schwarzen Kalkstein eingewachsen, 
nicht in unmittelbarer Berührung mit den anderen Petre- 
fakten, wenn gleich in deren Nähe vorkommend.: Bei kei- 
nem Exemplare der Kopfschild sichtbar. 


> 1. Schnecken (Univalven). 


A. Gephalopoden, meist Siphoniferen. 

Bellerophon apertus (Sow. Min. Conch. of Gr. 
Brit. pl. 469). Blose Steinkerne, 1’—13“ Par. im Durch- 
messer, 

Eine Spirula, 2” —3 lang, glatt, stark sichelförmig 
gebogen, mit abgerundeter Spitze u. s. w. ? 

Eine grosse Spirula-ähnliche Schnecke mit einem Sipho, 
welcher ziemlich entfernt vom Rande hindurehgeht ; spiral- 
förmig eingerollt; die ganze Form in einer Richtung 3”, in 
einer andern 4” im Durchmesser. 

Noch eine andere ähnliche Form, aber wahrscheinlich 
von Spirula verschieden, mit zwei ziemlich weit von ein- 
ander entfernten Windungen und stumpfem Ende Gem bir 
ceras Rittbergensis n.). 

Eine Clymenia ($), etwas über 1” im Durchmesser, . 
ähnlich der Cl. undulata (Brony Zeihaea, Taf. I, Fig. 2). 

B. Trachelipoden, und zwar Lamarer’s Abthei- 
lung der Phytophagen. 
3 Euomphalus Dionysii GoLoruss (Zethaea, Taf. U, 
Fig. 3). Nicht häufig. 

Euomphalus depressus Gorpr. Noch seltener, A 
der vorige. 

Ansserdem noch ein stumpfeckiger Euomphalus, wel- 
cher vielleicht zu E. pentangulus Sow. gehört, aber 
nieht ganz mit der Abbildung in der Zethaea (Taf. II, Fig. 11) 
übereinstimmt. Ich habe davon nur ein einziges Exemplar 


\ 


31 


gefunden, welches in seiner flachen Ausdehnung einen Durch- 
messer von beinahe 3” hat. 

Ein Turbo, nur in einigen unvollständigen Exemplaren 
und daher nicht näher bestimmbar. 

Eine kleine Phasianella, bis jetzt nur in zerbroche- 
nen Steinkern-Fragmenten. 

Eine ziemlich grosse Turritella, welche ver uthlieh 
T. obsoleta ist. Nur zwei zerbrochene Exemplare, an 
welchen die Zwischenräume zwischen den Windungen mit 


kleinkörnigem hellgrauem Kalkspath ausgefüllt sind. 


Il. Muscheln (Bivalven). 
A. Dimyen. 

Luceina proavia Gotor. (Petref. Germ.1I, tab. CXLVI, 
fig. 6). Schöne Exemplare von fast vollkommen kreisrun- 
dem Umrisse, sowohl grosse als kleine, von 10 —21'Y im 
@ueer-Durchmesser. Ziemlich häufig. 5 

Eine andere viel kleinere Luceina mit stark gewölbter 
runzlich gefurchter Schaale, der €. rugosa Goror. entspre- 
chend (Peiref. IL, tab. CXLVI, fig. 9. 

Cardium (Conocardium) elongatum® (Gorpruss 
Peiref. Il, tab. CXLU, Fig. 2). Bis jetzt nur in wenigen 
Exemplaren, welche in frischen schwarzen Kalkstein fest 
eingewachsen sind. 

 B. Monomyen. 

Eine Muschel von dem Habitus eines Inoceramus 
oder einer Posidonomya, aber mit keiner der in Gorpr. 
Petref. II, tab. CV1II, CXIX, CXX abgebildeten, in der Grau- 
wacke- Formation vorkommenden Arten dieser beiden Gat- 
tungen übereinstimmend. Es wurde ein Exemplar als schwar- 
zer Steinkern gefunden. 

Ein kleines flaches Pecten mit 15—16 stark erhabenen 
Rippen, wovon die Hälfte als Hauptrippen stärker hervor- 
treten. Vielleicht eine neue Art. 


€. Brachiopoden. 
'Terebratula retieularis (Atrypa retic. Darm.), 


32 


Zwei Varietäten, eine mit stärkeren, eine andere mit schwäs 
cheren Falten; ‚lauter kleine Exemplare und grösstentheils 
nur Steinkerne. Öfters auf Kalamoporen und EN 
aufgewachsen. 

Terebratula Wilsoni Sow, (Broxs, Zeih. tab. 11, 
fig. 11). Nur wenige und sehr kleine Exemplare. i 

Spirifer elevatus L. v. Bucn (Delthyris ele- 
vata. Daım.). Gleichfalls nur in wenigen Exemplaren, fest 
in den Kalkstein eingewachsen. BIN, 

Spirifer osiiolatus, ScHLorn. Spirifer rotun- 
datus Sow., Trigonotreta ostielata Br.)!  Stein- 
kerne von der in der Lethäa (Taf. I, Fig. 14) abgebildeten 


Form, ausnahmsweise aus hellgrauem Kalkstein bestehend. 


IV. Radiarie-n. 

Von Krinoiden kommt Cyathocrinites pinna- 
tus Goror. in einzelnen Stiel- Stücken und Stiel-Gliedern’ 
(Entrochiten und Trochiten) vor, aufsitzend auf Kalamopo- 
ven und Heliopora interstincta, auch in solche ein- 
gewachsen. | 

Ausserdem fand ich in der RN Zelle eines Cya- 
thophyllum vermieulare ein Glied eines: zylindrischen 
Enkriniten-Stiels mit eigenthümlich gabelförmig sich verzwei- 
genden Figuren auf der End-Fläche, welche Zeichnung keine: 
der im Gororuss’schen Petrefakten-Werke abgebildeten Enkri- 
niten-Arten besitzt. 


V. Koralien 


Stomatopora serpens Bronw (Aulopera ser- 
pens Goror.) (Zethäa, Taf. V, Fig. 10). Sehr ausgezeich- 
net. Auf Cyathophylien und Kalamoporen aufsitzend. 

Calamopora gothlandiea Goror. (Petref. T, tab.’ 
XXVI, fig. 3). Kugelige, sphäroide, Scheiben-förmige, Ei- 


förmige und knollige Exemplare, von 1”—4'' im grössten 


r 


Durchmesser. Häufig. 
Calamopora polymorpha Goror. (a.a.O.tab. XXV, 
fig. 2, 3, 4, 5). lu zwei Varietäten, var. Iuberosa und var. 


33 


ramnso-divaricala; die erste die häufigste. Wie die vorige, 
lose in der mergeligen Erde liegend, welche den anstehen- 
den Grauwacke-Kalkstein bedeckt, 


Calamopora spongites Gorpr. (a. a. O. tab. XXVI, 
fig. 1,2), Var. tuberosa und Var. ramosa. Theils lose vor- 
kommend, wie die vorigen, theils und zwar häufig auf Zya- 
thophylien und Kalamoporen aufsitzend. 


Heliopora interstineta Broxw (Heliopora py- 
riformis Bıamv., Astraea porosa Gotor.). Schön er- 
hältene und meist grosse Exemplare, worunter einige von 
der Form eines Pilz-förmigen Huts mit kurzem Stiele, an- 
dere umgekehrt kegelförmig. Selten. 


Cyathophyllum dianthus Goror. (Pelref. IT, tab. 
XVI, fig. 1). Grössere und kleinere Exemplare, fast immer 
einzeln, selten zwei aneinander gewachsen. Die End-Zelle 
bei dieser wie bei den folgenden Arten gewöhnlich mit er- 
digem Mergel angefüllt, in welchen die Individuen oft ganz 


eingehüllt sind. 


Cyathophyllum turbinatum Goror, (a. a. O. tab. 
XVI, fig. $S). Exemplare von 1’'—14“ Länge. 


Cyathophyllum ceratites Gorpr. (a.a.O., tab. XViL, 


fig. 2). Mit Horn-förmig gekrümmter Basis. Von 1”—2' Länge. 


Cyathophyllum vermiculare Goror. (a. a. ©. tab. 
XVII, fig. 4). Theils regelmäsig-, theils unregelmäsig- 
zylindrisch, mit zahlreichen Wulst-förmigen Ringen und sich 
wiederhoienden Prolifikationen. Die Aittberger Exemplare 
erreichen eine Länge von 3”—51”; ja ich fand sogar eines, 
dessen Länge, wenn die abgebrochene Basis ergänzt wird, 
über 7 betragen haben muss, und das vielleicht als eine 
eigene Varietät (var. giganlea) von C. vermiculare anzu- 
sehen ist. mE 

Cyathophyllum qnadrigeminum Gorpr. (a. a. ©. 
tab. XVII, fig. 6, c). Ausgezeichnet, aber nicht mit so 
vielfachen Verwachsungen, wie sie im Gorpruss’schen Werke 


angegeben und abgebildet sind, | 
Jahrbuch 1842. RrSe 


34 


Wahrscheinlich befinden sich unter den Rifiberger Zya- 
thophyllen auch noch Cyathophylium hypoerateri- 
forme Goror. (tab. XVIL, fig. 1) und C.plieatum (tab. XVIH, 
fig. 5), deren spezifischen Charaktere sich aber an den vor- 
gekommenen Exemplaren noch nieht vollständig wahrneh- 
men liessen. 


Von den hier aufgeführten Versteinerungen des Rilt- 
berger Grauwacke-Kalksteins kommt, wie schon eine flüch- 
tige Vergleichung lehrt, ein grosser Theil und vielleicht, 
wenn die noch unbestimmt gelassenen Spezies vollends be- 
stimmt seyn werden, die Mehrzahl auch im Grauwacke- 


Kalkstein der Zifel vor. 


Beitrag 
zur 


Kenntniss einiger neuen seltenen 
Versteinerungen aus den lithogra- 
.-phischen Schiefern in Baiern, 


von 


Hrn. Grafen G. zu, MÜNSTER. 


— 


Seit zwei Jahren sind in den lithographischen Schie- 
fern von Barern wieder viele neue Versteinerungen aufge- 
funden worden, unter welchen einige Reptilien und Fische 
so merkwürdig sind, dass sie eine anbeiek besondere Be- 


kanntmachung verdienen. 


1. Pterodactylus Meyeri m. 


Sehr erfreulich war mir die vor Kurzem gemachte 
Acquisition eines neuen kleinen Pterodactylus aus den 
lithographischen Schiefern der Gegend von Kelheim, der über 
einige noch zweifelhaft gebliebene Theile dieses sonderbaren 
Thieres nähern Aufschluss gibt. 

Beim Finden desselben im Steinbruche wurde die Schiefer- 
Platte, auf welcher er lag, zerbrochen; es befanden sich 
jedoch alle Theile des Thieres ausummenkiingend noch auf 


3 Schiefer-Stücken. 
3 ) 


36 


Durch Nachlässigkeit meines Sammlers gingen aber 2 
dieser im Hause aufbewahrten Stücke verloren und konnten 
bis jetzt noch nieht wieder aufgefunden werden. Auf dem 
einen derselben befand sich der Kopf mit dem Brust-Apparat 
und die linke Seite des Thieres, auf dem andern ein Theil 
des linken Beins und die Fuss-Knochen des rechten Beins. 

Dieser Pterodaectylus ist noeh etwas kleiner als der 
bekannte Pt. brevirostris, den v. SöÖMMERING zuerst im 
VI. Band der „Denkschriften der k. Akademie der Wissen- 
schaften zu München“ bekannt gemacht hat. Beim ersten 
Anblick glaubte ich ein jüngeres Exemplar desselben zu er- 
blieken. Eine nähere ‚Untersuchung zeigte aber ein ver- 
schiedenes Verhältniss der einzelnen Knochen zu einander, 
einen viel feineren Knochen-Bau, am Flug-Finger nicht 
vier, sondern nur drei Phalangen, und nach Versicherung 
des Finders so wie der Personen, welche den jetzt fehlen- 
den Kopf gesehen haben, hatte derselbe einen kurzen spitzen 
Vogel-Schnabel. Das kleine Thier liegt auf dem Rücken und 
zeigt auf der vorhandenen Platte: 

1) einen Theil der- Wirbelsäule mit 12 Wirbeln, wel- 
che sehr kurze @ueer-Fortsätze haben 4 

2) 12 grössere Rippen und 6 feine Bauch-Rippen; 

3) die Becken-Knochen und das kurze feineSchwänzehen ; 

4) den vollständigen rechten Arm bis zur Spitze des 
Flug-Fingers; 

5) vom linken Arm den vollständigen Flug-Finger ; 

6) den rechten Ober- und Unter-Schenkelknochen und 
vom linken Oberschenkel ein Stück. 

Ausserdem erkennt man noch den etwas «dunkler ge- 
färbten Umriss der Haut-Bedeckung des Thieres, so wie an 
einigen Theilen der Extremitäten eine Flughaut oder, nach 
Wacıer, Schwiinmflosse. | 

Die auffallendste Verschiedenheit von den bisher be- 
kannten Arten besteht im Flug-Finger, welcher nur drei 
Phalangen hat, von welehen die erste am längsten, die 
zweite um 1‘ und die dritte um 2“ kürzer ist, Dieses 


37 


letzte Glied endigt nicht, wie bei den bisher bekannten 
Flug-Fingern der andern Arten, in eine Spitze, sondern es 
ist stumpf und hat eine seitwärts gebogene, gerade und 
schmale Klaue, während die andern 3 Finger kurze breite 
Klauen besitzen. An den beiden letzten Gliedern des soge- 
nannten’ Flug-Fingers ist der bereits erwähnte schmale, et- 
was dunkel gefärbte Eindruck einer Haut oder Flosse dop- 
pelt so breit als der Knochen, der gegen das Ende breiter 
und an der Klaue stumpf abgeschnitten wird. Auch an den 
Arm- und Bein-Knochen zeigen sich dergleichen dunkel ge- 
färbte Eindrücke. In den von Spıx abgebildeten und be- 
schriebenen zwei letzten Gliedern’des Flug-Fingers eines an- 
geblichen Pteropus Vampyrus Lin.*) ist an der Spitze 
ebenfalls ein soleher Haut- oder Flossen-ähnlicher Eindruck 
befindlich, ohne dass er jedoch in der Beschreibung besonders 
erwähnt worden ist. Diese Eindrücke geben den Flug- 
Fingern ein Ruder-ähnliches Ansehen und erinnern dadurch 
an Wascrer’s Ansicht, der diese Finger mit Flossen zum 
Schwimmen und nicht zum Fliegen bestimmt glaubte. 
Die Abbildung und nähere Beschreibung dieses neuen 
Pterodaetylus durch Bern. v. Meyer wird im 5, Heft meiner 
„Beiträge zur Petrefakten-Kunde“ erscheinen ; ich habe ihn 
nach diesem Naturforscher, dem wir die nähere Kenntniss 
so vieler fossilen Reptilien verdanken und von welchem wir 
eine Monographie der verschiedenen Arten dieser merkwür- 
digen Thiere zu erwarten haben, Pt. Meyeri genannt. 
Es soll noch ein Pterodaetylus und ein kleiner 
Saurier in den Schiefer - Brüchen von Daztling gefunden 
worden seyn, die ich aber zur Zeit noch nicht gesehen habe. 


MH. Scrobodus ovatus. 
Besonders interessant war mir ein vollständig erhaltener 
Fisch aus den Solenhofer Schiefer- Brüchen, den ich zu 
keiner der mir bekannten vorweltlichen- Fisch - Gattungen 


*) Denkschriften der k. Akademie der Wissenschaften zu München, 
VI, 59. 


38 


unterzubringen weiss. In der allgemeinen äussern Form des 
Körpers hat. er zwar grosse Ähnlichkeit mit dem von Acas- 
sız abgebildeten Pholidophorus latimanus, für welehen 
ich ihn anfänglich auch gehalten habe; allein bei näherer 
Untersuchung zeigt er sich so wesentlich davon verschieden, 
dass.ich mich veranlasst gesehen habe, ein neues Genus 
daraus zu bilden, zu dessen wesentlichen Kennzeichen ich 
folgende rechne: = 

Der Körper länglich; die Rücken-Elosie gegenüber dem 
Raume zwischen der Bauch- und After-Flosse, gegabelt mit 
gleich langen Lappen, deren starken eckigen Schuppen sich 
etwas über die Basis des obern Lappens erstrecken; die 
kleinen fast kreisrunden Zähne sind flach gewölbt und haben 
in der Mitte ein rundes Grübehen; sie sitzen in mehren Reihen. 

Diese zu den Homocereis gehörende Gattung bildet den 
Übergang von der Familie der Lepidoiden zu den Pye- 
nodonten; wegen der Grübehen in den Zähnen schlage 
ich den Namen Serobodus vor. Bei dem vorliegenden 
Exemplare meiner Sammlung erkennt man im Unterkiefer 5 
Reihen Zähne. Die beiden äussern und die mittle Reihe 
haben die kleinsten, die beiden Zwischen-Reihen die grössten 
Zähne ; vorn sind längliche Sehneide-Zähne, wie beim Gy- 
rodus und Pyenodus, während der übrige Körper hinsicht- 
lich der Stellung der Flossen und in Beziehung auf die 
Schuppen einem Pholidophorus anzugehören scheint. Die 
Rücken-Flosse ist schmal und lang, es sind nur 5—6 starke 
Strahlen zu erkennen; auch die Lappen der Schwanz-Flosse 
sind schmal mit wenigen Strahlen; After-, Bauch- und Brust- 
Flossen sind kurz und klein; die sehr dieken Schuppen sind 
glatt und ungezähnt, vom Kopf bis zur After-Flosse länglich 
viereckig, von da bis zum Schwanz rhoinbeidal. Die Form 
des Körpers ist verlängert eiförmig. 


Ill. Genus Coelacanthus Asass, 


Nieht weniger interessant sind zwei Arten Coelacan- 
thus aus den Schiefer-Brüchen von Kelheim und Eichslädt. 


39 
Acassız erwähnt in seinem Feuillelon addilionel vom März 
1836, S. S3, dass man zu Bruyeres unter mehren neuen 
Fisch-Arten auch das Fragment einer neuen Gattung aus 
dem Magnesian-limestone von Durham entdeckt habe, wel- 
chen er Coelaeanthus genannt und im 10. und 12. Hefte, 
Tafel 62 des Il. Bandes abgebildet hat. Eine nähere Be- 
schreibung dieses Fisches fehlt noch. Die Abbildung fin- 
det sich eingereihet zwischen den Gattungen Thrissops und 
Leptolepis, welche zur Familie der Sauroiden gehören; es 
scheint daher, als ob Acassız geglaubt habe, dieser Fisch, 
von welchem er nur Bruchstücke kannte, gehöre in diese Fa- 
milie! Allein es fehlen ihm die spitzen konisehen Zähne, 
die rhomboidalen Schuppen und die festen knöchernen Wir- 
bel, welehe den Sauroiden eigenthümlich sind. Es passt üer- 
haupt dieser Fisch so wenig, wie Serobodus, zu den von Acas- 
sız unter der Ordnung der Ganoiden aufgeführten Familien. 

Ich hatte bereits im Jahrbuch 7834, S. 539 dieser 
sonderbaren neuen Fisch-Gattung erwähnt, welche ich da- 
mals Undina nannte, da die Benennung Coelacanthus von 
Acassız noch nicht bekannt war. Acassız, dem ich eine 
Zeichnung dieses Fisches geschickt, schrieb mir im Dezem- 
ber 1835: „Undina peneillata ist mir durchaus unbe- 
kannt“, 

Vor Kurzem erhielt ich nun zwei Arten dieser Gattung 
in grossen deutlichen Exemplaren. An einem derselben zei- 
gen sich im offenen Maule des gut erhaltenen Kopfes so- 
wohl im Gaumen, als im Kiefer flache Zähne, welche 
oben stark und eng granulirt sind; die sehr dünnen Schup- 
pen sind länglich abgerundet und bilden eine dichte feine 
Decke, an welcher nur die Zeichnung auf der Oberfläche, 
selten aber die Umrisse der Schuppen zu erkennen sind 
Bei keinem der 3 Exemplare ist eine Spur der Wirbel zu 
erkennen, während Rippen, Wirbel-Fortsätze und Stralilen 
in den Flossen vollständig erhalten sind. 

Vorzüglich zeichnet sich aber dieser Fisch durch die 
sehr. breite Schwanz-Flosse und ihre langen eigenthümlichen 


40 

Strahlen,aus, durch welche die Wirbelsäule mitten durch 
geht und an der Spitze eine zweite kleine Schwanz-Flosse 
bildet. Auf dem Rücken sind 2 Flossen; die erste über den 
Brust-Flossen hat 8 einfache Strahlen, welche nur an der 
Spitze ein wenig gegliedert sind; die zweite sitzt über. der 
After-Flosse und hat einfache breite Strahlen; die Brust- 
Flosse hat ebenfalls breite, sehr flache Strahlen ; an der Bauch- 
Flosse aber sind die breiten Strahlen. an der äussern: Seite 
eben so fein gezähnt, wie die langen Strahlen der ersten. 
Schwanz-Flosse, 

Die Schuppen-Decke der einen Art ist mit uiid 
kurzen und sehr feinen Strichen bedeckt: ich nenne diese C. 
striolaris; die zweite, welche an den sämmtlichen Flos- 
sen breitere und flachere Strahlen: als die erste hat, zeigt 
auf den Schuppen kurze erhabene Striche oder länglich er- 
_ habene Punkte; ich nenne sie nach dem Finder; welcher sie 
mir zur Förderung der Wissenschaft überliess, €. Kohleri. 

Die nähere Beschreibung und Abbildung dieses merk- 
würdigen Fisches wird im 5. Hefte meiner „Beiträge zur 
Petrefakten-Kunde“ erscheinen, 


IV. Genus Thaumas”). 


Am merkwürdigsten war mir aber ein vor Kurzem un- 
ter dem Namen eines fliegenden Drachen eingesendeter eigen- 
thümlicher Fisch, der zur Abtheilung der Haye, jedoch mehr 
in die Familie der Rocben (Raja), als der eigentlichen Haye 
(Squalus) gehört und einige Ähnlichkeit mit dem kleinen 
Rochen hat, der, in der Sammlung der geologischen Sozie- 
tät von FIROR befindlich, von Acassız Asterodermus 
platypterus genannt und im Hl. Bande seiner Peissons 
fossiles, pl. 44, fig. 2—6 abgebildet worden ist. 

Mein Exemplar ist vom Kopf bis zur Schwanz-Spitze 
sehr gut erhalten und 14‘ lang; man erkennt in der stiel- 
runden Wirbelsäule 136 Wirbel, Der ganze Körper ist 


*”) Tuaumas, Vater der Harpyen, das personifizirte Meer-Wunder. 


41 


noch mit feiner Chagrin-Haut überzogen, welche um den 
Hals sehr spitz-stachlig ist. Die Schulter- Knochen und 
Becken-Knochen sitzen so nah beisammen, dass im Zwischen- 
raum nur: 5 Wirbel befindlich sind. 

Die, grossen Brust-Flossen bilden breite zugespitzte Flü- 
gel, welche bis zu den Bauch-Flossen reichen; sie laufen 
aber nicht bis zur Spitze des breiten Kopfes , wie bei le- 
benden Rochen, sondern der Kopf steht vor, wie bei der 
Propteryga OrTo ; unter demselben sind zwei grosse herab- 
hängende Lappen. Im obern Theile des Kopfes sitzen. mehre 
Reihen kleiner, sehr spitzer, dreieckiger Zähne; die Bauch- 
Flossen sind schmal und lang; an den Strahlen derselben: ist 
so: wenig, wie’ an denen der Brust-Flossen, eine Gliederung 
zu erkennen. Rippen oder Wirbel- Fortsätze sind nicht 
sichtbar. Der lange Schwanz endigt in einen schmalen 
abgerundeten Lappen ; noch an demselben sitzt eine: kleine 
dreiseitige Rücken-Flosse; in beiden sind keine Strahlen 
bemerklich. Die genaue Abbildung und Beschreibung dieses 
Fisches wird im: 5. Hefte meiner „Beiträge zur Petrefakten- 
Kunde“ erscheinen; ich habe ihn Th. Draco genannt. 

Von einer weit grössern Gattung Raja besitze ich ei- 
nige Bruchstücke der Flügel-ähnlichen Brust: Flossen, die über 
1’ breit sind und früher von Acassız als „Schwanz - Ende 
eines grossen Hayfisches“ etiquettirt worden sind. 


V. Genus Aethalion. | 
Im Jahrbuch 7839 habe ich S. 679 unter Nr. 4 und 5 


einiger neuen Arten Uaturuserwähnt, die jedoch, nach näherer 
Untersuchung der Zähne bei neuen Individuen, dieser Gattung 
nicht wohl zugehört haben können, sondern ein ganz neues 
Genus bilden, zu welehem ich seitdem noch vier neue Ar- 
ten erhalten habe. Bei diesen 6 Arten steht die Rücken- 
Fiosse nieht der Bauch-Flosse, sondern dem Raume zwischen 
After- und Bauch-Flosse gegenüber; sie haben ferner keine 
grossen konischen, sondern kleine feine Zähne (en drosse) ; 
die Strahlen-Fortsätze der Schwanz- Wirbel sind nicht an 


42 


die Wirbel gelehnt, sondern stehen davon ab, so wie an 
den Rücken - Wirbeln. Diese Fische kommen der Gattung 
Sauropsis fast näher, als der Gattung Caturus; allein die 
Wirbel und Schuppen sind nicht besonders kurz und zahl- 
reich‘; auch sind die Strahlen der Flossen nicht zahlreich und 
eng beisammen; die Brust-Flosse ist verlängert, und die 
Zähne sind nicht dick konisch. 

Der Bürsten-förmigen Zähne wegen werden diese Fi- 
sche nicht zu den Sauroiden, sondern zu den Lepidoiden zu 
zählen seyn; da sie aber zu keiner der von Acassız bekannt 
gemachten Gattungen passen, so schlage ich die Bildung: 
einer neuen Gattung unter dem Namen Aethalion*) vor. 

Zu diesem Genus würden folgende 6 Arten gehören: 

1) Ae. angustus. 

2) Ae. angustissimus, welche beide schon, wie vor- 
hin erwähnt, im Jahrbuch von 7839 beschrieben sind. Eine 
Abbildung des letzten wird in meinen „Beiträgen zur Pe- 
trefakten-Kunde“, 5. Heft, Tf. V, Fig. 3 erscheinen. 

3) Ae. inflatus. Die Rücken-Flosse gross, die Strah- 
len weit aus einanderstehend, After-, Bauch- und Brust- 
Flossen klein, fast gleich gross; der Körper zwischen der 
Rücken - Flosse und dem Kopfe sehr bauchig, gegen die 
gegabelte Schwanz - Flosse aber verengt zugehend; der 
Kopf klein mit stark gewölbter Stirn; Schuppen nicht 
gross, dünn. 

4) Ae. tenuis; die ziemlich grosse Rücken-Flosse weit 
zurücksitzend; Brust-Flosse schmal, ziemlich lang; Bauch- 
Flosse mittelmäsig; After-Flosse gross; die Lappen der 
Schwanz -Flosse schmal und spitz; der Körper dünn, fast 
konisch; der kleine Kopf mit einer geraden Stirn. 

5) Ae. subovatus. Rücken-Fiosse gross mit nahe zu- 
sammenstehenden Strahlen, der Bauch-Flosse fast gegenüber; 
Schwanz -Flosse mit kurzen breiten Lappen, die übrigen 
Flossen sehr klein; die Stirn flach gewölbt; die dünnen 
Schuppen ziemlich gıoss. 


*) Aertnalıon, Schiffer aus Tyrus, in cinen Fisch verwandelt. 


43 


6) Ae. parvus. ‚Rücken -Flosse mittelmäsig; After-, 
Bauch- und Brust-Flosse klein; der Körper klein, läunglich; 
der Kopf nicht gross ; die Stirn wenig gewölbt. 


VI. Genus Pachycormus. 


Von der Gattung Pachyeormus war mir bisher nur eine 
unbestimmte Art aus den Kalkschiefern Baierns bekannt, 
von welcher ich nur ein paar Gerippe aus den Bichstädter 
Steinbrüchen besass. Ich habe jedoch seitdem einige andre 
Arten aus den Kelheimer Brüchen erhalten, die mir sämmt- 
lich neu waren. 

1) P. gibbosus zeichnet sich durch einen zwischen 
dem Kopfe und der Rücken-Flosse Höcker-förmigen Rücken 
aus; letzte ist breit und sitzt gegenüber dem Raume zwi- 
schen der After- und der Bauch-Flosse. Die gegabelte 
Schwanz-Flosse hat kurze breite Lappen. Die konischen 
Zälne sind nicht sehr spitz. 

2) P. striatissimus bleibt viel kleiner, ist ohne Hö- 
cker, und hat eine verlängert-eiförmige Gestalt; Rücken- 
und After- Flossen sind gross; die Zähne spitz, konisch; 
die Schuppen sehr fein gestreift. - 

3) P. latus. Körper sehr breit, länglich-eiförmig; am 
höchsten war die Rücken-Flosse, welche einen spitzern Winkel 
als bei den zwei vorlergehenden Arten bildet; dasselbe 
gilt auch von den übrigen Flossen. Die Schuppen dieses 
grossen Fisches sind fein gestreift. 

4) P. elongatus. Die vorhandenen Gerippe zeigen 
eine sehr verlängerte Gestalt; die Schuppen sind gestreift; 
die Wirbel- und Stachel-Fortsätze gross und stark. 

Bei allen diesen Arten verlängert sich die Wirbelsäule 
ziemlich weit in den obern Schwanz-Lappen. 


Vil. Pbolidophorus angustus, 


ist sehr schmal und lang; er zeichnet sich durch eine wn- 
verhältnissmäsig lange und selimale Brust-Flosse aus, welche 
noch länger als beim Ph. longimanus ist, welchem er 


44 


zwar in der äussern Form ähnelt, sich aber durch gezähnte 
Schuppen, viel kürzere Schwanz-Flosse und eine nur halb 
so breite Rücken-Flosse unterscheidet. 


VIII. Genus Caturus. 


Von keiner Gattung Fische habe ich bis jetzt so viele 
Arten aus den lithographischen Schiefern erhalten, als von 
Pholidophorus und Caturus, Von erstem besitze ich. 20, 
von letztem 22 Arten. Die neuen Arten sind: 

1) C. granulatus, ein 54‘ langer, vorzüglich gut er- 
haltener Fisch, mit sehr kleinen granulirten Schuppen, fast 
wie die Chagrin-Haut eines Hayes; ohne sichtbare Wirbel; 
der Kopf sehr klein, wit äusserst grossen konischen Zähnen. 

2) C. obovatus, ein 31” langer, ebenfalls ganz voll- 
ständiger Fisch; er hat eine länglich-eiförmige Gestalt, einen 
grossen Kopf, kleine konische Zähne, feine glatte Schuppen; 
Wirbel sind in keiner der beiden Hälften sichtbar. 

3) C. intermedius. Auch bei diesem Fiseh sind die 
Wirbel nicht zu erkennen, obgleich, wie bei den vorher- 
gehenden Arten, die Wirbel-Fortsätze u. s. w. sichtbar sind. 
Ein Theil des Kopfes fehlt; der Körper ist schmal; die glat- 
ten Schuppen sind gross u, s. w. 

4) C. brevicostatus, zeichnet sich dureh sehr kurze 
Flossen und Rippen oder Stachel-Fortsätze aus. Auch an 
dieser Art fehlen die Wirbel. Sie ist dem Megalurus 
brevicostatus ähnlich, von welchem sie aber sehon durch 
die gegabelte Schwanz-Flosse hinreichend abweicht. 


IX. Aspidorhynchus longissimus. 


Diese in den Schiefer-Brüchen von Poinlen gefundene 
ausgezeichnete Art unterscheidet sich von dem ebenfalls 
grossen A. acutirostris durch verhältnissmäsig längere 
und schmälere Gestalt, da sich die Länge des Rumpfes, ohne 
Kopf und Schwanz zur Breite ohne Flossen verhält =?3:1, 
beim A. acutirostris aber = 54:1. Das vorliegende 


Exemplar ist im Ganzen 2’ 3“ Rheinisch lang und 2 3 


45 


v 


breit. Auch der Kopf ist verhältnissmäsig grösser, der Un- 
terkiefer länger; die Zähne sind grösser; alle Flossen 
grösser und länger, vorzüglich die Schwanz-Flosse, als bei 


jenem. 


X. Belonostomus angustus. 


Von den 12 Arten dieses Geschlechtes in meiner Samm- 
Jung ist diese neue, bei Äelherm gefundene Art am kleinsten 
und zierlichsten. Der Körper ist verhältnissmäsig sehr 


schmal und hat feine in die @ueere gestreifte Baueh-Schuppen. 


XL Gyrodus meandrinus. 


Die bedeutende Zahl meiner Gyrodus-Arten aus litho- 
graphischen Schiefern ist durch eine neue 11. Spezies von 
Kelheim vermehrt worden, welche sich sowohl durch "die 
konische Gestalt der vordern Hälfte, als durch die meandri- 
schen Linien auf der ®bertläche der Schuppen von allen mir 
bekannten Arten wesentlich auszeichnet; auch sind die Rücken- 
Schuppen mit kurzen starken Stacheln besetzt. 


Xil. Libys Polypterus. 


Schliesslich muss ich noch der Überreste eines sonder- 
baren, mir neuen Fisches aus den Schiefer - Brüchen von 
Kelheim gedenken, dessen eigenthümlichen Zähne an den im N} 
lebenden Polypterus erinnern. Sie sind nämlich kegelförmig, 
und hinter ihnen sitzt ein Haufen Chagrin-ähnlicher Zähne, 
Einige Kopf-Theile und umherliegende dicke Schuppen sind 
fein gekörnt. 

Nach den eckigen dieken Schuppen zu köhleasen! würde 
‘der Fisch zu den Lepidoiden, nach den dicken konischen 
Zähnen aber zu den Sauroiden gehören ! 

Ich nenne diese neue Fisch - Gattung Libys (Schiffer 


von Baccnus, in einen Fisch verwandelt). 


Ausser vorstehenden Reptilien und Fischen erhielt ich 
noch einige neue Arten Krebse, Isopoden, Insekten, 


« 


46 


Pflanzen und Sepien. Ünter den letzten findet sich 
eine eigenthümliche Gattung, die einer besondern Erwähnung 
‚verdient. In meinem .frühern Aufsatz über diese Verstei- 
nerungen vom Jahre 1839 habe ich bereits einer neuen, ganz 
besondern, sehr grossen Art von Rhynceholithen erwähnt, 
welche ich in den Solenhofer Sammlungen gesehen hatte. 
‚Seitdem war ieh so glücklich, nicht nur einen solehen Kör- 
per aus dem Solenhofer Steinbruch , sondern auch den Ab- 
(druck des Cephalopoden selbst zu erhalten, zu welchem jene 
‚Körper gehören, die von verschiedenen Arten herzurühren 
scheinen, da sie von abweichender Form und auch von ver- 
schiedenen Fundorten kommen, Sie scheinen jedoch von den 
eigentlichen Rhyncholithen verschieden zu seyn, da diese 
für Schnäbe! von Schaalen-Cephalopoden gelten, während jene 
immer Horn-artige Knochen (die Schulpen) eines Schaalen-losen 
Cephalopoden gewesen sind, welche von allen bekannten 
‚Gattungen sowohl lebender als fossiler Cephalopoden durch 
die eigenthümliche Gestalt dieser Rücken-Schulpe so wesent- 
lich abweicht, dass ich mich veranlasst gesehen habe, eine 
nene Gattung daraus zu bilden, die ich Kelaeno ci 
genannt habe, 

Da mir zur Zeit nur ein unvollständiges Exemplar ohne 
Kopf-Arme bekannt ist, so lassen sich nur folgende Gattungs- 
‘Kennzeichen annehmen: 

Der Sack eiförmig, oben abgestutzt, unten abgerundet, 
ohne Schwimm-Flossen; der Kopf tief sitzend; die Rücken- 
‚Schulpe Horn-artig, lang gestielt, mit einer krummgebogenen 
Ausbreitung am untern Ende. Die nähere Beschreibung der 
‚mie bekannten Arten wird im 5. Heft der „Beiträge zur 
‚Petrefakten-Kunde“ erscheinen, . 


Über 
ein fossiles Hirsch-Geweih aus 
der Gruppe der Edel - Hirsche 
(Cervus Bresciensis) 


aus Zilkauen, 
von 


Herrn G. G. PuschH. 


mn 


Hierzu Tafel II, Fig. 1, 2. 


— 


Die paläontologischen Forschungen der neuern Zeit ha- 
ben uns gelehrt, dass auch auf dem Zurepäischen Kontinent 
in derjenigen Periode, welche wir kaum mehr passend die 
diluvische zu nennen pflegen, unter den noch lebenden Wie- 
derkäuer-Geschlechtern besonders das der Hirsche eine viel 
grössere Arten-Zahl enthielt, als jetzt. In alten Torf-Mooren, 
im Lehm, welcher die erratischen Blöcke des Nordens ein- 
schliesst, im Löss u. s. w., finden sich nicht selten Über- 
reste, besonders Geweihe und Schädel-Fragmente von Hir- 
schen, welche unserem lebenden Edelhirsch ähneln und 
früher meist dieser Art beigezählt wurden; Kaup hat aber 
schon gezeigt, dass sie zum Theil von zwei Arten: Cervus 
»rimigenius und €. priscus abstammen, die wesentlich 
von €, Elaphus verschieden sind. lch habe in diesem 


48 
Jahrbuch 7840, S. 78 gezeigt, dass auch in Polen solehe 


Überreste vorkommen, von denen Kaur a. a. ©. S. 172 der 
Meinung ist, dass sie seinem C. primigenius angehören 
möchten, woran ich aber noch zweifle, weil der obere Theil 
der Geweih-Stange nicht abgeplattet ist. Seit der Zeit, da 
ich dieses Geweih beschrieben, erhielt ich durch die Güte des 
Hrn. Professor WacA allhier wieder ein andres, wesentlich 
von jenem abweichendes, aber ebenfalls von einem Hirsch 
aus der Gruppe der Edel-Hirsche abstammendes, welches in 
den Torfmooren jenseits Zrzese Cilewski zwischen dem Bug 
und Miecliawiee gefunden wnrde und sich in demselben 
fossilen Zustande befindet, als das von mir beschriebene 
grosse Elenn-Geweih. 

Dieses Geweih gehörte höchst wahrscheinlich wieder 
einer anderen erloschenen Art von Edel-Hirschen an. Unter 
dieser Voraussetzung will ich diese Art mit dem Namen C, 
Bresciensis bezeichnen. 

Ich habe das ziemlich wohl erhaltene Ge mit Ku 
Schädel-FragmentaufTf. H, Fg.1 genau zeichnen lassen und will 
versuchen, dessen Eigenthümlichkeiten näher anzugeben. : 


1) Der Winkel, den das Stirnbein mit dem Hinterhaupt 
‚bildet, heträgt 112°, also eben so wie bei Cervus prisens, 
ist mithin 10° spitzer als bei ©. Elaphus, und wenig stum- 
pfer als bei der 1840 von mir aus Polen beschriebenen 
Hirsch-Art. 

2) Jede Geweih-Stange hat zwischen dem Riseisehik 
'und’der sehr kräftig entwickelten Krone ausser der Augen- 
‚Sprosse nur noch eine schlank entwickelte Eis-Sprosse, wel- 
‚che die Stelle der dritten Sprosse beim lebenden Edel-Hirsche 
vertritt. Zwischen dieser und der Augen-Sprosse ist an 
‘beiden Geweih-Stangen bei a nar noch ein Rudiment einer 
dritten Sprosse vorhanden, die dadurch zwar angedeutet, aber 


”) Kaur hält dieses Kennzeichen für zufällig und unwesentlich ; mög- 
lich, dass es nur durch den Druck der aufliegenden Schichten MM. 
vorgebracht wurde. _ Da.ina 


49 


nieht zur Entwickelung. gekommen ist. Bei €. primige- 
nius und C. Elaphus sind zwischen dem Rosenstock und 
der Krone stets 3 Sprossen, bei C. priseus 4 Sprossen 
vorhanden. 

3) Die an beiden Geweih-Stangen leider abgebrochenen 
Augen-Sprossen waren an ihren Anfängen nicht kreisrund, 
wie beim Edel-Hirsch, sondern zu beiden Seiten stark ab- 
geplattet, und die vorhandenen Überreste lassen auch er- 
kennen, dass diese Sprossen nicht parallel gerade nach vorn, 
wie bein Edel-Hirsch gerichtet, sondern zu beiden Seiten 
ziemlich stark nach Aussen, also divergirend gekrümmt seyn 
mussten. 

4) Die vorhandene Eis-Sprosse, die nur an der rechten 
Geweih-Stange vollständig erhalten ist, ist gegabelt, d. h. sie 
trägt noch eine kleine Seiten-Sprosse, was ich noch an keinem 
Hirsch-Geweih gesehen habe, und welche Eigenthümlichkeit 
auch an keinem von Cuvier und Burron abgebildeten Geweih 
‚ ausgedrückt ist. | 

5) Die Geweih-Stangen sind’vom Rosenstock bis zu 
der gegabelten Eis-Sprosse 'elliptisch nach vorn zusammen- 
gedrückt oder so zugeschärft, dass der vordere Rand eine 
ziemlich scharfe Kante bildet. Dabei ist die obere Fläche 
flach, schief nach vorn abfallend, die untere ist etwas mehr 
abgerundet, die hintere gerundete Fläche mit Perlen besetzt, 
die obere und untere zusammengedrückte Fläche glatt und 
der Länge nach gefurcht. In dieser Eigenheit ähnelt unser 
Hirsch mithin dem C. priseus; wenn man aber die von 
Kaur im Jahrbuch 1839, Tf. II, Fig. 4 gegebene Durch- 
schnitts-Zeichnung der Geweih-Stange von €. priseus mit 
meiner Zeichnung von CE. Bresciensis, Fig. 2 vergleicht, 
so. wird man doch gleich erkennen, dass die Zuschärfung 
nach vorn bei letztem viel stärker als bei jenem ist. ‚Unter 
der gegabelten Eis-Sprosse sind die beiden Geweih-Stangen 
bis zur Krone kreisrund, wie beim Edel-Hirsch ; aber an 
den Enden der Krone spricht sich wiederum deutlich eine 
starke seitliche Abplattung aus. i 

Jahrgang 1842. R- 


50 


6)' Die Kronen sind stark entwickelt, ‘an der rechten 
Stange mit 3, an der linken Stange "mit'6 Enden. Diese 
Kronen sind denen: des Edel-Hirsches sehr ähnlich. Im All- 
gemeinen ist die linke Stange stärker entwickelt und etwas 
länger, als die rechte. ‘Solche Differenz findet sich auch 


häufig am Edel-Hirseh. 


Dimensionen der Stangen A, und B in Millimetern. _ 


AB 
Länge in gerader ‚Linie von b_.bis e und von d bis e ; 740 870 
Durchmesser der Stangen bei f und g Ä ; z 50 50 
ss 5 = zwischen der Augen- rer Eis- 
Sprosse nach den punktirten Linien in Fig. 2 
von hinten nach vorn .. ; f : ? i Pr 68 68 
von oben nach unten . - 48 48 
Entfernung der Augen- von der. Eis. Srosie, von Mitte zu EN 
Mitte gemessen ! r h 160 "235 
Von der Mitte der Eis- Anlass bis zum Ahle ei Kokiuen 2% 
von. h bis i und von k bis | NL PAR F ö - 450 400 
Vom Winkel der Kronen-Sprosse m bis n . Ä ee 
” E „ Eis Sprosse o bis p . f SINE RO AREA 
y Re „  Augen-Sprosse q bis r >  . i , 188 
Dicke des Rosenkranzes von d bis s.. ; ‚ \ { 98 
5 „ Rosenstocks von dbiss . ' 68 
Entfernung der beiden Rosenstöcke unter dem en ke 08 
Breite der Stirn von tbisu . | use de 
„ des Hinterbaupts über dem Prbkieköne EREE N kyjslan. 130 
Höhe des Hinterhaupts erde . - REN. 94 


Aus dieser Beschreibung und der heigefüiphei Zeibuuik 
ergibt sich, dass C. Bresciensis durch wesentliche Cha- 
raktere leicht vom C. Elaphus und C. ‘primigenius zu 
unterscheiden ist ; hingegen steht er dem C. priseus Kaur 
viel näher durch einen gleichen Stirnkanten-Winkel und die 
abgeplattete Form des 'untern Theils der Geweih - Stangen. 
Dennoch sind wir nicht berechtigt, ihn dieser Art beizu- 
zählen „ weil zwischen beiden wieder andere und wesent- 
liche Veraltuhkter Statt finden. Die Aanpe Untexschiedb 
sind, dass: 

1) €. priseus al der Krone 4 Sprossen (En- 
den), C. Bresciensis aber nur 2 entwickelte und eine 


sl 


rudimentäre hat, mithin sogar noch eine weniger, als bei 
€. Elaphus stets entwickelt sind. 

2) Dass der Wurzel-Theil der Krone, Fig. 1 vonh bisi 
3 der Länge der Stangen, bei C. priseus nur 4, bei C, 
Bene 1 dieser Grösse beträgt. 

3) Dass die 2. Sprosse der Stangen, entsprechend der 
3. des Edel-Hirsches und der 4. des C. priseus, gegabelt 
und dabei viel kräftiger, als bei diesen beiden Hirseh-Arten, 
entwickelt ist. 

4) Dass die 2. Sprosse des C. Elaphus und C. pris- 
eus hier nur rudimentär angedeutet, die 5. supernumeräre 
des letzten aber gar nicht vorhanden ist. 

5) Dass beide Stangen verhältnissmäsig weniger aus- 
einanderstehen, als bei €. priseus. Diese Entfernung ist 
beil. Bresciensis nicht grösser, als beim lebenden Edel- 
Hirsch. | 

6) Dass das Hinterhaupt hinter dem Geweih nur wenig 
vertieft und nicht mit 4 Narben im @uadrat gestellt. wie 


bei C. priscus, versehen ist*). 


*) Indem ich dieser neuen Art die Ächtheit weder zu- noch ab-sprechen 
will, muss ich bemerken, dass alle Geweihe so zahllosen Varia- 
tionen unterworfen sind, dass bei zwei nahe verwandten Thieren 
die Geweihe die unzuverlässigsten Kennzeichen abgeben, wenn man 
deren nicht ganze Reihenfolgen besitzt. Kavp schreibt mir, dass er 
Material samınle und später viele abweichende Formen des Geweihs 
des lebenden Edel-Hirsches in seinen Akten der Urwelt geben will, 
um zu zeigen, wie sehr an dieser Art die Natur jetzt noch gespielt 
hat. Bei seinen Untersuchungen bleiben die Abnormitäten ausge- 
schlossen. Erst nach diesen Untersuchungen glaubt er im Stand 
zu seyn, seine beiden Arten urweltlicher Edel-Hirsche fester stellen 
zu können. Selbst dem Winkel, welchen die Stirn mit dem Hinter- 

"haupt bildet, schenkter kein so grosses Vertrauen mehr und glaubt, 
‘dass derselbe in hohem Alter variire. Letztes wird jedoch schwer 
zu erweisen seyn bei der kurzen Lebens-Dauer unsrer Edel-Hirsche 
und weil bei allen kolossalen Geweihen aus früheren Zeiten nie das 
-Kranium erhalten ist, sondern (wie in neuester Zeit noch) nur die 
Stirn-Platte mit den darauf sitzenden Geweihen. Bronn. 


Über 
Clypeaster altus ScıLLA’s 


und einige Verwandte, 
von 


Hrn. Dr. R. A. PıLıppi. 


Hiezu Tafel II, Fig. 3, 4, 5. 


Scır.a hat in seinem Werke „la vana specolazione“ 
u. s. w. auf Tafel IX, Fg. 1, 2 einen Clypeaster abge- 
bildet, welcher in Kalabrien, Malta und Sizilien vorkommt 
und den Namen Cl. altus erhalten hat. Er ist von Lamarck 
charakterisirt: Cl. verlice elato, conoideo; ambulacrıs lon- 
yis ; margine brevi, crasso, rolundato. — Ich habe aus Kala- 
brien 11 Clypeaster mitgebracht, welche sämmtlich der Dia- 
gnose und der zitirten Figur entsprechen, aber nichts desto 
weniger drei verschiedenen Arten angehören. Diese Menge 
von Exemplaren hat mich in den Stand gesetzt, über den 
Werth oder Unwerth der Kennzeichen, die man wohl beim 
ersten Blick geneigt wäre zur Unterscheidung der Ulypeaster- 
Arten anzuwenden, ein sichereres Urtheil zu erwerben, als 
wenige Exemplare an die Hand geben können. Ich habe 
mich überzeugt, dass gerade die am meisten in die Augen 
fallenden Eigenthümlichkeiten der Gestalt — ob die Basis 


3 


mehr rund oder mehr winkelig, mehr kreisförmig oder mehr 
eiförmig , ob die Wölbung mehr wie pyramidal, oder mehr 
konvex oder konkav ist, ob die Ambulaera schwächer oder 
stärker gewölbt erscheinen — sehr veräuderlich sind und 
zur Unterscheidung der Arten gar nicht oder doch nur sehr 
sekundär gebraucht werden können. Auf ähnliche Weise 
variirt die Gestalt bei den ächten Eehinus und namentlich 
bei Echinus melo ganz unglaublich. Man muss daher 
andre, wesentlichere, mit dem innern Bau des Thieres in 
einem bestimmten Zusammenhange stehende Merkmale auf- 
suchen, und diese habe ich, bei den drei fraglichen Arten 
wenigstens, in der Stellung der Genital-Poren , namentlich 
in Beziehung zu dem ersten Loch der Ambulacra gefunden. 
Wenn man diese fünf ersten Ambulakral-Löcher durch Li- 
nien verbindet, so liegen bei derjenigen Art, welche am 
häufigsten ist und der ich daher den Namen Cl. altus 
lasse, die Genital-Poren weit ausserhalb; bei einer an- 
dern Art, Cl. Seillae mihi, liegen sie beinahe in der 
verbindenden Linie, aber etwas nach aussen, und bei 
der dritten, welche ich Cl. turritus nenne, genau in die- 
ser Linie, welehe hier wirklich vorhanden ist und einen ver- 
tieften spitz fünfeckigen Raum, ein besondres Vertikal-Feld, 
scharf begränzt. Die Abbildungen zeigen diess deutlich. 

Ich lasse jetzt die Diagnosen und Dimensionen der ein- 
zelnen Arten folgen, aus denen die Veränderlichkeit der Ge- 
stalt am deutlichsten hervorgeht. | 

1) Cl. Seillae mihi, Ct. pentagono-ovatus, angulalus, 
vertice elato-conoideo ; area verlicali nulla; porıs genitatibus 
subapprosimalis ; ambulacris longis; margine brevi (fig. 3). 


| Länge. Breite. Höhe. Verhältniss. 
ENT) 474 - 40,9 n Y 100 : S6 : 44 
Nr. 2 40,5 36’ 21 100 : S6 : 51 
Länge des unpaaren Ambul. Breite des Randes,. Verhältniss. 
Nr. 1 21 zn 100 : 33 


Nr. 2 20 zen 100 : 35 


34 


2) Cl. turritus mihe, Cl. ovalo - pentagonus , verlice 
lurrito-conoideo ; area verlicali profundata bene descripta ; 
poris genitahibus approximatis in peripheria areae verhcalis ; 
ambulacris longis; margine brevi (fig. 4). 


Länge. Breite, Höhe. Verhältniss, 
Nr. 1 55% Br- ii) BIER 100 : 94:49 
NEBEN 64' 37 100 : 85 : 47 
Länge des unpaaren Ambul. Breite des Randes. Verhältniss. 
Nr. 1. 3% 12° 100 : 48 
Nr. 2 as: 14 100 : 41 


3) Cl. altus mehr, Cl. ovalo-penlagonus ; vertice elalo- 
conoideo ; area verticali nulla ; poris genitalibus valde remo- 
lis; ambulacris longis ; margine brevi (fig. 5). 


Läuge, Breite. Höhe. Verhältniss. 
Nraaca0f AT at 234% 100 : 94 : 46 
Nr. 2 60° 4, 24 100 : 95 : 40 
Nr. 3.1.5844 39 26 100 : 94 : 48 
Nr. 4 60° 58,44 30° 100 : 97 : 50 
Nrimau 024 nal 1 Bu 100 : 92 : 55 
Nr. 6 653 RU H 40% 100 : SS : 61 
Nr. 78%) 76/4 69 4814 100 : 90 : 64 

Länge des unpaaren Ambul. Breite des Bandes, Verbältniss. 
Nr. 1 2a 103 100 : 42 
Nr, 2 Da 123 100 : 46 
Nr. 4 BR 123 100 : 43 
N ga u #3 100 : 36 
Nr. 6 35 15 '" 100 : 45 


Bei allen 3 Arten ist der Rand ziemlich scharf (doch 
finden sich auch Verschiedenheiten) und nieht wohl „abge- 
rundet“, wie es in der Diagnose von LamArck heisst. — Der 


*) Gerade am Scheitel beschädigt und daher nieht mit Sicherheit zu 
bestimmen. 


55 


Cl. grandiflorus var. humilior, welchen Broxn in der 
Lethaea Tf. xxxvı, Fig. 9 abbildet, dürfte sich wohl bei 
genauerer Untersuchung als eigene Art ausweisen. Die Fi- 
guren von ScırLA reichen nicht hin, um mit Sicherheit die 
Art zu erkennen. 

Überhaupt will ich noch bemerken, dass man auf die 
Genital-Poren bei der Charakteristik der Genera zu wenig 
Rücksieht genommen hat. So finde ich z. B. nicht bemerkt, 
dass Echinolampas nur vier Genital-Poren und, was da- 
mit zusammenhängt und die Zahl der Genital-Poren bedingt, 
nur vier Eierstöcke hat. Spatangus Ac., Brissus, Am- 
phidetus, Micraster (gibbus), Hemipneustes, Ho- 
laster? haben ebenfalls 4 Genital-Poren, der Spatangus 
canaliferus Lamk. dagegen, den Acassız zu einem Miera- 
ster macht, hat nur zwei Genital-Poren und nur 2 Ovarien, 
Dieses von einem der wesentlichsten Organe des Thieres 
hergenommene Kennzeichen verdient offenbar eine grössre 
Berücksichtigung als manche andere, die man in neuern Zei- 
ten zu generischen Unterscheidungen benutzt hat. 


Erklärung der Abbildungen. 


Fig. 3, der Wirbel von Ciypeaster Scillae Pn. 
-... turritus Pu. 
m.» BD) ” „ altus Ph. 
Auf diesen Figuren bezeichnet @& die Genital-Poren. 


» 4, » 2) „ „ 


x 


| Die, _ | ud, 
‘Gletscher - Theorie und Eiszeit- 
| Hypothese v 


A des 
Herrn L. Ascassız, 


aus 
dem physikalisch - geologischen Gesichts - Punkte beleuchtet 


von 


H. G. BRoNN. 


—__ 


Die Fortschritte, welche die Geologie den vereinten 
Forschungen von VENETZ, CHARPENTIER und Asassız über die 
vor ihnen als blosse Lokal-Erscheinungen ohne wesentliche 
Bedeutung betrachteten Gletscher-Phänomene verdankt, ge- 
hören zu den grössten und sehönsten, welche diese Lieblings- 
Wissenschaft der heutigen Zeit, die sich mehr als andre 
Naturwissenschaften eine allgemeine Anerkennung erworben, 
in dem letzten Jahrzehnte gemacht hat. Wenn aber die 
Resultate der mit so vielem Kosten- und Zeit-Aufwande, mit 
so beharrlichem Eifer und mit so ausdauernder Anstrengung 
gepflogenen Untersuchungen bis jetzt diejenige Aufnahme 
noch nicht ganz gefunden und diejenige Überzeugung bei 
Anderen noch nicht ganz erweckt zu haben scheinen, wel- 
che sie verdienen, so liegt diess zum Theile in der Schwierigkeit 
der unmittelbaren Deutung der Spuren früherer Ereignisse, 


wt 


7 
4‘ 


welche noch keineswegs alle Hindernisse besiegt hat, zum 
Theil aber und hauptsächlich in dem etwas zu leichtfertigen 
Übergriffe, den sich eben diese Deutung bis in das bereits fest 
angeeignete Gebiet der jetzt allgemeinen geologischen Hypo- 
these erlaubt hat, statt sich ihr unterzuordnen. 

Wenn ich es daher versuche, auf einige Schwierigkeiten 
aufmerksam zu machen, welche der Acassız’schen Theorie 
der Gletscher und insbesondre ihrer Bewegungs-Weise zum 
Theil noch entgegenstehen, mehr um dieselben auf dem Wege 
der Beobachtung allmählich erläutert oder widerlegt zu sehen, 
als um damit zu widerlegen, — wenn ich es versuche, diese 
Theorie auf das Gebiet zurückzuführen, welches ihr gebührt 
und das ‚sie ohne Noth nieht hätte überschreiten sollen, ob 
diess gleich nur beiläufig und Anhangs-weise geschehen ist — 
wenn ich darzuthun versuche, dass diese Lehre alle ihr etwa 
nothwendigen Voraussetzungen, die sie im Widerstreite mit 
der geologischen Hypothese sich anzueignen versucht hat, viel 
besser im Vereine mit ihr und durch sie zu erlangen im Stande 
ist: so glaube ich dem Verdienste jener Lehre und ihrer 
Gründer die grösste Anerkennung von meiner Seite zu be- 
weisen, weil ich ihm die universellste Anerkennung von Seite 
des grösseren Publikums möglicher zu machen suche, und ichbin 
überzeugt, dass der Urheber jener Hypothese, dessen freund- 
schaftlichen Gesinnungen für mich einen so grossen Werth 
haben, diese Art von Entgegentreten einer anderweitigen Ab- 
sicht nicht zuschreiben wird. Ich sehe vielmehr mich persön- 
lich und durch ihn selbst hiezu berufen durch gewisse Grund- 
sätze, die er denjenigen entgegenstellt, zu welchen ich mich 
bei verschiedenen Arbeiten und Gelegenheiten bekannt habe, 
deren Vertheidigung aber im Angesichte der seinigen ich dem 
wissenschaftlichen Publikum noch schuldig geblieben bin, 
weil ich sie stückweise und Zusammenhang-los nicht ge- 
ben konnte und weil ich eine Polemik hasse, die um klein- 
liche Einzelnheiten überall sich zu entzünden bereit ist. 

Die neue Theorie, wie sie AcaAssız in seinen „Unter- 
suchungen über die Gletscher“ (Solothurn 1841) darlegt, 


38 
bietet, abgesehen von einer grossen Menge neuer Ergebnisse 
der verdienstlichsten eigenthümlichen Forschungen, über die 
ich mich verpflichtet glaube den Leser auf die Original- 
Schrift zu verweisen, neben einigen anderen, noch etwa 
folgende Haupt-Sätze für unsre Betrachtung dar: 

1) Die Bewegung des Gletscher - Eises Thal-abwärts, 
welche in einem Sommer bis über 400’ betragen kann, ist nicht, 
wie man seit SAUSSURE angenommen, ein Herabgleiten auf 
geneigter Ebene in Folge seiner Schwere, sondern sie ist 
nach Schkucuzers weit ältrer und längst vergessen gewe- 
sener Theorie eine Wirkung der Massen-Ausdehnung: des 
Eises von unten schief vor- und auf-wärts, nämlich haupt- 
sächlich in der Richtung des geringsten Widerstandes, durch 
das nächtliche Gefrieren und Ausdehnen des im Sommer täg- 
lich an seiner Oberfläche abschmelzenden und in zahllose 
Haar-Spalten eindringenden Eis-Wassers, kombinirt mit der 
Richtung der Gravitation der obern Theile*). Diese Fort- 
bewegung der Gletscher und der in ihrem Hintergrunde auf 
sie gefallenen Gesteins- Trümmer nach den End - Moränen 
setzt daher eine beständig um den Null- Punkt auf- und 
ab-schwankende Temperatur voraus und kann nur da, wo 
diese Statt findet, eintreten (Acassız). » Char star. 

2) Die Fels-Flächen'‘, auf welchen sieh die Gletscher in 
dieser Weise bewegen, werden durch Bildung und Einwir- 
kung eines Reib-Sandes und vieler Geschiebe, welche theils 
aus abgedrückten Bestandtheilen ihrer eigenen Oberfläche 
und theils aus den durch Spalten auf die Gletscher-Sohle 
von oben hinabgefallenen Fels-Trümmern entstehen, allmäh- 
lich abgerieben und wie ein Spiegel polirt, dabei der Haupt- 
Richtung nach gefurcht und auf der ebenen Fläche wie in 
den Furchen geritzt, wie Glas durch Diamanten (v. Cnar- 
PENTIER’s Entdeckung). 

3) Das Vorkommen: einer Menge alter Moränen und 
Schliff-Flächen eben angedeuteter Art in Verbindung mit 


”) Gletscher S. 154. 


39 


einer gewissen Anzahl anderer durch die Gletscher gewöhn- 
lich bewirkter Erscheinungen an den Thal-Seiten hoch über 
den jetzigen Gletschern oder im Thal-Grunde Stunden-weit 
unterhalb dem Ende der jetzigen beweist, dass die Gletscher 
dereinst eine Mächtigkeit und eine Erstreckung besessen, 
welche die aus geschichtlieher Zeit bekannte bei Weitem über- 
trifft, und dass sie in einer Mächtigkeit von Tausenden von 
Fussen durch die Mündungen der jetzigen Haupt-Thäler bis 
in die Ebenen der Schweitz, der Lombardei u. s. w. hervor- 
gedrungen waren (Entdeekung von VENETZ ; — V. CHARPENTIER). 

4) Die Verbreitung der erratischen Alpen - Blöcke in 
der Ebene der Schweiz und an den Abhängen des Jura 
lässt sich nicht durch Wasser-Strömungen, sondern ebenfalls 
nur dureh eine Fortführung auf dem Rücken mächtiger Eis- 
Massen bis an ihre jetzige Stelle erklären (Beobachtungen 
und Folgerungen v. Cuarrenrier’s und Acassız’s, welche aber 
in der nähern Erklärung von einander abweichen). 

5) Da man Schliff-Flächen auch in den höheren Theilen 
des Jura und solche mit alten Moränen, Fels-Blöcken u. s. w. 
in den Vogesen und dem Schwarzwald, in ganz Grossbritannien, 
Schliff-Flächen über ganz Skandinavien und Finnland und 
einen grossen Theil von Nord-Amerika, endlich erratische 
Blöcke auch in der Norddeutschen, Russischen, Belgischen u. a. 
Niederungen, in Asien, Nord- Amerika und Nord-Afrika ($) 
gefunden, so müssen auch hier vordem Gletscher bestanden 
haben, es muss die ganze Erd-Oberfläche bis zum Fusse des 
Atlas dereinst mit einer mächtigen Eis-Rinde überzogen 
gewesen seyn, deren Bewegung von Skandinavien nach Deutsch- 
land zu die Schrammen in das Skandinavische Gebirge grub, 
und auf deren Rücken die Blöcke von den allein hervor- 
ragenden höchsten Gebirgs-Spitzen aus nach den Punkten 
ihrer jetzigen Ablagerung gelangen konnten (Beobachtun- 
gen Verschiedener , theils auch von Acıssız; Folgerungen 
von diesem). Ä 

6) Da nun ferner Individuen einer ausgestorbenen Ele- 
phanten-Art im Sibörischen Bise vorkommen, da die Reste solcher 


60 


 Elephanten auch in den Diluvial-Schiehten bei Zyor gefun- 
den werden, und die Diluvial-Schiehten dureh die Empor- 
hebung der Alpen als jüngstes Gebilde mitgehoben worden, 
also unmittelbar vor dieser entstanden sind, da ferner jene 
Sibirischen Elephanten mit Haut und Haar erhalten sind, 
also unmittelbar nach ihrem Tode eingefroren seyn müssen, 
so hat Ascassız folgende; Hypothese zur Erklärung der 
Thatsachen sowohl als der unter 5. enthaltenen Folge- 
rungen ersonnen. Am Ende der Diluvial-Zeit trat plötzlich 
eine allgemeine grosse Kälte ein, durch welche die mittle 
Temperatur der Erd-Oberfläche bis in die Breite des Aflas 
herab unter den Gefrier-Punkt sank, alle Dünste der Atmo- 
sphäre sich als Schnee und Eis niederschlugen, und so auch 
alle, welche nun aus wärmeren Gegenden in diese Dunst- 
freie Atmosphäre nachströmten. Diese Kälte tödtete die 
Wesen der letzten Schöpfung, die Schnee - Niederschläge 
hüllten sie zum Theile ein; die ganze Erd-Oberfläche be- 
deckte sich bis zu genannter Breite herab mit einer Eis- 
Rinde, aus welcher nur die höchsten Berg-Spitzen hervor- 
ragten, und es herrschte eine Zeit allgemeiner Verödung. 
Dann stiegen die Alper empor und streuten ihre Blöcke auf 
dem Rücken des Eises aus ; sie „änderten plötzlich die klimati- 
schen Verhältnisse der Schwestz“*) , was dann durch Jahres- 
und Witterungs-Wechsel die Oszillationen der Temperatur 
veranlasste, dureh welehe jene bewegende Ausdehnung der 
Eis-Massen und die Fortschaffung der Fels-Blöcke möglich 
wurde; das Eis-Wasser sammelte sich in Bäche und Ströme, 
folgte zuerst der Richtung der im Eise vorhandenen Spalten 
und grub an ihrem Grunde unsere heutigen Erosions-Thäler 
aus, so dass, wie das Eis schmolz, die auf seinem Rücken 
befindlichen Blöcke in einem tieferen Niveau über dem trocke- 
nen Boden, auf dem noch auf den Schliff-Flächen liegenden 
Reib-Sande abgesetzt wurden, und zwar oftauf ihren schmal- 
sten Kanten und in den kühnsten Stellungen. So zogen sich 
die Eis-Massen immer weiter aus den Ebenenin die Thäler und 


?) Gletscher $. 295. 


61 


endlich bis auf die Höhe der Alpen zurück (von welcher 
sie nach CHArPEnTier’s Ansicht nur aus örtlichen Ursachen, 
nur durch periodische Kälte in Folge einer anfangs grösseren 
Höhe der Alpen u. s..w. hervorgetreten waren und sich bis zum 
Jura ausgedehnt hatten). Die Skundinavischen Fels-Schliffe 
und Fels-Schrammen sind aber ebenfalls nichts anderes, als 
die‘ Wirkungen der von Skandinavien gegen Deulschland, 
Russland und Belgien sich ausdehnenden Gletscher, auf deren 
Rücken dann die erratischen Blöcke bis in die Ebenen die- 
ser Länder gelangt sind (Hypothese von Acassız). 

Es ist nicht meine Absicht, gegen die vier ersten dieser 
Sätze, gegen die Erklärung der Bewegungs-Weise der Glet- 
seher, den Ursprung der Sechliff-Flächen, die Beweise gröss- 
rer und mächtigerer Ausdehnung und Verbreitung der Glet- 
scher in den Alpen, im Jura, in den Vogesen und in Gross- 
‚britannien zu streiten, noch die Behauptung anzugreifen, dass 
die Alpen-Blöcke auf dem Rücken der Eis-Massen bis zum 
Jura gelangt seyen; theils sind diess Ergebnisse unmittel- 
barer Beobachtungen, über welche auch nur der Beobachter 
an Ort und Stelle urtheilen kann, und welchen man gerne 
beipflichten wird, sofern sie weder eine theoretische Unmög- 
lichkeit einschliessen , noch auf eine passendere Weise er- 
klärt werden können. VENETZ, CHARPENTIER, AGassız, STU- 
DER, Escher, Mousson, Forses aus Zdindburg, HEATH aus 
Cambridge, Martins u. A., welche grossentheils anfangs un- 
gläubig gewesen ‚„ sind der Reihe nach an Ort und Stelle 
überzeugt worden und scheinen sämmtlich hinsichtlich die- 
ser Punkte übereinzukommen, bis erst neue Beobachtungen. 
sie zu andern Ansichten nöthigen; — wenn nicht etwa hin- 
sichtlich der Fortschaffung der zerstreuten Alpen-Blöcke bis 
an die Seiten, bis auf die Kämme, selbst bis in die inneren 
Thäler des Jura noch untergeordnete Abweichungen der 
Meinungen herrschen. Ich sagte „bis erst neue Beobach- 
tungen sie zu andern Ansichten nöthigen“, denn einer von 
STUDER *) mitgetheilten Nachricht zufolge darf man die 


”) Jahrb. 1841, 672. 


62 


Beobachtungen keineswegs als geschlossen betrachten und hat 
der letzte Sommer zur Kunde von manchen Verhältnissen 
im Innern der Gletscher geführt,; welehe man nicht erwartet 
hatte. Vorzüglich aber muss in die Augen fallen, dass nach . 
unseren jetzigen Kenntnissen ein tägliches Einsickern des 
Eis-Wassers von der Oberfläche des Gleischers an bis in 
Tiefen von 50°—100‘ oder gar von: mehren Tausend Fussen, 
wie sie der 3. und 4. Satz voraussetzt, und zwar in solcher 
Menge, dass ein Gletscher-Ende hiedurch allein im Laufe 
eines Sommers zuweilen, trotz seines Abschmelzens, doch 
bis 50° and. mittle Gletscher-Theile bis 400° weit vorrücken 
können, kaum zu begreifen ist, wie unbedeutend auch eine 
solche Ausdehnung noch immer bei der zahllosen Menge auf 
der ganzen Länge- des Gletschers zusammenwirkender Haar- 
Spalten für die oberflächlichste Schicht seyn würde, wenn 
nämlich die Ausdehnung in der Richtung der Oberfläche, 
und nicht, wie Acassız selbst annimmt, in einer diese Ober- 
fläche schief nach vorn und oben durchsetzenden Richtung 
(wodurch eben das Ausstossen eingesunkener Steine bewirkt 
wird) Statt fände... Erstes müsste ohnehin ein Überstürzen 
des Gletschers an seinem Ende zur Folge haben, wie man 
es nicht findet. — Zudem hat aber Acassız selbst durch seine 
in 20° tiefen Bohr-Löchern angestellten Temperatur-Beobach- 
tungen *) nachgewiesen, dass die täglichen Oszillationen der 
Sommer-Temperatur im Ab schwung in 7600‘ See - Höhe 
nur bis zu 8‘ Tiefe des Gletschers fühlbar sind und dort 
zwischen 0° und — 0033 schwanken, und dass von 9' Tiefe 
an eine Temperatur von — 0°35 C. unabänderlich herrscht, 
also keineswegs jenes Schwanken der Temperatur eintritt, 
welches er (nach S. 59) selbst als Bedingniss betrachtet; 
so dass für diese Tiefe nur die Wirkung grössrer, in die 
weitern Spalten eindringender Wasser-Mengen in der un- 
mittelbaren Nähe dieser Spalten übrig bleib. Wenn die 
Theorie dann zur Erklärung der Ausdehnung und Bewe- 
gung des Gletschers nach dem Thale zu auf den seitlichen 


*) Gletscher, S. 190. 


63 


Widerstand rechnet, den der Gletscher durch die Thal- 
Wände erfahre *), so ist zu erwägen, dass, wie auch Acas- 
sız erzählt, die Seiten des Gletschers durch Reflexion der 
Sonne-Strahlen an diesen Thal- Wänden stark abschmelzen und 
daher in beträchtlicher Höhe frei zu stehen pflegen. Wenn 
Acassız ferner **) auf Bıscuor’s Beobachtungen gestützt, um 
seiner Ausdehnungs-Theorie ein grössres Gewicht bei der Be- 
wegung zu sichern, behauptet, dass die Boden-Wärme nur 
da, wo sie 0° übersteige, was in den Alpen unter 6165‘ See- 
Höhe der Fall seye, ein Schmelzen des Gletschers an seiner 
Sohle und mithin eine hiedurch gegebene Voranbewegung 
bewirken könnte, während er in einer grösseren Höhe im- 
mer mit dem Boden zusammengefroren bleiben müsse, so 
dürfte zu berücksichtigen seyn, dass durch die Bedeckung des 
Bodens durch den Gletscher die Zonen gleicher Boden-Wärme 
unter ihm höher an dem Berge hinauf und in die Sohle des Glet- 
schers hinein gerückt werde; dass auch, wie Acassız selbst be- 
merkt, wenigstens die Verdünstung des Eises bei einer Tempera- 
tur unter 0 nicht ganz aufhöre; dass thonige u.a. Gesteine, wie 
ScHhügter’s Versuche beweisen, eine Anziehungs-Kraft selbst ge- 
gen Wasser-Dünste äussern und sie in sieh saugen; dass thonige 
u. a. Gesteine, wie sie frisch aus dem Bruche kommen, immer 
eine gewisse Menge von Feuchtigkeit besitzen, von der sie im Ge- 
birge beständig durchsunken werden, so unmerkbar dieselbe 
auch beim blossen Anblick der Steine seyn mag; dass endlich 
eine, wenn auch noch so schwache, aber unausgesetzt fortdau- 
ernde Verminderung des Gletschers an seiner Sohle ein allmäh- 
liches Fallen desselben gegen die Tiefe hin bewirken müsse, 
welches neben der eben so unmerklich scheinenden Wir- 
kung der Haar-Spalten nicht ganz zu übersehen wäre. 

Die erwähnte Erhebung der Zonen von gleicher Boden- 
Wärme in die Sohle des Gletschers beruhet nämlich auf der 
grösseren Wärmeleitungs-Fähigkeit des Eises gegen die der 


Luft. Wie daher in Gebirgen die Zonen gleicher Boden-Wärme 


”) Gletscher S. 154. ») Gletscher S. 196—198. 


64 


sich mehr in die Höhe ziehen, als in der Ebene, so muss 
diess auch, wenn gleich in einem nach dem Verhältnisse der 
minderen Dichte geringeren Grade, in einem Eis-Berge ge- 
schehen, kann aber nur bei negativen Wärme-Graden direkt 
messbar seyn, während bei positiven Graden alle stärkere 
Erwärmung des Eises nur eben darum unterbleibt, weil alle 
reichlieher in dasselbe. hinübergeleitete Boden- Wärme so- 
gleich zur Bildung von Wasser verwendet wird. 


Doch ist es nicht meine Absicht oder meine’ Hoff: 
nung, durch diese Bemerkungen die Erklärungs-Weise der 
- Fortbewegung der Gletscher im Ganzen zu widerlegen; sie 
sollten nur auf einige noch nicht beseitigte Bedenken auf- 
merksam machen und insbesondre vor einer ganz einseitigen 
Auffassung dessen, was die komplizirte Folge verschiedener 
Ursachen zu seyn scheint, bewahren. | 

Zu 5). Indessen sind wohl nicht alle Erscheinungen, 
welche Acassız von den Gletschern hergeleitet hat, diesen 
zuzuschreiben, insbesondre nicht alle, welche man in Skan- 
dinavien, Finnland, Nord-Deutschland und Nord- Amerika) 
beobachtet hat. 


S 


Was zuerst die erratischen Blöcke in Nord-Deulschland, 
den Niederlanden und einem Theile von Russland betrifft, 
so ist ihre Grenze nach der neuen von Erman**) entwor- 
fenen geognostischen Karte Russlands viel zu unregelmäsig, 
um von einem allgemeinen Temperatur-Zustande der Erde 
abgeleitet zu werden. Sie zieht nämlich allerdings von Bel- 
gien an über Breslau nach Tula im 35° O. L. ziemlich gleich- 
mäsig dem 51° N. Br. entlang, krümmt sich aber dann in 
stumpfem Winkel stark N.- wärts, fast gerade gegen den 
Kälte-Pol, so dass sie schon im 52° ©. L. den 62. Breite- 
Grad erreicht; ihre weitre Fortsetzung ist nicht bekannt. 
Nun ist aber so ziemlich als erwiesen anzunehmen, dass 


”) Dewsy im Jahrb. 1840, 617. 
‚3 ) Archiv für wissenschaftliche Kunde Russlands, 1841, 1. 


65 


alle diese Fels-Blöcke durch von Finnland und anderen im 
Nörden geleßenen’ Gegenden hergekommene Eis-Berge beim 
Schmelzen ümhergestreut worden sind, wozu nicht einmal 
eine Erniedrigung der jetzigen Temperatur dieser Länder, 
sondern nur eine Erniedrigung der Oberfläche dieser Gegen- 
den selbst, eine Versenkung derselben unter den Meeres- 
Spiegel vorauszusetzen ist, wie denn auch aus dem Nieder- 
schlage jugendlicher Tertiär-Bildungen in Nord-Deufschland, 
Belgien, Norwegen, Schweden und Nord-Russland erwiesen 
ist, dass diese Gegenden grossentheils erst nach der Tertiär- 
Zeit aus: dem Meere emporgestiegen sind, und wie Schweden 
noch 'fortwähreind steigt. Dass aber jene Blöcke wirklich 
durch schwimmende Eis-Berge umhergestreut "worden seyen, 
erhellt daraus, dass in dem noch untergetauchten Theil je- 
nes’ Landstriches, ini Gebiete des Finnischen Busens nämlich, 
ein solches Umherstreuen noch jährlich erfolgt, wie nicht 
nur den jetzigen Küsten-Bewohnern bekannt ist, sondern 
auch :v. Baer, BorHTLincK u. A. in dieser Gegend, und wie 
in Nord-Amerika in See’n und Flüssen Cuirman und BayrıELD 
beobachtet haben. v. Bark beschreibt insbesondre einen Fall 
mit einem 10,000 Zentner schweren Granit-Block auf dem 
Ufer der Insel Hochland gegenüber, der über Meer aus Finn- 
land gekommen seye, und bemerkt, dass ihm während einer 
Sonmer: Reise durch Finnland ıwehre solche Fälle bekannt 
geworden*). Die Zeitungen haben mehre ähnliche Fälle 
erzählt, die sich an der Süd- Küste Schwedens im Winter 
1842 zugeträgen. ‘Von gleicher Art ist nach BorstLinck die 
Wirkung aller Flüsse und See’n in Finnland. Bis 3° dicke 
Blöcke tragen die aufthauenden Eis-Schollen fort und lagern 

sie schmelzend an dem Ufer ab, "wohin Wind und Strömung 
sie zusainmentreiben: bald gleichmäsig” zerstreut auf allmäh- 
lich ansteigender Fläche, bald in Form hoher Ufer-Mauern, 
wo die Tiefe des Wassers am Ufer selbst ihnen gestattet, 
dieses zu erreichen und sich an ihm zusammenzudrängen, bald 
endlich in: Gestalt ‚übereinander ‚liegender. Stufen oder 


*) Jahrb. 1841, 599. 
Jahrgang 1842. 3 


66 


Terrassen, wo das Wasser schon vorhermehre dem Hochwasser 
mit Eis- Blöcken erreichbare Stufen bildete, oder wo ein 
allmähliches Sinken des: See-Spiegels oder Hebung des Lan- 
des die allmähliche Bildung untereinander liegender ÜUfer- 
Mauern veranlasste*).. Diese charakteristischen Terrassen 
mit Geschieb-Wällen finden sich an der ganzen Süd-Küste 
Lapplands gegen das weisse Meer in grosser Regelmäsigkeit 
und Verbreitung wieder; und was die Zappländischen Flüsse 
betrifft, so erzählt Boruruine ähnliche Wirkungen vom Kems- 
Flusse, dessen Eis im Frühling Klafter-dicke Fels --Blöcke 
Strom-abwärts führt, aber der Anschwellung wegen beim 
Schmelzen bis zu 25’ Höhe über seinem gewöhnliehen Wasser- 
Stande absetzt**). Nach Parror drängen im Burtneck-See 
die in jedem Frühling ans Ufer geworfenen Eis-Blöcke die 
von unterwaschenden Ufern herabgestürzten Fels-Blöcke: wei- 
ter.ins Land zurück, verändern also hier deren Lage zum 
dritten Male***). Von Nord- Amerika berichtet BayrıELD, 
dass es ganz gewöhnlich seye, dass der Zorenz-Strom, des- 
sen Eis im Winter bei zuweilen — 30° mit dem Grunde 
zusammengefriert, bei Eintritt des Thauwetters eine Menge 
von Steinen aus dem Flussbette emporhebe und weiter trage. 
Einen Schiffs-Anker von 4 Tonne Gewicht habe er von einer 
der stärksten eisernen Ketten losgesprengt und fortgeführt. 
Unter den Eis-Bergen, welche auf offenem ‚Meere vom Nor- 
den herabgetrieben werden, sind viele, welche mit Steinen 
belastet sind. Einen, vielleicht von der Baffins-Bai gekom- 
menen hat er- untersucht, welcher ganz ‚dick durchschichtet 
war mit Blöcken , Be und Kies f). Diese Eis-Blöcke 
treiben aber längs der Amerikanischen Küste bis in die Nähe 
des Golf-Stromes und der Azoren: herab, die Breite der 
Nord-Küste Afrika’ s und des Atlas. — Ähnlinkie: beobachtete 
Chıpman tt) an den. See’n. Nord- Ameriha’s. as 

Wie aber in genannten Gegenden wenigstens == 


”) Jahrb. 1839, 726—727. =) Jahrb. 1840, 616. 
==") Jahrb. 1837, 118:  osnsp) WJahrb. 1839, 214. 
+7) Jahrb. 1834, 689, 


67 


Terrassen-artige Verbreitungs- Weise der Blöcke und was 
noch heutzutage über den Vorgang zu beobachten ist, eine 
Herbeiführung derselben von Ferne her gegen die Küste, gegen 
die Berg-Abhänge und von unten nach oben, statt von 
den Berg-Gipfeln nach der Tiefe und nach der Peripherie 
der Gebirge andeutet, so ist es oft auch mit den Diluvial- 
Schrammen Skandinavsens der Fall. 

Die Schwedischen, Finnischen (zwischen dem 40° und 
53° der Länge und dem 60° und 62° d. Br.) und Zopplän- 
dischen Fels-Gebirge zeigen sieh an vielen Stellen abgerun- 
det, geglättet und gefurcht. Allein sie sind diess nur aufeiner 
gleichbleibenden und erst in sehr grossen Entfernungen sich 
allmählich verschiebenden Seite, der „Stoss-Seite“. Nie zeigt 
sich ein oder zeigen sich zwei einigermaasen benachbarte Berge 
auf zweien entgegengesetzten Richtungen angegriffen. Die 
Glättung und Furchen stehen daher in keiner oder doch nur 
in einer sehr untergeordneten Beziehung zum Relief des 
Gebirges selbst, in so ferne sie in gleicher Richtung über 
Berge und Thäler wegziehen und nicht durch die Höhe 
des ersten, wie beträchtlich sie seye, aufgehalten, sondern 
nur an seinen in der ungefähren Riehtung ihrer Flucht lie- 
genden Seiten um einige Grade abgelenkt werden. Nur 
ganz im Grossen genommen scheinen sie alle stralenförmig 
von einem: Insel-artigen Zentral-Punkte oder einer Zentral- 
Linie auszugehen. Diess ist das zwischen Norwegen und 
Schweden herabziehende Kjölen-Gebirge, etwa vom. 68° bis 
zum 63° N. Br. Nur eine Spitze dieses Gebirges wird zu 
7000’. See-Höhe angegeben, und nicht viele erreichen. 5000‘ 
—6000'*). Aber solche Höhen sind nach Serström’s Beoh- 
achtungen zwischen: Norwegen. und Herjeadalen. und Dalarne 
in Schweden überall in scharfkantige Fels-Stücke zerfallen **) 
noch ohne Spur von Glättung und Furchen. Die höchsten 
Furchen, welche er angetroffen, sind zu Särna in Dalarne in 
1500‘° See-Höhe und 800’ über dem umgebenden Hochlande, 


*) Munckre’s Physik, II, 191. 
**) Pogsennporre’s Annalen, 1838, XLIII, 548. 


a, 68 


und bei Fahlun sind welche noch in 1325‘ See-Höhe ange- 
zeigt; doch ist sonst mit seltenen Ausnahmen ibre Höhe von 
etwa 1000’ an abwärts, und zu Cariscrona beobachtet man sie 
noch 21’ unterdem Meeres-Spiegel“). Wienun von dem Kjölen- 

Gebirge aus sich die Flüsse Süd-wärts durch ganz Süd- 
Schweden und Schoonen, Ost-wärts in den Bottnischen Busen 
und Nord-wärts durch Lappland ins Eis-Meer verbreiten, so 
deuten auch die Stoss-Seiten und die Furchen eine Richtung 
der sie bedingenden Bewegung in S. und SSW. durch 
Schweden und Schoonen, in SO. und ©. durch ganz Finnland 
bis zum Zadoga- und Onega-See, in NO. nach dem weissen 
Meere und in N. auf der ganzen Zappländischen Küste an**). 
Auf fast der ganzen O.-Küste Schwedens und der W.-Küste 
Norwegens sind sie noch nicht beobachtet worden. Obschon 
aber die Richtung im Ganzen der des Fluss-Laufes entspricht, 
so geht sie doch, unabhängig von den örtlichen Krümmungen 
der Fluss-Thäler, oft queer über sehr hohe Berge weg, wie jene 
z. B. über den 1000’—1200° hohen Berge am nur 145° hohen 
Weneren und am Welter-See, und im südlichen Norwegen 
auf dem isolirten Plateau von Krogkleven und zwar in 
dem Gebirgs-Spalte, durch welchen man, auf der Post- 
Strasse von Christiania kommend, in das Thal von Ringerige 
hinabbliekt, sieht man nach BorHtLinek die Stoss-Seite der 
geschrammten F elsen, der in der ganzen Gegend herrsehen- 
den Richtung entsprechend, noch in einer Höhe von 1200 
vom Gebirge abgewendet, daher hier der Stoss a 
wärts gegangen seyn muss wer), 

"Auch in der Nähe der 0. Küste‘ bei Geffle führt die 
allgemein herrschende 8. -Richtung, an der ganzen W.-Küste 
des Bottnischen Busens in Finnland die allgemein herrschende’ 
Sso.: “Richtung sämmtliche Schrammen wieder. die Fluss- 
2) Das, 8. 558, ah en 
az a Serström a. a. O., und Bornriınek im Jahrb. 1839, 725; 1840, 

"617, 717, und besonders schön auf.der Karte, welche dessen Original- 
Aufsatze im Bulletin der Petersburger Akademie beigegeben ist. 


”»*) Bullet. scientif. de Acad. de St. Petersb., 1840, VIII, 162—166, 
besonders 164. 


’ 69 


Thäler und selbst an steilen Gehängen hinan, und zwar hier 
bis über das 700’ hohe Finnische Plateau hinweg. An der 
N.-Küste im Kolaer Meer-Busen wird die dort herrschende 
Richtung der Schrammen durch die stärksten lokalen Ein- 
wirkungen, durch die Richtung der Fjorde und ihrer steilen 
Fels- Wände nur um 2—3 Stunden des. Kompasses ge- 
ändert*). Wenn es nun Gletscher gewesen seyn sollen, 
welche diese Glättungen und Furchungen bewirkt, wie sind 
alle diese Erscheinungen zu erklären? Warum finden sich 
die Furchen überall nur auf einer, der Stoss-Seite der Berge, 
da in der Schweilz die Gletscher auf allen Seiten von den- 
selben längs der Thäler herabziehen! Wie ist es möglich, 
dass in den freien Höhen von Krogkleven die Richtung der 
Furchen Berg-an gehe? Wie kann von einer Höhe von nur 
1500‘ aus die Gletscher-Masse durch das ganze Bette des 
Boitnischen Meerbusens hinab und wieder über ein 700° über 
dem See-Spiegel erhabenes Plateau getrieben werden, wel- 
ches 70—90 deutsche Meilen davon entfernt liegt und mit- 
hin nur S00’ oder nicht 0,0005 Gesammt-Gefälle zulässt ® 
(denn im Jura, den Alpen gegenüber, ist das Gefälle noch 
7000' auf 10 Meilen Entfernung — 0,03**). Wie konnten 
auf ihrem Rücken die Geschiebe nach Deutschland und Bel- 
gien gelangen (um von T’ula nicht zu sprechen), wo die Sohle 
der Gletscher auf 150 Meilen Entfernung nur 1500’ oder 
nicht 0,0004 Gesammt - Gefälle, wenn man aber auch die 
höchste Spitze Skandinaviens am S.-Ende des Kjölen-Gebirges, 
Snöhältan im NW, von Christiania, annehmen wollte, nur 
0,0016 Gefälle erhalten würde. Welchen Einfluss kann diese 
Neigung noch auf die Richtung der Ausdehnung eines 


> BoeHtLınck im Jahrb. 1839, 725; 1840, 617, 717. Sollte aber 
durch die Ansicht, dass die Se von den Gebirgs-Höhen 
ausgegangen seye, die Richtung der furchenden Kraft an den Stoss- 
Seiten der Berge umgekehrt gedacht werden müssen, dann würden 
sich aus der Gletscher-Theorie wohl diese Ausnahmen, aber nicht 
die Mehrzahl der Fälle erklären, wo dann die Furchen den Fluss- 
Thälern entgegenliefen, 

““) Acassız, Gletscher S. 297. 


70 


Gletschers über Berge und Thäler hinweg äussern ®$ 'Aber 
auch in der Nähe von Snöhällan, da-wo von ihm ausgehende 
Furchen in SO, ziehen müssten, fand sie Skrström recht- 
winkelig auf diese Richtung nach SW. ziehen*)! ihn 

Freilich kann ich selbst, ohne zusammenhängende Beobach- 
tungen an Ort und Stelle gemacht zu haben, zur Erklärung 
dieser Erscheinungen eine genügendere Theorie nicht aufstellen, 
da auch die BosutLixex’sche Annahme einer Abschleifung und 
Furehung der Fels-Flächen durch die bei plötzlicher Kon- 
tinental- Hebung Skandinaviens zurückgedrängten Meeres- 
Gewässer voll Schutt und Fels-Blöcken sich kaum bewähren 
möchte, Vielleicht findet man mit der Zeit, dass Eis-Berge 
mit unten angefrorenen Fels-Trümmern, welche entweder an 
Ort und Stelle 'entstanden, oder von Norden her über diese 
Länder herabgetrieben, und welche je nach ihrer Grösse 
theils tief ins Meer hinabreichten,, theils nur oberflächlich 
hineintauchten , diese Glätte der Felsen und ihre Furchen 
hervorbringen halfen, indem sie von Winden und See-Strömun- 
gen über dieselben hingeschoben wurden oder da, wo sie 
mit ihrem Fusse durch eine Unebenheit des Meeres-Grundes 
aufgehalten waren, beim Steigen und Sinken der Gezeiten 
oder der Brandung auf jenem Grunde auf- und ab-glitten. 
Ihre Einschlüsse und ihre Oblast wäre dann bei ihrem Schmel- 
zen allmählich auf die Schliff-Flächen hinabgesunken, Diese 
Erklärung würde eine nur unbeträchtlich niedrigere Tem: 
peratur in einer Gegend der Erde erfordern, welche 
jetzt unter allen verhältnissmäsig die wärmste ist, indem an 
keinem andern Orte die Isothermen sich so weit nördlich 
hinaufziehen, als längs der West-Küste Europa’s. Und in 
keinem Falle würde, wie wir gesehen haben, die Annahme 
einer Vereisung der Erde bis zum Allas die obigen Er- 
scheinungen erklären können. 

Zu6). Was endlich die Gesammt-T ri betrifft, welche 
alle diese Erscheinungen erklären soll, so wird sie, wenn diese 
nicht alle in eine Kategorie zusammengehören, auch nicht 


”) SEFSTRÜM a. a, O. S. 559. 


71 
die Ausdehnung haben dürfen, die ihr Acassız gegeben hat; 


auf der anderen Seite wird sich zeigen, dass sie in sich selbst 
nicht genügen könne. 

Zuerst scheinen die fossilen Elephanten-Reste eine In- 
kongruenz in der Theorie zu beweisen. Weil ihre Reste 
in den von den Alpen gehobenen Diluvial-Schichten enthalten 
sind, müssen sie mit ihren Zeitgenossen zur Zeit der Bildung 
‘dieser Sehichten schon gelebt haben und untergegangen seyn; 
und weil sie wohl-erhalten in dem Sibirischen Eise und ge- 
frornen Boden vorkommen, wird auch wieder angenommen, 
dass jene Thiere bei der plötzlich eintretenden Kälte der 
Eis-Periode, also erst nach der Diluvial-Bildung, die doch 
nicht ebenfalls durch diese Kälte bedingt worden seyn kann, 
noch vorhanden gewesen und nun plötzlich ausgestorben und 
vom Eise umschlossen worden seyen., 

Wir müssen indessen hieran die Frage reihen, ob es 
denn aus den Elephanten - Resten wirklich erweislich, dass 
eine solche Erniedrigung der Temperatur Sibiriens jemals 
eingetreten seye? ob es wirklich zur Zeit der Elephanten 
dort so viel wärmer gewesen® und ob die allenfallsige Ab- 
kühlung so plötzlich eingetreten seyn müsse? 

Zunächst ist das Vorkommen der lebenden Elephanten- 
Arten in wärmeren Gegenden kein Beweis, dass ausgestor- 
bene Arten eines eben so warmen Klima’s bedurft haben. 
Noch heutiges Tages sind verschiedene Arten der Geschlech- 
ter Ursus, Canis, Cervus, Bos durch alle Zonen ver- 
breitet. Auch macht Cuvirr schon in Beziehung auf das 
einstige Klima Sibiriens darauf aufmerksam, dass die im S7- 
birischen Eise eingefrorene Elephanten-Art keineswegs eine 
nackte Haut, sondern eine Bekleidung von dreierlei Haar 
untereinander besessen habe und daher wohl fähig gewesen 
seyn dürfte, kältre Gegenden zu bewohnen, als unsre noch 
lebenden Arten. Gesellt sich doch noch jetzt bei den 
Tungusen das Kameel der heissen Wüste dem Rennthiere der 
nordischen Eis-Gegenden als Hausthier bei. — Dagegen hat man 
weiter eingewendet, dass die unermessliche Anzahl von 


72 


Elephanten, deren Reste in Söbirien begraben sind, unmög- 
lich genügende. Nahrung dort hätten finden können, „Aber zu- 
erst muss man sich erinnern, dass jene Reste ganz. allmählich 
im Verlaufe. von Jahrtausenden können begraben worden seyn 
und daher keineswegs nothwendig eine sehr. diehte Bevölke- 
rung andeuten. : Dann. ist im Sommer wenigstens der Boden 
keineswegs so unergiebig, als man ihn sich vorstellt. ‚Selbst - 
da, wo er unausgesetzt viele Klafter tief gefroren, wurzeln 
grosse Bäume in ihm; ‚denn im Sommer | thaut :er bis \auf- 
2’ — 16‘ Tiefe auf. Selbst um Jahulzk,. dessen ‚Mittel- 
Temperatur — 71° C. beträgt und dessen Boden mehre Hun- 
dert Fusse tief gefroren ist, wird ein ergiebiger Frucht-Bau 
und eine blühende Viehzucht betrieben und bedeeken Lärchen- 
Waldungen die Berg-Abhänge bis zu 2400‘ See-Höhe hin- 
auf*). Aber Jakutzk liegt, obsehon ‚viel südlicher, doch bei- 
nahe unter der nämlichen Isotherme, wie jene Küsten des 
Eis-Meeres, die sich so reich an Elephanten-Resten erwiesen 
haben. Man wird aber einwenden, dass diese Elephanten 
dann wenigstens im Winter keine Nahrung in jenen Gegen- 
den hätten finden können. Nun dann mögen ‚sie im Winter 
südwärts gewandert seyn, wie so viele andere. Säugethiere. 
Wie im. Polar- Meer die Eis-Bären,. wie in: Amereka die Land- 
Bären und in grossen Schaaren die Eichhörnchen (Seiurus 
Carolinianus) vom Norden her nach Kentucky **), wie. in 
Skandinavien die Lemmings in Zügen von Tausenden vor 'Ein- 
tritt des Winters regelmäsig wandern, so. konnten es ‚auch 
die Elephanten than, welche als weit umherschweifende Thiere 
ohnehin ‚bekannt sind. Aber. die treffliche Erhaitung des 
Elfenbeins im Boden Söbiriens, das Eingeschlossenseyn ‚der 
Elephanten mit Fleisch, Haut und Haaren in Eis-Blöcke des 
Polar-Meeres, beweist es nieht wenigstens, dass diese Thiere 
sehr schnell von der Kälte überrascht worden seyn müssen, 


”) Erman in der Einleitung: zum „Archiv für wissenschaftliche Kunde 
von Russland“. 
*#) Micusux, Voyage «@ lVouest des monts gr sh Paris 1804, 
p. 189. 


73 


indem sonst die Theile ihres Körpers‘ in Zersetzung über- 
gegangen seyn würden. Der im Eise vollständig eingefrorenen 
Individuen sind verhältnissmäsig zur ganzen Zahl doch nur 
wenige. Die Leichen dieser wenigen, vielleicht von den 
letzten ihrer Art, könnten leicht von ‘den für: sie: theil- 
weise bewohnbaren Plätzen ‘aus: durch Überschwemmungen 
reissender Flüsse bis vollends zum ‚Zis-Meere fortgeführt 
worden seyn. Doch ich will zu‘ dieser Hypothese meine 
Zuflucht nicht nehmen, sondern bei der eigenthümlichen Be- 
schaffenheit des Landes bleiben. _Gesetzt es gingen jetzt 
durch grosse Überschwemmungen, durch Versinken in Süm- 
pfen u. dgl. solche Thiere im Laufe des Sommers dort zu 
Grunde (wie man bekanntlich in Grossbritannien und Nord- 
Amerika sowohl die Hirsche mit dem Riesen-Geweihe als 
_ Elephanten in solcher Erhaltung und Stellung des Skeletts 
im Boden gefunden hat, dass sie offenbar in Sümpfen und 
Mooren versunken seyn müssen) *) und sänken in diesen Ge- 
wässern bis zur grössten Tiefe ein, bis zu welcher der Boden 
in ‘der Mitte des Sommers aufthauet, so würden sie durch 
den Aufenthalt in einer Temperatur auf dem Frost-Punkte 
unter Wasser, das nach wenigen Wochen wieder gefriert, nur 
wenig leiden können. Thaute der Eis-Boden einmal in einem 
folgenden Sommer tiefer auf, so würde nur die Folge seyn, 
dass sie jetzt auch tiefer in ihm einsänken und um so ge- 
sehützter gegen die Verwesung in folgenden Jahren lägen. 
‚Würden sie endlich vielleicht durch das Phänomen selbst, 
welches ihren Untergang herbeigeführt, mit Sand- und Schlamm- 
Anscehüttungen bedeckt, welche den Boden erhöheten **), so 
müsste eben hiedurch der Thau-Punkt im Boden steigen und 
die Höhe, bis zu welcher derselbe immer gefroren. bleibt, 
zunehmen; die verschütteten Thiere wären hiedurch für im- 
mer gegen Verwesung geschützt. So scheint also gerade 


*) Jahrb. 1835, 715 u. a. 
"*) So lese ich, dass der Boden Sibiriens an vielen Orten aus Wechsel- 
Schichten von Eis und gefrorenem Sande besteht, was offenbar eine 
solche Erscheinung andeutet. 


74 


diese anfänglich auffallendste Thatsache am wenigsten eine 
Temperatur-Erniedrigung und gar eine plötzliche und uni- 
verselle Erkaltung der Erd-Oberfläche anzudeuten. 

Eine plötzlich und nach der Existenz 'der Elephanten 
beträchtliche allgemeine Abkühlung der Erde ist daher 
durch das Vorkommen im Sibirischen Eise eingefrörener Elephan- 
ten keineswegs erweislich und ist zu Erklärung dieser Erschei- 
nung so wenig nothwendig, als zu der der erratischen Blöcke. 
Auf noch weit grössre Hindernisse für eine solche Annahme 
würde man aber stossen, wenn iman nach der Ursache fragen 
wollte, die eine solche Abkühlang hervorgebracht haben 
könnte. Aus der Theorie einer allmählichen Abkühlung der 
Erde von einem einst glühenden Zustande an bis zu dem ihrer 
jetzigen Temperatur, welcher auch die Hypothese im Übrigen 
beipflichtet, lässt sich, von lokalen Modifikationen abgesehen, 
nur eine stete Temperatur-Abnahme herleiten, und so gibt 
es auch keine andre, weder astronomische noch physikalische 
Ursache, aus welcher eine Absatz-weise Wärme - Abnahme 
erklärlich wäre. Ohne aber selbst eine solche Ursache angeben 
zu können, begnügt sich die Hypothese mit dem Bisherigen 
nicht einmal. Nicht nur plötzlich und stark soll nach ihr 
‘ die Temperatur der Erde gesunken, sondern sie soll nachher 
auch wieder gestiegen seyn; nieht nur am Ende der tertiären 
Periode soll sich dieses unerklärliche Ereigniss zugetragen, 
sondern nach jeder der bis jetzt gewöhnlich angenommenen 
5 geologischen Perioden soll eine solche grosse plötzliche 
Temperatur-Abnahme alle Lebenwesen getödtet haben, solldann 
die Wärme wieder etwas gestiegen seyn und neue Geschöpfe 
erweckt haben, um während der nächsten Periode sofort auf 
gleicher Höhe zu verharren. Zu Begründung dieser eben so 
unrichtigen als unnöthigen Theorie bei Acassız finden wir 
nur zwei Versuche in seinem Buche. Einmal nämlich be- 
hauptet er im Allgemeinen (S. 306) „Nichts spricht dafür, 
dass diese Temperatur-Abnahme eine allmähliche gewesen 
seye; im Gegentheil, wer die Natur von physiologischem Ge- 
sichts-Punkte zu betrachten gewöhnt ist, wird eher geneigt 


75 


seyn anzunehmen, die Temperatur der Erde habe sich stufen- 
weise erniedrigt, wieder etwas erhöht“ — u. s. w., wie oben 
bereits angegeben worden ist. Aber die ganze Abkühlungs- 
Theorie, die ganze Grundlage unserer heutigen Geologie, welche 
auch die Eiszeit-Hypothese selbst anerkennt, spricht ja für die 
allmähliche Abkühlung; aus ihr kann ja gar keine andre Ab- 
kühlungs-Weise hergeleitet werden, und jene vom Vf. schon 
bei einer anderen Veranlassung in ähnlicher Art gebrauchte 
Argumentation „Nichts spricht dafür“ kann mit Wahrheit 
nur gegen seine eigene Vorstellungs-Weise gerichtet werden. 
An einer anderen Stelle, S. 295, sagt er, dass die Erschei- 
nung, die Emporhebung der Alpen aus der unermesslichen 
Eis-Decke es gewesen seye, „welche die klimatischen Ver- 
hältnisse der Schweitz wieder plötzlich änderte und die durch 
Jahres- und Witterungs-Wechsel bedingten häufigen Oszil- 
lationen und Schwankungen in der Ausdehnung derdie Schweitg 
bedeckenden Eis-Kruste veranlasste. Wenn aber die Er- 
hebung der Alpen einen Einfluss auf das Klima hat haben 
können, so kann er doch jedenfalls nur ein lokaler, kein die 
Eis-Rinde der ganzen nördlichen und gemäsigten Zone zer- 
störender, und eben so kann es nureinerkältender und kein er- 
wärmender gewesen seyn: ein erkältender, weil wir noch 
jetzt sehen, dass dadurch die Schweiz zu einer wirk- 
lichen Niederlage ewigen Schnee’s und Eises unter allen 
Verhältnissen in Mitten der gemäsigten Zone wurde und 
somit auch erkältend auf die Nachbar-Gegenden wirket; wie 
dann auch CHARPENTIErR*) für seine Theorie riehtig angenom- 
men hatte, dass gerade eine einst beträchtlichere Höhe der 
Alpen die Ursache der einstigen grössren Ausdehnung der 
Gletscher gewesen seyn könne: eine Annahme, ‘die wir aber- 
mals dureh das Argument „dass nichts dafür spreche“ von 
Acassız beseitigen sehen (S. 281). Somit bleiben uns jetzt 
noch zwei Untersuchungen in Beziehung auf die Theorie 
der Eis-Zeit übrig, die über die zuletzt erwähnte Frage näm- 
lich, ob wirklich nichts für eine einst grössre Höhe der 


*) Jahrb. 1887, ar1. 


76 


Alpen-Kette spreche, und die über. die wirklichen Ursachen, 
welche die etwaigen klimatischen Veränderungen seit der 
Diluvial-Bildung zu erklären geeignet wären. 

Sind die Alpen einmal im feuerflüssigen Zustande em- 
porgestiegen, wie Acassız annimmt, so ist auch keinem Zwei- 
fel unterworfen, dass sie anfangs wirklich eine grössre Höhe 
als jetzt besessen haben, aus dem einfachen Grande, weil 
jeder Körper sich durch Erhitzung ausdehnt und durch Er- 
kältung zusammenzieht. Statt aller übrigen Beobachtun- 
gen will ich,nur auf die von G. Bıschor verweisen, welche 
im Jahrbuche *) angeführt sind, woraus erhellt, dass Granit 
bei seinem Übergange aus dem flüssigen in den krystallini- 
schen Zustand sich um 0,25 seines Volumens zusammenziehe. 
Zur Zeit, wo die Alpen sich mit einer Eis-Rinde überzogen, 
muss freilich ihre Oberfläche schoen gänzlich abgekühlt ge- 
wesen seyn, was aber nicht hindert, dass ihr Inneres noch 
glühend und ihr Kern noch flüssig war, wobei wir den Alina 
und viele andere thätige Vulkane mit ewigem Schnee be- 
deckt finden. Demnach hatte doch der ‚grösste Theil der 
Zusammenziehung damals schon Statt gefunden, oder es konnte 
wenigstens die starre äussre Kruste nicht mehr, vollständig 
der Zusammenziehung des inneren Kernes nachfolgen. Da 
aber nach Fox **) der Granit vom Rothglühen an sich noch 
um 0,02 zusammenzieht, so würde auch diess für den Mont- 
blanc in seinem über den Meeres-Spiegel vorragenden Theile 
schon 300° ausmachen, ohne der mit diesem Ausbruche noth- 
wendig. verbunden gewesenen und auch nach der äussern 
Abkühlung des Gebirges noch grösstentheils vorhandenen 
grösseren Erhitzung und Ausdehnung des Theiles der mäch- 
tigen Erd-Rinde zu gedenken, auf welcher. die Alpen stehen, 
so wie der Ausdehnung bloss gehobener neptunischer Schich- 
ten. Dass aber ferner die Senkung eines solchen auf feuri- 
gem Wege neulich entstandenen Gebirges auch dann noch 
binnen kurzer Zeit sehr messbar seyn könne, wenn es sich 
aussen schon mit Schnee zu bedecken vermochte, das beweist 


”) 1841, S. 564. ”*) Jahrb. 1833, 221. 


”2 


Bovussinsaurt’s Bericht über die Anden, in welchen der 
Quaguapichincha bei Quito jetzt in Höhen von Schnee befreit 
ist, wo dieser vor 100 Jahren die Französischen Geometer in 
ihren Arbeiten sehr hinderte; wornach der Purace bei Po- 
_ payan nach Versicherung der Einwohner seine Schnee-Grenze 
jetzt näher am Gipfel hat, als ehedem, und nach Messungen 
BovssissauLt's gleich Ouwle, Popayan, Sta. Fe de Bogola 
und der Meierei von Anlisana nicht mehr so hoch liegt, als 
Carpas und v. Humsorpr sie 30 Jahre früher gefunden *). 
Gleichwohl bestehen diese Theile der Anden aus trachyti- 
schen Gesteinen, die sich vom Schmelzen an nur um 18 
(statt 25) Prozent zusammenziehen **). — Man würde da- 
her auch hier eher Recht haben umgekehrt zu behaupten, 
Nichts. spreche dafür, dass die Alpen seit ihrer Emporhebung 
eine fortwährend gleichbleibende Meeres- Höhe behalten 
hätten. 

"indessen ist es nicht meine Absicht, alle Temperatur- 
Abnahme der Erd-Oberfläche oder gar die örtlichen Tem- 
peratur-Veränderungen seit dem Verschwinden der Elephan- 
ten läugnen zu wollen. Da aber erst in dem letzten Stadium 
der Erde sich die gemäsigte Zone von der heissen und die 
kalte von der gemäsigten mehr und mehr unterscheiden 
konnten, so vertheilte sich ein Grad mittler Temperatur- 
Abnahme so ungleich auf der Erd-Obertläche;' dass solche in 
der heissen Zone nicht, in der gemässigten wenig und in der 
kalten am meisten fühlbar wurde und auch hier vorzüglich dem 
Winter und den Nächten zu Gute kam, so dass ein Grad 
Abnahme der Mittel-Temperatur der ganzen Erde, in’ ange- 
deuteter Weise vertheilt, die Winter am Rande der Polar- 
Zone um mehre Grade kälter machen musste. Jedenfalls 
haben sich also seit dem Verschwinden der Elephanten die 
Temperatur-Veränderungen der Erde im Ganzen ‘auf Zunahme 
der Kälte des Winters und der Nächte in höheren Breiten 
beschränkt, was eine Zunahme von Schnee und Eis gegen 
die Pole und auf den ihnen benachbarten Gebirgen, und so 


*) Jahrb. 1836, 712. ”=) BiscHoFF a. a. OÖ, 


78 


N 


wieder:ein Zurückwirken dieses Eises auf die Temperatur der 
Umgegend und hauptsächlich auf ein Veränderlicher-werden 
des Sommers in derselben zur Folge hatte. 

Genügen diese Temparatur-Veränderungen aber nieht zur. 
Erklärung der mit den früheren Gletschern in Verbindung ge- 
brachten Erscheinungen, so werden die inzwischen durch Kon- 
tinental-Hebungen und - Senkungen, durch See- und Luft- 
Strömungen und etwa durch lokale Abkühlung der Erd-Rinde 
selbst möglichen örtlichen Temperatur-Veränderungen und die 
nach allen Anzeigen ungeheure Länge der Zeit von vielen 
seitdem verflossenen Jahr-Tausenden , wo ähnliche. örtliche 
Erscheinungen der Reihe nach alle Theile der gemäsigten 
und kalten Zone. betreffen konnten, mehr als hinreichen, 
wenn man bedenkt, dass diese örtlichen Erscheinungen noch 
in diesem Augenblicke die Folge haben, dass in unsrer Hemi- 
sphäre manche solche Orte, die um 20°, ja 25° der. Breite 
auseinanderliegen, unter gleiche Isotherme kommen und eine 
gleiche mittle Temperatur. besitzen ,; wie anderntheils solche 
Orte, welche unter gleicher Breite liegen, um 100—12°, ja 
17° verschiedene mittle Temperaturen haben können, — und 
wenn man sich ferner erinnert, wie schon in historischer 
Zeit, in. einer Frist von 200—300 Jahren das Klima von 
Grönland, einst Grünland, so mächtige Änderungen er- 
fahren hat, dass es jetzt fast unbewohnbar geworden ist, 
Welche klimatische Folgen würde nur eine aus irgend einer 
geographischen ‚Veränderung entstehende Vermehrung des 
jährlichen Schnee-Falles in der Schweilz bei gleichbleibender 
Sonnen-Temperatur haben? Und von welch’ zufälligen Ur- 
sachen scheint eine solche. Vermehruug: abzuhängen, wenn 
man bedenkt, dass die Regen-Menge in den Alpen nördlich 
vom Ende des Adriatischen Meeres die aller andern. Punkte 
von’ Europa um ein Mehrfaches übertrifft *) $ 

Zum Schlusse bleibt uns noch ein mit dieser Hypothese 
vielfach verknüpfter Gegenstand zu "erörtern übrig; nämlich 
die geologischen Perioden, deren ‘man neuerlich 


”) Vgl. Bercuaus’ physikalischen Atlas. 


79 


gewöhnlich fünf angenommen hat. Ich habe sie in der Lethäa 
mit den Namen der Kohlen-, Salz-, Oolith-, Kreide- und 
Molasse-Periode. bezeichnet, Dieses Perioden-Gebäude „.die 
Geburt auf kleine Flächen beschränkter Beobachtungen, wankt 
bereits in allen seinen Fundamenten; allein demungeachtet 
werden wir nöthig haben, es noch eine Zeit lang zu. stützen 
und zu flicken, weil uns die Errichtung eines neuen und 
bessern vielleicht nieht mehr so leicht werden wird, und 
uns das alte noch einen willkommenen Anhalts-Punkt gewährt. 

Die Abkühlungs-Theorie der Erde lässt die Annahme 
einer Absatz - weisen Abkühlung: oder gar (nach Acassız) 
einer Undulation derselben in für die ganze Erde gleieh- 
zeitigen Hebungen und Senkungen nicht zu. Weder die Ab- 
kühlung, noch irgend ein andres gegebenes Moment bietet 
uns daher. Mittel zur Annahme: scharfer Grenzen zwischen 
verschiedenen Perioden 'oder den Erzeugnissen derselben und 
insbesondre deren Thieren und Pflanzen. Diese änderten sich 
zwar, aber sie änderten: sich fortwährend und allmählich. 
Welcher Theorie der Erd-Rinden-Bildung wir aber:auch folgen 
mögen, so. werden wir. dagegen immer annehmen müssen, 
dass die neptunischen Schichten, die wir nach Gruppen, For- 
‚mationen und Perioden ordnen, sich einzeln nicht: gleich- 
zeitig ununterbrochen und mit gleichbleibendem Mineral- 
Charakter auf der ganzen Erd - Oberfläche haben absetzen 
können, dass vielmehr hier eine Menge. durch die jedes- 
maligen Verhältnisse von Land und Wasser zu einander be- 
dingter örtlicher Modifikationen in der Schiehten-Bildung ein- 
treten mussten, die überall sieh anders 'verhielten, dass aber 
auch viele Sehichten ‚da oder dort wieder zerstört worden 
sind, ‚dass, mithin kein: petrographischer oder geologischer 
Charakter, der zur Bezeichnung oder. zur Trennung von 
Schichten-Gruppen. diensam wäre, über die ganze Erd-Ober- 
fläche reichen ' könne; Universelle scharfe  Abselnitte ha- 
ben daher weder: in der Bildungs-Geschichte neptunischer 
Erzeugnisse bestanden, noch lassen sich Merkmale von sol- 
chen in deren Erzeugnissen auffinden. Diese aus der Bildungs- 


80 


Hypothese sehr einfach hervorgehende Folgerung besonders 
hervorzuheben, war so lange nicht an der Zeit, als der An- 
schein gänzlich dagegen zu sprechen schien, und weil in’ den 
Erfahrungs - Wissenschaften die Thatsachen schon so häufig 
allzu voreilige Folgerungen widerlegt haben und man dann 
hintendrein gewöhnlich bald’ 'so glücklich war, auch die wi- 
dersprechende Thatsache durch neue Folgerungen als ein 
nothwendiges Erforderniss derselben Hypothese zu’ erklären. 
Wenn ich daher jetzt die Nothwendigkeit behaupte, mehr 
und mehr auf scharfe Unterscheidung geologischer Perioden 
zu verzichten, so geschieht diess nieht in Folge einer vorge- 
fassten theoretischen Meinung, sondern weil sich die Beweise 
dafür bereits finden. | ' g 

Zu keiner Zeit ist wohl überall Meer, zu‘ keiner 
überall’ trocknes Land oder Sumpf gewesen; aber viele 
Punkte der Erd-Oberfläche sind beides wohl eine Zeit lang, 
öfter oder wechselweise gewesen. ‘Wenn eine Stelle eine 
nicht zu kurze Zeit lang unverändert vom Meere bedeckt 
gewesen, so werden die etwaigen Niederschläge und deren 
Einschlüsse während ‘derselben Zeit in ihrem einförmigen 
Charakter beharren oder sich nur allmählich ändern. ° Ist 
neben: dem letzten Falle eine andre Stelle in der Nähe zu 
Anfang und zu Ende dieser Zeit unter dem Meere bedeckt, 
in der Zwischen-Zeit aber trocken gewesen, so wird ‘sich 
zwischen ihren 'beiderlei Niederschlägen ein schroffer 'Ab- 
satz zeigen‘, 'nämlich zwar nur derselbe Unterschied wie 
zwischen den frühern und spätern Niederschlägen der ersten 
Gegend, aber ohne ‘die vermittelnden Glieder.‘ Hätte in der 
ersten Gegend eine heftige Strömung einen Theil der’ schon 
gebildeten Zwischenglieder wieder zerstört, so würde auch 
dort ein soleher und zwar ein noch grellerer Absatz ent-- 
stehen, weil die bleibenden positiven Spuren der Zerstörung 
sich beigesellen würden. Ereignisse dieser letzten 2 Arten 
in einem sehr grossen Maasstab verbreitet über‘ einen "Theil 
von Zentral-Europa' sind es wohl gewesen, welche Veran- 
lassung geboten haben zur Annahme scharfer Trennung der 


81 


Erdrinden- Bildung und ihrer Schichten in fünf Perioden; - 
vielleicht auch dass in manchen Fällen die Verborgenheit der 
wirklich vorhandenen vermittelnden Schichten in ‘weniger 
aufgeschlossenen Tiefen der Erde mit zur scharfen Sonde- 
rung beigetragen hat.. Auch ausgedehnte Gebirgs-Hebungen 
mit Schiehten- Aufrichtung, auf welche sich. dann wieder 
horizontale Schichten abgesetzt haben , bat, man als Grenz- 
Zeichen benutzt. Wie man aber in die Lage kömmt, solche. 
verborgene Tiefen oder entlegenere Erd-Striche genauer ken- 
nen zu lerıien, so müssen auch jene Aufriehtungen allmählich 
aufhören , um andern. zu ‘weichen, und jene örtliche Lücken 
sich 'mehr und mehr verlieren, während andre entstehen. da, 
‚wo man bisher nur ununterbrochen übergehende. Schichten- 
Folgen gekannt hatte*). Hätte sich also. die Geologie. in 
einem andern Theile .der Erde als in Zenfral-Europa_ ent- 
wickelt, so würde man zu ganz andern Perioden-Eintheilungen 
gekommen seyn, als hier; und mit eben. so viel Unrecht in 
Beziehung auf das 'Ganze.. Doch ist allerdings der Unter- 
schied, dass in der ersten Zeit: der neptunischen Gesteins- 
Niederschläge die Temperatur. noch höher gewesen ist und 
‚mithin 'auch gleiehförmiger: über der ganzen Erd-Oberfläche 
geherrscht hat, so',dass auch die-Beyölkerung der Erde und 
die. von ihr herrührenden ‚Reste einen gleichförmigen Cha- 
rakter haben konnten; — ‚und dass eben so damals.die Kon- 
tinente, vermuthlich; noch weniger hoch und ausgedehnt, 
den Zusammenhang. der unter, dem Wasser sich bildenden 
Schichten. weniger unterbrochen haben dürften, als ‚später. 
Iel: hatte schon in der Lethäa, in den eine jede Periode 
einleitenden Seiten‘, eine Liste von solehen. Arten von Or- 
ganismen gegeben, die ‚verschiedenen Perioden: gemein sind, 
und, auf welche 'sich, :da es mir hier ‚mehr um die vermitteln- 
den Gebirgs-Schichten, als die vermittelnden Petrefakten-Arten 
zu thun ist, nicht zurückkommen will. Wenn ich gerne 
zugeben will, dass manche dieser Arten bei genauerer 


Prüfung werden in je zwei ‚getrennt werden können oder 


*) In diesem Sinne spricht auch Constant Pr£vost. Jabrb. 1839, 734, 
Jahrgang 1842. 6 


s2 


unrichtig bestimmt seyn, wie man eingewendet hat, so’ hat 
sich doch die Anzahl solcher gemeinschaftlicher: Arten seit- 
‚dem, obsehon man sich sorgfältigerer Bestimmungen zu :be- 
fleissigen begonnen, noch sehr vergrössert, und DE VeErnkvıL 
und v’Arcuiac haben noch reichere Listen entworfen. 

I. Was nun die Grenze zwischen der jetzigen Zeit und 
der Molassen-Periode betrifft, so ist es bekannt, dass 'es 
tertiäre Niederschläge gibt, welche 0,95—0,90— 0,80-—-0,50 - 
—0,020 ihrer fossilen Arten mit der lebenden Schöpfung 
gemein haben, und wenn noch einige Zwischenglieder fehlen 
sollten, so werden auch diese sich noch finden. Hier ist 
also kaum eine wirkliche Grenze anzunehmen. Kaum lassen 
sich auch mehr die Beobachtungen beseitigen oder ignoriren, 
wo Reste ausgestorbener Thiere mit söolehen von Menschen 
auf primitiver Lagerstätte zusammen ‘vorkommen ®).' | 

ll. Zwischen der Molassen- und 'Kreide-Periode schien 
eine Zeit lang eine sehr scharfe Grenze zu bestehen, zumal 
man bei Paris eine reiche und vollständige Schichten-Folge 
an der Grenze von beiden beobachten konnte, wo sie scharf 
aneinander 'abzusetzen schienen. Dagegen besteht GrATE- 
zovp auf der Behauptung, dass bei Dax einige Kreide-Ver- 
steinerungen auch noch über der Kreide in den Tertiär- 
Schichten vorkommen, und nennt insbesondre Spatan- 
gus ornatus Derr., Galerites exeentricus Lmk. und 
G. semiglobus Lx.**); obschon bei Des Movrins ***) nur 
noch der erste in beiden Formationen angeführt wird. Der 
Sandstein der Gosau 'hat ausser tertiären Versteinerungen 
Peeten quinquecostatus und Trigonia scabra und 
nach Sepewick und Murchisox noch 10 andre Arteri der Kreide 
geliefert +). Lyerr gibt solche Vermischungen im „Faxöe-Kalk« 
auf Faxöe;}) an. Der Grünsand bei Aachen enthält nach 
PERRRERE AUTER DR r 1 


*) Jahrb. 1841, 502, 606, und viele ältre. i 
“®) Jahrb, 1839, 102, 103, 104. — GRATELOUP mem. sur les ‚oursins 
 fossiles, p. 3 
#*#) Des Mouuiss, etudes sur les Echinides, p- 343, 393. 
+) Jahrb. 1831. 101: 1832, 178, 484,  +r) Jahrb. 1837, 347. 


83 


Dumonr's Liste: unter 28 bestimmten Spezies 7, nach Davrzux 
unter 30, Arten 5, nach Hoznınanaus unter 23:Arten 5 tertiäre, 
welche, bereits. D’Arcuıac namentlich zusammengestellt hat*). 
In der Krimm.sieht;man nach. Dusoıs viele Fossil-Arten der 
alten Tertiär-Schichten hauptsächlich unter Vermittelung eines 
Nummuliten-Kalkes und harter Mergel‘in die Kreide hinüber- 
reichen **). Und. dieselbe Erscheinung wiederholt sieh nach 
Ler&vr£ in ‚Ägypten, :wo 2: charakteristische Arten der älte- 
sten. Grobkalk - Schichten, (Neritina perversa und ein 
‚grosser Cerithium-Kern) in: die Kreide eindringen, wäh- 
vend gewisseExogyrenund ein Baculit in denselben obener- 
wähnten Nummunliten-Kalk, der in der Krimm so viele Tertiär- 
Versteinerungen enthält, hinaufreichen. Wir entlehnen diese 
‚Notitz aus dem Aufsatze pe: VErnruir’s über die Krimm”**). 

„Il. »Die Grenze zwischen Kreide und Oolithen ist durch 
lie Entdeekung und Unterscheidung des Hils-Thones und 
des Neocomien als tiefster Glieder der Kreide sehr verwischt 
worden; jener ist nach Rormer's neueren Arbeiten wesentlich 
ein Kreide-Gebilde, (Speeton clay), enthält, aber im Aannöv- 
rischen Exogyra spiralis, Peeten lens, Terebratula 
perovalis, Serpula volubilis und Gellepora orbi- 
eulata mit Bele und. Portland- Kalk, gemein, mehr Arten 
mithin , als sich daselbst im . ‚Unter-Oolith und Oxford-Thon 
u. ;s. w. gemeinsam einfinden}). Wenn nun BormEr in 
seiner neuen Arbeit über die Kreide dieser "Arten, mit Aus- 
nahme, der Terebratula, nicht mehr. gedenkt oder neue 
Arten für die im Hils-Thone vorkommenden Individuen bildet, 
so findet dagegen nach Dusois eine desto grössre Vermischung 
von-Jura- und Kreide-Arten in dem nämlichen, Gebilde in der 
Krimm ‚Statt ff), wo, in ‚der ‚Kreide unter 49 Arten. 16 sich 


e) lich, 1841, 797. NE ae ==) Jelch; 1838, 350, 351. 
*=#) Jahrb. 1838, 557. 
7) Jahrb. 1837, 1165; doch wird im neuern Werke über die Kreide 
jene Exogyra spiralis S. 47 als eine neue Art aufgestellt. 
ID) Jahrb. 1838, 351,5 1841, 796. 


6: 


84 


aus den Oolithen einfinden. Nach Fırron*) kommen im 
SO.-Theile Englands 15 Arten aus den Oolithen [wobei in- 
dessen, so weit sie aus Fullers Earth stammen, zu bemerken 
ist, dass Rormer **) die Fırron’sche Fullers Earth sehon als 
Äquivalent des Hils-Thones oder Speeton elay betrachtet] in 
der Kreide vor, und nach Paıruips hat der Knapton- und 
Speeton-Clay in Yorkshire unter 107 Arten Versteinerungen 
99 aus der Kreide und 8 aus dem Kimmeridge-Thon gelie- 
fert, welcher dort fehlt. Moxrmorein und Ar. BRoNGNIART 
zählen in den Neocomien-Schichten des Jura, jener 4 unter 
14, dieser 2 Arten aus den Oolithen auf, von welchen frei- 
lich 2 Echiniden-Arten von Acassız als abweichende Spezies 
bezeichnet werden; — Miss Bexert führt in Wiltshire 5 
Arten des Coralrag auch im Obergrünsande an, wenn schon 
ich nicht allen Bestimmungen vertrauen möchte. Andre ge- 
meinsame Arten aus verschiedenen Gegenden findet man bei 
Gorpruss. Die meisten dieser Arten, so wie einige selbst 
gefundene führt D’Arcuıac in seiner Zusammenstellung na- 
mentlich auf***), und pr Roıssy bestätigt wenigstens die ae 
gonia clavellata nach Autopsie }). 

IV. Zwischen den Oolithen und der Trias, dem Salz- 
Gebirge, hat sich bis jetzt die geringste Anzahl gemeinsamer 
Arten ergeben; und dennoch ist es im Koburgischen und im 
Würltembergtschen sehr schwierig, diejenige Schiehte näher 
zu bezeichnen, mit welcher die eine dieser Formationen en- 
digen und die ‚andre beginnen soll, da diese Schichten 
allmählich und in gleichförmiger De in einander über- 
gehen, "de 
| V. Am schärfsten getrennt erschienen bis jetzt die Trias 
und die Kohlen - oder Übergangs - Gesteine: eine weite 
Kluft schien sich zwischen beiden zu öffnen. Auch diese Kluft 
ist seit wenigen Wochen ausgefüllt worden, nämlich seit dem 


*) Observations on the strata below the Chalk and Oxford Oolite in 
South East of England, 1836, 4°, | | 

=) Versteinerungen d. Norddeutschen Kreide (Hannover 1841, S. 132). 
**#=) Jahrb. 1841, 796. 1) Jahrb. 1839, 735. 


85 


Erscheinen des Münster - Wıssmann’schen Werkes über Sf. 
Cassian *). Das Gebilde von S’. Cassian, so lange Zeit selbst 
ein Räthsel, hat damit geendet, die Auflösung eines andern 
Räthsels, der Trennung zwischen Kohlen-Gebilde und Trias 
zu werden. Es ist ein bis jetzt unbekannt gebliebenes B3ittel- 
Glied zwischen beiden Perioden, welches unter 422 Arten 
386 ihm lokal eigenthümliehe enthält und unter den übrigen 
36 Arten 22 halb mit dem, Übergangs-Gebirge und halb mit 
der Trias gemein hat, für welche doppelte Verwandtschaft 
aber in eben so hohem Grade als die Arten auch die für 
beide bezeichnenden Genera sprechen. Wenn nun ausser- 
dem noch einige Arten mit. solchen entfernter Formationen, 
nämlich 11 mit denen im Lias und 3 mit denen im Jura- 
Gebilde theils identisch, theils analog sind, so beträgt diess 
kaum eine grössre Quote, als in andern Formationen auch 
vorkommet, die wir aber hier, um nicht zu weitläufig zu wer- 
den, nicht aufzählen wollen. Wir verweisen desshalb_ auf 
- die Lethäa, auf Hısınser, v. Buch (Terebr.), An. Broxcniarrt, 
v’Arcuıac, DE Vernevir u. A.**), ; 

So ist es nun durch die Ergebnisse neuerer Forschun- 
gen gar schön bestätigt und gerechtfertigt worden, wenn 
ich 1832 behauptete, dass derartige Fälle einstweilen von 
den übrigen geschieden und isolirt betrachtet werden müss- 
ten, bis genauere Untersuchungen an Ort und Stelle 
uns entweder eines Anderen belehrten oder uns den Grund 
der Vermischung von Versteinerungen aus verschiedenen For- 
mationen nachwiesen. Wenn wir aber eine solche Vermischung 
für die Gebilde verschiedener Perioden zugestehen müssen, 
wie viel mehr wird es für die Bildungen verschiedener For- 
mationen oder Formations-Gruppen in einerlei Periode der 
Fall seyn! Als ich vor 3 und 4 Jahren die von MurcHison 
und VERNEUIL ausgegangene aber später von ihnen selbst 
immer mehr beschränkte Behauptung las, dass alle 


*) Jahrb. 1842, Heft 1: es wird in den nächsten Auszügen angezeigt. 
*”") Jahrbuch 1839, 734; 1841, 797; insbesondre aber noch auf die 
Fälle in der Tarentaise, Jahrb. 1841, 236 un? >" 


s6 


Petrefakten-Arten des Cambrischen, des Silurischen, des ’De- 
' vonischen und des Bergkalk- Systems von einander verschieden 
seyn sollten *), sagte ich, von allgemeinern Gesichts-Punkten 
und Erfahr ungen ausgehend, da ich ‘die neue Eintheilung noch 
nicht näher kannte, nicht nur meinen Zuhörern vorher, son: 
dern drückte es auch bei verschiedenen Veranlassungen im 

Jahrbuche aus **), dass diese Naturforscher um so weniger 
_ würden eine Vermengung der Versteinerungen verschiedener 
Formations-Systeine läugnen können, je weiter sie von dem 
Englischen Maulwurfs-Hügel herunter sich in die Breite um- 
sehen würden. 

"Das Ergebniss , dass die Arten am Ende der Perioden 
keineswegs alle je ausgestorben sind, sondern zum Theile 
auch in die nachfolgende hinein leben, beweist demnach auch, 
dass diese Perioden selbst nieht streng geschieden sind; dass 
es überhaupt solche Perioden, welche anzunehmen uns so 
bequem ‘gewesen ist und vielleicht länger bleiben wird, uni- 
versell für die ganze Erd-Oberfläche zugleich 
gar nichtexistirt haben; dass daher auch eine plötzliche 
Kälte nach einem stabilen Wärme-Zustand "der Erde nicht 
alle Lebenwesen derselben gleichzeitig getödtet haben könne, 
um eine neue Schöpfung vorzubereiten, wie die Eis-Hypo- 
these annimmt, und dass überhaupt diese universelle Erkäl- 
tung, die sich der Erde, man weiss nicht wo und wie,-von 
Zeit zu Zeit zugezogen haben soll, ebenfalls nicht existirte: 
Aber es tritt gegen diese „geologische“ Ansicht noch ein 
neuer, bis jetzt nicht erwähnter, der „Eis-Hypothese“ enge 
verbündeter Gegner, der furchtbarste von allen auf in der 
Hypothese, „dass kein Charakter, d. h. kein wahrnehmbares 
Zeichen [eines Organismus] an sich je für so gering ge: 
halten werden darf, um absolut auf Identität hinzuweisen, 
dass überhaupt Charaktere die Art nicht abmarken, wohl aber 
das Gesammtverhalten zur Aussenwelt in allen Umständen 


nr Jahrb. 1839, 356, 734, besehräukt m 1841, 817. 
ar =") Jahrb. 1839, 735. Note; 1840, 97; 1841, 817 (letzte Zeile zu i-MiR.- 
CHISON) u. a. 


37 


des Lebens“ [welches sich aber: bei fossilen Wesen doch le- 
diglich auf ihr stratographisches Vorkommen und ihre Verge- 
sellschaftung mit andern Arten dabei reduzirt !]. „Es lassen 
sieh also: die Arten nach Ähnlichkeiten nicht erkennen, son- 
dern nach ihrem Verhalten®, und ohne Zweifel wird „man 
dereinst die spezifische Verschiedenheit der organischen 
Überreste nach den Umständen ihres Vorkommens ausspre- 
chen müssen, ohne Unterschiede zwischen denselben angeben 
zu können. Und statt in ‚grenzenlose Ungewissheit auszu- 
arten, wird unsre Wissenschaft sich dann von ihrer trocknen 
Grundlage zur Gedanken-reichen Blüthe entfalten“, — wenn 
nämlich nicht diese Blüthe, wie ich hoffe, im universellen 
Ur-Eise ein für alle Male erfroren ist! Ich habe diesen Gegner 
den furehtbarsten von allen genannt, weil er, ein wahres Ge- 
spenst, nichts Körperliches mehr an sich hat, wo. man ihn fassen, 
keinen Fuss, den man ihm hemmen, keinen Kopf, den man 
ihm absehlagen könnte! Verschiedenheit der Arten ohne 
Verschiedenheit des Charakters : womit soll man beweisen 
und wogegen soll man beweisen? „Mit den Umständen ihres 
Vorkommens“? Nun das heisst ja bei fossilen Arten nichts 
mehr und nichts weniger als mit der stratographischen Ver- 
breitung; das heisst ja nichts mehr und nichts weniger als: 
Wem es: gefällt, alle Arten zweier Perioden für verschieden 
zu erklären, der darf es thun; und wem es gefällt, alle 
Arten zweier unmittelbar auf einander liegender Schichten 
für verschieden zu erklären, ‘der darf es auch thun. Be- 
weisen kann er es zwar nicht, aber widerlegt werden kann 
er;auch nicht, weil er der Hypothese zufolge keinen Be- 
weis mehr braucht. Und läge sogar irgend eine Realität 
diesem Gespenste zu Grunde, so müsste der zoologische und 
botanische Systematiker im Gebiete dieser „Nachtseite der 
Natur-Wissenschaften“ seinen eigenen Gespenster - Glauben 
in tiefster Brust verschliessen, wenn nicht dieses Gespenst 
ihn allerwärts foppen und ängstigen, ihn von jedem Ruhe- 
Punkt vertreiben, ihn endlich selbst ins Gespenster - Reich 
hinabziehen soll! 


&n 


88 


Mögen also die ‚Gletscher statt dureh die Schwere sich - 
hauptsächlich dureh die Ausdehnung eingesiekerten Was- 
sers bewegen, mögen sie an vielen Orten den Boden ge- 
sehliffen und gefurcht, mögen sie Moränen angehäuft haben 
in Höhen und in Tiefen, ja in ganzen Gebirgen, wo sie jetzt 
nicht mehr vorkommen, mögen sie auch eine niedrigre Tem- 
peratur in der Zeit ihrer einstigen Grösse beweisen, — so 
ist doch nicht Alles unmittelbare Gletscher-Wirkung, was die 
Hypothese hat dafür erklären wollen; am Wenigsten aber 
kann daraus gefolgert werden, dass die ganze nördliche Hemi- 
sphäre bis in die Breite des Atlas plötzlich und gleichzeitig 
von einer Eis-Rinde umpanzert worden 'sey, und dass die 
ganze Erde wiederholt und stufenweise sich rasch abgekühlt 
und wieder erwärmt habe, um ganze Schöpfungen wechsel- 
weise erfrieren zu machen und neu zu erwecken. Auch wird 
mich wenigstens weder diese noch eine andre vorgefasste 
Meinung je bestimmen können, Arten ohne Unterschied 
anzuerkennen oder sie auf Merkmale zu gründen, weiche 
keinen Bestand zu haben scheinen, lägen auch ganze Erd- 
Perioden zwischen ihnen*). Denn sollen die der Untersuchung 
dargebotenen Petrefakte die ihr entzogene Erd-Geschichte 
enträthseln helfen, so darf der Werth dieser Dokumente 
nicht durch vorgefasste und willkührliche Annahmen ver- 
nichtet werden! 


*) Agassız hat sich allerdings in einem Briefe an mich gegen die Au- 
muthung feicrlich verwahrt, als mache er Spezies der Verschieden- 
heit der Formationen zu Liebe. Da aber ohlnediess verschiedene 
Naturforscher den Begriff. einer Spezies innerhalb gleicher For- 
mation ‘so ungleich weit nehmen, welche Basis bleibt jener Ver- . 
wahrung noch, den vorhin mitgetheilten. Ansichten. gegenüber ? 


Brrefwechkel 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. | 


Marburg, 20. November 1841. 


Ich säume, nicht, Ihnen mitzutheilen, dass ich während des Studiums 
der hiesigen mäcktig ausgebildeten Buntsandstein-Formation in Bezug 
auf ihre Spiegel-Bildung Gelegenheit gefunden habe, verschiedene eigen- 
thümliche auffallende Bildungs-Formen zu beobachten, welche früher mir 
dunkel und unerklärlich schienen. So u. a. eine, welche im Allgemeinen 
folgende Schichtung darstellt, indem zwei Schichten festen Sandsteines 
(Fg. 1 a und a‘) eine dritte lockere und dünnschieferige (b) von gänz- 


G 

= I 3 

I/INIINI IE — ——— 
P7 mn 


lich abweichender Schichtung einschliessen. So auch eine mehr und 
minder regelmäsige kleinwellenförmige Schichtung (Fg. 2), wo- 
gegen die doppelte drei- und selbst viel-fache Scheidungs-, wohl besser 
Zusammenstoss- Schichtung (z. B. Fg. 5) in einer und derselben 
festen Sandstein-Schicht etwas Gewöhnliches und in vielfältigstem Wech- 
sel Vorkommendes ist, sogar öfters in etwas gebogener Ablagerungs- 
Richtung. Dazu die netzförmige Leisten-Bildung auf Flächen 
der Schichtungs - Absonderung — ohne Fährten. Endlich noch die 
zahlreichen wanchfaltigst gezeichnetenBlättler-artigen Ausscheidungen 
von Eisenoxyd (-Oxydul) und namentlich von jenem die Sandstein-Spiegel 
bildenden Kiesel-Stoffe, nicht auf Kluft- und Schichtungs-Flächen, son- 
dern im festen Gesteine und dasselbe durchsetzend ; und schliesslich die _ 


90 


mysteriöse Spiegel-Bildung selbst. Übrigens aber noch keine 
Spur von Versteinerung! — Späterhin kam nun Hrn. Forcnnammer’s 
lehrreiche Abhandlung über die Meerstrands-Bildungen mir zur Hand. 
Wie sehr war ich überrascht, vom Sande dort aufgezählt zu finden, 
was hier im Sandsteine mir aufgedeckt vorlag und sich erst recht 
vollständig zeigte, als ich nun auch die vielen hiesigen Sandstein- 
Mauern, -Pflaster und - Treppen näherer Betrachtung unterzog. Da 
wurde es fast möglich zu wähnen, Hr. Forcunammer habe die Uıbilder 
zu seinen Sandlagerungs - Erscheinungen unserem Buntsandsteine ent- 
lehnt. — Auch diese Parallele trägt sich längst als Aufgabe bei mir 
herum. Wann wird sie ihre Lösung finden? — Diese grossen Sandstein- 
Massen sind demnach lediglich urzeitliches Meeresküsten-Ge- 
bilde. Wodurch nun aber gingen diese Sandlager-Massen in Sand- 
stein über, welcher statt von Muschelkalk , Keuper u. s. w. bedeckt zu 
seyn, bloss eine geringe Dicke ; von ‚Diluvium trägt? — Daran reihet 
sich sodann Folgendes: 

Belieben Sie sich zu erinnern, dass unsere Buntsandstein-Bergreihe 
auf dem rechten Lahn-Ufer bei Nieder-Weimar (14 Meilen unterhalb 
Marburg) iu die 'Thal-Ebene rasch .abfällt,., Hier »an ‚ihrem. Süd-Fusse 
nun tritt ein braunrother feinkörniger , dünnschieferiger und leicht zer- 
fallender Sandstein zu Tage; dasselbe in nördlicher Richtung (am west- 
lichen :Abfalle dieses Berg-Rückens gegen das Übergangs-Gebirge) bei 
Wehrshausen und Michelsbach, auch jenseits Elinhausen noch. Kohlen- 
Sandstein ist es jedenfalls, ob aber untrer oder obrer? — Erist bedeckt 
blos von einer Andeutung der Zechstein-Formation, welche bald Dolomit- 
Knollen oder kleine Zechstein-Blöcke mit vielen Kalk-, Braun- und 
Bitter-Spath-Drusen enthält; wogegen in diesem Sandsteine sich mir 
noch keine Versteinerungen und Abdrücke gezeigt haben. Und merk: 
würdiger Weise besitzt die nahe Grauwacken -Formation einen theils 
höheren, theils viel höheren Lager-Horizont, und gleich neben diesem 
Roth-Sandsteine von Nieder- Weimar zeigt sich ein Wildwasser-Graben 
über 20° unter dem Horizonte des. ersten eingeschnitten in mergelige 
Quartär-Bildung! — Also Hebung und Senkung ? Aber nirgends zeigen 
sich in diesem Berg-Zuge vulkanische en und überdiess fehlt es zu 
sehr an Grenz-Aufschlüssen. | | 


"Ph. Braun. 


Fr eiherg, 24. November 1841. 


Gälegenheilliehierlaubeieh mir Ihnen mitzutheilen, das ich vor Kurzem 
aus dem: Steinkohlen-Gebirge von Haynichen,. 4 Stunden von hier, die 
vom Grafen STERNBERG aus'der Grauwacke von Magdeburg abgebildete 
Knorria imbricata in einem über 3°. langen Stamm erhielt, welcher 
amı oberen Ende eine deutliche Dichotomie zeigt, was meines Wissens 
von dieser Pflanze noch nicht bemerkt wurde. Auch an einem kleinern 


91 


Ast-Stücke, auf welchem die Blatt-Stümpfe viel kleiner sind und enger 
stehen , ist die Gabelung zu bemerken. Jeues grössere Stück ist zum 
Theil mit einer Lage bedeckt, an deren Oberfläche kleine ovale Narbeu 
mit grösserem Vertikal - Durchmesser in derselben Entfernung und 
Stellung sich befinden, in welcher auf denn Stamme darunter die Blatt- 
Stünpfe der Knorria stehen, woraus sich ergibt, dass die Knorria 
nur die innere Axe eines Pflanzen-Stammes sey, der somit viele Ähnlich- 
keit mit Stigmaria hat. 


Fa. Reıcn. 


Mittheilungen an Professor BRoNN gerichtet. 


Moskwa, 43. Oktober. 1841. 


Ich habe Ihnen vor Kurzem eine kleine Notiz (lettre a. M. Mur- 
CHISON) über einen neuen Saurier, Rhopalodon geschickt und wün- 
sche, dass dieselbe Ihnen zugekommen ist. Heute wollte ich Ihnen mel- 
den, dass Hr. Murcsıson und seine Freunde vom Ural zurückgekommen 
sind und uns ein Bild der geognostischen Verhältnisse der durchreisten 
Gegenden zurückgelassen haben. Ich war bemüht, das Resultat kennen 
zu lernen, und Hr. Murcnison hatte die Güte, mir dasselbe in einem 
Briefe mitzutheilen. Dieser Brief ist zwar in unserem Bulletin (1841, 
S. 901—909) abgedruckt ; da ich aber nicht weiss, wie und wann diese 
Nummer Ihnen zukommen kann“), so beeile ich mich, Ihnen die Über- 
setzung dieses Briefes zu senden, da er für die Geologie Russlunds 
von der grössten Wichtigkeit ist. 

„Mein Herr und lieber Kollege. Ä 

„Da Sie ein so lebendiges Interesse an dem: Erfolg der geologischen 
Expedition nehmen , die ich in Verbindung mit meinen Freunden, Hrn 
Dı: Vernev,, Grafen Keysercine und Lieutenant KocKscHARoOFF unter-, 
nommen habe, so beeile ich mich, Ihnen einige der Haupt-Resultate un- 
serer Reise mitzutheilen. Ich thue diess mit um so grösserem Vergnü- 
gen, indem ich. Sie bitte, dieselben der kais. Gesellschaft der Naturfor- 
scher zu Moskwu bekannt zu machen, um wich dadurch gegen diese verdiente 
Gesellschaft, die mir die Ehre erwiesen hat, mich unter die Zalıl ihrer 
ausländischen Mitglieder aufzunehmen, einer Pflicht zu eutledigen. 


„Die Existenz des silurischen , devonischen und keblenführeuden 
(Bergkalk-) Systems im Norden Russlands ist Ihnen schon durch die 
Auszüge, welche die geologischen Gesellschaften von London und Paris 


*) Ich habe so ehen erst Nr. I desselben Jahrgangs, obschon durch rasche Gelegenheit 
erhalten. Bx. 


92 


war dieses Jahr :. 1) die Ordnung der ‚Überlagerung, die geognostischen 
Verhältnisse und. Vertheilung der obern ‚Sedimentär-Schichten zu er- 
forschen; — 2) die Kette des Urals zu untersuchen und zu sehen, in 
aus unseren Abhandlungen gegeben haben, bekannt. Unser Hauptzweck 
welcher Ordnung die horizontalen Lagen der Ebenen Russlands sich er- 
heben; .3) die Kohlen-Formation des Donetz und die angrenzenden 
lan Felsarten zu erforschen; . 

„Wir hatten schon voriges Jahr die nee laler Grenze des grossen 
Koblenkalk-Beckens von Zentral-Russland eıkannt; wir haben dieses 
Jahr die Kenntniss von der gebobenen Gestein-Masse hinzugefügt, die 
die grosse Halbinsel der M’olga bei Samara bildet, und warum die Ge-- 
steine, die durch tiefe Einschnitte entblöst und mit Fusulinen ange- 
füllt sind, die wir dem obern Bergkalk zuzälhlen, einen der Haupt-Züge 
der Russischen Geologie ausmachen. 

„Die Ablagerung des Bergkalks (terrain carbonifere) ist: allgemein 
von einer Reihe mergeliger, tboniger,, kalkiger und sandiger Lagen be- 
deckt, der wir den Namen „permisches System“ beizulegen uns 
vornehmen, weil ungeachtet dieselbe im Ganzen das Rothe Todtliegende, 
die Gruppe des Zechsteins u. s. w. darstellt, es doch sowohl wegen der 
Versteinerungen , als wegen der Natur der Gesteine unmöglich ist, ihr 
einen bestimmten Platz in einer oder der andern dieser deutschen Ab- 
theilungeu anzuweisen. Die Englische Klassifikation, nach welcher wir 
diese Gruppe zum Untern Rothen Sandsteinrechnen könnten, scheint 
uns nicht besser zu passen, weil dieser mineralogische Name für die 
grossen Massen von Mergel, weissem und gelbem Kalkstein und grauem 
Sandstein, die zu diesem Systeme gehören , eben se unpassend ist, als 
der Nanıe Old red, Alter Rother Sandsteiu, für die schwarzen und 
schiefrigen Gesteine von Devonshire. Zu-dieser permischen Epoche 
rechnen wir: die Haupt-Ablagerungen von Gyps bei Arsamas, der Piana, 
von Kasan, der Kama, der Sylva, der Ufa und der Umgegend von 
Orenburg; hierher stellen wir auch die Salz-Quellen von Sergiefsk und 
andern Orten um Orenburg, so wie alle Kupfer-Minen und die gros- 
sen Ablagerungen von Holz und fossilen Pflanzen, von welchen Sie schon 
eine Liste im Bulletin (1841, S. 488—14194) gegeben haben. 

„Die rothen Ablagerungen, welche folgen und das grosse Becken 
der Gouvernemente Woloyda und Nischni-Nowgorod einnehmen, haben 
unsnoch keine andere organischeReste als kleine Cypris-Arten und schlecht 
erhaltene Bivalven dargeboten; allein wenn wir ihre Mächtigkeit, ihre 
Vertheilung und ihre mineralogischen Kennzeichen in Betracht ziehen, 
so fühlen wir uns geneigt zu glauben, dass sie einst mit der Trias der 
Deutschen verglichen werden dürften. Wir sind in dieser Meinung noch 
durch die Eutdeckung des Grafen Keysercing bestätigt worden, der im 
Berge Boydo ganz im übrigen Russland unbekannte Fossilien gefunden 
hat, an die sich Ammonites bogdanus anschliesst, den Hr. v. Buch 
schon beschrieben bat und dem Muschel-Kalke beizählt. 


95 


„Der wahre Lias scheint sich in Russland nicht zu finden, wie es 
schon Hr. v. Buch in seiner letzten Schrift vorhergesagt hat; aber der 
Jura theilt sich in zwei Etagen, wovon die obere an mehren Orten am 
Donetz sich zeigt [vgl. BLöpe im Jahrb. 7841, 538 u. s. w.] Sie ist 
kalkig, beinahe immer oolithisch und schliesst Nerinäen, Trigonien 
u. s. w. ein, die Sie bestimmt haben, und lässt sich mit dem obern Jura der 
Deutschen — mit Portland und Coral rag meines Vaterlands — 
vergleichen. " a 

„Die untre Partie des Jura, die viel entwickelter ist, aber ein- 
zeln genonmen keine grosse geographische Flächen deckt, ist hie und 
‘da zerstreut oder durch jüngere Formationen verborgen. Von dem öst- 
lichen Abhange des Urals im 64° bis ans Kaspische Meer behält sie 
beinahe immer dieselben mineralogischen Kennzeichen und dieselben 
Fossilien. Diese Etage ist das Äquivalent des mittlen und unterm 
Jura.  Diess sind Ihre Eisensande , Ihre Sandsteine und schwarzen 
Thone dem Moskwa, die wir schon voriges Jahr an der Wolga, 
zwischen Koustroma und Kinischma, bei Makurieff an der Uschna ge- 
sehen hatten, und die wir diesen Sommer an mehren Stellen, namentlich 
zwischen Arsamas und Simbirsk, zwischen Sysran und Saratuff, zu 
Saragula und an dem Flusse Ilek in der Umgegend von Orenburg 
wieder gefunden haben. 

„Das Kreide-System, obgleich aus verschiedenen Lagen, wie weis- 
ser Kreide Mergel und Sandstein, bestehend, enthält nur Versteinerun- 
gen der weissen Kreide des westlichen Europa’s; Catillus, Belem- 
nites mucronatus, Ostrea vesicularis, Terebratula carnea 
scheinen durch alle Etagen durchzugehen. Über der weissen Kreide 
haben wir Nummuliten- Kalk gefunden, der in der Krimm”) anfängt 
und eine grosse Wichtigkeit in der Ausdehnung in Georgien, in Ägypten und 
im mittäglichen Europa;erlangt. Eben so scheinen uns die untern Tertiär- 
Lagen (periode eocene) bei Ihnen zu fehlen, die mittlen und obern 
Tertiär-Schichten (miocene et pliocene) hingegen grosse Flächen einzu- 
nehmen, sowohl in Podolien und Volhynien, als auch am Azow’schen 
und Kuspischen Meere , wo sich die jüngsten Ablagerungen zeigen. 

„Die Zeit erlaubt uns nicht, Sie von den zahlreichen und interes- 
santen Erscheinungen des Urals zu unterhalten, dessen Untersuchung 
uns beinahe drei Monate beschäftigt hat, indem wir abwechselnd die 
- Gold.baltigen Alluvionen, die Ablagerung Ihrer grossen fossilen Thiere 
erforschten und das Geheimniss des’ Metamorphismus' der Sedimente zu 
erfahren suchten , wovon der Ural sehr schöne Beispiele liefert und zu 
deren Erörterung immer die vortrefflichen Werke der HH. v. Humsoror 
und Gustav Rose befragt werden müssen. x 


”) Beispiele von Nummuliten von Elisubefhgrad lassen vermutlien, dass das Sy- 
stem der Krimm sich bis zum mittäglichen Abhange der ‚mittäglichen Granit-Steppe 
ausdehnt. G. F. v. W. 


94 


„Ich ‚bemerke Ihnen bloss, dass ‚diese Kette, weit entfernt ganz pri- 
mitiv zu seyn, mit Ausnahme: der -eruptiven Massen nur von, silurischen, 
devonischen und kohlenführenden, mehr ‚oder weniger alterirtem Gesteine 
zusammengesetzt ist, in‘ denen: ‚wir aber. anısehr, verschiedenen ‚Orten 
unsern Pentameras Knightii und andere Fossilien ‚erkannten, ‚die 
uns das Alter derselben klar anzeigten. . Diese, Gesteine, sind. in, paral- 
lelen und. symmetrischen ‚Bändern auf beiden Seiten des Urals. gestellt, 
und im Süd-Ural öffnen sie sich fächerförmig und ee ER 
Porphyren, die oft ia Jaspis umgewandelt sind., Een 

„leh werde Sie noch weniger von dem Bergkalke des Donetz unter- 
halten; denn ohne in einige Besonderheiten. über. den Werth und. die 
Mächtigkeit ‚dieses Terrains, das für das künftige Interesse Russlands 
so wichtig ist, einzugehen, würde: ich demselben nicht\.die Gerechtigkeit 
widerfahren lassen, die es verdient. ‚Als Geologe darfiman külin.be- 
haupten, dass alle zahlreichen Kohlen-Lagen dem Bergkalke (smountain- 
limestone and. grit) untergeordnet sind, und ‚nicht, das obere Kohlen- 
Terrain. Englands im eigentlicheu Sinne den: Worts (was schon us Eıen- 
waALD gesagt hat) darstellen. | z 

„Es bleibt mir noch übrig, Ihnen von einer REN. Entdäiküng 
zu sprechen, die wir auf unsrer Rückreise von Taganrog nach Moskwa, 
der Graf KeyserLing und wir auf zwei verschiedenen Wegen von Wo- 
ronesch und Orel (dem Don und ..der Oka), gemacht haben. Man glaubte 
bis jetzt allgemein, dass Russland von. N. nach S., eine, Folge von im- 
mer neueren Ablagerungen: zeige, bis zu dem Punkte, wo der Bergkalk 
des Donetz von. granitischen und plutonischen Felsen der mittäglichen 
Steppe gehoben wäre. Dem ist nicht also!.. Eine grosse Axe des De- 
- vonien-Terrains,, die: eine Breite von ungefähr 150 Wersten hat, geht 
Jurch das Zentrum von Russland in. der Breite von den Gouvernements 
Woronesch und Orel und richtet sich nach WNW,.., um sieh wahrscheinlich 
mit den Ablagerungen. desselben. Alters in. Lithauen‘, und Curland. zu 
verbinden. : Diese Entdeekung war um so wiehtiger,. da sie sich an. die- 
jenige anschliesst,.die wir dieses Frühjahr bei Schavsi: in Löthuuen, mach- 
ten, nämlich. die, eines’ Streifens des silurisehen Terrains ‘in. derselben 
Erhebungs-Zone. Ihre Wiehtigkeit entgeht. Ihrem Scharfsins nicht, und 
Sie vermuthien was daraus folgt. 

„Daraus serklärt: sieh sogleich der REN Untersrhied, BEA TRANNT, 2wi- 
schen der Ablagerung des Bergkalk-Beckens des Donetz und der Ihrer 
grossen moskowischen Begion Statt findet; denn, da die beiden Meere, 
wo diese Ablagerungen eintraten, seit den ältesten Zeiten durch ‚schon 
gehobene: Erd-Massen gesondert waren, so konnten und mussten. die 
Bedingungen der Ufer, der Ströihungen, der Zuflüsse , von welchen: die 
Natur der Meeres-Ablagerungen abhängt, verschieden seyn. Diese Ent- 
deckung gibt von der andern Seite den beiden Rändern des grossen 
moskowischen Beckens eine beinahe vollkommene Gleichförmigkeit, und 
man sieht in den Guvernementen Kaluya und Tula, wie im Waldas, 
die DevonischenFelsarten mit Holoptychiusnobilissimus unter dem 


95 


Bergkalk hingehen und den Kohlen-Lagern mit Productus gigas zur 
Basis dienen, welche jetzt den Gegeustand neuer Untersuchungen von 
Seiten der Regierung ausmachen. | 

„Die ungeheure Ausdehnung des Feldes, welches wir zu durchgehen 
hatten, würde Sie vielleicht in Erstaunen setzen, wenn ich. mich nicht 
bestrebte, Ihnen zu sagen, dass diese Reise , unternommen unter dem 
‚Schutze des Grafen von Cancrın, durch die Vorsorge des General Tscuer- 
Kın vorbereitet war. Die weisen Vorschriften desselben, verbunden mit 
dem, Geiste der Russland so eigenen Hospitalität besonders der Bewoh- 
ner des Ural, hatten alle Hindernisse weggeräumt und machten uns Alles 
‚möglich, 
„Wir. werden die Ehre haben, Ihnen später mit unserer Abhandlung 
‚eine ‚allgemeine Tabelle über die Ordnung der Überlagerung der Straten 
Russlands, die. wir jetzt bereisten, ‚so wie Durchschnitte und Karten 
mitzutleilen. Moskwa, :26., Sept. — 2. Oktober 1841. 


. R. J. MuRcHison.“ 


lch habe diese Tabellen, die Durehschnitte und die Karten gesehen, 
die niehts zu wünschen übrig lassen. 

Sie sehen mit welcher Beharrliebkeit, mit welchem Scharfbliek, ge- 
stützt auf lange Erfahrung diese HH. unser Russland besucht und durch- 
sucht haben, 

Hr. Graf Kevserreine hat einen Zahn des Elasmotherium mit- 
gebr seht. Sie können sich vorstellen, mit welchen Augen ich ihn be- 
trachtet habe, Ich hoffe Ihnen nächstens durch unser Bulletin eine ‚be- 
stimmtere Nachricht darüber zukommen zu lassen. u 

Auch wollte ich Ihnen in einer Abhandlung beweisen, dass unsre 
Kapitale Moskwa auf Lias gebaut sey. Zeichnungen von mehren Ver- 
steinerungen waren fertig, von Avieula inaequivalvis, Terebra- 
tula ornithocephala, T. digona, T. acuta, Trigonia cla- 
vata u.s. w. Grössre Thiere sind nicht gefunden „ indess ein Zahn 
von Squalus lässt bei sorgfältigerem Suchen mehr zu finden hoffen. 
Allein die Ansicht Hrn. MurcHison’s schlägt diesen Gedanken nieder. 
.Es bleibt doch immer merkwürdig, dass hier der untre Oolith,, den ich 
zum Theil für Lias hielt, unmittelbar auf dem Bergkalke ruht. [Vgl. 
Jahrb, 1839, 125.] 


.G. Fischer von, WALDREIM. 


Bovende, 27. Oktober 1841. 


Kürzlich habe ich auch ein schönes Exemplar des Inoceramus 
involutus Sow. bekommen; er findet sich in der obern (?) weissen 
Kreide ‚bei Lüneburg, ‚stimmt vollkommen mit der Abbildung bei So- 
WERBY und bleibt immer ‚eine ‘höchst merkwürdige Form. 


96 


Erst in diesen Tagen habe ich Acassız’s Arbeit über Trigonia 
erhalten und mich sehr darüber gefreut; doch T. costata scheint mir 
etwas zu sehr zertheilt; bei seiner Tr. quadrata habe ich bedauert, 
dass der Name- schon durch Sowersy in Fırron’s Kreide-Werk ver- 
braucht ist. IF 

Die geologische und mineralogische Sektion zu Braunschweig war 
sehr vergnügt und fleissig, und es gab auch viel Interessantes darin zu 
sehen und zu hören. Der Kammer-Präsident v. Braun aus Bernburg 
zeigte Abbildungen der von mir im vorigen Jahre besprochenen Saurier- 
Reste des Bunten Sandsteines vor und gab der Gattung den Namen 
Trematosaurus, worauf aber Professor PLienınGer zeigte, dass der 
von ihm bearbeitete Mastodonsaurus salamandroides mindestens 
derselben Gattung angehörte ; die beiden Formen von Bernburg dürften 
dann auch wohl ohne Zweifel davon verschiedene Spezies seyn. 

Professor GErMAR zeigte einen neuen Cephalopoden des Muschel- 
kalks in Thüringen vor und nannte ihn Nautilites (Ciymenites) 
infundibuliformis; auch. herrliche Exemplare. von Sphenophyl- 
lites Schlotheimii Sterne. und Diplazites emarginatus Gör- 
PERT wurden von ihm vorgelegt. 

L. ven machte darauf aufmerksam , dass bei tiedvernk die 
Nerven Sch erst oberhalb des ae theilen und alle bis zum 
Rande fortsetzen, ohne schwächer zu werden [s. d. Lethäa] ; dann theilte 
derselbe einige in Schweden kürzlich gemachte Beobachtungen mit und 
bemerkte namentlich, dass auch dort der Gneis durch Granit ins Daseyn 
gerufen, dass diese Umwandlung dem Granite eben nur da möglich ge- 
wesen, wo basaltische Massen in der Nähe gefehlt; unter und neben 
Basalten finde man dort nur unverändertes Schiefer-Gebirge ; die Granit- 
Partie’n seyen dort oft Schaalen-artig abgesondert, und, da EEE einzelnen 
Schaalen sich bei der Hebung an einander gerieben, so seyen sie mit 
Riefen. und Streifen versehen , welche andere Leute für Gle 'ischer- 
Spuren hielten. 

Dr. GırarD zeigte die Herkerdiete Gyps-Krystalle von Sparen- 
berg bei Berlin vor. Dr. Marx ein sehr einfaches, von ihm erfundenes 
Direflexions - Goniometer , welches der Billigkeit wegen gewiss vielen 
Beifall finden wird. Oberbergrath Zinegen theilte interessante Beobach- 
tungen über das Bode-Thal mit. — Auch wurde ein Schwefel-Krystall 
aus dem Marmor von Carrara, welchen mein jüngster Bruder vorzeigte, 
der grossen Schönheit und der interessanten Flächen wegen allgemein - 
bewundert. — Exkursionen hat unsere Sektion nach Schöppenstedt in das 
Hils-Konglomerat, den Lias und den Pläner, so wie nach Riddagshausen 
in den Great Oolite und die Roggensteine des Bunten Sandsteins ge- 
macht; an beiden Orten fanden sich zahlreiche Versteinerungen ; eine 
letzte Exkursion ist dann noch dem nördlichen Harze gewidmet gewesen. 

Fast hätte ich aber einen sehr interessanten Vortrag des Dr. AsBıch 
unerwähut gelassen; er wies darin auf zahllose Analysen gestützt nach, 
dass die ältesten vulkanischen Gesteine den grössten Kiesel-Gehalt und 


97 


das grösste spezifische Gewicht besitzen ‚und dass diese Eigenschaften 
desto schwächer werden, je jünger die Massen sind; man ‚wird daher 
aus dem Gewichte und dem Kiesel-Gehalt vielleicht wit grosser Sicher- 
heit das Alter der Massen bestimmen können, 

Unsere norddeutschen Theer-Gruben werden immer fleissiger besucht 
und untersucht, bleiben aber hinsichtlich des Ursprungs noch immer sehr 
vätlıselbaft; sie häugen daher vielleicht mit dem Weald-Gebirge und den 
Steinkohblen desselben zusammen. 

‚Ich habe mich entschlossen , jetzt die Harzer Petrefakte zu sam- 
meln und hoffe bald eine anschniiche Zahl zusammenzubringen. 


Fr. A. Rornuee. 


4 Bayreuth, 5. November 184i. 


Unter den 632 Arten fossiler Fische meiner Sammlung befinden 
sich einige neue seltene Arten aus dem Kupferschiefer von Richelsdorf, 
welche durch die Bemühungen des Hrn. Landbaumeisters AurHaus ent- 
deckt worden sind. Im 5. Heft meiner „Beiträge zur Petrefakten-Kunde“, 
welches 1842 erscheinen soli, werden unter andern 3 neue Arten Pla- 
tysomus, ein neuer Acrolepis und ein sehr vollständiger Pyg>- 
pterus Humboldtii abgebildet und beschrieben werden, dessgleichen ein 
kleiner Protorosaurus, den Herm. v. Meyer beschreibeu wird, 

Auch aus dem Württembergischen Lias habe ich durch den Ankauf 
einer zanzen Sammlung einige seltene und bis jefzt unbekannte Fische 
erhalten, worunter neue ArtenSauropsis, Thrissops, Tetragono- 
lepis, Notagogus u. s. w. sind. Eine Art Sauropsis wird ausser- 
ordentlich gross. Beim Grafen vow Manperston in Ulm sah ich ein 
Exemplar von fast 6° Länge. Unter den neuen Arten Tetragonole- 
pis war eine kleine Spezies, welche ich für Ihren Tetragonolepis 
semicinctus hielt; allein bei näherer Untersuchung fand ich, dass die 
Bauch-Schuppen fein gesägt sind, während sie bei jenem glatt seyn sol- 
len; ich nenne ihn daher T. subserratus. 

An Sepien- und Loligo-Arten fand ich 8 verschiedene Spezies im 
Württembergischen Lias. ; 

Acassız erwähnt in seinen Poissons fossiles ete. unter den neuen 
Acrodus- Zähnen einer zweifelhaften Art, die er Acrodus larva 
nennt, zugleich aber die Vermuthung äussert, dass. diese Zähne wohl 
einer besonderen Gattung Fische angehören könnten. Er hat vollkommen 
Recht: denn, nachdem ich einen Gyps-Abguss dieser Zähne von Thal- 
Itter durch Hrn. Professor v. KLırstein erhalten hatte, überzeugte ich 
mich, dass sie zu der von mir beschriebenen Gattung Dietea gehören. 

Zu Berg bei Neumarkt erhielt ich das Bruchstück einer fast 14‘ 
langen Flosse von einer neuen bedeutend grossen Spezies Cyeclar- 
thrus Acıssız, welche vollständig wohl einige Fuss lang gewesen 
seyn mag. 


Jahrgang 1842. 7 


98 


Unter meinen neuen Saurier-Zähnen ist einer aus dem obern Jura- 
Kalk, der an den Seiten zwei fein gekerbte Leisten hat. 

Aus dem Tertiär-Becken von Wien erhielt ich durch die Gefällig- 
keit des Hrn. Geh.-Raths v. Hauer einen kleinen Iguana-Zahn*) nebst 
andern sonderbaren fossilen Zähnen, welche in dem 5. Heft der „Bei- 
träge zur Petrefakten-Kunde“ abgebildet werden. 

In der Gegend von Aalen und bei Naitheim fand ich in den oben 
Jura-Schichten eine neue Muschel-Gattung , welche die äussere Gestalt 
der Isocardien, aber das Schloss und die Zähne einer Arca Di 

Es gehören namentlich hierher: 

1) Isocardia transversa Münsrt., Goror. Petref. Tf. 140, Fg. 8. 

2) B subspirata M., Gorpr. Tf. 140, Fg. 9 und 

3) Re texata M., Goror. Tf. 140, Fg. 11. 

Ich schlage für diese neue Gattung den Namen Isoarca vor. 

In Lüttich fand ich die Arbeit des Hrn. Professor pe Koninek über 
die Versteinerungen des Kohlen-Kalksteins von Vise und Tournay schon 
weit vorgeschritten. Seine Abbildungen sind nach so vollständigen Exem- 
plaren gezeichnet worden, dass wir eine ausgezeichnete a ge zu 
erwarten haben. 

Yon der Gattung Corniculina, welche ich im ersten Hefte meiner 
„Beiträge“ abgebildet und beschrieben habe, finden sich noch mehre Arten 
in dem Muschel-Sande von Siena und Coroneina. Die daher erhaltenen 
drei neuen Spezies sind: 

1) C. costata, welche der Länge nach gerippt ist. 

2) C. torquata, mit enger, glatter und halb gewundener Röhre. 

3) C. laevis, ganz glatt, die ältern Exemplare in der Mitte bauchig. 

Die früher beschriebene C. Ehrenbergii findet sich nicht nur ‘bei 
Castell’ arquato, sondern auch in tertiärem Muschelsand von Sieben- 
bürgen und an einigen Orten bei Wien. Der Hr. Geh.-Rath v. Hauer 
hat sie in schönen Exemplaren bei Nussdorf gefunden. 


G. Graf zu Münster. 


Breslau, 21. November 1841. 


Vor einiger Zeit hat Perroter in den Thälern des Nilgherri eine 
baumartige Farne und eine Cykadee mit gabelförmiger Theilung des 
Stammes entdeckt: Beobachtungen, die auch für die fossile Flora von 
grosser Bedeutung sind. Noch wichtiger aber ist die Entdeckung eines 


”) Diese Zähne, deren mir Hr. v. HAvEr zwei zur Bestimmung gesendet hatte, sind 
allerdings wie bei lguana und lguanodon zusammengedrückt und gekerbt, 
weiter aber geht die Ähnlichkeit kaum; und da die Bestimmung wegen meiner 
Hindeutung auf jene Übereinstimmung als von mir herrührend bezeichnet werden 
könnte, so muss ich mich verwahren und erklären, dass ich nach genauerer Ver- 
gleichung von beiderlei Zähnen diese fossilen keinenwegs vom Genus Iguana selbst 
herzuleiten Willens bin, R. 


99 


Baum-artigen Lykopodium von 4’ Dicke und 25’ Höhe , welches un- 
ser Landsmann Junenunn in Sumatra auf einem 3750 hohen Plateau 
in der Zentral-Gebirgs-Kette dieser Insel auffand. „Diess“, schreibt er 
am 18. Februar 1841 von Pitja koling auf Sumatra aus an den Präsi- 
denten unserer Akademie, Hr. Professor Dr. Nzzs von Esengecr , „hat 
mich fast bis zum Tollwerden entzückt und ist auch sicher eine grosse 
Merkwürdigkeit. Ich dachte lebhaft an die Worte v. Humsouor’s: 
„»Sollte man nicht einmal ein Land finden, wo Moose hohe Bäume bil- 
den ?““ Hoffentlich gelangt dieser interessante Stamm bald in unsre 
Hände, wovon ich Ihnen alsdann Nachricht geben will. 

Bei Untersuchung der verkohlten Rinde mehrer Kalamiten fand 
ich durch Verbrennen ein eben so schönes aus Kiesel bestehendes Ske- 
lett, wie wir diess bei den Equiseten der Jetztwelt wahrnehmen, 
wovon ich bald in meiner Arbeit über die Gattungen der Pflanzen han- 
deln werde, 

Kürzlich habe ich mebre Sıgillarien erhalten, welche ähnliche 
Ast-Ansätze, wie die Lepidodendron- Arten besitzen. Bei einigen 
stehen sie in Quincunx, bei anderen quirlförmig den Kalamiten-Gliedern 
ähnlich. 


GOEPPERT. 


Frankfurt a. M., 23. November 1841. 


Was sagen Sie dazu, dass die Saurier des Muschelkalkes der Ge- 
gend von Luneville verschieden sind von denen der Gegend von Bay- 
reuth und anderer Orte! Mich hat es überrascht. Ich überzeugte mich 
davon an den fragmentarischen Schädeln und Unterkiefern aus den Samm- 
lungen des Dr. GaıtLarvor in Luneville, des Dr. Mouczor und des Strass- 
burger Museums. Die Monographie der Muschelkalk-Saurier gewinnt 
daher durch Hinzuziehung der Überreste aus dem Muschelkalke Lothrin- 
gens sehr an Vollständigkeit. Das in letzter Gegend herrschende Genus 
nenne ich Simosaurus, die Spezies S. Gaillardoti, zum Gedächt- 
niss der Verdienste, welche der verstorbene Dr. GAILLARDoOT um die 
Versteinerungen und insbesondre um die fossilen Knochen des Muschel- 
Kalkes seiner Gegend besitzt. Sie erhalten demnächst von mir eine aus- 
führlichere Mittheilung über den Simosaurus. 

Diesen Überresten hatte Hr. Professor Dr. W. P. Scamrer die 
Güte die in dem Strassburger Museum verhandenen Saurier-Reste aus 
dem Bunten Sandstein von Sulzbad beizufügen, von denen ich bereits 
schon mehre veröffentlichte. Die Zähne in dem von mir als Odonto- 
saurus Voltzii beschriebenen Kiefer-Fragment aus dem untern Bun- 
ten Sandstein von Sulzbad habe ich dadurch Gelegenheit gefunden noch- 
mals zu untersuchen. Sie gleichen in der äussern Streifung dem Ma- 
stodonsaurus, und auch ihrer Struktur nach, so viel die jetzige 
Speckstein-artige Beschaffenheit der Zähne davon erkennen lässt, sind 


ir 


100 


sie mit Mastodonsaurus verwandt. Das in der mitteln Stufe des Bunten 
Sandsteins derselben Gegend gefundene Fragment, welches aus der 
Oberseite des Schädels herzurühren scheint, besitzt Erhabenheiten und 
Vertiefungen, welche denen in Mastodonsaurus nicht unähnlich sind. 
Die grössere mit Binnen und Grübchen versehene Platte aber, welche 
ich aus dieser Formation bekannt machte, würde für ein grösseres Thier 
beweisen, das dem Mastodonsaurus entschieden ähnlicher war. In den 
Mem. de la Soc. dhist. nat. de Strassb. II, 7, pl.ı, jig. 2 beschrieb ich 
auch ein Stück, von dem ich vermuthete, dass es das vordere Ende eines 
Unterkiefers wäre. Jetzt, da ich die Saurier des Muschelkalkes, mit 
denen dieses Stück Ähnlichkeit besitzt, besser kenne, bezweifle ich nicht, 
dass es dem Oberkiefer angehört. Unter den neuerlich in diesem Bunten 
Sandstein gefundenen Knochen befindet sich das vordere Ende von einem 
Unterkiefer, das zu dem eben erwähnten Stück passen würde. Sie be- 
sitzen beide auffallende Ähnlichkeit mit Nothosaurus und würden in 
Betreff der Grösse den mittelgrossen Exemplaren von N. mirabilis. 
des Bayreuther Muschelkalkes entsprechen. Der Unterkiefer aus dem 
Bunten Sandstein weicht indess von den vier mir bis jetzt aus dem 
Muschelkalk bekannten Unterkiefern hauptsächlich darin ab, dass seine 
Symphysis oder die vordere End-Strecke worin beide Kiefer-Hälften ver- 
einigt sind, verhältuissmäsig etwas kürzer ist, und dass die Alveole des 
letzten grossen Zahnes auf dem getrennten Kiefer-Aste und sogar noch 
ein wenig weiter zurück liegt, als die Stelle, wo die Symphysis beginnt, 
während in N. mirabilis diese Alveole mindestens tleilweise in die 
Gegend der Sympbhysis hineinragt. Mit diesem Unterkiefer fand sich im 
Bunten Sandstein auch ein von der Aussenseite entblösstes linkes Haken- 
Schlüsselbein (os coracoideum) vor, das ein wenig kleiner ist, als die 
kleinern von Bayreuth, und von diesen dadurch sich unterscheidet, dass 
die bei natürlicher Lage des Knochens nach vorn gerichtete Seite tiefer 
und in der vordern Gegend rechtwinkeliger zur Knochen-Achse ausge- 
schnitten ist, und dass der nach hinten gerichtete Rand, statt von der 
konvexeren Strecke in die konkavere durch Rundung überzugehen, an 
dieser Stelle einen kleinen sehr stumpfen Winkel beschreibt. _ Hierin 
kommt ihm ein Knochen aus dem Bayreuther Muschelkalke nabe, der 
aber fast noch einmal so gross ist. Ich besitze ferner zur Untersuchung 
ein Stück von diesem Gestein, welches ein Schulterbiatt, eine V-förmige 
Bauch-Rippe und einen Jängern Knochen, wahrscheinlich aus den Ex- 
tremitäten beherbergt. Das etwas gedrückte Schulterblatt lässt sich dem 
‚mittelgrossen von Nothosaurus vergleichen. Ein andres Gestein-Stück 
umschliesst Rücken-, Bauch- und Verbindungs-Rippen; von der Gegen- 
wart letzter in Nothosaurus überzeugte ich mich schon früher an einer 
Plätte mit Überresten einer kleinern Art aus dem Muschelkalk von 
Esperstedt. Ich bezweifele nicht, dass diese Überreste aus dem Bunten 
Sandstein vom Unterkiefer- an von einem Nothosaurus-artigen Thier 
herrühren, das ich wegen der bis jetzt im Kiefer und. Haken-Schlüssel- 
“bein sich am deutlichsten herausstellenden Abweichungen unter der 


101 


Benennung Nothos. Schimperi von den Arten des Muschel-Kalkes 
trennen möchte. 

Fast jedes Gestein erfordert ein eigenes Studium, um mit dem T’ren- 
nungs-Werkzeug von den auch nicht immer mit gleicher Beschaffenheit 
sich darstellenden Knochen-Versteinerungen entfernt zu werden. Ist man 
Meister der Natur des Gesteins und der Knochen, so kostet es nur Zeit 
und Geduld, um sich der Ensthüllung zu erfreuen. Es klingt freilich 
sonderbar, dass mit denselben Schlag, womit der Geübte Stücke Gestein, 
ohne den Knochen zu beschädigen, entfernt, der Ungeübte den Knochen 
heraussprengt. Die Fertigkeit liegt hauptsächlich darin, dass man dem 
Gestein nachgibt und es nicht zwingt in einer seinem Gefüge wider- 
streitenden Richtung sich abzulösen, Die mäsig angewandte Kraft oder 
Gewalt wird alsdann von dem Gestein gleichsam konsumirt und wirkt 
selten nachtheilig auf den umschlossenen Körper, dieser mag weicher 
oder fester seyn als das Gestein, Am schwierigsten sind solche Arbeiten 
mit dem Kupferschiefer der Zechstein-Formastion Thüringens vorzuneh- 
men, wie ich kürzlich selbst an einem bisher unbekannt gewesenen 
Exemplar meines Genus Protorosaurus erfahren habe, womit Hr. 
Graf Münster seine Sammlung vermehrte, und das er mir zur Beschrei- 
bung im 5. Hefte der Beitiäge zur Petrefakten-Kunde mittheilte. Gleich- 
wohl ist es wir gelungen die vorhandenen Theile vom Gestein zu be- 
freien, zumal die Hals-Wirbel, welche bei diesem Thier durch die Länge 
ihres Körpers, so wie durch die daran eiulenkenden schmalen, überaus 
langen Kuochen-Fäden sehr merkwürdig sind. Ich habe überhaupt bis 
jetzt nichts finden können, das den Monitoren, womit man dieses Thier 
vereinigte, ähnlich wäre. 

An der obern Hälfte eines Humerus aus der Molasse von Baltrin- 
gen in Oberschwaben habe ich mich nunmehr überzeugt, dass vE CHrI- 
stor’s Metaxytlerium (Phoques fossiles et Lamantin fossil d’Angers 
Cuv.) wirklich ein von Halianassa verschiedenes Genus ist, und dass 
das Metaxytherium auch zu Baliringen vorkommt. Die beiden Hu- 
meri, die ich von Halianassa besitze und welche Thieren verschiedenen 
Alters angehören, sind davon auffallend verschieden. Der Vorderarm 
besitzt in beiden Genera ebenfalls Abweichungen. Ich werde nun eine 
genauere Vergleichung der einzelnen Theile der Zähne vornehmen. 

Verflossenen Sommer ward zu Betusy, einem Landsitze 10 Minuten 
NO. von Lausanne, in der Molasse der fast vollständige Kiefer von 
einem grossen Pachydermen gefunden, das nach den Zähnen, welche 
Hr. Larpy mir während der Versammlung der Schweitzischen Natur- 
forscher in Zürich im August zu zeigen die Güte hatte, Rhinoceros 
incisivus seyn würde. Von derselben Stelle und ebenfalls aus der 
Molasse stammt die untere Hälfte von einem Mittelband-Knochen eines 
Wiederkäuers, der der Grösse nach Palaeomeryx Scheuchzeri 
seyn könnte. “Bei der Versammlung in Zürich theilte mir ferner Hr. 
Pfarrer Rensteiner ein Stück von der rechten Unterkiefer-Hälfte mit 
den drei hinteren Backenzähnen von Rhinoceros mit, das aus dem 


102 


Molassen-Sandstein von T’rogen im Kanton Appenzell, 13 Stunden von 
St. Gallen, herrührt. Der letzte und vorletzte Backenzahn besitzen un- 
gefähr gleiche Länge, wofür sich 0,m 045 annehmen lässt. Das Gestein 
gehört zur feinsandigen Molasse, welche bisweilen etwas thonig ist. 
Knochen und Zähne sind von schwarzer Farbe. In der Molasse der 
Wied bei Zürich fand sich der Unterkiefer von Rhinocerosz es ist 
diess also eines der häufigsten Geuera in der Molasse der Schweitz. 

Iu der Sammlung der Akademie zu München traf ich diessmal, aus- 
ser den mjr schon früher bekannt gewesenen fossilen Knochen, Zähne 
von Dinotherium Bavaricum, welche bei Steinkirchen unfern 
Pfajferhofen gefunden wurden; ein Unterkiefer-Fragment von Masto- 
don angustidens, welches aus der ältern Zeit der Sammlung stammt 
und dessen Fundort nieht angegeben ist; und noch ein andres Fragment 
von M. angustidens von Winhöring bei Alt-Ötting. An letztem baftet 
noch von dem Geröll, worin es gefunden wurde, und es ist diess das- 
selbe, wie das, woraus die Baierische Hochebene besteht, so dass die- 
ses unermessliche Gebilde, wenigstens zum Theil, gleich der Nagelflue 
der Schweitz, tertiären Alters seyn wird. 


Hermann v. Meyer. 


. @rätz, 24. November 1841. 


Von meiner Chloris protogaea wird nächstens das 1. Heft 
bei EncEeLmann in Leipzig erscheinen. Da der Text hier gedruckt, die 
Lithographie’n aber in Strassburg gemacht werden, se ist es begreiflich, - 
wie sich die Sache verzögern kann. Schon vor einem Jahre war diess 
Heft in Arbeit. 

Eine Abbandlung über die Psaronieen, die ich eben beendet habe, 
würde ich Ihnen gleichfalls für ihre Zeitschrift mittheilen, wenn nicht 
so viele Abbildungen dabei wären. Dagegen werde ich nicht ermangeln, 
einen Artikel über fossile Koniferen-Hölzer Ihnen einzuschicken, wie 
ich sehe, dass Ihnen diese meine Arbeiten erwünscht sind *). 


UNGER. 


*) Das sind sie im höchsten Grade. D. Red. 


Neue Literatur. 


A. Bücher. 
1841. 


Atlas de Mineralogie, ou histvire naturelle des minerauz, avec 40 pll., 
Paris, 18°, chez Rorkr. 

G. Biscuor: Physical, chemical and geographical researches un the 
internal heat of the globe, transl. from the German, London, 8°, 
[10 shil.). 

G. Fischer DE Warpneım: Lettre @« Mr. R. I. MurcHıson Esg. sur 
le RBRhopalodon, genre de Saurien fossile du versant occidental de 
V®Oural, Moscou, 10 pp., 1 pl. 

©. Harımasz: die Schöpfungs-Wunder der Unterwelt, interessante Schil- 
derungen der berühmtesten Höhlen, Quellen, Erdbeben, Vulkane, 
Bergwerke, Versteinerungen u. a. Merkwürdigkeiten, mit vielen Ab- 
bildungen, II Bände (638 und 554 SS., 12°). 

K. v. Könıe: Erläuterungen zu dem geognostischen Atlasse, I. Heft, 
Europa; — a.u..d. Titel: Erläuterung zur geognostischen Karie 
von Europa (x und 54 SS. gr. 8° und 1 Karte in Imp. Folio), 
Wien [2 Rtllr 10 Gr.). 

d. J. v. Lirtgow: die Wunder des Himmels u. s. w., 3. Aufl., Lief. ], 
S. 1—144 in 8° mit 4 lithogr. Tafeln in 4°, Stuttgart [15 Gr. Soll 
in 6 Lief, erscheinen]. 

F. Lugan: Lecciones de Geologia esplicadas en la sociedad de instruc- 
tion publica. Madrid, 4°, Lief. I (2 Frances). 

G. zu Münster: Beiträge zur Petrefakten-Kunde, IV. Heft: Dr. Wiıss- 
MAnNSs, Gr. Münster’s und Dr. Braun’s Beiträge zur Geognosie 
und Petrefakten-Kunde des SO.-Tyrols, vorzüglich der Schichten 
von St. Cassian (15% SS. und 16 Jith. Tafeln in 4°), Bayreuth. 

»’Omanıus D’Harrovy: des voches considerees mineralogiguement, nouv. 
edit. 8°, Paris (34 Fr.]. 


104 


A. D’OrrıenyY: Paleontologie Frangaise etc. [Jahrb, 1841, 463], Tume I, 
Livr. xıı—xvı |Tume II, Terrains jurassiques, soll noch vor dem 
Schlusse des ersten Theils im Jänner 1842 unter gleichen Bedin- 
gungen beginnen]. 

L. Pırıa: Studi di Geologie, Napoli in 8°, Part. I. 

J. Russesger: Reisen in Europa, Asien und Afrika, mit -besonderer 
Rücksicht auf die naturwissenschaftlichen Verhältnisse der betreffen- 
den Länder, unternommen in den Jahren 1835 — 1841, mit einem 
Atlas enthaltend (12) geographische und geognostische Karten, 
viele Gebirgs-Profile (28) , Landschaften, viele Pflanzen- und Thier- 
Abbildungen (Stuttgart 8°) [in Abtheilungen deren 2 einen Band 
machen], I. Abtheilung [fl. 3, — R. 1. 20 ggr.]. 

J. Sowersy: Mineral-Konchologie u. s. w. [Jahrb. 7841, 571] von Acas- 
sız: Lief, v—vır (S. 171—256, Taf. 8I—137), Braunschweig [9 Thlr,]. 

J. StEinincer: Geognostische Beschreibung (des Landes zwischen der 
untern Saar und dem Rheine, Trier, 4°, Nachträge (49 SS.) mit 
5 Petrefakten-Zeichnungen [fl. 3. 36 kr. — vgl, Jahrb. 1840, 225]. 

SurziL: Efudes sur les torrens des Hautes-Alpes,, Paris, in 4°, av, 
pl. [12 fr.]. 

G. Trımmer: Geuloyy and Mineraloyy, London, 8° [12 shil.], 


B. Zeitschriften. 


1) Memoires de la Societd yeologique de France, Paris, 4° 
[vgl. Jahrb. 1838, 674]. 
1839, III, ı1, 179— 401, pll. xxı—xxv. “ 


L. ve Buen: Essai d’ume classification des Terehratules ete., deuxieme 
partie, p. 179—238 [== Jahrb, 1834, 616, mit Beifügung einer Fi- 
zur jeder Art nach des Vfs. Zitaten]. 

Tuorent: Hemoire sur la constitution yeologique de la partie nord du 
departement de V’Aisne, touchant au ruyaume de Belyique, et de 
Vextremite sud du departement du Nord, p. 239—260, pl. xxiI—xxu. 

D’Arcurac: Observations sur le yroupe moyen de la for mb eretacee, 
n. 261—311 [>> Jahrb. 7841, 793 f.). 

Ai. Leymenie: Memoire sur la partie inferieure du Systeme seconduire 
du departement du Rhöne (du Lyonnais), p. 313—378, pl. xxIU—xxIV, 

B. Srüper: Memoire sur la carte geologique des chaines calcaires et 

- arenacees entre les lacs de Thun et ae Lucerne,, p. 379—401, 
pl. xxv. 
1840, IV, ı, 1—228, pl. 1—xu. 

Auc. D’ORrBIGnY: Memoire sur les Furaminiferes de ia craye blanche 
du bassin de Paris, p. 1—52, pl. 1, 

Bozer ; Memoire yeologique sur la masse de monlagnes, qui separent 
le cours de la Loire de ceus du Rhöne et de la Saöne. p. 53 —152, 
pl, v—vır [sehr kurz im Jahrb, 1841, 256). 


105 


L. ve-Bucu: Essai d’une classification et d’une description des Delthy- 
ris ou Spirifers et Orthis, traduit de VAllemand par Mr. H. Lk 
Coc9, p. 153— 228, pl. vıı—xı [>> Jahrb. 1838, p. 221—229, mit 
Beifügung einer Figur jeder Art nach des Vfs. Zitaten]. 


2) Annales des mines etc. [vgl. Jahrb. 1841, 572]. 
1841, no. 1; XIX, ı; p. 1—237, pl. ı—ır. 


Gruner : Abhandlung über die Natur der Übergangs-Gebirge und Por: 
phyre im Loire-Dept., S. 53—154, Tf. ıı. 

EseLmen: über ein Alkali-haltiges Mangan-Oxyd, S. 155— 166. 

LechateLier: über eine Ablagerung bituminösen Schiefers im Steinkohlen- 
Becken von Wouvant, Vendee, S. 193— 214. 

Apr. PırrLerte: über Lagerung, Ausbeutung und Behandlung der Blei- 
Erze in der Gegend von Almeria und Adra in Andalusien, 8. 
215—237, Forts, folgt, 


« 


3) Anules de minas publicados de orden de S.M. a direc- 
cion general del ramo, Madrid, 8° [Jahrb. 1840, 101], Tomo 
IT (458 pp., 5 pll.) enthält ausser Gesetzen und Berg- uud Hütten- 

“ männischen Abhandlungen: : 


J. EzouErra DEL Bayo: geognostisch-bergmännische Beobachtungen über 
die Gebirgs-Kette von Moncayo, S. 71—92. 

F. Naranso v Garza: geognostisch bergmännische Übersicht eines Thei- 
les der Provinz Burgos, S. 93—115. 

B. Perrico und A. Marstre: geognostische Abhandlung über den öst- 
lichen Theil der Provinz Almeria, S. 116—142. 

Geognostische Beschreibung von Esiremadura und N.-Andalusien, a. d. 
Französischen übersetzt von F. CuroLı Y LAGoANERE, S. 143—196. 

1. S. pe Barınpa: geognostische Zusammensetzung der Philippinen, 
S. 197—212, 

J. Ezqusrea: Einiges über die fossilen Knochen der Umgegend von Ma- 
drid, S. 213—216 [vgl. Jahrb. 1840, 221, 537]. 

R. pe Amar DE ra Toreke: Notizen über die Fuss-Spuren von Thieren 
in den Gesteinen verschiedener Länder, S. 218—236, Taf. ıv [< 
Jahrbuch 1835, 230, 323, 336; 1836, 165, 467, 472; 1837, 379, 
602 u. s. w.]. 

J. Ezquerka Der Bayo: Beschreibung der Sierra Almagrera nach ihrem 
jetzigen Erz-Reichthum, S. 237—253 [vgl. Jahrb. 1841, 353]. 

W. Scuurz: einige Angaben über die neuere Geschichte des Bergbaus in 
Asturien und Galizien, S. 254— 262. 

RA. ve Amar De LA Toree: Schwelel Gruben von Hellin, S. 263—280. 


106 


J. Ezquzana per Bayo: Gruben-Statistik Spaniens von 1839, aus amt- 
lichen Berichten zusammengestellt, S. 263—280. 


ZZ 


4) The London and Edinburgh Philosophical Magazine and 
Journal of Science (incl. the Proceedings of the Geological 
Suciety of London), London, 8° [vgl. Jahrb. 1841, 6S8]. 


1841, August; XIX, ıı; Nro. 122: p. 97—176. 


Proceedings of the Royal Society of London, 1841, Mai 20. 
G. Mantert: Schildkröten-Reste in der Kreide, S. 157—158. 


Proceedings of the Geological Society of London, 1840, Dez. 16; 841, 
-Jan. 6 [== Jahrb. 1841, 373). 
P. J. Marrın, Sopwit#, J. Smitu, Fr. Burr, wie oben. 


——____ 


5) U’Institut, 1. Section, sciences mathematiques, physiques et naturelles, 
Paris, 4° [vgl. Jahrb. 7841, 689]. 


IX. annee, 1841; No. 897—404, p. 261—328. 


MeErmer: fossile Knochen zu Moncaup, Basses Br (Akad. 1841, 
Aug. 2), S. 262— 263. 

v’Omarıus D’Harroy: Geologie des Condros an der Maas edeai d. Brus. 
1841, Mai 7), S. 266. 

CLAUssEn: Diahantsn in altem Sandstein Brasiliens auf erster Lager- 
stätte (das.), S. 266. 

Maıckensie: Gletscher und erratische Blöcke in Schottland (RR: SOC. „ 
1841, Febr. 1), S. 267. 

Lea: Oolith - Formation in Amerika (Plilad. Soc. 1840, Juni 19), S. 
281— 232. 

Bönrrinek: über Acassız’s Gletscher-Tlieorie (Bullet. de V’acad. de St. 
Petersb. 1840, Dez. 30), S. 281—283. 

EHREnBERG : Mitwirkung der Infusorien bei der Verschlammung der 
Häven von Wismar, Pillau, der Elbe bei Cuxhaven, des BASE Ss.W. 
(Berlin. Akad. 1841, März 15), S. 287— 288. 

Duvar-Jouve: Kreide-Belemniten um Castellane (Paris. Akad. 1841, 
Aug. 30), S. 293. ' 

Pıyen: Zerlegung von Mineral-Mehl aus China (das.), S. 270, 294. 

Dumour: Romein, ein neues Mineral (das.), S. 294, 295. 

Pıyer: Tertiär-Gebirge um Rennes (das.), S. 295. 

H. Rose: Licht- Erscheinungen bei Krystall - Bildungen (Berlin. Akad. 
1841, März 18), S 298—299. 

Prantamour: Analyse zweier neuer Skandinavischer Mineräften (Bibt, 
univers. 1841, No. 61), S. 308. 


107 


Sıms: Yttererde-Phosphat (Chim. Soc. Lond. 1841), S. 311. 

Enurengerg: Verbreitung und Wirkung des mikroskopischen Lebens in 
Amerika (Berlin. Akad. 7841, März 25), S. 315—316. 

Horner: über Mastodon- u. a. zu St. Louis gesammelte Thier-Reste, 
S. 318 [= Jahrb. 7841, 618]. 

Carrerr: Eis-Höhle im Herzogthum Aost, 319. 

Dumas: Analyse der atmosph. Luft verschiedener Stellen (Paris. Akad, 
1841, Sept. 20), S. 321. 


Erman’s: Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland, 

Berlin, 8°. ’ 
1841, I, ı, ı1, S. 1—422. 

A. Erman: über den dermaligen Zustand und die allmähliche Entwicke- 
lung der geognostischen Kenntnisse vom Europäischen Russland, 
S. 59—102, m. 1 Karte. 

SoKoLoOwsK3I: über gediegenes Eisen aus der Petropawiowsker Goldseife 
nach dem Gorny Journal 1841, August, bearbeitet von Erman, S. 
>14 319, 

Von Heımersen: Auffindung devonischer Schichten bei Orel, S. 396— 329. 


C. Zerstreute Aufsätze. 


Durerrey: über den Erd-Magnetismus und die Karte der magnetischen 
Intensitäten. Vorgelesen bei der Akademie der Wissenschaft in 
Paris (UInstitut 1835, II, 10—11). 

C. F. v. Grocker: vom Mährischen Graphite und einigen ihn begleiten- 

den Erscheinungen, welehe seinen Ursprung erklären können [in 
latein. Sprache in Verhandlungen der Kais. Leopold, Karolinischen 
Akademie der Naturforscher, Band X VIII, Supplement-Heft 1, Bres- 
lau und Bonn 1841, S. xıx—xLıv, mit ıı Tafeln], vgl. Jahrbuch, 
1840, S. 466. 

W. Horzıns: Untersuchungen über physikalische Geologie, erste Reihe 
(Philosoph. Transact. 1839, ıı, 381—424). [>> Jahrb. 1840, 109 
—110.]; zweite Reihe (daselbst 7840, ı, 193—208). [>> Jahrb. 
1840, 110—111]. 

Tu. Maczear: weitre Nachrichten über den Meteorstein-Fall im Cold 
Bokkeveld (London Philos. Transact. 1840, ı. 177—182). [Die 
früheren s. Jahrb. 1840, 722]. 

C. J. Harsreave: über die Berechnung der Anziebungen und der Figur 
der Erde (Lond. philosoph. #Zransact. 1841, I, 75—97), 


A U.8..200:2.@, 


. 


— 


A. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


H. Asıcn: Beiträge zur Kenntniss des Feldspaths (PossEnD. 
Ann. d. Phys. LI, 519 #.). [Fortsetzung von Jahrb. 1841, 468]. 

1) Über den Anorthit. Das nicht ganz befriedigende Resultat 
der früheren Analyse des Minerals veranlasste eine wiederholte Unter- 
suchung; dieser schickt der V£. nachstehende Bemerkungen über die 
Dolomit-Blöcke voran, in welcher die Anorthite gefunden werden. 
Man hat sie als metamorphische Trümmer jener Apenninenkalk-Schichten 
zu betrachten, welche in der frübesten Entwickelungs-Periode der Somma 
durch Gang-bildende Spalten in der Zentral-Region des später aufge- 
richteten Erhebungs-Kraters vielfach durebschnitten wurden und in der 
innigen Berührung mit den einschliessenden, aus Bisilikaten zusammen- 
gesetzten Gang-Massen durch Umschmelzung krystallinisches Gefüge an- 
nehmen. Bei der Neigung des Leuzits mit kohlensaurem Kali leicht 
zusammenzuschmelzen und bei der Fähigkeit der Kieselerde sich unter 
-allen Verhältvissen mit dem Kalke zu verbinden, war die Bildung einer 
grossen Anzahl von Mineral-Körpern bedingt, in deren Zusammensetzung 
Thonerde, Kalk- und Taik-Erde, so wie Kali wesentlich sind. So wird 
es erklärbar, dass Glimmer, Augit, Idokras, Granat, Tremolith, Pleo- 
nast u. a. meist in mikroskopischer Kleinheit vorhandene Mineral-Sub- 
stanzen die umgewandelten Kalke durchziehen, in grössern deutlich 
ausgebildeten Krystallen aber in der Regel nur in Drusen-Höhlungen 
und ‘auf Spalten vorhanden sind. Je näher solchen Räumen, unı desto mehr 
tritt der dolomitisirte körnige Kalk zurück; er geht zuletzt ganz in eine 
krystallinische Rinde über, welche grösstentheils aus dem innigen Ge- 
menge eines Glimmer - und Talk-artigen Fossils zu bestehen scheint. 
Niebt selten schliessen die Drusen-Höhlungen — deren besondre Natur 
die Bildung der Doppel-Silikate von Thon- und Kalk-Erde, wie Mejonit, 
Anorthit, besonders begünstigt zu haben scheint — eine bald Glas- 
ähnliche und amorphe, bald krystallinische weisse Masse ein, die sehr 
schwer schmelzbar und nur wenig löslich in Säuren, in seltsamer 


109 


Beziehung zu den Kıystallen der erwähnten Fossilien steht, welche die 
Wände der Räume bekleiden. Bald haften die Krystalle vollständig auf 
Theilen dieser Masse und gehen gleichsam verglast in dieselben über; 
bald werden sie von ihr theilweise oder ganz, jedoch solchergestalt um- 
hüllt, dass eine vollständige Berührung nicht Statt findet. Sehr häufig 
zeigt sich das bei Drusen, welche nur Mejonit enthalten. Die vertikal 
auf den Wänden der Weitung sitzenden Krystalle tauchen bisweilen so 
vollständig in die amorphe Masse, welche den Drusenraum wie mit einem 
in seiner Schaale bewegten Kern erfüllt, dass es unmöglich ist den- 
selben herauszuziehen, ohne die hineinragenden Krystalle abzubrechen, 
Die so getrennten, mit Hinterlassung eines regelmäsigen Eindruckes 
aus der Kern-Masse leicht zu entfernenden Krystalle sind nicht sehr 
scharfkantig und erscheinen wie mit einem weissen Anfluge überzogen. 
Mikroskepische Betrachtungen zeigen, dass letzter von völliger Zer- 
setzung der Oberfläche herrübrt, welche mit zahlreichen kleinen Kıystal- 
len von einer andern Form, als die der Mejonite, sich darstellen. Etwas 
Ähnliches findet sich auch, aber selten, bei Anorthiten. Vollständig nach 
allen Seiten ausgebildete Krystalle sind sehr selten und nie fest und 
invig mit der das Drusen-Inuere bekleidenden Rinde verwachsen, wel- 
che aus einem Aggregat mikroskopischer Krystalle von Idokras, Augit 
u. a. kleinen unbestimmbaren Prismen gebildet ist, die häufig ins Innere 
der Anorthite dringen. Besonders interessant zeigen sich die Dolerit- 
Fragmente aus der unmittelbaren Grenze von Leuzitophyr und Apenninen- 
Kalk. Eine Leuzit und Augit enthaltende Masse geht in ein Gemenge 
von gelblichen Glimmertalk-Blättchen und grobkörnigem Kalkspatlı über, 
welches bald feinkörnig und dolomitisch wird und neben vielen Augit- 
Theilen kleine Pleonaste in Menge enthält, weiche mitunter magnetisech 
sind. "Ein nicht unbedeutender Theil der Dolomit-Masse bleibt in Säuren 
ungelöst und bildet sodann ein krystallinisches Pulver verschiedenartiger 
Mineralien, die keineswegs alle bestimmbar sind und im Ganzen geringe 
Schmelzbarkeit besitzen. — In zwei Analysen ergab der Anorthit: 
Y 1. 
Kieselerde . 3 44,12 43,79 
Thonerde . i 35:2 35,49 


Eisenoxyd . . 0,70 0,57 
Kalkerde : 3 19,02 18,93 
Talkerde - - 0,56 0,34 
Kal uafnluahadt; 0,25 0,54 
Natron . 3 - 0,27 0,68 


100,04. 100,34. 
Die Formel wäre folglich: 
ta, 
Der mit Augit und Glimmer vorkommende Anorthit scheint in jeder 
Beziehuug der reinere zu seyn; er enthält über noch einmal so viel 


110 
Kali und Natron, als der aus Dolomit-Drusen, dagegen weniger Talk- 
erde als jener. | 
2) Pseudo-Albit des Andesits aus Amerika. Bei näherer 
Untersuchung des Diorit-Porphyrs, welcher in den Kordilleren eine so 
überaus wichtige geognostische Stellung behauptet — Humsorpr legte 
der Felsart, ihrer grossen Verbreitung wegen, den Namen Andesit 
bei — war dem Vf. zunächst die leichte Schmelzbarkeit des für Albit 
gehaltenen Minerals aufgefallen, welches oft mit seinen ausgezeichneten 
Krystallen den vorherrschenden Gemengtheil der Gebirgsart bildet”). 
Seine Vermuthung, dass das Mineral nicht wirklich Albit sey, wurde 
noch mehr begründet, als er später aus grösseren Bruchstücken des 
Andesits von Marmato bei Popayan vollkommen reine Krystall-Frag- 
mente erhielt, deren Eigenschwere = 2,7328 bestimmt wurde. Die 
Analyse ergab: : 


Kieselerde . . A 59,60 
Thonerde 2 } } 24.28 


Eisenoxyd . j ; 1,58 
Kalkerde } ; { 5,77 
Talkerde h h 5 1,08 
Kali . F L - 1,08 
Natron 3 \ i 6,53 
99,92 


welcher Zusammensetzung die Formel: 


entspricht, und wornach sich das Fossil als neue Varietät der ein-und- 
ein-gliedrigen Abtheilung der Feldspath-Reihe zeigt. Es steht dasselbe 
zwischen Labrador und Anorthit oder besser Oligoklas, dem es auclı 
seiner chemischen Natur uach am nächsten kommt. Der Vf. schlägt 
dafür den Namen Andesin vor. — Das spez. Gew. des Andesit von 
Popayan ist == 3,5924. Er enthältneben Andesin Hornblende, Quarz, 
auch Spuren von Epidot und fein eingesprengten Eisenkies. 

3) Periklin von der Insel Pantellaria. -Das Gestein wurde von 
der Montagra entnonımen, einem Berg, welchen man geneigt ist für einen 
trachytischen Dom zu halten, der im Zentral-Punkt des grossen Er- 
hebungs-Kraters emporstieg. Es besteht der Trachyt fast ausschliesslich 
aus einer Anhäufung von schmelzbar glasigen, ziemlich vollständig aus- 
gebildeten bräunlichen Feldspath-Krystallen, welche eine durchschnitt- 
liche Länge von 3°’ und eine dergleichen Dicke von 1 haben und in 
einer unrein gelben krystallinischen, aber sehr fein porösen Grund-Masse 
wie eingeknetet erscheinen, aus der sie oft mit Hinterlassung glatter 
Eindrücke leicht abzusondern sind. Die Krystalle zeigen nicht die für 


*) Die Beschreibung, so wie Angaben über Verbreitung finden sich in Po&GENDoRFF’s 
Ann. der Phys., Bände 34 (9), 37 (189), 40 (163), 44 (196), so wie in Bucn: Isles 
de Canarie p. 464 cet, 


111 


den glasigen Feldspath sonst so charakteristischen Karlsbader Zwillings- 
Formen, Eigenschw, — 2,5950. Resultat der Analyse: 

Kieselerde . - - 68,23 

Tlionerde - 5 } 18,30 


Eisenoxyd . { ; 1,01 
Kalkerde : ROSEN 1,26 
Taikerde . ! f 0,51 
RKalı . 5 ; L 2,53 
Natron . s 3 h 7,99 
99,83. 


4) Adular vom St. Gotthardt. Die Analyse lieferte folgendes 
Resultat: 
Kieselerde . - - 65,69 
Thonerde ; . . 17,97 
Eisenoxyd . - ß Spur 


Kalkerde } i s 1,34 

Kalı . > - ; 13,99 

Natron . ; ; : 1,01 
100,00. 


5) Feldspath von Baveno. Er enthält: 
Kieseierde . . 0 00,12 
Thonerde . EN 18,57 
Eisenoxyd . . 5 Spur 


Kalkerde > - - 0,34 
Kali 3 a R Si 14,02 
Natron . F ; ; 1,25 

100,00. 


Es berechtigen diese Analysen zu der sehr wahrscheinlichen Ver- 
muthung, dass ein Orthoklas, der durchaus kein Natron enthält, in 
keinem der bekannten plutonischen Gesteinen zu finden seyn dürfte. 
Ebenso wird glaublich, dass der Albit einen geringen Antheil Kali, und 
der Leuzit neben Kali auch Natron enthalten. Kali und Natron treten 
sonach auf die entschiedenste Weise in die Reihe derjenigen isomor- 
phen Basen, welche sich in den kieselgesäuerten Mineral-Körpern nie- 
mals gänzlich abzustossen scheinen; denn Spuren des einen oder des 
andern Alkali konnten in den, dieser Meinung nicht günstigen Analysen 
eben so leicht übersehen werden, wie diess beim Adular vom St. Gott- 
hardt und beim Orthoklas von Baveno der Fall gewesen ist. — Der 
Vf. schliesst seine Arbeit mit folgender Tabelle, in welcher sämmtliche 
bis jetzt bekannte Glieder der Feldspath-Reihe mit dem Resultate ihrer 
Analyse in übersichtlicher Darstellung vereinigt sind. 


112 


Namen. 
ANIGBtLhit Ir » Se ern 
Iabandorz: 5-5 3.4 
Andesin . . .. ER 


Oligoklas (BERZELIVS) m 
Periklin (Gmen.n) . . . 

R von Pantellaria . 
KilsAlbıe 2. .%2% 
Albft (Rose) . % 


Ryakolith (Rose) . . . 
Glasiger oder Natron- Feld- 
krale u 9 nm 


Orthoklae 5 me. 4 


I. 


Spez. Gew. 


2,7630 
2,7140 
2,7328 
2,6680 
2,6410 


2,6223 
2,6140 


Ein-und-ein-gliedriges Krystall- System. 


35,49 
26,46 
24,28 
23,95 
18,93 
18,30 
17,29 
18,79 


0,57 
1,60 
1,58 
0,50 
0,48 
1,01 
0,82 


1 


8,93 
9,49 
5,77 
2,05 
0,15 
1,26 
2,09 


0,51 
0,41 


0,54 
0,22 
1,08 
1,20 
2,41 
2,53 
3,71 


0,68 
4,10 
6,53 
8,11 
9,98 
7,99 
5,62 
11,43 


I. Zwei-und ein-gliedriges Krystall- System. 


2,6180 


2,5970 


Epomoeo 


2,5756 
Adular 


2,5552 
baveno 


50,31 
66,73 
65,69 


« 


65,72 


29,44 
17,36 
17,97 
18,57 


0,28 


0 


Spur 


1,07 
1,23 
1,34 
0,34 


0,23 


1,20 
0 
0,10 


5,92 


8,27 


13,99 
14,0% 


10,56 
4,10 
1,01 
1,25 


Summe, 


nm 


Formel. 


. 
® 
. 
. 
. 
. 
. 
» 
. 


a 
“ 


Bir 
un 


nn 


Fr 
De 


® 
14 
[2 


nn 
= 
& 


+ HH 
04 


113 


B. Geologie und Geognosie. 


Pırıa hat Versuche über die Erscheinungen an den Fıu- 
marolen der Salfatare und des Agnano-See’s angestellt (V’Instit. 
1840, VIII, 237—288 und Ann. chim. phys. 1840, LXXIV, 331—336). 
Der von den Fumarolen aufsteigende Rauch entsteht durch Niederschlag 
von Wasser-Dampf, von fein vertheiltem Schwefel und wohl auch andern 
in Dampf-Form entwickelten Materien. Nähert man ihm einen bren= 
nenden Körper, so nimmt dieser Rauch zu, zumal wenn es in einem etwas 
geschlossenen Raumwe geschehen kann, und verbreitet sich in diesem 
ganzen Raume in weit höhrem Grade, als dass solches bloss der me- 
chanischen Wirkung der Wärme des brennenden Zunders u. dgl. zuge- 
schrieben werden könnte. — P. goss in einen Glas-Rezipienten eine 
Misckung aus Wasser, Eisen-Vitriol und Schwefelsäure und fügte an 
den Hals des Rezipienten einen tiefen Glas-Trichter an; das geschwefelte 
Wasserstoffgas stieg vou unten in diesen Trichter, mengte sich hier mit 
vieler atmosphärischen Luft, und wenn man nun einen breunenden Kör- 
per hineinsenkte, so entstund in dessen Nähe ein weisser Rauch, wie 
in den Fumarolen , der sich bald im ganzen Raume des Trichters ver- 
breitete. Um die gebildeten Stoffe näher kennen zu lernen, leitete der 
Vf. die Dämpfe in einen Kolben, worin ein grosses Stück brennender 
Kohle aufgehängt war; der Rauch füllte bald den ganzen Kolben aus, 
und nach vollendetem Versuch fand man im Innern des Gefässes viele 
schwefelige Säure , einige Spuren von Schwefel und viel Wasser in 
Tropfen-Form an den Wänden; die Elemente des geschwefelten Wasser- 
stoffgases verbinden sich also mit dem Sauerstoff der Luft, bilden Wasser 
und schwefelige Säure. Der Schwefel aber ist ein sekundäres Erzeug- 
niss durch die Reaktion des Wassers und der schwefeligen Säure auf 
noeh nicht zersetztes Schwefelwasserstoffgas, wie es (nebst Wasser) bei 
der Berührung dieser 3 Körper zu entstehen pflegt. Man hat also zweier- 
lei Wirkungen zu unterscheiden, die unmittelbar durch die Kohle zwi- 
scben dem Wasserstoff, dem Schwefel des Gases und dem Sauerstoff der 
Atmosphäre erregte, welche Wasser und schweflige Säure’ liefert, und 
die sekundäre Wirkung dieser ersten Erzeugnisse auf das noch unzer- 
setzte Gas, wodurch sich noch mehr Wasser und ein Niederschlag von 
Schwefel bildet. Daher besteht nächst dem glühenden Körper der Rauch 
aus Wasserdampf, und in grössrer Entfernung davon aus Wasserdampf 
und schr vertheiltem Schwefel, Ein rothglühender Glas-Stab an der 
Stelle der Kohle angewendet, gibt keine Reaktion zwischen den Ele- 
menten beider Gas-Arten. Metallisches Eisen dagegen und fast alle 
seine natürlichen Verbindungen : Eisen-Glimmer, 'Titan-Eisen, Eisen-Kies 
u. s. w., insbesondre (nach dem Ann. d. chim.) aber auch basaltische 
Lava verhalten sich wie die Kohle, Kupfer-Zink und Antimon erzeugen 
weder Wasser-Dampf noch schwefelige Säure, bedecken sich aber, wie 
das Eisen mit einer dünnen Schwefel-Lage und verhalten sich chemisch 

Jahrgang 1842. s 


“ 


114 

genommen ihm gleich. Die Erscheinung gehört daher in die Klasse der 
so zahlreichen chemischen Wirkungen dunklern Ursprungs, welche Ber- 
zeuıus neuerlich katalytische Kräfte genannt hat: Eisen und Kohle sind 
für das Gemenge aus Luft und schwefeliger Säure, was der Platin- 
Schwamm für jenes aus Sauerstoff- und Wasserstoff-Gas. 

Der Aufsatz in den Annales de chimie et de physique enthält noch 
eine Einleitung von Merronı, wornach dieser den jungen Pırıa auf die 
Bahn jener Untersuchungen geleitet hat. 


C. Hırımann: die Schöpfungs - Wunder der Unterwelt, 
interessante Schilderungen der berühmtesten Höhlen, Quellen, Erdbeben, 
Vulkane, Bergwerke, Versteinerungen u. a. Merkwürdigkeiten; II Bände 
(554 und. 639 SS. kl. 8°, Stuttgart 1841). Nach einer in den Heidel- 
berger Jahrbüchern der Literatur für 1842, S. 33—40 niedergelegten 
Kritik ist dieses Buch ein blosser Abdruck aus einem halben Dutzend 
andrer und zwar meistens ebenfalls populärer Lesebücher. Von seinen 
8 Abschnitten sind daselbst 5 grösstentheils mit den Quellen unmittelbar 
verglichen worden, und es hat sich ergeben, dass von den 755 Seiten, 
welche diese 5 Abschnitte in sich fassen, 55% wörtlich abgedruckt sind: 
435 (nebst 10—11 Tafeln) aus LeonHAarnp’s populärer Geologie, 60 aus 
Brum’s Lithurgik und 57 aus Mryer’s Paläologika, dass daher auch, 
obschon die Vergleichung im Einzelnen nicht weiter geführt ist, zwei- 
felsohne eben so genau sowohl die übrigen 200 Seiten dieser 5 Ab- 
schnitte aus BuckLannp, Horrmann, KArsTENn und ScHuRarTH, als die 
anderen 3 Kapitel aus v. Bucw’s Reisen in Italien u. s. w. kopirt seyu 
dürften. Und mit solcher Lüderlichkeit ist dieses Abdrucks-Geschäft be- 
trieben, dass auch nicht eine Sylbe in den Sätzen aus Hrrm. v. MEyer’s 
vor 9 Jabren gedruckten Paläologika geändert wurde, wo dieser erzählt 
„noch vor Abdruck dieses Bogens werde ich mit TUANBULL ÜUHRristie's 
Nachrichten aus Sizitien bekannt“, oder wo er von der neuen Hippopota- 
mus-Art in der Höhle bei Palermo sagt: „ich erlaubte mir sie nach ihrem 
EntdeckerHippopotamusPentlandizunennen“. Sohatauch Hr. HArr- 
MANN da, wo er LeonHarD’s Erzählung von Steinsalz im Karpathen- 
Sandstein aufnimmt, weil dieser sich auf Vorhergehendes beziehend nicht 
“ gerade in der Zeile, womit Hartmann anfangen wollte, die Formation 
genannt hat, diese‘ ungeheure Steinsalz-Ablagerung in den „Muschel- 
Kalkstein“ verlegt! Diess Pröbchen über Hrn. Hartmann statt mehrer! 


Wm. Rıcnaroson: Beobachtungen über die Lokalität des 
Hyracotheriums (@eol. Proceed. > Lond. a. Edinb, phil. Mag. u. 
Ann. 1840, XVII, 226). Im Jahr 1829 besuchte R. die Küsten-Strecke 
von Whitstable bis Hearne Bay, welche in sehr einförmiger Weise zu 


” 


115 


oberst aus Dammerde, dann aus einer 3—4‘ dicken Lage gelber Ziegel- 
Erde mit abgerundeten und eckigen Feuersteinen, Säugethier-Resten und 
Versteinerungen aus Sekundär-Schichten und darunter, die Haupt-Masse 
der Ufer-Wände bildend, aus dunkelbraunem London-Thon voil Septaria, 
Selenit, verkiestem Holz, Fisch-Wirbeln und -Zähnen, Nautilen u. a. See- 
Konchylien, Enkriniten- und Pentakriniten-Resten und Krustern bestund. 
Diese Küsten-Wände nun sind durch den Andrang des Meeres einer 
starken Veränderung der Form ausgesetzt. Gleichwohl fand R. im Herb- 
ste 1839 dieselbe geologische Struktur wieder, mit Ausnahme an der 
Stud-Hill genannten Stelle, wo der dunkelbraune London-Thon durch 
einen zäheren tief blauen Thon ersetzt erschien , welche ausser einigen 
Krinoiden-Resten auch nicht ein Seethier-Überbleibsel mehr enthielt, da- 
gegen eine solche Menge Landpflanzen-Reste darbot, dass die Trümmer 
kleiner in Eisenkies verwandelter Stämmchen in ganzen Boots-Ladungen 
zu ökonomischen Zwecken von den benachbarten Landleuten abgeholt 
wurden und sich der Vf. über 500 Zapfen u. a. Früchte und Fruchthüllen 
verschaften konnte. Sie trugen keine Spuren von mechanischer Beschä- 
digung durch Fortbewegung an sich. Dabei fand sich denn auch ein 
Rest von Hyracotherium, welchen R. Owen beschrieben hat. 


Ar. Broncntart: Aschen-Hegen auf einem See-Schiffe bei 
Sumatra (Bullet, geol. 1840; XI, 370—372). Der Baobab, Kapitän 
Av. Martın, war am 12. Jänner 1839 40 Stunden NNO. von Achem 
auf Sumatra bei starkem NO.-Winde. Um 4 Uhr hörte man eine De- 
tonation, welche man in: ersten Augenblicke einem Kononen-Schuss auf 
einem andern, 3 Stunden entfernten Schiffe zuschrieb; doch war er viel 
zu stark dazu, und es zeigte sich kein Rauch. Des Nachts um 13 Uhr 
und später fühlten der Kapitän u. a. Personen auf dem Verdecke sich 
das Gesicht belästigt und man überzeugte sich, dass von der Wind-Seite 
eine Menge feinen Staubes herangewehet wurde, durch welchen auch 
diese Seite des Schiifes bereits ganz weiss geworden war. Um 6 Uhr 
Morgens, bei gleichem Winde, war der Himmel olne Wolken, aber et- 
was nebelig, so dass man in die Sonne blicken konnte. Als 5 Tage später 
der Kapitän nach Buba Wee in 4° 57° N. Br. und 93° 10’ W. L. 
gelangte , sagten ihm die Malayen, dass am nämlichen Tage auch bei 
ihnen viele Asche gefallen war. Der Kapitän hatte etwas davon auf 
seinem Schiffe gesammelt, und diese Probe wurde Bronentarr’n zur Un- 
tersuchung zugestellt. Unter starker Lupe erschien sie grau, sehr fein, 
aus sehr geichen durchsichtigen oder durchscheinenden Körnclhen 
nebst einigen schwarzen und einigen kleineren glänzenden Theilchen 
bestehend. Maracutı fand bei chemischer Zerlegung : 

a) Glasige, durchscheinende, vor dem Löthrohr schmelzbare Ma- 


terie, welche man als Feldspath mit Natron- und Talkerde- 
BSR betrachten kann. u la om all sel ei 0,85 


S*# 


i16 


b) Schwarze undurehscheinende, unschmelzbare, gestaltlose und 

vom Magnete nicht anziehbare Materie, wohl eine Mischung 

aus Eisen- und Mangan-Oxyd 4 Hape Et v ! h 0.15 

Der Staub im Gavzen liess sich in ein schwarzes glänzendes Kügel- 
chen schmelzen. Chrom, Nickel und Schwefel bat man vergeblich ge- 
sucht, Diese Keunzeichen stimmen daher nicht mit denen eines atmeo- 
sphbärischen Staubes, noch ganz mit denen einer vulkanischen Asche 
überein. 

Le Pkrıeur hatte Bros@niart’s von einem ähnlichen Falle auf einem 
Schiffe in der Galum-Bai am Senegal erzählt, Mehre Stuuden lang war 
es in dem Grade von einer aus O. kommenden Staub-Wolke umbüllt, dass 
man nicht auf die Länge des Schiffes sehen konnte und beilegen musste. 
Und doch gibt es an der Küste keine thätigen Vulkane, und die Sand- 
Wüsten sind durch ausgedehnte Wald-Striche vom Meere getrennt, 


Bramston: beständig gefrorener Boden in N urd- Amerika 
(Geogr, Soc, Lond. > VInstit. 1841, IX, 120—121), Als einen solehen 
hatte man dem Vf. ein Strich Landes bezeichnet, welcher bei Martins Fall 
am Albany-Flusse , 30 Meilen oberhalb @loucester und 300° über dem 
Meeres-Spiegel, auf der Grenze des grossen Berkens der Jumes Bai in 
unermesslicher Erstreckung von altem Produktus-Kalkstein gebildet wird, 
worauf bin und wieder ein Thon mit Konchylien erloschener Arten liegt, 


A, Am 19. September 1839 beobachtete er an 3 ner 30° über 
dem Flusse, nach Ceısıvs : 


a h e 
in der Luft im Schatien 13°%89 13089 13089 
im Boden in 6° . N 9 16 11 ıi 9 16 
N Be SR 6 94 8 61 6 94 
) „ „ 22‘ 722 


B.C. Aw 28, und 30. September bei 1961 C. im Schatten ; die zweite 
Beobachtung 24° über dem Flusse, während derselben stieg die Tem- 
peratur der Luft im Schatten auf 8033 C., 


B, C. 

in 8° Tiefe 2 2068 in 10°' Tiefe } 1067 C. 

aim 273388 POT CEN a 

ru ; 5 28 REN 7 MER e PER So 

„36 556 BL 2 

„ 50° ” . 5 83 BEN ER - 4.37 3 

UT RER 3 611 rad ö Su 
„60 0 ö 26 „ 
DE er, 5339, 5 


D. Am 2. Dezember und rpäter fand man bei Silos zur Aufbewahrung 


„> 


117 


von Kartoffeln folgende Temperaturen, die erste in loser Erde der Silos, 
die folgenden in den Silos selbst, welche 5’—6’ mit Erde bedeckt, nach 
S. gerichtet und am Eingange mit Heu verwahrt waren. 

Luft-Temp. im Schatten in den Silos 


2. Dezember ; 0° C. . 5056 
31. er ; 3,33 
1. Februar ; — 16066 „ i 1 67 
Dahn, ; —. 111 „ RE AD 
28. März ; 4 7°22 , 3 33 
25. April k 1967 „ 5 3433 
1. Juni ; + 13033 „ 3 5 28 


E. Am 11, April grub man 6’ tief in gefrorenen Boden, ohne un- 
gefrorene Erde zu erreichen; ein in die ausgegrabene Erde gesenkter 
Thermometer zeigte 5° C., etwas weniger, als die umgebende Luft. Am 
14. Mai durchgrub man 100 Schritte davon eine 20° dicke Schichte gefrore- 
ner Frde und erreichte einen kiesig-sandigen Boden ohne Eis. Im Ok- 
tober 1836 vermochte ein Mann nicht eine Fichte auszugraben, weil ihre 
Wurzel noch in 24° Tiefe von Eis umgeben war. 

F. Eine frühere Beobachtung war schon am 2. und 3. Sept. 1835 ge- 
macht worden, wo man an der Mündung des Albany in 524° N, Br. und 
82° W. L., 30 Meilen von der obigen Stelle einen Brunnen grub, 15° 
tief durch zähen braunen aufgethauten Thon-Boden, 3° 7‘' durch gefro- 
renen Thon, 2’ durch Thon, der so hart war, dass man ihn meisseln 
musste u. Ss. w. 

Es gibt daher einen Land-Strich, dessen Boden im Sommer eine 
Strecke weit von oben herab aufthaut, wenn die Sonne darauf wirken 
kann, tiefer aber wenigstens sehr lange gefroren bleibt. Der Vf. glaubt, 
dass die Linie, womit das bleibende Eis im Boden anfängt, längs der 
Küste zieht zwischen Equan-river und Kap Henrietta-Muria, den Se- 
vern-River schneidet, nordwestlich läugs dem obern Mississippi geht 
und sich zwischen Smoky’s-River und Finlay’s fork den Rocky moun- 
tains nähert. Der Vf. möchte die Erscheinung herleiten von den Mas- 
sen schwimmenden Eises,, welche sich fast das ganze Jahr an der W.- 
Seite von Jumes Bai anlegen, i 


Hebung und Anschwemmung von Land im Dept. der untern 
Loire und der Vendde (Pharo de la Rochelle > Frorızr’s N. Notitz. 
1841, XVII, 327—32S). Das Wrack eines 1752 bei Verfolgung eines 
Französischen Fahrzeugs auf einer Sandbank gestrandeten Linienschiffs 
von 64 Kononen liegt jetzt mitten auf einer kultivirten Fläche, von wel- 
cher das Wasser seit jenem Jahre um mehr als 5 Meter senkrecht zu- 
rückgewichen ist, obschon sich dasselbe im Brester Haven in gleicher 
Höhe erhält. — Längs des ganzen SW.-Theiles des Departs. der unteren 
Loire bildet sich zum Theil wenigstens auch durch Anschwemmungen 


118 


fortwährend so viel neues Land, dass in den Jetzten 25 Jahren nur in 
der Flur von Bourg neuf mehr als 500 Hektaren kulturfähigen Landes 
da entstanden sind, wo früher (die See fluthete. Das nahe: uralte Städt- 
chen Poigny hatte sonst einen Haven, in welchem die Schiffe an in 
die Felsen eingelasseue und angeblich noch jetzt vorhandene Ringe be- 
festigt wurden. . Die Bouin-Insel war von Bourg-neuf durch eine Rhede 
getrennt, welche Etiez-du-Fresne gegenüber 2500 breit gewesen; jetzt 
aber nur noch ein 25—30M breiter, vom Flusse Faleron und einigen 
Bächen offen erhaltener Kanal ist. Zwischen Bourg-nenf und Bouin 
wurde sonst ein beträchtlicher Handel mit Salz nach Hollund getrieben; 
Schiffe von 100—130 Tonnen nahmen ihre Ladung bei Port-Rabund, 
welches jetzt ungefähr 3000® vom Meere liegt. Der Haven von St, Gilles 
versandet mehr und mehr. Die ganze Mitte der herrlichen Barre,, wel- 
che den Haven von Sables d’Olonne einst schloss, liegt jetzt trocken und 
wird bald nur noch durch die höchsten Fiuthen unter Wasser gesetzt 
werden, Der Haven von la Gachere hat sich erst vor Kurzem ganz 
geschlossen. Das Städtehen Oloune auf einem früher vom Meere um- 
flossenen Hügel ist jetzt von Sümpfen und Wiesen umgeben. — Einem 
‚gut beobachtenden Reisenden hat man 1823 zu Marrennes ein Üfer von 
Kalk-Felsen gezeigt, welches sich binnen einigen Jahren um ein Bedeu- 
tendes erhöhet habe, Auf der Insel Oleron machte man ihn auf eine 
Salz-Mine aufmerksam, an deren, einem Ende alle 25 Jahre ein 
neues Nivellement des Stollens nöthig werde; während an einer benach- 
barten Mühle das eine Giebel-Ende sich von Zeit zu Zeit von dem übri- 
gen (sebäude abtrenne und Gefahr und Kosten bereite. 


Duvan: Neocomien-Gebirge im Drume-Departement (Ann. 
sc. physic. nat. d’agric. et d’industr. de Lyon, II, 10 pp.). Im März 
1838 bereiste der Vf. genanntes Depart. mit Fourser. Sie verfolgten 
jenes Gebilde in Form einer Gebirgs-Kette, die von N, naclı S. durch 
ganz Dauphine zieht: hauptsächlich yon der Grande Chartreuse an deu 
Grenzen Savoyens nach dem Isere-Ufer bei Sapey, dann W.-wärts, wie- 
der S.-wärts, wo sie sich von der Isere durchsetzt bei St. Eyrere ein- 
senkt, sich gegen Sassenage wieder erhebt und durch ihre Fortsetzung die 
hohen Spitzen der Vehemonts bildet, unter welchen die Moucherolle 2288" 
Höhe hat. Diese Kette ist wesentlich neocomisch, und bildet fast die Gren- 
zen dieses Gebildes gegen die Alpen hin, während sich das Neocomien W.- 
wärts weiter in die Ebene erstreckt, jedoch in den Niederungen häufig 
durch die Molasse bedeckt wird, welche im Übrigen, gegen die gewöhn- 
liche Annahme, oft an den Aufrichtungen theilnimmt, welche ibre Unter- 
lagen erfahren haben. Das Neocomien besteht bier aus 2—3 Abtheilun-, 
gen, Die oberste geht fast überall zu 'Wage, besteht aus einem gelblich- 
weissen Kalke, der gewöhnlich hart, dieht, im Bruch muschelig, zuwei- 
len krystallinisch ist und Perten quinquecostatus, eine Pinnia [?], 


119 


eine grosse unbestimmbare Nerinea und Diceraten? enthält, wegen 
deren Gras diese Schichte Diceraten-Kalk genannt hat. Oft enthält sie 
bauwürdiges Eisen-Erz in Löchern. — Darunter liegt, an nur wenigen 
Stellen zu Tag gehend, ein dichter blauer Kalk mit vielen Belemni- 
ten, worunter B. dilatatus, mit Spatangus retusus, Terebra- 
tula ?biplicata acuta, 2 Pecten-Arten, einigen Polyparien und 
dem neuen Crioceratites Fournetii. Im Thale von Echevis sieht 
man diesen Kalk (oder doch einen ıhm sehr ähnlichen) nach unten zu 
wechsellagern mit etwas blättrigen Mergeln, beide in Schichten von 6’ 
—10'° Mächtigkeit, ohne Versteinerungen. Der gelbe und blaue Kalk. 
sind sehr trocken, die Mergel reich an Wasser, — Jener Kriozeratit 
(Taf. I) unterscheidet sich von Cr. Emericii bei gleicher Grösse bei- 
der (a'/3'*—4''6'! Durchmesser) — da sie nämlich beide seitlich zu- 
sammengedrückt und mit einfachen radialen Streifen versehen sind, zwi- 
schen welchen sich von Zeit zu Zeit etwas stärkere Rippen mit je drei 
Knoten einschalten, wovon einer auf der Seiten-Fläche, die 2 andern 
gegen die Rücken- und Bauch-Flächen hin stehen — dadurch, dass der 
zwischen den stärkeren Rippen eingeschaltene Streifen je 5—7 statt 
3—5 sind, dass die Bauch-Fläche glatt ist, während sich dort die Strei- 
fen sehr deutlich auch über sie fortsetzen, und dass dieselbe konvex statt 
konkav ist. Die Bemerkung Desuayzs’, dass bei den Crioceratiten 
jene Streifen an Zahl veränderlich und nach dem Alter in verschiedenem 
Grade deutlich seyen und dass das Alter auch auf die Form der Bauch- 
Fläche von grossem Einfluss seye, scheint dem Vf. doch keinen so gros- 
sen Spielraum für die Charaktere der Spezies zuzulassen, dass man seine 
neue Art noch mit jener vereinigen dürfte. 

Das Neocomien findet sich ausser in Neuchätel noch im Maas-Dept. 
bei Bar-le-Duc, in den Eisenerz-Gruben von Treveray bei Ligny (die 
Erze sind bier in der zweiten Schichte), an den Höhen von Suvonnieres 
im Perthois, im Haute-Marne-Departement (Vorrz) und bei Troyes im 
Aube-Departement (Cr. Murrer). 


C. Petrefakten-Kunde. 


G.zu Münster: Beiträge zur Petrefakten-Kunde, IV.Heft: 
Dr. Wissmanw’s und Gr. Münster’s Beiträge zur Geognosie und 
Petrefakten-Kunde des südöstlichen Tyrols, vorzüglieh der 
Sehichten von St. Cassian, unter Mitwirkung des Hrn. Dr. Braun 
(152 SS. und xvı lithogr. Tafeln, 4%), Bayreuth 1841. Diese Monogra- 
phie betrifft einen der interessantesten und wichtigsten Punkte, die wir 
kennen. Sie liefert uns, S. 1—21 „Wıssmanw’s geognostische Beschrei- 
bung des SO.-Tyrols und insbesondre der Schichten von St. Cassian, 
und S. 25—142 Gr. Münster’s spezielle Beschreibung und Abbildung 


120 


der Versteinerungen von St. Cassian, woruuter ein ansehnlicher Theil 
aus den Sammlungen von Dr. Wıssmann und von Professor Braus in 
Bayreuth stammen, woran sich S, 144—147 einige allgemeine Betrach- 
tungen, Ergebnisse und Vergleichungen knüpfen; — endlich S. 148—152 
eine Erklärung der Abbildungen“, 

Hr. Wıssmanu hat im Sommer 1840 die Alpen kbrdäie und sich 
St. Cassian hauptsächlich mit zum Ziele gewählt; Hr. Braun war 1839 
in dieser Gegend und hat manche Beobachtungen über mehre von erstem 
nicht besuchte Punkte den seinigen eingereihet. Da in dieser Gegend 
Gebirgs-Schichten vorkommen, die anderwärts noch kein Analogon ge- 
boten’ haben, so sieht sich Wıssm. genöthigt, einige neue Namen zu 
machen. | 
I. „Schichten von Seiss“ nennt der Vf. wiederholte Wechsel- 
lagerungen von grauen, auch bräunlichen oder grünlichen Mergeln, blau- 
grauen und schwarzen Kalksteinen, gelben dolomitischen Mergeln, rothen 
Schieferthonen und rothen Sandsteinen, welche oryktognostisch denen der 
Trias, zumal des Muschelkalkes und Keupers gleichen, gleiche Petre- 
fakten-Kerne (hauptsächlich Myacites Fassaensis W., dann auch 
Avicula Zeuschneri, Lyriodon und Posidonomya) führen und 
östlich von Seiss am Wege nach der Seisser Alp in einem hohen und 
breiten, schon durch v. Buch, ZeuscHner (Mineral. Zeitsehrift von 1829, 
401 ff.) und Reuss (Jahrb. 7840, 127 f., 148, 159 u. a.) bekannten Pro- 
file anstehen, und über welchen sich hier und deutlicher am Schlern 
noch Dolomit (II) hoch auflagert. So auch im Fassa-Thale, auf der 
Ampezzaner Alpen zu Botzen u. s. w.: doch durch die zahlreichsten und 
mächtigsten Verwerfungen in allen Höhen des Gebirges. Auf v. Bucn’s 
Karte von SO.-Tyrols sind jene Schichten mit V und VI bezeichnet und 
in ihrer weiteren Verbreitung angegeben. Der Vf. äussert sich nun noch 
über andre Äquivalente in weitrer Umgegend und namentlich im Salz- 
burgischen; er glaubt namentlich Lıcrr’s Schiefer von Werfen, Abtenau 
und Berchtesgaden”), letzte ebenfalls mit einem Myaciten (a. a. O. 
1832, 152) dabin rechnen zu dürfen. 

1I. Fassa-Dolomit, durch v. Buc# u. A. beschrieben, zuweilen mit 
Resten von Organismen, Stern-Korallen, Krinoiden-Stielen, mit Muschel- 
und Schnecken-Kernen, hin und wieder mit kenntlicher Schichtung, vom Vf. 
für ein gleichzeitiges Gebilde mit den Melaphyren erklärt, da man ihn 
nicht allein in diesen eingeschlossen finde, sondern W. auch Bruchstücke 


*) Jahrb. 1830, 169, 172; 1831, 76. Ref. hat hiebei nur zu bemerken, dass auch 
der graue, von Lıus ebenfalls dahin gerechnete Schiefer von Oettenberg in Berch- 
fesgaden (Jahrb. 1830, 178; 1832, 152), der aber nach Jahrb. 1830, 152 nur den‘ 
„Kalkstein der obern Gruppe“ (1830, 189 und 1832, 171) zwischen Oolithen und 
Hippuriten-Kalk liegend, unterteuft, Schlangen-artige Körper enthält «1830, 174; 
1832, 152, No. I), die ich später im Bonner Museum Lyeopodiolithen-ähnlich mit 
deutlichen Blättehen besetzt wieder erkannte in BERGER’s Unterlias-Sandstein von 
Bunz und Coburg „ und welche nach Goworuss’ mündlicher Versicherung auch in 
jenem von Weilheim in Württemberg vorkommen. wie schon im Jahrb. 1835, 511 
angenerkt ist. | Br. 


121 


der ersten im Dolomit gesehen habe; in diesen Sinne mögen unterirdi- 
sche Hitze, heisse Quellen und Dampf-Entwickelungen in dem Wasser, 
aus denen sich der Dolomit abgesetzt, allerdings an seiner Bildung An- 
theil haben. Er erhebt sich stets mit steilen Wänden und bleibt un- 
bedeckt. 

HI. Schichten von St. Cassian. In einem nach N. weit geöff- 
neten Berken, das, von 7000° hohen Dolomit-Bergen umgeben selbst nur 
2000°’—4500‘ Meeres-Höhe hat, in SN. 3 Stunden lang und inOW. 2 Stun- 
den breit ist, lässt sich die Gesteins-Beschaffenheit nur in einzeln vor- 
stehenden Felsen und in Wasser-Rissen erkennen, da die abhängige 
Oberfläche mit Weide und Wald bedeckt ist. In den Rissen aber er- 
kennt man fast nur Mergelthon mit einigen eingelagerten Kalk-Bänken, 
was ınan für eine ganz lokale Bildung halten muss, da es in den vor- 
handenen grossen Profilen von dem Glimmerschiefer und Feldstein- 
Porphyre an, worauf die Seisser-Schichten deutlich ruhen, bis zu den 
‚luftigen Spitzen des Fassa- Dolomites nirgends eine untergeordnete 
Stelle einnehmen kann. Die Lagerstätte der Petrefakte ist auf der Alp 
von St. Cassian, 13 Stunden von der Kirche entfernt: mehre ringsum 
isolirte und bis 200° hohe Wasser-Risse, in denen: vorherrschend grauer 
Mergel zu Tag geht, der selten Schieferthon-Struktur erlangt und hie 
und da einzelne oder einige 1’ dicke Kalk-Schichten aufnimmt, grau, 
oft mit rothbrauner Rinde voll oolithischer Körnchen, die selten ins In- 
nere dringen. Die Versteinerungen liegen im Kalkstein und im Thon, 
doch lösen sie sich aus diesem mit einer Reinheit aus, dass sie fast mit 
den Tertiär - Versteinerungen wetteifern können. Abdrücke und Stein- 
Kerne kommen fast gar nicht vor. Alle Arten, die man verschiedenen 
successiven Formationen zuzuschreiben versucht wäre, kommen durcheinan- 
der und durch die verschiedenen Schichten hin auf ursprünglicher Lager- 
stätte vor, wie sie gelebt haben : äusserst zahlreich an Individuen, manch- 
faltig und eigenthümlich an Formen, und mit wenigen Ausnahmen fremd 
den Arten, die man anderwärts findet: sie verhalten sich zu letzten, wie 
die Thier-Welt Neuhollands zur übrigen. — Dieses Gebilde hat der Vf, 
nur noch an einem zweiten Orte, 2 Stunden N. von St. Cassiun, in der 
Nähe der Heiligkreutz-Kirche gesehen, welche O. über St. Leonhard steht, 

IV. Schichten von Heiligkreutz: einige graue Kalkstein-Schich- 
ten auf dem rechten Gehänge des Abtei-Thales, etwa in der Mitte zwi- 
schen der Heüigkreutz-Kirche und St. Leonhard (Abtei) ganz isolirt zu 
Tage gehend. Sie enthalten viele Kalk-Konkrezionen und eine kleine An- 
zahl (8—9) von Petrefakten-Arten, Avicula, Unio, Nucula, Natieca, 
Spirorbis, welche so wenig als die vorigen über die Formation Auf- 
schluss gebeu, aber von den Samnlern oft unter die andern gemengt 
werden, daher sie der Vf. besonders aufzählt und beschreibt; dann 
Koprolithen. 

V. Sebichten von Wengen: liegen bei Wengen, ebenfalls an der 
Ö.-Seite des Adtei-Thales, meist schwärzliche und etwas schieferige 
Kalksteine von unebenem splittrigem Bruche, bituminösem Geruche wit 


122 


Petrefakten ganz erfüllt. Es sind 3 neue Halobia-, Posidonomya- 
und Avicula-Arten, Abdrücke eines Ammoniten und vorherrschende 
Pflanzen-Abdrücke, die mithin auch nicht zum Erkennen der Formation 
dienen. Der Vf. möchte sie mit III und 1V zusammen auf die Frenze 
zwischen I und II einordnen. 

Der Vf. schliesst mit dem Ausdrucke der Überzeugung, dass die Na- 
tur in den Alpen diejenigen Gesetze in der Ablagerung der verschiedenen 
Formations-Glieder und ihrer Petrefakte nicht befolgt hat, welchen man 
nach anderweitigen Beobachtungen eine zu grosse Allgemeinheit zuzu- 
schreiben pflegt“); er gebe aber die Hoffaung nicht auf, dass es endlich 
gelingen werde, die Gesetze der Lager-Folge und der Petrefakten-Füh- 
rung in den Alpen trotz der Schwierigkeiten der Untersuchung eben so 
gut zu erkennen, als sie in niedrigern Gegenden enthüllt sind. — Braun 
sagt in einer Note: er halte III, IV und V für Lokal-Erzeugnisse, wel- 
che aber sicher zu einem und demselben Gesteine gehören, das aus, 
mit allen Formationen von der ältesten Grauwacke bis zur Jura-Formation 
koutemporären Bildungen bestehe. 

In dem zweiten Haupt-Theile dieser Monographie finden wir nun 
noch die Beschreibung und Abbildung von nicht weniger als 79 Genera 
mit 422 Arten aus den Schichten III, welche also mit den von Wıssmann 
bestimmter benannten, beschriebenen und abgebildeten aus I, IV, V uud 
VI im Ganzen 433 Arten ausmachen. Jene ersten vertheilen sich auf 
folgende Weise: 


1. Polyparien . 14 Genera 53 Arten = 0,13 
II. Radiarien - 2 ss Te ii 
Ill. Anneliden ? 1 » Ar 
IV. Muscheln - 23 „ N 1) 
V. Schnecken i SE 191° „or 
VI. Cephalopoden . BR 33: 

vn. Fische . e RR. rs, N: 
VIII. Reptilien x 1 5 1... ea 
Im Ganzen . 79 Genera 422 Arten — 1,00 


Der Vf. gibt folgende Übersicht der St. Cassianer Arten, welche 
auch in andern Formationen vorkommen, nämlich in A Kohlenkalk und 
Zechstein, B in der Trias, C in Lias, D in Jura. 


*) Vgl. hingegen v. Münster im Jahrl. 1834, S. 1, die Eingaugs-Worte; dann meine 
Bemerkungen oben inı Jahrbuch 1842, S. 85, unter V. Br. 


Namen, Namen. 


Analog. 
dentisen, 
Identisch. 


“a .Cyathophyllum gracile Elan wlan rk A yienla anutiqua u A N  0>e 
„. * ‚Calamopora spongites . . #*.....%.h... #%.Nucenula elliptiea . . 2a, # 
MIERN A HIT OBaNAN ER SIE PU MERSENKT, eordatanı NE NE 
darin spinasas he en mubonalis hu 423 Ana 
En, hacıtlerase..e 1 ee En m euneatal (0... See 

.* ‚Enerinus liliiformis . -...*...2.1*. . .Emiarginula Goldfussii .......* 
*.. .Terebratula subacuta ......*..1..%*.Capulus neritoides. ... *......- 
RI, K Sennplecta. I, MER FR, HNatiea neritacean, ar 9. no 
een 5 MBlearısı contre Ri » plieistria aa Area 
PR ESeH. Ze S Blonoatar.. Knall sin Ken: » turbilina allen RT 
Kan “ aillataı 2 14 ee Natieellin Iyrataa „hy IR ER 
a 5 subeurvata . #......1 *....‚Tornatella subearinata .....*.. 
RT el subangusta’. . ra. SEE TVurbo'hybridus s. „2 20 mans 
rt SPUmer EOStratns. ii. Yon) SE Bil 75 „r Turzitella „anbearimata.. Zu 34 #35 
*...Peeten subdemissus .......*..] *.. .„Tetragonolepis obscurus ..*.... 
Zu kEue punetata., ad Kealrn,.Nothosattne un USER. 
. . *.Avicula ceratophaga. . .*...... 1590113) Am Ganzen. [121014 3 


Also von 422 Arten sind 389 ganz neu!, 20 mit in andern Forma- 
tionen vorkommenden Arten analog und nur. 13 ganz identisch. Von 
letzten beiden sind demnach: 


A im Kohlenkalk und Zechstein 7 identisch, 5 analog, 12 im Ganzen 


B in der Trias . 2 E 4 e. 6 = 10 „ „ 

Bm iası ... 4, ; - 4 N 7 MD) il, » 

D im Jura . . | - D 1 „ 2 ” 3 2) 2) 
16 20 36 


was 3 identische und 3 im Ganzen mehr als oben beträgt, weil 3 Arten 
in je 2 Formationen vorkommen. — Ausser diesen identischen Arten aber 
finden sich zu St. Cussian noch neue Generd, die man bisher »ur in 
gewissen einzelnen Formationen entdeckt hatte; so Cyathophyllum 
(wovon 4 Arten), Bellerophon (1 Art), Orthocera (3 Arten), Cyr- 
tocera (3 Arten) und Goniatites (13 Arten) fast nur in A u. a. äl- 
tern ‚Formationen; Ceratites (wovon 13 Arten) und Gyrolepis (1 
Art) nur nB; Ammonites (7 Arten) nur in C und D. Auch hatte man 
von Echiniden bisher nur Cidaris in ältern Formationen gefunden, wie 
deun alle 28! Arten von St. Cassian (wovon übrigens manche zu ver- 
einigen seyn werden) diesem Geschlechte angehören, während dagegen 
eine so grosse Menge meistens sehr zierlicher Schnecken (0,45 im Gan- 
zen) bisher nur in den jüngsten tertiären Gesteinen gefunden wor- 
den sind. 


Die Lithographie’n sind schön, zumal die 8 von JarwaRrT gezeichneten 
Tafeln. 


Über ein modernes Mammont gibt ein Ungenannter folgende 
Nachricht (in Philadelphia Presbyteriun, 1839, Jänner 12 > Sırrım. 
Am. Journ. of sc. > Bidl, univers. 1840, XXVIII, 419—420). Ein Bauer 


124 


der Grafschaft Gascunade [1?] im Missouri-Staate. 38° 20° N. Br. und 
92° ©. L. entdeckte beim Graben 5’ tief im Boden zuerst einen Teil 
des Thieres. Als der Vf. durch Hrn. Wasn davon Nachricht erhielt, be- 
gab er sich an Ort und Stelle in der Hoffnung, das ganze Skelett zu fin- 
den. Er liess eine viel grössere Grube eröffnen, und fand zuerst Damm- 
erde, dann Sand und blaulichen Thon, dann eine grosse Menge Fels- 
Bruchstücke von je 2—25 Pfund Gewicht, die absichtlich dahin transportirt 
und zusammengeworfen schienen, da man bis in 700’—800° Entfernung 
nicht die mindeste Spur von Steinen und Geschieben findet. Darunter 
eine lose Erdschichte, an deren Obeıfläche man den ersten Knochen von 
blauer Faıbe, eine gewöhnliche Indianer-Lanze und eine Axt entdeckte, 
verschieden von allen, welche der Vf. bis dahin gesehen hatte. Auf 
[unter?] dieser Erde lagen 6°°— 12‘ diek Asche, verkohltes Holz, kal- 
zinirte Knochen, Äste, Lauzen-Trümmer u. s. w.; das Feuer scheint am 
lebhaftesten gewesen zu seyn gegen den Kopf und Hals, weil dort diese 
Materien am dieksten lagen. Der Schädel war fast vollständig, aber 
so stark kalziniırt, dass er bei der geringsten Bewegung zu Staub zer- 
fiel; 2° davon fand man 2 lose und zerbrochene Zähne, nach dereu 
Trümner zu schliessen das Thier grösser, als ein bis jetzt beschriebenes 
Mammont gewesen seyn muss. Nach der Lage des Ganzen ist der Vf. 
zu glauben geneigt, dass das Thier mit dem Hinter-Theile in Schlamm 
versunken, dann auf die rechte Seite gefallen, so von den Indianern ent- 
deckt und getödtet worden sey. Der ganze rechte Vorderfuss und die 
Hinter füsse waren vortrefflich erhalten bis auf die kleinsten Knochen. 
Auch fand man zwischen Steinen und Asche ganze Fetzen einer mit 
Aschen-Lauge stark imprägnirten Haut, welche frisch gegerbtem Leder 
glich, und eine grosse Meyge Sehnen und Arterien, die scharf charak- 
terisirt, aber so zersetzt waren, dass man nur Hand-grosse Stücke in 
Weingeist aufbewahren konnte, — Mehr als 20 Personen könnten die 
Richtigkeit dieser Thatsachen bezeugen. 


H. v. Meyer: neue Gattungen fossiler Krebse aus Gebil- 
den vom Bunten Saudstein bis in die obere Kreide (Stuttgart 
1840, 4°, 28 SS., 4 Tafeln), > Isis 1840, 798. 

1) Pewphyx Sueurii, im Kalkstein von Friedrichshall. 


2) ie Albertii, im Muschelkalk, zu Horgen am Schwarzwald. 

3) Glyphea Regleyana in Kiesel-Nieren an der obern Saone. 

4) a Münsteri (rostrata) eben da. 

5) „ Dressierii dessgl. 

6) „ pustulosa, in Unterrogenstein bei Öhringen in Würt- 
temberg u. s. w. 

7) ” liasina aus Lias-Schiefer bei Menzingen. 

8) zrandis im Lias-Kalk zu Frittlingen bei Rottweil. 


9) Clytia ventrosa, aus Kiesel-Nieren der obern Saune und aus ee 
fordtlion von Rabenstein. 


125 


10) Clytia Mandelslohii aus Oxfordthon von Dettingen in Schwaben, 
auch zu Rabenstein. 
11) Prosopon tuberosum im Eisenrogenstein des Jura, zu Strassburg. 


12) m hebes in Mergel an der Mosel. 
13) »„.... simplex in Mergel des untern Coralrag bei Streitberg. 
14) us rostratum in Jurakalk bei Kelheim. 


Kock und Scamip: die Fährten-Abdrücke im Bunten Sand- 
stein bei Jena (Jena, 1841, 4°, 12 S. mit 4 Steindruck-Tafeln). Am 
Wege von Jena nach Kunitz fand Student FeLomann an den obern Schich- 
ten des Bunten Sandsteines Fährten-Reliefs, welche hier von K. und 
Sc#. beschrieben werden, indem erster den zoologischen, letzter den geo- 
gnostischen Theil der Schilderung liefert. Koch unterscheidet an diesen 
Sandstein-Platten folgende Arten von Relief-Formen : 

1) Eine Fährte, welche den Hessberger von Chirotherium voll- 
kommen entspricht und deren grössten Länge 10’ 10°’ ist. — 2) 8—10 
Fäbrten-Abdrücke von 3 Individuen (Tf. II und IV), welche wahrschein- 
lich der zweiten bei- Hessberg gefundenen Art entsprechen, ihre Länge 
beträgt 4°’—5’'. — 3) Viele dreizehige Fährten von 10°‘ Länge, deren 
Zehen ziemlich parallel verlaufen, wahrscheinlich eine neue Art. — 
4) Theils Hufeisen-förmige, theils ringförmige Wülste, welche etwas an 
die Pölziger Fährten erinnere , aber kleiner sind. — 5) Unregelmäsig 
gestaltete gestreifte Wülste, welche etwas den Rhizokorallien Zex- 
xer’s ähneln. K. glaubt, dass die deutlichen Fährten (1, 2 und 3) nicht 
von Säugethieren, sondern von Amphibien herrühren: die übrigen Ge- 
stalten 4 und 5 bleiben ganz ungedeutet. 


Verkauf 


einer sehr bedeutenden, oryktognostischen, geognostischen und 
petrefaktologischen Sammlung. 


Dieselbige enthält: 


Exemplare, 
1) Ausländische Mineralien nach Brum geordnet, ausgezeichnet 
durch sehr viele krystallisirte Exemplare, viele rohe und 
krystallisirte Edelsteine, mehre schöne Gold- und besonders 


Silber-Stufen . - N h 4772 
2) Mineralien aus Württemberg, Hack den nen ds ner 779 
3) Eine ganz vollständige Suite von Gebirgsarten aus Würt- 

temberg nach v. LEONHARD geordnet . x A 3143 
4) Einzelne geognostische Suiten daher, vorzüglich aus ei Fran 

und Oolith-Gruppe, nach der Formations-Schichten-Folge . 688 


5) Gebirgs-Arten des Auslandes nach von Leonurn geordnet 1834 


Exemplare 
6) Geognostische Länder-Suiten des Auslandes, und zwar: 
a. Aus Frankreich (Vogesen) Urgebirgs - Arten, vulkanische 


Gebilde, Flötzgebirgs-Arten u. s.f.. . .. IR: 159 
b. Böhmen, Ur- und Flötz- 1 : 3 . ; 3 205 
c. Mähren, dessgl. . B ’ . i 96 
d. Bergstrasse und Gegend um N reiselberg x ? s 11 
e. Schweitz — von St. Gotthardt, Graubündten , St. Gallen 
u. s. w. — und Flötz-Gebirgsarten, tertiäre Formationen 481 
f. Westliche Schweitzer-Alpen (von STUDER) . } . ; 100 
g. Aus England Ur- und Flötz-Gebirgsarten . .. 46 
h. Vom Cap der guten Hoffnung , Neuholland , Va Disk 
Land, Gebirgsarten und Mineralien . F ; ; i 116 
i. Vom Vesuv, ebenso . . WR : a ii 
k. Vom Rhön-Gebirge, Trapp- Fornhtipn E \ 27 
I. Pseudovulkanische Gebirgs-Arten, z. Th. aus Früukr dien, 57 
m.-Vom Kaiserstuhl Gebirgs-Arten 3 £ ' } } 30 
-n. Aus der Lahn-Gegend, Übergangs- Beine 2 . h 49 
o. Aus dem Rhein-Gau, dessgl. Ä E - N 118 
p. Aus dem Dillenburgischen dessgl. und Mictralien : 3 207 
q. Westphalen, Trias und Oolitb, kleines Format . : u 134 
r. Grossherzogthum Baden, Trias . { ‚ h } i 60 
s. Fürstenthum Erbach, dessgl. N : 3 l 3 Se 10 
t. Aus dem Breisgau, Oolith-Gruppe - } { 58 
u. Fürstenth. Fürstenberg, Gegend von Fran Hess 22 
v. Aus dem Herzogthum Coburg, Keuper und Lias u. s. f. 
klein Format . , i - h 46 
w. Aus dem Pariser Becken, Kreide- und Grobkalk-Formation, 
Süsswasser-Kalk. 5 ! - i 5 ner 9. 
x. Aus der Wetterau, Grobkalk u. s. f. i : ß i 55 
y. Münzenburg, Molasse . : h k 21 
z. Stein am Rhein, Molasse und Scabwansen. Kalk : ; 33 
‘ Zusammen 2464 
7) Petrefakten des Auslands und aus Württemberg . } i 2714 
7. 16,593 


Der grössere Theil der Fiemnlare ist 9OZoll und darüber, einzelne 
Länder-Suiten haben 4UZoll. 

Die Exemplare sind sehr gut erhalten von ganz frischem Bruch und 
alle charakteristisch ausgewählt, alle genau etiquettirt in Kapseln; un- 
ter den Württembergischen Gebirgs-Arten enthält der vierte Theil Pe- 
trefakte. Je 


Bestimmter Preis . i 6000 fl. Rhein. ° 


Das Mineralien-Comptoir in Heidelberg ist so gefällig, auf porto- 
freie Briefe weitere Auskunft zu ertheilen. 


Über 


einen neuen Fundort fossiler Kno- 
chen bei Oelsnitz im sächsischen 
 Voigtlande , 


Hrn. Hauptmann v. GUTBIER 
in Zwickau. 


Nehst zwei Beilagen 


von 


Herrn Apotheker Bıschorr. 


——_ 


Hiezu Tafel II, Fig. 6—10, und Tafel Ill. 


=—. 


Fl faudroit des volumes pour rupporter seulement tous les lieux, 
oi il se deterre journellement des os et des dents d’elephans. 
— CUVIER oss. foss. III, 371. 


Das Vorkommen fossiler Säugethier-Knochen im aufge- 
schwemmten Lande und in den Höhlen der Kalk-Gebirge 
gehört wohl zu den allgemeinsten Erscheinungen, die man 
schon in älterer Zeit kannte. Inzwischen schien das jetzige 
Königreich Sachsen arm an dergleichen Ablagerungen. Denn 
während das Diluvial-Land und die Kalk-Tuffe des preussi- 
schen Herzogthums Sachsen und der Thüringischen Länder 


von Elephanten-Gerippen, Hirsch-Geweihen u. 5, w. die 
Jahrgang 1842, 9 


128 


prächtigsten Exemplare lieferten, während besonders im 
Thale der weissen Elster, aufwärts von Pulitz (Köstrilz) #) 
in Reussischen, seit 1740 und über den Braunkohlen-Gruben 
bei Altenburg **) sehr werthvolle Knochen-Reste gefunden 
worden, kannte man zwar seit Fasrıcıus (1566) aus dem 
Kalk-Tuff von Robschütz***) gegrabenes Elfenbein, ferner 
nach FRrEIEsLEBEN einen Elephanten-Zahn aus dem Lerp- 
z’ger Stadt-Graben, aus dem Abraum der Kalk-Brüche von 
Zschochau unweit Ostrau einen Rhinozeros-Zahn nebst 
mehren Zähnen und Knochen-Stücken; ‘ferner werden ein- 
zelne Knochen. aus der Gegend von Schieritz 1751, von Sei- 
litz 1831 und von Zeisnilz erwähnt; Hr. Hofrath Reıcuen- 
BACH erkannte aus der Gegend von Zohmen Knochen von 
Zetazeen; von der Leripzeg-Dresdener Eisenbahn (dem Ein- 
schnitte bei Machern) soll Hr. Prof. Göprert ein Hirsch- 
Geweih aequirirt haben, und auf der Leipzig-Magdeburger 
Bahn-Strecke sollen neuerdings Elephanten-Zähne und 
- Knochen gefunden worden seyn. Alle diese Auffindungen 
erscheinen aber im Vergleich mit denen ausländischer Fund- 
Gruben doch sehr vereinzelt. | 

Da bot eine Gruppe Kalk-Brüche aus der Voigtländi- 
schen Grauwacke-Formation r) bei Ölsnilz seit 2-3 Jahren 
mit Lehm ausgefüllte Spalten, und in diesen einen Schatz 
von zum Theil wohlerhaltenen-Knochen und Zähnen dar, 
dass ich hoffen darf, die nähere Darstellung der geognosti- 
schen Verhältnisse und der bis jetzt gefundenen Thier-Reste 
werde einiges Interesse gewähren und zugleich die grosse 
Lücke ausfüllen, welche bisher hinsichtlich soicher Diluvial- 
Reste in Sachsen Statt fand. 


=) A Pölitz sur V’EIster un peu au dessous de Gera, Cvv. II, 1, #9. 
=) Mittheil. aus dem Osterlande, April 1837, S. 100. — Cuv. 1, 133. 
“"#) Pres de Rabschitz sur le chemin de Meissena Freyberg, Cuv.I, 133. 

'Nach FrBiesLegen Oryktogr. VII et VIII, S. 278: Stück von einem 
Einhorn. — Auf S. 277 und 278 desselben Werkes sind die fol- 
genden Fundorte bezeichnet. 
. 7) Die vorläufige Charakteristik letzter durch Hrn. Professor CarL 
Naumann s. im Jahrbuch 1841, 194 f, 


129 


Seit vergangenem Herbst wurde mir die Lokalität be- 
kannt, und seit dieser Zeit lässt der königliche Kreis-Direk- 
tor Freiherr. v. Künsssere Behufs einer in Zwickau ange- 
legten Kreis-Sammlung die Spalte ausbeuten. 

Die erwähnten Kalkstein-Brüche liegen 4 Stunde NW. 
der Stadt Ölsnitz nahe dem Dorfe Untermarxgrün am öst- 
lichen Hange einer flachen Kuppe, die von mehren zur El- 
ster führenden Schluchten begrenzt wird. Diese jetzige 
Oberfläche der Gegend gehört, bei ungefähr. 1250‘ Höhe 
über dem Meere, der mittlen Thal-Bildung an. Die Grau- 
wacke-Schiefer fallen einerseits vom westlichen Ausläufer 
des Erzgebirges, dem Plateau von Schöneck, andrerseits von 
dem Höhen-Zuge nördlich Zof ab und bildeten so eine weite 
Gebirgs-Wanne mit hügeligem Grunde, ehe das Elster-Thal 
bis auf sein jetziges Niveau von 1170 bei Ölsnitz eingewaschen 
war. Ein Schluss des alten Bassins mag erst eine Stunde 
unterhalb Ölsnilz bei Planschwilz Statt gefunden haben. 

Der lichtaschgraue dichte Übergangs-Kalkstein, in des- 
sen Nähe die Knochen vorkommen, hat ein sehr wechseln- 
des Fallen seiner mächtigen Bänke so, dass das Gestein in 
dem jetzt wichtigsten, nördlich gelegenen Neumann schen 
Bruche etwa 30° in W. einfällt, während in den Nachbar- 
Brüchen die Fall-Richtung oft um 45°, ja 90% umschlägt. 
Der erstgenannte Bruch ist von Osten her in Angriff ge- 
nommen worden, und man mag gleich von vorn herein auf 
die höchstens S’ breite, von O. nach W. streichende und 
mit Lehm ausgefüllte Höhlen-Spalte gestossen seyn, die 
sieh in ihrer dermalen bekannten Erstreekung von 30‘ bis 
auf 3° verengt und endlich im Dache schliesst. Seitwärts 
derselben ist zwar der Kalkstein manchfach ausgewaschen 
und scheint grössere Weitungen zu bilden *) ; eine besondre 


Veranlassung mag aber vorhanden gewesen seyn **), dass 


*) Tropfstein-Bildung in grösserem Maasstabe ist gar nicht vorhanden, 
höchstens bemerkt man Kalksinter-Tropfen, wie Hirsen - Körner. 
a Ein „Gang von ganz erdig-verwittertem Grünstein (Apbhanit?), der 
in der Richtung der geschlossenen Spalte mit grringer Mächtigkeit 


9* 
”. 


130 


ausser der Haupt-Richtung der erwähnten Kluft keine Kno- 
ehen deponirt werden konnten, obschon ein ähnlicher etwas 
eisenschüssiger und sehr zäher Lehm auch seitwärts vor- 
handen ist. Der erwähnte Lehm scheint die Knochen 
nur in einer 2’ mächtigen mittlen Lage zu führen ; über 
derselben ist er durch Tage-Wasser öfters aufgeweicht und 
durch Dammerde verunreinigt. Unter der Knochen - Lage 
nelımen ziemlich scharfkantige Kalkstein-Bruchstücke über- 
hand, welche aus dem Dache in frühester Zeit herabgefallen 
seyn mögen. 

Die thierischen Überreste scheinen zum grössten Theile 
ohne Fleiseh-Bedeckung in diese Spalte gelangt zu seyn, 
mögen aber doch mitunter noch durch die Sehnen us's. w. 
verbunden gewesen seyn; sonst würde man so viele, offen- 
bar nur einem Thiere gehörige kleinere Gebeine, so wie 
zwei Paan zusammengehörige Hirsch-Stangen nicht ganz nahe 
bei einander getroffen haben. Man findet aber dieses Kno- 
ehen-Haufwerk so zusammengeschoben, wie stärkere Holz- 
Stücke, schwächere Äste und Wurzeln bei jeder Überschwen- 
mung eines Gebirgs-Baches zwischen die Steine und Felsen 
am Ufer getrieben werden; denn wo der Spalten-Raum sich 
verengt oder wo grosse Fels-Blöcke vorragen, da trifft man 
das Meiste, die grössten Stücke an. ! 

Der Grad der Erhaltung der Knochen ist sehr. ver- 
schieden, und dazu hat wohl auch der Zustand beigetragen, 
in welchem sie ursprünglich eingeschlämmt wurden. Vor- 
zugsweise erscheinen die Zähne frisch, theils noch mit 
Crusta petrosa überzogen, das Email besonders an den 
Rutsch-Flächen glänzend; oft finden sich die meisten zu 
einer Kinnlade gehörigen Zähne beisammen, während die 
Kinnlade selbst zerstört ist. Eben so trifft man andere Kno- 
ehen fast ganz aufgelöst, dass sie oft sofort zerbrechen. 

Einzelne Zähne gaben während des Abreibens auf ei- 
nem Schleifsteine denselben brenzlichen Geruch von sich, 


aufsetzt, gab wohl die Veranlassung zur ersten Spaltung und dar- 
nach regulirte sich wahrscheinlich die Strömung, welche Kuo- 
chen absetzte. 


131 


wie ähnliche thierische Körper noch jetzt, wenn sie stark 
erhitzt werden, und hierdurch wurde wohl schon das. Noch- 
vorhandenseyn eines Theils der Knorpel-Substauz angedeu- 
tet, welche Hr. Apotheker Biscnorr in Zwickau bei einigen 
von ihm gefälligst untersuchten Knochen-Stücken und Zahn- 
Fragmenten nachwies*). 

Der ganze, seit vergangenem Herbst ausgebeutete, Raum 
dürfte 200 Kubik-Fuss nicht übersteigen. Eine grosse Menge 
der Knochen war, wie schon erwähnt, ganz zerstört; darum 
wird eine Herzählung der hauptsächlichsten der bis jetzt er- 
langten und meist gut erhaltenen Stücke einen Begriff von 
der grossen Masse thierischer Reste geben, die im kleinsten 
Raume die Erscheinungen von Kirkdale , Lünelvieil oder 
Mardolce wiederholen. Diese Reste sind, wie oben erwähnt, 
gegenwärtig in der Kreis-Sammlung zu Zwickau aufgestellt. 


1. Canıs spelaeus (Höhlenwolf) 


a. Eine rechte, zwei linke Unterkinnladen, deren Zähne 
einander vom Fangzahne bis zum letzten Backenzahne er- 
gänzen. 

b. Vom Vorderfusse der reehte und linke Oberarm. 

ec. Becken, Fragment der linken Hälfte, 

d. Vom rechten Hinterfusse : das Oberschenkel-Bein, 


das Fersen-Bein und der innere Metatarsier. 


2) Canis spelaeus minor (Höhlenfuchs) **). 


a. Beide Unterkinnladen verschiedener Individuen, mit 


fast vollständigen Zähnen. 


”) Ich theile die chemische Untersuchung des Hrn. Bısctorr in der 
Beilage mit, zumal das Jahrbuch für praktische Pharmazie u. s. w. 
(von der pharmazeutischen Gesellschaft der Pfalz, Kaiserslautern 
1840, in den Miszellen S. 222) Folgendes gibt: 

Knorpel-Substanz aus der Zahn- Masse eines Elephas 
primigenius, nach der Lösung des basisch-phosphorsauren Kalks 
in Salpetersäure als Rückstand erhalten, hat Dr. Winter darge- 
stellt. interessant ist, dass sich dieselbe Jahrtausende hindurch 
völlig gut. erhalten hat. 

“") Alles nach Bestimmungen des Hrn. Dr, Kaur. 


132 


 b. -Vom Vorderfusse ein rechter Oberarm. 

0 & Vom BHinterfusse: ein rechter Oberschenkel, ein 
rechter Unterschenkel: und ein 3. und 4. linker Metatarsier. 
3) ?Arctomys 
(oder ein diesem sehr ähnliches plumperes Thier) *). 


a. Oberschenkel. b. Oberarm. 


4) Lepus spelaeus”*). 
a. Linker Oberschenkel. b. Rechter Oberarm. 


5) Elephas. 


a. Spitze eines Stosszahns, 0” 122 lang, 07 025 am 
vorderu Ende und 0” 054 am Abbruche dick; übrigens 
fanden sich noch 0” 04 davon halb aufgelöst und boten die 
bei CuviEr erwähnten in einandersteckenden Kegel, wieder 
mit strahliger Textur des Elfenbeins dar. 

b. Eine einzelne Zahn-Platte (lame Cvv.): ich stelle 
dieselbe auf Taf. I, Fig. 6 dar zur Vergleichung mit der 
bei Cuvier abgebildeten des lebenden Elephanten. 

c. Zwei kleine Zahn-Keime mit 3—4 Zahn-Piatten, 
jedenfalls die ersten. Sie zeigen noch auf der hintern Seite 
Taf. 11, Fig. 7 a dieselbe Struktur wie die einzelne Platte, 
während von der Seite gesehen (Fg. 7 b) die Platten fast 
ganz mit Urusta petrosa (aa) überzogen und verbunden sind; 
PB bezeichnet das ‚Email, yy das Elfenbein, die Zahn-Masse. 

d. Zwei kleine obere Backenzähne in Fragmenten des 
Oberkiefers; die Kau-Flächen mit 6 angekauten Platten, 
02.06 lang, 0” 037 breit. 

e. Ein kleiner unterer Backenzahn der rechten Seite, 
die Kau-Fläche mit 7 angekauten Platten, 0" 055 lang, 0" 0275 
breit (Taf. 1, Fig. 8). — Letztgenannte 3 Zähne sind jeden- 
falls die zweiten, nach dem Alter. 


f. Ein linker Backenzahn, in einem Bruchstück des 


”) Alles nach Bestimmungen des Hrn. Dr. Kavp. 


135 


Unterkiefers; erster 0," 1215 lang, 0” 052 breit, mit 12 an- 
‚gekauten und 2noch unberührten Platten. Es wird der vierte 
nach dem Alter seyn. Somit wäre eine interessante Reihe 
für die Altersfolge der Zähne mit nur einmaliger Unter- 
‚brecehung erlangt *), denn, 

‚wenn Cuvier nach Corse beim so bieten unter den Ölsnilzer 


asiatischen Elephanten: Zähnen : 
am I. Zahn 4 Platten der 1. 3—4 Platten 
ey „aordh GE, 
„ Mm.2—13 %, soriklasig % 
N a zählt; .55.5chMadssle, au; 


Schon hieraus scheint hervorzugehen, dass diese Zähne 
-einer kleineren Spezies der Elephanten angehörten, nicht 
aber den grösseren Thieren, von welchen Cuvier pl. VI, 
fig. 3 einen Oberbackenzahn abbildet, der doppelt so gross ist als 
der oben unter f beschriebene. Letzter trifft in seinen Di- 
mensionen am meisten zusammen mit: dem Zahne, welchen 
Cuvier anführt mit den Worten: dent, d’une pelite machoire 
des environs de Cologne & 14 lames, Il usees, 0” 125 de long, 
0” 050 de large. Ich .habe daher Bedenken getragen, diese 
‚Zähne geradezu mit El. primigenius zu bezeichnen. 

g- Ferner fand sich im Sehutte alter Steinbruchs- 
Arbeit **) die linke Tibia, jedoch der obere und der untere 
Gelenkkopf fehlend, das Fragment etwa 0% 5 lang. | 

h. Knochen eines ganz jungen Elephanten (Dr. Kavr). 


6) Rhinozeros. 
a. Das Nasenbein; es ist auf 4 verkleinert Taf. II, 


*) Die Reihe erlangt einen noch wichtigeren Anfang durch das Kinn- 
Iaden-Fragment eines ganz jungen Elephanten wit Zahn, welches 
Hr. Dr. Kaup unter anderen ihm zugesendeten Knochen eut- 
‚deckt hat. | 

=") Ein Beweis, dass früher schon sehr werthvolle Reste mögen ge- 
funden worden seyn, aber gar nicht beachtet wurden. So er- 
wähnen die Arbeiter eines fast vollständigen Thier-Schädels, der 
vor einigen Jahren angetroffen worden, und dass es seit der Zeit 
immer „geröhrt“ habe, d. h. dass man immer Röhren oder Ge- 

. beine gefunden habe, 


134 


‚Fig. 9 dargestellt und zum Vergleich daneben in Fig. 10 das. 


von Rh. leptorhinus nach Cuvirr’s ossem. foss., Rhino- 
‚ceros pl. IX, fig. 7d. — In Fig. S ist x‘x die Kante des 
Nasenbeins an der Mittelnaht ; yy = 0" 05%); x' z — 0m 254. 

Die Auffindung dieses merkwürdigen Knochens dürfte 
nicht unwichtig seyn, weil eines Theils dadurch eine Spezies 
hervorgerufen wird, abweichend von Rh. tiehorhinus, 
wie von Rh. leptorhinus, während doch die nachfolgend 
aufgeführten Zähne unter sich nicht abweichen und auch 
keine Differenz zeigen von denen, welche Cvuvırr dem Eh. 
tichorhinus zuschreibt **). 


b. Beide Unterkiefer-Äste eines jungen Thiers, wovon 


der 2., 3. und 4. Milchzahn abgekaut, der 5. oder 1. Hinter- 
Backenzahn im Vortreten; mithin war das Thier in gleichem 
Zahn-Alter mit dem einjährigen Fohlen. Diese Kinnlade ist 
in der Sammlung mit A bezeichnet. 

ec. Beide Unterkiefer-Äste eines ältern Thiers. Grosse 
Schneidezähne sind nicht vorhanden gewesen, wohl aber die 
bei Cuvirr 11 mit b, b bezeichneten kleinen Zähne, deren 
‘Alveolen noch deutlich zu erkennen. 

Von den ersten vorderen Backenzähnen sind allerdings 
nur zerstörte Wurzeln vorhanden, die übrigen Backenzähne 
sind aber vollständig und in so schöner Position, als man 
nur für Erkennung des Zahn-Geschäfts hätte auswählen 
können. Der 2. und 3. sind schon Ersatz-Zähne; der 4. 
Milchzahn hat den Ersatz-Zahn schon unter sich, der 5. 
Backenzahn ist schon angekaut, der 6. aber noch nicht, und 


*) In der Lithographie sind y und y etwas verrückt worden; sie müss- 
ten einander gerade gegenüber stehen. D. Red. 
”*) Hr. Dr. Käup wird in seinen Akten jedenfalls Klarheit in diese 
Materie bringen, da ihm gegenwärtig die wichtigsten der oben be- 
schriebenen Knochen, Zähne u. s. w. zur wissenschaftlichen Be- 
nutzung vorliegen, v.©. 
Derselbe bemerkt in einem unmittelbaren Schreiben an die 
Redaktion, es bleibe noch zu untersuchen, ob die Rhinozeros-Art, 
welche alle obige Reste geliefert, Rh. tichorbinus, Rh. lep- 
torhinus oder Rb. Merckii seye; vielleicht rührten sie von der 
ersten und letzten her. D. Red. 


. 


135 


der 7%. ist noch als Keim und ohne Wurzeln in der Alveole, 
Das Thier hatte mithin noch nicht abgezahnt und noch nicht 
verglichen; es stand im Zahn-Alter des 4jährigen Pferdes. 
Dieser Unterkiefer ist in der Sammlung mit B bezeichnet. 

d. Zehn Backenzäkne des Unterkiefers, auf jeder Seite 
die 5 letzten. Das Tbier hatte zwar alle Milchzähne ge- 
wechselt, aber der 7. Backenzahn ist noch nicht angegriffen ; 
es war mithin älter als B und hat das Zeichen C. 

e. Neun Backenzähne des Unterkiefers, von rechts die 
5 letzten, von links die 4 letzten; sie sind sämmtlich abge- 
kaut und fest aneinander eingeschliffen. Das Thier muss 
weit älter gewesen seyn: es hatte verglichen. Die Zähne 
haben die Bezeichnung D erhalten *). 

f. Fünf Milch - Backenzähne des Oberkiefers, der 2. 
und 4, rechts, der 2., 3. und 4. links. Sie zeichnen sich 
durch niedrigere Schäfte, fast pyramidale Gestalt und breit 
auseinander greifende Wurzeln aus und sind schon abge- 
kaut; wegen ähnlichem Alter mit jenen des kleinen Unter- 
kiefers sind sie in der Sammlung mit A bezeichnet. 

&. Acht Backenzähne des Oberkiefers, auf jeder Seite 
die 4 letzten. Sie wurden mit vielen verweseten Kopf- 
Knochen im Raume eines Kubik-Fusses neben einander lie- 
gend gefunden. Der 4. Backenzahn jeder Seite war noch 
als Keim, ebenso der 6. kaum angegriffen, der 7. als Keim 
ohne Wurzeln. Das Thier stand im Alter dem B der Un- 
terkinnlade nahe und erhielt desshalb B. Hierbei ist noch 
interessant, dass der 7. Backenzahn der einen Seite ein Thal 
und einen Köcher (Krater) auf seiner Kau-Fläche zeigt, 
wie die Regel für den letzten solehes verlangt, der der ent- 
gegengesetzten Seite aber ein Thal und zwei Köcher, von 
weleher Abnormität Cuvier nichts anführt. 


”) Leider haben der 7. und 6. Backenzähn links durch Gyps-Abzüsse 
ersetzt werden müssen, da es uicht möglich war, solche vom der- 
maligen Besitzer zu acquiriren; andere an deren Stelle zu setzen 
ist aber schon darum unthunlich, weil in jedem Gebiss (in der 
Bedeutung der Zahn-Ärzte) die Zähne sich ‚eigenthümlich an ein- 
ander geschliffen und verschiedene Rutsch-Flächen gebildet haben. 


136 


h. Sieben Backenzähne des Oberkiefers, der 4., 5., 6. 
und 7. rechts, der 5., 6. und 7. links. Der 7. (letzte) ist 
hier schon in Arbeit; das Thier war älter als das vorige 
und erhielt die Bezeichnung C. Auch hier zeigt sich eine 
Abnormität und zwar beim 4. Zahne rechts, welcher nächst 
dem Thale und den normalen zwei Köchern noch einen 
dritten kleineren zwischen beiden führt. 4} 

i. Sechs Backenzähne des Oberkiefers, der 2., 5., 7. 
rechts, der 4., 6., 7. links, sämmtlich angekaut und der 
letzte fest angeschlossen; in gleichem Alter wie D des Unter- 
kiefers, daher in der Sammlung mit D bezeichnet. Auch hier 
in diesen vorzüglich schönen Zähnen des Oberkiefers zeigt 
ein 7. die Abweichung, dass er zwei Köcher führt ,- ob- 
gleich ihn sein übriger, weit mehr pyramidaler Bau und das 
Weitausgreifen der hinteren Wurzel deutlich als den letzten 
seiner Reihe charakterisirt. > | 

k. Drei linke Backenzähne des Oberkiefers, der 4., 5., 
6. eines sehr alten Thieres E *). | 

l. ‚Ausserdem wurde durch einzelne 2. und 3. Backen- 
zähne, so wie durch Keime aus allen Positionen die Zahl 
sämmtlicher gefundenen Zähne über 100 gebracht, von denen 
allerdings mehre der Sammlung nicht angehören, die aber 
eben nach ihren verschiedenen Stellungen “mindestens acht 
Nashorn-Individuen vermuthen lassen, deren Reste bis jetzt 
bei Ölsnitz gefunden wurden. 

m. Ein sehr schön erhaltener Atlas, fast übereinstim- 
mend mit der Abbildung Cuviers //, pl. vu, fg. 6, 7, S, 
jedoch die Platte d nicht so flach, sondern mehr gewölbt. 

n. Mindesteus 3 hierhergehörige Rücken-Wirbel. 

0.  Mehre Rippen-Fragmente, von denen das längste 
eine Knochen-Auftreibung zeigt, die durch Krankheit oder 
Bruch entstanden seyn mochte. ! 

p- Drei Fragmente von Schulterblättern. 

q. Vom Vorderfuss: der Vorderarm-Knochen der rech- 
ten Seite zerbrochen; — aus der Handwurzel das Haken- 


*) Die Zähue E sind an die Freiberger Akademie abgegeben worden. 


157 


Bein, os hamatum, uneiforme Cuv. von rechts und links; 
— aus der Mittelhand der äussere und mittle Metakarpier 
der reehten Seite, erster mit Knochen-Fortsatz, — und 
der innere und mittle Metakarpier der linken Seite, erster 
mit Knochen-Fortsatz. 

r. Vier Fragmente von Becken, an welchen besonders 
die Darmbeine ziemlich vollständig erhalten sind. 

s. Vom Hinterfuss: vom Unterschenkel - Knochen ein 
Fragment des untern Theils der rechten Seite; — aus 
der Fusswurzel der rechten Seite: das Fersenbein, das 
Sprungbein, das Kahnbein, das zweite Keilbein; — aus dem 
Mittelfusse: alle drei Metatarsier der rechten Seite und 
das Nagel-Glied der mitteln Zehe. 

Sämmtliche unter q und s aufgezählte Theile des Vor- 
der- und Hinter-Fusses passen genau zusammen; sie ge- 
hörten wahrscheinlich einem Individuum an und mögen wohl, 
wie Eingangs erwähnt wurde, noch durch die Bänder ge- 
halten, zusammen eingeschwemmt worden seyn. Vom Nas- 
horn sind daher nicht allein noch schönere Materialien zum 
Studium des Zahn-Geschäfts erlangt, als die vorigen vom 
Elephanten sind, sondern die Reste der vordern und hintern 
g, und das vorerst er- 


D 
wähnte Nasenbein gibt vielleicht Gelegenheit zu Bestimmung 


Extremitäten sind aueh von Bedeutun 


einer Spezies. 
7) Equus, Pferd. 
(Equus brevirostris Kaup, E. fossilis autt.*). 

a. Beide Unterkiefer- Äste mit dem Zahn- Werke .des 
einjährigen Fohlens, 3 Milchzähne, der erste Hinter-Backen- 
zahn im Vordringen; die Vorderzähne fehlen. 

b. Beide Unterkiefer-Äste mit den 12 Backenzähnen 
des Pferdes, welches abgezahnt und verglichen hat. 

ec. Ausserdem Unter- und Ober-Backenzähne in Gar- 


a. = 


nituren zusammenlegbar, dessgleichen Vorderzähne, Haken 
und Keime aus allen Positionen, im Ganzen über 100 Stück. 


*) Diese Art-Bestimmung ist uns von Hrn, Dr. Kaup brieflich unmit- 
telbar mwitgetheilt worden. D. Red. 


138 


d. Das Hinterhauptbein. 

e. Ein rechtes Schulterblatt. 

f. Vom Vorderfusse : beide Bug-Knochen, — der rechte 
Vorderarm, — dann der Mittelfuss (Schienbein), das Fessel- 
bein, das Hufbein und das Kronbein, von beiden Füssen in 
mehren Doubletten, — mehre Griffelbeine , eins mit nr 
Schienbein verwachsen. 

g. Mehre Becken-Fragmente. 

h. Vom Hinterfusse: Hüft-Knochen, Unterschenkel-Beine 
— und aus der Fusswurzel: das Fersenbein, das Sprung- 
bein, ein Schiffbein, Mittelfuss (Schienbein), Fesselbein, Kron- 
bein, Hufbein, meistens in mehren Exemplaren (z. B. S 
Sprungbeine) von beiden Füssen, so dass daraus Vorder- und 
Hinter-Füsse eines Thiers fast vollständig zusammengelegt 
werden konnten. 

Auch vom Pferde sind daher genügende Beleg-Stücke 
vorhanden um darzuthun, dass die Spezies wohl kaum von 


einem unsrer Pferde mittler Grösse abwich. 


8) Bos (priscus ?): 


a. Ein noch etwas problematisches Schädel-Stück mit 
dem Kerne eines Hornes. | 

b. Vier Zähne an einem Fragment des reehten Ober- 
kiefers, und zwar 2. Ersatz-Zahn, 3. Milch-Zahn, 4. und 5. 
Hinter- Backenzahn, letzter als Keim. Sie sind Taf. IH, 
Fig. 15 in 1 Maasstabe abgebildet, nehmen zusammen mit 
den Kronen eine Länge von 0=124 ein, welcher Raum um 
1 grösser ist, als der bei einem mir eben vorliegenden schwa- 
chen Individuum des jetzigen Rindes. Das Stück der äus- 
seren Knochen-Wand ist in Fig. 15 punktirt angedeutet uni 
weist durch seine Alveolen-Reste jedem Zahne seinen Platz 
an. Das Thier stund im kräftigsten Alter und hatte noch 
nicht abgezahnt. 

ce. Vier erste Zehen-Glieder, 2 innere und 2 äussere, 
kürzer als die des Hirsches im Verhältniss zur Dicke. 


139 


9) Cervus, Hirsch. 


a. Cervus primigenius Kaur (I) Fragment der 
linken Stange an der Hirnschaale festsitzend. 

b. Mehre Stangen einer kleinen Hirsch-Art, worunter 
ein Paar zusammengehöriger Geweihe von der Grösse, wie 
beim Reh, aber fast schaufelartig verbreitet, einstweilen mit 
11 bezeichnet, und Taf. II, Fe. 1, 2 und 6—11 abgebildet. 

Das besser erhaltene Geweih ist meist platt gedrückt, 
nur an den meisten oberen Abbrüchen geht diese Form durch 
die fast dreikantige, in eine der Walze genäherte über. 
Die Stangen sind senkrecht auf den Rosenstuhl und das 
Stirnbein aufgesetzt und von der 2. Sprosse an flach rück- 
wärts gebogen; hieran stehen die Enden wieder radial nach 
vorn und scheinen nicht sehr lang gewesen zu seyn. Die 
Augensprosse ist um die Stärke der Stange auswärts ge- 
wendet und zugleich stark abwärts geneigt. — Sämmtliche 
Geweihe sind äusserlich glatt, nur mit einzelnen sehr tiefen 
Furchen versehen ; die Rose ist mit länglichen und bei star- 


ken Exemplaren sehr hervortretenden Perlen besetzt. 


Vielleicht darf man das Schädel-Fragment, welches Taf. 
ill, Fig. 3, 4 und 5 in 1 Grösse von vorn, im Durchschnitt 
queer über die Rosenstühle und im Längen-Profil abgebildet 
ist, auf diese Hirsch-Art beziehen. ‚Dann ergibt sich die Form 
der Rosenstühle als elliptisch und deren Mitten um 0052 
von einander abstehend, während sie vom Punkte i um 0%065 
entfernt sind. Jedenfalls gehörte dieses F'ragment einem 
älteren Thiere an, als die nachfolgend beschriebenen Stangen. 
Die rechte und die linke Stange, mit Ausnahme, dass die 
rechte Augensprosse verkümmert ist, sind einander so voll- 
kommen gleich, dass deren Dimensionen nur einmal aufge- 


zeichnet zu werden brauchten *), 


“) Hr. Dr. Kaup theilte mir nach Ansicht meiner Beschreibungen und 
Zeichnungen folgende Notitz hierzu mit, ehe ich die auf S. 140 
beschriebenen Geweihe erhielt: 

„V. STERNBERG und Scuorrin haben in der Isis 1828, T£. VII, 


140 


Später wurden indessen noch einige andre schöne Stangen: 
A, BundC gefunden, welche Hr. Dr. Kaup nach Ansicht ihrer 
Skizzen sämmtlich für Alters-Verschiedenheiten von €. G uet- 
tardi erklärte, und die mir allerdings die grösste Ähnlich- 
keit mit den von Cuvier pl. vı, fig. 14—17 in 4 Grösse ab- 
gebildeten Fragmenten aus der Höhle von Eitampes zu haben 
scheinen. Von jenen Stangen zeigt die erste (wozu auch die 
linke fast eben so vollständig erhalten ist) unter dem grossen 
unteren Sprossen vorn und in einiger Höhe über erstem auch 
hinten je ein kleines Sprösschen, Eis-Spriesel, für welches 
an der grössern Stange B unten nur noch eine kleine An- 
deutung, oben nur eine Zuschärfung vorhanden ist. 

Diese Hirsch-Art dürfte dem Geweihe nach das.Reh nicht 
bedeutend an Grösse übertroffen haben. 


1829, Tf. I, und 7830, Tf. V ähnliche Geweihe abgebildet, die bei 
Köstritz gefunden wurden, 
„Isis 1828, Tf. VII, gleicht 'Tf. IN, Fg. 1 sogar in der An- 
deutung des Augensprossens und ist identisch mit diesen. Beide 
Geweihe sind Stangen, entweder von jungen Thieren, wie die hier 
gegebenen, welche ihre Jugend durch die hohen Rosenstühle an- 
zeigen, oder sind noch nicht völlig entwickelt, wie das in der Isis 
Tf. VII abgebildete. Da beim lebenden sehr häufig (? fast immer) 
der Augenspross der einen Seite verkümmert auftritt, so ist 
es mehr als wahrscheinlich, dass die Thiere mit einem Spross 
oberhalb der Rose nicht-verschieden von denen mit zwei Spros- 
sen sind. „Da die Isis von 7830 mir nicht zu Gebote steht, so 
kann ich über die Abbildungen daselbst nichts sagen. 
| „Nırsson bemerkt über das von Scuorrin in der Isis 1829, 
S. 416 und 417 besehriebene Geweih, dass dieses Tbier Cervus 
Sceanicus Cüv. sey und auch fossil bei Lund und Greifswald 
vorkomme. Es sey übrigens vom lebenden, dessen Rosenstock 
auch klein ist, nicht verschieden. Dagegen liesse sich jedoch 
einwenden, dass bei allen abgebildeten und denen, die sich in den 
Sammlungen zu Darmstadt, Mainz und Mannheim befinden, weder 
der Augen-Sprosse (wo er vorhanden) noch der folgende an der 
Spitze die vielfache Gabelung zeigt; es sind vielmehr beständig 
einfache Euden,, mit (?) Ausnahme von Cuvirr pl. VI, fg. 3 und 
(?) 10. 


141 


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342 


e. Zwei Fragmente vom rechten und linken Unter- 
kiefer eines Individuums (mit den Stangen A zusammenge- 
funden) mit je 3 Backenzähnen , welehe von denen eines 
Spiessers vom Edelhirsch nur durch grössere Abrundung 
der Seitenkanten zu unterscheiden sind; der 1., 2%, und 3. 
links nehmen zusammen eine Länge von 0" 05 in der Kinn- 
lade ein, der 2., 3., 4, rechts eine Länge von 0,054, beides 
genau wie bei dem zur Vergleichung vorliegenden Kiefer 
von €. elaphus. 

d. Drei obere Backenzähne verschiedener Hirsehe. 

a. Der erste links oben; abgebildet Taf. III, Fig. 14 
in natürlicher Grösse, 

Breite der äusseren Wand oben: 0,018. 

Stärke von aussen nach innen am Halskragen: 0,021. 

Höhe der äusseren Zahnwand am höchsten Grahte:: 0,022. 

Diese Dimensionen verhalten sich zu den gleiehnamigen 
beim Spiesser des Edelhirsches wie 5:4. Er unterscheidet 
sich besonders dadurch, dass beim Spiesser vom Edelhirsch 
die äussere Zahnwand von 2 scharfen Kanten seitlich be- 
grenzt wird, während sich diese Kanten bei dem beschrie- 
benen Zahne abrunden. Diess drückt auch die Zeiehnung 
richtig aus, dagegen ist nicht markirt, dass genau über dem 
mittlen Wulste der äusseren Wand deren höchster Graht 
steht; ferner ist der von der inneren Zahnwand in das 
Thal tretende Vorsprung von der Rinne der Hinterwand 
ausgehend sich zu denken, nicht aber dem Auge des Be- 
schauers links der Mitte. 

ß. Von einem andern Individuum der 2. oder 3. Zahn 
links oben, ein Keim. 

Breite der äusseren Wand oben —= 0,022. 

Stärke von aussen nach innen am Halskragen 0,027. 

Höhe der äusseren Zahnwand am höchsten Grahte 0,025. 

Die Zeichnung Taf. IU, Fig. 12 und 13, in natürlicher 
Grösse drückt hier richtig die Stellung der beiden Vor- 
sprünge gegen das Thal im Zahne aus; der Vorsprung an 
der innern Wand steht nicht so schräg nach hinten, als beim 


143 


Edelhirsch; der kleinere Vorsprung von der äusseren Wand 
ist bei letztem gar nicht vorhanden. Auffällig ist die 
schuppenartige Wucherung der Zahn-Masse an der hinteren 
‚Kante der äusseren Wand und der perlenartige Auswuchs 
von Erbsen-Grösse an der hinteren Kante der inneren Wand. 
Vielleicht wird hierdurch eine Spezies charakterisirt. 

y. Der 5. Backenzahn rechts oben, zerbrochen. 

e.. Ein Hinterhauptbein. 

f. Ein Schädel-Stück mit dem Stirnbein und beiden 
Rosenstühlen, welches S. 139 beschrieben worden. | 

g. Das linke Schulterblatt eines kleineren Hirsches *). 

h. Vom Vorderfusse: Bug-Knochen, — Vorderarmbein,— 
Mittelhand (Vorderlauf, Canon Cuv.), alle in verschiedener 
Grösse. 

'i. Rechte Becken-Hälfte eines kleinen Hirsches *). 

k. Vom Hinterfusse: Hüft-Knochen, Unterschenkel, 
Sprungbein und Mittelfuss, alle in verschiedener Grösse, 
unter andern ein Mittelfuss 0733 lang, von sehr starken 
Dimensionen **); — dann ein innres Zehen-Glied des rech- 
ten Hinterfusses eines kleinern Hirsches *), 

Es dürfte wohl sehr schwierig seyn, bei so vielen ähn- 
‚lichen Arten und nach dem Alter möglicherweise verschie- 
denen Individuen, die Knochen jeder Art richtig zu trennen. 


Hr. Dr. Kup hat sich ferner der Bestimmung einer 
Partie Knochen unterzogen, die vielleicht noch manches 
Merkwürdige bieten; einstweilen wären, wenn man auch 
nur 2 Hirsch-Arten als deutlich erkennbar annimmt, min- 
destens Reste von 10 Thieren nachgewiesen. — Dass Vogel- 
Knochen vorgekommen seyn sollen, ist wiederholt gegen 
mich erwähnt worden. Von Koprolithen wurde bis jetzt 


*) Nach Bestimmungen des Hru. Dr. Kavr. 

*) Hr. Dr. Kur gibt in einem direkten Briefe die Länge dieses Me- 
tatarsus auf 0M345 an und schreibt ihn dem C. mezgaceros zu; 
am Edinburger Exemplare hat derselbe 0m351 Länge. D. R. 


Jahrgang 1842. 10 


144 


noch keine Spur gefunden, und die wenigen Andeutungen 
von Benagung an ein paar Mittelhand-Knochen (Vorder- 
läufen) vom Hirsch scheinen auch nech nicht zu der An- 
nahme zu berechtigen, dass sämmtliche Knochen durch Raub- 
thiere in diese Höhle geschleppt worden wären. Vielmehr 
scheint Alles auf eine grössere Wasser-Bedeekung hinzu- 
weisen, die Busen-artig aus der Diluvial-Ebene Norddeutsch- 
lands zwischen die Schiefer- und Grauwacken -Höhen des 
Voigtlandes eintrat und bei der späteren Hebung dieser Ge- 
genden unter Andern auch das See-Becken von Ölsnitz zu- 
rückliess. Durch die noch spätere Einwaschung des tiefen 
Elister-Thales wurde auch jenes Bassin aufs Trockne ge- 
setzt, und nach viel-tausendjährigem Zwischenraume war es 
der Jetztwelt vorbehalten, in den Kalk-Höhlen und Wasser- 
Läufen der Urzeit die deutlichen Zeugen einer einst reichen 
Fauna, die zusammengesehwemmten Knochen der Bewohner 


jener Gegenden ans Licht zu ziehen. 


Beilage IM. 


Ueber fossile, halb-fossile und nicht fossile 
Knochen , 


r 


Versuche, welche bezweckten, einen Unterschied zwischen 
fossilen und nicht fossilen thierischen Überresten fest- 
zustellen und aufzufinden, 


von 


Herrn Apotheker Bıschorr 


in Zwickau. 


—_. 


Sämmtliche Kuochen wurden mit verdünnter Salzsäure behandelt, 
und dabei Folgendes beobachtet: 

1) Ein fossiles Rippen-Stück löste sich fast vollständig unter 
‘schwacher Kohlensäure-Entwickelung, bis auf einen geringen pulverigen 
Niederschlag auf, der aus basisch-phosphorsaurem Kalk, mit noch etwas 
Knorpel-Substanz inniger verbunden, bestand. Die Auflösung ging ziem- 
lich rasch von Statten, und die Flüssigkeit hatte eine auffallend dunkeli- 
gelbe Farbe angenommen, worin blausaures Kalı eine nicht geringe 
Menge von Eisen nachwies. 

2) Ein fossiles Elephanten-Stosszahn-Stück löste sich 
von allen anderen in der kürzesten Zeit binnen einer Stunde auf und 
hinterliess nur eine ganz geringe Menge eines erdartigen ganz frem- 
den Körpers. 

Unterbricht man die Biikirkang der Säure, sobald als sich die Gas- 
Entwickelung etwas vermindert hat und der Zahn-Rückstand durch- 
scheinend weiss geworden, indem man die Säure durch destillirtes Was- 
ser ersetzt, so erhält man die im fossilen Zustande noch vorhanden gr- 
wesene, mit einer sehr geringen Menge Knochen - Erde verbundene 
Knorpel-Substanz, welche ein Gallert-artiges Ansehen , aber noch 


*) Hervorgerufen durch einige Kuh-Zähne, welche die Arbeiter bei Oelsnitz aus 
Muthwillen wahrscheinlich vom Acker aufgelesen und unter die wirklich fossilen 
Zähne gemischt hatten. 


10* 


146 


einen ziemlich festen Zusammenhang besitzt und auch noch Struktur- 
Verhältnisse zeigt, von einer rein weissen Farbe. 

Durch die ihn umschliessende Knochen - Erde geschützt vermochte 
dieser organische Körper selbst Jahrhunderten zu widerstehen. In die- 
sem Zustande besitzt die Knorpel-Substanz folgende Eigenschaften: 

Sie. löst sich theilweise in kochendem Wasser, eben so in kausti- 
scher Kali-Lauge mit Zurücklassung von sehr wenig Fasern, und ganz 
vollständig in Salzsäure; die salzsaure Lösung des Zahnes war eben- 
‚falls stark gelb gefärbt, und durch Eisencyankalium zeigte sich sogleich 
ein starker Eisen-Gehalt. 

3) Ein Stück eines fossilen Rhinoceros-Zahns verhielt sich 
ganz ähnlich wie Nro. 2, der Elephanten-Zahn, nur mit dem Unter- 
schiede, dass ‚zur Auflösung einige Stunden erfordert wurden. 


4) Ein fossiles Kuh-Zahn-Stück ergab dieselben Resultate, 
wie Nro. 3. Die Flüssigkeit zeichnete sich gleichfalls durch eine auf- 
fallend gelbe Farbe und einen nicht unbeträchtlichen Eisen-Gehalt aus. 

5) Ein Kub-Zahn in der Erde aufgefunden verhielt sich ähn- 
lich, wie Nro. 4; die Farbe der Flüssigkeit war mehr braun-röthlich, und 
Eisen wurde nur sehr wenig darin angezeigt. 

6) Ein fraglich fossiles Kub-Zahn-Stück löste sich viel 
langsamer als die vorigen in Salzsäure auf, in etwa 10—12 Stunden; 
die rückständige Knorpel- Substanz war in beträchtlicherer Menge vor- 
handen, als bei den vorigen Versuchen ; die Flüssigkeit war nur ganz 
schwach gefärbt, und blausaures Kali zeigte nur eine Spur von Eisen 
darin an. 

7) Ein Stück Zahn einer frisch ausgeschlachteten Kuh ver- 
hielt sich ganz wie Nro. 6. Unter Zurücklassung der Knorpel-Substanz 
erfolgte die Lösung nach 12 Stunden; die Flüssigkeit sehr wenig ge- 
färbt, und kein oder fast kein Eisen anzeigend. 


Aus der verschiedenen Dauer der zur Lösung erforderlichen Zeit 
lässt sich direkt auf die mehr oder weniger feste Struktur dieser Kör- 
per schliessen und hieraus , obschon etwas gewagt, mit Wahrscheinlich- 
keit ein Alters-Vergleich ableiten. Demnach scheint der Elephanten-Zabn 
einer ältern Periode anzugehören , als der Rhinoceros-Zahn und dieser 
wiederum älter als die fossilen Kuh-Zähne zu seyn. Alle fossilen Kno- 
chen gaben eine stark gefärbte Lösung die stark Eisen-haltig war; die 
Lösung der nicht fossilen hingegen war nur sehr schwach gefärbt und 
die Gegenwart des Eisens kaum darin nachzuweisen. 


147 


Beilage I. 
Über 
Pr usta petr os au, 


von 


Herrn Apotheker Bischorr 


in Zwickau. 


Die Aussenseite fossiler Zähne einzelner vorweltlicher Thiere ist 
durch eine von denselben getrennte Scheide umgeben und geschützt, 
die jeder Erhabenheit und Vertiefung dieser Zähne folgt und auf dem 
Queerbruche eine krystallinisch - faserige Struktur, welche mit dem 
Schmelz der Zähne Ähnlichkeit hat, besitzt. Diese Scheide: wurde mit 
dem Namen Crusta petrosa belegt, und von mir damit folgende Ver- 
suche, behufs der Erforschung ihrer Bestandtheile, vorgenommen *). 

In einem Platin-Gefässe geglüht schwärzte sich diesel Substanz zu- 
erst und verbreitete einen animalisch-empyreumatischen Geruch. Durch 
fortgesetztes anhaltendes Glühen wurde die Masse wieder weiss ge- 
brannt. Auffallend war jedoch dabei eine stellenweise hervorgetretene 
blaue Farbe. Die geglühte Substanz löste sich unter schwachem Auf- 
brausen, mit Ausnahme einiger braunen zurückgebliebenen Flecken, 
vollständig in Salpetersäure auf. Im ungeglühten Zustande löste sich 
die sogenannte Crusta petrosa eben so vollständig in verdünnter Salz- 
säure , entwickelte dabei schwach Kobklensäure, und hinterliess bei ge- 
eigneter Unterbrechung der Säure-Einwirkung ihre Knorpel-Substanz in so 
reinem Zustande, dass sie getrocknet eine gelblichweisse, spröde, Horn- 
oder mehr noch Leim-artige Masse bildet, Diese erhaltene salzsaure 
Lösung gab durch Reagentien sofort die Gegenwart von Eisen, von 
Knochen-Erde und Knorpel zu erkennen. Zum Trocknen abgedampft 
schwärzt sich nämlich der Rückstand durch stärkeres Erhitzen, welche 
Färbung vollständig durch gesteigertes Rothglühen verschwand. Cyan- 


*) Es wurde die Crusta petrosa des Rhinoceros untersucht, welche in manchen Fäl. 
len eher das Ansehen eines fremdartigen Überzugs, als eines integrirenden Be- 
standtheils der Zähne hat, v. GuTB, 


148 


Eisen-Kalium bewirkte sogleich eine blaue Färbung, Schwefelsäure einen 
körnig-krystallinischen Niederschlag und Ammoniak einen gallertartigen 
weissen Niederschlag. Weder die sauer salpetersaure noch die basisch 
salzsaure Lösung wurden durch Schwefelwasserstoff verändert. Das 
Verhalten der Crusta petrosa zu den chemischen Reagentien ist demnach 
ganz identisch mit denjenigen der Zähne selbst. Sie enthält dieselben 
Bestandtheile, nämlich: 

Basisch-phosphorsaure Kalkerde, 

Kohlensaure Kalkerde, 

Eisen und 

Knorpel, wahrscheinlich aber auch etwas 

Flusssaure Kalkerde und 

Phosphorsaure Talkerde, welche aber wegen der ge- 
singen Menge verhandener Substanzen nicht nachgewiesen werden | 
konnten, Es ergibt sich aus diesen Versuchen, dass man diese Crusta 
petrosa als eine Zahn-Substanz anzusehen hat. Der Schmelz der Zähne 
besitzt viel weniger oder fast gar keine animalischen Theile; gefunden 
wurden: 


in den Fangzähnen in den Zähnen 
des Nilpferdes des Ochsen 
Organische Materie . i 0,251 - 0,280 
Phosphorsaure Kalkerde . 0,720 ‘ 0,640 
Kohlensaure Kalkerde . 0,029 : 0,080 


Über 
die Untersuchung fossiler Stämme 
holzartiger Gewächse, 


von 


Hirn. Professor UNGER 


in Grältz. 


m 


Es ist noch nicht lange, seitdem man angefangen hat, 
die fossilen Holz-Stämme auch in Bezug auf ihre anatomi- 
sche Struktur einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. 
Leider wurde dieselbe nur zu häufig durch den minder voll- 
kommenen Zustand von derlei Stämmen vereitelt; und wenn 
sich auch die Rinde derselben erhalten hatte, so zeigte sich 
das Innere meist zerstört, und umgekehrt war mit der Er- 
haltung des innern Holz-Theiles gewöhnlich die Vernichtung 
des äusseren Theiles verknüpft, so dass es vorzugsweise 
diesem Umstande beizumessen ist, wenn die Untersuchung 
fossiler Hölzer bisher den Gewinn für die Kenntniss vor- 
weltlicher Gewächse noch nicht gewährt hat, den man allen- 
falls erwartete, Indess ist nicht zu verkennen, dass dem- 
ungeachtet auf diesem Wege schon Vieles ‚geleistet worden, 
und dass die Auffindung mehrer ganz fremder Typen der 
Struktur, wozu sich keine Anolaga in der Vegetation der 
Jetztwelt finden und die offenbar gewisse verbindende Mittel- 
glieder darstellen, für die Anatomie der Gewächse von eben 


i50 


so grossem Belange ist, als sie der Petrefakten-Kunde zur 
sicheren Grundlage und wahren Erweiterung dient. 

Gewisse anatomische Verhältnisse, die wir an Stämmen 
und Stamm-Theilen von fossilen Pflanzen wahrnehmen, las- 
sen über die Bestimmung und Stellung derselben im Ge- 
wächs-Reiche keinen Zweifel; sie sind so ausgezeichnet, 
dass wir auf den ersten Blick die Familie, in mehren an- 
deren Fällen wenigstens die nächste Verwandtschaft mit ir- 
gend einer derselben zu bezeichnen im Stande sind, der 
sie angehören. Dahin sind z. B. zu zählen, die anatomischen 
Verhältnisse der Lepidodendren, der Farne, der Psa- 
ronien,derSigillarienundStigmarien,derKalamiten, 
der Palmen, ja selbst der Cycadeen und der Koniferen. 

Ganz anders verhält sich die Sache bei der grossen 
Abtheilung dikotyledonischer Gewächse, welche bei weitem die 
Mehrzahl der dermalen bekannten Pflanzen-Familien in sich 
fasst, — Familien, die sich in ihrem Blüthen- und Frucht- 
Bau zwar hinlänglich von einander unterscheiden, deren 
innerer Bau der Pflanzen-Achse jedoch nach den bisherigen 
Erfahrungen wenig auffallende Unterschiede darbietet. Und 
doch ergeht für den Paläontologen auch hier die Anforde- 
rung, nicht bei jener allgemeinen Bezeichnung stehen zu 
bleiben, sondern die Familie, ja wo möglich selbst die Gat- 
tung zu ergründen, welcher der fossile Stamm-Rest angehört 
haben mag. Ob nun eine so genaue Bestimmung für fossile 
Dikotyledonen-Hölzer überhaupt möglich, ob dieselbe nur 
approximativ und in welcher Art sie auszuführen sey, diess 
mag der Gegenstand nachfolgender Betrachtungen seyn, an 
welche ich mir das nähere Detail der auf diesem Wege 
bisher erlangten Kenntnisse anzuknüpfen erlaube. 

Wie bereits bemerkt, stehen die Akotyledonen, Mono- 
kotyledonen,, ja selbst die naektsaamigen Dikotyledonen von 
den übrigen Dikotyledonen bezüglich der Struktur des Stam- 
mes so weit ab, dass bei fossilen Gewächsen dieser Ab- 
theilungen, wo sich Stamm-Theile derselben in einem nur. 


einigermaasen erkennbaren Zustande erhalten haben, ‘die 


151 


Unterscheidung , welcher dieser Abtheilungen des Gewächs- 
Reiches sie angehören, keinen Schwierigkeiten unterliegt. 
Auf ungleich grössere Hindernisse stösst man hingegen, wenn 
es sich darum handelt, aus den Stücken eines fossilen Diko- 
tyledonen-Holzes auf die Gattung oder auch nur auf die 
Familie zu schliessen, der sie angehört haben mögen. Noch 
hat die vergleichende Pflanzen - Anatomie so wenige Fort- 
sehritte gemacht, dass man keineswegs auch nur von dem 
kleineren Theile der dikotyledonischen Pflanzen-Familien den 
anatomischen Charakter des Stammes anzugeben im Stande 
ist. Wie sollte man denn aus kleinen mangelhaften Trüm- 
mern des Holzkörpers einer fossilen Pflanze, von der man 
weiter nichts kennt, auf ihre Gesammt-Beschaffenheit und 
somit auf den ihr zukommenden Familien-Charakter schlies- 
sen können $ Man sieht hier leicht ein, dass, um in diesem 
Theile der Petrefakten-Kunde ins Reine zu kommen, die 
vergleichende Phytotomie die nöthigen Vorarbeiten erst ge- 
liefert haben muss. Doch würde diess jedenfalls zu lange dauern, 
wollte man dieses Feld der Petrefakten-Kunde indess brach 
liegen lassen und erst dann zu bearbeiten anfangen, wenn 
die vergleichende Anatomie jene gewünschten Fortschritte 
gemacht hat. Im Gegentheile scheint gerade die gemein- 
' same Bearbeitung beider für die eine Wissenschaft sowohl, 
wie für die andere am gedeihlichsten zu seyn, indem sie 
sich nothwendig gegenseitig fördern müssen, wenn anders 
die Methode, die man dabei wählt, die richtige ist. 

Meines Erachtens können wir uns unmöglich dabei be- 
gnügen, die fossilen Dikotyledonen-Hölzer bloss ihrer Struk- 
tur nach kennen zu‘ lernen, sie dieser gemäss zu gruppiren 
und nach willkührlich zusammengefassten Gattungs-Charakteren 
mit eigenen Gattungs-Namen u. s. w. zu bezeichnen. 

Wir würden dabei unstreitig nur ein künstlich erson- 
nenes Gebäude konstruiren, das mit dem natürlichen Bau- 
werke der vegetabilischen Schöpfung auf keine Weise zu- 
sammenstimmen würde , ja, zwischen welchen selbst nicht 
einmal eine Vergleichung möglich wäre, Eine solche Arbeit, 


152 


und wäre sie auch noch so mühsam, könnte sicherlich keinen 
Nutzen stiften; sie müsste vielmehr zu neuen Arbeiten auf- 
fordern , bis nämlich die Haupt-Aufgabe, d. i. die Zurück- 
führung solcher Formen auf bekannte Typen der Jetztwelt 
oder ihre Analogen erreicht ist. 

Es bleibt demnach für die Untersuchung der fraglichen 
Hölzer kein anderer Weg als der der Vergleichung übrig, 
und nur auf diesem Wege kann man erwarten, Einklang 
zwischen Vor und Jetzt zu bringen, d.i. diese fossilen Kör- 
per ihrem wahren organischen Werthe nach kennen zu 
lernen, 

Fassen wir nun die Erfordernisse einer glücklichen 
Enträthselang fossiler Hölzer überhaupt und namentlich der 
Dikotyledonen-Hölzer zusammen, so gehen sie offenbar 

a. auf eine möglichst deutliche Darstellung des Baues 
derselben; | 

b. auf eine Vergleichung dieser Struktur mit jener von 
jetzt lebenden holzartigen Gewächsen; | 

c. auf eine aus der theilweisen oder gänzlichen Über- 
einstimmung‘ beider abgeleitete Diagnose und Nomenklatur 
derselben. 

Zu diesem Zwecke zu gelangen sind indess oft lange, 
mitunter schwierige und zeitraubende Vorarbeiten erforder- 
lich, und namentlieh ist die für die mikroskopische Unter- 
suchung nöthige Präparation der fossilen Hölzer eine Arbeit, 
die am meisten Geduld erfordert. 

a. Ungeachtet ich mich mit diesem Gegenstande schon 
mehre Jahre mit grosser Vorliebe beschäftige, so ist es mir 
bisher doch noch nicht möglich geworden, von jedem fossi- 
len Holze für die mikroskopische Untersuchung geeignete 
Präparate anzufertigen, und wenn ich auch über manche 
in der Natur des Fossiles gelegene Hindernisse glücklich 
hinweggekommen bin, so habe ich doch andere bisher nicht 
überwinden können. 

Härte, Undurchsiehtigkeit, Durchdrungenseyn von fremd- 
artigen Substanzen u. s. w. bieten wenig Hindernisse dar; 


153 


dagegen Mürbheit, der Gehalt an Wasser, die Folgen gros- 
ser Quetschungen u. dgl., so dass eben dadurch die Stein- 
und Braun-Kohle viel schwieriger in Bezug auf ihre Struktur 
und wahrscheinliche Abkunft zu untersuchen ist, als ver- 
kieselte oder von Kalk durchdrungene Hölzer. 

Nur von sehr wenigen fossilen Hölzern können für eine 
- vollständige anatomische Untersuchung mit dem Hammer ge- 
schlagene Splitterehen genügen; in den bei weitem meisten 
Fällen ist man genöthiget eine umständlichere technische 
Behandlung einzuschlagen, wenn man seinen Zweck er- 
reichen will. | 

Vor längerer Zeit war es im Gebrauche, fossile Hölzer 
auf irgend einer beliebigen Fläche anzuschleifen und diese 
zu poliren. In den meisten Sammlungen finden sich der- 
gleich@n angeschliffene Hölzer; allein wenn diess auch in 
manchen Fällen, besonders wenn die Schnitt-Fläche den 
Stamm senkrecht traf, über das Gefüge desselben einigen 
Aufschluss gab, so war es dennoch weit entfernt, auf die 
‚gesammte Struktur derselben einen Schluss zu erlauben. 

Niıcor hat zuerst den glücklichen Versuch gemacht, so 
dünne Sehnitte von fossilen Hölzern anzufertigen, dass sie 
mittelst durchfallenden Lichtes unter dem Mikroskope unter- 
sucht werden konnten ; er begnügte sich übrigens nieht da- 
mit, bloss einen Hirn-Sehnitt zu liefern, sondern fügte seinen 
Präparaten namentlich von Koniferen und Dikotyledonen 
überdiess noch die zwei senkrecht auf einander geführten 
Längen-Schnitte bei, wodurch erst eine vollständige Kenntniss 
der Struktur derselben möglich wurde, Die Resultate die- 
ser Behandlung fossiler Hölzer hat sowohl er selbst als 
Wıruam veröffentlichet. 

Seitdem hat auch Ano. Pritcnarp*) dergleichen Prä- 
parate mit grosser Kunstfertigkeit ausgeführt, und da die- 
selben käuflich zu haben waren , so liess ich es mir ange- 
legen seyn, mir einen grossen Theil derselben zu verschaffen. 
Diese Präparate sollten mir als Muster dienen, um darnach 


”) Optieian (Fleet-Street, London), p. 162. 


154 


selbst welche zu verfertigen, was mir um so leichter schien, 
als ich theils in H. Wırsams Werk *), theils in Prırcuarp’s‘ 
Schriften”*) einiges Nähere über die Anfertigung solcher 
Präparate zu finden hoffte. 

Leider war diess nicht der Fall, und eben so wenig 
liess sich aus der Betrachtung der Präparate selbst etwas 
Sicheres über die Methode der Verfertigung entnehmen, so 
dass ich genöthiget war, den mühsamen Weg hundertfältiger 
Versuche selbst einzuschlagen. Jetzt, wo ich meinem Ziel, 
wenn ich es auch nicht ganz erreicht, doch ziemlich nahe 
gekommen zu seyn glaube, möchte eine kurze Mittheilung 
dessen, wie ich dazu gekommen, wenigstens für denjenigen, 
der sich mit den gleichen Studien beschäftiget, nicht unwill- 
kommen seyn. Die grösste Schwierigkeit macht das Her- 
unterschneiden von dünnen Schnittehen oder Scheibehen aus 
dem rohen Stücke des fossilen Holzes. Bei allen härteren 
Hölzern wird man ungeachtet des grösseren Zeitaufwandes 
doch noch eher zum Ziele gelangen, als bei ganz weichen 
und zerklüfteten, welche vorher durch eine Bindemasse, 
welche in die kleinsten Fugen und Klüfte eindringen muss, 
zusammenhbängender gemacht werden sollen. — Zuerst ist 
der horizontale oder Hirn-Schnitt auszuführen, der gewöhn- 
lich dureh die Richtung der hervorspringenden Fasern an- 
gedeutet wird. Ist man durch diesen über die Lage der 
Jahres-Ringe und der Markstrahlen unterrichtet worden, so 
macht man dann die der Rinde und den Markstrahlen pa- 
rallelen Schnitte. Die Grösse dieser Schnitte oder Scheib- 
ehen variirt und richtet sich im Allgemeinen nach der Grösse 
des fossilen Holz-Stückes, nach der Konservirung einzelner 
Stellen derselben und nach der Ausdehnung und Eieganz, 
die man überhaupt seinen Präparaten geben will; die an- 
fängliche Dieke der Scheibehen soll aber durch die Härte 


und Gleichförmigkeit des Fossiles bestimmt werden. Bei 


*”) The internal structure of fossil vegetables etc., Edinburgh 1833, 4°, 
”*) The microscopie cabinet, London , 1832, 8°, und A list of 2000. 
microscopie objects u. 8. w. 


155 


harten Hölzern ist die Dicke von 1 Millimeter hinlänglich, 
bei weicheren und mehr zerklüfteten Hölzern ist es ge- 
rathen sie etwas dicker zu schneiden, Übrigens werden 
alle Schnitte und Scheibehen mittelst eigener Schneidschei- 
ben, wie sie Steinschneider zu demselben Zwecke anwenden, 
‚im rohen Zustande verfertiget. Da selbst an den härtesten 
Holzsteinen die Ausführung des dem ersten Schnitte paral- 
lelen Schnitts und dadurch das Zustandebringen von dünnen 
Plättehen oder Scheibehen ohne weitere Vorbereitung miss- 
lingt, so ist es nothwendig nach Ebnung der ersten Schnitt- 
Fläche auf diese einen dickeren Glas- Streifen oder ein 
Schiefer-Plättehen aufzukitten. Als Kitt kann man sich hie- 
bei des Mastixes oder einer Composition von 4 Theilen 
weissen Wachses, 2 Theilen Mastix in Körnern und 1 Theil 
reinen Colophoniums, die man wohl vermengt zusammen- 
schmelzen lässt, bedienen, wobei nur zu bemerken, dass 
beide Theile, die man vereinigen will, vorher über einer 
schwachen Gluth warm gemacht werden müssen. Dieser 
zweite dem ersten paralleie Schnitt ist aber auch auf diese 
Weise noch immerhin schwer auszuführen. Steinschneider 
bringen ihn ohne Weiteres mit freier Hand zu Stande, Un- 
geübte werden ihn vergebens zu machen versuchen ; ihre 
‚Hand hat weder die nöthige Festigkeit, noch Kraft zu die- 
ser Operation. Um jedoch auch Solchen die Untersuchung 
fossiler Hölzer möglich zu machen, habe ich nach Angabe 
der HH. Professoren v. AscHAUER und SCHRÖTTER eine Art 
‚Support verfertigen lassen, in welchem das Fossil ein- 
gespannt und mittelst leichten Druckes stets in der- 
selben Richtung der in Umlauf gesetzten Schneidscheibe 
entgegengeschoben wird, bis dieselbe immer tiefer eingrei- 
fend nach und nach den Abschnitt vollführt. — Ist das 
Stück fossilen Holzes zu klein, um in den Support einge- 
spannt werden zu können, so wird dasselbe durch einen 
groben Kitt, bestehend aus 4 Theilen Colophonium, 3 Theilen 
Ziegel-Mehl und 1 Theil dickflüssigen Terpentins, an ein 


156 


Holz-Klötzchen von beliebiger Grösse angeheftet, und dann 
wie oben verfahren, 

Hat man sich auf diese Weise die drei wesentlichen 
Durchsehnitte des fossilen Holzes in Form dünner, auf Glas- 
oder Schiefer - Streifen befestigter Plättehen verschafft, so 
beginnt erst ihre fernere Zurichtung für das Mikroskop. 
Das Erste und Wichtigste, was nun zu geschehen hat, das 
ich aber leider zur Ersparung meiner darauf verwendeten 
Zeit zu spät erkannte, ist die völlige Ebnung der freien 
Fläche der erwähnten Plättehen, was nur mittelst vollkom- 
mener Plan-Scheiben aus Glocken-Metall oder Gusseisen dureh 
Reiben mit der freien Hand bewerkstelliget werden kann. 
Gewöhnliche Schleif-Scheiben, die vertikal gestellt durch 
ein Schwungrad in drehende Bewegung gesetzt werden, 
lassen, 'wenn sie auch anfänglich gut zugerichtet sind, mit 
dem längeren Gebrauche immer grössere Unebenheiten zu- 
rück, und können an dem daran geriebenen Steine nie eine 
vollkommen ebene Fläche zu Stande bringen; und doch ist 
diess eine unerlässliche Bedingung für das Gelingen eines 
Präparates. Sind nun auf gedachte Weise die Flächen eben 
gemacht, so werden sie mit feinem Schmirgel zuletzt abge- 
schliffen; es ist aber nicht nöthig, dass sie auch polirt wer- 
den. Endlich werden die so vorbereiteten und von dem 
anhängenden Schmirgel durch Bürsten gut gereinigten Plätt- 
chen von ihren Unterlagen abgenommen, was ganz leicht 
durch eine sachte Erwärmung derselben geschieht. 

Jetzt werden die vorerwähnten drei zusammengehöri- 
gen Plättehen mittelst des angegebenen Wachs-Kittes auf 
schmale, längere oder kürzere Streifen, von wenigstens 3 
Millimeter dickem Spiegel-Glase aufgetragen, und wird da- 
bei mit aller Sorgfalt verfahren, damit zwischen dem. Glase 
und dem Fossile keine grössere Ansammlung der Kitt-Masse 
oder irgend eines fremden Körpers zurückbleibt. Ein voll- 
kommenes Gelingen dieser Operation erfordert viele Übung, 
'und nur nacli vielen Versuchen lernt man 'manehe dabei 
vorkommende Hindernisse besiegen. Die Anwendung der 


157 


angegebenen Kitt-Masse ist hier von Wichtigkeit, denn we- 
der Mastix noch Canada-Balsam oder irgend ein anderes 
Binde-Mittel, wie z. B. Wasser-Glas, eine Auflösung von 
Schelllack u. a. m., entsprechen dem Zwecke und der fer- 
neren Behandlung des Präparates, und ich habe ausschliess- 
lich das Gelingen derselben erst der Anwendnung jenes zu- 
erstgenannten Kittes zuzuschreiben. Durch diesen Kitt wer- 
den, die Plättchen mit dem Glase so innig verbunden, dass 
jede fernere Behandlung sie nicht zu trennen vermag, aus- 
ser man beabsichtigt geradezu eine Trennung, welche seo- 
gleich durch ein leichtes Erwärmen des Glases erfolgt. 

Sind nunmehr die Plättehen auf dem Glas-Streifen kunst- 
gemäss aufgetragen, so werden sie zusammen auch auf der 
andern, jetzt freien Seite so lange auf einer durch ein 
Schwungrad in Bewegung gesetzten und vertikal-um ihre 
Achse sich drehenden Lauf-Scheibe abgeschliffen, bis sie 
dünn genug sind, um das Licht durchfallen zu lassen. Da 
dieses, wie alles andere Schleifen durch Anwendnung von ge- 
pulvertem und geschlämmtem Schmirgel in Ausführung gebracht 
wird, so geschieht es sehr leicht, dass mit zunehmender 
Dünne der aufgekitteten Plättchen die Ecken und Ränder 
der Glas-Streifen ebenfalls angeschliffen werden, oder zum 
Mindesten doch dort und da Ritze erhalten. Um diesem 
Übelstande vorzubeugen, ist es gut: 1) den Glas-Streifen 
selbst eine den aufgeklebten Plättehen angemessene Grösse 
zu ertheilen, d. i. die Ränder jener nicht über diese zu weit 
vorstehen zu lassen; 2) die Glas-Streifen in ihrer ganzen 
Ausdehnung mit jenem Kitte zu überziehen; 3) eine wo 
möglich nicht sehr ausgeschliffene und unebne Schleif-Scheibe 
zu gebrauchen, und endlich 4) nur einen ziemlich fein ge- 
schlämmten Schmirgel anzuwenden. Hat man diess Alles 
befolgt, so wird man in der Regel nieht Gefahr laufen mit 
dem Fossile auch die Folie desselben abzuschleifen. 

Die Frage, bis zu welcher Dünne man die Plättchen 
zuschleifen soll, erheischt jedenfalls eine Berücksichtigung 
der Natur des Fossiles. Sehr opake Hölzer müssen 


158 


"immerhin dünner gemacht werden, als transparente und 
durchsichtige. Ä 

Als Regel kann indess gelten, dass_die Blättehen so 
“dünn seyn müssen, bis eine darunter gelegte Schrift leser- 
‘lich wird. Es versteht sich aber von selbst, dass, falls 
“auch ein Schnittchen des Präparates eher durchscheinend 
“wird als’das andere, mit der Zuriehtung doch so lange fort- 
' gefahren werden muss, bis auch die übrigen Schnitte. diese 
'Eigenschafterlangen. Gewöhnlich zeigt sich der den Markstrah- 
‘len parallele Schnitt aus begreiflichen Gründen am längsten 
undurchsichtig und nöthigt daher auch die übrigen dazu gehöri- 
gen Plättehen bis zur Papier-Dünne und darunter abzu- 
‘schleifen. Das letzte Verdünnen kann eben so wenig als 
‘das frühere Planschleifen der Kehr- Seite auf der Lauf- 
“scheibe vollzogen: werden, sondern muss durch die Hand 
‘auf der horizontal-liegenden Planscheibe bewerkstelliget 
werden. Bei dieser Operation geschieht es zuweilen, dass 
“unter stärkerem Temperatur - Wechsel und sonstigen Um- 
"ständen der Kitt stellenweise nachlässt. Gewahrt man die- 
"ses, so ist es Zeit, das Schleifen sogleich zu unterbrechen, 
“wenn man nicht Gefahr laufen will, die Plättehen abgerissen 
‘und zertrümmert zu sehen. Ein sachtes Erwärmen des 
‘Glas - Streifens bis zur Flüssigmachung des Kittes bringt 
‘Alles wieder in Ordnung, ja trägt sogar zur stärkeren Be- 
"festigung desselben auf dem Glase bei. — Ist das Präparat 
mit feingeschlämmtem Schmirgel auf der Planscheibe zuletzt 
‘behandelt worden und hat das Verdünnen ein Ende, so 
“nimmt man den überflüssigen Kitt am Rande mit einem Mes- 
‘ser weg und schreitet zum Poliren, Dieses fordert grosse 
“Behutsamkeit, wenn nicht alle frühere Mühe umsonst an- 
gewendet seyn soll. Obgleich ich in diesem Punkte noch 
| keineswegs zur Meisterschaft gelangt bin, so glaube ich doch 
mein Verfahren anempfehlen zu können, weil es mich immer 
'zum Ziele führte. Ich polire mit feingeschlämmtem Trippel, 
‘womit ich einen angefeuchteten Tuch-Lappen mit ebener 


159 


Unterlage bestreiche, und auf welchem ich das Präparat mit 
der Hand in kreisender Bewegung, ohne stark zu (drücken, 
in. kleinen Unterbrechungen abreibe. Ein vollkommenes 
Troekenwerden des Tuch-Lappens ist wohl zu vermeiden, 
weil hiebei ein Erwärmen des Kittes und die Ablösung des 
‚einen oder des andern Blättehens ‚erfolgen würde. Ist auch 
diess geschehen, so werden die Ränder des Glases gehörig 
zugeschliffen; und das Pr 'äparat ist bis zur Reinigung vom 
"überflüssigen Kitte vollendet. Diess geschieht, indem man 
es vorerst im Wasser durch feine Bürsten abwäscht und 
endlich mit irgend einem fetten Öle vollkommen reiniget.. 
Aus den meisten Präparaten des Hrn. PrıTcHaßD. ist er- 
siehtlich, dass die Scheibehen auf irgend einer. andern Un- 
terlage in dieser Feinheit zugeschliffen und. polirt worden, 
bevor sie auf den Glas-Streifen aufgetragen werden, wo sie 
für immer verbleiben. Allerdings geht diess bei vielen fos- 
silen Hölzern an, die nicht bis zur grössten ‚Dünnheit zu- 
geschliffen werden. müssen und die überdiess durch keine 
Risse zerklüftet sind. Ist dieses aber, wie gewöhnlich, der 
Fall, so wird man besser thun, die ganze Verdünnung der 
Plättchen u. s. w. erst auf den Glas-Streifen selbst zu be- 
werksielligen. Bei weichen Hölzern thut man ‚sogar gut, 
über die Plättchen noeh einen gleichen Streifen sehr dün- 
nen Spiegel-Glases mittelst Canada-Balsam zu kleben, um 
sie nicht nur durchsichtiger zu machen, sondern engleich 
auch zu schützen. 
Auf diese Weise habe ich durch längere Zeit eine 
Menge derlei Präparate angefertigt, welche gegenwärtig die 
Zahl von ein paar Hunderten schon übersteigt., Es: ist na- 
türlich, dass diess mit vielen Zeit- Opfern verbunden war, 
die ich mir jetzt in den meisten Fällen dadurch erspare, 
dass ich die langwierigste Arbeit, das Anfertigen der rohen 
Plättcehen, einem Steinschneider überlasse , dem :ich bei je- 
dem Fossile die zu fertigenden Schnitte genau vorzeichne. 
Das Zurichten muss man jedoch immer selbst vornehmen, 
Jahrgang 1842. 'ıl 


160 


und diess’ist auch keine so Zeit-raubende Arbeit, wie man 
glauben könnte *). h 

b. Ich gehe nun zur "Erörterung des zweiten Punktes 
über, nämlich zur Vergleichung der Struktur fossiler Höl- 
zer mit jener von lebenden Pflanzen. Eine Darstellung des 


Bäues fossiler Hölzer, wenn sie auch noch so detaillirt wäre, 


würde dennoch gänzlich ünfruchtbar seyn, wenn dieselbe 
nieht in steter Beziehung zu den gegebenen Verhältnissen 
der Jetztwelt aufgefasst wäre. Vergleichung ist däher einnoth- 
wendiges Erfordeiniss, und es soll hier vorzugsweise davon 
die Rede seyn, äuf welche Art eine solche Vergleichung aus- 
geführt werden känn. Um überhaupt Vergleichungen der 
Art anstellen zu können, sind Sammlungen von Stämmen 
oder Stamm-Stücken baumartiger Gewächse, als von Far- 
nen, Palmen u. a. Monokotyledonen, von Cycadeen, 
Köniferen und Dikotyledonen eine wmerlässliche Be- 
dingung. Um indess solche Vergleichungen bei dem Mangel 
nöthiger anatomischer Vorarbeiten zweckmäsig anstellen zu 
können, hälte ich für erspriesslich, sich auch von diesen 
Präpärate anzufertigen, welche nebst dem Vortheile einer 
genaueren Einsicht in den innern Bau zugleich die Schnel- 
ligkeit des Überblickes und der Vergleichung gewähren. 
jahre in dieser Beziehung hat PriTcHärD ausgezeichnete Prä- 

pärate geliefert, die auf folgende Weise eingerichtet sind. 
Es sind Papier- dünn geschnittene Plättehen von 10—15 
Millimeter Länge und Breite, welche zwischen zwei am 
Rande durch Siebelläck zusämmengekittete dünne Spiegel- 
Gläser aufbewahrt werden. Je drei nach den wesentlichen 
Dimensionen gemächte Schnitte werden zusammen zwischen 
zwei Glas-Streifen gelegt und bilden einen für die mikroskopi- 
sche Untersuchung geeigneten Gegenstand. Hierbei erlangt 


*) Einige mir gütigst mitgetheilte Muster vom Vf. auf diese Weise 
zubereiteter Hölzer übertreffen an Deutlichkeit und Zierlichkeit Al- 
les, was ich in dieser Art bis jetzt gesehen. Schon das unbe- 
waflnete Auge unterscheidet organische Bestandtheile des Holzes 
deutlicher, als sonst bei schwacher*Vergrösserung. Br. 


161 


man freilich über die Struktur des Rinden-Körpers zunächst 
keinen Aufschluss; doch hat diess für obigen Zweck um so 
weniger zu bedeuten, da auch bei den fossilen Hölzern nur 
in den allerseltensten Fällen die Rinde mit dem Holz-Körper 
erhalten ist. 

Diese Schnittehen Baba durch eine eigene Maschine 
mit grosser Schnelligkeit verfertiget; nur ist erforderlich; 
dass deren Messer von ausgezeichneter Güte sind und stets 
sehr seharf erhalten werden. Ich halte es für überflüssig 
eine nähere Beschreibung dieser Maschine anzugeben und 
bemerke nur, dass ich zur grösseren ‚Deutlichkeit für 
die mikroskopische Untersuchung es geeignet finde, diese 
Schnittehen nicht trocken, wie diess PrırcuarD thut, einzu- 
legen, sondern den ganzen Zwischenraum zwischen den bei- 
den Gläsern mit Wasser zu füllen, die dabei stets dazwi- 
sehen gerathende und im. Gewebe der Hölzer selbst ent- 
haltene Luft aber mittelst einer Luft-Pumpe zu entfernen, 
Ist man nieht im Besitze einer Luft-Pumpe, so lässt sich 
eine weite Barometer-Röhre von 20 Millimeter Weite zu 
diesem Zwecke ebenfalls anwenden. Man lässt dann das 
fertige - Präparat , in dessen Rande von trocknem Sigellack 
man eine Öffnung macht, durch das Quecksilber in das Va- 
euum aufsteigen; in welches man vorher etwas Wasser ge- 
bracht hat. Nach Entfernung der Luft, die durch das 
Wasser ersetzt wird, verkittet man wieder die gemachte 
Öffnung. ©. 

Eine Sammlung von solchen Präparaten aus allen Fa- 
milien und Gattungen Holz-artiger Gewächse, besonders der 
Dikotyledonen, ist für die Vergleichung fossiler Hölzer un- 
erlässlich. 

e. Endlich den de Punkt betreffend, wie eine 
che Vergleiehung anzustellen, und auf welche Art für die 
Wissensehaft brauchbare Resultate gewonnen werden kön- 
nen, Slaube ich auf folgende Weise beantworten zu müssen, 

Es ist auf den ersten Blick ersichtlich, dass bei einer 


Vergleichung von Gewächsen,, seyen sie in was immer für 
11* 


162 


einem Zustand, wo uns nur einige wenige Theile zu Ge- 
bote stehen, ganz genaue Resultate niemals erzielt werden 
können. Immerhin wird man sich begnügen müssen, appro- 
ximative Aufschlüsse zu erhalten. Diess ist aber auch bei 
Vergleichung lebender und fossiler Hölzer der Fall, und 
‚wenn man auch die Familie oder selbst die Gattung aus die- 
sen Merkmalen zu bestimmen im Stande seyn wird, so 
dürfte das jedenfalls nur für die Minderzahl der Gewächse 
gelten. Freilich kommen uns bei dieser Bestimmung die 
Beachtung mehrer anderer Umstände zu Gute, z. B. die 
einer Formation, oder einem und demselben Lager gleich- 
zeitig zukommenden übrigen Pflanzen-Reste, wie Blätter; 
Früchte u. dgl. Bei den Koniferen- und Dikotyledonen- 
Hölzern, die wir hier etwas näher betrachten wollen , sind 
‚überdiess eine grosse Menge von Verhältnissen zu berück- 
sichtigen, wodurch wir die Vergleichungen und Unter- 
'scheidungen bis ins kleinste Detail zu verfolgen im Stande sind. 

Auf die Bestimmung angewandt haben diese Merkmale 
einen verschiedenen diagnostischen Werth, der, obgleich im 
Allgemeinen sich gleich bleibend, dennoch durch den Cha- 
rakter der Familie häufig modifizirt wird. Mit ‚Ausnahme 
der Koniferen ist das Holz aller durch eine Vegetatio. peri- 
pherico-terminalis ausgezeichneten Gewächse aus einer Kom- 
-bination dreier Formen von Elementar-Theilen zusammen- 
gesetzt, nämlich der Gefässe, der Prosenchym- und der 
Parenehym - Zellen. Ihre Anordnung im Stamme tritt als 
Jahres-Lager, als Mark und Markstrahlen in die Erscheinung, 
und so wie diese in den verschiedenen Gewächsen auf die 
vielfachste Weise innerhalb gesetzlicher Grenzen abändert, 
sind auch die Elementar-Theile den manchfaltigsten Form- 
Verschiedenheiten unterworfen. Der nachstehende Über- 
blick über diese Verhältnisse mag das Gesagte bestätigen, 
zugleich aber auch einen Anhalts-Punkt für eine bisher 
noch nicht vorhandene Terminologie geben. 


163 


I. Die Jahres-Lagen des Holzes (strata ligni concentrica) sind 
a. Rücksichtlich ihres Vorbandenseyns oder Fehleus: 


1) deutliche (distinct4), wenn dieselben dem bewaffneten sowohl, 
‘als dem unbewaffneten Auge im Queerdurchschnitte des Stammes als 
deutliche Ringe erscheinen. Die meisten Holz-Arten der Jetztwelt und 
der Tertiär-Formation. 

2) undeutliche (minus conspicua), wenn die Abgrenzung zweier 
aufeinanderfolgender Lagen weniger deutlich hervortritt: Araucaria, 
'Thuyoxylum, Peuce Brauniana, P. Hoedliana. 

3) keine (nulla): das Holz wächst nicht absatzweise in Schichten, 
‚sondern gleichförwig an, Nur an fossilen Pflanzen: Pitus, Pivites. 

Der Holz-Körper bietet eine ununterbrochene Vereinigung von Ele- 
mentar-Theilen dar, und was uns als Abgrenzungen oder Lager erscheint, 
geht nur &us der verschiedenen Grösse, welche dieselben in gewissen 
Zeit-Räumen aunehmen, hervor. Mit jedem Aufschwunge der Vegetation, 
die sowohl durch Trockniss als durch Erniedrigung der Temperatur 
einen scheinbaren Stillstand erfährt, bilden sich an der ganzen Peri- 
pherie des Stammes die grössten Elementar-Theile, d. i. solche, welche 
das grösste Lumen haben, auf welche den Sommer über oder während 
der Vegetations-Zeit immer kleinere folgen, bis nach dem Stillstande im- 
mer wieder jene Schichten von Neuem anheben. 


b. Rücksichtlich ihrer Grösse: 

1) breite (lata): über 2’ breit; ® 

2) schmale (anguste): 1“'—2''' breit; und 

3) sehr schmale (angustissima): unter 1°’ breit. 
Es ist bekannt, dass die Breite der Jahres-Ringe an einer Pfianzen- 
Art nach Verschiedenheit der Individuen, nach ihrem Alter, — ferner, 
dass dieselben in einen und demselben Stamme, ja selbst in dem näm- 
lichen Jahres-Ringe sehr ungleich ist, und dass hierauf der Standort, 
der Boden, die Richtung nach der Welt-Gegend, die Bewurzelung, der 
Wechsel trockner und feuchter Jahre, so wie das Alter der Pflanzen 
einen regelmäsigen,, oft schr genau zu bemessenden Einfluss ausübt. 
Dessungeachtet ist nicht zu verkennen, dass die grössere oder geringere 
Breite der Jahres-Lagen oder Ringe von der spezifischen Beschaffenheit 
der Gewächse abhängt, und dass jede Art ein Breiten-Maas der Jahres- 
Ringe besitzt, über und unter welches ihre Produktivität nie hinausgeht. 


ec. Rücksichtlich der Verbreitung und Ausdehnung: 

1) gleichmäsige (aequabilia): nach allen Seiten beinahe gleichbreit. 

2) ungleichmäsige (inaequabilia): das: Gegentheil des Vorhergehen- 
den; z. B. Juuipuerus communis, J. Sabina, Tbuja u. s. w. Bei fos- 
silen Hölzern darf man die durch Quetschung ungleich gewordenen 
Schichten nicht damit verwechseln. 

3) unterbrochene (interrupta): anfänglich gleich- oder ungieich- 
mäsige Jahres-Lagen setzen sich im Alter nach aussen nur stellenweis® 
fort: Rosmarinus offieinalis. 


164 


ll. Das Mark oder der Mark-Körper (Medulla's. Corpus medul- 
lare), aus parenchymatischen Zellen bestehend, ist 


‘a. rücksichtlich der Zusammensetzung: 
1) gleichartig (pura): aus blossen, wenig von*einander verschie- 
denen Parenchym-Zellen bestehend. \ 
2) untermischt (mixta): von einzelnen zerstreuten Gefäss-Bündeln 
durchzogen, wie bei Echinocactus, Leptogonus, Echeveria grandiflora, 
Mirabilis, Oxybaphus, Plantago princeps, Amaranthus, is; dioica, 
Piper u. s. w. 


b. Rücksichtlich der Ausdehnung: ee 
1) sparsam (parca): die Breite des Markes verschwindet gegen die 
Ausdehnung des Holz-Körpers; — in den meisten Fällen. 


2) umfangsreich (larga): der Mark- Zylinder nimmt einen bedeu- 
'tenden Antheil an der Bildung des Stammes: Pinites medulläris. 


1lI. Die Markstrahlen (radii medullares): vertikal stehende, das 
Mark mit dem Rinden-Körper theilweise verbindende band-förmige, 
biconvexe Streifen parenchymatischer Zellen sind in allen Stämmen 
vorhanden und bilden vielerlei Formen, die wir unterscheiden 


a. Nach der Zusammensetzung in 

1) gleichartige (similares) aus einerlei Zellen zusammengesetzt. 

2) ungleichartige (dissimilares): aus verschiedenartigen Zellen und 
Behältern zusammengeseszt: Pinus abies, Larix Europaea u. S. w. 

3) einfachreihige (uniseriales): aus einer Reihe übereinander ste- 
hender Zellen bestehend: Cupressus, Tlıuja, Araucaria, Pinites, Peuce, 
Salix, Populus u. s. w. 

4) zweifachreihige (diseriales) : aus zwei unmittelbar verbundenen 
Reihen übereinanderstehender parenchymatischer Zellen zusammengesetzt. 
Einige Arten von Peuce. 

5) drei-, vier- und mehr-reihige (tri-multiseriales) aus drei und 
mehren Reihen zusammengesetzt: Pitus und die meisten Dikotyledonen. 
b. Nach der Ausdehnung ihrer Körperlichkeit: 

a. In die Höhe: 

1) hohe (curpore elonyato) ; 

2) niedere (corpore abbreviatoN. 

ß. In die Länge‘(in horizontaler Erstreckung) : 

1) kurze (breves); 

2) lange (extensi). 

». In die Breite: 

1) dicke (corpore crasso); 

2) dünne (corpore terui) ; 

3) sehr dünne (corpore tenuissimo). 

e. Nach der Gesammt: Grösse: 

1) grosse (magni) ; 

2) kleine (parvi). 


165 

d. Nach der Figur: 

1) rasch .abnehmend, linsenförmig (lenticulares) ; 

2) unvermerkt abnehmend, bandförmig (teniaeformes). 
e. Nach der Häufigkeit des Vorkommens: 

1) sehr genähert oder zahlreich (approximati) ; 
.. 2) weniger genähert (syarsı); 

3) entfernt stehend (wariures) ; 

4) sehr sparsame (rarissimi). 


f. Nach dem Erscheinen in einer und derselben Art: 
1)»einerlei Art (uniformes); 
2). zweierlei Art (biformes). 

IV. Die Holz-Zellen (cellulae ligni) sind meist gestreckte diekwan- 
dige Zellen, welche an der Zusammensetzung der Gefäss-Bündel 
und des aus demselben bestehenden ‚Holz-Körpers Theil nehmen. 
Es sind sowohl prosenchymatische, als parenchymatische Zellen. 

A. Die prosenchymatischen Holz-Zellen sind: 


a. Nach itrem Baue im Allgemeinen: 
1) ungetheilt (simplices) und stellen ununterbrochene, an den Enden 
spitz zulaufende Röhren dar: = 
wiEgj getheilt (septatae) , d. i. durch Queer-Wände in mehre über ein- 
‚anderstehende Zelien-Räume eöschjegen. 


b. Nach der Beschaffenheit der Zellen-Wände: 

1) ungetüpfelt (aeguabiles) : mit glatten Wänden; 

2) getüpfelt (porosae): die Wände mit Tüpfeln besetzt, wie bei 
Quercus; 

3) dünnwandig (leptolichae von Aerros und TeıXos), mit dünnen 
Wänden; 

4) dickwandig (pachytichae, Taxös TEeıX0s), mit diekeren Wänden 
versehen. | N 


c. Nach dem Lumen: 
1) enge (anyustae): die verdickten Gefäss - Wände ‚verengen das 
-Lumen sehr; 
2) weite (ampliores): das Lumen ist deutlich; 
.„3) sehr weite (amplissimae): das Lumen ist verhältnissmäsig sehr weit. 
d. Nach Länge oder vertikalen Ausdehnung: 
1) kurze (breves): bei Mohlites und mehren Leguminosae ; 
2) lange (longae): in den meisten Fällen, 
e, Nach der Häufigkeit. oder Anzahl: 
1) häufig (numerosae s. copivsae) :. AR ‚Holz besteht, fast, nur aus 
Beeuehroiatischen Zellen ; 
2) sparsam (rariores): ‚wenige Zellen. a. au.der. Bildung des 
. Holzes Antheil: Phegonium, Fagus. 


f. Nach der Vertbeilung : 


166 


1) gleichmäsig vertheilt (aeyquabiliter distributa): nach. der äusseren 
Greuze der Jahres-Ringe gleichmäsig an Zahl zunehmend; 

2) ungleichmäsig vertbeilt (aggregatae): il zusammen- 
gedrängt. { 4 


B. Die parenchymatischen Zellen (Cellulae ligni parenchymatosae) 
nehmen zuweilen keinen geringen Antheil an der Bildung des Hol- 
zes. Sie begleiten die Gefässe und sondern die einzelnen Gefäss- 
Bündel, ja selbst die Jahres-Lagen von einander, und sind daher 
entweder: 

a, Rücksichtlich ihres Vorkommens: | a a 
1) gar nicht vorbanden (nullae); oder 
2) sparsam (rariores): nur die Gefässe begleitend; oe 
3) häufig (frequentiores): unregelmäsig zwischen den Gefäss-Bün- 
deln des Holz- Körpers: Nyctagineae, Piperaceae. 
b. Rücksichtlich ihrer Struktur: 
° 1) dünnwandig (leptotichae); . 
2) diekwandig (pachytichae). 


V. Die Gefässe (vasa): weite, schlauchartige, gegliederte Elementar: 
Organe, die .allein oder in Verbindung mit Holz-Zellen das Holz 
bilden. Sie sind 

a. Ihrer Form nach: FE 
1) einfach getüpfelte Spiral-Gefässe (vasa porosa); 
2) gemischt gefüpfelte & ( „  taeniatoporosa); 

Die Tüpfeln sind hiebei: 

. gross (puri magai) ; 

. mittelmäsig (p. mediocres); 

. klein (p. parvi); 

. sehr klein (p. minimi) ; 

. dichtstehend und regelmäsig (p. conferti, spiraliter dispositi) ; 

. sparsam und unregelmäsig vertheilt (por: rariores irregulariter 

sparsi). R di 

b. Ihrer Gliederung nach: 

1) kurzgliederig (vasa drevi-articulata): Mohlites, Leguminosae; 
2) lauggliederig (v. Zunge-articulatu). 


NR en Bee) 


” 


c. Der Form der Zwischenwand nach: 
1) ohne Zwischenwände (dissepimentis obsoletis): die Zwischen- 
wände sind ganz resorbirt; 
2) mit treppenförmigen Zwischenwänden (d. scalariformibus) ; 
3) mit porösen Zwischenwänden (d. porosis). 
d. Der Stellung der Zwischenwände nach: 
1) mit horizontalen Zwischenwänden (d. horizontalibus) ; 
2) mit schiefstehenden Zwischenwänden (d. obliquis) und diess wieda 
a. nach den Seiten gekehrt (d. ad latera versis): 
ß. nach vorn und hinten gekehrt (d. antrorsum versis). 


167 


- e, Nach der Grösse: 
1) weite Gefässe (vasa ampla); 
2) enge Gefüsse (v. angusta); 
3) sehr enge Gefässe (0. unyustissima) ; 


f. Nach der Forın des Lumens: E 
1) rund (orbicularia); 
2) oval und elliptisch (elliptica) ; 
3) zusammengedrückt (cumpressa). 


g. der Häufigkeit nach: 
1) sehr häufige (v. copiossisima) ; 
2) häufige (copiosa); 
3) sparsame (rariora); 
4) sehr sparsame (rarissima). 


h. Der Vertheilung nach: 


1) gleichmäsig :vertheilt (aequabtliter ar: 

2) ungleichmäsig vertheilt oder gruppirt (dissita) ; 

3) vereinzelt (disjuncta); 

4) verschmolzen (coulita s. connata) , und zwar zu 2—8 Gefässen 
a (per paria, ternatim...... eonnata), die dann als Einheit 
zu betrachten sind. Solche verschmolzene Gefässe können übrigens so- 
‚wohl gleichmäsig als ungleichmäsig vertheilt vorkommen. 


a. in linienartiger Aneinanderreihung (in taeniam coalita) : 
ß. in massiger Anreihung (in fasciculum. coalita). 


i. Der Ausfüllung nach: 
. 1) leere (vasa vacua), in den meisten Fällen ; 

2) ausgefüllte (vasa ömpleta): durch Zellen ausgefüllt, wie z. B, 
bei Quereus, Broussonetia u. s. w. ; 


VI. Harz-Gänge (ductus resinosi) durchziehen nicht selten den 
Holz-Körper und gehören bei gewissen Pflanzen-Arten zu den regel- 
mäsigen, bei andern zu den unregelmäsigen Erscheinungen. Sie 
sind mehr oder weniger erweiterte, durch das Auseinanderweichen 
von Gefässen entstandene Gänge, die mit ätherischen Ölen, Bal- 
samen und Harz angefüllt sind. 

Sowohl bei jetzt lebenden Nadelhölzern (z. B. Pinus Laricio), 
als bei fossilen (z. B. Peuce resinosa) sind sie zu finden. Man 
unterscheidet: 

1) weite Harz-Gänge (umpli); | 
2) enge = (angusti; 
3) häufige (copios:) ; 

4) sparsame (ruriores). 


168 


Was nun die Bildung der Gattungs-Charaktere der fos- 
‚silen Hölzer und ihre Nomenklatur betrifft, so glaube ich, 
dass auch auf sie dieselben Regeln in Anwendung gebracht 
werden müssen, die man zur Bestimmung anderer fossiler 
Pflanzen-Theile, wie z. B. der Farnwedel, der Blätter, der 
Blüthen und Früchte u. s. w. festgestellt hat. 

Bleibt gegen die Identität einer fossilen Pflanze, sie mag 
in was immer für einem Theile erhalten seyn, mit irgend 
einer Gattung gegenwärtig existirender Gewächse kein Zwei- 
fel übrig, so kann sie nur als Glied derselben angesehen 
werden. Es ist begreiflich, dass zu einer solehen Unter- 
ordnung nicht bloss fossile Blumen, Früchte und Samen be- 
rechtigen, sondern auch Blätter und Stengel u. s. w, wenn 
sie sehr ausgezeichnet sind und ausschliesslich nur gewissen 
Gattungen zukommen. So wird man allerdings ein Recht 
haben, mehre Zapfen geradezu der Gattung Pinus zuzu- 
schreiben, aber auch Samen die so ausgezeichnet sind, ja 
selbst Zweige mit Nadeln. Blätter, wie sie bei Acer, Po- 
pulus, :Ulmus, Carpinus u. s. w. vorkommen, können der 
eigenthümlichen Form wegen gleichfalls als Reste von Pflan- 
zen-Arten angesehen werden, die jenen Gattungen angehören, 
besonders wenn damit zugleich entsprechende Früchte vor- 
kommen. Dasselbe gilt auch von den Früchten und Saamen, 
welche hinreichend unterscheidende Gattungs- Merkmale an 
sich tragen, wie z. B. die Gattungen Cocos, Juglans, Acer, 
Liquidambar, Ulmus u. s. w. In Benützung dieser Kenn- 
‚zeichen ist jedoch die grösste Behutsamkeit. anzuwenden, 
-und überhaupt ist die Unterbringung fossiler Pflanzen unter 
gegenwärtig existirende Formen nur dann zulässig, wo die 
‚Gattungs-Charaktere in den Fossilien ganz bestimmt hervor- 
treten, was immerhin selten der Fall ist. 

Viel häufiger dagegen lässt sich wohl eine Überein- 
stimmung fossiler Pflanzen- Theile mit den analogen Pflan- 
zen der Gegenwart in nur ausserwesentlichen Theilen dar- 
thun, woraus aber noch keineswegs eine Gleichheit der 


169 


‚Gattungen gefolgert werden kann. Dieser Fall tritt bei 
‚Blumen, bei Infloreszenzen, bei Stämmen und Zweigen und 
‘allerlei blattartigen Organen ein. Hier pflegt man .die 
‚Verwandtschaft des Fossiles mit irgend einer ‚lebenden 
Pilanzen-Gattung am besten dadurch zu bezeichnen, dass 
man dem Gattungs- Namen einen Ausgang auf „ites“ gibt, 
'wie z.B. Betulites, Alnites, Cupressites, Aspidites u. s. w. 
‚Nur solche fossile Pflanzen, die mit lebenden wenig 
-oder: gar keine ‚Verwandtschaft verrathen, ‚werden mit be- 
liebigen, jedoch immer nach den allgemeinen : Regeln der 
Nomenklatur gebildeten Namen belegt. Es versteht sich, 
-dass die Charaktere der Gattungen hiebei ganz willkührlich 
‚umgrenzt werden ‚können, und dass man sich häufig be- 
'gnügen muss, solche fossile Gattungen nur den allgemeineren 
‚Abtheilungen des Pilanzen-Reiches, i ı seltenen Fällen .der 
Ordnung oder der Familie lebender ee N 

‘Ganz dieselben Grundsätze hat man nun: meines Er- 
-achtens auch bei der Nomenklatur und: Klassifikation fossiler 
‚Hölzer in Anwendung zu bringen. Die Organisation des 
‘Stammes der Gewächse ist, wie oben erwähnt, im Allge- 
-meinen zwar von der Art, dass davon ‘die grösseren Unter- 
‚sehiede des: Pflanzen-Reiches, möge man sie nun: Klassen 
oder wie immer nennen, eben so wie in den Fruktifikations- 
-Theilen hervortreten ;; dagegen drückt: sich in den Familien 
‘kaum mehr . ein diesen‘ Charakteren entsprechender Unter- 
. schied in der Organisation des Stammes aus. Ganz beson- 
«ders gilt diess ‘bei den dikotyledonischen Pflanzen, wohin 
-die Mehrzahl unserer fossilen Hölzer gehört. -Wir: wissen, 
‘dass z.B. von der grossen Abtheilung der Amentaceen oder 
Julifloren, welche grösstentheils aus baumartigen Gewächsen 
"bestehen, die Familien der Myriceen , Betulaceen „.Cupuli- 
‘feren, der Ulmaceen, Moreen, 'Artocarpeen, Balsamifluen und 
'Saliceen im fossilen. Zustande vorkommen, indem zahlreiche 
Blätter, : Früchte und Saamen u. s. w. uns diese: Überzeu- 
"gung verschaffen; es dürfte aber immerhin sehr schwer bleiben, 


170 


'aus der Organisation eines fossilen Dikotyledonen-Holzes, in 
dem wir einen diesen Familien Angehörigen zu vermuthen 
'berechtiget Sind, auf die Familie selbst oder auch nur auf 
‚die grössere Abtheilung, der sie angehört, zu schliessen. 
‚Eben so haben die häufig holzartigen Leguminosen, Aceri- 
neen, Rhamnoideen u. s. w. unter den fossilen Pflanzen ihre 
Repräsentanten; allein es hält eben so schwer, aus irgend 
einem Stücke fossilen Dikotyledonen - Holzes diese Familien 
‘zu beweisen. Zwar ist nicht zu bezweifeln, dass jede die- 
'ser Familien, ja selbst einzelne gut konstruirte Gattungen 
auch im Baue des Stammes und zunächst selbst des: Hol- 
zes ihren Gattungs - Typus verrathen ; doch hat die verglei- 
‚chende Phytotomie noch so wenig Fortschritte gemacht, 
‘dass wir kaum im Stande sind, ‚auch nur die äussersten 
"Umrisse zur anatomischen Charakteristik der Pflanzen-Fami- 
lien zu liefern. | 

Unter diesen Umständen und da eine wissenschaftliche 
‘Behandlung dieses Gegenstandes nur das Werk lang dau- 
ernder und umsichtiger Studien seyn kann, ‚bleibt uns also 
‘vor der Hand nichts Anderes übrig, als auf dem Wege einer 
-langwierigen sowohl als unsicheren Vergleichung die ana- 
'tomische Beschaffenheit fossiler ‘mit der anatomischen Be- 
-schaffenheit lebender Hölzer, unter denen wir einige Ähn- 
lichkeit wahrnehmen, zu vergleichen und bei’ unverkenn- 
-barer Übereinstimmung auch eine Familien - Verwandtschaft 
-zu vermuthen. 

Erstreckt sich diese Verwandtschaft selbst auf einzelne 
«Gattungen, so wird es erspriesslich seyn, schon in der Be- 
“nennung darauf zu reflektiren und mit Beibehaltung der 
'Wurzel-Laute der bereits eingeführten Gattungs- Namen 
-denselben nur eine andere Endigung, wie z. B. in „inium“ 
‘oder „ites« zu ertheilen. Auf solche Weise würden die 
‘Gattungen Quercinium, Betulinium u. s. w. die geeignetsten 
-Benennungen für fossile Hölzer seyn, weiche in ihrer Struk- 
‚tur der Gattung Quercus, Betula u. s, w. ähneln. Mit 


1 171 


Übergehung der Koniferen-Hölzer, deren Klassifikation ich 
mir später mitzutheilen vorbehalte, übergebe ich daher hier 
ein System fossiler Dikotyledonen-Hölzer als Result meiner 
bisherigen Untersuchungen, wobei ich nur den Wunsch bei- 
füge, dass dasselbe durch neue Forschungen in diesem Ge- 
biete bald eine Erweiterung finden möge. Die zur Unter- 
stützung der Beschreibungen nöthigen Abbildungen werde 
ich seiner Zeit in meiner Chloris prologaea geben. 


Distributio lignorum fossilium, quae divisioni 
adlseribunlur planlarum dicotyledonarum. 


Conspectus diagnosticus. 


]. Radii medullares uniformes. 


A. Vasa breviarticulata. 
a. VTasavacua. 


a. Radii medullares latissimi. -» 2. 2. 0.000000. Phegonium. 
, Radii medullares medincres. R 
* Cellullae ligni prosenchymutosue elonyalae en. Fichtelites. 
** Cellulae ligni prosenchymatosae ablreviatne . .  Mohlites. 

Y. Radii medullares angustissimi . 2 2... Petzholdtia. 


b. Vasa impleta. 


a. aequabiliter distributa EDER - . e Pritchardia. 
ß. haud aequabiliter distrihute. . 
* amplissima, sensim decrescentiua » . .: .  .._MWithamiua, 
** minora, fasciculatim disposita . SR .  .  Cottaites. 
B. Vasa continua septis distantibus. #.. 


a. Vasu vacua. 
a, subsimplicia. 
* fusciculatim distributa . 2 =  . 0.0000. Rosthornia, 
** gequabiliter distributa. 
Bi Daregne Eat as ie Me « 0 Meyenites. 
ft numerosa. sy R: 
6. Strutalieni minus manifeta . 2 . .  .  Acerinium. 
66. Struta ligni conspiun . =. ae . «  Platuninium. 
ß. composita . - : x Aue 08 ei, Ulminium. 
b. Tasa impleta. 
a; subämplica sanhar 0 weni ac a). VE 
„ composita. 
* aequabiliter distributa. 
F: Fo porosa mogna «a ana“. 0 A 
TTV. porosa angustiora . R x & 2 B » Betulinium. 
** fasciculatim disposita 2 .:  . ee 00000. Schleidenites, 


II. Radii medullares biformes. 


A. Strata concentricen distincta . e Y 2: Ri A 2 Auercinium. 
B. Strata concentrica nulla . r 2 % = s A 5 Lillia. 


173 . 


Fuliftorae. 


I. Betulinium Une. Ligni strata concenlrica minus 
conspicue, ultra lineam lata. Radii medullares uniformes, 
angustissimi, conferti, e cellulis bi-tri-serialibus cannflati. 
Vasa porosa angustiora impleta, septis distantibus continua, 
hinc inde binatim ternatimve coalita, ceterum aequablliter 
distributa. Cellulae ligni prosenchymatosde, numerosae, 
septatae, leptotichae. 

B. tenerum Une. Vasa rariora, cellulis magqnis im- 
nlela. Pori vasorum minuti contigut, spiraliter dispostüi. il 
E formatione tertiaria ad Freystadi Austriae supericoris. 

II. Phegonium Une. Ligni slralta concenlrica distincta, 
ultra lineam late. Radii medullares wnifermes, copiosi, 
pluriseriales, extensi corpore subelongato, ad lafitudinem 
5 incerescente. Vasa aequabililer distributa, simplicia, va- 
cua, brevi-articulata, subangusta, strata concentrica incho- 
antia numerosissima sensim rariora. Cellulae ligni prosen- 
chymatosae leptotichae, inter vasa evanidae. 

Ph. vasculesum Une. Vasa septis obliguis, hine il- 

line inclinatis. Pori vasorım mediocres, configui, regulari- 
ter disposili. — E [ormetione tertiaria ad Gaspoldshofen, 
Freysiadt et Scherding Austrise superioris, ad Ernstorunn 
 Auslriae inferioris, ad Murberg, Radkersburg et Wurm- 
berg Styriae. 
II. Quercinium Une. Lignt strata eoncenfrica dis- 
"lineta. Radü medullares biformes, majores' reri, corpore 
longissimo , usgue 411 lato, minores crebri, wniseriales, e 
cellulis 20 superpositis formati. Vasa porose, cellulis mag- 
nis impleta, 0,13'' lata, in uno v. in duobus stratis coacer- 
vata, in reliquis multo minora, fasciculatim agygregata. 
lulae ligni prosenchymatosae. 

1) @. sabulosum Une. Strata  concentrica lineam 
lata. ' Vasa porosa brevi-articulata septis horizontalibus. 
Pori vasorum minuti conliguwi. Cellulae ligni leptotichae. — 
E formatione tertiaria ad Bachmanning Austriae superioris. 


\ 174 


2) 0. austriacum Uxe. Strata concentrica duas 
lineas lata. Cellulae ligni pachytichae. — E formatione ter- 
tiaria ad Bachmanning Austriae superioris et in Hungaria. 

3) O0. transylvanicum Une. Strata concentrica duas 
 lineas lata. Vasa porosa minora et minima copiosissima, 
fasciculatim aggregata. — E formatione tertiaria ad Tehers 
prope Almus Transylvaniae. re 

Observatfio. Ad Quercinium probabiliter referenda 
Kloedenia GöPPrERTI in LEONH. et BRronn N. Jahrb. für 
Mineral. 1839, p. 518, tab. I, ligni fossile genus, e cl. au- 
tore Quercubus analogum. 

IV. Ulminium Une. Ligni strata concentrica minus 
conspicua. Badii medullares uniformes conferti, corpore 
brevi, tenui, e cellulis parenchymatosis, bi-tri-serialibus con- 
flato. Vasa porosa aequalia, vacua, septis distanfibus con- 
linua, remota bi-ternatimve connata ceterum aequabiliter 
distributa. | Cellulae ligni prosenchymalosae leptotichae. 

1) U. diluviale Une. — E formaltione tertiaria ad 
Joachimsthal Bohemiae, ubi trunci integri cum suis ramis 
(vulgo Sündfluth-Holz) efossi. 

V. Plataninium Une. Ligni strata concentrica . li- 
neam lata. Radii medullares uniformes magni (usquo 2' 
lati) corpore subelongato, cellulis magnis pachytichis. Vasa 
numerosa, aequabiliter distribula, subsimplicia, angustiora, 
vacua, contlinua, poroso-spiralia, dissepimenftis dislantibus, 
scalariformibus, obliquis, latera versus spectantibus. Cellulae 
.ligni pachytichae. 5 i 


1) Pl. acerinum Une. Pori vasorum dissiti. — E 
formatione ignota. — E museo Universitatis Graecae sub- 
latum. | 


Observ. Maxime cum Plalano convenit, radii medul- 
lares in ligno fossili tamen multa latiora. Vasa poroso- 
. spiralia fere Aceris. | 
VI. Rosthornia Une. Ligni strata concenlrica in- 
"eonspicua, ultra lineam lata. Radii medullares uniformes, 
corpore lenuissimo, brevissimo, ex una v. tribus seriebus 


175 


‚cellularum»parenchymatosarum formato. Vasa porosa sub- 
simplicia angustissima (0,023'') vacua, lumine elliptico, 
septis distantibus obliquis, continua, rara, subaequalia, fasci- 
culatim disposita. Cellulae ligni prosenchymatosae. 
BY R. carinthiaca Une. Pori vasorum minimi sub- 
approximati. — E formatione Gosaviensi inter Althofen et 
Guttaring Carinthiae. 1}: 

Observ. Differt a Salicibus et Populis nonnisi radüis 
medullaribus, qui in his generidus simplices, in ligno fossili 
composili reperiuntur. 


S Acer ci 


 . VU. Acerinium Unc. Strata concentrica minus con- 
spicua , lineam dimidiam lata. Radii medullares tenuissimi, 
conferti, e cellulis unt — tri-serialibus formati. Vasa porosa 
subsimplicia, vacua, dissepimentis distantibus, continua, an- 
guslissima, numerosissima, aequabiliter distributa. Cellulae 
ligni prosenchymatosae pachytichae, inter vasa fere eva- 
nescentes. | 

1) A. danubiale Une., e formatione tertiaria Austriae 
superioris (Mus. Lentiens.). | ' 


Zegumiönosae. 


VII. Fichtelites Ung. Strata concentrica ultra l- 
neam lata.... RBadii medullares uniformes, conferti, cor- 
pore crassiusculo elongato tenui, e cellulis pluriserialibus 
majoribus minoribusque formato. Vasa porosa brevi-articu- 
lata, vacua, stratum inchoantia amplissima (0,16''' Tata) in- 
terdum per paria connata, reliyqua multo angustiora. Cellulae 
ligni prosenchymaltosae elongatae. 

1) F. articulatus Unc. Pori vasorum conferti. — 
E formatione tertiaria Austriae superioris (Mus. Lentiens.). 

IX. Mohlites Une. Ligni strata concentrica lata an- 
guslaque. Radii medullares uniformes conferti, corpore 
tenui abbreviato, e cellulis uni — pluri-serialibus minimis for- 
malo. Vasa porosa breviarticulata, vacua. Cellulae lignt 


prosenchymatosae abbreviatae, leptolichae. 
Jahrgang 1842. 12 


” 


176 


1) M. parenchymatosus Une. Strata concentrica 
latiora. Vasa porosa angustiora, versus strati peripheriam 
decrescentia. — E formalione miocenica prope Gieichenberg 
Styriae inferioris. 

2) M. cribrosus Un. Strata concenirica angustis- 
sima. Vasa porosa 0,15’ lata, annulum simplicem, pauecis- 
simis minoribus subsequentibus, formantia. — E formatione 
tertiaria prope Libethen Hungariae. 

X. Cottaites Une. Sitrata concenlrica conspicua, 
lineam et ultra lata. Radii medullares uniformes, compressi, 
tenuissimi, conferti, e cellulis minimis uni — tri-serialibus 
compositi. Vasa porosa minora, breviarticulata, impleta, in 
limite strati valde discreta, religua multo minora, fascicu- 
latim dispostia. Cellulae ligni prosenchymatosae angustis- 
simae. 

1) C. lapidariorum Unc. Vasa porosa in limite 
strali uniserialia. Cellulae ligni prosenchymatosae pachyü- 
chae. — E formalione tertiaria prope Gleichenberg, Siy- 
riae inferioris. 

2) ©. robustior Ung. Vasa porosa in limite strati 
pluriserialia, subapproximata. Cellulae ligni prosenchyma- 
tosae, leptolichae. — E, formatione terliaria ad Antal prope 
Schemnitz, Hungarige. Ä 


Genera dubiae affinitatis.. 

Al. Petzholdtia Une. Ligni strata concenlrica con- 
spicua, ultra lineam lata. Radii medullares uniformes cere- 
berrimi, tenuissimi, e cellulis uniserialibus formati. Vasa 
porosa magna, breviarticulata, vacua, aequalia, disjuneta, 
rarissime binatim ternatimxe conjuncta, ceterum aequabili- 
ter disposita. 

Cellulae ligni prosenchymatosae angustissimae , lepto- 
tichae. m 

P. tropica Une. Vasorum pori minimi, contigui, septa 
obliqua. WırHan Int. struct. pl. 16, fg. 12, 13. — E for- 
matione lertiaria insulae Antigoa. 


177 


SÄXJI: Prilchar dia Ung. Liägni strata concentrica 
nulla?  Badit medullares uniformes conferti, corpore te- 
nu, humili, e cellulis un? — bi-seriatis parenchymatosis magnis 
formato. Vasaporosarara, breviarticulata, ampla, cellulis im- 
pleta, hinc inde per paria connala, aeguadiliter distributa. 
Cellulae ligni prosenchymatosae numerosae. 

1) Pr. insignis Une. — E formatione terliaria in 
insula St. Bartholomaei Indiae occidentulis. 


XIM. Witnhamia Une. Ligni strata concentrica con- 
spieua. Radii medullares uniformes, conferti, corpore temui 
brevissimo, e cellulis uni — bi-serialibus parenchymatosis for- 
mato. Vasa porosa breviarticulata, subimpleta, stratum in- 
choantia amplissima, sensim angusliora. Cellulae ligni pro- 
senchymatosae angustae, leplotichae. 

1) W. styriaca Une. Strata concentrica lineam et 
ultra lata. Pori vasorum minimi, contigui, spiraliter dis- 
posifi. — E formatione tertiaria prope Nestelbach Styriae 
inferioris. | 

XIV. Meyenites Une. Ligni strata concentrica mi- 
Nus conspicua, ultra lineam lata. Radii medullares unifor- 
mes, conferlissimi, corpore tenui, humili ne cellulis uni —_ 
gaudri-serialibus minimis formato. Vasa porosa subsimplicia 
minora, parciora, vacua, septlis distantibus, continua, aequa- 
biliter distributa. Cellulae ligni prosenchymatosae leptoti- 
 chae, vasis multo numerosiores. 

1) M. aequimontanus Une. — E formatione mioce- 
nica prope Gleichenberg Styriae inferioris. ; 

XV. Nicolia Ung. Ligni strata concentrica incon- 
spicua. Radii medullares uniformes, confertissimi undulatim 
extensi, corpore tenui humili, e cellulis uniserialibus paren- 
chymatosis majoribus formato. . Vasa porosa ampla (0,19) 
impleta, rariora, aequabiliter disposita, per paria connata. 
Cellulae ligni prosenchymalosae angustissimae, pachytichee. 

1) N. aegyptiaca Une. E formatione, ufi videlur, 
tertiaria ad Asserac Aegypti. 

128 


178 


XVI. Bronnites Une. *). Ligni strata. concentrica 
distincta, duas lineas lata. Badit medullares uniformes, con- 
ferti, e cellulis uni — tri-serialibus (?) conflati. Vasa porosa 
magna, cellulis amplis repleta, aeyualia, bi-ternatimque con- 
nata, ceterum aequabililer distributa. 

‚Cellulae ligni prosenchymatosae septis creberrimis di- 
risae, leptotichae. 

1) Br. antigoensis Ung. Pori vasorum magni, con- 
ferti. — Wıraam Int. struct. pl. 16, fg. 11. — E formatione 
tertiaria insulae Antigoa. ; 

AXVH. Schleideniles Une. Ligni strafa concentrica, 
conspicua, ultra lineam lata. -Radii medullares uniformes, 
conferti, corpore tenui, breri, e cellulis uni — tri-serialibus 
parenchymatosis conflato. Vasa porosa continua impleta bi- 
nalim ternatimve connata, inaeyualia, in limite strati maxima 
(0,170''), religua minora, fasciculatim disposita.  Cellulae 
ligni vasa circumdanles parenchymalosae, majores, celerae 
prosenchymatosae pachyticha. 

XVII. Lillia Une. Ligni sirata concentrica nulla? 
Radii medullares biformes, corpere elongalo, majores ad 4" 
lati, minores copiosissimi ‚„ undulatim extensi, uniseriales. 
Vasa porosa mazxima (0,10 lat.) impleta subcontigua aequa- 
biliter distributa. Cellulae ligni ampliores, leptotichae, pro- 
senchymatosae, septatae. 

L. viticulosa Une. — E formatione tertiaria ad 
Ranka Hungariae (Mus. caesar. Vindob.). 


*) Der Hr. Verfasser hat wohl übersehen, dass Kunrn schon 1824 
(Synopsis plantarum oequinoctialium orbis novi, III, 380) ein den 
Portulaceen verwandtes Genus Bronnia genannt hat, deren näch- 
ster Verwandter nun nach des Hrn. Vf’s. Nomenklatur Bronnites 
seyn müsste, Wegen Antigua vgl. Jahrb. 1841, 720. Br. 


Fossile Batrachier- und Ophidier- 
Reste aus Podolien, 


von 


Hrn. Bergrath Puscn. 


— 


In meiner Paläontologie von Polen S. 168 habe ich 
kleine fossile Knochen aus Podoken angeführt und auf Tf. XV, 
Fig. 5 abgebildet, von denen ich richtig vermuthet habe, 
dass sie Batrachiern angehört hätten. Nur der mit abgebil- 
dete Rücken - Wirbel scheint den Ophidiern anzugehören. 
Ich gab damals an, dass diese Knochen aus einer losen 
weissen Sandschicht abstammten, ‚welche ich noch der Kreide- 
Gruppe zurechnete, die längs dem Dniester in Podolien 
häufig (durch quarzige lockere Sandsteine und mächtige Feuer- 
stein-Schichten repräsentirt wird. Diese Angabe bedarf 
zuerst einer Berichtigung. Jene kleinen Knochen finden 
sich nach Schneider (s. Karstens Arch. f. Min. Bd. VII, 
S. 327, 335 und 363) zuerst in einer weissen Quarzsand- 
Schicht unmittelbar über dem die Kreide vertretenden Feuer- 
stein - Stratum in der weissen Schlucht bei Jackowiec und in 
der grünen Schlucht (Zielony Tor) bei Raczynce im Thal 
der Siudzienica, welche beim Städtchen gleichen Namens 
unterhalb Kilaygrod in den Dniester einfällt. Diese Sand- 
Schicht enthält eine grosse Menge derjenigen Muscheln und 
Schnecken, welche das Podolische Tertiär-Gebirge vom Alter 
des Tegels bezeichnen, und gehört den untersten Schichten . 
. dieser Tertiär-Gruppe an. Sie finden sich ferner in der- 
selben Sand-Schicht noch weiter aufwärts im Studzienica-Thal 
in der Schlucht von AHotozubince, wo auch der nach oben 
in kalkigen Sandstein übergehende Sand von einer 2" star- 
ken schwarzen bituminösen Erd-Schicht bedeckt wird, welche 
ganz mit jenen kleinen Knöchelchen erfüllt ist. 


1S0 


z 


Ich übersendete meine Exemplare 1839 an den leider 
der Wissenschaft zu früh entrissenen Professor WıIEGMANN 
zu Berlin zur Bestimmung. Er hatte die Güte nach Verlauf 
eines Jahrs mir seine Ansichten darüber mitzutheilen, 
wünschte aber, wenu seine Körper- Leiden sich gemildert 
haben würden, eine nochmalige Revision vorzunehmen. Daran 
hat ihn aber der Tod verhindert. 


1) Fig. 5, g: Ossa ilium von Rana, der R. temporaria 

ähnlieh. 

2) Mehre Ossa ilium eines Bufo. 

3) Os ilium einer Rana, welche der R. para- f nicht 

doxa (Pseudes Wwaer.) nahe kommt. abge- 

4) Die untere Hälfte eines Oberschenkels einer Rana, BAT. 
welche der R. temporaria nahe steht. | 
5) Fig. 5, d und |: Oberarm von Rana$ (Bombinator), 
6) Fig. 5, e: Humerus, dem der R. temporaria ähnlich, 
7) Fig. 5, f: die untere Hälfte des Unterschenkels ven Rana 

(R. temporariae affinis). 

8) Nicht abgebildet: Os tarsi einer Rana. 

9) T£. XV, Fig. 5, i und k, welche ich mit dem Horn 
| einer Iguana verglich, bleibt zweifelhaft ; W ıEGMAnN 
will es nicht dafür gelten lassen. er 
10) Tf. XV, Fig 5, h, Oberstück des Oberarms von Rana, 
dem ein Stück Crista fehlt. | | 
11) Tf. XV, Fg. 5, a, b, e, ist das Interessanteste. WıEc- 

MANN konnte darin nur den Wirbel einer Natter, un- 
serer Coluber natrix generisch verwandt, erkennen. 
Ich hielt ihn für den Wirbel eines Sir e n-ähnlichen Thiers. 


SCHNEIDER fand ausserdem bei Jackowiec auch einige 
kleine Zähne und einen kleinen Schädel, leider waren diese 
aber auf der Reise abhanden gekommen und ich bekam sie 
also nicht zu sehen. 


| Über 
Calamosyrinx Zwickaviensis, 


Hrn. Dr. PETZHOLDT. 


(Im Auszuge mitgetheilt aus seiner Schrift: de Balano ei Cala- 
mosyringe, Lips. 1841.) 


Hierzu Tafel V. 


Unter den Pilanzen-Resten, welche in der Steinkohlen- 
Formation gefunden werden, verdienen ohne Zweifel die 
gestreiften Stengel oder Stimme die grösste Beachtung, schon 
aus dem Grunde , weil sie in der grössten Häufigkeit vor- 
kommen. Sie unterscheiden sich untereinander hauptsäch- 
lich darin, dass die einen Gelenke besitzen, während die 
andern solcher entbehren: jenen gehören bekanntlich die den 
Equisetazeen zuzurechnenden Kalamiten, diesen die Si- 
gillarien (Sigillariae verae Broncn.) und Syringo- 
dendren an, Ausserden unterscheiden sich die Kalamiten 
in ihrem Äusseren noch dadurch von den Sigillarien und 
Syringodendren, dass ihre Rippen glatt sind, während die 
der andern verschieden gestaltete, sonst aber regelmäsig ge- 
ordnete Narben besitzen und sich dadurch vor allen übrigen 
urweltlichen Pflanzen-Resten auszeichnen. Ein neues, zwischen 


182 


den genannten Pflanzen mitten innestehendes, sich jedoch 
von allen bekannten fossilen und lebenden Gewächsen we- 
sentlich unterscheidendes Genus ist nun die Calamosy- 
rinx, so genannt wegen ihrer theilweisen äussern Ähnlich- 
keit mit Calamites, Syringodendrum und Sigillaria. Diese 
Pflanze wurde in einem wohl erhaltenen Exemplare im Kohlen- 
Sandstein zu Neudörfel bei Zwickau gefunden und ist daher 
bis jetzt auch bloss in einer einzigen Spezies bekannt. 

Eine kurze Charakteristik der hierher gehörigen Ge- 
wächse dürfte der Vergleichung mit der neu aufgefundenen 
Calamosyrinx wegen nicht überflüssig seyn, wobei wir noch 
insbesondere darauf aufmerksam machen, dass bei der Be- 
schreibung der verschiedenen Gattungen zwischen Kern und 
Kohlen-Rinde ein bestimmter Unterschied zu machen und 
solcher gebührend hervorzuhebeu ist. 


Calamites 


Facies externa: Caulis sulcalus, articulatus; arlıculs 
vier ac ne vis quidem distinciis”*); costae laeves, parallelae 
(vel infra et supra arliculationes allernantes, vel interdum 
convergentes, vel super arliculationem recta linea continuantes). 

Nuclei facies: Sulei et artieuli mazxime dislincli; costae 
laeves, ceterum tales, quales lithanthracarü coriicis; infra 
arliculos inler sulcos tubercula **). | | 


Sigillaria vera Bkronan. 


- Facies externa: Caulis sulcatus,, non articulatus ; costae 
subaequales , parallelae, recla linea decurrentes, cicalricibus 
rectiserialis nolatae; cilalrices disciformes. 

Nuclei facies omnino convenit cum facie caulis externa, 
ezceplis cicatricıbus, quae punctiformes , lineares, luberculalae 
etc. sunt. Sulci plerumque profundiores et distincliores. 


*) Vgl. meine Schrift: „über Kalamiten und Steinkoblen-Bildung“ mit 
6 Steindruck- und 2 Kupfer-Tafeln, Dresden und Leipzig 1841, 
Seite 40. | 

**) Vgl. dieselbe Schrift, S. 51. 


183 


Syringodendrum. 


Facies exiterna: Caulis „sulcatus,, nun arliculalus ; coslae 
aequales, parallelae, recla linea decurrentes; coslarum cica- 
trices non discoideae, parvae. | 

Nuclei facies eadem quae corticis, erceptis cicalricibus, 
quae lineares aut tuberculalae apparent; sulci plerumque pro- 
fundiores et distinctiores. 


Calamosyrinx Zwiekaviensis, mihi (lab. V). 


Facies erterna: Caulis sulcatus, articulalus, costis aequa- 
libus, 0,3" latis, suleis dislinclis. Costae cicalricibus orna- 
iae. Circatrices circulares, reclisertulae, se invicem langen- 
les, eicalrice vasculari (2) sohlaria, centrali, punctiformi. In 
artieulo eicalrices majores, ellipticae, eicatrice vasculari lineari. 

 Nuclei facies, ubi corter lithanthracarius satis crassus 
remolus est, üa se habet: Caulis sulcatus; costae aequales, 
leniter ei eleganter striatae, circalricibus carentes alque, ubi 
externe articulalio apparet, inlerruplae. Articulalio spuria, 
eui quoque desunt cicalrices. 


Simosaurus, 


die Stumpfschnautze, ein Saurier-aus dem 
Muschelkalke von Luneville, 


von 


Hrn. HERMANN v. MEYER. 


oo 


Aus der Trias kannte Cvvizr von Sauriern nur die Überreste, 
welche der Muschelkalk der Steinbrüche bei den Dörfern Re- 
hainvilliers, Xermameni und Montsin der Gegend von Zuneville 
geliefert hatten. Aus den wenigen, ihm von Dr. GAILLARDoT 
mitgetheilten Überresten schloss er auf eine Plesiosaurus- 
Art und auf riesenmäsige Meer-Scehildkröten. Letzte 
haben sich nicht bestätigt; denn ihre Annahme beruhte nur auf 
der Ähnlichkeit, welche gewisse Knochen der Muschelkalk- 
Saurier mit denen der Schildkröten besitzen. Nachdem der 
Muschelkalk Deutschlands das Ergebniss geliefert hatte, dass 
der in dieser Formation vorherrschende und in einzelnen 
Theilen leieht mit Plesiosaurus zu verwechseln gewesene 
Saurier in einem eigenen Genus, dem Nothosaurus, be- 
stehe, lag wohl nichts näher, als die Vermuthung, dass die 
Reste aus dem Muschelkalke Loihringens, welche Cuvırr 
geneigt war einer Plesiosaurus-Art beizulegen, ebenfalls von 
Nothosaurus herrühren würden. Die Abweichungen, welche 
zwischen den von Cuvırr mitgetheilten Abbildungen und 
den analogen Knochen aus dem Muschelkalke der Gegend 


185 


von Bayreuth sich hevausstellten, waren so gering, dass man 
sie für Ungenauigkeiten in den nicht mit sonderlichem Fleisse 
verfertigten Cuvier'schen Abbildungen auslegen konnte. 

Mit dem Abschlusse der hauptsächlich auf den zu Bay- 
reuth befindlichen Sammlungen des Grafen Münster und der 
königl. Baierischen Regierung von Oberfranken beruhenden 
Untersuchung der Muschelkalk-Saurier Deutschlands beschäf- 
tigt, erhalte ich einen Theil von den in den Sammlangen der 
Wittwe des Dr. Gaittanpor zu Zuneville, des Dr. Mousror 
zu Druyeres und des Museums zu Strassburg aufbewahrten 
Saürier-Überresten aus dem Muschelkalk der Gegend von 
Zunevitle durch die Güte des Hrn. Professor Dr. W. Scuimper 
mitgetheilt, worunter vier fragmentarische Schädel und drei 
Bruchstücke von Unterkiefern, mithin Theile, welche ganz 
geeignet sind, über die Saurier dieser Lokalität erwünschten 
Aufschluss zu geben. Diese Überreste gehören nieht, wie 
man hätte erwarten sollen, zu Nothosaurus, sondern einem 
eigenen Genus an, das ich wegen seiner im Vergleich zu 
Nothosaurus, mit dem es sonst die meiste Ähnlichkeit be- 
sitzt, stumpferen Nase oder Schnautze Simosaurus von 
cıuög, Stumpfschnautze, nenne. | 

Indem ich die Resultate meiner Vergleichung mit No- 
thosaurus hier mittheile, verweise ich für die ausführliche 
Darlegung und die Abbildungen der Überreste beider Ge- 
nera auf die Monographie der Saurier aus dem Muschel- 
kalke, welche demnächst im Manuskript und in den Zeich- 
nungen beendigt seyn wird. 

Der Kopf des Simosaurus erinnert durch die drei Paare 
deutlich unterschiedener Löcher in der Oberseite, welche, 
von vorn anfangend, die Naäsenlöcher, Augenhöhlen und 
Schläfengruben darstellen, zunächst an Nothosaurus, ohne 
dass jedoch die Augenhöhlen und Schläfengruben so ganz der 
Oberseite angehören, als in letztem Genus. Das äusserste 
Schnautzen-Ende ist nieht gekannt; es liegen indess Anzeigen 
vor, wornach dasselbe kürzer und stumpfer oder breiter 


war, als in Nothosaurus. Die grossen, getrennten und nicht 


186 


dicht an das vordere ‚Schnautzen- Ende stossenden Nasen- 
Löcher, so wie der Umstand, dass die Augenhöhlen auf die vor- 
dere Hälfte der Total-Länge des Schädels kommen, sind andere 
Ähnlichkeiten mit, Nothosaurus und machen, dass, wie in 
diesem, so auch im Simosaurus die Gesichts-Streeke, eher 
dem. Begriffe von einer Schildkröte als von einem Saurus 
entsprechend, sehr verkürzt, dagegen die eigentliche Schädel- 
Strecke sehr verlängert erscheint. Bei solchen Ähnlich- 
keiten müssen die Unähnlichkeiten nur um so mehr auf- 
fallen, welche an. andern wesentlichen Theilen sich vorfinden. 
Im. Simosaurus ist der Kopf verhältnissmäsig kürzer und 
breiter als in Nothosaurus, da die sogenannte mittle Breite 
zur, Länge in erstem sich ungefähr. verhält wie 1:2, in 
letztem dagegen wie 1:4; auch scheint er in Simosaurus 
nicht ganz so glatt gewesen zu seyn, als in Nothosaurus; 
eine eigentliche Schädel-Wölbung aber fehlte beiden. Die 
verhkältnissmäsig kürzere Gestalt des Kopfes geht in Simo- 
saurus hauptsächlich auf Unkosten der Schnautze und der 
rundum knöchern begrenzten Schläfen-Gruben, deren Länge 
die mittle Schädel-Breite nicht erreicht, während sie in 
Nothosaurus dieselbe auffallend übersteigt. Dabei ist der 
vordere Winkel der Schläfen-Gruben eher breiter als der hin- 
tere, während in Nothosaurus der hintere Schläfengruben- 
Winkel auffallend breiter als der vordere sich darstellt; die 
grösste Breite der überhaupt regelmäsiger oval geformten 
Schläfen-Grube des Simosaurus ist mehr auf die Mitte ihrer 
Länge vertheilt. In Simosaurus sind die Schläfen-Gruben brei- 
ter getrennt als in Nothosaurus, und die Stelle, wo sie ein- 
ander am nächsten kommen, fällt bei erstem in ungefähr die. 
Mitte der Schläfengruben-Länge, bei letztem in die hintere 
Hälfte derselben; das längs-ovale, nach vorn mündende Scheitel- 
Loch liegt im Simosaurus der Mitte dieser Länge weit näher, 
als in Nothosaurus; es haben übrigens beide Genera das mit 
einander gemein, dass dieses Loch dem Scheitelbein allein 
angehört und an dessen schmalster Stelle angetroffen wird, 

In Simosaurus besteht mehr Gleichheit in der Länge 
und Breite der Augenhöhlen: in Nothosaurus sind sie, etwa 


a 


187 


Nothosaurus giganteus ausgenommen, länger als breit; 
in Simosaurus liegen die Augenhöhlen näher den Schläfen- 
Gruben, als den Nasen-Löchern, in Nothosaurus dagegen 
letztren näher, ais erstren. Wenn, wie erwähnt, die schma- 
lere Gegend des Scheitelbeins in Simosaurus verhältniss- 
mäsig breiter befunden wird, als in Nothosaurus, so bemerkt 
man dagegen, dass das Haupt-Stirnbeisr an seiner schmäleren 
Stelle in Simosaurus verhältnissmäsig etwas schmäler ist 
als in Nothosaurus. Die Nasenlöcher sind, zumal im Ver- 
gleich zu den Augenhöhlen, in Simosaurus ein wenig länger 
als in Nothosaurus, und in erstem ist ihr vorderer Winkel 
auffallend spitzer, als in letztem. f 

Die beiden Seitenflügel der Hinterhaupts-Gegend dehnen 
sich auffallend weit nach hinten aus; während sie in Notho- 
saurus hinterwärts kaum weiter überstehen, als der zur Auf- 
nahme des ersten Hals-Wirbels bestimmte Fortsatz des un- 
teren Hinterhaupt-Beins, so ziehen sie sich im Simosauras 
noch ungefähr ein Drittel von der Hinterhaupts-Breite, der 
grössten Breite aım ganzen Kopf, weiter nach hinten. Hier- 
durch erhält die Hinterhaupts-Fläche eine bogenförmige Ge- 
stalt; und es wird in der Hinterseite des Schädels der tiefe 
Einschnitt gebildet, welcher zu den auffallendsten Abwei- 
chungen von Nothosaurus gehört. Die Breite des Schädels 
in der Hinterhaupts- Gegend ist von der grössten Breite, 
welche -der Schädel sonst besitzt, oder der sogenannten mitt- 
len Breite, in Simosaurus nicht so auffallend verschieden; 
an dem Exemplare, woran die Verschiedenheit beider Breiten 
am stärksten ist, würden sie sich wie 3:2 verhalten; ge- 
wöhnlich aber besteht weniger Unterschied; in Nothosaurus 
dagegen gestaltet sich dieses Verhältniss wie 2:1. BHier- 
nach wären die Seitenflügel der Hinterhaupts- Gegend in 
Simosaurus mehr nach hinten, in Notbosaurns mehr nach 
neben ausgedehnt. h 

Die Gegend der mittlen Schädel-Breite liegt in Notho- 
saurus unmittelbar vor der Hinterhaupts - Ausbreitung; in 
Simosaurus ist der Schädel: an dieser Stelle sogar schmäler 


188 


und die mittle Breite liegt weiter vorn in der der unge- 
fähren Längen-Mitte der Schläfengruben entsprechenden Ge- 
gend. Damit ist in Nothosaurus Anlage zum Parallelismus 
der Nebenseiten verbunden, in Siıosaurus aber mehr Krüm- 
mung derselben. Ä | 

Die Neigung der Hinterhaupt-Fläche nach vorn seheint 
im neuen Genus noch geringer zu seyn, als in Nothosaurus. 
In der Fläche selbst besteht im Allgemeinen grössre Ähnlich- 
keit mit letztem Genus, als mit Krokodil oder einem andern 
lebenden Saurus; die Unterseite scheint aber in der mittlen 
Gegend noch einfacher gebildet, da ich den in Nothosaurus 
auf jeder Seite neben dem untern Binterhaupts-Bein hän- 
genden kurzen Fortsatz nicht bemerken konnte. Feirner ist 
die Oberseite der Hinterhaupts-Fläche nieht, wie in Notho- 
saurus, von den Enden an gegen die Mitte hin eingesenkt, 
sondern gerade, und fällt an den näher beisammen liegenden 
Ecken nach hinten und aussen ab. Die Höhe der Hinter- 
haupts-Fläche beträgt in der mittlen Gegend, abgesehen von 
den Seitenflügeln, ungefähr den vierten Theil von der gan- 
zen Breite der Binterhaupts-Gegend, in Nothosaurus etwas 
mehr als das Drittel, und doch erscheint in Simosaurus der 
Schädel nieht ganz so platt als in letztem Genus, was von 
der Stärke und dem Herabhbängen der Seitenflügel herrührt. 
Der zur Aufnahme der Wirbelsäule dienende Hinterhaupts- 
Fortsatz ist einfach knopfförmig gestaltet. An den vorlie- 
genden üxemplaren ist er verhältnissmäsig etwas geringer 
als in Nothosaurus und, statt wie in diesem queer-oval zu 
seyn, mehr herzförmig gestaltet, indem er da, wo er dem 
Ausgang des Hinterhaupts-Loches zur Unterlage dient, breiter 
und abwärts spitzer sich darstellt. Das Hinterhaupts-Loch 
wird von der Kreis-Form kaum abweichen; an den unter- 
suchten Exemplaren war es aber entweder nicht zu ent-- 
blössen oder zu sehr zerdrückt, um genau erkannt zu wer- 
den. Die über dem Hinterhaupts-Loche liegende Gegend ist 
von der Scheitel-Fläche stufenförmig abgesetzt; sie liegt da- 
her etwas: tiefer und steht auch weiter biuten hinaus, als 


189 


diese; oben ist jene eigenthümlich geformte Gegend in der 
Mitte längs-gekielt, was ich auch an mehren Exemplaren 
von Nothosaurus bemerkt habe. Die zu beiden Seiten der 
Hinterhaupts-Fläche schräg nach hinten und seitlich steliende 
grosse Pauken-Grube, welche eine Verwandtschaft des No- 
thosaurus mit den Schildkröten verräth, habe ich in Simo- 
saurus nicht vorgefunden. Dafür ist auf der Hinterhaupts- 
Fläche die Gegend des seitlichen Hinterhaupt-Beins von der 
untern Gegend, welche hauptsächlich aus dem Paukenbein 
bestehen wird, durch eine hinterwärts sich erweiternde 
Furche getrennt. Die Seiten-Flügel des Hinterhauptes fallen 
nicht allein durch ihre Länge, sondern auch durch ihre 
Breite auf, welche am Unter-Ende, wo die Gelenk-Fiäche 
zur Aufnahme des Unterkiefers liegt, am grössten ist; diese 
Gelenk-Fläche ist weit breiter, als hoch, und bestand haupt- 
sächlich aus einer grössern Konkavität und wohl auch noch 
aus der kleinen Konvexität, welche weiter nach innen liegt. 
Die Scheitel-Fläche ist hinten konkaver ausgeschnitten, 
als in Nothosaurus. In letztem liegt der hintere dreieckige 
Theil der Scheitel-Fläche fast bis zu dem Scheitel-Loch ver- 
tieft, wovon in Simosaurus niehts bemerkt wird. 
Unmittelbar vor den Nasen-Löchern, in der Gegend, wo 
der Schädel gewöhnlich am schmalsten sich darstellt, beträgt 
die Breite desselben in Simosaurus mehr als die halbe mittle 
Schädel-Breite, in Nothosaurus weniger. ' 
| Zur Bestimmung der Form der in der Diaemaifien lie- 
genden vordern Gaumen-Öffnung fehlt es noch an genügen- 
den Anhalts-Punkten. ich habe mich indess davon über- 
zeugt, dass der hintere Winkel dieser Öffnung jedenfalls 
weiter zurück liegt, als der hintere Winkel der auf der 
Oberseite befindlichen Nasen-Öffnungen. Der vordere Winkel 
der Gaumen-Öffnung ist noch nicht vollständig aufgefunden. 
In kurzer Entfernung von der Gaumen-Öffnung bemerkte ich 
vor derselben die gerundete hintere Seiten-Ecke eines ei- 
genen, von vorn in den Kiefer-Knochen eingreifenden Beines, 
das vielleicht der Zwischenkiefer ist, der alsdann, wenigstens 


190 


in dieser Gegend anders beschaffen war, als bei Nothosaurus. 
Die vordere Gaumen-Öffnung scheint in.einer einzigen Öff- 
hung von ungefähr der halben Breite des Schädels in der 
Gegend, wo sie liegt, zu bestehen ‚und ungefähr halb so lang 
als breit zu seyn. Weniger zweifelhaft ist es, dass in diese 
Öffnung hinten in der Mitte ein kurzer stumpfer Fortsatz 
hineinragt, welcher in dem vorderen Ende der Flügelbeine 
bestehen wird. In Nothosaurus ziehen diese Flügelbeine 
bis in den Zwischenkiefer hinein, wobei sie die Gaumen- 
Öffnung in zwei lang-ovale Löcher trennen. Somit ist jeden- 
falls gewiss, dass in Betreff der vorderen Gaumen-Öffnung 
eine grosse Verschiedenheit zwischen Simosaurus und No- 
thosaurus besteht, und: dass erster durch die Einfachheit 
seines Gaumen-Loches eher an Krokodil erinnern würde, 
wo es aber weit weniger geräumig ist und ganz dem Zwi- 
schenkiefer angehört. | ’ 
- Mit Ausnahme dieser vordern Gruner Öihrg bildet 
die Unterseite des Schädels eine völlig geschlossene Platte, 
und es verräth hierin der Simosaurus wieder grosse Ähn- 
lichkeit mit dem Nothosaurus. Die vorherrschende Breite, 
so wie der Umstand, dass die Länge der in der hinteren 
Hälfte vorkommenden beiden Seiten-Einschnitte nur 4, in Ne- 
thosaurus aber fast die ganze Schädel-Breite messen, verleiht 
der Unterseite des Schädels des Simosaurus das Ansehen 
einer ausgedehnteren geschlossenen Knochen-Platte, wobei 
nieht übersehen werden darf, dass bei ihm ein in Notho- 
saurus kaum wahrzunehmender Einschnitt in der Hinter- 
seite hinzutritt,. der weniger durch die Verlängerung der 
Pauken- und Flügel-Beine, als dadurch gebildet wird, dass 
das eigentliche Hinterhaupt den hintern Enden des Ober- 
kiefers weit näher liegt, als in Nothosaurus; und es ist 
diess so auffallend, dass, wenn man sich die hintern. Enden 
des Oberkiefers mit dem Gelenk-Fortsatz des Hinterhaupts 
verbunden denkt, man beim Simosaurus einen sehr stampfen, 
beim Nothosaurus dagegen einen sehr spitzen Winkel'er- 
hält. Diese Knochen-Platte der Unterseite wird, wie “es 


191 


scheint, wie in Nothosaurus auch nur durch. die Oberkiefer- 
beine, Gaumenbeine und Flügelbeine gebildet, von denen 
erste auf die Seiten-Ränder beschränkt sind und durch die 
andern verhindert werden, in gegenseitige Verbindung zu 
treten. Auch die Gaumenbeine sind, wie in Nothosaurus, 
durch das Dazwischentreten der Flügelbeine von einander ge- 
trennt. In Nothosaurus führt das Gaumenbein an dem hin- 
tern Ende des Oberkieferbeins etwas weiter zurück, als es 
in Simosaurus der Fall ist, und in letztem Genus scheint 
der viel stumpfer als in Nothosaurus sich darstellende vor- 
dere Winkel der seitlichen Flügelbein-Einsehnitte fast ganz 
durch das Flügelbein begrenzt zu werden, dem in Simo- 
saurus überhaupt eine grosse Ausdehnung zusteht. .Die weit 
über die Hinterhaupts-Fläche zurückführenden Fortsätze der 
Flügelbeine hat Nothosaurus nicht aufzuweisen; man könnte 
jedoch etwas Ähnliches in den Seitenflügeln der Flügelbeine 
des Krokodils vermuthen, die indess, mehr seitwärts gestellt, 
herabhängen und mit dem Paukenbein nicht verbunden sind; 
‚während sie in Simosaurus horizontal nach hinten ziehen 
und mit dem Paukenbein oder den Seitenflügeln des Hinter- 
hauptes eng verbunden erscheinen. | 

An den Schädeln des Simosaurus war es mir nicht mög- 
lich, die Nähte, welche durch das Zusammenliegen der ein- 
zelnen Kopf-Knochen entstehen, mit Sicherheit zu verfolgen, 
und: selbst die Sprünge oder durch Druck entstandenen Ver- 
sechiebungen zeigen bei den verschiedenen Exemplaren so 
wenig Übereinstimmendes, dass ich auch auf diese keine 
Vermuthung zu: gründen wage; wesshalb ich die Nähte lie- 
. ber ganz übergebe. An dem Schädel des Nothosaurus kenne 
ich die Nähte so genau, wie sie sich immer an nicht fossilen 
Thieren verfolgen lassen. | 

Die Zähne des Simosaurus stecken, wie’ die des Notho- 
saurus, seines Verwandten und Zeitgenossen, mit langen 
starken Wurzeln in getrennten Alveolen. Im Oberkiefer 
kenne ich sie bis in die Gegend vor den Nasenlöchern, von 


denen schon einer oder der andere dem Zwischenkiefer 
Jahrgang 1842. 13 


192 


angehören‘ wird. Sie führen zurück. bis in die Gegend'.der 
bintern Hälfte der, Schläfen-Grube. Auf die angegebene 
Strecke werden auf jeder Seite 25—26. Alveolen mit. 'ge- 
ringer gegenseitiger Entfernung kommen für Zähne, welche 
allmählich an Grösse und; Stärke zunehmen, je ‚weiter vorn 
sie sitzen, so..dass; der Durehmesser der vorderen: vorhan- 
denen Zähne das Doppelte. des Durchmessers der hintern:er- 
reicht ; an Länge scheint: die Zahn-Krone der vordern gegen 
die hintern. verhältnissmäsig mehr zuzunehmen. ‚ Wie ganz 
anders verhält sich. hierin Nothosaurus! In diesem Genus 
führen die Zähne nur bis in die Gegend der: vordern Hälfte 
der Schläfen-Grube zurück, und gleichwohl ist die Zahl der 
Alveolen, welche auf eine Strecke kommt, die der bei Si- 
mosaurus gekannten gleicht, um. ungefähr die Hälfte grösser, 
so. dass die Zahl in Simosaurus zu: der in Nothosaurus sich 
verhält wie 2:3. Dabei sind in Nothosaurus diese Zähne 
klein und: nehmen bei. ihrem: Stande: weiter vorn: nur unbe- 
deutend an Stärke zu, wofür aber in der Gegend zwischen 
den Augenhöhlen und den Nasenlöchern auf jeder Seite zwei 
die Reihe: der kleinen. Zähne: unterbreehende Alveolen (in 
Nothosaurus giganteus:nur eine) für auffallend: starke 
und lange Zähne auftreten und der Zwischenkiefer mit 
weiter auseinanderstehenden starken und langen Zähnen, be- 
waffnet ist. . Dieser die Annahme: von Schneide-, Eck- und 
Backen-Zähnen: zulassende Grössen-Unterschied besteht in  Si- 
mosaurus eben: so: wenig, als die in Nothosaurus ferner vor- 
handene kleine Zahn-lose Lücke: hinter den. Sehneidezähnen. 
Hiezu kommen nun noch die Abweiehungen, welche in Be- 
treff der Zahn-Krone zwischen beiden Genera wahrgenom- 
men. werden. Es sind nämlich in Simosaurus: selbst. die 
kleineren Zähne verhältnissmäsig stärker und etwas. stumpfer 
koniseh geformt und dabei: schwach. von aussen nach innen 
gekrümmt; unter der Zahn-Krone sind: sie bei Beginn. der 
Wurzel etwas eingezogen, über der Basis der: Zahn-Krone 
aufgetrieben , an der Aussenseite und zwar nur an. dieser. 
mit einer stumpfen Kante versehen, welche der Zahn-Krone: 


193 


einen mehr oder weniger starken Höcker verleiht; der 
Queerschnitt kommt mit Ausnahme der Stelle, wo diese 
Kante durchselinitten wird, dem Kreise sehr nahe, die Strei- 
fen gehen alle bis zur Spitze, welche mehr oder weniger 
abgenutzt erscheint, und verlieren sich nach unten da, wo 
die Zahn-Krone bauchiger wird; an der Innenseite stehen 
die Streifen am diehtesten; nach der Aussenseite hin wer- 
den sie, zumal vorn, sparsamer bemerkt, und diese 
Streifen, welche mehr das Ansehen von Längs-Eindrücken 
haben, gehen von der mit Schmelz überdeekten Zahn-Sub- 
stanz aus und werden dureh ersten nicht verstärkt. In den 
Zähnen des Nothosaurus gehört die Streifung ebenfalls der 
vom Schmelz überdeckten Zahn-Substanz an; sie wird aber 
von jenem noch etwas erhöht, und dabei sind die Zahn-Kronen 
im Ganzen schlanker, schwach nach innen und hinten ge 
krümmt, über der Basis nicht aufgetrieben und ohne Kante: 

' Nach einem Fragment aus der linken Unterkiefer-Hälfte 
sind die auf den getrennten Kiefer-Ästen sitzenden Zähne 
von gleiehförmigerer Grösse und im Allgemeinen kleiner als 
im Oberkiefer, worin sie den Zähnen des Unterkiefers in 
Nothosaurus gleichen, die jedoch verhältnissmäsig noch 
kleiner und schlanker sind. Diese unteren Zähne des Si- 
mosaurus stimmen indess mit denen des Oberkiefers darin 
überein, dass sie kurz und stumpf, unter der Krone etwas 
eingezogen, über der Kronen-Basis aufgetrieben und an der 
Aussenseite mit einer stumpfen, in der ungefähren Mitte am 
meisten sich verstärkenden und hier einem Höcker nicht un- 
ähnlich sehenden Kante versehen sind; die kaum merkliche 
Krümmang der Spitze geht nach innen, und die Streifung 
gleicht ganz der an den oberen Zähnen; auch ist die Spitze 
durch Abnutzung etwas abgestumpft. 

Aus der Gleichförmigkeit der auf die freien Kiefer-Äste 
kommenden Zähne konnte mit einiger Wahrscheinliekeit ge- 
schlossen werden, dass das vordere Ende des Unterkiefers 
mit stärkeren Zähnen bewaffnet seyn würde. Wirklich fand 


sich auch der Vordertheil eines Unterkiefers vor, der aus 
13 * 


194 


der Symphysis mit einem kurzen Stück von den getrennten 
Kiefer - Hälften besteht. Der ihm zu Grunde liegende Ty- 
pus ist ganz derselbe, wonach der Unterkiefer des Notho- 
saurus gebildet ist. Wie in Nothosaurus, so kommen auch 
hier auf die Symphysis im Ganzen 10 Alveolen für grosse 
Zähne, 5 auf jede Hälfte. Die erste Alveole der rechten 
Hälfte ist von der ersten der linken ungefähr so weit ent- 
- fernt, als die dritte von der vorsitzenden oder nachfolgenden, 
während die erste von der zweiten, besonders aber die 
vierte von der fünften geringere Entfernung zeigt; die letzte 
grosse Alveole gehört noch zur Hälfte der Symphysis-Strecke 
an; eine ähnliche Vertheilung bemerkt man auch in Notho- 
saurus. Von den grossen Zähnen ist keiner überliefert; ihr 
Durchmesser war, nach, Wurzel-Fragmenten zu urtheilen, 
etwas stärker als der, welchen die vordersten Zähne an den 
fragmentarischen Schädeln von Simosaurus zeigen, Die Al- 
veolen für die kleinen Zähne sind von derselben Stärke, wie 
an dem unbezweifelt von Simosaurus herrührenden Unter- 
kiefer-Fragmente. Beide Kiefer-Hälften bilden einen Winkel 
von ungefähr 50°. Bei aller Ähnlichkeit mit Nothosaurus 
unterscheidet sich dieser Unterkiefer von ihm doch daderch, 
dass die Symphysis verhältnissmäsig kürzer und breiter, die 
grossen Alveolen etwas grösser und der Unterkiefer vorn in 
der Mitte mit einem kleinen Einschnitt versehen ist. Wenn 
die von Cuvier (oss. foss. V, ı1, pl. 22, fig. 5, 6) von Zu- 
neville mitgetheilte Unterkiefer -Hälfte mit erhaltenem hin- 
terem Ende ebenfalls von Simosaurus herrührt, so besteht 
auch in diesem Theil zwischen ihm und Bi nach 
der Zeichnung, nur geringe Abweichung. 

Die Überreste von Simosaurus haben mir über das Er- 
setzen der Zähne und den Zweck der neben den Alveolen 
weiter nach innen liegenden Zahn-Gruben wichtige Auf- 
schlüsse geliefert, welche auf Nothosaurus und andere ver- 
wandte Saurier anwendbar seyn werden. Die Zahn-Grube 
nämlich. welehe von den Alveolen der Symphysis-Streeke und 
des vordern Endes des Oberkiefers weiter nach innen, auf 


195 


‚den getrennten Kiefer-Hälften aber neben der Reihe der 
kleinen Alveolen in einer Rinne liegen, sind wirkliche Lö- 
cher, die mit dem Innern der Zahn-Zelle zusammenhängen. 
Sie werden Gefässen den Durchgang gestättet und andere 
beherbergt haben, die zur Ernährung des erwachsenen Zah- 
nes dienten, so wie die Entstehung und Ernährung des 
Ersatz-Zahnes möglich machten. An Stellen in der Nähe 
des vordern Endes des Oberkiefers, auf der Symphysis- 
Strecke des Unterkiefers und auch auf den freien Kiefer- 
Ästen desselben habe ich mich überzeugt, dass der Ersatz- 
Zahn in diesen Löchern liegt. Ist die Wurzel des: alten 
Zahnes noch vorhanden, so nimmt der Ersatz- Zahn in 
der Nähe dieser einwärts gebogenen Wurzel seine Ent- 
stehung, nicht aber in dem früheren Zahne selbst; das 
Wachsen und Verändern des Ersatz-Zahns geschieht von 
innen nach aussen, wobei er dem alten Zahn oder dessen 
Wurzel iimmer näher rückt und, wenn er angelangt ist, sich 
in seinen Vorgänger gleichsam hineinfrisst und ihn untergräbt. 
Ich habe ferner die Bemerkung gemacht, dass die Gegenwart 
des Ersatz- Zahns keineswegs abhängig ist vom Alter des 
früheren Zahnes; es gibt Alveolen, aus denen noch ganz ge- 
sunde Zähne herausstehen, und demungeachtet zeigt sich 
durch das Gefäss-Loch hindurch der ihren Untergang dro- 
hende Keim-Zahn, der entweder vom früheren Zahne noch 
getrennt ‚oder an ihn schon herangerückt ist; ‚bei andern 
Alveolen ist es nur der Wurzel-Rumpf alter Zähne, in des- 
sen Nähe der Keim-Zahn wahrgenommen wird. Die Lage 
des Keim-Zahns im Gefäss-Loche konnte, zumal in der ersten 
Zeit, sehr verschieden seyn; bei weiterer Entwickelung nahm 
er seinen Weg: nieht immer unter der Knochen-Decke zur 
Alveole oder zum früheren Zahn, sondern sprengte bisweilen 
die Strecke vom Gefäss-Loch zur Zahn-Zelle auf oder trat 
mit der Spitze aus dem Gefäss-Loch heraus, um sich über 
der Knochen - Decke zur Alveole zu begeben, ‘wobei er ge- 
wöhnlich diese Strecke eindrückte. Für alle diese Fälle 
habe ich Beispiele aufgefunden, welche in der Monographie 


196 


“ 


der Muschelkalk-Saurier, durch Abbildungen erläutert, aus- 
führlich dargelegt werden sollen. 

Sämmtliche von mir bis jetzt aus dem Muschelkalk der 
Gegend von Lunevzlle untersuchten Schädel! und die Unter- 
kiefer-Fragmente nur mit Ausnahme von einem gehören einer 
grösseren Spezies an, die ich zum Andenken an den um die 
Fauna und Flora des Muschelkalkes schon zu Cuvier’s Zeiten 
verdienten Dr. GaAmtLARnoT, Vater, Simosaurus Gaillar- 
doti nenne; das andere damit nicht zu vereinigende Unter- 
kiefer-Fragment, in einem nach demselben Typus gebildeten 


Vordertheil bestehend, rührt von einem nur ungefähr 1 so 


grossen Thier her und deutet, abgesehen von dieser ge- 


ringen Grösse, auch durch die Form seiner Symphysis und 
die Lage der grossen Zahn-Alveolen eine eigene Spezies an, 
der ich den Namen Simosaurus Mougeoti gebe nach 
dem um die Fauna und Flora der Trias verdienten Dr. Mov- 
GEOT in Bruyeres, dessen Güte ich auch die Mittheilung eines 
grossen Theils dieser werthvollen Versteinerungen verdanke. 

Die Überreste aus dem Muschelkalke der Gegend von 
Luneville zeichnen sich von den namentlich zu Bayreuth ge- 
fundenen noch dadurch aus, dass sie sehr zerdrückt na 
Folve des Druckes zerbrochen aussehen und mit der Brut 
oder den Trümmern von Konchylien des Muschelkalkes be- 
deckt sind. Das Ansehen des Muschelkalks und der Kno- 
chen ist übrigens dem von Bayreuth ganz ähnlich. 

In der Sammlung zu Strassburg befinden sich einige von 
mir früher untersuchte Knochen aus dem Muschelkalke der 
Gegend von Luneville, worunter der obere Bogen von einem 
Rücken-Wirbel, an welchem ich schon, ehe ich den Simo- 
saurus vermuthen konnte, Abweichungen von den mir aus 
dem Muschelkalk von Bayreuth bekannten oberen Bogen von 
Rücken-Wirbeln derselben Grösse fand, die ich mir damals 
nicht erklären konnte. Der Unterschied besteht hauptsäch- 
lich darin, dass der obere Stachel-Fortsatz dieses Bogens 
verhältnissmäsig weniger hoch ist, als in Nothosaurus, und 
von der Stelle an, wo er entspringt, bis zum oberen Ende 


197 


hin allmählich an Dieke zunimmt. Im Übrigen besteht grosse 
Ähnlichkeit mit den Bogen der Rücken- Wirbel des Notho- 
saurus, selbst in Betreff der Kürze der Queerfortsätze und 
der hohen und schmalen Gelenk-Flächen an denselben; wie 
denn auch mehre in dieser Sammlung vorhandere Wirbel- 
Körper von derselben Lokalität sieh von denen des Notho- 
saurus aus dem Bayreuther Muschelkalk nicht wohl unter- 
scheiden lassen. 

Ich darf nieht unterlassen zu bemerken, dass ich ferner 
aus der Sammlung zu Strassburg vereinzelte Zähne aus dem 
Muschelkalk von Zuneville untersucht habe, welche durch 
verhältnissmäsig längere und schlankere Krone, durch ova- 
len @ueerschnitt und durch Mangel irgend einer Kante leicht 
von Simosaurus zu unterscheiden scheinen und sich mehr 
den Zähnen aus dem Muschelkalke Deutschlands anschliessen. _ 
Vielleicht gelingt es mir später, auch hierüber weitern Auf- 
schluss zu geben. 


Geologische Schilderung 

des grössten 'Theiles 
| ER naht 0 NE 
Gubernium Poltawa 


Hrn. GoTTLoB von BLÖDE. 


(Ein an Hrn. Bergrath PuschH in Warschau unter dem 30. Juli aus 
Charkow gerichtetes und von diesem mitgetheiltes Schreiben.) 


m 


Meine Aufgabe war: brauchbares Strassenbau-Material 
aufzufinden, und diess bestimmte als Haupt-Linie für meine 
Untersuchung die Richtung von der Knosh’schen Gouverne- 
ments-Grenze über Charkow, Poltuwa bis Krementschug. Von 
ihr bin ich dann 10—30 Werst rechts und links in das zu- 
nächst anschliessende Terrain gegangen. Nur an dem einen 
Ende der 220 Werst langen Distanz - Strecke liegen die 
wahren hammerfesten Gesteine; nach dem andern hin sind 
es meist zerbrochene und zerbrechliche Massen, vorzüglich 
aber Lehm und Sand, Ich will zuvörderst mit den här- 
testen den Anfang machen. — Es ist das plutonische Pro- 
dukt am Dnepr namentlich bei Krementschug ein Gneis, der 
theilweise dem Freiberger ähnelt. Bei seinem Anblick um- 
wehte mich daher auch einmal ein bergmännischer Hauch; 
aber der alte Silberbringer führt hier nur Gang-artige Trümmer 


199 


von grob- und gross-körnigem Granit, worin bald Quarz, bald 
Feldspath die Oberhand hat und Glimmer nur selten zum 
Vorschein kommt. Sie wechseln von 2'’— 1‘ Mächtigkeit und 
sind dabei scharf vom Nebengestein abgegrenzt, aber damit 
ziemlich fest verwachsen. Man sieht dieselben fast über- 
all in geringen Abständen und parallel nebeneinander in 
meist gleicher Richtung mit des Gneises Absonderung auf- 
setzen, wo von diesem nur einigermaasen zusammenhängende 
Partie'n entblösst sind. Das Letzte hat in der Gegend von 
Krementschug vorzüglich an 3 Punkten Statt. Vorerst ist 
das Fluss-Ufer (nämlich das diesseitige linke) unterbalb der 
Stadt mit kleinen Fels-Kämmen besetzt, die ein Bollwerk 
für einzelne Häuser gegen den Wellenschlag abgeben. Bei 
hohem Wasserstand verlieren sie aber ihre schützende Kraft 
und Kremen!'schug wird häufig dann eine Art Venedig. — 
Über den Wasser-Spiegel ragen ebenfalls hie und da Zacken 
heraus, und wo sie sich nicht darüber zu erheben vermocht 
oder schon dem Wellenschlag unterlegen sind, deuten die 
vielen kleinen Stromschnellen doch immer das durchaus 
harte Flussbette an. Bei der ziemlich vollkommenen Schiefer- 
Textur hat der Gneis auch fast durchaus deutliche Schichten- 
artige Absonderung. Die Lagen wechseln von 2'’—3‘ Mäch- 
tigkeit und zeigen ein ziemlich konstantes Einfallen von 
40°—60° in W, und NW. Sie entfallen. so diesseits dem 
Dnepr. — Ein 14 Werst nördlicheres Gneis - Vorkommniss 
ist das beim Spital Gottesacker. Die Felsart bildet hier 
einen länglichen niedrigen Hügel, an dessen einem Ende die 
Schichten-Köpfe zu Tage treten, während an’ dem entgegen- 
gesetzten andern Ende, unter einer mehre Fuss mächtigen 
Decke von mergeligem Lehm und Sand, Steinbruchbau Statt 
hat, in dem sich wohl auch zuweilen Lebende und Todte 
die Hände reichen. Es ist derselbe Gneis mit ähnlichen 
Gang-Trümmern und gleichem Schichten-Fall, als wie am 
Fluss-Ufer. So ist die Beschaffenheit auch der kleinen Gneis- 
Partie'n, die an dem flachen diesseitigen Thal-Abhang un- 


weit der Strasse nach Poltawa aus dem Sand hervorstossen. 


PZ 


200 


Diess ist das entfernteste sichtbare Gesteins- Vorkommniss 
am Fluss-Ufer, etwa 2 Werst davon entfernt. Dabei 'er- 
hebt es sich etwa 3—4 Faden hoch über den Wasser-Spie- 
gel, was die‘ grösste Höhe ist, die der Gneis in der Um- 
gebung der Stadt ’erreicht. Die mächtigen Sand-Hügel, 
welche sich hier höher über ihn aufthürmen, 'erniedrigen 
sich nördlich bald wieder; aber gleichwohl ist mit 'allen 
Wasser-Brunnen, die in den Ortschaften rechts und links 
der Poltawer Poststrasse bis 9 Faden tief gegraben worden 
sind, nirgends etwas anders als Sand oder Lehm getroffen 
worden. 

Man wird sich aus meiner geognostischen Skizze vom 
Gouvernement Charkew [Jahrb. 1841, 533] der Ansicht erin- 
nern, die ich über die wahrscheinliche Verbreitung der Stein- 
kohlen-Formation im südlichen Russland hege, und es ist eben- 
falls bekannt, dass fast gleichzeitig auch L. v. Buch in seinen 
Beiträgen zur Bestimmung der Gebirgs-Formationen Russlands 
[Jahrb. 1841, 127] die Anwesenheit jener in der Gegend von 
Krementschug vermuthet. Beides liess mich ‘keine Mühe 
scheuen, der mächtigen Schuttland-Deeke überall ins Innere 
zu sehen, wo sich nur eine Gelegenheit darbot; aber nach Al- 
lem scheint es, dass in der nähern und entferntern Umge- 
gend jener Stadt noch keine Zwischenbildung zwischen dem 
@neis und den Diluvial- Ablagerungen zu suchen ist. Um 
hierüber in andern Gegenden der Gneis-Zone Kenntniss zu 
erlangen und überhaupt die Gneis- Vorkommnisse mit ihren 
Decken längst des Dnepr zu beobachten, machte ich eine - 
Wasserfahrt bis zum Städtchen Keleberda, was einige 20 
Werst von Krementschug Strom-abwärts liegt. Der Fluss 
ging noch mit hohem Wasser, und so zeigten sich nicht alle 
die Gesteins-Zaeken ‘und kleinen Stromschnellen, die sonst 
bei niedrigem Wasserstand sichtbar seyn 'sollen; ‘dagegen 
äimponirten mehre kleine Gesteins-Inseln durch ihre weiss- 
gebleichten Felsen auf der dunklen Wasserfläche. Auf 
einer der bedeutendsten und nächsten von Kremenischug 
offenbarte sich noch ziemlich deutlieher westlicher Schichten- 


901 


Fall, aber je weiter davon, nimmt der Gneis ein granitisches 
Ansehen an, und das was zuvor als Schichtung erschien, 
wird nun eine unregelmässige senkrechte Absonderung oder 
blosse Zerspaltung. Diese interessante Abstufung verfolgte 
ich vorzüglich am diesseitigen Ufer, was mir wegen des 
 Stein-Geschäfts natürlich zunächst am Herzen liegen musste. 
Man denke sich aber auf keinen Fall dasselbe wegen des gnei- 
sigen Flussbettes auch durchaus felsig; im Gegentheil las- 
sen sich in der ganzen zuvor bemerkten Distanz höchstens 
S—10 Stellen zählen, wo anstehendes Gestein in Partie’n 
von meist unbedeutender Erstreckung die Sand- oder Lehm- 
Decke durchbricht. Eine der stattlichsten erhebt sich am 
Kinfluss des Psol, und ich muss sie, wegen der ergötzlichen 
Landschaft, die sich hier damit verbindet, die Schweitzer- 
Partie des Dnepr nennen. — lch weiss nicht, ob auswärts je 
etwas über die lieblichen Gegenden von Worskla und vor- 
züglich von Psol bekannt geworden ist: sie würden sich fast 
mit den anmuthigsten Thal-Gründen von Süddeutschland mes- 
sen können, wenn ihnen statt der vielen gelben Lehm-Racheln 
nur die Fels - Partien der weniger anlockenden Dnepr- 
Gegenden 'eigen wären. Gerade diess ist aber nun an der 
angezeigten Stelle der Fall. Die Felsen erheben sich nun 
freilich nieht in die Alpen-Regien, sondern nur 'zu der be- 
scheidenen Höhe von 4—5 Faden; aber dafür verwickelt 
sich nun auch mit ihnen bis auf ihre höchsten Spitzen die 
üppige Vegetation des Psul-Grunds. Stellt man sich auf 
einen derselben, das Gesicht Strom-aufwärts gewendet, so 
hat man links unter sich die riesige aber klare Wasser-Masse 
des Dnepr mit seinen ‘Stromschnellen und Felsen- Zacken, 
die wie Nymphen sich bald auf- bald unter-tauchen, je nach- 
dem eine Welle sie bedeckt oder bloslegt; vorwärts am 
Ende des weit ausgedehnten Wasser-Spiegels präsentirt sich 
Krementschug wie eine Haven-Stadt, während sich halb rechts 
nun der Vordergrund des Psol-Thals mit einem grünen 
Wiesen-Teppig eröffnet, auf dem wild romantisch geordnete 


Baum-Groppen von allerlei Laub- und Nadel-Holz prangen, 


202 
durch welche stellenweise der Psol selbst wie ein Silberblick 
durchsehimmert. So ist die Umgebung der Fels - Partie 
auch rückwärts; nur dass hier .noch, gleichsam um dem 
Ganzen das vollendetste Gepräge aufzudrücken, auf der 
Höhe des Hügels eine Kosacken-Familie nistet, deren Vieh- 
stand, ein paar Ziegen, wie lustige Gemsen auf den Felsen 
herumhüpfet. So hat man hiermit ein Feder-Gemälde von 
einer Dnepr-Psol-Landschaft. Setzet man noch Einiges 
hinzu, nimmt Anderes hinweg, so wird man mir Recht geben, 
dass ein soleher Punkt in der Steppe wohl eine Schweilzer- 
Partie genannt werden kann. — Der Gneis der Felsen 
ist schon ein gelber Gnanit, worin schiefrige und körnige 
Textur um die Herrschaft ringen. Die Schichten-artige Ab- 
sonderung hat daher einer mehr nur irregulären senkrech- 
ten Zerspaltung Platz gemacht, mit der inzwischen die 
Blättchen des Glimmers parallel liegen. So verhaiten sich 
auch die hier vorkommenden Granit- Gänge. Vom Dnepr- 
Ufer setzt hier das Gestein einige Werst am Psol fort, 
wobei es ähnlich wie bei Kremenischug durch einen schma- 
len niedrigen Hügel markirt wird, der eine kümmerliche 
Vegetation trägt und hie und da mit Fels-Blöcken bedeckt 
ist. Zu beiden Seiten liegen Diluvial- Absätze, und wo der 
Hügel endigt, nehmen solche allmählich die gewaltige Mäch- 
tigkeit an, die ihre Verbreitung auszeichnet. Nichts ist 
noch von Anzeichen einer Zwischenbildung vorhanden. — 
Bis Keleberda machen sich nun ‘nur noch ‘einige Gesteins- 
Partie'n bemerkbar, und je näher diesem Ort, desto mehr 
wird deren Natur granitisch. Das Städtchen selbst liegt 
fast ganz auf Felsen-Grund, und da sich dieser zum Theil 
gegen 5 Faden über den Dnepr erhebt, so hat nur der 
niedrig gelegene Stadt-Theil die Wuth des Stromes zu fürch- 
ten. Gleichwohl zeigt der ganze Vordergrund des Hügels 
ein Bild wilder Zerstörung; es scheinen noch die Wahr- 
zeichen von der frühern Wasser-Gewalt zu seyn, die grosse 
Gesteins-Massen von einander getrennt und zum Theil das 
Unterste zu oberst gekehrt hat. Nach dem vorherrschenden 


203 


petrographischen Charakter muss man den Bestand dieser 
Massen schon als Granit anerkennen; nichtsdestoweniger 
hat sich aber das Gestein gänzlich dem Krementschuger 
Gneis entfremdet. Es ist ein kleinkörniger Granit, aus 
äbnlichem röthlichem Feldspath, grauem Quarz und schwar- 
zem Glimmer gebiliet, als wie diese dem Gneis eigen sind, 
nur dass der Glimmer einen sehr geringen Antheil an der 
Zusammensetzung hat und zuweilen ganz fehlt. Dieser 
Zug und dass kein Bestandtheil zu Krystallen ausgebildet, 
erinnert an den Podolischen Granit; auch ist er eben so, 
wie dieser, ohne jede andere Mineral-Beimengung , als zu- 
weilen etwas Granat. Niehtsdestoweniger ist doch aber 
immer der allgemeine Habitus zwischen den Gesteinen des 
Dneprs und Bugs ein verschiedener. — Im Grossen zeigt 
die Keleberdaer Felsart ähnliche senkrechte Absonderung, 
wie sie von vorgängigen Partien bemerklich gemacht wor- 
den ist, nur ist Mächtigkeit und Parallelismus seiner 
Platten noch variabler. Darnach scheint sich nun auch 
das Verhalten der Granit - Gänge zu modifiziren, die hier 
eben so häufig wie im Krementschuger Gneis vorkommen 
und dieselbe Gesteins - Beschaffenheit wie dort auch über- 
all da zeigen, wo sie sich nur der Beobachtung darbieten. 
Es scheinen überhaupt diese Gang-artigen Granite so an 
allen den übrigen Gesteins- Massen zu haften, wie die den 
ältern Kalkstein - Bildungen eigene Kalkspath- Durchtrüm- 
merung. — Etwas anderes als Diluvial-Straten ist ebenfalls 
über dem Keleberdaer Granit nicht zu sehen. Aller Orte, 
wo er sich gegen N.O. unter einer Decke versteckt, sind 
es jene, welche diese bilden, und schon bei einigen Wersten 
Entfernung stehen alle Wasser-Brunnen und tiefe Wasser- 
Racheln bis in das Fluss - Niveau im Lehm und Sand, Es 
hat so auch hier den Anschein, als wenn das krystallinische 
Gebilde seitwärts vom Drepr schnell der Tiefe zufiele, und 
der Umstand, dass seine Erhöhung und der Fluss-Lauf strich- 
_ weise zusammentreffen, möchte vielleicht am wahrscheinlich- 
sten durch eine Spalte bedingt worden seyn, wodurch diesem’ 


204 


die Richtung vorgezeichnet ward.  Keineswegs aber dürfte 
der Fluss-Lauf durch den Gneis- Granit-Rücken allein be- 
stimmt worden seyn, und weine Beobachtungen beriehtigen 
daher auch die Angabe von Dusois u. A., welche irviger 
Weise. die Dnepr-Gesteine erst bei Jehalerinoslaw,, 150 Werst 
unterhalb Krementschug, auf die linke Fluss-Seite übertreten 
lassen. — Es ist gerade die Gegend, wo sich der Dxepr 
plötzlich gegen S. herein wendet, und so hat man vielleicht 
damit den Mangel an. Beobachtungen ergänzt. — Wie weit 
von jenem Rücken ab könnten aber nun wohl die Gebirgs- 
Bildungen und insonderheit darunter die Kohlen -Formation 
zu suchen seyn, welche namentlich im benachbarten Gou- 
vernement Jehaterinoslaw in der Nähe der plutenisehen 
Felsarten an die Oberfläche gebracht worden sind! Die 
Erscheinung, dass man zunächst und entfernter von jenem 
auf keine Spur, selbst auf kein Anzeigen stösst, ist eine 
auffällige, und es. möchte desshalb ihre Deutung mit Ver- 
hältnissen verknüpft seyn, die denen von den Jekuterinos- 
law’schen Gegenden gerade entgegengesetzt wären. — Sollte 
man nämlich nieht annehmen können, der Granit-Gneis-Rücken 
aın Dnepr sey schon vor der Kohlen-Bildung erhoben und 
habe den westlichen. Rand der Mulde abgegeben, innerhalb 
deren jene zur Entwickelung gekommen, während die gleich- 
artige Unterlage für die Kohlen-Formation am Donetz evst 
nach Entstehung der letzten in die Höhe getrieben wor- 
den seye® und möchten nicht die dasigen vielartigern plu- 
tonischen Gesteine, wovon der grössere Theil wohl als 
Durchbruchs- Produkte gelten kann, ein schlagender Be- 
weis dafür seyn $ — Über denselben Gegenstand habe ich 
schon in einem Brief [Jahrb. 1841, 510], bei Gelegenheit, wo 
ich auf die grosse Verschiedenheit zwischen den Podolischen 
und Jekaterinoslawer plutonischen Gesteinen und noch mehr 
auf das abweichende Verhalten ihrer Decken-Gebirge auf- 
merksam gemacht, eine ähnliche Meinung geäussert, und 
ich bringe diese hiermit in Erinnerung. — Ist Erstes nun 
aber der Fall, alsdann kann jenes Fehlen der ältern 


205 


neptunischen Absätze zunächst dem Ausgehenden ihres 
Grund-Gebirgs noch weniger befremden ; ınan wird im Gegen- 
theil nach Analogie der Gebirgs - Konstitution im Charkow- 
schen und Jekalerinvslawschen auch ihr Daseyn im Poltaw- 
schen voraussetzen können, nur dass sie hier tiefer unter 
der Oberfläche und so auch erst in grösserem Abstand von 
dem ausstehenden Gneis-Granit-Kamm liegen dürften. — 

Gern hätte ich in der Distanz, wo ich die Dnepr- 
Gesteine auf der linken Ufer-Seite verfolgt, auch auf der 
rechten untersuchen mögen, weil sich aus vergleichenden 
Verhältnissen beider gewiss einige interessante Ergebnisse 
vermuthen lassen; doch da die rechte Ufer-Seite nichts mit 
dem: diesseitigen Strassen - Bedarf zu schaffen hat, so be- 
schränkte ich mich blos auf die Besichtigung der Felsen 
beim Städtchen Krukow, was Krementschug vis-&a-vis liegt 
und noch ein Enclave des Poliawer Gouvernements ist. Zwi- 
schen den Gesteinen von beiden Orten ist kein Unterschied; 
nor. der Fall-Winkel der Schichten -artigen Absonderung 
schien mir an den Gneis- Felsen bei Krukow etwas stär- 
ker, als an jenen bei Krementschug zu seyn. Gegen eine 
Werst vom Ufer erhebt sich das rechte Thal-Gehänge be- 
deutend steiler und höher, als das diesseitige linke, und 
zieht so vom Fluss aus gesehen wie eine Hügel-Reihe 
längs demselben fort. Zugleich sollen an ihm. die Ufer- 
Gesteine ein: höheres Niveau unter den Diluvial- Ablagerun- 
gen. erreichen, als diesseits. Wäre es der Fall, so 
möchte diess eine beachtungswerthe Erscheinung seyn, die 
im Verein mit genauen Abnahmen der Sehichten - Neigung 
zu wichtigen Anhalts - Punkten über die Entstehungs- Art 
des Dnepr-Thals führen könnte. 

Bevor ich jetzt Pruro’s Steinreich verlasse, muss ich 
sehliesslich noch ein: Mal auf den früher berührten Übergang 
des Gneises in Granit zurückkommen. In der That ist 
dieser zwischen Krementschug und Keleberda so vollkommen 
und findet so successive statt, dass man sieh eine zauber- 
hafte Wirkung von gar sonderlichen geisterhaften Mächten 


206 


denken muss, wenn man den Gneis als ein metamorphisches 
und den Granit als ein plutonisches Erzeugniss ansehen 
und: so beiden natürlichen Brüdern ein freındes Eltern-Paar 
geben will. — Überhaupt bin ich noch nicht im Stand, mich 
mit der Umwandlungs - Hypothese zu befreunden; es liegt 
‚doch gar zu viel Gespensterhaftes: darin. — i 
Ich springe gegenwärtig nun auf die lockern Massen 
— die Diluvial-Bildungen — über, Zwar gibt es in dem 
Landstrich, von dem hier die Rede ist, noch einige andere 
Gesteine zwischen jenem und dem plutonischen Gebilde, 
aber es werden sich deren zum Theil ganz eigenthümliehe 
Verhältnisse klarer herausstellen lassen, wenn zuvor erst 
von dem Diluvium die Sprache gewesen ist. — Diess Letzte 
macht durch seine ungeheuern Lehm- und Sand- Massen 
wirklich auf eine Europäische Bedeutsamkeit Anspruch. 
Alle Nebenthäler des Dnepr sind in ihm eingeschnitten 
und alle Wasser-Brunnen, selbst die tiefsten, in ihm ausge- 
graben. Daraus kann man schon ebensowohl auf seine 
überaus grosse Mächtigkeit als wie auf seine durchgreifende 
Verbreitung schliessen. Es gleicht einem wahren ‚Meer, 
dessen messbare Tiefe stellenweise bis 20 Faden beträgt; 
Alles was von andern Gesteinen noch vorkömmt, erscheint 
nur insularisch darin. Recht interessant sind stellenweise 
gewaltige Racheln im Lehm, vor denen man oft plötzlich 
wie vor lauernden Schlangen-Rachen steht. Es sind diess 
mehr Stockwerks-Pingen-artige Einbrüche in der Lehm-Masse, 
als Wasser- Auskesslungen , obwohl Wasser durch früheres 
Eindringen in die Risse des Lehms grösstentheils die Grund- 
Ursache dazu gewesen seyn mag. Desshalb 'endigen‘ die 
sneisten dieser Schlünde auch in Thälern, aber die Haupt- 
Weitungen liegen zuweilen 1 Werst davon ab, und von 
ihnen gehen nach verschiedenen Richtungen schmale aber 
Jlangerstreckte Boden-Senkungen von 1 bis zu mehren Fussen 
Tiefe aus, wodurch sie ihr Reich auf Kosten des Ackerbaues 
immer mehr zu vergrössern suchen. So mögen fast unver- 
kennbar denn die schwachen Erdbeben, welche Perioden- 


207 


weise: durch’s' südliche Russland ihren Zug. nehmen, auch 
anderntheils einen gewissen Antheil an der ganzen’ Erschei- 
nung haben. — Sand und Lehm als wahre massige Diluvial- 
Erzeugnisse sieht man kaum sich gegenseitig. überlagern; 
sie stossen in horizontalen Richtungen aneinander, und es 
gewährt mitunter einen frappanten Anblick, an Thal-Wänden 
beide hart nebeneinander zu sehen. Allerdings tritt auch 
strichweise eine Lehm-Kruste über Sand ‚und umgekehrt 
eine Sand-Decke über Lehm auf; aber diess sind mehr jün- 
gere Bildungen. Beider Mächtigkeit beträgt nur 1—2 
Faden, und sodann lässt sie auch ihr mineralogischer Cha- 
rakter sogleich von den massigen Lehm- und Sand-Vorkomm- 
nissen unterscheiden. Der ältere Lehm ist meist mergelig, 
dabei ziemlich kompakt und stellenweise voller. Kalk-Kon- 
krezionen und der ältere Sand ungleich krystallinischer. als 
der jüngere. In Hinsicht der Sande muss man aber auch 
nieht noch einen dritten damit verwechseln, der zwar zu 
jenen das meiste Material geliefert hat, aber einer Sandstein- 
Bildung angehört, von der bald die Rede seyn wird. Ich 
habe eben beiläufig der bekannten Kalk- Konkrezionen ge- 
dacht. Diese kommen im Poltawschen in weit grösserer 
Frequenz vor, als sie mir in dem Lehm von Podolien 
und Bessarabien und selbst im Charkowschen aufgestossen 
sind. Vorzüglich. ist eine obere ziegelrothe ziemlich ver- 
härtete Lehm-Schicht ihr Hauptsitz, in der sie ohne Ordnung 
zerstreut liegen, und wo diese striehweise durch Wasser 
zerstört worden ist, da gibt es ähnliche Haufwerke, wie 
sie im Kreide-Gebirge öfters die ausgewasehenen Feuersteine 
zeigen, Die Meinung, welche diesen Knollen einen organi- 
schen Ursprung zuschreibt oder darin Ähnlichkeit mit den 
sogenannten Imatra-Steinen finden will, ist wohl eine durch- 
aus irrige. Wenn auch zuweilen einzelne Nieren an orga- 
nische Formen erinnern, so sind viele andere davon ver- 
schieden. Eben so ‚weicht Äusseres und innere Struktur, 
sobald man nicht einzelne, sondern alle Varietäten iu Be- 


trachtung zieht, von den eben auch vielfach missgedeuteten 
Jahrgang 1842. 14 


208 
Imatra-Steinen ab. — Konkrezionen mit Granit-Geschieben; 
wie solcher Hr. Hormans in seinem Bericht einer Reise von 
Kiew bis Odessa (Jahrb. 7840, 707) gedenkt, sind mir nie zu 
Gesicht gekommen; dagegen habe ich an einigen Stellen die bis 
60 Werste vom Dnepr ab liegen, Wallnuss- und Haselnuss- 
grosse Granit-Brocken im Lehm gefunden, und in einer Seiten- 
Schlucht des Worskla bei Reschetilowka liegen selbst bedeu- 
tende Blöcke, wovon die Masse dem Gang-Granit ähnelt; 
Das Vorkommen ist auffällig; aber vielleicht würde es in 
Verbindung mit gar denkwürdigen Verhältnissen der Sand- 
stein-Bildung zu bringen seyn, die ich schon vorläufig berührt 
habe und zu der ich nui übergehen will. Denke man 
sich in einem ungefähr 20— 40 Werst breiten ‚Striche, der 
aus dem westlichen Theil des Gouvernements Charkow durch 
den südliehen des Poltawschen bis an Worshla reicht, etwa 
S vereinzelte Sandstein-Partie’n, welche wie in das Schuttland 
von unten hineingeschoben, so von diesem allseitig umlagert 
und dadurch bis in den Fluss-Horizont von einander getrennt, 
sind. Aller Sandstein hat einen und denselben mineralogi- 
schen Charakter, und es ist so weiter unzweifelhaft, dass 
alle isolirte Partien die stehengebliebenen Überreste einer 
wahrscheinlich weit verbreiteten Sandstein - Bildung sind. 
Zusammen nehmen sie ungefähr einen Flächen-Raum ein, der 
zu dem ihres frühern Ganzen kaum in einem andeutbaren 
Verhältniss steht. Aus dem was zerstört worden, ist grössten- 
theils die Masse des Diluvial-Sands hervorgegangen, undes fehlt 
nieht an Wahrscheinlichkeit, woraus sieh schliessen lässt, 
dass das Zerstörungs- Terrain des Sandsteins zugleich das 
Ablagerungs-Terrain für den Sand gewesen, ja dass stellen- 
weise dieser noch den Ort beibehalten hat, den sein Mut- 
tergestein beherrschte. — Der Schlüssel zu diesen Erschei- 
nungen wird sich sogleich darbieten, sobald Gesteins - und 
Lagerungs - Verhältniss unsers Sandsteias näher entwickelt 
worden sind. Die Haupt-Abänderung, welche gewissermaa- 
sen in der Mitte zwischen noch zwei andern vorsteht, ist 
ein kleinkörniger @uarz- Sandstein von grauer und gelber. 


209 
Farbe und mit geringem eisenschüssig-thonigem Bindemittel. 
Kaum kommt ein anderer Gemengtheil darin vor, dagegen 
zeigt sich nicht selten der Sandstein gestreift: Theils ist 
er fest und mitunter sehr fest, zum Theil aber auch bis 
zum Zerfallen locker. Die andere Varietät, in die jene 
übergeht, hat ein stärkeres eisenschüssiges Zäment, ist dess- 
halb zuweilen hochroth und sieht fast wie gebrannt und 
ähnlich den Bruchstücken aus, deren ich in meiner Skizze 
vom COharkower Gouvernement gedacht habe. — Gegen die 
vorige und noch eine dritte Haupt- Abänderung nimmt sie 
nur geringen Antheil an den Schichten-Komplexen und ist 
Partie'n- weise gar nicht sichtbar. Überhaupt scheint sie 
nur eine veränderte gelbe Varietät zu seyn. — Die dritte 
Haupt-Abänderung ist meist grau und weiss und mehr fein- 
als klein-körnig. Auch sie sinkt von einem festen @uarz- 
artigen Sandstein bis zu einer lockern Zucker-artigen Masse 
herab. Manche Fels-Blöcke davon besitzen eine sehr feste 
Kruste, aber ist diese einmal durch starke Hammerschläge 
zersetzt, so stiebt auch das Übrige in Brocken oder als Sand 
auseinander. An diese Abänderung schliesst sich zunächst 
nun auch der Sand an, der die Schichten- Komplexe mit 
konstituirt. Es ist ein feiner krystallinischer Quarz-Sand, 
ganz so wie in dem zuletzt beschriebenen weissen Sandstein, 
und überhaupt nichts anderes als nur die Zäment-lose Kör- 
ner-Masse desselben. Zum Theil nimmt er zwischen den 
Stein-Schichten Platz, doch am meisten trifft man ihn zuun- 
terst, obwohl nicht unwahrscheinlich sodann tiefer von 
neuem wieder Stein folgen kann. Aber ausserdem scheint 
es auch, als wenn in der Horizontal-Verbreitung gewisse 
Schichten Distanz- weise bald Sandstein bald nur Sand wä- 
ren. — Alle Entblössungen befinden sich entweder in Schluch- 
ten oder an der rechten Thal-Wand einiger Flüsse, und nach 
ihnen möchte man glauben, dass der Sandstein überhaupt 
mehr eine erhabene als tiefe Region einnähme, aber dass 
diess weniger der ursprüngliche als vielmehr ein veränderter 


Horizont sey. Von den Partie'n bei Beresowa (südlich 
14: 


210 
Charkow) und Mertschik (nördlich Walki) liegen die Schich- 


ten auf der kleinen Strecke, wo sie durch Steinbruch-Bau 
sichtbar geworden, wenig geneigt. Ganz anders dagegen 
ist es bei Munutlow Buerak (südlich Walhi) und bei Petschani 
so wie Berestowenka (nordöstlich Kunstantinograd). Hier 
zeigt sich nun eben die merkwürdige gewaltsame Störung 
in der Lagerung und Schichtung und dabei eine theilweise 
Zermahlung des Sandsteins zu kleinen Fragmenten und selbst 
Sand. Nichts ist in seiner ursprünglichen Lage; anstatt zu- 
sammenhängender Schichten sieht man nur Felsen-Haufwerke, 
nach verschiedenen Richtungen geneigt. Das Ganze trägt hier 
überall so sehr den Anschein, als sey es von unten herausge- 
hoben, dass man mit Spannung, wenn auch vergeblich, die 
Produkte der Katastrophe sucht, wodurch diess bewirkt 
worden seyn könnte. — Bei Manuilow Buerak lassen sich 
stellenweise an grossen Schichten - Fragmenten bedeutende 
Krümmungen wahrnehmen; doch ist die Lokalität nicht so 
günstig, um bestimmt entscheiden zu können, dass es eine 
spätere Biegung sey, und nicht von einer grossartigen kon- 
zentrisch-schaaligen Absonderung herrühre. 

An der rechten Thal-Wand des Worskla zwischen den 
Dörfern Kamenka und Brusia nördlich Poltawa. ragen aus 
dem Sand in 3 bis 5 Faden Höhe über den Wasserspiegel ge- 
waltige Sandstein-Blöcke bis von 14 Faden Länge hervor, und 
nur einige Faden höher sind durch einen kleinen Graben 
eine Menge von Bruchstücken und Brocken entblöst, so 
dass fast gewiss ein grösseres Haufwerk zertrümmerter 
Schichten tiefer im Sande zu suchen ist. — Genug, alle 
Zustände, in welchen man die Sandstein-Formation erblickt, 
konnten nicht blos durch äussere Gewalten hervorgebracht 
werden; vielleicht dass sie später noch zerstörender auf 
den Zusammenhang einwirkten ; doch die erste und Haupt- 
Zerstörung scheint von unterirdischen Emporhebungen aus- 
gegangen zu seyn, obwohl ausser den früher berührten 
Granit-Brocken und Blöcken keine andere Felsart selbst nicht 


Spuren-weise zum Vorschein kommt. — Die wichtige Frage 


211 


über das Formations-Alter des Sandsteins ist von allen sei- 
nen Vorkomms-Punkten aus nicht bestimmt zu beantworten. 
Das Fehlen eines diessfalls entscheidenden Grund- und vor- 
züglich Decken-Gebirgs wird nicht durch bestimmende Petre- 
fakte ersetzt, obwohl unter gewissen Einschlüssen im 
Sandstein auch Formen vorkommen, denen eine vegetabili- 
sche Abkunft und namentlich einige Ähnlichkeit mit Kala- 
miten zugesprochen werden könnte. Aber diese Walzen- 
förmigen, zum Theil auch breitgedrückten und meist inwendig 
hohlen Gestalten von einigen Zollen bis Fuss-Länge und dann 
bis 3 und 4 Zoll Dicke gehen durch Mittelform in andere 
über, die kaum für etwas Anderes als nur für Konkrezionen 
genommen werden können. — Immer werde ich iudess dar- 
über erst noch andere Meinungen hören und zur Be- 
urtheilung einige Exemplare gelegentlich versenden. Über 
sämmtliche Einschlüsse muss ich aber noch Einiges bemerken, 
da vorzüglich die Art und Weise des Einschlusses recht 
interessant, ja selbst ganz auffällig ist. Vorerst ist die 
Masse aller ein von dem sie einschliessenden gar verschie- 
dener Sandstein. Bei einem mitteln und selbst groben Korn 
besitzt er eine rothe oder bräunliche Farbe und einen so 
stark hervortretenden Eisen-Gehalt des Bindemittels, dass 
manche Stücke wohl für Eisensand-Erz genoinmen werden 
könnten. Was nun ihr Eingeschlossenseyn anbetrifft, so 
liegen sie im Sandstein gerade nur wie eingeknetet, sind 
gewöhnlich mit einem leeren Raume umgeben und sodann 
nur stellenweise mit jenem locker verkittet. Das gibt den 
Anschein, als wenn sie nicht mit letztem gleichzeitig ent- 
standen, sondern als schon existirende Gebilde nur von ihm 
umhüllt worden wären, und fast könnte man einen solchen 
Gedanken Raum geben. — Auf Felsen-Flächen, die längere 
Zeit atmosphärischem Einfluss ausgesetzt gewesen, sieht 
man nur ihre hinterlassenen leeren Räume und so einen 
kavernösen Sandstein; sie selbst aber liegen im Sand zer- 
strenet. Am besten ist diess Alles am Worskla bei Slasonze 
zu beobachten. N güsues ur 


212 


Gewiss ist die interessante Sandstein - Formation über 
einen grossen Theil von Süd-Russland verbreitet, nur dass 
sie den Dnepr nicht überschreiten dürfte; und so ist wohl 
bei späterer genauer Untersuchung benachbarter Landes- 
Theile Hoffnung, ihre geognostische Stellung definitiv ermit- 
telt zu sehen. — Varläufig bin ich geneigt, sie weniger für 
eine ältere oder mittle Sandstein- Bildung, als vielmehr 
für eine jüngere und vielleicht für den Eisen - Sandstein 
der Kreide - Formation zu halten. lich fusse dabei ausser 
dem Gesteins-Charakter noch auf zwei lokale Umstände. 
Vorerst ist bis jetzt noch kein Sandstein von mittlem Al- 
ter in Süd- Russland vollgültig nachgewiesen, und sodann 
hört überall die Herrschaft der Kreide auf, wo die des 
Sandsteins beginnt, so dass man sie beide als sich gegen- 
seitig ersetzend betrachten könnte. — 

Von hoher Bedeutung ist die Sandstein - Bildung übri- 
gens noch für den Diluvial-Sand mit Sandstein-Bruchstücken 
im südlichen Aussland. In meiner Skizze vom Gouverne- 
ment Charkow war ich um die @uelle für letzte verlegen, 
und. in meinem spätern Brief an Lron»arD glaubte ich sie 
nur allein von Kohlen-Sandstein ableiten zu müssen. Jetzt 
liegt auf einmal uns die Hauptquelle für jene Fragmente 
vor Augen und, wenn auch der Äntheil, welchen der Kohlen- 
Sandstein daran haben dürfte, nicht als ausgeschlossen an- 
zusehen ist, so rührt doch entschieden die grösste Menge 
der Bruchstücke von den jüngern Sandsteinen her. Wie- 
der eine neue volle Thatsache von Wichtigkeit für das 
Studium der Diluvial-Straten in den Süd-Provinzen. 

Damit will ich nun vorläufig die Mittheilungen über 
die innere Gebirgs-Beschaffenheit des von mir durchforsehten 
Terrains schliessen; sie umfassen das Erheblichste davon. 
Das was ich jetzt noch aus meinen Beobachtungen zum Besten 
geben will, berührt ein Verhältniss der äussern Oberflächen- 
Konfiguration von hohem Interesse. Vielleicht kennt man meine 
Hypothese, welche ich zur Erklärung der sonderbaren Thal- 
Formen vorzüglich vom Fluss- Gebiet des Donetz aufgestellt 


213 


habe. Ganz: so, wie ich hierbei vermuthete, zeigen die Fluss- 
Behälter des Dxepr ähnliche Erscheinungen, nur sind diese noch 
frappanter und zum Theil wohl auch etwas abweichend von er- 
sten... Wenn man im Pollawschen Gouvernement die Dnepr- 
Flüsse im Allgemeinen aus W. in O. verkreutzt, so steigt man 
wie von einer Treppe hinab, die eben so viele Stufen, als der 
Dnepr Seitenflüsse,. hat. Das Bild gibt sogleich einen all- 
gemeinen Begriff von der merkwürdigen Erscheinung. Die 
Fluss-Einsehnitte stellen nämlich nur Halbthäler dar, wovon 
jedes eine bis 20 Faden hohe Wand oder besser Terrasse 
hat, die sich in der Regel rechts des Flusses befindet, 
rärend../sich. Alinks:üdem. Eilnss; Ufer eine zum: Eheil:am- 
übersehbare Ebene anschliesst. — Wäre ich nicht schon 
durch die Donetz-Thäler im Charkowschen theilweise darauf 
' vorbereitet gewesen, so möchte sieh mir unter anderen als 
plausibelste Erklärungs- Art die Hypothese aufgedrängt ha- 
ben, dass die Dnepr - Flüsse auf Gebirgs - Spalten liefen, 
woran sich immer die Gebirgstheile dazwischen niedergesetzt 
hätten. Allerdings würde eine solche Annahme vorerst auch 
eine genaue Bekanntschaft mit gewissen Zuständen am 
Dnepr als der sodannigen Hauptspalte voraussetzen; aber 
auch schon ein Überblick ven den Fluss-Terrassen auf die 
Gegenstände der jenseits von jedem Fiuss liegenden Ebene 
gibt die Überzeugung, dass letzte so unmerklich ansteigt, 
dass sie nach beistehender Figur beim folgenden Fluss eine 
fast eben so hohe Terrasse zu bilden im Stande ist, als 
wie der vorgängige Fluss besitzt. Dafür ist auch ‚noch der 


schlagendste Beweis der nur unbedeutende Niveau-Unter- 
schied zwischen den Flüssen. — Aber immer blieb ich 
auf das Verhalten des Dnepr und der Niveau -Beschaffen- 
heit seiner Gesteine aın diesseitigen Ufer gespannt; denn 


214 


falls Spalten und Senkungen in der vorausgesetzten ° Ärt 
innerhalb seines Fluss- Gebiets Statt gefunden hätten, so 
müssten sich nothwendig auch auf- und nieder-wärts sprin- 
gende Winkel an den Ufer-Gesteinen oder abwechselnd di- 
stanzweises Verschwinden und Wiederhervortreten derselben 
offenbaren. Doch ein solches Verhalten ist nieht zu beob- 
achten; und so scheint mir denn immer meine Hypothese für 
die Donelz-Thäler, welche sich auf eine allgemeine Boden- 
Senkung gegen S.W. basirt, auch für die Dnepr- Thäler, 
wenn auch nicht ganz genügend und Vorwurfs-frei, doch 
am ungezwungensten anwendbar zu seyn. — Würde übri- 
gens endlich noch einmal durch scharfe Beobachtungen dies- 
und jen-seits des Dnepr die Wahrscheinlichkeit einer Spalte 
für denselben noch mehr erhöht, so liesse sich vielleicht 
auch denken, dass diese Spalte die Mitursache für die be- 
rührte allgemeine südwestliche Boden-Seukung seyn könne. 
Jetzt wäre ich nun zum Schluss aller meiner Mitthei- 
lungen, und diess wird vielleicht willkommen seyn, da ich 
zuletzt die Feder nur auf dem bodenlosen Grund der Hy- 
pothese schwang, die nun aber schon einmal eine nothwen- 
dige Erbsünde der Geognosie ist. — Übersieht man endlich 
das Ganze noch mit einem Rückblick, so bestätigt sieh die 
Erfahrung, dass ein öfters beim vorerstigen Anschein ein- 
förwiger Landes-Strich bei genauer Nachforschung mancher- 
lei Interessantes enthält, sobald man dafür nur ein offenes 
Auge hat und nicht flüchtig über Sand und Lehm forteilt. 
— So wie übrigens der durehforschte Streifen beschaffen, 
dürfte wahrscheinlich die allgemeine geognostische Beschaf- 
fenheit des ganzen Gouvernements Pollawa seyn, das einen 
Flächen-Raum von 1189 geogr. [Meilen umfasst. 


u En 


Briefwechsel. 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
| | gerichtet. 


Tharand im Januar 1842. 


Dass der die Hessberger Fährten enthaltende Sandstein zur For- 
wation des Bunten gehört, ist. jetzt auch durch die von Hrn. FELDMANN 
bei Jena aufgefundenen, von Kock und ScHmipr beschriebenen ganz 
analogen Fährten hinlänglich bewiesen; aber Crepner’s interessanter 
Aufsatz über das relative Alter dieses Sandsteins (Jahrb. 1841, S. 556) 
brachte mir die Erhebungs-Linien im Thüringischen Muschelkalk wieder 
recht lebhaft in Erinnerung, über die ich Ihnen schon 1840 ziemlich 
ausführlich schrieb, Der von CrEpner beschriebene schmale Muschel- 
kalk-Zug, der mit 40°—50° S.W. Neigung von Eisfeld nach Gottfrieds- 
berg zu streicht und weiterhin in dem Dollmar seine Fortsetzung findet, 
gehört offenbar einer solchen Erhebungs-Linie an; er streicht wie die 
Linien bei Eckartsberga und Gotha’ dem Thüringer Walde parallel aus 
S.O. nach N.W., seine Schichten fallen vom Gebirge abwärts und 
scheinen unter den Bunten Sandstein einzuschiessen, während dieser 
zu beiden Seiten des Kalk-Zuges horizontal liegt und also offenbar, 
wie Creoner Taf. IX, Fig. 3 darstellt, durch eine Verwerfungs-Spalte 
in diese Lage gekommen ist. 

Eine andere solche Aufrichtungs- Linie fand ich vergangenes Jahr 
im Muschelkalk der Gegend von Kahla; sie streicht von dem Bodhnite- 
Berge bei Altenberga dicht oberhalb des Dorfes Zwabitz vorbei, ist 
dann durch das Saal-Thal unterbrochen, findet sich aber jenseits an 
der Leuchtenbury wieder, die offenbar ihr Bestehen dieser Aufrichtung 
verdankt. Bei Zwabitz fallen die Schichten des Muschelkalkes und 
des zunächst darunter liegenden Bunten Mergels 70°—90° theils gegen 
S.W., theils gegen N.O. Weiter östlich aber, wo durch das Saul-Thal 
alle diese Schichten entfernt sind, ist im Bunten Sandstein keine 
Schichten-Störung zu beobachten. Die Leuchtenburg mit dem Dohlenstein 


216 


bildet gegenüber eine ganz isolirte Muschelkalk-Parthie mitten im Bunt- 
Sandstein - Gebiet; die Schichten sind hier nach verschiedenen Seiten 
aufgerichtet, und am Dohlenstein, welcher gegen das Saal- Thal hin 
einen so steilen Absturz bildet, dass von Zeit zu Zeit grosse Fels- 
Wände herabstürzen, liegt der Muschelkalk deutlich zwischen dem 
Bunten Saudstein , d. h. er ist nicht etwa dazwischen geschichtet, son- 
dern seine Schichten sind mit manchfachen Biegungen zwischen das 
Niveau der Sandstein-Schichten herabgesuuken, 

Verfolgt man die Richtung dieser hier scheinbar mit der Leuchten- 
burg endigenden Erhebungs-Linie weiter gegen S.O., so findet man 
durch das ganze Gebiet des Buuten Sandsteins und des Zechsteins 
hindurch keine deutliche Spur von ihr, auch in der Grauwacke sind 
mir keine besonderen Störungen in dieser Richtung aufgefallen. Da 
findet man aber plötzlich bei dem sogenannten Waldhaus unweit Greiz 
einen ganz isolirten Muschelkalk - Steinbruch mitten im Grauwacken- 
Gebiet, über 4 Meilen von jedem anderen Musecbelkalk entfernt. ‚Der 
Steinbruch bildet ein 38 Ellen tiefes Loch mitten auf einer bewaldeten 
flachen Grauwacken-Höhe. Die Kalk-Schichten sind steil aufgerichtet, 
fallen 70° —75° (selbst bis 90°) gegen W. und enthalten ausser- 
ordentlich viele meist sehr deutliche Versteinerungen,, besonders Pla- 
giostoma striatum, Ostrea decemcostata Gror., OÖ. multico- 
stata Gror., OÖ. subanomia Münst., Mytilus vetustus Guor., 
Lima lineata, Spirifer fragilis v. B., wodurch sie sich ‚ent- 
schieden als zum Muschelkaik gehörig zu nn geben. ii 

Kommt man aus Sachsen her in diesen merkwürdigen Steinbruch, 
so ist man ganz erstaunt, den ersten Muschelkalk unter so höchst, son- 
derbaren Lagerungs - Verhältnissen anzutreffen; kommt ‚man aber aus 
Thüringen und hat dort die Phänomene der Erhebungs- Linien kennen 
gelernt, so wird man sogleich versucht seya, diesen. merkwürdigen 
Steinbruch damit in Verbindung zu bringen. Und wirklich, weun man 
die Leuchtenburger Erhebungs-Linie südöstlich verlängert, so berührt 
sie ziemlich den Punkt, wo bei Greiz der Muschelkalk mit aufgerichte- 
ten Schichten zwischen der Grauwacke liegt. Auch bei Rudolstadt 
entdeckte ich diesen Sommer das westliche Ende einer, wahrscheinlich 
ziemlich weit fortsetzenden Erhebungs.Linie im Muschelkalk. Sie 
streicht von Eichfeld in südöstlicher Richtung ‚nach . dem Saal- Thale 
zu, wird durch dieses unterbrochen, endigt aber erst gegenüber am 
rechten Ufer in den isolirten Muschelkalk - Bergen von. Freylipp. und 
Schloss Culm, welche sich ganz analog verhalten wie der Dohlenstein 
und die any bei Kırhla. Auch hier ist im Gebiet des. Bunten 
Sandsteins von der Aufrichtung oder Verwerfung nichts zu, erkennen. 

Sie werden aus dem Allem ersehen, dass die, unter; ‚sieh parallelen 
Erhebungs: Linien ein sehr allgemeines und charakteristisches; Phänomen 
der Thüringischen Flötzgebirgs-Gegenden siud; ‚sie; finden. sich auf‘ beir 
den Seiten des Gebirgs-Rückens weit hin ausgedehnt,; in der, As 
aber uur so weit, als der Muschelkalk reicht, deutlich ausgeprägt, ; ‚Der 


217 


Bunte Sandstein ist vielleicht zu mürbe gewesen, um von den gross- 
artigen Erhebungen oder Verwerfungen recht deutliche Spuren aufzu- 
bewahren; es scheint, dass hier vorzugsweise nur die harten Steinplat- 
ten des Muschelkalkes zu Monumenten solcher geologischer Ereignisse 
tauglich waren. Sind doch auch in der Meuschen-Geschiehte die harten 
und unbeugsamen Charaktere geeigneter dauernde Spuren zu hinterlas- 
sen, als die weichen und nachgiebigen. 

Hr. Crepner meint, dass die Aufrichtung bei Bisfeld vor Ablage- 
rung des Keupers erfolgt seyn möge; da aber an der parallelen Eckarts- 
bergaer Linie auch die unteren Keuper-Schichten mit aufgerichtet sind 
(Jahrb; 1840, S. 299), so scheint es doch, als seyen wenigstens diese 
unteren Schichten schon gebildet gewesen, „Jedenfalls wird man wohl 
annehmen können, dass diese Linien im Innern der Flötz-Gebirge mit 
der letzten Erhebung des Thüringer Waldes und wahrscheinlich auch 
des Kiffhäusers und Harzes in Beziehung stehen. Dadurch werden 
aber frühere Hebungen dieser Gebirge keinesweges ausgeschlossen, 
und so scheint namentlich der Thüringer Wald schon zur Zeit der 
Zechstein-Ablagerung in seiner Grundform vorhanden gewesen zu seyn; 
denn die dolomitischen Koralleu-Riffe, welche ihn fast umsäumen, deu- 
ten an, dass er damals als Land-Zunge von dem Pichtelgebirge und Erz- 
gebirge aus in das Zechstein-Meer hineinragte. 


Einige der oben erwähnten Beziehungen werden Ihnen durch die 
nun bald vollendete geognostische Karte von Sachsen deutlicher wer- 
den, bei deren Vorbereitung ich zu diesen Resultaten gelangte. Sec- 
tion XVHI (Leipzig- Jena) haben Sie wahrscheinlich von Freiberg aus 
erhalten; Seetion XIX (Piauen) wird diesen Winter, und Section XX 
(Hof) das letzte Blatt künftigen Winter fertig. 


BERNHARD (oTTA. 


Zürich, 9. Januar 1842. 


Anfangs November des vorigen Jahrs erhielt ich mit anderen Gott- 
hards - Mineralieu eine Gruppe von drei kleinen Krystallen, deren Di- 
mensionen überdiess noch sehr verschieden sind, und welche ich nach- 
folgender Charakteristik gemäss mit völliger Überzeugung für Zirkon 
erkläre. Der grösste davon ist 6° lang und 2° dick. Es ist ein 
quadratisches Oktaeder eutrandet zur Säule, oder die Kombination des 
ersten quadratischen Oktaeders mit der ersten quadratischen Säule 
(Zircon prisme D P) von Hıur. Die Zeichen nach Naumann sind 


’ 


l \ L 
B 00.P. 
l P 
Neigung der Oktaeder-Flächen zu einander = 123019‘. 


218 


Neigung der Oktaeder-Flächen zu den Säulen-Flächen —= 131949’, 

Neigung der Säulen-Flächen zu einander . . . . = 90%. 

Die Säulen - Flächen sind vorberrschend. Zwei nebeneinanderlie- 
gende ÖOktaeder - Flächen sind ebenfalls überwiegend grösser als die 
beiden übrigen, wovon die eine bedeutend kleiner, die andere ganz 
klein ist. Struktur parallel den Säulen-Flächen deutlieh wahrnehmbar. 
Gelblichbraun. Glasglanz, etwas Fett-artig. Stark an den Kanten 
durchscheinend. Bruch nicht wahrnehmbar. Durch Berg-Krystall nicht 
ritzbar. (Ich konnte nämlich, um die Kanten des Kıystalls der Sprö- 
digkeit wegen möglichst zu schonen, die Härte nur negativ prüfen.) 

Vor dem Löthrohre in der Platin- Zange selbst in ganz dünnen 
Splittern und im strengsten Feuer uuschmelzbar,, überhaupt sich wenig 
verändernd und nur an den feinsten Kanten weiss werdend. 

Eine der Seiten -Flächen des beschriebenen Krystalls ist mit vier, 
die zweite und die dritte aber mit zwei niedlichen schwarzen Eisen- 
Röschen (ohne aufliegende Rutil-Krystalle) von sehr verschiedener Grösse 
besetzt. Der Läugen- und Queer-Durchwesser der grössten beträgt 
nur ungefähr 14‘. — Die mit diesen Zirkon-Krystallen verwachsenen 
Eisen-Röschen sind für den Fundort sehr bezeichneud , und meines 
Wissens ist auch der Eisenglanz noch nirgends als Begleiter des Zir- 
kous angeführt worden. 

Der Form nach hat der beschriebene Zirkon -Krystall die grösste 
Ähnlichkeit mit denjenigen von Frederickswärn in Norwegen; die 
Farbe hingegen ist lichter. 

Die erwähnte Gruppe ist bis jetzt das erste und einzige mir be- 
kannte Exemplar des Zirkons vom Goftkard, denn der von Hrn. Berg- 
rath Larpoy in Lausanne in den Denkschriften der Schweitzerischen 
naturforschenden Gesellschaft vom Jahr 1829, S. 254 erwälınte Kyystall 
ist meines Dafürhaltens — der stärken Streifung parallel den Rand- 
kanten des quadratischen Oktaeders und des für den Zirkon zu spitzen 
Neigungs-Winkels der Endflächen wegen — nichts anderes als gelblich- 
brauner Anuatas. EscHER von DER Lint# und einige andere hiesige 
Mineralogen sind ebenfalls meiner Meinung. 

Hr. Lırpy hatte die sehr verdankenswerthe Güte mir sein Ex- 
emplar auf mein Ansuchen bin zur Einsicht zu übersenden, Derselbe 
schrieb mir, dass auch in ibm der Neigungs-Winkel der Endflächen 
früher schon einige Zweifel erregt und dass er nun mit mir völlig 
überzeugt seye, dass dieser Krystall nicht dem Zirkon angehören könne. 

Der Zirkon scheint demnach, wie der von mir im Jahrbuch für 
1841, S. 92 beschriebene Idokras von Campv longo, zu den allerselten- 
sten Mineralien des Gotthards zu gehören. 

Der Güte des Hrn. Larpvy verdanke ich drei kleine, aber sehr 
schöne deutliche Krystalle enthaltende Exemplare des schwefelsau- 
ren Strontians von der Grube des Vauds bei Bew im Kanton Waad, 

Diese Krystalle sind: 

1) Gerade rhombische Säulen entspitzeckt zur Schärfung 


219 


über den scharfen Seiten und entstumpfeckt (Strontiane sulfatee Epointee 


2 
M E A P) von Hauy. Die Zeichen nach Naumann sind: 
od 
Po.Pron.orm.wP2 
0 M P d 
2) Gerade rhombische Säulen entspitzeckt zur Schärfung 


über den scharfen Seiten und über P und entstumpfeckt (Strontiane 


1 
sulfatee dodecaedre M E A) von Hauy. Die Zeichen nach Naumann sind: 
od 


PX.Po.& Pp.3. 

0 M d 

Die Grösse der Krystalle wechselt vom ganz Kleinen bis zu un- 
gefähr 5‘ Länge und 1’' Dicke. Farbe graulichweiss mit einem Stich 
ins Blaue.‘ Durchsichtig. Begleitende Substanzen- sind: ganz kleine, 
graulichweisse, Pyramiden-förmige, nicht näher bestimmbare Kalkspath- 
Krystalle; kleine Rhomboeder von blassrosenroth gefärbtem Braunspath 
mit konvexen Flächen und eine Spur von gediegenem Schwefel. — 
Das Mutter-Gestein dieser Zölestin-Krystalle ist ein rauchgrauer Kalk- 
stein. — Leider werden dieselben immer seltener werden, indem die 
Grube verlassen und unzugänglich geworden. Man ist jetzt genöthigt, 
in den Halden nach diesem Strontian zu suchen. 


Freund Escher von DER Lint#, welcher sich letzten Sommer län- 
gere Zeit im Wallis aufgehalten, hat gütigst meine Sammlung mit 
nachbenannten Mineralien bereichert, welche ich als zum 'Theil neue 
Vorkommnisse, oder anderer Gründe wegen, einer besonderen Erwäh- 
nung werth erachte. 


1) Flussspath in lichte Äpfel- grünen deutlichen Oktaedern, 
deren Grösse vom ganz Kleinen bis zum Durchmesser von ungefähr 
24° abwechselt; die kleinsten scheinen graulichweiss zu seyn. Be- 
gleitende Substanzen sind: Schneeweisser Stilbit in kleinen Krystallen, 
der variete epointee von Haux angehörend; graulichweisser krıystalli- 
sirter Quarz und gelblichweisse äusserst kleine Krystalle von Adular, 
— Dieser Flussspath ist vom Gibelbach zwischen Viesch und Laaz 
im Ober - Wallis. Er wurde im Jahr 1840 zuerst und zwar nach Hrn. 
Escner’s Angabe im talkigen Kalk und Quarzit-Schiefer (Glimmer-Fiysch) 
aufgefunden. 


2) Kalkspath in äusserst kleinen, aber sehr deutlichen, lichte 
gelblich-braunen Krystallen, welche der varietE dodecaedre raccourcie 
von Hauy angehören. Begleitende Substanzen sind: kleine, sehr zarte, 
durchsichtige, sechsseitige Tafeln von Silber-weissem Glinmer; Schnee- 
weisser, krystallinischer Feldspatlı und Wächs-gelber, in äusserst klei- 
nen, Sattel-förmiz gebogenen Rhomboedern krystallisirter Braunspath. — 
Das Beisammen - Vorkommen dieser Substanzen macht dieses Exemplar 
zu einer wahren Augenweide,. — Dieser Kalkspath findet sich am 


220 


Remie- Gletscher nahe beim Gibel-Thale, einem westlichen Arme des 
Binnen-Thales im Oberwallis. 

3) Glimmer, Silber-weisser, mit einem Stich ins Gelbliche. Die 
Hälfte einer ursprünglich 34° langen, 24” breiten und 4’! dicken sechsseiti- 
gen Tafel, woran aber nur drei Seiten Flächen ausgebildet erscheinen, 
vom Geisspfad - Passe zwischen‘ dem Antiyorio- Thale im Piemont und 
dem Binnen-Thale im Oberwallis. — Glimmer-Tafeln von dieser Grösse 
sind in der Schweitz eine seltene Ersc heinung. 

4) Stilbit, Schnee-weisser,, in Garben-förwig gruppirten Krystal- 
len der rariete epointee von Hauy, mit ganz kleinen Bergkrystallen 
und feinschuppigem Silber-weissem Glimmer auf Quarz vom Gibelbach. 
zwischen Viesch und Laux im Ober wallis. 

Bei diesem Anlasse erlaube ich mir auch noch zweier ebenfalls im 
Wallis gefundener Exemplare ven Stilbit zu erwähnen, welche ich 
schon seit einiger Zeit in meiner Sammlung aufbewahre. 

Das erste ist eine Gruppe von kleinen theils der variete epointee 
und theils der variete primitive von Hauy angehörigen Schnee-weissen 
Krystallen, welche von Büschel-förmig gruppirten, Nadel-förmigen, 
durchscheinenden, graulichgelben Epidot - Krystallen begleitet sind. Es 
soll im Sonnen- Thale bei Niederwald im Oberwallis gefunden worden 
seyn. — lch halte dieses Stück sehr werth, weil Krystalle der Kern- 
Form, so viel mir bekannt, nur höchst selten vorkommen. Dieselben 
sind jedoch die kleinsten der beschriebenen Gruppe. 

Das zweite enthält kleine, Garben-förmig gruppirte, Schnee-weisse, 
ebenfalls der variete Eepointee von Haur angehörende Krystalle, welche 
auf Tafel-förmigen Bergkrystali (variete Ccomprünee) aufgewachsen 
sind; angeblich von Niederwald im Oberwallis, 

5) Stilbit, Schnee-weisser, in sehr kleinen Kıystallen der variete 
epointee von Hauy, mit Chlorit und Albit auf einer Gruppe von schö- 
nem, Wasser - hellem Bergkrystall vom Mont’ Albrun im Binnen- Thale 
im Oberwallis. — An zwei Krystallen dieser Gruppe entdeckte ich drei 
äusserst kleine, aber deutliche, durchseheinende, gelblichbraune Ana- 
tas-Krystalle, wovon zwei von ungefähr gleicher Grösse auf eine 
der Säulen-Flächen des einen, der dritte und kleinste hingegen auf eine 
der Säulen - Flächen des anderen Bergkrystalis aufgewachsen sind. 
Zwei von den Anatas- Krystallen sind quadratische Oktaeder ohne wei- 
tere Modifikation, der kürzeste und dickste Krystall hingegen scheint 
vierfach entscheitelt zu seyn. — Dieses Vorkommens, von Anatas ist 
meines Wissens bis jetzt noch nirgends erwähnt worden. 

Von dem ebenfalls auf Gruppen dieses Berg-Krystalls vorkommen- 
den, gelblich-grünen Titanite unterscheiden sich die unentdeekten Anatas- 
Krystalle sowohl durch die gelblich-braune Farbe, als auch durch die Form. 

Auf diesen sowohl durch interessante Abänderungs-Flächen als durch 
den hohen Grad von Durchsichtigkeit und Glanz ausgezeichneten Berg- 
krystallen vom nämlichen Fundorte habe ich im Jahr 1837 die Chabasie 
entdeckt. Ä 


221 


6) Turmalin, schwarzer, aus dem Binnen- Thale. Ein ungefähr 
6’ Janger und 2'' dicker, isolirter Krystall, dessen einer Gipfel durch 
die Flächen des Grund-Rhomboeders R = P und des ersten spitzern 
Rhomboeders — 2 R= o gebildet wird, wovon eine der letzten sehr 
vorherrschend ist. Ferner sind noch drei andere, aber nur ganz kleine 
Flächen verbanden, welche ich mit Gewissheit nicht näher zu bestimmen 
vermag. Da die Säulen -Flächen zylindrisch und stark gestreift sind, 
so lassen sich auch diese nicht genauer beschreiben. — Hr. Escuer 
hat von diesem Turmalin mehre sehr schöne für die biesige städtische - 
Mineralien - Sammlung bestimmte Exemplare mitgebracht, wobei sich 
auch eine Druse befindet, welche einen an beiden Enden ausgebildeten 
Tormalin- Krystail und mehre sehr schöne Tafel-artige Eisenglanz- 
Krystalle enthält. 

Ich bemerke bei dieser Gelegenheit, dass in diesem an manchfalti- 
gen und schönen Mineralien so ausgezeichnet reichen Thale der Eisen- 
glanz. sich auf dieselbe Art vorfindet wie auf der N.O.- und S.-Seite 
des Gotthards, bald mit und bald ohne aufliegende Rutil-Krystalie. 


8) Talk in krummblättrigen, grünlich Silber-weissen, derben Mas- 
sen mit graulichweissen Rhomboedern vou Bitterkalk von der EN 
nördlich ob Imfeld im Binnen-Thale. 

9) Strahlstein in kleinen, braunen, krystallinischen Partie’n auf 
Diallag-artigen Gestein vom Geisspfad-Passe zwischen den Antigorio- 
Thale im Piemont und dem Binnen-Thale im Oberwallis. — Diese sel- 
tene Farben- Abänderung des Strahlsteins ist meines Wissens bis jetzt 
noch an keinem andern Orte der Schweitz aufgefunden worden, 


10) Pennin vom Finnel-Gletscher im Matter-Thale im Oberwallis. 
Ich erhielt davon vier Exemplare, wobei ein isolirter 12,366 Milligramme 
schwerer von fremdartigen Substanzen ganz freier Tafel-artiger Krystall, 
der sich hiermit zum Bestimmen der Eigenschwere des Pennins, welche 
von Hrn, Professor FröreL (Pocsen». Annal. Bd. L, 1840) seiner Zeit 
nicht angegeben wurde, sehr gut eignet. — Ich fand dieselbe fünf Wä- 
gungen bei 14° RrAıumur zufolge — 2,635. | 


11) Butil aus der Gegend von Aernen im Binnen-Thale. Es sind 
zwei.kleine, ungefähr 3' lange, Nadel-förmige, isolirte Krystalle, de- 
ren.Zuspitzung durch die Entrandungs-Flächen o, oder die Flächen des 
primitiven quadratischen Oktaeders, und durch die Enteckungs-Flächen s 
oder..die Flächen des uächststumpfern Oktaeders gebildet werden. Die 
Zeichen dieser Kombination sind nach NAUMANN P.PCO 


SanB% 
o. s. von Brum. 


Br Säulen-Flächen können der starken Streifung wegen nicht nä- 
her bestimmt werden. 

12) Titanit vom Steinhaus-Horn nordöstlich von Guttannen an 
der’ Grimsel-Strasse im Berner Oberland. Es sind zwei kleine, unge- 
fähr 3 lange und 1“! breite, isolirte Durchkreutzungs - Zwillinge 


222 


(ähnlich Fig. 19, Taf. II, zu der Abhandlung von G. Rosz) ‘vom Gi 
bell-gelber Farbe, mit einem Stieb ins Grünliche. 

Ganz ähnliche Zwillinge des Titanits, begleitet von Ania leare ieh 
len, auf Drusen von Bergkrystall aufgewachsen, welcher, so wie der 
Adular, ganz von erdigem Clilorit durchdrungen ist, kommen‘ auch am 
Sustenhorne in der nämlichen Gegend vor. — Es befinden sieh davon 
zwei Exemplare in meiner Sammlung. Dieser zwei Fundorte des Ti- 
. tanits ist meines Wissens bis jetzt noch nirgends erwähnt worden. 

13) Magueteisen aus dem Binnen- Thale. Ein sehr gut ausge- 
bildetes, etwas Keil-förmig verlängertes, Spiegel-flächig glänzendes, 
Eisen-schwarzes Oktaeder von ungefähr 24‘ Durchmesser, auf. einen 
kleinen eirca 3° langen und 1} dicken, Wasser - hellen Bergkrystall 
aufgewachsen, an welchem ausser den gewöhnlichen Säulen und Zu- 
spitzungs-Flächen auch noch Trapez-Flächen und die Flächen einer 
spitzern Pyramide vorkommen. 

Ein ausgezeichnet schönes Oktaeder von 4° Durchmesser, mit 
Quarz auf Glimmerschiefer aufgewachsen, vom nämlichen Fundorte hat 
Hr. Escner für die hiesige städtische Mineralieu-Sammlung mitgebracht. 
— Bis jetzt sind mir noch keine Krystalle von Magneteisen vorgekom- 
men, welche einen so ausgezeichnet schönen und starken Glanz besitzen, 
wie die so eben beschriebenen. | 

14) Titaneisen, derbes, an der Oberfläche stellenweise ehrlich 
bunt angelaufen, auf frischem Bruche hingegen Pech-schwarz und Fett- 
artig glänzend mit Pennin und graulich weissem derbem Feldspath in 
graulich-grünem Strahlsteine aus dem Serpentin des Geisspfad- Passes. 

15) Buntkupfer-Erz, derbes, mit lichte und schmutzig gelblich- 
braunem Quarz, graulichweissem Feldspath, schwarzem Glimmer, Ku- 
pfergrün und wenig derbem Magneteisen vom Berge Helsen, an der 
Südseite des Passes aus dem Binnen- Thale über den Remi- Gletscher 
nach Persal an der Simplon- Strasse. — Von Schweitzischem Bunt- 
kupfer-Erze war mir bis jetzt nur das auf der Daspiner-Alpe in ER 
bündten vorkommende bekannt. 

Ferner hat Hr. Escher noch nachbenannte für die schon mehr er- 
wäbhnte öffentliche Sammlung bestimmte Mineralien mitgebracht: 

a) Flussspath, rother, aus dem Bultscheider-Thale, Visp gegen- 
über, in welchem auch der den Sammlern schon lange bekannte als im 
Wallis vorkommend bezeichnete Molybdän-Glanz gefunden wird. 

b) Kalkspath in Krystallen der variete dodecaedre raccourcie 
von Hauy, mit Eisenspath, Quarz, Feldspath und Glimmer auf Gneis 
von Aernen im Binnen-Thale. z 

ec) Amethyst, aus dem @ibel-Thale, einem westlichen Arme des 
Binnen-Thales. Du 

d) Granat, rother, ähnlich Pileplise von Lolen zwischen Ursern 
und Graubündten; vom Fleschhorn im Binnen-Thale. i 

-e) Granat, Äpfel-grüner, in ganz kleinen Eh one ode 
som Fundorte des Antigorits, nämlich in der Näbe der Grenze zwischen 


223 


dem Antigorio-'Thale in Piemont und dem Binnen- Thale. — Nur we- 
nige Krystalle: haben einen Durchmesser von ungefähr 13. 

f) Diopsid von Thieralpeli am Tschervandunc, einem Bergstocke 
westlich vom @eisspfad-Passe zwischen Piemont und dem Binnen-Thale, 

In; meiner Sammlung befinden sich .schon seit längerer Zeit drei 
Exemplare dieses Diopsids. — Eines davon enthält: kleine, aber sehr 
schön ‚ausgebildete «und: vielfach modifizirte dunkelgrüne Krystalle. — 
Ein zweites enthält grössere, Säulen-fürmige, ungefähr 9‘ lange und 
2" dicke Krystalle von lichterer Farbe, an denen jedoch die End- 
Flächen nicht vorhanden sind; : Beachtenswerth dünkt mir, dass diesel- 
ben (wie gewisse Turmaline) mehrfach gebrochen, aber durch schmalere 
und breitere Bänder von graulichweissem Quarze wieder zusammenge- 
kittet ‚erscheinen. Begleitende Substanzen sind: Quarz und graulich- 
weisser Kalkspath, beide .derb; ferner eine blättrige, zuweilen Perlmut- 
ter-artig glänzende, Schnee-weisse Substanz, welche sich vor dem Löth- 
rohre wie Feldspath verhält. 
.... Ich verdanke das ‚letzterwähnte Exemplar der Güte des Hrn. Ge- 
heimenratli und Professor ScHönLEın zu Berlin. 

g) Asbest, in Fuss- langen Stücken vom gleichen Fundorte. 

h) Magneteisen, ‚derbes, polarisch-magnetisches,, mit Zeisig-grü- 


‘nem Epidot gemengt, von Berge Helsen an der Süd-Seite des Passes 


aus dem Binnen- Thale über dem Remi-Gletscher nach Persal an der 
Simplon-Strasse.. 

i) Eisenkies in kleinern und grössern bis 14’ im Durchmesser 
haltenden enteckten Würfeln, deren Oberfläche in Eisenoxyd- Hydrat 
umgewandelt ist, aus dem Binnen-Thale. 

k) Eisenspath in röthlichbraunen, stark glänzenden Rhomboedern 
mit konvexen Flächen aus dem G@eren-Thale. — Auch in meiner Samm- 
lung befindet sich schon seit geraumer Zeit ein Exemplar von diesem 
wirklich sehr schönen 'Eisenspathe, 

Von ausländischen Mineralien, welche ich seit meinem letzten 
Schreiben an Sie erhalten habe, erlaube ich mir noch anzuführen: 

1) Kalkspath, lichte violett gefärbter, angeblich vom Harz. Es 
ist ein langgezogenes, primitives Rhomboeder mit Flächen von verschie- 
dener Ausdehnung. Die grössten sind ungefähr 14“ lang und 1” breit. 
— Dieses Rhomboeder ist an allen Kanten edle mehr und weniger 
stark abgestumpft, oder die Kombination des Grund-Rhomboeders R=P, 
mit dem nächst stumpfern Rhomboeder — $ R = g und der zweiten 


rhomboedrischen Säule OO P2 — u. Die Flächen des Grund - Rhom- 
boeders sind sehr vorherrschend, die Entkantungs-Flächen hingegen nur 
ganz schmal. ' 

2) Kalkspath, graulich-weisser , mit Bleiglanz, wenig Eisenkies 
und kleinen graulich-weissen und Rauch-grauen, entkanteten Würfeln 
von Flussspath, angeblich vom Andreasberg am Harz. Der begleiten- 
den Substanzen : wegen halte ich jedoch dieses Exemplar eher für ein 
Produkt der Englischen Gruben. Die Grösse der Krystalle dieser Druse 

Jahrgang 1842. 15 


224 


wechselt vom ganz Kleinen bis zu: ungefähr 71“. Längen«= und :3/4 
Queer-Durchmesser. Der deutlichste davon ist ein Rhomboeder ent- 
scheitelkantet, einreihig entrandeckt in der Richtung der Scheitelkanten, 
entrandeckt zur Säule und zweifach zweireihig entrandet zum: Ver; 
schwinden der Kerpflächen. Es ist: die Kombination des ersten‘ stum- 
pfern Rhomboeders g, mit dem ersten spitzern f der ersten rhomboedri- 
schen Säule e und dem Skalenoeder. Die Zeichen‘'nach NAumann sind: 


— R.—2R oo0R.R®. 
g 8! N 


3) Kalkspath, gelblichgrauer mit Linsen-förmigen Krystallen von 
Mesitinspath, kleinen glänzenden Wasser-hellen Berg-Krystallen, der- 
bem graulichweissem Bitterspathe und einer dünnblättrigen grünlich 
Silber- weissen Glimmer-artigen Substanz von Traversella im Br0220- 
Thale in Piemont. Die meisten dieser Kalkspatli-Krystalle sind klein, 
mehre aber von mittler Grösse, und werden begrenzt ‘durch die Flä- 
chen des ersten spitzern Rbomboeders — 2 R = f (vorherrschend); 
die Flächen des Grund - Rhomboeders R (als schmale Abstufung der 
Scheitel-Kanten von f); die Flächen der zweiten rhomboedrischen Säule 
OQOP2 = u (als schmale Abstumpfung der Rand- Kanten von f) und durch 
die eine dreiflächige Zuspitzung bildenden, Flächen. eines Rbomboeders 
der zweiten Reihe (wahrscheinlich —z R= pP 2 eine Messung der 
Winkel konnte ich nicht vornehmen. 

Die beschriebenen drei Formen des Kalkspathes sind weder i im At- 
las von Hauy noch in demjenigen von Levy über die Hruranp’sche 
Sammlung abgebildet, auch meines Wissens in den Lehrbüchern bis 
jetzt nicht beschrieben worden, 

4) Arragon von Caltaniseita in Mittel - Sizilien. Es ist eine un- 
gefähr 21 lange und 11” breite Gruppe von sehr schönen, deutlichen, 
durchscheinenden, graulichweissen, ins Schnee - Weisse übergehenden 
Vierlings -Krystallen der variete semi-parallelique ternaire von Haus, 
welche das Ansehen einer sechsseitigen Säule haben. — Die Zwischen- 
räume sind mit krystallisirtem Gediegenem Schwefel erfüllt, Der Län- 
gen- und der Queer-Durchmesser der grössten Krystalle beträgt ungefähr 
5‘, .— Sowohl mit den Seiten- als mit den End-Flächen N Vier- 
lings - Krystalle sind sehr kleine, Büschel - förmig zusammengehäufte, 
Pyramiden-artige, nicht näher bestimmbare , graulichweisse Kalkspath- 
Krystalle innig verwachsen, welche sich durch das Verhalten vor dem 
Löthrohre, erele Härte und stärkeres Aufbrausen mit Säuren aufs 
Bestimmteste vom Arragon unterscheiden. 

Dieses Exemplar liefert also ein neues Beispiel der interessanten 
Verbindung von Arragon mit Kalkspath, deren schon Hauy in seinem 
Traite I, S. 462 als einer höchst merkwürdigen DENE gedenkt, 
und welcher seither so oft erwähnt wurde. 

Diese Gruppe von Arragon-Krystallen hat der Farbe und des bei- 
breehenden Schwefels wegen die grösste Ähnlichkeit mit den a 
Drusen von Sizilianischem schwefelsaurem Strontian, 


225: 


Meines Wissens 'ist ‘dieses Fundortes‘ von Arragon: bis jetzt noch 
nirgends erwähnt worden. 

5) Lasurstein (Lapis Lazuli) vom Vesuv. Eine kleine, undeut- 
lich körnige, krystallinische, Lasur-blaue Masse, mit wenig Silber-weis- 
sem Glimmer in weissem, feinkörnigem Kälkstein (sogenanntem salini- 
schem Marmor), der stellenweise mit vielen kleinen braunen Flecken 
von Eisenoxyd- Hydrat bedeckt ist; 


Dieser Lasurstein schmilzt vor dem Löthrohre leicht und mit eini- 
gem Aufwallen zu weissem, blasigem Glase. In Borax leicht lösbar 
zu klarem ungefärbtem Glase. — Proben von Lasurstein aus der Bu- 
Charei zeigten ein ganz gleiches Verhalten. Der Lazulith hingegen ist 
vor dem Löthrohre, wie bekännt, wnschmelzbar, und vom Hauyn unter- 
scheidet sich der 'vesuvianische Lasurstein hauptsächlich ‘durch ‘den 
mangelnden für den Erstern so ebärakteristischen 'Glasglanz. 


... Da vor dem Löthrohre die Probe mit den Flussmitteln keine Kupfer- 
Reaktion zeigt, so hat man es also auch mit keinem Erze dieses Me- 
talls zu thun. | | 

Diesem Verhalten vor dem Löthrohre — das zwar von dem im 
Prodromo von Menrtieerrı und Coverzi S. 303, für ‚den Lapis Lazuli 
vom Vesus angegebenen bedeutend abweicht, hingegen mit demjenigen 
des Asiatischen Lasursteins übereinstimmt — und den mit ähnlich ge- 
fürbten Mineralien gemachten Versuchen und Vergleichungen zufolge 
scheint es mir unzweifelhaft, dass das beschriebene Exemplar wirklich 
dieser Mineral-Gattung angehöre, obschon meines Wissens in den Deut- 
schen mineralogischen Handbüchern dieses Vorkommens noch nicht er- 
wähnt wurde. 

6) Phillipsit von Aci reale an N S, 0. -Küste Siziliens. — Der 
Besitz dieses Exemplares veranlasste mich das Verhalten vor dem Löth- 
rohre zu prüfen, welches ich: bis jetzt nirgends ausführlich beschrieben 
fand; von Korerr’s Tabellen vem Jahr 1838,':S,, 39. enthalten nur eine 
kurze Notitz, | 

Im .Kolben über ‚der Spiritus - - Lampe ER Wasser. gebend, in 
kleine, Keil- förmige Bruchstücke zerfallend , Schnee-weiss und undurch- 
sichtig werdend. 

In der Platin -‚Zange beim ersten Einwirken der Flamme in ganz 
kleine Stücke zerbröckelnd (wie Arragon), Schnee-weiss und undurch- 
sichtig werdend, hernach aber leicht und ruhig zur Wasser-hellen Kugel 
schmelzend, 

In.kleinen Stücken mit Borax ruhig, aber langsam lösbar zu klarem 
ungefärbtem  ‚Giase. 

- In ‚kleinen Stücken. mit N ists lösbar zu, _ klarem , ‚un- 
gefärbfem Glase, das nach dem Erkalten milchig. erscheint. 

Mit Soda zur liehte-gelblichweissen,. Hudgrehsichligen, Email- gihgen 
Kugel schmelzend. 

Mit Kobalt-Solution: dunkelblau werdend, jedoch etwas unrein. Die 

15 * 


226 


Dimensionen der beschriebenen Mineralien sind alle nach Neu-Schweitzer- 
Maas bestimmt, der Fuss zu 10 Zoll. 


D. | F, Wiszr. 


Mittheilungen an Professor BRONN gerichtet. 


Weilburg, 23. Aug. und Bonn, 18. Dee. 1841. 


‚In einem meiner frühern Briefe (Jahrb. 1841, 238 ff.) ertheilte ich 
Ihnen Nachricht über die paläontologische Beschaffenheit der 
Weiburger Gegend. Ich habe seitdem gefunden, dass die (S. 238) 
erwähnte Weilburger  schieferige Grauwacke etwas Lahn- auf- 
wärts im Löhnberger Wege iu ihrer untersten rothen Schichte 
noch eine viel weitere Ausdehnung hat und an allen Punkten, wo sie 
auftritt, nicht nur die wesentlichsten ihrer Versteinerungen, sondern 
auch fast überall in den weniger regelmäsig geschichteten, an die Ver- 
steinerung- führenden Schichten angrenzenden mächtigen Massen eine 
Menge Kalk-Kugeln enthält. Sie zieht nämlich vom ’Löhnberger Wege 
aus wahrscheinlich unter dem Lahn-Bette durch, tritt deutlich auf dem 
jenseitigen Ufer, durch Schaalstein und Grünstein gestört, etwas weiter 
Lahn-abwärts am Karlsberge in der sogenannten Schmidtbach, dann 
im Weil- Wege am Webers- Berge wieder auf, geht darauf bei dem 
Dorfe Kirschhofen nochmals durch das Lahn - Bett und erscheint am 
Fusse des Scheuren-Berges in besonders feinspaltbarer Schichtung. An 
den beiden letzten Orten vor Kirschhofen und am Scheuren- a fan- 
den wir die wenigsten Versteinerungen darin. 

Als die wesentlichsten Einschlüsse dieses Grauwacke- 
Schieferss müssen die kleinen ovalen Körperchen betrachtet werden, 


welche theils ohne, theils mit Queer - Einschnitt vorkommen und dann 


ein Bohnen- förmiges Ansehen haben. Die Abdrücke dieser Tbierchen, 
welche ich für Cytherinen halte, zeigen unter dem Mikroskope bei 
mäsiger Vergrösserung sehr deutliche Längsstreifung. In dem rothen 
Gestein sind sie zwar auch fast überall in sehr grosser Häufigkeit, 
aber nicht so deutlich, wie in dem gelbbraunen verwitterten, welches 
in einzelnen Theilen fast ganz daraus zusammengesetzt ist. Zur Be- 
zeichuung dieser eigenthümlichen Grauwackenschiefer - Schichte wähle 
ich, von diesen ihren wesentlichsten Einschlüssen entnommen, den Na- 
men Cytherinen-Schiefer. Was das Alter dieser Grauwacke 
betrifft, so ist sie etwa, wenn man überhaupt hierbei pa- 
rallelisiren darf, dem Wenlock gleichzustellen, wie'sich 
aus dem Nachfolgenden ergibt. Die früher von mir irr- 
thümlich als Pterinea laevis Gr. angeführte Bivalve ist 
höchst wahrscheinlich die von Münster Posidonomya ?venu- 
sta genannte Art aus dem Clymenien-Kalk von Schübelhammer 


227 


und Presseck und dem Wenlock von Dudley. Gleichfalls be- 
sass ich noch nicht eine hinreichende Zahl deutlicher Ex- 
emplare von der Calymene, welche ich als C. Blumenbachii 
angeführt hatte, und welche vielmehr neu ist, unter den 
mir bekannten Arten der Calymene laevis Münster von 
Eibersreuth am ähnlichsten. Die Calymene aus der rothen 
Schichte, welche ich (S. 238) als noch unbestimmt angab, 
ist dieselbe. 

In der rothen Schichte kommen ausser den he der 
neuen Calymene, der Posidonomya ?venusta v. Münster, die 
beiden in meiner vorigen Mittheilung erwähnten Kriniten- Säulen vor, 
von denen die 10kantige vielleicht zu Cyathocrinites geometri- 
cus Gr. gehören wird, von welchem ich ganz an derselben Stelle ei- 
nen zwar nicht sehr schönen, aber doch noch sicher als solchen zu be- 
stimmenden unteren Becken-Theil fand, der weit kleiner: ist, als das 
in Gospruss Petref. German. beschriebene und abgebildete Exemplar, 
und zu der Dicke der Säule, welche nur etwa 1° misst (— so ist 
nämlich der im Jahrbuch S. 238 ganz unten mit ? bemerkte Schreib- 
fehler zu verbessern —) ganz im Verhältniss steht. Ferner finden sich 
in der rothen Schichte Säulen-Stücke von Cyathocrinites pinnatus 
und Cyathophyllum ceratites Gr. 

In der zweiten grauen Schichte finden sich die neue Caly- 
mene und Cyathocrinites pinnatus, wovon dann die zwei im 
Jahrb. 7841, 239 als C. rugosus und Poteriocrinites tenuis 
Mit. erwähnten Kriniten nur verschiedene Formen der Säule sind. 

Aus der dritten, gelbbraunen Schichte ist noch Patella ?im- 
plicata Sow. (Wenlock-Kalk) zu erwähnen. 

Für die Beobachtung des Versteinerungen-einschliessenden Schaal- 
steins haben wir, ausser der am letzten Male (1841, 238) erwähnten 
‚Stelle in der Steinlache, noch eine zweite nahe an der Stadt im Löhn- 
berger Wege aufgefunden. Dieser Schaalstein scheint auf dem beim 
Fundament-Graben zu neuen Häusern etwas weiter vorn an der Stadt 
aufgedeckten Grünstein-Tuff zu liegen, ein Vorkommen, welches durch 
Cyathoerinites pinnatus Gr. hier (und zu Dillenburg durch Te- 
rebratula prisca v. Scuroru., mit welcher dort auch noch ein Cya- 
thophyllum vorkommt) dem von Naumann (Jahrb. 7841, 194 ff.) in 
Sachsen beobachteten Grünstein-Tuff sich analog zeigt. Über der Schaal- 
stein- Wand liegt oben unmittelbar die Dammerde auf. Es zeigt dieser 
Schaalstein-Felsen deutlicher, als irgend einer unserer nächsten Umge- 
bung, den innigen Zusammenhang mit dem devon’schen Kalk 
und bestätigt die von Bevrıch (Beiträge zur Kenntn. des Rhein. Über- 
gangs-Geb. S. 12) angenommene Entstehung aus demselben. Denn es 
fanden sich daselbst: Cyathophyllum vermiculare, €. quadri- 
geminum, C. helianthoides, Astraea porosa, Calamopora 
polymorpha, €. spongites, Cyathocrinites pinnatus Gr. Aus- 
serdem wird Bexrıcu’s Annahme dadurch noch befestigt, dass sich an 


228 


unserer‘ Lokalität noch: einzelne: unverändert gebliebene’ EN 
Kabk- Stücke im: Schäalstein eimgeschlossen: finden. 0% Bi 
‘In! einem erst vor Kurzem’ erschlossenen Lager von: ee 
Brauneisenstein»an: der Ziegelhütte fand ke eg 
erg atus Gr. ziemlieh häufig. FH HR 
'Was ‘den Villmarer: Kälk (den. bisher sopjtiannten Villmarer 
Sry „vgl Jahrb. 1841, 239 f.) betrifft‘, so behälte:lich 
mir vor, über die am genannten Orte von mir näher gesehilderte: und 
besonders ‘auch über eine sehr interessante zweite , ‘früher ı uns’ noch 
nicht bekannte Stelle Ihnen’ nächstens eine vorläufige :Nachricht) in Be- 
zug auf: unsere bis jetzt gemachten Funde ‘und Beobachtungen: fürs 
Jahrbuch zu senden , wobei 'einstweilen :hauptsächlich die  bisher'schon, 
von‘änderen Fundorten bekannten und die von Villmar Be, beschrie- 
benen: Arten aufgeführt werden sollen. ner kn 
Noch 'muss ieh des Charakters erwähnen, Gele wie es mir 
scheint, die Aufmerksamkeit aller Derjenigen verdient, welche Gelegen- 
heit haben Polythalämien'> Schaalen zu beobachten. ‘Ich fand nämlich 
bei drei Goniatiten-Arten aus dem Tbonschiefer von’ Wissenbach, 
bei G: subnautilinus v. SchLora., G. compressus Beyrıen (Gyro- 
ceratites griaeilis H. v. Meyer) und einer dritten verwandten neuen 
Art, dass sie alle ein mehr oder weniger kugeliges oder’ovales 
Anfaugs-Glired' haben, welches‘ an allen Exemplaren zwar mit dem 
folgenden Glied‘ eng: zusammenhängt 'und nur die Kammer-Scheidelinie 
erblicken lässt, jedoch dadurch eine Abschnürung zeigt, dass das 'fol- 
gende :Glied:als eine bedeutend schmälere Röhre sich: daran anschliesst, 
oder. mit auderen Worten; ‘dass’ das Anfangs - Glied mit dem folgenden 
eine mehr oder weniger Birn-förmige Gestalt bildet. ‘Es ist num 
wünschenswerth, dass durch’ die Aufmerksamkeit von ‘Vielen, je nach- 
dem ein Jeder vom. Material begünstigt ist, erforscht werde, wie weit 
und auf welche Arten’ sich‘ dieses abgeschnürte Kugel-förmige Anfangs- 
Glied erstreckt. | Wie Sie mir'in ihrem Brief vom 25. Nov. d. J. schrei- 
ben, würde es:sehr zweckmäsig’ seyn, Exemplare involuter Arten unter 
eigenen Augen durchschneiden 'und anschleifen zu lassen. Sie haben 
in Ihrer Sammlung‘, ‘wie Sie’ mir gleichfalls schreiben, schon 'einige 
Nachforschungen angestelit und bei ‘der 'lebenden Spirula gefunden, 
dass. die Aufangs -Kamimer gleichfalls’ sebr' gross und völlig Kugel- 
förmig ist, (dass übrigens auch die folgenden Kammern noch an dieser 
Form theilnehmen. | 
Es gibt nun auch Polythalamien, deren Anfangs-Kammer nicht 
grösser, als die folgende, 'und nicht von derselben. abgeschnürt ist, wie 
ich diess im» hiesigen Bonner Museum bei Exemplaren von Ammoni- 
tes laevigatus und A, complanatus Reım., beide aus dem unteren 
Oolith von .Thurnau, gefunden habe, Diese zwiefache Beschaffenheit 
der Anfangs-Kammer wird nun, wo es geschehen kann, zu beachten 
seyn, und es wird sich dann’ auch ergeben, ob: dabei allmählicheÜber- 
gänge Statt finden, ob die mehr kugelige Beschaffenheit einer gewissen 


229 


Sektion und dann wieder, ob gerade den Polythalamien-Schaalen 
der älteren Formationen eigen ist. 

ı Endlich habe ich. beim Durchmustern der geognostischen Sammlung 
meines Vaters, des ‚Professor SANDBERGER zu Weilburg, ein sehr inte- 
ressantes Stück vorgefunden: bestehend aus lauter unordentlich und ohne 
bedeutendes  äusseres Bindemittel zusammenhängenden Gliedern von 
Cyathocrinites pinnatus,: mit erdigem Malachit überlaufen. Hin 
und. wieder zeigen ‚sich Reste der. Krone. Das Vorkommen ist recht 
lehrreich für den inneren Bau der Säule... Das Innere ist meistens bis 
auf die ganz dünne äussere Haut , welche die Säule umkleidet, ausge- 
trocknet. «Hie ' und: da ist der Nahrungs - Kanal noch stehen geblieben 
und manchmal; auch noch Queer-Flächen der Säule“). Die inneren 
Theile und einzelne geringe Zwischenlagen sind, wie mir scheint, von 
Eisenoxyd: en rien Die Fundstelle ist eine Kupfer- Grube im 
Beinahe in m 

ori Gu1DO SANDBERGER. 


Giessen, 20. Dec. 1841. 


In der Nähe von Schlüchtern, 12 Stunden N.O. von Hanax, finden 
sich zwei sehr interessante Bildungen von jüngstem Süsswasser-Kalk, 
nämlich 2 St. S. von Schlüchtern zu Ahlersbach und 3 St. im N.O. 
zu Elm. Dort sieht man mitten im Muschelkalk-Gebiete einen sehr 
Petrefakten-reichen Tuff Mulden - förmige Vertiefungen ausfüllen. Bis 
jetzt hatte ich aber nur Gelegenheit den zu Ahlersbach zu untersuchen. 
Kohlensaures Wasser löst den Kalk auf zu saurem kohlensaurem Kalke, 
verliert aber bei seinem Hervortritte an die Luft die anfangs freie Koh- 
lensäure durch Verdünstung, und lässt nun einen schneeweissen, sehr 
fein-pulverigen, einfach kohlensauren Kalk niederfallen. In ihm finden 
sich viele Blätter der Holz-Arten, welche in der Nähe stehen “*), und 
von Konchylien bis jetzt folgende Arten: Succinea oblonga Dre.; 
Helix pomatia, H. arbustorum und H. nemoralis L., H. hortensis Mürr.., 
Helix personata Lmx., H. obvoluta Mürr., H. costata, H. pülchella, H. 
rotundata Mürr., H. cellaria Mürr., H. nitidosa FeEr., H. nitida, H. 
erystallina, H. fulva, H. incarnata und H. fruticum Müiur., H. strigella 
Drr., H. bispida und H. lapieida L.; Bulimus montaunus und B. obseu- 
sus Drpr.; Achatina acicula Lmr., A. lubrica Menke; Clausilia bi- 
dens und Cl. ventricosa Dre., C. obtusa Preir.; Pupa muscorum 
Nırss., C. doliolum Drer., Caryehium minimum Mirr. 


F. A. Gentn. 


*) Diese anscheinenden Reste sind wohl nur Inkrustationen dessen ,„ was verschwun- 
den ist, wie ich aus einem mitgetheilten Exemplare schliesse. Br. 

**) Ganz das Verhalten, wieich es am Kalk-Tuff im Muschelkalk-Gebiete bei Neckarels 
beschrieben. Gaea Heidelbergens. (1830), S. 143—144. BR. 


250 


RW HARD 
Berlin, ‚26. Dec. 1811. 

Könnte ich Ihnen statt meines kurzen Abrisses über Produkten 
[s. später] die ganze Monographie senden, welche ‘alle Spezies’schön gesto- 
chen enthalten soll, so möchte sie wohl mehr Ihrer Aufmerksamkeit werth 
seyn. Mein Widerwillen gegen die Spezies-Macher ist bei dieser Untersu! 
chung nicht verringert worden. So schöne Abbildungen, 'wie in Paizrırs 
Yorkshire II, ist es nicht schade, dass zu ihnen nicht tiefer eindrin- 
gende Erläuterungen gefügt worden ? Wenigstens kann ich mich mit 
so leicht aufgefassten Unterschieden: nieht befreunden:. ' Mein leitendes 
Prinzip ist immer, nachdem man so viel gesehen hat, als ‚möglich, 
alles Analoge der Gestalt herbeizurufen, 'mit der man sich''beschäftigt, 
und durch Vergleichung sich einen Typus der 'Klasse,, der Ordnung, 
des Geschlechtes zu bilden. Diesen gewonnenen Typus halte ‘ich fest, 
und untersuche, worin und wodurch er in einzelnen Spezies: verändert 
ist. Da verschwindet dann sogleich so manche Spezies, die nur Fragment 
ist. Bei den Produkten geht die obere Schaale bald verloren, oder 
die ganze Valve geht” davon, und nur der innere Abdruck bleibt zurück. 
Alle diese Formen, die Unvollkommenheiten sind, stehen als Species. 
Ich weiss nicht mehr zusammenzubringen, als die in der Clavis aufge- 
führten. 18, und würde auch von diesen noch einige zusammenwerfen. 
Die Engländer nennen sie Leptaena nach Dırman. Mir ist das gleich. 
Darman’s Meinung warıes auch, dass die Produkten zu seiner Lep- 
taena gerechnet werden sollten; allein sonderbarer Weise geht nnın 
Leptaena für Schweden fast ganz verloren. Alle von. ihm. aufgeführten 
haben eine Area, keine Röhren, und senkrechte Linien ‚auf. der Area 
durch verbreitete Byssus-Fäden. Mag man sie nicht für Orthis halten 
wollen, wohin sie doch am nächsten gehören, so sind es;noch weniger 
Produkten, daher auch nicht Leptänen. Der einzige Productus, der 
in Schweden vorkommt, nahe der einzige auch aller silurischen Schich- 
ten, ist gerade von Darman nicht als Leptaena aufgeführt; es ist der 
eben so zierliche als häufige Produetus sarcinulatus (Leptaena 
lata, Orthis striatella Darm, Terebratula striatula Lim 
Sonderbar, dass Darman die ausgezeichneten Röhren am Schloss nicht 
bemerkte. Ich sahe eine Etiquette von seiner eigenen Hand auf vielen 
von Wamblingbo auf Gottland, an denen die Röhren so schön bervor- 
traten, als an denen, welche in Berlins Umgebung so oft gefunden 
werden. Ich sahe dieses in der Sammlung der Akademie der Wissen- 
schaften in Stockholm. Darman’s schlechte Figur zeigt davon keine 
Spur. Mir scheint es einleuchtend, dass Produkten jederzeit und über- 
all gänzlich der Area entbehren, die Schaalen liegen dicht auf ein- 
ander und Röhren können nie fehlen. Da jedoch der Schloss- Rand an 
grossen Produkten sich mit dem Schnabel umbiegt, so ist er selteu her- 
vortretend, noch weniger werden die gebrechlichen Röhren sich in ih- 
rer Stelle erhalten. Man siebt sie, Dentalien gleich, innen ganz glatt 
im Gesteine umher liegen. PrırLirs hat pl. VIII, fig. 6 bei P. pugilis 


231 


eine Area gezeichnet,\aber: es ist nur ein Schein ; ich sehe solche Stücke: 
die andere‘ 'Schäale: legt sich dicht darauf, und nichts tritt hervor als 
die Röhren aufı dieser falschen Area, welche PintLirs auch gezeichnet, 
aber nicht: erkannt: hat. | Es ist»das Innere von P. comoides. — Sehr 
häufig’ »werdenUnterschaalen mit Oberschaalen verwechselt, und man 
glaubt den Produetus flach, wenn er doch, mit seiner Oberschaale ver- 
sehen, im Gegentbeil hoch gewölbt ist. Viele Spezies verschwinden, 
wenn man)bieraufvachtet.:' Man unterscheidet dieses durch den nie feh- 
lenden Rest ‚des übergebogenen und abgebrochenen Schnabels der Ober- 
schaale, der immer.‘noch in seinem Umriss im ‚Gestein festsitzt. Das 
ist dann) gewiss ‚Unterschaale. Durch dieses Mittel bin ich zur Über- 
zeugung gekemmen, dass die so ganz anomale, polymorphische Lima 
waldaica wirklich ein Produetus ist, mit ungemein schmalem Schloss. 
Die produzirten. Schaalen, sobald sie nicht mehr von den aufsteigenden 
Spiral-Armen in‘ Ordnung gehalten: sind, werden ganz toll, breiten sich 
aus nach. allen Seiten: und schlagen Falten und Wellen, wie ein Theater- 
Vorhang. Diese Falten’ können ‚keine ‚Species bestimmen , eben so we- 
nig als sie auf einem Theater-Vorhang erweisen können, ob derselbe 
von Rope oder KaursucH gemalt sey. Es scheint wirklich nach dem 
neuen: Werke von: Pauinıes über Cornwall und Devonshire, er wolle 
sich nicht »bloss mit Namengeben ‚begnügen , sondern auch die Eigen- 
thümliebkeiten der Formen hervorbeben, und, was erfreulich ist , sogar 
Kontinental-Meinungen -werden berücksichtigt, selbst Namen, und ihnen 
werden englische: aufgeopfert!! Doch wird solche Hoffnung der besse- 
ren Bearbeitung wieder sehr niedergeschlagen durch die Wegwerfung 
des Namens von Terebratula und dessen Vertauschung um Epithy- 
vis, Hypothyris und Cleiothyris, je nachdem die Terebratel den 
Schnabel steif in die Höhe , oder eingezogen trägt, oder der Öffnung 
ermangelt. Das ist doch, bei Gott! zu oberflächlich. PuıtLies ist 
zum Brittischen Reichs-Paläontologen ernannt worden, und als solchem 
hat ihm die General ordnance office zwei Fracht- Wagen mit Fässern 
voll Walliser Petrifikaten vor das Haus geführt. Gewiss ist ein 
ganzes Fass mit Nobis gefüllt. — Doch wollen wir von seiner Thätig- 
keit und von seinem Fleiss recht viel Nützliches und Belehrendes er- 
warten; Das Sieben bleibt uns ja doch immer vorbehalten und frei, 
und auch in Deutschland sorgt man genug dafür, dass wir im Geschäft 
des Siebens und Läuterns nicht ausser Übung kommen *). 

Paıetips’ neue Genera Loxenemä, Macrocheilus mögen nütz- 
lich, notbwendig seyn, allein ich wünschte doch, man gebe sick etwas 
mehr Mühe, solche Namen leicht und wohlklingend zu machen. Asassız 
hat ein glücklicheres griechisches Lexikon. 


*) Vielleicht waren nicht alle Stellen dieses Briefes vom Hrn. Verfasser zur Ver- 
öffentlichung bestimmt. "Ich habe mir solche aber nicht versagen können, da des 
Belehrenden und des Triftigen so viel darin enthalten ist und es so sehr Notlı 
thut auf jede Weise der endlosen Species- Macherei, die bereits als Handwerk ge- 
abt Wird, en na ten Br. 


232 


Zu meiner Verwunderung babe: ich in Stockholm gesehen, dass“ die 
schöne, einer Flinten - Kugel gleiche ,, von Pınper.in 'allenihren  Abän- 
derungen trefflich abgebildete Terebratel, welchesich) als Tı sphäera 
in den „Beitr. zu Geb. - Form. in Russland“ beschrieben; schon von 
Dırman als T. nwcella aufgeführt 'worden wary- von Skarpsasen\und 
Hushyfiöl in Ostgothland. Weder hg rg EN EE BE 
es vermuthen lassen. are ar 

Hr. Dr. GırarD: hat unter Sazlteh ‚die en won: Gottland de 
ten, eine offenbar ganz neue Art von Calceola: WARF „deren Be- 
schreibung Sie in einem besondern' Briefe ‘erhalten.: 5 sul 

| 5 tion ee von -Buon. bsai 
Sarg i ib areh nobamnaım 

LEE a ET bon Tas ideilikain esishlhew 
laden? | » Berlin,)-28 En 1841. 

Unter den vielen ee eh Par: ‚Udie durch Bei 
Crantz in diesem Herbste von @ottland'hierher' gelangt sind ‚ı und die 
sich durch seine Mineralien - Handlung "wohl bald» Verbreiten ‘werden, 
habe ich ein Exemplar gefunden‘, ‘das ich für 'einemeueiSpezies: von 
Calceola halten muss. Erlauben Sie’ mir 'ein: wenig‘ näher darauf 
einzugehen. Dass die Muschel‘ zum‘ Genus’ Caleeola ‘gehöre,  be- 
weist die breite, hoch ‘aufsteigende, über die’Stirn hivausgebogene' Area; 
dass es aber eine audere Spezies als C! 'saudalina’sey,; zeigt der Um- 
riss, der, wie bei keiner andern Brachiopoden-Art,''noch weniger:bei 
einer andern Abtbeilüng der Acephalen, ein’viöllig: scharfiviersei- 
tiger ist. Ich drücke, um der Genauigkeit’ willen, den: Ba 
auf dem Papier ab und lasse das ne, ee is usdını as 


Yo k ir k 6% AL u 


welcher die Aa aufsteigt, also ae u ne N ee ge- 
hört der Stirn an, und über. diese hinaus biegt sich ‚der ;stumpfe Schna- 
bel. Daher ist denn auch die. von. demselben, zur,.breiten „Schloss- 
Kante herabgehende Area die grösste von,den.yier Flächen: der. Schaale; 
die Seiten-Flächeu sind kleiner und die Ebene zwischen Schnabel und 
Stirn die kleinste. Bei der C. sandalina .ist:die ‚Area zwar auch, schon 
vorberrschend, aber duch nicht in dem Grade . überwiegend als bier; 


L 


*) Es hat mir nicht gelingen wollen bei dieser schwachen Zeichnung die unregel- 
mäsigen Runzeln der innern Seite (b) deutlich zu machen; sie erscheint hier stär- 
ker gestreift, als sie es ist. 


a —L— 


233 


denn bei dieser Spezies ist die Entfernung vom Schloss zum Schnabel 
wohl dreimal so gross, als vom Schnabel zur Stirn, ein Beweis, dass 
die Muschel am Schloss bei weitem schneller gewachsen ist, als an 
der Stirn. Daher steigt die Area nur mit einem Winkel von circa 30° 
an, während bei der C. sandalina der Winkel wenigstens 60° beträgt. 
Diess gibt den Charakter der Schaale: C. sandalina hoch mit einer 
feinen, erst am Ende übergreifenden Spitze ; diese Art niedrig mit weit 
überstehendem stumpfen Schnabel (Fg. c). Die Anwachs-Streifen gehen 
stark hervortretend über die Seiten-Flächen, weniger scharf über Area 
und Stirn fort. An der Stirn drängen sie sich zusammen und laufen 
gegen die Area auseinander, abermals der Beweis eines verschiedenen 
Wachsthums an den einzelnen Stellen der Schaale. Und dadurch be- 
sonders ist Calceola merkwürdig und vor allen andern Brachiopoden 
ausgezeichnet, dass+sie am Schloss sehneller-wächst, als an der Stirn 
und auf den Seiten, während die übrigen Genera, wie überhaupt die 
Acephalen, nach vorn sich schneller fortbilden als in der Gegend des 
Schlosses. Thecidea und einige Spirifer-Arten nähern sich ihr am mei- 
sten. Die Area zeigt ausser ‘den Anwachs-Streifen auch die ihr eigen- 
thümlichen feineren Längs - Streifen, so wie in der Mitte eine kleine 
Furche, welche zum Schnabel läuft. Ähnliche schwache Furchen be- 
gränzen die Area zu beiden Seiten und stumpfen dadurch die Kante 
gegen die Seiten-Flächen ein wenig ab. . Die Seiten- Flächen sind fast 
völlig flach, nur in der Mitte ein wenig eingebogen, die Stirn-Fläche 
ist eben. Die innere Seite der Schaale ist runzelig, nicht regelmäsig _ 
gestreift, wie bei der C. sandalina, und am Rande.bilden die Runzeln 
schwache längliche Zähne. In der Mitte der Stirn ist einer dieser 
Zähne etwas grösser geworden; ihm gegenüber liegt aber der eigent- 
liche grosse Zahn der Unterschaale, in der Mitte des Schlosses. Es 
ist diess der Zahn, welcher zwischen, die beiden., in einen Knopf ver- 
einten Zähne der Deckel-Schaale hineingreift, wie man wohl an der 
C. sandalina *) sehen kann; dort ist er: klein und kurz, bier in: eine 
Leiste verlängert, die in den Grund der Schaale herabgeht. Doch ist 
diese Leiste nicht mit jener zu verwechseln, welche sich in der Deckel- 
Schaale findet und zur Anbeftung der Arme oder des Gerüstes dersel- 
ben bei vielen Brachiopoden dient, Am Ende dieser Leiste, unter dem 
Zahn des Stirn-Randes befindet sich eine elliptische Öffnung, welche in 
den Schnabel hbineinführt. Leider fehlt. die Deckel-Schaale; aber man 
wird wobl schon aus der einen grösseren Schaale genug zur sicheren 
Bestimmung der Agt entnehmen können, und ich würde daher vorschla- 
gen, sie als C. pyramidalis aufzuführen, da Hisınger ein sehr un- 
deutliches Exemplar als Turbinolia pyramidalis in seiner Lethaea 
Suecica tab. 28, fig. 12 abgebildet und mit wenigen Worten beschrie- 
ben hat. Dr. GirARD. 


*) Calceola sandalina ist von Hrn. Austın auch zu Chiscombe - Bridge, Devonshire 
aufgefunden und von PninLirs pl. 60, fig. 102% abgebildet worden. 


a ne (%) net ee 


Neue Literatur. 


A. Bücher. 
1840. 


H. W. Dowe: über die nicht periodischen Änderungen der Temperatur- 
' Vertheilung auf der Oberfläche der Erde, von 1782 bis 1839, I 
Bände, Berlin, 4°, 1840—1841 [4 Rthlr.]. 

J. Scort BoweErsank: @ History of the fossil Fruits and Srets of the 

London Clay, Part. 1. Aa 


1841. 


H. Apıcn: Geologische Beobachtungen über die vulkanischen Erschei- 
nungen und Bildungen in Unter- und Mittel- Italien, Ir. Band, 
1e. Lieferung: über die Natur und den Zusammenhang vulkanischer 
Bildungen, Braunschweig (19 Bogen gr. 4°, und Atlas von 3 Kar- 
ten und 2 lithogr. Taf. in Fol. [2 Thal, 16 Gr.]. 

BEUDANT, DE Jussieu et MıLne Enwaros: Cours el&mentaire de Vhi- 
stoire naturelle, Paris, 12°. — Mineralogie et Geologie par 
Brunanrt [3 Fr.]. sh 

C. G. Carus: Zwölf Briefe über das Erden-Leben (296 SS.), 8°, Stutt- 
gart [2 fl. 42 kr.]. 

H. T. ve ra Beene: Report on the Geology of Corrivall, Devon and 
West-Somerset, with plat., London, 8° [14 shil.]. 

E. Fr. v. Gr.ocker: über den Jurakalk von Kurowitz in Mähren und 
über den darin vorkommenden Aptychus imbricatus, mit 4 Stein- 
druck-Tafeln, 4°, Brestau. 

L. ve Koninek: Memvire sur les COrustacces fossiles de Belgique 
(Extrait des N. Memoir. de V’acad, roy. des sciences de Bruxel- 
les, XIV, 20 pp. 1 _pl., 4°). 


235 


Ch, LyeıL: Elements of Geology; second edition, II voll., 12°, London. 

Ca. MaicLaren: the Glacial Theory of Professor Acassız, Edinburgh, 8°. 

Maurer: Influence meteorologique des montagnes et des forets. Re- 
'ponse a quelques questions addressees par S. E. le Ministre de 
Ulnterieur, Paris 1841, 8°. 

H. Miyer: Clavis analytica zur Bestimmung der Mineralien nach einer 
einfachen und sichern Methode ; Ile. Abtheil. (3°. Lieferung, S. 129 
—256 [18 Gr., vgl. Jahrb. 1841, 571). 

Mestivıer: Cosmographie, ou rehabilitation du systeme de Ptolemee, 
av. 8 pli., 8°, Paris. 

G. Micnerortt: Monografia del genere Murex, ossia enumerazione 
delle principali specie dei terreni sopracretucei dell’ Italia (27 pp. 
5 tab., 4°), Vicenza. 

Hucn Mirter: the Old red Sandstone, London, 8°. 

Ar. Perzuorprt: de Balano et Calamosyringe addidamentis ad Saxoniae 
palaeologiam duo scripsit (35 pp., 2 tab. lithogr, 8%), Dresdae 
et Lipsiae. 

J. PsırLıes: Figures and Descriptions of the paläozoic fussiles of Corn- 
wall, Devon und West- Sumerset observed in the Ordnance Geo- 
logical Survey of that District. London 8° [9 shill.]. 

O. R. pu Roquan: Description des Coquilles fossiles de la famille des 
Rudistes, qui se trouvent dans le terrain cretace (Aude), I vol, 
4° avec 8 pll. [9 Frances]. Paris. 

L. Zeıszner : 0 formacyi jura nad brzegami wisiy (36 pp. 8°), Krakvwic. 


1842. 


v. Horser: Geognostische Karte des Kreises ob dem Manharts-Berge 
in Östreich unter der Ens, nebst einer kurzen Beschreibung der 
daselbst vorkommenden Fels-Arten; nach eigenen Beobachtungen 
[44 SS. und 1 lith. und kolor. Karte in gr. Fol.), Wien [16 Gr.]. 

J. N. Hevına: Geschichte der Wieliczkaer Saline; herausgeg. und mit 
einer geognostischen Beschreibung der Salz -Formationen u. s. w. 
vermehrt durch L. E. Hroına (xıı und 276 S.) 8°, mit 3 lith. Kar- 
ten in Fol. und 12 pittoresken Ansichten der vorzäglichsten Gruben- 
Partie’n in hoch 4°. Wien [1 Rthlr. 16 Gr.; die Ansichten 2 Rthlr.]. 

C. Lyeın: Grundsätze der Geologie, oder die neuen Veränderungen der 
Erde und ihrer Bewoliner in Beziehung zu geologischen Erläute- 
rungen, nach der 6. Aufl. übersetzt von C. Hartmann, I. Band; 
Geschichte der Fortschritte der Geologie und Einleitung in diese 
Wissenschaft (576 SS.) 8° mit 6 lithogr. Tafeln, Weimar [3 fl. 36 kr.]. 

A. P’Orsıony: Paleontologie Francaise etc. [Jahrb. 1842, 104], Tome I, 
Livr, xxviu— xxx. 


236 
B. Zeitschriften. RE a. 


1) Geologisch-mineralogisehe Vorträge bei der Halienischen 
Gelehrten-Versammlung zu Pisa, 1—14. Oktob. 1839 (Isis 
1841, 553 — 10) . 


P. Sıvı: Geologie des Monte Pisano [Jahrb. 1340, 305— 51a), S. 553. 

P. Savı: Vorkommen der Brenze in Toskana, S. 554. 

Pasını: Geologie der südlichen Alpen von Langen- -See bis Krain, Ss. 554. 

Sısmonpa: Geologie Piemonts, mit Karte, S. 555. 

Givrı: die Kohlen von 16 Orten Toskanu’s enthielten 3: salpeters. 
Naphthalin, seyen daher nur Braunkohlen, S. 555. _ 

O. Scorrzenaca: Kalk-Formation und Fische des Monte Bolca, S. 555. 

ZuccaGNI-ÖRLANDINI: wo sich der Apennin von den Alpen ablöse, S. 555, 

G. Gumonı: Geologie und Bergwerke der Apuanischen Alpen, S. 556. 

Hevwoop: Karte der Steinkohlen- Bezirke von Lancashire, S. 556. 

V. Paocaccint: Phylliten u. a. Reste des Gypses von Sinigaglia, S. 556. 

Barpracco: über die Bergweıke von Pietra santa, S. 556. We 

G. Mazzı: tertiäre Formation des Ombrone-Gebiets, S. 557, 

N. vı Rıo: Monographie des Venda-Berges, Euganeen, S. 557. 

De. Psorı: Hebungen und Senkungen des Bodens iu Italien, S. 557. 

E. Rıpern: Vorschläge zur Aufklärung über Versandungen durch Flüsse, 
Fiuthen ete., S. 558. 

Barsamo ee ein fossiles Reptil und 2 Fische bei Varenna, S. 558, 

P. Sıvı: Branchit, neue Brenz-Art in Braunkohle Tuskana’s, S. 558. 

Zuccacnt-Orrtandını: Mineralogisches aus dem Taro-Thale, S. 559. 

Barpracco: Gold in den Ligurischen Apenninen, S. 559: 

Domnanoos: über Santorin, mit Russeeger (Jahrb. 1840, 199), S. 559. 

Nesrı: Scheererit zu Florenz, S. 560. | 

L. Pırıa: Geognosie der Apenninen Neapels, S. 560—563. 

Diskussion über den veränderlichen Stand des Meeres um Italien, S. 564, 

SIsMonDa : über die Geologie der Piemonteser Alpen, S. 566. 

Mazzı: Stufen und Versteinerungen vom Ombrone-Thal, S. 567. 

Orıorı: Zentral-Wärme der Erde (nach Poıssow’s Ansicht), 8. 567. 

Pasını: Geologie vom Langensee bis Friaul, S. 568. 

P. Savı: über den Rogenstein Toskana’s, S. 570. 

Pasını: über die Struktur der Erde, S. 571. 

Ausflug nach dem Monte Pisano, S. 572: 

P. Sıvr: über die schlechte Luft der Maremmen, S. 572. = 

G. Scorors: Braunkohle aus dem Vicentinischen und Veronesischen, 8. 573. 

Pasını: Über mineralogische Nomenklatur in Italien, S. 573. 

A. Orsını: Gebirgsarten und Versteinerungen (Hippuriten) von Ascolä 
am Monte Corno in den Apenninen, S. 574. 

Pasını: geologische Karte des Lombardisch-Venetianischen Reiches, 8.574. 

Domnanoos: Schmirgel auf Naxos, S. 575. 


237 


2) L’institut, 11Sect, Sciences mathematiques, phusiques 
et naturelles, Paris, 4° [vgl. Jahrb. 1842, 106], 


IX annee; 1841, Sept. 30 — Dec. 2;n0. 405—414, p- 329—416, 


J. E. Bowman;:, Silurische Gesteine in Denbigshire (Assoe. Brit. in 

Plymouth, 1841), S. 240. 

Bericht der in Glasgow ernannten Kommission über Erlangung von 
„Instrumenten „und ‚Registern ‚„ um die Erdbeben in Schottland und 
Irland. anzuzeigen "und aufzuzeichnen (das.), S. 340—341. 

Ar. BRoNGNIART u. Maraguri: zweite Abhandlung über Kaoline, S. 345, 

J. PrutLirs; Kleine Krustazeen paläozoischer Gesteine (Ass. Brit.), S. 349, 

WALkER: "Veränderungen im Fahrwasser von Plymouth durch Saxicava 
rugosa (das), S S. 350, 

Acassız.: Beobachtungen am Aar-Gletscher (Pariser Akad. Okt. 18), S. 354. 

EHRENBERG: ‚Verschlammung der Häven und Fluss-Betten durch mikrosko- 
pische Tbiere (Berlin. Akad, 1841, Juni 10), S. 358. 

A. Erman: jetziger Zustand unsrer geologischen Kenntnisse von Russ- 
land (Enman’s Archiv etc. D, S. 362. 

Bror: Bildung .der Apopbyllit- „Krystalle (Paris. Akad. Oct. 25), S. 365. 

Daunaee: Lagerung , Zusammensetzung und Ursprung der Zinnerz- 
Nester (Bericht daselbst), S. 365—366. 

B. Derom et Damour: Komet: ‚ein neues Mineral aus der Familie der 
Caleiden (das.), S. 366. 

' Duvar-Jouve: nnd ‚über die Belemniten (Bericht das.), S. 366. 
Dvrocner: Diluvial-Erscheinungen in den Pyrenäen (das. Nov. 2), S. 375. 
Bourceois: Fossile Bäume zu, Etamypes (das.), 8. 375. 

Görrerr: über ‚die in, Schlesien, ‚Curland und bei Freiberg gefallenen 
Meteor-Papiere (Berlin. Akad. 1841, Juni 24), S. 380. 

E. Roserr: Kieselerde an den heissen Quellen Islands (Paris, Akad, 
Nov. 8),, S. 382—2383. 

Master; Schildkröte der Kreide Lond. roy. Soc. 1841, Mai), S. 386. 

Hopkins: Einfluss der Berge auf.die Winter- Temperatur auf gewissen 

%ı Punkten der nördlichen Hemisphäre (Assoc. Brit. 1841), S. 391—392. 

Yorke: über künstlichen Arragonit (chem.. Soc. Lond.), S. 393. 

v’Omazsus n’HarrLorz Geologie Belgiens (Acad. Bruzxel.), S. 404—405. 

Dupeerey :-;über die ‚neuen antarktischen Länder und die neuliche Be- 

‚ stimmung „des, magnetischen Zentral - Poles durch die Engländer 
(Soc. philomat.)y; S. 412—414. 

Locke: Geologie einiger Theile in den Vereinten Staaten im W. der 
Alleghany’s (S. 414—415). 

‚ Paläontologische Bemerkungen, S. 415. 

Beer: Schwefel-Quellen der Vereinten Staaten. S. 415. 

M. ve Serres: über Metaxytherium (Ann. scienc. nat.), S. 416. 


238 


3) Bulletin de la Societe ae pc de a: ‚Paris 8 
[vgl. Jahrb. 7841, S. 687]. vinn 
“ 1841; XII, 337—424 (Juni 7—21), pl. m Krans 

Coouann: Fortsetzung, S. 337—352. 

Auc. D’ÜRBICNY: neue geographische Beobachtungen‘ über die 
Cephalopoda acetabulifera, S. 352—361. Br 

Ruurın : Alter des Kalkes von Chäteau-Landon, S. 364-368. 

E. Roserr: Geologische Beobachtungen der Korvetie la Recherche im 
Grönland, i. J. 1836, S. 361—369. Er ei 

De Vernevit: über Lithauen, Curland und Lieflung, Sa 

Leeranc und RauLin: geologische Durchse :hnitte um Bari iS, S. 373. 

E. Rogert: Vorkommen von Eisen um Paris, S. 373— 376. 

Cogvann: Abhandlung über Aptychus, S, 376—391,'Tf. xı., 

WeEsMmanN: Übersicht der geologischen Karten von Östreich, Ss. 392. 

Daver£e: Zinnerz-Lagerstätte (vgl. U’Instit. 365), S. 393—401. 

Renoir: Erwiderung an pe Roys und Lerniere über Gletscher, S. 
401—412. j 

Auszüge aus diesem Jahrbuch, 1841, ı, S. 1a Als.‘ 
» » der Proceedings of the Lond. geolog. Soc. 1840, Dec. 16, 
S. 415—419. 

Fr. Burr: Geologie von Aden, Arabien, S. a19—anı. 

E. Kerrey: Geologie von Owayhi, S. 421426. 


T%T- 


C. Zerstreute Aufsätze. 


W. AımswortH: geologische Untersuchungen längs dem Euphrat [zer- 
streut in dessen Reseurches in Assyria, 'Babylonia and Chaldaea, 
forming part of the labours of the pe London 
1838, 343 pp. 8°). 

A. DE ua Marmora: Geologische Beobachtungen über die 2 Balearen 
Majorea und Minorca im Winter 1833 — 34 (Memor. d. r. Accad. 
d. sc. di Torino, 1835, XXXVIII, 51—74, mit Karte). 

Dumont: Analytische Tabellen der Mineralien (Nouv. Mem. de V’ Acad. 
de Bruzelles, 1839, XII, 95 pp.) 

Lavinı: Abhandlung über den Talkerde-haltigen Gyps von Piobesi de 
Guarene (Memorie d. Accadem. di Torino, 1836, XXXIX, 201—207. 

A. Sısmonpa: Geologische Beobachtungen über das Susa-Thal und den 
Mont Cenis (ib. 1835, XXVIII, 143—162, 1. Taf.). 


Auszüge 


A. Mineralogie, Krystaliographie, Mineralchemie. 


F. ViArBENTRAPP: über die Zusammensetzung des Chlorits 
(Posgenp. Ann. d. Phys. XLVIII, 185 ff.). Die Analysen ergaben: 
im Chlorit von im Chlorit vom im Chloritschiefer 
Achmatowsk im Gotthardt. von Pfitsch iu 
Ural.- Tyrol. 
Talkerde ; 2 33,972 L 17,086 & 41,54 
Eisenoxydul ; 4,3745 % 28,788 i 5,44 
Thonerde . 2 16,966 ; 18,496 -. 10,18 
Kieselerde . - 30,376 i BE,BOTF MN: 31,54 
Wasser 1 i 12,632 5 8,958 : 9,52 


98.310 -.. 08.608... 98,02 


G. Rose: über den Hydrargillit (a. a. O., S. 564 ff). Der 
Fuudort dieser neuen Mineral - Gattung ist Achmatvwsk bei Slatovust, 
woselbst sie mit Magueteisen gemengt vorkommt. Sechsseitige Prismen, 
enfseitet; parallel den Endflächen vollkommen spaltbar. Lichte-röthlich- 
weiss; durchscheinend; in dünnen Blätmben durchsichtig: auf den End- 
flächen Perlmutter-, ausserdem Glas-glänzend. Härte etwas niedriger, 
als die des Kalkspathes. Nach dem Verhalten vor dem Löthrohre und 
gegen Säuren besteht der Hydrargillit ") aus Thonerde, Wasser und 
einer Spur von Kalkerde, 


A. Dımove: über einige unter der Benennung Pxarz re- 
sinite bekannte Mineral- Substanzen (Ann. d. Min. Ime ser, 


*) Dieser Name wurde zwar schon früher von Davy dem Wavellit gegeben; da 
jedoch später BERzErıvs und Fucas in letztem Mineral noch Phosphor- und Fluss- 
Säure fanden, so wurde jene Benennung nicht weiter angenommen, und es ist so- 
nach keine Verwechselung nit dem Uralischen Mineral möglich. 


Jahrgang 1842. 16 


240 


Vol. XVII, p. 202 cet.). Hyalith. Wie bekannt, gewöhnlich auf 
Spalten- Wänden von Gesteinen vulkanischen Ursprungs als Überzug 
vorkommend. Mitunter findet er sich auch inmitten von Massen blasi- 
ger und schwammiger Laven, die ganz neuerdings ergossen scheinen. 
Man führt Hyalith als vom Vesuwv, vom Ätna und von andern noch 
thätigen Feuerbergen herrührend an. Alle ähneln sich in ihren äusser- 
lichen Merkmalen; aber sie enthalten nur wenig oder kein Wasser. 
Ja es scheint, dass es zwei Gattungen von Hyalith gibt: eine mitten in 
Laven vorkommende dürfte vielleicht nichts seyn, als geschmolzener 
Quarz; die andere könnte sich in Folge von Feldspath - Zersetzungen 
gebildet haben; die Spuren von Schmelzbarkeit, welche sie zeigt, lässt 
die Gegenwart eines Alkali’s vermuthen. — Fiorit. Das untersuchte 
Stück stammt vom Berge Amiata bei Santa - Fiora in Toskana. Vor- 
kommen auf einem grauen Tuff (der unter dem Suchglase als gebildet 
aus mit einander verbundenen, glasigen Theilchen sich darstellt) in ge- 
wundenen, Röhren - förmigen Stücken von milchweisser Farbe und im 
Bruche von Porzellan -artigem Aussehen. Ritzt Glas. Gibt im Glas- 
kolben Wasser in Menge; andere Versuche deuteten auf Gegenwart der 
Flusssäure.. — Opal aus Mexiko. Findet sich in einem grauen, gla- 
sigen, vulkanischen Gestein. Theils ist derselbe farblos, vollkommen 
durchscheinend, aber ohne buntes Farbenspiel, theils zeigt er sich im 
Innern durchscheinend, obne Glanz, umgeben von bräunlicher Rinde, 
welche alle Farben der Iris zurückwirft; noch andere Opale erscheinen 
braun. Nach den Versuchen des Verf. (welche in der Abhandlung selbst 
nachgesehen werden müssen) ist derselbe geneigt zu glauben, dass die 
organischen und kohligen Substanzen, welche das Mineral enthält, eine 
wichtige Rolle im Erzeugen der Licht-Erscheinungen spielen. Auf die 
Ungarischen Opale konnte D. seine Untersuchungen nicht umfassend 
genug ausdehnen; ein Bruchstück fast undurchsichtig und ohne buntes 
Farbenspiel zeigte jedoch gleich den Mezikanischen starken empyreu- 
matischen Geruch und sehr merkliche alkalinische Reaktion. — Pech- 
stein, aus den Vereinigten Staaten, aus Mexiko, Ungarn und Island, 
gab im Glaskolben Wasser, entwickelte empyreumatischen Geruch und 
zeigte alkalinische Reaktion. — Geyserit. Ähnliche Phänomene im 
Glaskolben, wie bei Pechstein. 


A. F. Svangere: Pikrophyli, ein neues Mineral von Sala 
(Pocgenp. Annal. d. Phys. Bd. L, S. 662 ff). Kommt in der Grube „das 
Kabinett“ etwa 30 bis 40 Faden unter Tag vor und gleicht im Ansehen 
dem sogenannten unschmelzbaren Salit. Härte zwischen Glimmer und 
Kalkspath. Spez. Gew. — 2,73. Farbe sehr dunkelgrün; schimmernd. 
Vor dem Löthrohr unschmelzbar. Im zugeblasenen Glasrohr Wasser 
gebend, das nieht alkalisch reagirt,. Ergebniss der Zerlegung: 


241 


'Kieselerde . ; 3 j 49,80 
Thonerde . i . - 1,11 
Kalkerde . h ö N 0,78 
Talkerde . real } 30,10 
Eisenoxydul - \ . 6,86 


Manganoxydul . { ‚ Spur 
Wasser A 5 R E 9,83 
98,48 


woraus man die mineralogische Formel: 
3MS? — 2 Ag 
erhält. 


BoussingauLt: Analysen einiger bituminösen Substanzen 
(Ann. de Chim. et de Phys. LXXIII, 442 cet.) 

a) Sehr reines Bitumen von Bechelbronn (Nieder - Rhein), quillt 
auf einer Wiese, 

b) Erdöl von Hatten (Nieder-Rhein), entsteigt tertiären Ablagerungen. 

c) Festes Erdpech von Coxitaumbo bei Cuenca in Mexiko: 


a. b. c. 
Kohlenstoff . 88,3 .„. 887 .„ 88,70 
Wasserstoff . 21H 2:93 2280.°% 9,68 
Stickstoff Ä id 04 . 1,62 


100,5 . 101,7 . 100,00 


G. Suckow: Beschreibung anomal gebildeter Eisenkies- 
Krystalle (Possenno. Ann. d. Phys. LI, 284 ff... Die beobachteten, 
Abnormitäten sind Verzerrungen des Oktaeders und der hexaedrischen 
Kombinationen mit dem Oktaeder. Ohne Hinzufügung der Krystall- 
Figuren würde ein Auszug nicht verständlich werden. 


Senxez: Analyse von Kalkstein der Gegend von Pillefranche 
(Ann. des Min. 3me Ser. XVIII, 535). Beide zerlegten Abänderungen, 
die eine graulichweiss, dicht und muschelig im Bruche (a), die andere 
gelblichgrau, schwarz gefleckt und meist sehr feinkörnig (b), gehören 
zur oberen Abtheilung des vom Eisen - Oolith bedeckten Belemniten- 
Kalkes. Resultate der Analyse: 


(a) (b) 

Thonerde . - f r DET 2,0 
Kohlensaure Kalkerde 5 81.0.445.5,.8940 
“ Talkerde A 10,5: 5: 5,0 
Eisenoxyd ö 4 \ REN 2,0 


= 96,0. 980 


242- 


J. C. Booru und C. Lea: Zerlegung eines. Chromeisenerzes 
von Mahobol unfern Gidara auf dem Eilande Cuba (SıLLıman 
Americ. Journ. XXXVIII, 243 cet.). 


Chromoxyd . s j 20 SO RRNE 38,742 


 Eisen-Protoxyd . - - z 24,516 
Thonerde . } L f EUR 452 


Magnesia - - ; 5 TIGER TE ZU 
i 100,000 


Breituaupt: Beiträge zur genauern Kenntniss schon be- 
stimmter Mineralien (Poscsenn. Ann. d, Phys. Lill, 145 fi). Da- 
vyn und der Cancrinit (von G. Rosr) sind identisch; Nephelin 
und Beudantin gehören einer und derselben Spezies an, und alle 
diese Substanzen müssen in ein Genus gerechnet werden. — Hum- 
boldtilit (nieht der .Oxalit) und der sog. Sarkolith vom Vesudv 
sind identisch; dessgleichen Somervillit und Geblenit, wezu auch 
Careers Melilit zu zählen. Alle genannten Mineral- -Körper vereinigt 
der Verf, unter seinem Genus Stylobat. — Der Monticellit ist 
Chrysolith von weisser, theils auch von beinahe Fleisch-rother Farbe. 
— Zwischen Valencianit und Adular gibt die Eigenschwere eine 
genügende Differenz. wrsr 


Kunıman zu Lille: Silizifikation des Kalksteins (Lund. 
chemic. Soc., 1841, Mai 18 > Philos. Mag. a. Ann. 1841, XIX, 332). 
K. legt Kalkstein in eine Auflösung von Kali-Silikat, lässt ihn einige 
Tage an der Luft stehen und wäscht ihn dann ab. Er legte ein Stück 
so verkieselter Kreide vor, und obschon diese nur 0,03—0,04 Kieselerde 
enthielt, so ritzte sie doch vielen Mörtel und Marmor. Ebenso kann 
man kohlensaures Blei und Pariser Gyps härten. DaK. Alkali-Salze 
in allen Kiesel-baltigen Kalksteinen findet, welche hydraulisch sind, so 
glaubt er, dass solche anfaugs gewöhnlicher Kreide an Reinheit gegli- 
chen, aber allmählich verkieselt worden sind durch Einsickern an Was- 
ser, welches ein Alkali- Silikat aufgelöst euthielt, oder durch einen je- 
nem künstlichen entsprechenden natürlichen Prozess. 


243 


B. Geologie und Geognosie. 


ForcHHAMmMErR: über den Tertiär-Boden Dänemarks (OERstEn 
Oversigt ‚over det Kongl. Danske Videnskabernes Selkabs -Ferhandl. 
1840, 4° > Münchn. gelehrte Anzeigen, 1841, 571). Die Rollstein- 
und Geschiebe - Formation Dänemarks zerfällt in 3 Unter- Abtheilungen. 
1) Die Bernstein- oder Braunkohlen-Formation, den an der Küste häu- 
figen Bernstein liefernd, scheint gleich alt mit der Subapenninen-Forma- 
tion. Die mit Skandinavischen Geschieben abwechselnden Versteinerun- 
gen von Salzwasser-Thieren beweisen, dass sich diese Formation nicht 
als Moräne abgesetzt haben kann. 2) Die Thon-Formation darüber führt 
die grössten Geschiebe, hat aber noch nicht eine Versteinerung geliefert. 
Diejenigen, welche sich 3) in der Sand -Formation zeigen, welehe die 
grössten Höhen und den eigentlichen Wald-Boden des Landes bildet, 
gehören der jetzigen Fauna der Nordsee an, vertragen sich daher eben- 
falls nicht mit Moränen, — Aus dem Verhalten aller dieser Geschiebe 
schliesst der Vf., dass die Bewegung, welche die grossen Geschiebe 
für die 2 ersten Abtheilungen lieferte, von N.O., von der Skandinavi- 
schen Halbinsel, diejenige aber, welche die Geschieb-Formation in der 
dritien Periode veranlasst hat, von der Ostsee ausgegangen seye. 


Eug. Rosert: Ursprung der Kieselerde des Geysers auf 
Island (Paris. Akad. 1841, 8. Nov. > T’Instit. 1841, IX, 382—383). 
Nahe beim grossen Geyser ist ein Hügel aus unzersetztem blaulich- 
grauem Phonolith, an dessen Seite man jedoch unverkennbare Spuren 
einer alten beträchtlichen Therme unterscheidet. Hier allein gleicht der 
Phonolith-Teig einem Kaoline, und die chemische Zerlegung ergab, dass 
dieser nur 0,658, statt der 0,723 Kieselerde des unveränderten Phono- 
liths enthält. R. glaubt daher, dass die heissen Quellen Islands ihren 
Kiesel-Gehalt Phonolith-, Basanit- und Dolerit-Massen entnehmen, mit 
welchen sie in der Tiefe in Berührung kommen, seye es bloss durch 
ihre oft bis auf 124° C. gesteigerte Temperatur, oder nach Dumas’ An- 
sicht durch den wiederholten Stoss der Wasser - Dämpfe gegen die 
Wände ihrer Felsen-Behälter. Es fragt sich daher noch, ob die um die 
Geyser her befindlichen Thon-Ablagerungen nicht der Thonerde entspre- 
chen könnten, welche durch Auflösung der Kieselerde frei geworden wäre, 


C. Darwin: über eine merkwürdige Sandstein-Barre von 
Pernambuco an der Küste von Brasilien (Philosoph. Magaz. a. 
Journ. 1S41, XIX, 257—260). Vor vielen Buchten und Fluss-Mündun- 
gen ziehen sich in kleiner Entfernung von der Brasilischen Küste lange 
sehmale Riffe hin, über welche die Wellen hinüberschlagen. Ein sol- 
ches von 30—60 Yards Breite, mehren Fussen Höhe über Tiefwasser und 


244 

einigen Meilen Länge in der Richtung der Küste verschliesst einen Theil 
des Havens von Pernambuco. Zuerst möchte man es für ein Korallen- 
Riff halten; bei näherer Untersuchung aber bestebt es aus einem har- 
ten, blass-gefärbten Sandsteine mit sehr glattem Bruche, gebildet aus 
Quarz - Körnern ‘mit kalkigem Kitte. Hin und wieder enthält er abge- 
rundete Quarz - Geschiebe von Bolınen- Grösse und darüber mit einigen 
Muschel - Trümmern. Spuren von Schichtung sind nur undeutlich vor- 
handen. An einer Stelle sieht man eine geneigte, 4‘ dicke Lage von 
'stalaktifischem Kalkstein; an einer andern wird eine falsche Schichtung, 
welche unter 45° landeinwärts fällt, von einer horizontalen Masse ab- 
geschnitten. Auf beiden Seiten des Riffs haben sich viereckige Bruch- 
stücke desselben abwärts gesenkt, und Spalten zeigen sich hier und da. 
Eine Meile weit verfoigte es D. und fand es von ganz gleichbleibender 
Beschaffenheit. Die äussre ‘Seite der Barre ist mit einer dünnen Lage 
kalkiger Materie überzogen, welche an den tiefern Stellen so diek (über 
3°“ —4') ist, dass man selten mit dem Hammer bis auf den Sandstein 
bindurehdringen kann. Sie besteht zanz aus kleinen Serpeln, welche 
einige Balanen und Papier-dünne Lagen einer Nullipora einschlies- 
sen. ‘Aber nur die Oberfläche ist, lebend, und darunter besteht die 
Schichte aus denselben organischen Körpern erfüllet mit schmutzig-weisser 
Kalk-Masse. Obschon dieser Jberzug nicht sehr hart ist, so wider- 
steht er doch seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden durch 'seine Ab- 
rundung der Tag und Nacht tbätigen Brandung. Denn seit Mensehen- 
Gedenken. soll sieb_ nichts, an diesem Riff geändert. haben. Doch leidet 
die inwendige , dem ruligeu Wasser zugekehrte Seite der Barre, wo 
dieser Überzug fehlt, wie die hinabgesunkenen Stücke und die auf der 
Oberfläche vorragender Geschiebe beweisen. Diese Serpeln sind daher 
das unscheinbare Mittel, wodurch die Existenz derselben gegen die 
unablässige Brandung gesichert. wird. Im Stillen und Indischen Ozean 
sah der Vf. die Korallen -Riffe ebenfalls durch eine solche Rinde ge- 
sehützt, Jie aber nur aus Nulliporen- Arten besteht; und Lieutenant 
Nerson beschreibt solche Riffe an den Bermudas (Geol. Trans. V, 1, 
177), welche von ähnlichen Serpula- Massen gebildet werden sallen; 
wahrscheinlich aber nur überzogen werden. 

Im Golfe von Mexiko, au den Küsten der Vereinten Staaten und 
des südlichen Brasilien erstiecken sich solche Riffe und schmale Inseln 
und Sandbänke viele hundert Meilen weit längs der Küste, durch seichte 
Lagunen von ihr getrennt, welche eine grosse Erstreckung und zuwei- 
len eine Breite von einigen Meilen besitzen. -Rogzrs (Report of the 
Brit. Assoc. III, 13) findet Grund zu vermuthen, dass sie durch Em- 
porhebung von Sandbänken an Stellen gebildet werden, wo'Strömungen 
sind, und so mag es auch wit der Barre von Pernambuco seyn. Die 
Stadt steht auf einer niedern schmalen .Insel und einer langen Sand- 
Spitze einer niederen Küste gegenüber. Gräbt man bei tiefem Wasser- 
Stand in der Nähe der Stadt, so findet man den Sand zu einem Sand: 
stein erhärtet, jenem der Barre äbnlich, aber viel reicher an Konchylien. 


245 


Unter solchen Verhältnissen könnte dann eine geringe Veränderung im 
Niveau oder im Laufe der Strömungen längs der Küste allmählich die 
Wegwaschung des loser gebliebenen Theils des Sandes veranlassen. 
während der mehr erhärtete Theil desselben längern Widerstand leistete 
und gerade der Brandung entgegen durch jene Kalk-Rinde am meisten 
geschützt würde. - 


Maruer: über zerstreute Blöcke und Geschiebe des Di- 
luvial-Landes, und Diskussionen (Assoc. Amer. Geolog. 1841, 
Apr. > VInstit. 1841, IX, 439—440). Die Geschiebe -Fluth scheint 
im Allgemeinen aus N. gekommen zu seyn, und zwar im O. des Hud- 
son von N.W. und im W. desselben von N.O. Die Diluvial- Furchen 
sind im Allgemeinen parallei der Richtung der Thäler, worin man sie 
bemerkt, selbst in den Queer- Thälern, wo sie also von der Haupt- 
Richtung abweichen. Nur wenige dieser Gebilde findet man noch inner- 
halb dem 38° und 39° Br., und nie hat sie der Vf. im Kohlen-Gebiete 
des Ohio und nur selten in Kentucky gesehen. Die von Honcz in der 
Gold-Gegend in N.- Karolina zitirten Geschiebe möchte er nur als ein 
an Ort und Stelle zerfallenes Granit-Gebirge betrachten. 

H. D. Rogzrs meint, dieses Gebirge besitze eine grössre Breite; 
allein der von N. kommende Strom habe von Pennsylvanien an seine 
schwersten Blöcke abgesetzt und nur noch um so feineres Material mit 
sich fortgeführt, je weiter er auf die südlichen Terrassen herabgekom- 
men seye; daher man auch im feinen Sande des S. die nordischen Ma- 
terialien erkenne. Allerdings ruhen auf Long Island zerstreute Blöcke 
auf Schichten von Sand und feinem Kies; aber die Diluvial-Thätigkeit 
scheint auch nicht auf eine Periode beschränkt gewesen zu seyn. 

Locke zitirt eine Stelle von Ohio, wo der Kalkstein in einer Aus- 
dehnung von 10 Acres eine vollkommen gleiche Fläche bildet, wie sie 
entsteht, wenn man zwei Steine auf einander abreibt. Darauf unter- 
scheidet man mehre Systeme von geraden und parallelen Furchen aus 
N.W. nach S.O., von welchen einige so fein wie mit einer Diamant- 
Spitze gewacht sind, andre aber 0m01 Breite und 0% 003—0m004 Tiefe 
haben und ira Grunde so rauh sind, als wären sie von einem mit un- 
widerstehlicher Gewalt geführten Meisel von besondrer Form gemacht 
worden. Sie müssen ihre Entstehung einem harten Körper von unge- 
heurem Gewichte verdanken. Ein schwimmender Eis-Berg z. B. würde 
die nöthigen Bedingnisse darbieten und eine solche Wirkung hervor- 
bringen können. 

Marner fügt noch bei, dass die Geschiebe in Ohio keineswegs vom 
Zufall umbergestreut sind, sondern zusammenbängende Linien und Grup- 
pen bilden. Am St.-Peters-Flusse zieht "sich eine solche Linie mehre 
Engl. Meilen weit fort, wie längs eines Ufers; andere überschreiten 
das Gesichts- Feld am Horizont, wie jene, welche von Exton queer 


246 


aus den Ohio-Staat zieht und mehr als 40 Meilen Fänge) und 5 Meilen 
Breite hat. 


‚C. T. Jackson fand die nn der Diluvial-Ströme: nirgends 


deutlicher als bei Providence, Cumberland, wo ein ‚beträchtlicher Berg 
aus porphyrischem Titan - führendem Eisen von. ‚ganz besonderem Cha- 
rakter ist. Nordwärts davon findet man keine Geschiebe; südwärts 
aber liegen sie in ungeheuern Massen; etwas unterhalb zu Papoose- 
Squash- Neck kommen kleine Geschiebe- jener ausgezeichneten Felsart 
vor; im S. von Newport und weiter südwärts sind dieselben noch 
kleiner. Diese Ablagerung erstreckt sich von N. nach S. über 40 Mei- 
len weit in einer von 6 bis 15 Meilen zunehmenden Breite. Die charak- 


teristische Chiastolith-Felsart von Lancaster, Massachusetts, bietet eine 


ähnliche Erscheinung dar, indem sie sich in beweglichen Massen süd- 
wärts bis Boston erstreckt, gegen N. aber keiue Spur zeigt. Aber die 
Spuren des Diluvial-Stromes scheinen nach S. hin in Maine und Rhode 
Istand noch viei ausgezeichneter zu seyn, als im N., und vom Berge 
Katadin hat man [Diluvial-] .Geschiebe in 4000* See-Höhe‘ gefunden, 


obschon keine Anzeigen irgend eiuer Hebung nach dem Abzuge des 


Diluvial-Stromes vorhanden zu seyn scheinen. 


G. Bröpe: Geognostische Beschreibung des Gouvts. 
Charkow (Bullet. Soc. imp. d. Naturalist. de Moscou, 1841, 34—108). 
Das Gouvernement begreift den grössten Theil der Ukraine in sich 
[vgl. Jahrb. 1841, 533—542]. Es ist eine im Mittel -400° über dem 
Meere liegende Hochebene von Steppen-Natur , in welcher die steil ein- 
geschnittenen waldigen Thäler wie grüne Bänder verlaufen. Nur in 
diesen kann man in der Regel kleine und unzusammenhängende Schich- 
ten-Folgen zu Tage gehen schen, da sie sonst allerwärts unter mäch- 
tigen Diluvial-Ablagerungen versteckt sind, daher auch ihr relatives Al- 
ter, ibre Verbreitung u. s. w. oft nur ungenügend erkannt werden 
können. Die vom Vf. beschriebenen Formationen sind: 

1. die Steiukohlen-Formation erscheint zu Petrowka, 30 
Werst W. von Issum, als steil hervorgehobener Sattel, 200—300’ mäch- 
tig, aus 3—4 Wechsel-Lagern von Sandstein mit Eisenerzen, Schiefer- 
Tnon und Steinkoblen, auch etwas Kalkstein bestehend, mit einem Fal- 
len von 50° — 60° in W.S.W. Die Kohlen - Lager haben 3—5° Mäch- 
tigkeit; die Qualität ist meistens gut; dünne Lager faserigen Anthra- 
zits schieben sich zwischen die herrschende Blätter und. Pech-Kohle 
ein. Der Kalkstein enthält an Petrefakten: Strophomena, Tere- 
bratula, Trigonotreta und Gypidia. Im Sandsteine findet man 
einzelne. Abdrücke oder ganze Lager von Neuropteris, Pecopteris, 
Calamites (Suckowii) und Sigillaria (undata), Lepidodendron 
eoufluens und L. Sternbergii, Stigmaria ficoides und Lyceo- 
podites pinnatus. 


247 


2, Die Jura-Formation an 2 Stellen im: Donetz-Thale: zu Donetz- 
kaia bei Petrowka und zu Kaminku. An dieser Stelle, weniger voll- 
ständig an jener, findet man: von unten auf: a) schwärzlichen schiefe- 
rigen Lignit mit Eisenkies stark durchdrungen 12° ....; — b) röth- 
lichen , gelben oder grauen. milden Sandstein, aus Quarz- und Kuülk- 
Körnern mit Glimmer - Blättchen und Eisen -schüssigem Zäment, 6—8° 
mächtig, nach oben reich an Nieren schaaligen braunen Thoneisensteins 
bis von einigen Fussen Grösse, aus undeutlichen vegetabilischen Über- 
vesten zusammengesetzt; — c) Schichten “feinkörnigen dichten rapie 
Kalksteins,, gelblich oder aschfarbig, nach oben mit emer 12 — 13 
mächtigen Muschelkalk-Bauk aus meist grossen und abgerollten Stein- 
kernen vorzüglich von Lyriodon, auch bei Petrowka noch von ?Te- 
rebratula impressa, Ammoniten, Peecten oder Lima, Pho- 
ladomya ?Murchisoni, Gryphaea ?dilatata, Ostrea, Mytilus 
oder Modiola, ?Melania Headingtonensis, worauf scharf abge- 
setzte, kleinkörnige, lockere oder feste Oolithe von blendend weisser, bei 
Petrewka gelblicher Farbe folgen, deren von den vorigen verschiedeuen, 
doch in den Unrissen verwischten Petrefakte nur Nerinäen (N. ele- 
gans und N. ?triplicata) und bei Petrowka noch Pecten und Pen- 
takriniten-Glieder in einem zweiten Muschel- Lager, unterscheiden 
lassen; — d) ein dolomitisches Gestein gehört dem ganzen Schichten- 
Systeme an. Die Schichten sind dünne und nur in der Muschelbank 
wechselweise von 2—3’'; das Einschiessen ist 6° — 10° NNW.; bei 
Petrowka 7°— 10° N., die ganze Mächtigkeit 20—30'. Der Vf. be- 
- trachtet diese Schichten- Folge als die Repräsentanten des mitteln und 
oberen, oder des braunen und weissen Jura-Gebildes v. Bucu’s, wagt 
äber keine speziellere Parallele zu ziehen. 

3. Die Kreide-Formation ist nächst dem Diluviale am meisten 
verbreitet, obschon sie unter diesem und einigen tertiären Partie’n meist 
nur im Niveau der Thal-Sohlen ausgeht uud im N. Theile sogar noch 
unter diesen zu versinken pflegt. Sie zeigt a) Sand, Sandstein, Quarz 
und Kieselthon mit einander abwechselnd oder in einander greifend und 
übergehend, mit Farnen, Blättern und durchlöchertem Holze ; b) Tripel- 
artiger Kieselthon voll zylindrischer Löcher oder Erd-Pfeifen; c) Thon 
und Kreide-Mergel; d) schreibende Kreide mit Feuersteinen, welche als 
Kern oft PTerebratula plicatilis enthalten, daun mit Belemnites 
wmucronatus, der oft verkieselt ist. Die Mächtigkeit beträgt über 160'; 
die Neigung ist sehr unregelmäsig 6°—10°, Bei Slowänsk finden sich 
in einem Thal-Kessel der Kreide 2 Salz-See’n, “der grössre von 150 Fa- 
den Läuge und 3—5 Arschinen Tiefe; der Salz - Gebalt ist 0,06 und 
begründet mehre kleine Salinen. Welcher Formation das wahrscheinlich 
zu Grunde liegende Salz-Lager angehören möge, lässt sich nicht be- 
Stimmen, 3 Rn 

4. Die Tertiär-Formation besteht aus plastisch-thonigen, leh- 
migen und sandig kieseligen Ablagerungen, verborgen unter mächtigem 
Diluvial Laud, vertheilt in kleine Kreide- Becken, eutblöst von allen 


248 


Versteinernugen); daher sehr abweichend von denen PUHBHEHE, u. 2 
benachbarter Gouvernements. 
5) Die Diluvial-Bildungen sind sehr mächtig. 


C. Petrefakten-Kunde. 


L. Vanuxem: alte Austern-Lager auf der Atlantischen Küste 
der Vereinten Staaten (Asoc. Americ. Geol. 1841 > VInstit. 1841, 
IX, a31—432). Auf genannter Küste kommt eine Menge ausgedehnter 
Lager von Ostrea Virginiana vor; doch sind nur wenige genau 
untersucht worden, wie jene bei South- Amooy , welche ungeheuer seyn 
und sich über mehre Acres erstrecken sollen. Manche halten sie für 
gehobene Austern -Bänke ; andre für Menschen-Werk. Die Ost-Küste 
Marylands bietet ebenfalls viele dar. Bei der Mündung des Kreeks 
von Pickuwazeni, 80 Meil. unterhalb Washington, hat man eine Kalk- 
Brennerei darauf angelegt; die Untersuchung dieses Lagers, so wie 
noch eines benachbarten und eines dritten bei Baltimore haben den Vf. 
zu Conrap’s Ansicht geleitet, dass sie Menschen-Werk seyen. Einen 
einzigen Fall ausgenommen, hat niemals Jemand die zwei zusammen- 
gehörigen Klappen noch beisammengefunden. Allerwärts lagen viele 
Pfeil-Spitzen und "Trümmer von Töpfer-Waare dazwischen. Der Grund 
des Lagers ist der gelbliche Lehm-Boden des Landes, worin man unter 
dem Lager Wurzeln u. a. Theile der inländischen Zeder entdeckt hat 
zum Beweise, dass der Boden vor Anhäufung der Muscheln schon eine 
Land - Vegetation trug. Sie ziehen sich an den Kreeks hinauf, gehen 
aber Selten längs der Flüsse fort, wahrscheinlich weil die Kreeks den 
Indianern reichen Fang darboten. Die Ufer - Stellen sind niedrig und 
die Austern-Art lebt noch häufig an jenen Gestaden. Dass diese Lager 


aber ein verbältnissmäsig hohes Alter besitzen, erhelit daraus, dass sie 


wieder mit Erde bedeckt sind, dass eine sehr alte Zeder wieder in 
dieser Erde über ihnen gewachsen ist, und aus dem Mangel aller Tra- 
dition über ihren Ursprung. 

Doch gibt es nach Conrksn auch Fälle, die nicht von Menschen 


herrühren. Man findet nämlich zu Easton an der Ost-Küste Marylands. 
die Muscheln noch ganz; an einigen Stellen sind Reste ältrer Muscheln, 


zweifelsohne vom Wasser des Golfs, zwischen den Austern abgesetzt 
worden; manche endlich sind auch zu ferne gelegen von den jetzigen 
Auster-Bänken, als dass man ihre Anhäufung Menschen zuschreiben 
könnte, wie in Cumderland County und New-Jersey. 


VALENCIENNES: über gewisse Fisch- und Reptilien-Genera, 
welche sich nicht wit Bestimmtheit den Süsswasser- oder 


249 


den Meeres-Bewohnern beizählen lassen (Ann. science. nat. 
1841, B, XVI, 110—112). Die Frage, ob die Steinkohle und ver- 
wandte Formationen mit Palaeoniscus-artigen Fischen eine Meeres- 
oder eine Süsswasser - Formation seye, lässt sich nach jenen Fischen 
allein nicht wohl entscheiden, Denn die Paläonisken sind einerseits 
mit den Stören, andrerseits mit solchen Fischen verwandt, welche zwi- 
schen den Lucioiden und Clupeoiden stehen, und die Störe leben in 
Süsswassern [und im Meere], während die Lucioiden entweder Be- 
wohner des Süsswassers sind oder aus diesem ius Neer gehen, wie 
die Clupeoiden aus dem Meere in die Flüsse steigen. Denn ein 
Aufenthalt im Meer - Wasser setzt keine andre Organisation voraus, als 
der in Süsswassern ; beide enthalten wenigstens für Kiemen - Athmer 
Sauerstoff genug, wenn auch nicht gleichviel. Aber sogar unter den 
Säugethieren finden sich dergleichen Belege. Während die Delpline 
und Meerschweine und die Seehunde im Allgemeinen sich im Meere 
aufhalten, so lebt der Platanista des Pıinıus doch im Ganges oberhalb 
Benares, wohin das See-Wasser nicht gelangt, der Tonina (Inia 
D’Ore.) im Orinokn oberhalb den Fällen von Alures und Maypures, 
und die Sterrer’sche Beluga in Süsswasser-See’n, — wie gewisse 
Seehunde im Süsswasser des Baikal und des kleinen Aral-See’s, und 
im wenig salzigen Kaspischen Meer. Wenn dagegen unter den Rep- 
tilien die Krokodile im Allgemeinen Süsswasser- Bewohner sind, so 
schwimmt und nährt sich wenigstens der Cr. biporcatus, ein Bewoh- 
ner der Sechellen u. a. Amiranten-Inseln, wie auch Timors, Cerams 
u. Ss. w., im Meere, ohne eiuen Unterschied der Organisation vom Nil- 
Krokodil zu zeigen. Der Vf. kennt auch kein Geschlecht von Fischen, 
das man als eine meerische Form betrachten könnte. So wohnen die 
Rochen in Ameriha in Süsswassern, eine Pastinake bewohnt den 
Rio-del- Magdalena ausser dem Bereiche Jer Fluth und wird in den 
benachhärten Etangs gefischt; — von den Pleuronekten geht PI, 
flesus in die Loire hinauf bis Roanne, Pl. limanda in die Seine 
bis Paris, Pl. solea in den Rhein bis Coblenz; auch die Alosen 
(Maifische) steigen zur Laich-Zeit in die Flüsse, und von der Agone der 
Italiener, die im Möttelmeere lebt, bleibt sogar manches Individuum für be- 
ständig im Garda-See. Die Aale gehen, noch kaum dem Ei entschlüpft, aus 
dem Meere in die Flüsse und kehren erwachsen ins Meer zurück; die 
Salmen und Alosen machen es umgekehrt. Der Biserte- u. a. See’n 
an der N.-Küste Afrika’s bis nach Tunis hin sind voll Sparus-, 
Sceiaena- u. a. Fisch-Arten, welche in See- und Süss-Wasser zugleich 
leben, wie die Mugil-Arten auch im Becken von Arcachon in Frank- 
reich vorkommen. Maccurrocn hat viele gelungene Versuche gemacht, 
See-Fische und See-Mollusken in Süsswassern zu erziehen, und durch 
Nırsson wissen wir, dass unsre [?] Anodonten an der Schwedischen 
und Norwegischen Küste im Meer-Wasser leben. 


250 


H. R. Görpert: über die fossile Flora des Quader-Sand- 
steins von Schlesien und der Umgegend von Auchen (Acta Acad. 
Cuarsur. Leopold. Carol Natur. Cur. XIX, ı1, 95—160, tab. xLvi—Liv: 
auch als besondrer Abdruck, Breslau 1841, 4°). T. Der Quadersand- 
stein, Pläner-Sandstein, mit Pläner-Mergel und Pläuer-Kaik Schlesiens 
nimmt zwei Striche ein, den einen in der Grafschaft Glatz und Nach- 
barschaft, den andern am N.-Rande des Riesen - Gebirges u. s. w. 
Von Bven, v. Raumer, ZogBer und v. CarnaLL, v. Decuen haben diese 
Bildungen beschrieben. Kisslingswalde, Hundorf, Plomnitz, Nieder- 
Langenau, Mölling, Altwaltersdorf bei Habeischwerdt, Schömberg; 
"Neuen, Tiefenfurt und W’ehrau bei Bunzlau sind die einzigen Fundorte 
fossiler Vegetabilien, während thierische Reste von Pecten Barum. 
costatus u. s. w. an mehr Orten vorkommen. 

Il. Die Schlesischen Pflanzen sind in Abdrücken und Kernen, 
selten als wahre Versteinerungen vorhanden. Eine noch fortdauernde 
Bildung dieser Zustände hatte der Vf. Gelegenheit bei Breslau zu be- 
obachten. Das Schlesische Oder - Thal mag früher eben so reich an 
Eichen-Wäldern gewesen seyn, als es noch jetzt isi; denn in und um 
Breslau trifft man in Schuttlande nicht selten auf geschwärzte Eichen- 
Stämme, welche in verschiedener Richtung meistens noch an ihrem 
ursprünglichen Standorte ruhen.” Am linken Ufer der alten Oder, wel- 
ches sich 10° — 12’ hoch über das Fluss-Bette erhebt, zwischen der Ro- 
senthaler und der nach Oswitz führenden Gröschel- Brücke, bemerkt 
man von oben nach unten: sandige Dammerde in dünner Schichte, Sand 
3'—4', Eisenoxyd-reichen Lehm 2’—3’, und meistens schoa in und un- 
ter dem Wasser- Spiegel einen blauliehen Letten’ 1’—2'. Beide letzten 
enthalten, besonders häufig in der Nähe jener Stämme, eine ungeheure 
Menge Blätter in horizontalen, 3° — 4‘ dieken und 400° — 500° weit 
wahrnehmbaren Lagen. Ähnliche Stämme mit einer solchen Blätter- 
Lage sieht man auch am entgegengesetzten Ufer. Diese Blätter lassen 
sich vollkommen als solche der Quercus peduneulata erkennen, 
welche noch jetzt hauptsächlich die Ebenen und Thäler Schlesiens be- 
wohnt; sie sind stark gebräunt, grösstentheils wohl erhalten, und ver- 
breiten beim Verbrennen so wenig als das geschwärzte Holz der 
Stämme einen bituminösen Geruch. Jener schwärzliehe nach Schwefel- 
Wasserstoff- Gas riechende Thon ist mit Ast- und Wurzel-Stücken von 
Eichen, Equiseten (E. arvense) u. s. w. erfüllt, die in einem Ver- 
kohlungs - Prozesse begriffen sind, „Bei einigen ist die Rinde bereits 
verkoblt, der Holz-Körper davon so völlig gelöst, dass er selbst im 
feuchten Zustande leicht herausgenommen werden kann und beim Aus- 
trocknen eines solehen Stücks leicht herausfällt, während die Rinde 
ziemlich fest am Thone haftet und einen Abdruck ihrer Form bewirkt 
hat.“ Die Holz- Theile sind nicht zusammengedrückt; aber um die 
mit lockerm Zellgewebe und weiten Luft- Gängen versehenen Equise- 
ten zieht sich jährlich bei niederen Wasserstande des Sommers die 
Thon - Schichte mit ihren Theilen durch Austrocknen zusammen, und 


steigt hernach das Wasser wieder an, :so hebt das Wasser die schon 
lockern Holz - Körper aus der Rinde oder mit dieser aus dem Boden 
leicht heraus und füllt den so entständenen leeren Raum mit Sand oder 
Thon wieder aus, wie man in vielen Belegen sehen kann, So entstehen 
also eigentliche Versteinerungen mit und ohne Rinde, Abdrücke der 
äussern und der innern Seite der Rinde, und Steinkerne. — Die Queer- 
Wände an den Abgliederungen der Equiseten werden der Ausfüllung 
nieht hinderlich, weil sie sich von allen ‚Seiten mehr oder weniger voll- 
ständig lostrennen und von dem eindringerden Ausfüllungs-Material bei 
Seite geschoben werden, wodurch sich das gleiche Verhalten der Kalami- 
ten ’erklärt.. In der auf den Blättern lagernden Lehm - Schichte aber 
sieht man eine noch merkwürdigere Erscheinung, nämlich die Ausfüllung 
der in derselben befindlichen Vegetabilien mit Eisenoxydul, oder die 
Versteinerung durch Eisenoxyd in vielfachen Formen und Übergängen. 
Durch Haarröhrchen - Anziehung nehmen die Holz-Ästchen und dünnen 
Würzelchen das unstreitig durch Vermittelung der Kohlensäure aufge- 
löste Eisenoxydul auf, welches in Eisenoxyd allmählich übergeht, so 
dass man unter dem Mikroskope die Ausfüllung der Zellen mit beiden 
deutlich erkennen kann. Hiedurch wird also bewiesen, dass auch Kraut- 
artige Pflanzen - Theile versteinern können, was der Vf. selbst früher 
bezweifelte. Oft ist mechanische Ausfüllung der weiteren Räume und 
chemische Versteinerung des Zellgewebes beisammen an einem Stücke 
zu sehen, wie es der Vf. auch an Stigmarien gefunden. Unter den Äst- 
chen waren einige erst im Verhärten begriffen, andre schon schleifbar 
hart, noch andre oft nur 1°" — 3‘ dicke Ästchen in Folge nach dem 
Erhärten fortdauernder Haarröhrehen-Wirkung bis auf 1° Abstand von 
‚ in konzentrischen Schichten den Sand verkittendem Eisenoxyd umgeben, 
wodurch, wenn sich diese Schichten endlich berühren, zuletzt ein fester 
dichter Eisenstein entsteht. Theils auf diese Weise, wie schon KınprLer 
(PossenD. Annal. 1836, XXXVII, 203—206) erwähnte, theils auf eine 
andre erst später nwachzuweisende Art entsteht der grösste Theil der 
Eisenstein-Erze in sumpfigen Gegenden. — Wird dann endlich in den 
so. versteinten Vegetabilien noch der organische Stoff auf trockenem 
oder nassem Wege zerstört, so bleibt die versteinernde Ausfüllungs- 
Masse ‚als ein Aggregat von Steinkernen sämmtlicher Zellen und Ge- 
fässe zurück (daher sich bei den opalisirten Koniferen-Hölzern Ungarns ete., 
die in die. ‚Zellenwände 'Trichter-förmig eingesenkten Tüpfel, Poren, als 
erhabene Wärzchen auf den Seiten der Zellen erheben), welche ganz 
geeignet sind, die noch so oft genährte Meinung zu widerlegen von 
einer Verwandelung der organischen Substanz selbst in Stein, nämlich 
von einer Ersetzung derselben durch Stein- Masse, im Verhältnisse als 
sie sich auflöse, unter Beibehaltung ihrer Form. Ä 

III. Die Vegetabilien des Schlesischen Quadersandsteins sind fol- 
gende: a) Akotyledonen, ausser einer Reihe noch problematischer 
Körper, die wohl unorganischen Ursprungs oder zum Theil als durch 
Insekten veranlassten Holz-Auswüchse zu betrachten sind. 1) Cylindrites 


252 


spongioides n., ein ?Fucoide, 2) Münsteria (Alge bei STERNBERG) 
Schneideriana n.; — b) Filicitae: 3) Protopteris (früher Cau- 
lopteris Göpe.) Singeri PresL; — c) Palmae: 4) Fiabellaria 
chamaeropifolia a., ein Blatt; — d) Coniferae: 5) Dammarites 
(Prest) erassipes n., ein Zapfen; — e) Dikotyledouen-Stämme, 
nicht näher bestimmbar; — f) verschiedene Dikotyledonen-Blätter, 
darunter eines von Credneria, alle nicht genau bestimmbar, weil sehr 
‚unvollständig, aber abgebildet. — Alle diese Reste zusammengefasst, 
zumal aber die der Palmen und Baum-Farnen, deuten auf einen von 
dem heutigen gänzlich verschiedenen, tropischen Charakter der Flora 
jener Gegend, welche ein Klima wie an oder in den Wendekreisen 
voraussetzt. 


Aus dem eisenschüssigen Quadersandstein bei Aachen untersuchte 
der Vf., sich stützend auf einen Auszug (S. .138—145) aus seinen frü- 
heren Untersuchungen über 102 Arten lebender Koniferen-Hölzer, wo- 
von die Resultate im Jahrb. 7841 (S. 844 ff. Anmerk.; — ausführlicher 
in der ebendaselbst S. 605 erwähnten Schrift) mitgetheilt sind, und eine 
Untersuchung der in einigen Punkten überraschend damit übereinstim- 
menden Magnoliaceen-Genera Drimys und Tasmannia (S. 145— 
149), folgende Pflanzen-Reste: 1) Holz-Stücke und Zweige von Pinites 
(sensu strictiori) Aquisgranensis Göpe.; 2) Pinites-Zapfen (Stro- 
bilites, Conites); 3) eine Wallnuss: Juglandites elegans Görer.; 
4) 5) zwei andere Früchte: Carpolithes euphorbioides (Bower- 
BANK’ Ss Wetherellia aus dem London-Thon auf Sheppey nahestehend) 
und der sehr indifferente C. oblongus. Auch diese Flora scheint 
sich von der jetzigen Europäischen zu unterscheiden, wenn auch keinen 
tropischen Charakter zu tragen. 


Kaup: über Canis propagator (Isis 1834, 535, Tf. x). Mit 
Resten von Eiephas primigenius, Cervus eurycerus, Bos primigenius 
und der noch lebenden Biber-Art fischte man aus dem Rheine auch den 
Kiefer eines Hundes, kleiner als bei Canis lupus spelaeus und C. fa- 
miliaris fossilis SERR., von der Grösse wie beim Schweisshunde (C. fam. 
scoticus), dem er auch in Proportionen etc. sehr nahe kommt. K. hält 
ihn demnach für den Stamm-Vater wenigstens eines Theiles unsrer Haus- 
hunde aus der Zeit der obengenannten Pachydermen und Wiederkäuer. 


Ergebnisse einer Reise von Charkow 
nach dem Donetz, 


von. 


Herrn GoTILoB voN BLÖöDE. ‘ 


«Ein an Hrn. Bergrath Puscn in Warschau unter dem 28. Septbr. aus 
Charkow erlassenes -Schreiben.) 


Hiezu Tafel VI A. 


Ich bin seit mehren Tagen von den geognostischen Ex- 
kursionen im Jekaterinoslawschen und Charkower Gouverne- 
ment zurückgekehrt, deren Veranlassung, wie ich in meinem 
letzten Brief geschrieben, die Ankunft der Herren Murcnı- 
Son und VerneviL im Donelzer Steinkohlen- Reviere war. 
Mit letztem zusammen habe ich, nach vorgängiger gemein- 
sehaftlicher Reise von ZLisitschansk bis Bachmut, von da 
eine Exkursion zu dem bekannten Steinkohlen-Vorkommniss 
bei Pelfrowka gemacht, wo wir uns wieder mit Hrn. Mur- 
 cmison vereinigten, der mittlerweile die Kohlen-Formation 
gegen Jekalerinoslaw und den Drepr zu verfolgen gesucht 
hatte. Bis hierher sind wir sodann über Stock und. 
Stein gefahren, und von da sind die Herren über Moskau 
nach Petersburg abgereist. Die Tour mit Vernevis war für 


mich sehr angenehm und nicht ohne recht interessante 
Jahrgang 1842, 17 


254 


Ergebnisse, und so will ich das Erheblichste davon vorläufig 
in der Kürze mittheilen. Umständlicheres steht von jenem 
ausgezeichneten Geologen selbst zu erwarten, dem ich 
darin für jetzt nicht vorgreifen will und desshalb auch, 
was ich meinerseits von Petrefakten gefunden, ihm überlas- 
sen habe. 

Vorerst ist der bisher verschieden gedeutete Gyps von 
Bachmut seiner richtigen geognostischen Stelle näher getre- 
ten. Beim Dorf Beloisorska, in etwa 3 des 40 West, lan- : 
gen Wegs zwischen der Steinkohlen-Förderung Lisitschansk 
(unweit des Dorfes Werchni am Donelz) und den Gyps- 
Brüchen von Bachmul, zeigt sich auf einer Strecke von 
etwa 2 Werst eine mehrmalige ziemlich grossartige unter 
10° bis 15° in SW. geneigte Wechsellagerung von dichtem 
blätterigem Gyps, röthlichem kleinkörnigem Sandstein und 
grauem zum Theil dolomitischem Kalkstein, wovon mürbe 
mergelige Schichten des letzten vorzüglich viele Produkten 
einschliessen, welche Murcuıson und Verxevis dem Zechstein 
zuzuschreiben und dabei in dem Sandstein ein Analogon 
des Todtliegenden zu sehen geneigt waren. — Einige Werst 
zuvor, also im Liegenden des Schichten-Profils, war noch 
der alte Kohlen-Sandstein anstehend zu sehen. Gewiss er- 
leidet, es kaum Zweifel, dass man hier etwas anderes als 
das Kohlen-Gebirge vor sich hat; dafür spricht auch der 
gewaltige Unterschied in der beiderseitigen Schichten - Zu- 
sammensetzung,; nur liegt andererseits in ‚der. Wechsellage- 
rung der Gesteine, ein Umstand, der in Berücksichtigung 
gezogen seyn: will. — Bei Lisitschansk wird; das Kohlen- 
Gebirge durch die Beil, bedeckt: hier 30 Werst davon 
hätten wir also. wieder eine andere Bildung darüber,  wäh- 
rend ‚wieder um 120. Werst nordwestwärts auf der Koh- 
len-Partie. von ‚Petrowka unmittelbar Jura Platz ‚nimmt, 
Welche. überaus interessante, Erseheinung $; Aber es ist 
diess noeh nicht,genug, Es scheiut als, wenn Neptun in 
dem kleinen merkwürdigen Bezirk auch noch vorkommende 
Lücken zwischen jenen Formationen hätte ausfüllen wollen. 


255 


Ungefähr 6 Werst hinter dem Gyps von Bachmut gegen 
Slawänsk ist beim Dorf Berchowka am Thal-Gehänge des 
Flüsschens Siupka eine überraschende Schichten - Folge "ent- 
blösst. Es sind mürber, röthlicher und bunter Sandstein, 
voll rother und grüner Thon-Gallen, gelber kavernöser 
Kalkstein und rethe und grüne Thon- Mergel, zusammen 
von einer Mächtigkeit, welche das ganze gegen 100 Fuss 
hohe Thal-Gehänge von oben bis unten einnimmt. Von Gyps 
ist darin nichts zu sehen und überhaupt der Charakter 
von jedem Gestein sowohl als von der ganzen Schichten- 
Masse nicht mehr der von dem Beloisorskaer Schichten- 
Profil. — Man denkt an den bunten Sandstein oder Keuper. 
— Zuvor fehlen zwischen dem Profil und dem Bachmuter 
Gyps die Entblösungen, und diess ist auch weiterhin bis 
zur Kreide bei Slawänsk der Fall. Es bleiben so demnach 
rückwärts die Grenz -Gesteine gegen das Gyps-Gebilde und 
vorwärts dieselben gegen die Kreide bei Slawänsk unbekannt. 
Würde man hier aber die Kreide- Decke abheben können, 
so glaube ich, dass man auch noch im Verband mit andern 
Gesteinen die Salz-Stöcke treffen müsste, wovon die Salz- 
See’n daselbst nur ihre Nahrung erhalten können. Diess 
war schon früher meine Ansicht, und sie ist nunmehr durch 
den Schichten-Wechsel bei Berchowka fast zur Überzeugung 
gesteigert. 

Von Slawänsk schlugen wir den Weg in gerader 
nördlicher Richtung nach dem Donelz ein und erreichten 
sein Thal vis-A-vis dem Dorf Banaja. Ehe wir uns 
hier an der ergötzlichen Aussicht erfreuten, die in etwa 
11 Werst Entfernung links von der Überfahrt das Kloster 
S. Gors darbietet, was theils auf den Spitzen von 1S0 bis 
200 Fuss hohen Kreide-Felsen erbaut, tlieils darin ausge- 
höhlt’ ist, hatten wir noch einen andern geognostischen 
Genuss. Die Kreide liegt hier auf Jura, der längs dem 
untern Thal- Gehänge auf & Werst Erstrekung und gegen 
30 Fuss hoch entblöst ist (vgl. d. Hand-Zeichnung). Von den 
gegen die Kreide unter 10% bis 15° südostsüdlich geneigten 

17% 


256 


Schichten beginnen die davon entferntesten untern mit dich- 
tem festem Kalkstein, darauf folgen dolomitische und oolithi- 
sche Bänke und zuletzt verhärtete Thon-Straten. Diese 
beiden letzten sind für den Donelzer Jura etwas Neues; 
denn an den früher von mir aufgefundenen Partie’n 'bei 
Kamenka und Donetzka lassen sie sich nicht beobachten. 
Der Schichten-Kompiex des dichten Kalkes erscheint als der 
mächtigste und bildet schöne Fels - Partie’n; die einzelnen 
Schichten aber desselben wechseln in Platten von einigen Zol- 
lon bis zu mehren Russen Mächtigkeit. An Petrefakten sind 
hier die Schiehten arm; der Thon scheint ganz leer davon zu 
seyn. Schade übrigens, dass eine weite Schlucht mit be- 
deckten Gehängen den unmittelbaren Kontakt zwischen 
Jura und Kreide zu sehen verhindert. Beachtenswerth sind 
von letzten 1 bis 2 Zoll mächtige kompakte Feuerstein- 
Lagen, welche dieselbe Fall-Richtung wie die Jura-Sehichten, 
aber nur eine geringere Neigung haben. Auch zeigt die 
Kreide eine starke ziemlich regelmäsige senkrechte Zer- 
klüftung, die fast in eine unvoilkommene Säulen - förmige 
Absonderung übergeht; desshalb auch die imponirenden 
Zacken, die aus der Haupt-Masse hervorstehen. 

Die Auffindung des eben besprochenen Jura liess uns 
den Entschluss fassen, den andern Tag vom Dorf Jaremowha 
aus das rechte Thal-Gehänge auf Pferden durch Dick und 
Dünn zu verfolgen, und in der That ward unsere Anstren- 
gung belohnt. Kaum 5 Werst hinter jenem Dorf gegen 
Kamenka zu stiessen wir in einer. ziemlich tiefen Seiten- 
Schlucht wieder auf eine aus der Schluacht-Sohle hervortre- 
tende Jura- Partie, die sich über 1 Werst verfolgen lässt 
und gegen 30 Fuss hoch entblöst ist. Hierin nehmen zwi- 
schen gelbem mürbem kalkigem Sandstein und dem untern 
dichten und obern oolithischen Kalkstein noch einige andere 
Schichten Platz. Es sind diess eine thonige sandige Eisen- 
stein-Lage, sodann ein eisenschüssiges kalkiges Konglomerat, 
ferner ein 2 Fuss mächtiger charakteristischer Pisolith und 
endlich eine 2 bis 3 Fuss mächtige Muschel-Lage, die 


257 


vorzüglich aus Steinkernen und Fragmenten von Lyriodon- 
Arten besteht, gerade so wie sie in den von mir früher 
beschriebenen Jura-Partie'n von Kamenka und Donetzkaja 
vorkömmt. Zum Theil unmittelbar über dieser grossen 
Muschel-Lage umschliesst ein mürber Thonmergel eine Menge 
Terebrateln; aber was von Ostreen, Peeten und Ne- 
rinäen vorkommt, ist in den andern Straten, namentlich 
im dichten und oolithischen Kalk, mehr einzeln“ zerstreut. 
Sonst entspricht die Schichten-Neigung ziemlich dem diess- 
artigen Verhalten der Zanajaer Partie; aber statt der Kreide- 
Decke liegen hier auf der bewachsenen Kuppe des Schlucht- 
Gehänges Bruchstücke von chloritischem, quarzigem und 
thonigem Sandstein, der mit Sand mächtige Schichten-Kom- 
plexe beim Dorf Jaremowka bildet, die am Thal-Gehänge 
des Donetz von unten bis oben hinauf reichen. Es ist diess 
dieselbe chloritisch -quarzige und thonige Sandstein-Bildung, 


über deren wahre Lagerungs- Ordnung gegen die Kreide 


meine Schrift über die Gebirgs- Formationen des Charkower 
Gouvernements einige Zweifel lässt, und die sodann von 
Neuem in meinem letzten Brief an LeonuArp wieder zur 
Sprache gebracht ward [Jahrb. 7841, 541]. Durch ein sehr in- 
struktives Profil, zu dem ich bald kommen werde, ist die Sache 
nun aber ins Reine gebracht. Es ist entschieden Grünsand. 

Von der Kamenkaer Jura-Partie, zu der wir nun von jener 
übergingen, war diessmal mehr und weniger zu sehen, als 
zur Zeit, wo ich sie zuerst auffand. Der Grund-Besitzer 
davon hatte, um einen Überblick seiner Mineral- Reichthü- 
mer zu erlangen, das ganze längs dem Donetz anstehende 
Jura-Gestein beräumen lassen. Dadurch ist ein schöner 
Durchschnitt von den obern und mittlen Schichten zum Vor- 
schein gekommen; dagegen sind bei der Gelegenheit die 
früher ‚mittelst eines kleinen Schurfes aufgedeckten tiefern 
Kohlen- und Eisenerz-Lagen verstürzt worden. — Ein 
Verhältniss stellt sich aus dieser nun entstandenen Ent- 
blösung vorzüglich schön heraus. Man sieht nämlich, dass 
der ganze Schichten -Komplex einen flachen Sattel formirt, 


2 


258 


dem’ sich die Kalk-, aber nicht die Sandstein-Straten gefügt 
zu haben scheinen. Diese zeigen sich wie mehrfach gekniekt, 
und dergestalt aus ihrem Zusammenhang gebracht, dass die 
verschiedenen Theile einer Schicht bald höher und bald tiefer 
liegen. Einzelne solcher Schichten-Fragmente sind stellen- 
. weise auch Haken-förmig gekrümmt. Es ist diess eine ganz 
interessante Erscheinung, und es weist dadurch die dasige 
Jura-Partie gar deutlich auf das ganze Mulden- und Sattel- 
System hin, das dem Donetzer Jura überhaupt eigen seyn 
muss, da bei den meisten durch Kreide-Mittel von einander 
getrennten Partien fast immer ein Theil derselben Sehieh- 
ten wieder kehrt. Daraus lassen sich nun aber auch mit 
Beziehung auf die Kohlen-Formation nicht unwichtige Sehluss- 
foigen ziehen, worauf ich später einmal bei anderer Gele- 
genheit zurückkommen werde. Mar 

Wieder eine unbekannte Jura-Partie entdeckten wir 
ferner weit im Donetz-Thal bei Isjum. Es ist diess wohl 
die ausgedehnteste und dadurch noelı ausgezeichnet, dass 
unmittelbar darüber der Grünsand und auf diesem wieder 
- die Kreide lagert. Bei etwa 14 Werst sichtbarer Erstreckung 
reicht der. verschiedenartige Schichten- Wechsel des Jura 
gegen 60 bis SO Fuss an der rechten Thal- Wand. herauf. 
Die Straten von röthlichem und mürbem gelbem Sandstein 
mit Eisenstein und liehtegrauem diehtem, auch dolomitischem 
Kalkstein liegen auch hier unterst und ein feinkörniger 
etwas mürber Oolith zu oberst. Dazwischen nimmt ein 
unterer Oolith, sodann die grosse Muschel-Lage (immer das 
ächte Wahrzeichen für die mittlen Schichten) und dann ein 
Wechsel von geringer-mächtigem diehtem Kalke und mer- 
geligen und thonigen Straten Platz. Eine Mergel- Schicht 
umschliesst in grosser Menge Stachein von Cidarites, und in 
dem obern Oolith finden sich vorzüglich Nerinäen. Auch 
deuten ausgefallene Korallen das Vorkommen von diesen 
in irgend einer der mergeligen oder thonigen Straten an. 
Wohl gehört der grösste Theil der ganzen Schichtungs- 
Masse Buchs mittlem Jura an, doch der höhere Theil 


259 


davon fällt zweifelsohne der obern Jura-Gruppe anheim. — 
Wie ich schon berührt, liegt hier zwischen dem Jura und 
der schreibenden Kreide ein Straten - System von thonigem 
und quarzigem Sandstein und Sand, dem analog, wie ich 
es von andern Punkten im Charkower Gouvernement be- 
schrieben habe. Diese Entdeckung, durch einen Steinbruch 
vorbereitet, machte mir Freude, weil an allen andern Orten 
die Sandstein-Bildung und die Kreide sich zu fliehen schei- 
nen, oder, und wohl richtiger, sich gegenseitig wirklich ver- 
treten mögen. Das war es aber, was die wahre Stellung 
des Sandsteins immer anfechtbar liess; das /sjumer Profil 
legt sie nun klar vor Augen. Übrigens mag die ganze 
Schichten-Gruppe eine Mächtigkeit von 20 bis 30 Fuss ha- 
ben. Höchst frappant war für mich darunter ein Gestein, 
worin mir ein alter Bekannter aus dem Podolischen Grün- 
sand mit einer so täuschenden Ähnlichkeit entgegentrat, 
dass ich mich in das Fluss - Gebiet des Dniester versetzt 
meinte. Es ist diess die lichtegraue, öfters bräunlich ge- 
fleckte thonige Feuerstein-Masse, die dort häufig Exogyra 
columba einschliesst. Was hier merkwürdig von der dar- 
über liegenden Kreide, ist ihre geringe Mächtigkeit im Ver- 
gleich gegen andere Verbreitungs-Punkte; denn sie erreicht 
kaum 30 bis 40 Fuss. Erst entfernter gewinnt sie wieder 
an Masse, greift so in die Thal-Sohle herab und begrenzt 
im Niveau derselben die Verbreitung ihrer Unterlagen. 
Man möchte glauben, dass diess auf Kosten des Grünsands 
geschehe; wenigstens ist ein solches Verhalten nicht ohne 
Bedeutung auf das sonst gewöhnlich getrennte Vorkommen 
beider Formations-Glieder. 

Fast den Beschluss unserer Exkursion machte noch die 
Donetzer Jura-Partie in der Nähe der Petrowkaer Kohlen- 
gebirgs-Kuppe. Es möchte diess das nördlichste Vorkommen 
des Jura am Donetz seyn, und ist schon aus meinen frühern 
Mittheilungen bekannt *). Als bemerkenswerth über die 


”) Möglich und sogar wahrscheinlich könnte es aber seyn, dass zwi- 
schen diesem Jura-Vorkommniss und dem von Zsjum noch andere 


266 


hier neuerdings gemachten: Beobachtungen hebe: ich nur die 
Ausbeute eines schönen grossen Ammoniten heraus; den 
ieh in der grossen Muschel-Lage auffand. 

Überhaupt hat durch unsere Tour vorzüglich die Be- 
kanntschaft mit der Verbreitung des Jura am Donelz einen 
bedeutenden Zuwachs erhalten, und es ist diess selbst für 
Versuche, die zur Aufsuchung der Kohlen-Formation eirst- 
malen in diesen Gegenden unternommen werden möchten, 
nicht ohne Wichtigkeit. Aber auch für die Geognosie von 
Russland ist es von hohem Interesse, in dem Jura am 
Donetz wieder eine Formation zu wissen, die in dem Ge- 
birgs-Skelet der Süd-Provinzen eine nicht unbedeutende 
Stelle einnimmt. Zugleich endlich beachtenswerth ist sein 
abweichender Charakter von dem Jura, der in andern Ge- 
genden Russlands bekannt ist. Es fehlt jetzt nur noch, 
dass die einzelnen Schichten von allen Partie’'n recht genau 
sondirt, alle organischen Einschlüsse mögliehst sorgfältig ge- 
sammelt und sodann jene unter sich wie mit anderwärtigen 
Jura-Straten treu verglichen werden. Diess erfordert noth- 
wendig einigen Zeit-Aufwand und wenigstens mehr, als diess- 
mal darauf verwendet werden konnte. 

Jetzt will ich nur noch zu dem beigefügten Kärtehen 
bemerken, dass dieses nur vorzüglich die einzelnen sicht- 
baren Jura- Partie'n augenfällig machen und dabei das Au- 
genmerk auf das auffällige Zusammentreffen jener mit be- 
deutenden Krümmungen des Fluss-Laufs lenken soll. 


zu finden wären, sobald auch in dieser Distanz das Thal Schritt 
vor Schritt begangen würde. 


Über 
die Füsse des Pemphix Sueurii, 
$ von 


Hrn. HERMANN v. MEYER. 


— 


Hiezu Tafel VII A. 


In meinem über „Neue Gattungen fossiler Krebse aus 
Gebilden vom Bunten Sandstein bis in die Kreide“ handeln- 
den Werkchen (Stuttgart, 1840) lieferte ich die Beschreibung 
des für den Muschelkalk so bezeichnenden Langschwänzers 
Pemphix Sueurii. Ungeachtet mir dazu weit über hun- 
dert Exemplare zu Gebot standen und ich inzwischen noch 
andere untersucht hatte, so wollte es mir bisher doch nicht 
gelingen, über die Füsse und deren Beschaffenheit sichern 
Aufschluss zu erhalten. Selbst von der Scheere, welche 
man dem ersten Fuss beigelegt hatte, musste ich erklären, 
dass sie noch nicht nachgewiesen sey, nachdem mir diesel- 
ben Exemplare mitgetheilt worden waren, worauf deren 
Annahme beruhte, 

Vor Kurzem hatte Hr. Apotheker Weismann in Stultgart 
die Gefälligkeit, mir die in seiner Sammlung befindlichen 
Exemplare von Pemphix Sueurii aus dem Muschelkalk der 
Gegend von Orailsheim in Württemberg zuzusenden, woran 


262 


Überreste von den seltener sich darstellenden Theilen vor- 
handen waren, namentlich Füsse. Darunter ist unstreitig 
das wichtigste Stück, das von mir in Fg. 1 abgebildete 
erste Fuss - Paar mit dem vollständig erhaltenen einen 
Fuss, woraus hervorgeht, dass derselbe mit einer wirklichen 
Scheere bewaffnet ist. Beide Füsse liegen ohne ihren Ce- 
phalothorax auf solche Weise gekreutzt, dass das untere 
Ende vom langen Glied des einen Fusses zwischen dem 
langen und dem kurzen Glied des andern Fusses sich be- 
findet, wodurch es auch gekommen seyn mag, dass vor völ- 
ligem Erhärten der Gesteins-Masse diese beiden Glieder 
getrennt und etwas von einander entfernt wurden, während 
die übrigen Glieder noch zusammenhärgen. Vom andern 
Fuss ist nur das untere Ende wirklich erhalten, und seine 
übrigen Theile lassen sich, wenn sie nicht gänzlich weg- 
gebrochen, im Abdruck verfolgen. 

Das letzte Glied, welches den beweglichen Scheeren- 
Theil oder den Daumen (Pollex).bildet, ist von derselben Länge 
wie das vorletzte, wenn man dessen, gewöhnlich mit dem 
Namen Zeigefinger (Index) belegten Scheeren-Theil unbeach- 
tet lässt, und man kann für diese Länge 0”,0185 annehmen. 
Das letzte Glied von 0”,004 Stärke ist schwach konisch 
zugespitzt und nur gegen seine Spitze hin schwach ein- 
wärts oder gegen den unbeweglichen Schenkel hin gekrümmt, 
Der unbewegliche Schenkel hat beim Spalten des Gesteins 
etwas gelitten, wobei auch der zwischen den beiden Schen- 
keln liegende Rand etwas beschädigt wurde, was der Ab- 
bildung zur Erläuterung dienen mag. So viel lässt sich in- 
dess erkennen, dass der unbewegliche Schenkel, der schwach 
auswärts gerichtet ist und mit dem Rande, woran er sitzt, 
einen sehr stumpfen Winkel bildet, nicht viel kürzer, nicht 
stärker und auch nicht mehr gekrümmt gewesen seyn konnte, 
als der bewegliche Theil der Seheere. 

Das zweite Glied zeichnet sich durch Kürze und Breite 
aus, es ist dabei in seiner vordern Hälfte oder an der Ba- 
sis seines Scheeren-Fortsatzes breiter, als in der hintern 


263 


Hälfte, die hinten fast gerade abgestumpft ist; für die grös- 
sere Breite lässt sich 0”,015 annehmen. 

Das dritte Glied, von mir das kurze genannt, verdient 
diesen Namen auch hier im Vergleich zu den beiden Glie- 
dern, zwischen denen es liegt. Seine Total- Länge wird 
nicht über 0”,012 betragen haben, und die gegen das 
zweite Glied hin liegende grösste Breite wird auf die Breite 
les letzten in der hinteren Gegend herauskommen. Hinter- 
wärts wird das dritte Glied, wenigstens von der hier ent- 
blösten Seite betrachtet, weit schmäler und spitzt sich zu. 


Das vierte Glied ist in diesem Fuss ein langes und 
zwar wenigstens noch einmal so lang, als das dritte Glied; 
seine Total-Länge beträgt 0”,02S, und für die grössere 
Breite, von welcher Seite es entblöst ist, erhält man, abge- 
sehen vom gezahnten Aussenrande, 0” ,0095. 


Das fünfte Glied, ein kurzes, ist nicht kürzer als das 
dritte; es liegt mit dem Glied, welches die Verbindung des 
Fusses mit dem Körper unterhält, fast inniger zusammen, 
als mit dem zuvor erwähnten; über beide gibt die Abbil- 
dung nähere Auskunft; sie sind nicht weniger breit, als 


das lange Glied. 


_ Sämmtliche Glieder sind auf ähnliche Weise bewarzt, 
wie der Cephalothorax von Pemphix in den Gegenden, wo 
die Warzen kleiner werden; auch das erste Glied besass 
keine stärkere Warzen. Das fünfte Glied und jenes, wel- 
ches die Verbindung mit. dem Körper unterhielt, schei- 
nen stellenweise glätter gewesen zu seyn, als die übrigen; 
am deutlichsten bewarzt ist das dritte und vierte oder das 
kurze und lange Glied; erstes besitzt überdiess einige nach 
der Länge gereihte auffallend stärkere Warzen, und von 
letztem habe ich noch anzuführen, dass die Zähnchen des 
Aussen-Randes in ihrem Stande weiter nach vorn an Grösse 
und Stärke zunehmen, während an der Innenseite stumpfere 
Zähnchen gesessen haben; auch an dem fünften Gliede 
bemerkt man einige stärkere Warzen. Die Schaalen- 


264 


Substanz trägt ein mehr oder weniger schmutzig-weisses An- 
sehen; das Gestein ist der graue, dichte, schwere Muschel- 
kalk, scheinbar ohne sonstige Versteinerungen. 


Ein anderes Exemplar von Pemphix Sueurii der Weis- 
MANNschen Sammlung, welches ich Fg. 2 abgebildet habe, 
zeichnet sich durch die gute Erhaltung des zweiten linken 
Fusses aus. Das in der Nähe des Cephalothoraxes liegende 
_ längste Glied misst 0,017 Länge bei 0”,0055 Breite; sein 
dem Bauche zugekehrtes Ende ist rundlich abgestumpft, das 
entgegengesetzte etwas spitzer und mit einem Fortsatz ver- 
sehen, der sich einem Knöpfchen vergleichen lässt. Davor 
folgen zwei Glieder von gleicher Länge, die 0",013 beträgt. 
Von diesen wird dasjenige, welches dem langen unmittelbar 
vorsitzt, das sogenannte kurze oder dritte Glied der Reihe 
seyn. Sein dem langen Gliede zugekehrtes Ende ist stumpf 
zugespitzt; das entgegengesetzte scheint gerader zu endigen, 
und besitzt an der einen Ecke einen kleinen Knopf-artigen 
Fortsatz, der zur Einlenkung gehörte. Die grösste Breite 
dieses dritten Gliedes fiel in die hintere Hälfte, wo sie 
0”,006 beträgt, in der vordern Hälfte aber nur 0” ‚005. 


Das Glied vor dem so eben beschriebenen wäre das 
zweite oder dasjenige, welches bei Gegenwart einer Scheere 
den unbeweglichen Theil derselben in Gestalt eines Fort- 
satzes liefern würde. Nach dem dritten Glied hin endigt 
dasselbe gerade mit einem kurzen Fortsatz an der einen 
Ecke, der die Einlenkang unterstützt haben wird. Die 
Breite dieses an der Nebenseite beschädigten Gliedes betrug 
kaum mehr, als an dem vordern Ende des dritten. 


Vor diesem Glied liegt ein noch demselben Fuss an- 
gehöriger Theil von nicht unter 0”,013 Länge, woran das 
vordere mit der Bruch-Fläche der Gesteins- Masse zusam- 
menfallende Ende nicht vollständig ist. Da nun dieses Glied 
kaum länger gewesen seyn wird, so stellt sich für das erste, 
zweite und dritte Glied ungefähr gleiche Länge heraus. 
Das letzte Glied spitzte sich allmählich zu und scheint 


265 


gegen das Ende hin schwach gekrümmt. Bei dem fragmenta- 
rischen Zustande dieses und des vordern Endes des darauf- 
folgenden Gliedes war es unmöglich, sichern Aufschluss über 
eine Scheere oder über einen Scheeren-Fortsatz vom zweiten 
Glied zu erhalten; letzter scheint indess nicht ganz gefehlt 
zu haben, 


Die drei vollständigeren Glieder sind mit kleinen Wärz- 
chen, jedoch nicht dicht, besetzt, die hie und da, am ersten 
in der Rand-Gegend, in voliständigem Zustande die Gestalt 
kleiner kurzer Stacheln besessen zu haben scheinen. 


Hinter dem langen Gliede des beschriebenen Fusses 
bemerkt man den Queer-Schnitt von einem folgenden von 
rundlicherer Form und etwas über 0”,003 Stärke; zu die- 
sem Fusse gehören wohl auch die in der Nähe des langen 
und kurzen Gliedes des zweiten Fusses vorhandenen End- 
Theile, von denen sich indess nur anführen lässt, dass sie 
schmal und lang waren. Hinter dem @ueer- Schnitt vom 
dritten Fuss findet sich ein Theil von ähnlicher Stärke, 
der voın vierten Fuss herrühren wird. 


Der dabei vorfindliche Cephalothorax, der ohne durch 
Druck gelitten zu haben 0”%,035 Breite misst, setzt es aus- 
ser Zweifel, dass diese Füsse dem Pemphix angehören. Bei 
dem ersten Fuss-Paar jedoch könnte, da dasselbe sich ohne 
den Cephalothorax vorfand, Bedenken erhoben werden, wenn 
man es diesem Krebs beilegen wollte, wie ich: es bereits 
gethan. Die Gründe, welche :mich: dabei leiteten, sind fol- 
gende: Unter der grossen Menge von mir aus dem Mu- 
schelkalk untersuchten Krebsen kenne ich kein anderes 
langsehwänziges Genus als den Pemphix; die Grösse dieser 
Füsse ist der Grösse dieses Krebses angemessen; die Be- 
schaffenheit der auf den Fuss-Gliedern sitzenden Wärzehen 
sind von ganz. derselben Natur, wie die auf dem Cephalo- 
thorax des Pemphix; unter den Exemplaren der 'WEısMmann- 
schen Sammlung befindet sich eins, das etwas kleiner als 
das zuletzt beschriebene ist, und aus einem Cephalothorax 


266 


besteht mit Resten von einem Fuss, der dem isolirt gefun- 
denen Paar ähnlich beschaffen gewesen seyn muss. Nach 
den vom langen Glied vorhandenen Andeutungen würde 
dessen Länge nicht unter 0,025 betragen und zu ihr 
die Breite in einem dem vereinzelten Fuss angemessenen 
Verhältniss stehen. Daran sitzt nach dem Bauche hin ein 
kurzes Glied von ungefähr 0”,015 Länge bei 0",007 Dicke 
und wohl etwas grösserer Breite. Was hievon übrig, ist 
deutlich bewarzt, hie und da und besonders gegen den 
Rand hin mit etwas grössern Warzen. Dieses kurze Glied 
hängt mit einem nicht ganz so langen, aber eben so starken 
Gliede zusammen, welches das Verbindungs-Glied seyn wird. 
Nach diesen und meinen früheren Beobachtungen würde 
sich nun in Pemphix Sueurii das Verhältniss der Länge 
des ersten Fusses zum zweiten herausstellen wie 3:2; die 
Glieder des ersten Fusses würden ungefähr noch einmal 
so stark (breit) seyn, als die des zweiten, und die Glieder 
von diesem noch einmal so stark als die des dritten und 
vierten Fusses; die Glieder des ersten und zweiten Fusses 
sind mehr platt geformt, die der folgenden Füsse rundlich; 
der erste Fuss besass eine Scheere, das lange und das 
zweite Glied mit Inbegriff des Scheeren - Fortsatzes waren 
ungefähr gleich lang. und das erste Glied ungefähr so lang 
wie das zweite ohne dessen Scheeren-Fortsatz, die kleinen 
Glieder sind untereinander von fast gleicher Länge; im 
zweiten Fuss dagegen bestand grosse Gleichförmigkeit in 
der Länge aller Glieder. In meinem Werke über „Neue 
Gattungen fossiler Krebse“ finden sich an den Taf. I, 
Fe. 6 und 10 abgebildeten Exemplaren Überreste vom er- 
sten Fusse vor, die jedoch über dessen Beschaffenheit kei- 
nen Aufschluss geben; und die stärkeren Glieder der Ex- 
emplare Fg. 3, 5, 7, 12 sind Glieder des zweiten Fusses. 
Bei dieser Gelegenheit‘ kann ich nicht unerwähnt las- 
sen, dass der Pemphix Sueurii neuerlich auch in dem Mu- 
schelkalke der Gegend von Rothenburg an der Tauber ge- 
funden wurde, von wo mir Hr. Präsident vow ANnDRIAN ein 


267 


jetzt in ‚der Sammlung. zu Ansbach befindliches Exemplar 
von der Grösse des in meiner Schrift Taf. II, Fg. 5 aufge- 
führten unlängst mitgetheilt hat. 


— 


Bei den nachträglichen Untersuchungen, welche ich 
durch die im Besitz des Hrn. Werısmann befindlichen Ex- 
emplare über die Füsse des Pemphix Sueurii anzustellen 
veranlasst ward, musste es mir erwünscht seyn, jene Ex- 
emplare kennen zu lernen, welche in letzter Zeit die natur- 
förschende Gesellschaft in Basel erhielt, und über die in 
deren viertem Bericht [>> Jahrb. 7841, 740, 741] die Herren 
Dr. Burckuarp und von SEcKENDORFF Nachricht geben. 
Hr. Rathsherr Pzrrer Merıan hatte die Gefälligkeit mir eine 
Auswahl dieser im Muschelkalk von Schweitzerhalle und des 
Grenzacher Horns bei Basel gefundenen Exemplare von Pa- 
linurus Sueurii, woran Füsse und Antennen deutlich er- 
halten waren, mitzutheilen, was mich in den Stand setzt, 
meine Angaben hierüber noch mehr zu vervollständigen. 


“Darunter befindet sich ein Exemplar von Schweilzer- 
halle, welches durch gute Erhaltung seiner Füsse und An- 
tennen besondere Aufmerksamkeit verdient. Diese gute 
Erhaltung hat es, neben der glücklichen Ablösung der Platte, 
hauptsächlich der Beschaffenheit des Gesteins zu verdanken, 
die durch die thonige Natur fast mehr den festen Bänken 
des Lias-Schiefers gleicht, als jenen, die gewöhnlich unter 
dem Kalkstein von Friedrichshall begriffen werden, zu welch’ 
letzten auch die Pemphix-führenden Schichten gehören. Die- 
ser Krebs ist von der Grösse des von mir in meinem Werke 
Taf. I, Fg. 5 abgebildeten Exemplars , mithin von mittler 
Grösse. _ Sein Cephalothorax ist stark zerdrückt und etwas 
verschoben, was "auch vom Abdomen gilt; vom eigentlichen 
Schwanz ist nur ein unbedeutender Rest erhalten. 


Der rechte Fuss des Paars, womit die Reihe der Füsse 


beginnt, ist ein wenig. schwächer, als der linke, an den ich 


268 


mich in der Beschreibung halten werde. Das lange Glied 
desselben wird grösstentheils vom Cephalothorax bedeckt. 
Das kurze Glied misst 0”,007 Länge bei 0,005 Breite; 
das daran einlenkende vorletzte Glied, bei 0m,0045 gleich- 
förmiger Breite, ohne den Scheeren-Fortsatz 0”,0105, mit 
demselben 0,018. Länge, so dass also 0,0075 auf den 
Scheeren-Fortsatz kommen, was auch die Länge des letzten 
. Gliedes oder des beweglichen Theils der Scheere ist. Die 
beiden Scheeren-Theile sind einander sehr ähnlieh; sie sind 
spitz-konisch geformt und nicht merklich gekrümmt. In die- 
sem Fuss ist also das letzte Glied nicht kleiner und das 
vorletzte Glied mit dem Scheeren -Fortsatz 24mal so lang 
als das kurze Glied. Die Füsse dieses Paars sind nach 
vorn gerichtet und nehmen überhaupt eine solehe Lage ein, I 
‚wonach man glauben sollte, dass sie zum Erfassen von Ge- 
genständen  tüchtiger gewesen als zur, Fortbewegung des 
Körpers. In diesem Fall würden sie das erste Paar dar- 
stellen, dabei aber nicht allein von dem zu Cruslsheim. iso- 
lirt gefundenen ersten Paar stärkerer Füsse abweichen, son- 
dern auch selbst mit jenen Füssen nicht vollkommen über- 
einstimmen, welche ich mich bestimmt sah für das zweite 
Paar auszugeben. Daher ergibt sich nun, ‚dass es wohl 
keinem Zweifel unterliegt, dass die beiden vordern Paare 
von Füssen des Pemphix Sueurii mit nicht auffallend langen 
Scheeren bewaffnet waren, aber noch nieht möglich ist es die 
gegenseitige ‚Beschaffenheit beider Paare mit Sicherheit an- 
zugeben, was. um so. schwieriger fallen wird, als bei den 
Krebsen überhaupt in den End-Gliedern der Brei Füsse, 
sogar bei einem und demselben Individuum, auffallende Ver- 
schiedenheit bestehen kann. 

An der rechten Seite des Krebses sind hingen en 
Fuss noch drei andere ‚Füsse sichtbar, zwischen ihm aber 
und dem ersten von diesen habe ich keine Überreste von 
einem andern Fuss wahrgenommen, was freilich bei dem 
zerdrückten Zustande des Cephalothoraxes schwer wäre. 
Wegen der hieraus entstehenden Ungewissheit in der 


269 


Deutung der Füsse ist es besser, ihre Betrachtung mit dem 
letzten fortzusetzen, dessen Entblösung mir gelang. Von 
seinem langen Glied ragt nur ein Theil unter dem Cepha- 
lothorax hervor; zwischen diesem Glied und dem kurzen 
ist der Fuss an diesem Exemplar am stärksten gebogen, und 
zwar hinterwärts. Das vorletzte Glied scheint fast mehr 
als noch einmal so lange als das kurze, und dieser Fuss 
scheint mit keiner wirklichen Scheere, sondern nur mit 
einem schmalen geraden letzten Gliede von der ungefähren 
Länge des kurzen versehen zu seyn. Die Breite des lan- 
gen Gliedes beträgt 0”,002 und die der we Glieder 
ungefähr die Hälfte. 

Unmittelbar davor liegt der vorletzte Fuss, über den 
sich nur anführen lässt, dass sein langes Glied nicht unter 
0%,012 betrug; das Exemplar ist nicht geeignet, um eine 
Entscheidung darüber zuzulassen, ob dieser Fuss mit einer 
wirklichen Scheere bewaffnet war oder nicht. 

Der vorvorletzte oder dritte Fuss besass eine Scheere; 
_ der rechte ist grösstentheils erhalten, in vorzüglicbem Grade 
aber der linke, dessen Übereinstimmung mit erstem es wahr- 
scheinlich macht, dass er wirklich ‘der gleichnamige Fuss 
sey. Derselbe Druck, welcher den Cephalothorax zerquetschte, 
schob auch den Fuss weiter zurück; oder es müsste zwi- 
schen dem dritten und vierten Fuss vollkommene Überein- 
stimmung bestehen, was nieht unmöglich wäre, und in die- 
sem Fall würde nur der letzte Fuss ohne wirkliche Scheere 
gewesen seyn. Von genanntem Fuss misst das lange Glied 
0,014 Länge bei fast 0%,003 Breite, das kurze 0",005 bei 
kaum mehr als 0”,002 Breite, das vorletzte mit dem Schee- 
ren-Fortsatz 0”%,011 Länge bei 0”,002 gewöhnlicher Breite 
und das letzte Glied 0”,004 Länge. Dieses Glied oder der 
bewegliche Scheeren-Theil erscheint nicht breit und ist 
kaum gekrümmt, er spitzt sich allmählich zu; der andere 
den Fortsatz des zweiten Gliedes bildende Scheeren - Theil 
seheint nicht ganz so lang als der bewegliche; er ist eben- 


falls nicht merklich gekrümmt und steht etwas schräg nach 
Jahrgang 1842, 18 


270 


aussen, wobei er mit der Nebenseite des Gliedes einen 
stumpfen Winkel macht, und dem Ende desselben ein etwas 
breiteres Ansehen verleiht. Das letzte Glied ist also an 
diesem Fuss wahrscheinlich noch ein wenig kürzer, das 
vorletzte noch einmal so lang, und das lange dreimal so lang 
als das kurze Glied, 

An diesem Exemplare sind auch beide Paare von An- 
tennen oder Fühlern, die äussern sowohl als die innern, 
überliefert. Die innere Antenne ist einfach, d. h. sie be- 
steht nur aus einem feinen gegliederten Fühlfaden auf. jeder 
Seite, von dem ungefähr 0,029 Länge überliefert ist. Zu- 
vor waren mir vier Exemplare mit Antennen bekannt; an 
dreien derselben bestand die innere Antenne aus zwei Fä- 
den (foss, Krebse ete., Taf. Il, Fg. 4, 5, 7) und an: einem 
aus einer (Fg. 9), so dass vorliegendes Exemplar das zweite 
Beispiel letzter Art abgibt. Von den Stamın-Gliedern der 
innern Antenne sind nur Andeutungen vorhanden. Von den 
Gliedern des Stammes der äussern Antennen sind die bei- 
den vordern am besten erhalten, und selbst vom dritten 
glaubt man Andeutungen zu gewahren; diese Glieder zeich- 
nen. sieh durch ihre Breite aus, welche 0”,004 misst und 
kaum geringer ist als die Länge ; sie sind mit einigen schwa- 
chen Wärzchen besetzt.. Die rechte äussere Antenne: ist 
in vorliegendem Exemplar mehr nach. vorn gerichtet, die 
linke mit dem ersten Glied ihres Stammes rechtwinkelig 
zur Länge nach aussen umgebogen. Von: dem Faden der 
rechten Antenne ist. 0%,045 erhalten; die Stärke am. jetzi- 
Ende, so. wie der Umstand, dass der Faden an dem von 
mir früher mitgetheilten kleinern Individuum (Taf. H, Fg. 12) 
länger war, beweisen, dass er hier nicht vollständig über- 
liefert ist; er wird wohl das Doppelte der Faden- Länge 
der innern Antenne betragen haben. Gegen das Stamm- 
Glied hin ist der Faden der äussern Antenne 0”,0015. breit. 
Von. der rechten Seite ist ferner der etwas beschädigte 
Flügel-föürmige Fortsatz wahrzunehmen, dessen Breite nicht 


271 


unter 0",006 und die Länge nicht unter 0,”009 betrug; es 
bestätigt sich daran, dass er deutlich gekielt ist. 

Von den übrigen Exemplaren habe ich nur eins zu er- 
wähnen, das aus dem Muschelkalk des Grenzacher Horns 
herrührt und sich an der Nebenseite gut entblösen liess. 
Man erkennt daran, dass die schmale Längs - Erhabenheit 
des in der vordern Längen-Hälfte liegenden randlichen 
Feldes (vergl. Taf. II,. Fg. 2 meines Werkes) bis zur vor- 
dern Ecke des Cephalothoraxes fortsetzt. Auch dieser Ce- 
phalothorax ist an dem Bauch-Rande nicht Leisten -artig 
eingefasst, was gegen die starke Einfassung des Hinter- 
Randes nur um so mehr auffällt. 


18 * 


| Nene i 
Kreide-Foraminiferen, 


Hrn. Amts-Assessor FR. A. RoEMER. 


— 


Hierzu Tafel VIIB. 


In meiner Arbeit über das Kreide-Gebirge sind bereits 
zahlreiche Formen von Foraminiferen beschrieben , welche 
in dem Hils- Thone unweit Zschershausen vorkommen; man 
‘findet sie leicht, wenn man in dem Chaussee-Graben und 
auf dem Anger, wo jene Gebirgsart ansteht, die obere 
Kruste abnimmt und in Wasser schlämmt, bis aller Thon 
entfernt ist; es bleibt dann ein grober Sand zurück, in wel- 
chem man jene Körper schon mit unbewaffnetem Auge be- 
merkt. Letzten Sommer habe ich dort noch folgende Arten 
entdeckt, die schon wegen ihres Alters für die Entwickelungs- 
Geschichte dieser kleinen Schöpfung nicht ohne Interesse 
sind und daher bekannt zu werden verdienen. 

1. Frondicularia hastata n., Fg. 5. Bisher waren 
Frondikularien erst aus der oberen Kreide-Bildung bekannt; 
es ist diess daher zur Zeit die älteste For; sie steht dem 
Umrisse nach zwischen Fr. striata D’Ors. und Fr. cor- 
data n. in der Mitte, ist stark zusammengedrückt, dreiseitig, 
fast doppelt so hoch wie breit, oben sehr spitz, an der 
Basis mit wenig vorstehender Mündung versehen, hat ganz 
gerade, stumpfe Seiten-Ränder und etwa sechs Scheidewände, 
welche in der Mitte der Breite in einen spitzen Winkel 


275 


zusammenlaufen. Möglich, dass die äussern Falten nicht den 
Scheidewänden entsprechen und dass diese in entgegenge- 
setzter Richtung laufen; Fr. cordata lässt diess vermuthen. 

2. Vaginulina Kochii n. var. laevis, Fg. 1. Unter- 
scheidet sich von der früher beschriebenen Form dadurch, 
dass das Gehäuse weniger schnell an Breite zunimmt und 
dass die innern Scheidewände aussen nicht Rippen -artig 
hervortreten; die breiten Seiten haben etwas scharfe Kan- 
ten; die schmalen Seiten sind nieht unbedeutend gewölbt. 

3. V. striatula n., Fg. 2. Sie ist der V. harpa im 
Ganzen sehr ähnlich, aber nicht halb so gross, an den brei- 
ten Seiten etwas gewölbt und auf jeder mit etwa zehn 
feinen Längs-Linien versehen, welche ziemlich gerade sind, 
gleiche Länge zu haben scheinen und die Queerscheide- 
wände nicht durchschimmern lassen; die schmalen sind un- 
deutlich gekielt und tragen auch einige Längs-Linien. 

4. V. eostulata n., Fg. 3. Das Gehäuse ist fast linea- 
risch und gerade, wird langsam breiter, ist stark und gleich- 
mäsig zusammengedrückt und zeigt auf den breiten Seiten 
Rippen-artig scharf vorstehende, schräge, ziemlich gerade 
Scheidewände: von den schmäleren Seiten ist die an der 
Mündung anliegende gerade und glatt, während die ent- 
gegengesetzte durch vorspringende Wölbung der Kammern 
im Profil gekerbt erscheint. Eine sehr schöne, dunkel ge- 
färbte Form, der V. legumen p’Ors. am nächsten stehend. 
Das abgebildete Exemplar ist unten abgebrochen. 

5. Planularia erepidularis n., Fg. 4. Das Gehäuse 
ist eirund, stark zusammengedrückt, nimmt schnell zu und 
zeigt etwa 7 scharf hervorstehende und sanft gebogene 
Seheidewände; der Rücken ist undeutlich gekielt. Pl. ere- 
pidularis D’Orsıcny ist viel länglicher und fast lanzettlich. 

6. Pl. orbiculata n., Fg. 6. Das Gehäuse ist fast 
kreisrund, gleichfalls sehr zusammengedrückt und zeigt auf 
den Seiten weniger und unregelmäsigere Scheidewände; die 
Grösse ist ganz dieselbe, wie bei der vorhergehenden Art. 


Briefwechsel. 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. 


Freiberg, 13. Okt. 1841"). 


Bei meinem Aufenthalt in Dalmatien im Laufe dieses Sommers 
erfuhr ich von mehren Beamten der dortigen Kohlen-Gruben am Monte 
Promina bei Dernis, dass daselbst am 4. Juli früh 2 Uhr zwei be- 
deuteade Erdstösse kurz nach einander in der Richtung von NO. 
nach SW. empfunden worden seyen. 


CARL KERSTEN. 


4 


Krakau, 27. Okt. 1841. 


Im verflossenen Sommer bereiste ich wieder mehre Punkte in den 
Karpathen und der Tatra, die mir bis jetzt unbekannt geblieben waren. 
Ich erlangte über vieles Dunkle Aufschluss; so unter Anderm fand ich 
charakteristische Versteinerungen in. der Nummuliten - Formation. Sie 
besteht aus Schichten von Schiefer-Thon , Karpathen-Sandstein und Do- 
lomit, die mit unzähligen Nummuliten angeschwängert sind. Die von 
PuscH darin angeführten Versteinerungen sollen auf Kreide deuten; die- 
sem kann ich aber gar nicht beistimmen. Die beiden Pecten sind neu 
bis jetzt; die Ostreen sind ebenfalls unbekannt; Gryphaea ist durch- 
aus nicht zu finden. Somit war kein Anhalts-Punkt in der Bestimmung 
dieser Formation. Gegenwärtig werden bedeutende Bauten in Zakopane 
ausgeführt, und bei der Gelegenheit fand ich viele Terebrateln, die der 
T. numismalis entsprechen, nur sind diese Exemplare etwas ver- 
schieden von den Württembergischen, indem sie weniger gewölbt sind: 
sie entsprechen aber vollkommen der Französischen Abänderung aus den 
Hautes-Alpes. Es gibt öfters Exemplare, die wenig ausgesprochen sind 


*) Durch ein Versehen verspätet, D. R, 


275 


und die man wohl verwechseln könnte mit T. carnea; aber diese 
Kreide - Versteinerung hat niemals ein scharf ausgebildetes Ohr, und 
durch eine scharfe Kante bestimmt bezeichnet. Sodann sind in bessern 
Individuen deutliche Rippen zu finden, die sich Reifen-artig schliessen, 
wie man sie nur in der Familie der T. numismalis antrifft. Somit 
ist diess eine Lias - Versteinerung, die diese Schicht ganz bezeich- 
nei. Der darüberliegende Karpathen - Sandstein enthält zwar liasische 
Formen, die‘ meisten aber gehören dem untern Oolith an. Diesem 
Briefe lege ich eine kleine Abhandlung über den Jura bei Krakau in 
Polnischer Sprache bei: sie werden finden, dass der Polnische Jura sehr 
ähnlich ist dem der Schwäbischen Alp: nur seine unteren Schichten 
sind etwas verschieden. Die Petrefakte verglich ich im Berliner Mu- 
seun, so dass sie sicher bestimmt sind. 


L. ZeuscuHneEr. 


Rothenburg a. d. Fulda, 22. Jan. 1842. 


In dem Jahrbuche für Mineralogie 7841 habe ich die Abhandlung 
über Zeolithe mit grossem Vergnügen gelesen. Als Fundort der Meso- 
type wird auch der in der Nähe meines Wohnortes gelegene Alpstein 
bei Sontra aufgeführt. Ob Ihnen bekannt ist, in welcher Menge und 
in was für einer erstaunlichen Manchfaltigkeit, was äussere Formen 
betrifft, dieses schöne Mineral besonders in der neuesten Zeit vor- 
gekommen ist, diess möchte ich bezweifeln. So besitze ich in meiner 
Sammlung eine Suite von der feinsten Haar- förmigen Krystallisation 
bis zu Krystailen von einer Linie.-Durchmesser in Drusen von bis zu 
1 Fuss Länge und 4 Fuss Breite, und ganz derbe Stücke Mesotyp- 
Massen. Diess führt mich ‘auf die (Seite 306 der Abhandlung) ausge- 
sprochene Erklärung über die Bildung der Zeolithe durch „Infiltration“ 
und „Ausscheidung“. Bei unseren Mesotypen des Alpsteins lässt sich 
der Beweis klar vorlegen, dass solche durch Ausscheidung entstan- 
den sind. So finden sich ganze Blöcke, die aus nichts als Mesotyp- 
Massen bestehen, andere die etwas Wacke-Thon beigemengt enthalten, 
und wieder welche, bei denen die Masse, weniger durch den Raum 
beengt, feine Anfänge zu Krystallisationen zeigt; und in dem Verhält- 
nisse, wie die Raumbeengung mehr und mebr verschwand, die beginnende 
Kıystallisation von den feinsten Nadeln bis zu einer Linie Stärke in 
den Drusenräumen. Das umschliessende Gestein bestehet bei der Na- 
del-förmigen Krystallisation in der Regel aus Wacke-Thon, während 
das bei den stärkeren Krystallen ein doleritischer Basalt ist. Höchst 
interessant ist am Alpstein (bekanntlieh ein Basalt- Durchbruch durch 
den Bunten Sandstein) die Umwandelung des Nebengesteins an den 
Wänden der gefritteten Sandsteine, gebackenen Schiefer-Letten und 
Thone mit ihren Kluft-Flächen und überkleidet mit Dendriten-Zeichnungen. 

Wenn Sie die Sache interessirt, könnte ich Ihnen demnächst eine 


276 


Zeichnung und Beschreibung: des Alpsteins mit einer Suite seiner Neben- 
gesteine ‚und seiner Mesotype liefern. | 
In einem Muschelkalke in der Nähe des Alpsteins fand ich kürg- 
lich sphäroidische Ausscheidungen , innen hobl und mit. Kalkspath in 
den „Würfeln-ähnlichen Rhomboedern“ überzogen. : 
Arrtnavs, 


* 


Zürich, 17. Febr. 1842, 


Vor einiger Zeit schrieb mir Professor Stuper, er habe Ihnen be- 
richtet [Jahrb. 1841, 677], dass im Aar- wie im Rhöne - Becken die 
‚grossen Findlinge sich überall über den ältern Geschiebe-Auffüllungen 
der Thal-Gründe abgelagert zeigen und dass daher die Epoche der letz- 
ten Alpen- Erhebung von derjenigen der Block-Verbreitung durch die 
lange Periode der Kies - Auffüllung unsrer Thal- Gründe getrennt sey. 
Diese Behauptung kann ich für das Rhein-, Linth- und Reuss- Becken 
nicht bloss vollkommen bestätigen, sondern zugleich noch hinzufügen, 
dass während der Periode der Kies-Auffülluug in unsern Gegenden ein 
Klima herrschte, das von dem gegenwärtigen nicht sehr verschieden 
oder wenigstens milde genug war, um noch Birken, Fichten, Wachbhol- 
der, nebst einer Menge eigentlicher Sumpf-Pflanzen gedeihen zu lassen. _ 
Die sogenannten Schiefer-Koblen (bituminöses Holz) von Utznach, Dün- 
ten (Linth- Becken) und Mörovyl (zwischen St. Gallen und Roschach) 
bestehen nämlich ganz und gar aus Bruchstücken der angeführten 
Pflanzen und liegen theils mitten zwischen den diluvialen Geschiebe- 
Ablagerungen, theils an ihrer obern Grenze. In diesen Geschiebe- 
Massen ist bis jetzt nirgends auch nur ein einziger Block gefunden 
worden, obgleich sie an zahlreichen Stellen hübsch aufgeschlossen und 
also der ‚Untersuchung zugänglich sind; auch in Dürnten wurden 
beim Graben eines 40° tiefen Schachtes durch die Geschiebe-Masse hin- 
dureh keine Blöcke, sondern bloss gerundete Geschiebe von höchstens 
Kopf-Grösse gefunden. Erst über diesen Geschieben und über den 
Kohlen zeigen sich die Blöcke an allen den angeführten Stellen. ı 

'So auffallend es nun auch erscheinen mag, dass nach dem warmen 
Palmen - erzeugenden Klima der Molasse-Periode, nach der später fol- 
genden letzten Erhebung der Alpen und der durch sie wohl grössten- 
theils bewirkten Entstehung und Auswaschung, der Molasse-Thäler, end- 
lich nach der noch spätern Auffüllung der Thal- Gründe mit Geschiebe 
und Ablagerung der vorhin erwähnten Schiefer-Kohlen und nach dem 
während dieser letzten Periode herrschenden gemässigten, jedenfalls 
nicht polaren Klima eine Epoche eingetreten seyn soll, während welcher 
eine Zeit lang die ganze ebene Schweitz uud später noch ein bedeuten- 
der Theil derselben hoch mit Gletscher-Eis bedeckt war, so zweifle ich 
doch gegenwärtig im Gerinugsten nicht mehr an der Existenz dieser Epoche. 

' Schon 1839. überzeugte. mich. zwar Herr..voN ‘CHARPENTIER auf 


277 


Exkursionen, die er mit mir nach den verschiedenen zum Theil pracht- 
vollen Block - Ablagerungen der Umgegend von Bex vorzunehmen die 
Güte hatte, so viel als vollständig von der Richtigkeit der Block-Theorie 
durch Gletscher, und auch die mir spezieller bekannten Block - Ablage- 
rungen im Linth- und Reuss-Becken erklärten sich durch sie viel ge- 
nügender als durch eine der früher aufgestellten Theorie’n; doch konnte 
ich mich, namentlich bei Übersicht unserer Gegenden von den Gipfeln 
der Molasse-Berge aus, der aufsteigenden Zweifel nicht erwehren ; ich 
empfand dasselbe Widerstreben gegen diese supponirten Eis - Massen, 
das Hr. v. Cuarpentier S. 351 seines Werkes so offen bekennt‘ em- 
pfunden zu haben, Auch war ich immer noch nicht recht überzeugt, 
dass ein Schutt und Steine fortwälzendes Gewässer an felsigen Seiten- 
Wänden nicht ähnliche Furchen und Streifen bewirken könne, wie eine 
Gietscher-Masse, zumal ich Fels-Politur durch jetzige Gletscher noch 
nie gesehen hatte. 

Während des verflossenen Sommers babe ich mich indess gründlich 
überzeugt, dass die Formen des Gletscher-Schliffs wesentlich verschie- 
den sind von denjenigen des Wasser-Schliffs; und sollten auch bie und 
da Zweifel aufsteigen können über die Entstehungs - Weise des gross- 
welligen Schliffs, so wird das Daseyn von schmälern, meist 1 bis 3 
Zell breiten Furchen, die der Richtung des Thales ungefähr parallel 
laufen, ferner das Daseyn von feinen, wie mit dem Grabstichel gezo» 
genen, den Furchen meist parallelen Streifchen oder Kritzen immer 
für. die Entstehung durch Gletscher entscheidend seyn; denn von Stei- 
nen abgeriebene Felsen zeigen, wie Hr. v. Cuarrentier und Hr. Acas- 
sız in ihren Werken über die Gletscher hervorheben, von diesen letzten 
Erscheinungen nie die geringste Spur. 

Findet man nun, wie es wirklich der Fall ist, die charakteristischen 
Formen des Gletscher - Schliffs von der Höhe von etwa 9000’ *) über 
dem Meere an abwärts bis in den tiefsten Grund der Tbäler hinab, z. B. 
bei Tavenasa im Vorder - Rheinthal unterhalb Brigels, an den Felsen 
des Schollbergs bei Sargans ete. und bis an die Höhen des Jura hin- 
auf, so müssen wirklich alle Zweifel über die einst vorhandene Bedeckung 
der ebenen Schweitz mit Gletscher-Eis wegfallen; und zugleich schöpft 


*) Die so höchst interessante Beobachtung des Herrn Desor, dass die alpinen Ge- 
birgs-Kämme nur bis etwa 9000 F. Meereshöhe geschliffen und gerundet sind, 
höher aber nur schroffe, zackige Gestalten (Folgen der Verwitterung) zeigen, be 
stätigt sich imnıer mehr. Eine der interessantesten Gegenden in dieser Beziehung 
ist wohl die Höhe des @eisspfads, Pass zwischen dem Walliser Binnen- und dem 
Piemontesischen Antigorio-Thal, vgl. Taf. VI, Fg. C. Seine Ostseite besteht aus 
Gneis, die Westseite aus dem (st-Ende einer wohl eine Stunde langen gewaltigen 
Serpentin-Masse, welche, merkwürdig genug, die Mitte, den senkrechten Theil 
eines Gneis-Fächers bildet. Wie beiliegende Skizze zeigt, sind die höchsten Kämme 
beider Gesteine sehr schroff und gezackt, die Pass-Höhe dagegen ausgezeichnet 
schön abgerundet; überdiess haben die ehemaligen Gletscher eine Menge Gneis- 
Stücke ins Serpentin-Gebiet hinüber geführt, wo sie beim Vergehen des Gletschers, 
zum Theil in höchst 'wunderlicher Lage, auf den Gipfeln der Serpentin-Dome lio- 
gen geblieben sind, 


278 


man hieraus die Überzeugung, dass nicht nur die Molasse-Thäler, son- 
dern auch die eigentlichen Alpen- Thäler zur Zeit dieser Gletscher- 
Periode ganz ausgebildet und wenigstens so tief waren wie gegenwärtig. 

Hr. v. CHareentier namentlich bat in seinem Werke sehr klar aus- 
einander gesetzt, wie einfach sich die Erscheinungen der Block-Ablage- 
rungen durch die Gletscher-Theorie erklären, und ich füge nur noch als 
eine der Thatsachen,, die gar keine andere Erklärungs-Weise zulassen, 
das Vorkommen von scharfkantigen und scharfeckigen Bruchstücken wei». 
cher Molasse - Sandsteine mitten in mächtigen Block - Ablagerungen an. 
Solche Sandstein - Stücke sah ich namentlich am frischen Abrisse eines 
Block -Walls, welcher bei Aulage einer Strasse zwischen Wohlen und 
Bremgarten im Aargau durchstochen wurde. Wären Stücke solchen 
lockern Sandsteins auch nur kurze Zeit in einer Fluth fortbewegt wor- 
den, so hätten sie sich nicht bloss abgerundet, sie wären ganz zerfallen. 

Auch die fast völlige Abwesenheit von feinem Schutte in mächtigen 
Ablagerungen von gleichartigen Blöcken und das Vorkommen von hoh- 
len Räumen erklären sich durch die Gletscher-Theorie so höchst einfach, 
während diese Erscheinungen die Fluth - Theorie in grosse Verlegenheit 
Setzen. Stürzt über dem Vereinigungs- Punkt von 2 Gletschern ein 
Fels-Kopf ein, so wandern seine Trümmer beim Vorrücken des Gletschers 
als Gufer-Linie über die Mitte des vereinigten Gletschers weiter, ohne 
zu zerfallen, wenn sie wenigstens nicht aus zerklüftetem Gestein be- 
stehen, und ohne sich mit andern Gesteinen zu vermischen. Zerschmilzt 
dann der Gletscher , so setzen sich die Blöcke auf dem Boden ab, und 
es ist gewiss nichts natürlicher, als dass zwischen denselben eine Menge 
Räume hohl, unausgefüllt bleiben; und in der That sehen wir diese 
hohlen Räune an allen Ablagerungen, die vorherrschend aus grossen 
und gleichartigen Blöcken bestehen. Ebenso ist augenscheinlich, dass 
wenn ein Block in Folge von Klüften oder eines Falls vom Rücken des 
Gletschers auf den Boden hinab in mehre Bruchstücke zerfällt, die Kan- 
ten und Ecken dieser Stücke einander sehr häufig entsprechen werden. 
Hr. Dervc hat diese Erscheinung an zahlreichen Blöcken des Rhöne- 
T’hals nachgewiesen und sie wiederholt sich überall. 

Wie hübsch und einfach endlich erklärt sich nicht durch die Glet- 
scher -Theorie die bisher so räthselvolle, für die Schweitz allgemeine 
Thatsache, dass die grössten und entferntesten Blöcke in den Becken 
der Rhöne, Aar und Reuss aus Granit, in dem der Linth aus Seruft- 
Konglomerat bestehen. Granit und Sernft-Konglomerat sind in den ent- 
sprechenden Gegenden diejenigen Gesteine , welche sich zum Zerfallen 
am wenigsten eignen, Ihre Blöcke mussten sich daher auch auf dem 
Wege von ihrem Stamm - Orte bis zu ihrer jetzigen Lagerstätte besser 
erhalten, als die der Kalksteine und Sandsteine. Kurz, sämmtliche Er- 
scheinungen der Findlinge stimmen so vollkommen mit der Theorie 
ihres Transports durch Gletscher überein und stellen sich so sehr als 
nothwendige Folgen dieser Theorie dar, dass sie mir wenigstens eben so 
fest begründet erscheint, als die meisten geologischen Theorie’n , wenn 


279 


auch die Ursache einer solchen allgemeinen Vergletscherung gegen- 
wärtig allerdings noch sehr zweifelbaft ist. 


In Ihren Erläuterungen zur Montblanc-Karte im geologischen Atlas 
erheben Sie einige Bedenken gegen die Umwandlungs- Theorie. Ohue 
mir ein Urtheil über den Werth dieser Theorie anmaasen und ohne be- 
haupten zu wollen, dass sie nicht vielleicht hie und da/ zu weit ausge- 
dehnt worden sey, kann ich doch nieht umhin, mich dahin zu äussern, 
dass wohl z.B. in unsern Alpen das Daseyn von sehr grossartigen 
Umwandelungen nicht bestritten werden kann, wenn wir gleich noch 
nieht im Stande sind, das Wie und Wodurch der Umwandelung nach- 
zuweisen. 

Wenn wir z. B. an den Anhöhen, die den Nufenen-Pass in S. be- 
grenzen, im schwarzen Schiefer eine Menge Belemniten finden, und 
zwar nicht nur auf einer Ablosungs - Fläche, sondern in senkrechten 
“Abständen von wenigstens 3— 4° (höchst wahrscheivlich finden sie 
sich auch in Schichten, die viele Hundert Fuss von einander entfernt 
sind), so können wir doch unmöglich annehmen, die Thiere der Beleu- 
niten seyen sämmtlich durch ein plötzliches Natur - Ereigniss getödtet 
und durch die Bestandtheile des Schiefers auf einmal begraben worden, 
sondern wir müssen schliessen, dass die Tbiere successive nach einan- 
der gelebt haben und daher auch durch Niederschläge verschiedener 
Zeiten begraben worden sind. Das sie umschliessende Gestein ist aber 
durch seine krystallinische Beschaffenheit sehr verschieden von den Se- 
diment-Bildungen,, die als unverändert betrachtet werden können; es 
enthält sogar, nicht etwa auf Gängen, sondern stellenweise in seiner 
ganzen Masse nebst Glimmer auch sehr schön ausgebildete Granaten, 
welche bis 4 Zoll Durchmesser erreichen. Will man nun nicht anneh- 
men, was wohl die Chemiker noch weniger zugeben werden, als eine 
Umwandelung von Sandstein in Granit, dass in derselben Flüssigkeit 
Moilusken leben und Granaten sieh ausscheiden konnten, so muss man 
zugeben, dass dieser Schiefer nach seiner Ablagerung von Einflüssen 
betroffen worden sey, welche das Entstehen von Granaten und Glimmer- 
Krystallen hervorriefen. 

Dieser Schiefer aber, fast senkrecht stehend, bildet einen Streifen 
von wohl 4 Stunde Breite und erhebt sich wenigstens noch 1000’ über 
die Höhe des Nufenen-Passes, so dass der Maasstab der Umwandelung 
schon hier als sehr bedeutend erscheint. Nach einem massigen Gesteine, 
das als Ursache der Umwandelung gelten könnte, sieht man sich ver- 
geblich um; die nächsten sind die Granite des Medels- Thals und die 
Granite und Porphyre des Langen- und Lauisser-See’s. 

Diese Schiefer der Nufenen sind indess nur ein einzelner Punkt 
der mächtigen Schiefer-Bildung, die sich aus der Allde blanche durch’s 
ganze Wallis hinaufzieht und sich im oberen Wallis in zwei Arme 
theilt, von denen der nördliche in Ursern, Ober-Alp u. s. w., den 


280 


eigentlichen Gebirgs- Stock des Gotthard in N., der südliche im Nufe- 
nen-Pass, Bedretter- und Piosa-Thal, Scopi u. s. w. diesen Stock in 
S. begrenzt; beide Zweige vereinigen sich dann im Vorderrhein-Thal 
oberhalb Iianz wieder in eine Masse. Im Vorderrhein- Thal aber 
gehen diese oft sehr kalkreichen Schiefer allgemein in hellgrünlichen 
talkigen. Quarzit-Schiefer über; in diesem selbst finden sich hie und da 
Feldspath -Körner ein und er verfliesst in den Gneis der @otthard- und 
Leispalt-Masse ; wenigstens ist es bis jetzt eben so wenig gelungen, 
eine scharfe Grenze zwischen diesem Quarzit-Schiefer und dem Gneise 
aufzufivden, als zwischen dem Gneise und Gneis-Grauite der Zentral- 
Massen des Gotthards u. s. w. 

Der grünlich-talkige Quarzit-Schiefer aber umschliesst andererseits 
an den Nord- Abhängen des Vorderrhein- Thals grosse Nester Penta- 
kriniten - führenden Kalksteins (wahrscheinlich Lias) und geht ferner 
über in die bunten Schiefer, talkigen Quarzit-Schiefer und rothen Kon- 
glomerate, die sich zum Theil als dünne Decke der tiefern Gesteine 
über die höchsten Kämme des Glarner-Lands weg bis an den Walen-See 
und gegen das Sarganser-Thal nach Mels hinabziehen (Tf. VI, Fg. B). 
Mitten im Gebiete dieser Schiefer, die im Kanton Glarus allgemein sehr 
sanft nördlich fallen und in grosser Entfernung von massigen Gesteinen 
finden sich im talkigen Quarzit auch einzelne deutliche Feldspath-Kör- 
ner ein, die Schieferung im Kleinen verliert sich, und das Gestein ver- 
dient wirklich den Namen von talkigem Gneis-Granit. 

Wenn es also, wie mir wenigstens scheint, unmöglich ist im Schie- 
fer der Nufenen das Produkt einer Umwandelung zu verkennen, dessen 
Agens gegenwärtig nicht mebr sichtbar ist, so führt die geographische 
Verfolgung dieser Schiefer zu Erscheinungen, die es höchst wahrschein- 
lich machen, dass ursprüngliche Sediment-Gesteine nieht bloss in Gra- 
naten und Glimmer-führende Thonschiefer-artige Gesteine und in bunte 
talkige Schiefer, sondern auch in .Gueis und Gneis-Granit umgewandelt 
worden seyen, R - 

Finden wir ferner im eigentlichen Alper- Gebirge fast die ganze 
Masse der Sediment-Gesteine überall in einem Zustande, der verschie- 
den ist von demjenigen der gleich alten Gesteine der Vorberge, z. B. 
die Lias - Petrefakte des Kalfeuser-Tkals mit einer feinen Talk- 
Decke überzogen, die Nummuliten - Gesteine des Kisten- und Panixer- 
Passes etc. ebenfalls eigenthümlich talkig schimmernd und wie gefrittet, 
die bekannten Fisch- Schiefer von Matt und die Fukus- Schiefer dersel- 
ben Gegend als harte, Thonschiefer-artige Gesteine, während die Num- 
muliten- und Fukus- führenden Gesteine , die einige Stunden weiter 
nördlich, also etwas entfernter von der Haupt-Masse des Gebirges liegen, 
sich als gewöhnliche Kalksteine und als gemeine Mergelschiefer dar- 
stellen, so liegt doch gewiss der Gedanke sehr nahe, dass auch diese 
abnorme mineralogische Beschaffenheit der Sediment-Gesteine eine Folge 
sey desselben Prozesses, der im innersten Kerne des Alpen- Gebirgs 
so deutliche Beweise von Umwandelungen hinterlassen hat. 


281 


Der gegenwärtige Brief ist nun bereits so lange geworden, dass 
ich die übrigen mir ‘genauer bekannten Beispiele von Umwandelungen 
in grossem Maasstabe nicht mehr anführen will, um so mehr als die 
meisten in Jen Denkschriften der Schweitzerischen naturforschenden 
Gesellschaft durch Hrn. Stuper ausführlich beschrieben worden sind, 

’ Beiliegend überschicke ich Ihnen ein Stück des Belemniten - führen- 
den Nufenen-Schiefers und bedaure, nicht auch eines mit Granaten bei- 
legen zu können, um Sie von der Gleichartigkeit des Gesteins zu über- 
zeugen; vielleicht kann ich diess zu Ende nächsten Sommers nachholen. 

Ps. 22. Febr. Ausser den rundlichen Durchschnitten enthalten die 
Belemniten - Schiefer der Nufenen sehr häufig eine Menge Erbsen-g:os- 
ser ellipsoidischer und eckig Säulen-förmiger Körper, wovon auf bei- 
liegendem Stücke: auch einige Spuren zu sehen sind. Freund Wiser 
hat gefunden, dass sowohl die einen als die andern aus vorwaltender 
Kieselerde, wenigem Eisenoxyd und Kalkerde bestehen, dass’ sie auch et- 
was Wasser enthalten (vielleicht in Folge der Verwitterung), und dass 
sie weder Staurolith, Disthen, Feldspath, noch Hornblende oder Chia- 
stolith seyn können, wofür man sie verschiedener Ähnlichkeiten wegen 
halten möchte. Sämmtliche Belemniten dieses Gesteins haben übrigens, 
wie der im beiliegenden Stücke, die strahlige Textur verloren; sie be- 
stehen sämmtlich aus weissem krystallinisch- körnigem Marmor. Ich 
wäre sehr begierig zu erfahren, ob Hr, Beonn die zylindrischen Körper 
vielleicht als Enkriniten erkennen kann. Sie sind sehr bäufig; aber 
noch nie habe ich deutliche Struktur daran gesehen *). 

Escher von DER Lintm. 


Freiberg, 22. Febr. 1842. 


Aus der Sektion Oarisbad (XVD der geognostischen Karte des 
Königreichs Sachsen werden Sie ersehen haben, dass die früher von 
mir geäusserte Vermuthung: die letzte Erhebung des Erzygebirges 
sey den Phonolithen zuzuschreiben, wohl niebt ganz richtig ist; denn 
die basaltischen und phonolithischen (?) Tuffe, welche den grossen Ba- 
salt- und Phouolith - Ergiessungen vorauszingen, liegen bei Haunstein 
horizontal am Gneis-Abhange des Erzgebirges. Da nun die Braunkoh- 
len - Sandsteine bei Osseck, Üzernowitz u. s. w. 20—30° fallen, so 
scheint sich die letzte Erhebung des Erzgebirges nach der Bildung 
der Braunkoblen - Formation und vor der Bildung jener Tuffe ereignet 


zu haben. 
C. F. Naumann. 


*) Einige dieser zylindrischen, geschobenen Entrochiten-ähnlichen Körper sind deut- 
lich genug erhalten, um bei günstigem Licht-Reflex hier den mitteln feinen Nah- 
zungs-Kanal und den von der Gelenkfläche abgesonderten Rand, dort sogar die 
fünfstrahlige Zeichnung um den Nahrungs-Kanal der Pentakriniten zu unterschei- 
den. Hr. Escher wird, wenn er darauf achtet, bei andern Exemplaren das gewiss 
noch deutlicher finden, ı BRonn. 


282 


Berlin, 1. März 1842. 

Sie haben (1841, 669) den Bericht eines Korrespondenten über die 
Braunschweiger Versammlung der Naturforscher bekannt gemacht, in 
welchem auch ein: Vortrag berührt, erläutert, beredet und: widerlegt 
wird, den ich in Braunschweig gehalten haben soll; Wenn irgend 
ein Zuhörer Ansicht, Zweck und Geist eines Vortrags nicht  auffasst, 
vielleicht weil ihn während der Zeit andere Dinge beschäftigen, so ist 
das Übel eben nicht gross; wenn er aber darüber einen Bericht und 
eine Widerlegung gibt, so sieht das einer sehr tadelnswürdigen Ver- 
wegenheit nicht unähnlich; und wird ein soleher Berieht gedruckt, so 
kann es leicht begegnen, dass dem, der den Vortrag gehalten, grosses 
Unrecht zugefügt wird. Erlauben Sie mir daher die Erklärung, dass 
ich in dem Bericht Ihres Korrespondenten kaum ein einziges Wort, 
und selbst auch dieses nur in gänzlich verschiedenen Bezie- 
hungen als das meinige erkennen kann. 

Mit den Erscheinungen des Metamorphismus der Gebirgsarten seit 
lange beschäftigt, hatten Hısınckr’s fleissige und erweckende Arbeiten 
oft den Wuvsch in mir rege gemacht, so viel es bei meinem hohen: Al- 
ter noch meine wenigen Kräfte gestatten, in Schweden zu forschen, ob 
wohi die Entstehung des Gneises aus veränderten silurischen Schiehten 
sich nachweisen liesse? und ob wohl in solehem Falle ein so ungebeu» 
rer Metamorphismus in anderen Erscheinungen verfolgt werden könne. 
Als das kleine Dampfboot aus den Kreuzwellen des Cattegai in Gothen- 
burg endlich die Spitze des Molo erreichte, fahr ich freudig erschrocken 
zurück. Ein blendend weisser Fels von Natron-Spodumen, eine erha- 
bene, imposante Gestalt trat uns am Ende des Molo entgegen; sichtbar 
Jagen die Schichten des Gneises wie Schaalen um den beherrschenden . 
Kern, oder waren in mächtigen Stücken von ihm umschlossen. Auf 
der Spitze bewegte sich der Telegraph, Otteshällaklint. Ich glaubte 
vom Felsen her mit Donnerworten zu hören: Per me si va alla vista 
delle cuse stupende. Und so war es! In Trollhätta schienen die Berge 
ihr innerstes Adern - Geflecht zu entfalten; Arterien und Venen fast 
bis zum bewegenden Herzen. Wer hätte, von so mächtigen Erscheinun- 
gen umgeben, bier noch an Ritzen und Schrammen , Streifen und Eis- 
Zeit gedacht!! Ich war auf Halle und Hunneherg, auf der Kinnekulle ' 
bei Lidkiöping und sahe vor mir die vielen Basalt-bedeckten Westgothi- 
schen Berge, und die Transitions-Schichten unverändert darunter, und 
immer nur, wo der Basalt sie bekrönt. Der Gneis aber berührt diese 
Transitions-Schichten nie, sondern bleibt überall mit deutlichem Rande 
in der Entfernung zurück. Jeder Basalt-Berg aber, das wissen wir 
jetzt denke ich ziemlich gewiss, ist das Ausgehende eines Ganges, eines 
Stocks , einer grossen Masse , welche unter deu bedeckenden Schichten 
sich ausdehnt. Sollte wohl dieser unter der Oberfläche sich fortziehende 
Basalt die silurischen Schichten vor dem überall weit umherwirkenden 
Metamorphismus beschützt und sie später unverändert zu Tage erhoben 
haben? Gewiss ist das eher zu glauben, als an eiue Wegführung 


2853 


einst zusammenhbängender Schichten zu denken, welche uns doch keine 
Erläuterung geben würde, warum denn eben der Basalt nur auf dem 
Gipfel solcher Schichten ruhen könne, warum niemals auf Gneis! 

Erschien dieser Gueis wieder, so war es immer wie sanft ange- 
schwollene Muskeln über die Adern des Innern. Ellipsoiden im Kleinen, 
wie Odenwald, Riesengebirge, Brocken, Carlsbad, Mähren, Morvan 
im Grossen. — Die Schaalen oder Schichten, welche konzentrisch das 
Ellipsoid bilden, sind gar wenig uneben auf ihrer äusseren Fläche, fast 
glatt; allein die inneren von den äusseren völlig bedeckten 
und umgebenen Schaalen sind es eben so sehr, als die äus- 
sere Oberfläche selbst. Daher kann ich es dem Hrn. Serström 
nicht zugeben, die glatte Kurve der äusseren dem Metamorphismus zu 
entziehen und sie als Folge einer anderen späteren Erscheinung zu 
bestimmen, welche nur auf die äussern, nie auf die innern Flächen 
einwirken könnte. Gänge von einer Schaale zur andern verworfen, 
erweisen wie kräftig diese Schaalen über einander verschoben, daher 
geebnet worden sind. Ellipsoiden, welche gebrochen und nur zur 
Hälfte erhoben worden, zeigen auf einer Seite die Köpfe der Schaalen, 
auf der anderen die leichte Kurve der Oberfläche, daher auf der einen 
Seite der steilere rauhe Abfall, die Steilseite, auf der anderen die 
flache Stossseite, welche kein Stess und Reibung jemals in diese 
Form gebracht haben könnte. Gross und herrlich ist Alles dieses nicht 
bloss in der Nähe von Stockholm, sogar in der Stadt selbst an vielen 
Orten zu sehen! Und wer könnte jemals den lehrreich-begeisternden 
Besuch im Oligoclas-Bruch von Yiterby vergessen! — Dieses flüchtig 
zu entwickeln war ungefähr der Gegenstand und die Absicht meines 
Vortrags in Braunschweig. «Polemik und Eis- Zeit und Ritzen und 
Schrammen haben keinen Theil daran, und von diesen ist in Braun- 
schweig niemals die Rede gewesen. Mögen Deutsche sich soweit 
vergessen, Lyeur (!!) für eine Autorität in Deutschland zu halten, der 
Metamorphismus bleibt doch eine grosse Erscheinung! 


LeoroLd von Bucn. 


Mittheilungen an Professor BRONN gerichtet. 


Heidelberg, 18. Okt. 1840. 


Meeres-Ströme: innre Bedingnisse derselben. — Die 
Einflüsse verschiedener Wärme-Grade,, ihrer Wechsel und des Druckes, 
so wie der Bewegungen der Atmosphäre auf die Strömungen des 
Meeres unter verschiedenen Zonen wurden nach v. Humsoror’s Vor- 
gang vielseitig besprochen, nachgewiesen, erläutert. Zu wenig Rück- 
sicht aber, lange fast gar keine, nahm man auf die Natur des Meeres- 
Bodens und auf diejenigen Einflüsse der Temperatur , welche von den 


284 

Tiefen der Erde selbst ausgehen und durch vulkanische’Risse 
dieser Tiefen, durch plutonische Spalten, welche bestimmte Striche hal- 
ten *), bedingt sind, und doch leiten manchfaltige Erscheinungen gerade 
der denkwürdigsten Meeres-Ströme, wie des @olfstromes *"*), anschau- 
lich darauf nin. Ich beziehe mich in diesem Punkte auf die Erklärun- 
gen, die ich in der Hertha (Almanach für 1836, Kempten bei Toe. 
Dunnuemer, S. 186 ff.) zugleich über die Streichungs-Linien unter- 
meerischer Gebirge gegeben. Diese Gebirgs - Züge bedingen nämlieh 
die Strom-Richtungen augenscheinlich, so weit sie auf diejenigen Tiefen 
wirken, bis zu welchen Strömungen im Meere herrschen. Dass diese 
Tiefen aber selbst in Bezug auf Mittheilung anhaltender Bewegung 
von oben bedeutend sind, bat die neuere Mechanik und Physik bis zu 
einen gewissen Grade bewiesen, worüber im Folgenden, 

Festere Schlüsse lassen sich weiterhin nur wagen, wenn die Un- 
terschiede der Temperatur und chemischen Beschaffenheit 
des Golfstromes und anderer Strömungen des Meeres an den ausge- 
zeichnetsten Strichen in grösseren Tiefen, zahlreicher und umfassender 
als bisher und mit genügender Sicherheit verfolgt sind. Bis dahin 
betrachte ich meine Andeutungen als blosse Fragezeichen, Schwer je- 
doch dürfte sich die Ansicht bezweifeln lassen, dass atmosphärische 
Verhältnisse theils im Grossen mit unablässigen Prozessen, theils 
im Kleinen mit einzelnen mächtigen Vorgängen der plutonischen 
Tiefe in gewisser Verbindung stehen, theils, von diesen unabhän- 
gig, in eigener Sphäre sich selbst vermitteln. Gerade aber in 
diesem letzten, in ihrem anschaulichsten, darum anerkanntesten Bezuge 
erklären sie die Temperatur ete. des Wassers wie die des Lan- 
des — nur an der Oberfläche, im Ganzen bis zu geringer Tiefe und 
in allgemeinen Verhältnisse der geographischen Breite. i 


Die Geschichte der Erdoberfläche selbst zeigt uns aber, dass 
die Temperatur, die von den Tiefen der Erde ausgeht, nicht minder 
als die atmospbärische geeignet ist, Bewegungen im Meere zu be- 
gründen, wenu gleich der riesenhäafte Druck der Wasser -Masse von 
oben jeden Gedanken an Strömungen auf dem Meeres- Grunde zwar 
nicht verdrängt, doch überall mässigt, wo das Meer in bedeutender Tiefe 
auf unerschüttertem Boden oder auf einem Boden ruht, der, bewegt 
oder nicht, durch vulkanische Dänpfe weder bleibend noch Forüberan, 
hend erhitzt ist. 

Diess führt auf die beiden Hauptfragen, die ich in Betreff des 
Reliefs der Strand-Gebiete und des Meeres-Bodens in der Hertha be- 
rührt habe, um die Natur der Meeres - Ströme bis in ihre Tiefen zu 
verfolgen, auf die Bedeutung nämlich quantitativer und qualitativer 


*) Jahrb, 1840, 564—570 ; 1836 , 573—577; 1841, 224 und Cur. Karp, Italien, Berlin 
bei Reıxer 1837, dritte Vorlesung. 
**) Jahrb. 1841, 2%4. Joms Meuisu, Reise nach den Frereinten Stuaten, ee 


S. 29 gibt eine Zeichnung der Breite und Richtung des @n/fstroms. 


285 


Bedingungen, auf die Bedeutung der Schwere’ wie der Wärme, d. 
des Druckes der Luft und der Wasser-Massen wie der Temperatur. 

Weniges schicke ich .voraus: es ist irrig, den Meeres- Spiegel als 
eine Ebene zu betrachten (Jahrh. 1841, 203). Ohue Ungleichheit 
des Meeres-Spiegels sind Meeres-Strömungen, ohne Ungleich- 
heit der Temperatur Winde- oder Luft- Stiöme undenkbar (Jahrb. 
1841, 207). Diese Bedingung ihrer Möglichkeit, selbst ihre be- 
stimmte Veranlassung erklärt Vieles, noch keineswegs aber ihre 
letzte Ursache. | 

Am wenigsten ist die Ungleichheit des Meeres - Spiegels erschö- 
pfende Ursache der Meeres- Strömungen. Sie selbst, so wie die Un- 
gleichheit der Temperatur, setzt tiefer bestimmende Ursachen allseiti- 
ger wirksame voraus und nur, wo weder fremde Anziebung noch ent- 
scheidende Bewegung eingreift, nur im Zustande der Ruhe und gleich- 
mäsigen Dichtigkeit des Wassers fordern hydrostatische Gesetze gleiche 
Spiegel- Höhe verbundener Meere. Nach mehrseitigen Beobachtungen 
2. B. kann das Mittelmeer nicht beträchtlich tiefer liegen, als :der 
Atiantische Ozean”), und doch fluthet der Arabische Busen bei Suez 
an 27 Fuss höher als der Spiegel des Meeres bei Alexwandrien ”*) und 
vom Atluntischen Ozeun her dringt, mit der Schnelligkeit zweier Sce- 
meilen und darüber in einer Stunde , eine obere Strömung durch die 
Meerenge von Gibraltar ein, worauf wir zurückkommen werden, 

Bei den Winden andererseits ist es klar, wie.erst BRewsTEr wieder 
in der zehnten Versammlung der Naturforscher (1840) gezeigt hat, dass 
diese Bewegungen in der Atmosphäre von der Temperatur abhängen 
-und mit ihr wechseln. Sobald man aber auf das Meer blickt, nicht 
einmal seine Bewegungen, nur seine ‘Temperatur betrachtet, sobald 
regen sich Zweifel in Masse, die nicht alle gleich deutlich gelöst, viel- 
mehr von solcher Stärke sind, dass sie oft in sehr bekannten Verhält- 
nissen, anscheinend ausgemachte Ansichten mit sich selbst in Wider- 
sprüche verwickeln, 

Mitten z. B. im Winter ist im Feuerland die ee des Meer- 
Wassers 30° F. höher, als die überschwebende Luft-Schicht, die See 
daher stark mit Dunst bedeckt, die Kälte im Winter, selbst wenn Fan- 
RENHEIT’S Scala auf 24° und 26° fällt, kaum empfindlich , und im Som- 
mer, wenn sie Nachts auf 29° F. (mithin 3° unter den Gefrierpunkt) 
sinkt, den Gewächsen doch nicht nachtheilig. Soll diess einzig den: 
Grund vielleicht darin. haben, dass die Luft in diesen Breiten, 
weil mit Feuchtigkeit übersättigt, die Meeres-Dünste nicht 
frei mehr aufnehmen kann, mithin dessen Temperatur auf diesem 
hohen Standpunkt erhält, da überdiess die Temperatur des Landes selbst 


”) Arıaco in Edinburgh New Phil. Journ. N. 41, S. 50, wo nur ein Unterschied 
von 0,73 Meter von Crahere in den Pyrenüen aus geınessen. 

*=) 5, Musceke in GEauLer’s W. VL, 1772. An die alten Untersuchungen über die an- 
ziehende Kraft der Berge (PAilosophical Transactions Vol. 2) will ich hier nicht 
weiter erinnern. 


Jahrgang 1842. 19 


286 


weit gleichförmiger ist, als irgendwo in der nördlichen Erdhälfte 
unter entsprechender Breite ? 

Mag; diese Erklärung noch so einfach lauten oder seyn, sie führt 
jedenfalls selbst wieder auf neue Räthsel, auf alle Zweifel z. B., welche 
über den entscheidenden Grund solcher Feuchtigkeit und der 
tiefen Schnee - Linie des Feuerlandes noch herrschen, das an vulkani- 
schen Bildungen (die entfernteren Regionen höher hinauf abgerechnet), 
arm, den grossen Namen „Feuerland“ bis jetzt ohne Inhalt trägt (Jahrb, 
1841, 198, Note). Noch aber hat man nicht genau ermittelt, wie die 
Temperatur des Meeres dort in bedeutenden Tiefen stehe, ob ‚sie viel- 
leicht sich verhalte wie in jener Region um Spitzbergen, wo man 
nur Einen Vulkan und diesen auch nur in der Entferuung kennt. Ich 
darf daher kaum wur die Frage wagen, ob vielleicht im Feuerland 
jenes Phänomen in Verbindung stehe mit der Geschichte der Hebun- 
gen Patagoniens u. s. w., die ich im Jahrb. 1840, 565 ff. mit Bezie- 
hung auf eine von mir bezeichnete Hebungs Linie berührt habe, welche 
offenbar durch Spitzbergen geht (Jahrb. 1836, 573) und mit Beziehung 
auf die Verbältnisse des tellurischen Magnetismus, die bei Spiz- 
beryen besonders denkwürdig sind (Jahrb. 1840, 569 ff.). 

1. Druck und Temperatur des Meeres: Unterseeische 
Bedingungen der Meeres-Strömungen. 

Am häufigsten: beschifft, ist unter den Oceanen der Atlantische, au 
genauesten beobachtet. In nördlicher und südlicher Breite nimmt hier 
die Temperatur an der Oberfläche des Wassers im Durebschnitt auf 
40 Breite-Graden 4° R. zu oder ab. - Nach unten dagegen herrscht in 
einer Tiefe von etwa 363 Faden nach Fırzroy’s Angaben bei einer Eut- 
ferınung von 56 Lävuge- und 15 Breite - Graden ein Unterschied — von 
bloss 23° F. Untersuchungen über diese Verhältnisse sind indess noch 
sehr vereinzelt. Noch ist auf diesem Wege unentschieden, wie weit 
und welchen etwa örtlichen Verhältnissen der kleine Unterschied *) — 
beizumessen ist. Zusammenstellung bekannter Thatsachen macht indess, 
dureh Schlüsse, welche aus diesen Thatsachen folgen, höchst wahr- 
scheinlich., dass die Temperatur des Meeres in den entsprechenden 
grössten Tiefen verschiedener Breitegrade überall da sich nahe kommt, 
wo keine von unten aufwirkenden vulkanischen Gewalten 
eigene Rechte sich schaffen, In der Gesammt - Masse des Was-, 
sers gleicht sieh nämlich die im Innern der Erde steigende Wärme, so 
weit sie allgemein von unten aufwirkt, so ebenmässig aus, dass sie, 
über vorstehende Frage nicht entscheidet. 

Die Temperatur des Meeres weckt also auf diese Art manche Zwei- 
fel, doch keineswegs unlösbare Räthsel. Das Schwierigste bleibt ihre 
Beziehung auf die Strom-Gänge, auf die Flüsse des Meeres. 


*) Pısanskx in seinen Bemerkungen über „die Ostsee" S. 9 behauptete, das Wasser 
derselben sey im Sommer kälter, als das Wasser anderer Meere, Dass sie im 
Winter oft erstarrte, habe ich in -meinem Ifalien. 1837, S. 8 schon erwähnt, 
Vgl. Carteav De CarLeviche, Gemälde der Ostsee, S. 135. 


287 


Je tiefer das Meer, desto näher liegt sein Boden wenig wärmeren Ge» 
stein-Massen des Innern. Über Untiefen verräth es die niediigsten Wärme- 
Grade. Diejenige Wärme, die es der geographischen Breite, nimmt, 
wie jene, die es der Jahreszeit dankt, nach unten natürlich ab. Was 
aber Acassız auf den Höhen des Festlandes in seiner Theorie der Fir- 
nen, übertrieb Prron in seiner Theorie der Meeres-Tiefen, indem er die 
Abgründe derselben mit ewigem Eise versorgt. Letzte Ausicht hat be- 
sonders G. BıscHor in geeignete Schranken gewiesen. Ihre Beschrän- 
kung liegt auch in den Hauptpunkten, die ich gegen Acassız’ im. Jahrb. 
1841 geltend machte. Sie liegt schon in der Genesis des Meeres, 
wie sie ebendaselbst (1541, 200, Note fl.) angedeutet wurde. Nur 
Weniges darf ich hier noch beifügen, auch nur vorübergehend an Bürron 
erinnern , der, in einer veralteten Vorstellung befangen, sich abmühte, 
die Behauptung zu vertheidigen, das Meer gefriere gar nicht. Peron’s 
Ansicht bildet in dieser bestimmten Sphäre nur das gleich unhaltbare 
andere Extrem. Die Wahrheit ist auch hier die Mitte, so wie sie diese 
Mitte ist, wenn man jener Ansichten gedenkt, welche unter dem Meere voa 
nichts als von Wirkungen eines sogenannten Zentral-Feuers sprechen. 

Gänzlich erstarrt selbst das Polar - Meer nirgends. Auch in der 
Bafinsbai fanden mitten im Eise Ross, Parry und Sızıne den Meer- 
Grund nicht gefroren. Bei einer Erkaltung von — 4° R. mehr oder 
weniger ”) scheidet das Wasser im Frieren das Salz aus und steigt 
erstarrt nach oben als Eis: eine Quasi-Felsart schwimmender Inseln **); 
Nur wenige hochnördliche Küsten, wie in der Eschholzbai, zeigen in noch 
ungemessener Tiefe Eis, wie das Sibirische Festland ***). Wie weit 
aber dieses Eis ins Innere vielleicht des Meeres sich erstrecke, ist zwei- 
felhaft und, soweit sie bis jetzt bekannt, bedeutet diese Erscheinung im 
Norden wohl nicht mehr als im kleinen Maase. die Eis-Bildung im wenig 
tiefen See-Grunde nahe der Eld-Mündung, welche, aufsteigend, ver- 
sunkene und vereiste Ketten u. s. w. vom Boden mit emportrug. Wärme 
theilt von unten, nach mehrseitigen Beobachtungen, selten die Erde dem 
Wasser mit f). Die Wärme-Verbältnisse der Flüsse sind mit denen 
des Meeres nieht geradeweg auf Fine Linie zu stellen, wenn sie gleich 
im Kleinen nahezu sich entsprechen ff). Nicht dureh Grund-Eis erstarrt 


*) GinBEeRT’s Ann. Ph. B. 57, S. 144 ff. : 

**) CHR. Karp im Jahrb. 1841, 214 ff., 228 mit Bezug auf Schichten-Bildung, 
für welche zugleich die Würdigung vulkanischer Linien, wovon weiter 
unten nicht olıne Bedeutung ist, wie a. a. . gleichfalls gezeigt wurde. 

*%**) Hertha 1836, S. 162. 

7) Vgl. z.B. Journ. de Phys. T. 62, S. 443. 

it) Hertha 1836, S. 16% ff. Die sogenannte Ausstrahlung der Wärme des Bodens 
‚ist durch Kälte von oben, durch Kälte der Luft vermittelt. Wie weit diese in 
Meeres Tiefen eingreifen, und in welchem Maase sie da fortwirken können, ist 
eine.andere Frage. Die ganze Lehre der Ausstrahlung erliegt, gleich der der 
Leitung (worüber ich im Jahrb. 1841, 226 sprach), noch vielen Zweifeln und 
häufig sind beide Worte nicht mehr als dürftige Nothbehelfe nicht erklärter, 
nur weiter hinausgeschobener Räthsel. Die sogenannte Ausstrahlung musste 
sehon zu allem Möglichen herhalten. 


19 * 


258 


die Oberfläche des tiefen Meeres, wie die Oberfläche der Flüsse von 
bestimmter Tiefe und unter den bestehenden Verhältnissen und Ge- 
setzen gestattet die Natur weder des Eises, noch des Meeres als solche, 
dass die ganze Masse des letzten, wo es am tiefsten, völlig vom Boden 
auf erstarre. Ein neuer Beleg dafür liegt vielleicht selbst in den Ge- 
setzen der Schiehtung. Darauf deutete ich. in Ihrem Jahrbuch 71841, 
210 ff., besonders S. 215 schon apagogiseh, und mit Bezug auf die 
Schichtung schon darum, weil auch wahre Schichtung nie blose 
Erstarrung, sog. Schichtung des Eises aber nur untergeordnete, ab- 
hängige, keine reine ursprüngliche, keine simultane Bildung ist. Wenn 
die Wasserfläche völlig ruhig, die Luft sehr trocken ist, dann bildet 
sich auch auf dem Meere, nicht bloss auf See’n *) bei unerheblicher 
Kälte Eis auf der Oberfläche, welches man vergebens für aufgestiegenes 
Grund -Eis erklären wollte, Bei 0°5 und bei 222 C. beobachtete Sco- 
RESBY ””) diese.Erscheinung bei heiterer Nacht im Polar-Meer. Ebenso 
Ross u. A. Die gegenseitigen Verhältuisse erstarrender Gewässer zei- 
gen aber noch weit grössere Manchfaltigkeit: während z. B. seichte 
Teiche und Flüsse unter dem Einflass der Soune wärner als tiefe sind, 
‚verwindern, wie gesagt, Untiefen und Nähe des Landes die Temperatur 
des Meeres oft so sehr, dass unter gewissen, noch nicht vollständig 
erprüften Verhältnissen nach v. Humeoror selbst das Thermometer die 
Annäherung entlegener Küsten warsend vorauskündet ”"*). Das Anschla- 
gen kalter Wellen von unten treibt, aufbrandend, die wärmere Wasser- 
-Schieht der Unutiefen nach Muncks u. A. wieder ab. Nicht in jedem 
‚Bezuge von unten und von der Erde, sondern zunächst von oben, zu- 
nächst von der Atmosphäre, geht bis zu gewissem Grade die Erkältung 
‚wie Erwärmung auch des Meeres aus, dessen Boden eisfrei ist oder 
.eıkaltend das Eis nach oben sendet. Die Eide aber, welche F) dem 
Wasser wenig Wärme‘ mittheilt, leitet schlechter noch als Wasser 
die Wärme T}). Die geringe Fähigkeit der Leitung, die grosse Auf- 
“nahme der Wärme, welche dem Wasser zukommt, verursacht, dass die 
Temperatur, die es durch Luft und Sonne gewinnt, langsamer, als die 
der Luft, sich ändert. Unter den Tiefen, deren Wärme-Grad von der 
Jahreszeit abhängt TFF), bestimmt noch das Klima eine konstantere 
Temperatur, von welcher so eben die Rede war. Je grösser die Wasser- 
Masse in Verhältniss der Oberfläche ist, auf welche die Kälte wirkt, 
desto leichter beginnt die Ausscheidung des Salzes, mit dieser das 
theilweise Gefrieren *T). Nach Scorezsgr bilden sich daher auch 


*) Nachträglich : wie den 16. März 1SAl am Bodensee. 
**) Tagebuch einer Reise auf den Wallfischfang ete. (übers. von Krırs, Hamburg 
1825, 8. S. 249, 298). 
**+*) GILBERT a. a. 0. Bd. 7, S. 343. 
+) Journ. de Phys. a. a. O. (62, S. 443). 
++), Giusert a. a. 0. Bd. 63, S. 277. 
+++) A. v. Hemrouor, Reise etc.. übers. I, 347 ff. 
*-;) GiLBerT Bd, 62, S. 1 ff. 


289 

auf oflenem Meere, selbst wenn es bewegt ist, Eis-Krystalle. Ufer, 
Buchten u. s. w. begünstigen natürlich die Eis Bildung. In der Duris- 
Strasse traf man Eis- Berge mit Flächen von 5 — 6 Quadrat-Sremeilen, 
150' hoch, dabei noch 90— 100 Faden ®) tief, also über 2000 Mill. 
Tonnen schwer. Das nördliche Polar-Eis haben vorzüglich Hupson, 
Davis, Barrın, Errıs, Frosiısuer, MippLeron, ScorEspyY, Ross, Parry, 
Fıscher, FrRanKLin, WaANGEL, v. AnJou etc., das südliche Coox, WEDDEL, 
Forster, D. p’ÜrvııLe u. A. untersucht. Letztes dringt selten über 42 oder 
43° s. Br. vor, Doch z. B. 1780 schwamm es weiter und im April 1828, 
doch nur als Treibeis bis zum 350 s.B. und 18° 6. L.*). In diesem 
Wandel liegt etwas Periodisches, wenigstens ein Abnehmen 
und Zuuehmen *”"). Nach Beobachtungen in der Nähe des Kap scheint 
im Sommer 1839 auf 1840 die südpolarische Eis-Welt eine grosse 
Bewegung erfabren zu haben, welche für die Unternehmung des 
Kapitän Ross von Bedeutung werden kann. Am 15. Okt. 1840 traf 
nämlich Kapitän Courroiıs südlich von der Nadelbank unter 36% 3' 
s. Br. und 239 39° L. von Paris eine Eis-Masse von 2—3 See-Meilen 
Länge, die er für eine neue Insel hielt, und in ungefähr derselben 
Breite trafen auch zwei andere Schiffe damals auf bedeutende Eis- 
Massen }). Die Lösung solcher Massen hatte vielleicht schon im Januar 
1840 die doppelte Entdeckung des Süd- Australischen Festlandes er- 
leichtert, deren ich im Jahrb. 1840, 569 gedachte. Ross steuert unter 
wichtigeu Verhältnissen (1840) nach diesem Süden. 


Wie übrigens bei steigender Wärme das Eis schmilzt, so bricht 
es bei übermäsig steigender Kälte. Auf der Oberfläche des Meeres 
gibt es daher eine Kälte, welche selber Feind des Eises wird. 
Mehrere Jahre zu Boothia Felix verweilend,, beobachtete, wenn die 
Temperatur unter 18° C. sank, Ross das furchtbare Krachen zersprin- 
gender Eis Berge. Als hätten Erdbeben gewüthet, so stürzten durch 
Kälte diese eisigen Felsen in Trümmer. Welchen Stand die Kälte auch 
halte, eine schleehthin zusammenhängende Eis-Decke der 
ebbenden und wogenden See ins Unermessliche ist unmög- 
lich, wenn man auch an wärmere, vom Boden aufquellende 
Wasser nur da, und bis jetzt auch da nur fragend, erinnern mag, 
wo in Mitte unabsehbarer Eis-Flächen, beständig auf freien Strecken, 
bleibende Polinjen sich finden, wie jene, die noch ungemessen 
an der Nordwest-Küste von Kotelnoy nach SO. mindestens 270 geogr. 
Meilen hinziebt, bisher immer offen getroffen wurde und deutliche 
Strömung zeigte. Andere Polinjen wechseln in gegenseitigen Ver- 
hältnissen. Diese anschauliche Verbindung wechselnder Öffnung 


*) Der Niederländer EGEDE Sarevn (Bruchstücke eines Tagebuchs in Grönland 
1770—1778, übers. von Frıes, Hamburg 1817) will in dem Isefjord 200—309 Faden 
im Wasser gehende Eisberge gesehen haben. 
**) PossGExporrr’s Annal. 18, S. 625 (Horsbrouch). 
*%**) Jahrb. 1841, II, 216-219, 229, mit Hertha 1836, S. 16?—-166. 
+) Nachträglich aus dem Bulletin de la Societe de Geographie, Januar 1841. 


290 


golcher.Striche mag sich durch die. bezeichnete Unmöglichkeit einer 
schlechthin zusammenhängenden Meeres-Decke erklären. Die Thatsache 
aber, dass fast alle Polinjen von N.W. nach S.O. streichen, lässt sich 
dureh Küsten-Verhältnisse allein nicht aufbellen. Selbst die Erinne- 
rung an Strömungen”) genügt, so weit bis jetzt die Untersuchungen 
reichen, nur zum Theil. 

Wenden wir uns der Hauptfrage wieder zu! Im Verlaufe der Un- 
tersuchung wird sich noch näher zeigen, dass wir in Würdigung ächter - 
Meeres-Ströme keineswegs ausschliessend auf der Oberfläche und 
bei atmospbärisehen Bedingungen verweilen dürfen. N 

Zwei Momente, scheint mir, sind da vorzüglich zu beachten: die 
Bedingungen nämlich , die vom Meeres-Grunde, und jene, die von 
oben her über die Natur der Strom-Gänge des Meeres entscheiden. 

a) Der gleichmäsige Wärme-Stand entsprechender Meeres-Tiefen 
unterliegt aber mächtigen Einwirkungen, die theils bleibende, theils 
vorübergehende Abweichungen desselben begründen. Unsere Frage 
entscheidet sich durch die beständigen, nicht durch die vorübergehenden 
Abweichungen. Letzte geben hier nur Wiuke zum besseren Verständ- 
niss der erstern. Stark abweichende Temperatur zeigt sieh aber in 
solchen Meeres-Tiefen nur, wo man Ursache hat, an die Wirksamkeit 
bestimmter Gewaiten, an mächtige Risse und Öffnungen, an vul- 
kanische Linien und Mündungen, Kratere und Halb-Kratere, 
nicht bloss au mächtige Thermen u. s. w. zu denken. Nur also um 
solche Gebiete oder nur von ihnen aus wird der tiefste Meeres- 
Grund heftige und anhaltende Bewegungen und Strömungen 
selbst veranlassen. Voruübergehende heftige Bewegungen kann er 
überall erfahren, wo er von vorübergehenden Erschütterungen ergriffen 
wird und diese sind nicht selten so gewaltsam, dass sie in ziemlichen 
Strecken des Meeres tiefste Wasser rings aufwühlen. Beispiele dieser 
Art sind bekannt, nieht bloss um Kamischatka und Lissabon ete. Schon 
die Alten führten mehre an. 

b) Rechnet man nun wie nothwendig zum Druck der Wasser- 
Masse die Verdichtung des Wassers in der Tiefe *”), lässt man diese, 
wie gering sie auch sey, nach Perkın’s u. A. in arithmetischem Fort- 
schritte zunehmen, so würde nach bekanntem Überschlage das Gewicht 
einer 12.000 Fuss hohen, einen Quadrat-Schuh haltenden Wasser-Säule 
nahezu eine Million Pfund betragen (Ausl. 2840, Nr. 279). In solcher, 
so beschaffener Tiefe, unter der Last solch. n Druckes scheinen da- 
her — nur unter besondern Verhältnissen Meeres - Strömungen denk- 
bar. Was aber bedeutet eine Million Pfund, wenn man die Grösse sich 


“) Im Grönlündischen Meere und in der Baffinsbai strömt das Eis nach ScorEssY 
und Ross gesetzmäsig von N.O. nach S.W. Das Sibirische Meer zeigt nach 
Wnasges und v. Ansou weit grössere, dem Sibirischen Festland -ähnliche Eis- 
Flächen, deren im Sommer offene Stellen an Küsten voll Treibeis und Eisberge 
sind u. s. w. 

#*) Selbst abgesehen davon, dass die Schwere und Dichtigkeit des Seewassers nicht 
überall gleich ist, worüber im folgenden Abschnitt. 


291 


fortpflanzender Kraft, der es weder an Zeit, noch an anhaltender 
Wirkung fehlt, bei der geringen sog. Kompressibilität des Wassers 
würdigt. Eigentliche Meeres-Flüsse sind aber ganz andere Erscheinun- 
gen, als die flüchtigen Bewegungen oberflächlich verschwindender Wel- 
len *), wenn man sie gleich häufig nicht viel anders ansieht und oft zu 
ausschliessend nur des Druckes in der Tiefe des Meeres gedenkt, die 
im Allgemeinen allerdings von grosser Bedeutung ist. 

Unter dem 57° s. Br. und 85° 7’ 6. L. von Paris z. B. fanden 
die Offiziere des Schiffes Venus bei 3470 Yards (oder 4 Kilometer), an 
einer andern Stelle selbst bei 4110 Yards keinen Grund, Die Sonde 
wieder herauszuziehen, brauchten, nach dem Echo du Monde Savunt 
vom .6. Januar 1841, 50 Matrosen zwei Stunden. . Im Polar-Meere fand 
Scoresgy in einer Tiefe von 7600 F. keinen Boden. Die am wenigsten 
tiefen Meere sind die Eurnpäischen: ein Verhältniss, was den Höhen 
der Berge entspricht, 


Allgemeine Aufschlüsse über unsere Frage geben die Gesetze der 
Wasser-Bewegung überhaupt, wie die Untersuchuugen gewisser Land- 
Ströme, z.B. des Ganges und des Amazunen-Stromes, dessen Fluthen nach 
SABınE ”*) bis auf 300 See-Meilen im Meere noch kenntlich sind, beide 
zeigen, dass sowohl bei fallenden, ais waagerecht fortstreichendem Wasser 
die Schnelligkeit der Bewegung in bestimmten Verhältnisse nach unten 
abnimmt, dass unter gewöhnlichen Verbältnissen die tiefsten Flüsse 
auf dem Grunde minder schnell als oben, nichtsdestoweni- 
ger aber machtvoll sich fortbewegen. Namentlich ist der Einfluss 
des atmosphärischen Druckes auf die Beweguug des Wassers und dessen 
Verdichtungs-Fähigkeit äusserst unerheblich, Nach mehrseitigen Berech- 
nungen beträgt für den Druck von 100 Atmosphären die Kompression 
des Wassers nicht voll ein halbes Hundertstel des Volumens ***). Neuere 
Beobachtungen des Laufes bestimmter Flüsse durch See’n, 
ihres Einsinkens uud Wiederaufsteigens, im Grossen die Beobachtungen 
anhaltender Meeres- Stürme, die Aufwühlung des Meeres- Grundes, 
daher wohl auch des Sandes bei der Dünen-Bildung, geben weitere 
Belege 7). Die Ansicht Kanr’s u. A. von der ruhevollen Tiefe des 
Meeres unter Stürmen hat unverkennbare Rechte, beschränkt sich aber 
auf mehr oder minder flüchtige, wenn auch mächtige ‚Stürme, Die 
Verbreitung der Bewegung nach der Tiefe zu lässt sich nach 


”) Vergl. im folgenden Abschnitt die Bemerkungen über die Fluthwellen und 
über die sog. Fortschaffungs-Welle (transaction wave). 

=) Account of Experiments ete., S. 447. 

»===) Vergl. z. B. G. W. Munckze’s Handb, etc. T, 1829, S. 171 fl. 

+) Gelegentlich zu bemerken, will man auch an den Küsten der Brelag'ie ausser 
den mächtigen Ansätzem von Sand und Schlamm allmähliche Land - Erhebung 
beobachtet haben. Nach dem Preton von Nuntes soll unter Anderem ein Felsen- 
Riff bei Marennes augenscheinlich, doch ruhevoll über dem Meeres-Spiegel im- 
mer mehr und mehr aufsteigen. Hier genügt es, zu beachten, dass auch die 
Dünen-Bildungen nicht inımer auf einseitige Weise zu erklären sind. Über 
jene Hebungs-Linien aber vergl. Jahrb. 1836, 573 ff., mit 1840, 564 ff, 


dem Maase der Zeit ermitteln. An Zeit: aber fehlt es nicht, wenn 
man die Geschichte, an Kraft nicht, wenn man die Natur der 
Meeres-Ströme betrachtet. 


c) Dennoch gibt es Erscheinungen, welche, auch solcher Überschläge 


zu spotten, den Berechnungen, die auf die Faktoren ausschliessender 
. Mittheilung der Bewegung von oben sich gründen, zu trotzen, auf 
Seiten der Last, will man offen seyn , einen Überschuss zu verrathen 
drohen, der in der Rechnung nicht rein aufgeht. Wie gross auch — 
nur etwas zu erwähnen! — die Zeit genommen werden mag, um die 
Bewegung aller Meeres- Ströme nur von oben nach unten dringen zu 
lassen, — diese Art der Fortpflanzung würde den Strom - Gang in der 
Tiete nicht bloss in demselben Maase jünger erscheinen lassen, als 
den oberen. Sie würde auch auf schwerer lösbare Widersprüche- des 
Reliefs der Boden - Gebirge mit dem Zug der Strömung auf der Ober- 
fläche stossen. Der Lauf z. B. des Golfstroms müsste dann eine gar 
zu wandelbare Geschichte haben, bis er sich gehörig eingerichtet 
hätte. Selbst durch jene Art der Fortpflanzung müssten nämlich die 
Verhältnisse der Tiefe allmählich auf die oberen rückwirken. Die Sache 
aber ist ernsthafter! — 


Nur plutonische oder diesen verwandte Erd-Gewalten 


könnenmit solchen, mit den grösstenLastenleichtes und wil- 
des Spieltreiben. In unerschütterten und von keiner vulka- 
nischen Spalte durchsetzten Tiefen lässt schon das Gewicht 
der Meeres-Masse nicht bloss wilde, sondern selbst wage- 
rechte oder wahre Längen-Strömungen nur unter mehrsei- 
tig bestimmten Bedingungen zu. Aufdringende Erwär- 
mung aus plutonisch zerrissenen oder nez sich aufschlies- 
senden Schaechten wirkt aber das ihrige auf eigene Art und 
vermag, wo sie anhaltend, bleibende, wo sie sturmvoll, 
plötzliche Bewegungen zu begründen. Nicht bier ist es am 
Orte, auch nur die Grund - Bestimmungen der erwäbnten Bedingungen 
vollständig und ausführlich anzugeben. So weit sie hieher gehören, 
liegen sie schon im Obigen und in dem, was noch folgen soll, sowohl 
über atmosphärische Bedingungen, als über das Relief. des Mee- 


res-Bodens. Hier reihen sich vorerst wenige Neben - Bemerkungen 


an. Selbst Dämpfe nämlich und mächtige Thermen. der Tiefe ver- 
mitteln, unter vielseitigen Beziehungen die höhere Temperatur der 
unteren sogenannten Schichten des Meeres ”), wie zum Theil in klei- 
nem Maase die Wutb plutonischer Ausbrüche, der anhaltende Qualm au ge- 
wissen Punkten immer gährender, an anderen oft nur scheinbar unterbro- 
chener, in überdeckter Tiefe fortstreichender Risse der Erd-Rinde des 
Festlandes den Boden und die umgebende Luft weithin erwärmt. So 
ist — um eine neue Beobachtung zu erwähnen — nach Moorcrorr der 
Boden von Kaschmir, der früher zum Theil See war, reich an heissen 


P- 


”, Hertha 1836, S. 191 ff. mit 186 ff. 


295 


Quellen und von Erdbeben häufig heimgesucht, an vielen Stellen wär- 
mer, als zu gewissen Zeiten die Atmosphäre. So danken in der 
Fortsetzung dieser Linien *) ganze Strecken, selbst des südwest- 
lichen Europa’s, ungewöhnlich mildere Temperatur, schon nach älte- 
ren Beobachtungen und Ansichten, unterirdischen Einflüssen. Man 
kennt im Meere Striche, wo das Maas der Wärme einen 
Überschuss zeigt, der durch das Maas atmosphärischer Wir- 
kungen allein so wenig erklärt wird, als die bestimmte Be- 
gränzung der Meeres-Ströme und als die' Bewegung des 
Meeres da, wo die Last des Meeres der Berechnung zu spol- 
ten drobt, wenn das Relief seines Bodens und die sich selber gleiche 
Geschichte soleher Ströme, so weit bestehenden Ansichten gerade der 
anders Denkenden zu trauen ist, nicht ausser Anschlag gelassen wird. 

Erscheinungen vorhin berührter Art kannten, wie bemerkt, schon 
die Alten. Nicht durch die Wucht, sagt Senecı **), des überfluthen- 
den Wassers erlöschend, noch durch die Last seiner ungeheuern Masse 
gebändigt, wisse das Feuer der Tiefe Ausgänge sich zu bahnen. Auch. 
untermeerische Ströme blieben ihrer Beobachtung nicht fremd *"*), 
Als schamios, wie heute, Neid und Feigheit der Priester und Sophisten 
den grössten Denker alter Zeiten, nach dem Tode ArrxınDers, den 
ARISTOTELES nach Chalkis trieb, da wussten selbst schwache Köpfe viel 
zu reden, mit welch forschendem Blicke der Weise, der allein 
—. mehr wog, als damals sein ganzes gesunkenes Volk und alle Prie- 
ster der Welt, — den Meeres - Bewegungen des Buripos bei 
Euböa (Negroponte) nachsann. Wem wären die Ahnungen der Stoi- 
ker über die Wunder des Meeres, die Worte des ArısroTELEs, SALLUST, 
PLinıus, StraBo, Senecah, Meta, wie des Homer, Luckez, Vircit, 
Ovıp u. A. über die Charybdis, wem selbst die Mythen verschiede- 
ner Völker, zumal der Griechen unbekannt, jene, die auch in Sizilien 
spielen, wie des ArLrnueus Liebe in Elis zur ArEtuusa, die, unter 
dem Meere fort, — auf die Insel Ortygia bei Syrakus floh? — die 
Bitten Orıons an Poseidon und die Mythen, die um Lrmnos, Cntos, 
Devos }) alle Wunder des Meeres, wie die Giganten-Kämpfe die Wunder 


*) Diese Fortsetzung vulkanischer Züge Euwropa’s nach dem Orient ist 
nachgewiesen in CHr. Kapp’s Italien, Berlin bei Reımer 1837, z. B. S. 60 ff. 
und 671. Auch Jahrb. 1835, 573 ff. 1810, 564 ff. und Hertha 1836, S. 144 ff., 200 ff. 

**) Seneca Nat. Quaest. Il, 26 Nee eztizctum iguem mari superfuso, nec impetum 
ejus gruvitate ingentis undae prohibitum exire etc. Jahrb. 1840, 565. 
***) 7. B. Seneca Nat. Quaest. III, 26. Pomron. Meıa I, 9, $. 4. lin. 54 ete. Vgl. 
Jahrb. 1841, 213. 

+) Frühe schon, sagt z. B. Primus (H. N. Il, 87, 88 ed. Harduin. 1. p. 114), seyen 
Delos und Rhodos, später Anaphe, Neu, Halone, dann (Olymp. 135, 4, d.i. 
237 v. Chr.) Thera und Therasia, 130 Jahre darauf Hiera« (dutomate) , ferner 
Thia und viele andere Eilande, die er sämmtlich erwälnt, auch Italienische, 
aufgestiegen. B. IV, 12 spricht er wiederholt von Thera (Santorin) und Thera- 
sia (Tiresia). Letzte Insel ist jene, deren Eutstehung auch Sereca a. a. O. Nat. 
Quaest. II, 26 und Vl, 21 nach älteren Berichten beschrieben. Vgl. Philosophi- 
cal Transactions abriged Vol. VI, 21, p. 154. Die Gegenseite zu diesen Krschei- | 
nungen bilden zum Theil die schwimmenden Inseln, die den Alten, wie ich 


294 


des Landes berühren, ohne doch in solchen Anklängen ihres Inhalts 
Tiefe auszuathmen! ve 

Auf der Insel Kephalonia sieht man Seewasser-Ströme landeinwärts 
fliessen. Sie verlieren sich ins Unergründliche. In Dünste mag in 
der Tiefe dieses Wasser sich lösen, dadurch nach STrIickLAnD in ver- 
schiedenen Gegenden Griechenlands zahlreiche Thermen, nach Brown 
im Kleinen die häufigen Erdbeben des aufsteigendes Gebietes mitbedingen 
(Jahrb. 1840, 386 ff. mit 1838, 698). Den Meeres-Strömen, die in Austra- 
lien landeinwärts fliessen, lassen sie eher nicht bestimmt sich vergleichen, 
ehe man letzte genauer ins Innere verfolgt hat. In manchen Gegenden dro- 
hen Quellen durch Land-Erhebung zu versiegen. Nicht bloss Thermen und 
andere Mineral-Brunnen, wie im sturmreiehen Adria-Meer,, wovon 
ieh in meinem Italien (Vorl. III) sprach, aueh sog. kalte und Süsswasser- 
Quellen sieht man oft weit vom Lande senkrecht und mit Macht 
aus tiefem Meere steigen, gleich artesischen Brunnen, z. B. im Indischen 
Ozean mehr als 18 deutsche Meilen von der nächsten Küste aufsprudeln. 
Die zahlreichen Süsswasser-Quellen in der südlichen Spitze des Persi- 
schen Golfs, wo er in den Indischen Ozean mündet, nahe den kleinen 
Eilanden Ara und Bachtrain, sind bekannt. Der Indische Ozean schon 
allein lässt ein ganzes System von Streichungs - Linien 
untermeerischer Spalten verschiedener Gebirgs-Züge er- 
rathen, wenn man auch nur die sprechendsten Thatsachen zusammen- 
stelit, die ich zu gelegener Zeit Ihnen vorlegen kann. Schon in der 
Hertha 1836 und im Jahrb. 7840, 564 ff. habe ich Manches angedeutet 
über den Zusammenhang dieser Streichungs-Linien mit ge- 
wissen Meeres-Bewegungen und Strömen, 

Doch ich eile, diese Neben-Bemerkungen abzubrechen und erinnere 
nur an den heissen Fluss des Meeres an Afrika’s Südost-Küste; an den 
Meer-Strom bei Sumatra da, wo der Indische Ozean durch untergeord- 
nete Busen dem Stillen sich verbindet; an den wechselnden Strom-Gang 
zwischen den Maldiven, au das stürmische Meer im N.O. von Sumatra 
nach den Nikobar-Inseln, an das ruhigere gegen S.O. zwischen Sumatra 
und Neu - Guinea und ähnliche Thatsachen, deren Fülle Klarheit gibt. 
Jene im Golfstrom unterirdisch aufwirkende Wärme in der Gegend der 
Antillen ; die allmäbliche auf der Oberfläche und bis zu gewissen Tiefen 
untersuchte Verminderung der Temperatur dieses Stroms nach oben, unter 
manchen zum Theil entsprechenden Räthseln selbst seiner 
Geschwindigkeit; die Thatsache, dass diese veränderte Temperatur 
gleichwohl in einer Entfernung von mehr als 1000 See-Meilen, nämlich 
in der Gegend 'der grossen Bank von Neufundland noch 210° — 22° C. 
zeigt, wo die Oberfläche des eigentlichen Meeres nur 9°—10° C. hat; 
die Verhältnisse dieses Stromes im vulkanischen Gebiete der Azoren, 
welches auch in der Hertha hervorgehoben ist; die bekannte, wenn 


im Jahrb. 1840, 230 gezeigt habe, gleichfalls bekannt waren, Über die Ansichten 
der Alten von vulkanischen Eilanden vgl. z. B. auch die Erklärer zu Horat. 
J, Od. 11, 4 fi. zu Meıa 11, 7, 174 etc. Vgl. im Folg. S. 757 ff. 


295 


gleich veränderliche , doch ungewöhnlich hohe Meeres-Wärme , ‘welche 
Sasıne *) zwischen den 330—38° , selbst bis zum 44° n. Br. und zwi- 
schen dem 10°—16° w. L. von Greenwich traf; die hohe, d. h. die ihre 
Breitegrade übertreffende Temperatur der vom Gulfstrom bestrichenen 
Küsten Enylands, Irlands, der Hebriden und Norwegens, denen aller- 
dings von Amerikanischen Küsten auch Baunstämme etc. zugeflösst 
werden; die Strömung bis Nova - Zembla und Spitzbergen, die sich 
zuletzt, statt zu versinken, in die allgemeine Strömung des Sibiri- 
schen Polar-Meers verliert, welche an Spitzbergen hin bis nach Labdra- 
dor etc. zieht; die schon in der Hertha aufgezeigte Unmöglichkeit ge- 
nügender Erklärung des Golfstroms aus der allgemeinen westli- 
chen Strömung des (Ozeans und des dazu gehörigen Äguinoktial- 
Stroms; diese und andere und noch viele Verhältnisse zahlreicher an- 
derer Meeres- Ströme, geben, wenn nach den gewöhnlichen, meist nur 
atmosphärisch behandelten Erklärungen gedeutet, kein klares Gesammitbild, 
auf welchem der Blick des Naturforschers befriedigt ruhen könnte, vie- 
ler Erscheinungen gar nicht zu gedenken, z. B. der leichter erkläıten 
hohen Temperatur des Ägninoktial- Stroms bei der Insel Ascension, 
wo er nach Sısıne 25° 56’ C. hat, nachdem er vorher nur 23° C. hatte, 
und zwischen Trinidad und Jamaica, wo er fast durchaus 28° C, 
zeigt. — Auch Parror’s u. A. Bemerkungen, die ich schon oben berührte, 
will ich nicht wiederholen, wenn sie gleich zur Erklärung der erwähn- 
ten erossen Polinje südostwärts von Kotelnoy zum Theil auf wär- 
mere vom Boden aufsteigende Wasser zurückführen. 

Unentschiedene Vermuthungen solcher Art sind zwar stets beach- 
tenswerth, aber nur als Winke für genauere Forschung, 

Aus einer Tiefe von 80 — 100 Faden aus dem Golfstrom an der 
Amerikanischen Küste heraufgezogen, war das Bleiloth nach Horner **) 
noch so heiss, dass man es mit der Hand nicht berühren konnte, Auch 
bei den Kurilischen Inseln, ın der Diemens - Strasse, auch sonst im 
Atlantischen Ozean, vermutbete schon Horner ähnliche Stellen, wenn 
gleich z. B. die Rauchwolke,, die in letztem unter 2° 43° s. Br. und 
20° 35’ w. L., bei hellem Wetter sich zeigte, gleich vielen ähnlichen 
Erscheinungen, wohl nur vorübergehendes vulkanisches Aufbrausen vor- 
aussetzt, ungefähr wie, mehr auf der Obeifläche des Meers, die erhöhte 
Wärme, welche FrankLın unter dem 45° n. Br. nach dem Meerbusen 
von Biscaya hin beobachtete, nach SıBınE u. A. wohl nur Folge unge- 
wöhnlich starker Stürme war, welche das Wasser des Golfstroms die- 
sen Küsten näher führte. Jenes Aufbrausen indess und andere zahl- 
lose Ereignisse, die in verschiedenen Meeres - Gegenden häufig sich 
wiederholen, sind indess wahre Parallel- Phänomene aufsteigender 
Eilande und Erd- Erschütterungen, welche oft bestimmte 
Striche halten, worauf wir zurückkomnien werden. 


”) Account of Experiments £etc., S. 439. 
**) GisBenT's Annal, d. Phys. Bd. 63, 5. 276. 


296 


Lenz fand-im Atlantischen Ozean unter 45° 53° n. Br. und 15° 17° 
w. L., wegen der Nähe des Landes wohl weniger, als wegen des @oif- 
stroms ”), ungewöhnlich geringe Abnahme der Meeres- Wärme nach 
der Tiefe. Nahe dem Kap der guten Hoffnung traf FLinpers **) unter 
36° 36’ s. Br., die Temperatur der Meeres Oberfläche auf 17°,7 und in 
150 Faden Tiefe 17°,2. Unweit des Pics von Narrondam, der 2000’ 
aufsteigt, fand FınLayson "””) unter 139 24° n. Br. und. 94° 12° ö.L. 
von Greenwich das Meer in 280° Tiefe nur 1°,4 C. kälter, als an. der 
Oberfläche. Zwischen Grönland und Spitzbergen, vom. 76° n. Br. au 
zeigt. das Polarmeer in der Tiefe ausgezeichnete Wärme. Vom Meere 
bei Feuerlund, wie von Fırzroy’s u. A. Beobachtungen, sprachen wir 
vorhin. Örtlich wirkende vulkanische Mächte bilden unter den tieferen 
Meeres-Massen niederer Temperatur wärmere: Striche, ohne Zweifel 
häufiger, als sparsame Beobachtungen bis jetzt entdeckt haben, oft im 
grössten Maasstabe, wie sie z. B. im Golf von Bajä, nahe an den 
Thermen des Ufers im kleinsten Maase vorkommen, wenn man diese 
und ähnliche untergeordnete Erscheinungen damit vergleichen will, ohne 
doch über Porowıirscr’s Ansicht zu entscheiden, nach weicher die- 
‚allerdings starke, doch etwas übertriebene Verdunstung des sog. sinken; 
den — Miitelmeeres durch unterirdische Wärme verstärkt werden soll 7). 

Nicht unter dem Gleicher, sondern aus tieferen als atmospbärischen 
Gründen, unter kälteren Breitegraden zeigt die Tiefe, wie die Oberfläche 
des Meeres, in beiden Erdhälften die höchste Temperatur, in der nörd-- 
lichen, besonders zwischen dem 10. und 20. Breitegrade. Die höheren 
Breiten der südlichen Hälfte sind noch zu wenig untersucht. Im Nor- 
den des’ Allantischen Ozeans herrscheu zwischen 15° östl. und 15° w.- 
L. von Greenwich die denkwürdigsten Wärme-Verbältnisse der Tiefe; Sie 
sprechen um so lauter, seit man sie mit denen der Baffinsbai, die 
durch Ross, PArky und Sısıne bekannt 'sind, verglichen hat. Das Grön- 
ländische Meer ist nämlich zwischen jenen Länder - Graden, etwa vom 
75° der Br., an vielen Stellen in der Tiefe wärmer als dessen Spiegel, 
an anderen wenigstens nicht kälter, BEEcHEY, FıscHEr, SABINE, FRANKLIN, 
ScorEsgy haben diese Thatsachen ausser Zweifel gesetzt. Aus ScorEsey’s 
gründlichen Beobachtungen geht hervor, dass diese Wärme bestimmte 
Striche hält. Wenigstens hat er gezeigt, dass sie nieht bis unter 72° 
n. Br. und 19° w. L. reicht, indem er daselbst in 118 Faden Tiefe, 
5 Faden über dem Grunde, die Temperatur niebt nur tiefer als an der 
Oberfläche, sondern selbst unter der des gefrierenden Wassers fand. 
Schon in der Hertha habe ich in diesem Bezuge bemerkt, dass nach 
Scorzssy u. A. der Golfstrom den Nurwegischen Küsten entlang zum 
Nord-Kap, dann durch einen westlichen Strom nordwestwärts gewen- 
det, das Polar-Eis hindert, in die Nordsee zu treiben. Die Meeres- 


*) Munckr in GEHLER’s phys. Wörterb. VI, S. 1683. 
*=) Reise nach dem Austral-Lande, übers. Weimar 18316, S. 181. 
#=2) Voyage to Siam and Hui ete., S. 33. 
+) Popowirsen, Untersuchungen vom Meere, Frankf. und Leipzig, 1750. 4. Vgl. 
v. Horr Gesch, nat. Veränd. d. Erdoberfl. Ill, 278 ff. Zudem s. Jahrb. 1839, 450. 


297 

Wärme, die in der Nähe von Spitzbergen in 100—200 Faden Tiefe um 
6—7, höher als die der Oberfläche ist, erlaubt, gleich jener an der 
Amerikanischen Küste und an andern Stellen, nach meiner Ansicht, die 
Vermutlhung, dass ihre spezifische, ihre Haupt-Quelle grossentheils 
in der Tiefe zu suchen ist, ohne darum sonst die Mitwirkung der 
übrigen Bedingungen auszuschliessen. ScoreEsgy *) indess, der den 
Golfstrom den Norwegischen Küsten entlang auf der Oberfläche 
fluthen lässt, zog aus jener tiefen Meeres- Wärme in der Nähe von 
Spitzbergen den Schluss, der @olfstrom müsse sich dort in die Tiefe 
senken und zum Ufer-Strome werden: einen Schluss, der, was ScoRE:BY 
selber fand, in einigem Widerspruch mit bekannten hydrostatischen Ge- 
setzen steht. Der Irrthum ruht aber, scheint mir, hauptsächlich in der 
alten Voraussetzung, die sich an die Oberfläche hält, und nur auf 
dieser dem &olfstrom Wasser aus südlichen warmen Gegenden nach 
Norden führen lässt. Scoresgy war indess ein viel zu grossartiger 
Beobachter, als dass er dabei sich hätte beruhigen mögen. Eben so 
kühn als vorsichtig und mild in der Wissenschaft, wie im Leben, wagte 
er an der später bestimmter erprüften, vorber jedoch schon von Rum- 
ForD gegebenen Erklärung zu rütteln, dass der fragliche, dem süssen 
Wasser eigene Punkt der grössten Dichtigkeit bei dem Sceewasser 
nicht angetroffen werde. Er meinte, das Seewasser sey einige Grade 
über 0° C. am diehtesten. Daher führe der Golfstrom in der Tiefe 
Wasser aus südlichen warmen Regionen nach Spitzbergen hin. Die 
Thatsache ist aber einfach diese: unter 76° n. B. und etwa 10° ö.L., 
ist die Meeres- Tiefe kälter, als in ungefähr gleicher Länge unter 80° 
n. Br. Soll daher ein Strom warmes Wasser in der Tiefe dahin führen, 
so kann er nicht wohl in dem angegebenen Striche herströmen 
und kann zugleich in solcher Tiefe sein Wasser nur dann warm er- 
halten, wenn es auf seinem Wege unten dureh plutonische Spal- 
ten immer wieder, doch hier nur in der Art erwärmt wird, dass 
bei der Tiefe und Schnelligkeit des Stromes, die Mittheilung der Wärme 
nach oben mächtig und fortwährend gehemmt wird. Auf diese also 
und jede Weise wird man auf plutonische Spalten der un- 
termeerischen Tiefe gewiesen, welche stellenweise die be- 
stimmte Thätigkeit des Innern durchwirken lassen. Es fragt 
sich daher nur nach den Stellen, wo diese Spalten der Thätigkeit theils 
bleibend, theils vorübergehend, sich öffnen, nach dem tieferen Zusammen- 
hang dieser Striche und nach den Verhältnissen derselben zu den Ge- 
setzen strömender Meeres - Bewegungen. Darüber ‚werden mit der Zeit 
weitere Entdeckungen entscheiden und diese werden nicht aus- 
bleiben. Einfacher z. B. mag die Beobachtung sich erklären, dass 
die mittle Temperatur des Meeres nicht gerade unter dem Gleicher die 
höchste ist. Ernste Winke aber geben schon die Striche, in welchen 
neue Inseln aufgestiegen sind, wie Nye-Oe bei Island 1783, die jüngern 


*) An Account of the Arctic, Regions. T. I, S, 209, 


298 


Inseln unter den Azoren 1631, 1638 (von welchen schon Gassennı 
de vita Epicuri I, Vol. II, p. 15050 spricht) und 1720. Eben so viele 
Eilande des Griechischen Archipelagus; Santorin 237 v. Chr,, Aspronisi 
im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechuung, Megalo-Kameni 196, die 
Erhebung bei Hiera Anfang des achten Jahrhunderts, Mikri- Kameni 
1573, die neue Insel zwischen beiden 1707, 1708 und viele andere, wor- 
über schon die Alten (S. 294) ausführlicher sprachen, und jene meist jün- 
gern, deren ich im Jahrb. 1840, 568 gedachte. Die grossartige Erschei- 
nung des Versinkens uud Wiederaufsteigens solcher Eilande 
genau an derselben Stelle ist schon aus v. Humsorpr’s Reisen _ 
bekannt. Was ich über die Hebungs- und Senkungs - Livien jener 
oben bezeichneten und anderer Strecken im Jahrb. 1836, 573—577 und 
1840, 564 — 570 ausgesprochen, der Zusammenhang nämlich solcher 
selbst bleibender Erscheinungen mit der Hebung z. B. der Adriatischen 
Küsten ete., ferner Skandinaviens , der Senkung Grönlands und der 
Faröer u. s, w., mit denkwürdigen Verbältuissen in der Gegend der 
Hebriden, um Island u. s. w., lässt, wie gesagt, die Sache in einfachem 
Lichte erscheinen, in welchem zugleich die bedeutende Krümmung der 
isothermischen Linien, der Einfluss jener unterirdischen Erwär- 
mung auf die magnetischen Pole, wovon später, und zugleich der 
Gesammtblick auf die Geschichte der Erde freier wird. Auch hier 
aber musste ieh, schien mir, wie oben bei Erwähnung des Feuerländi- 
schen Neeres. darauf verweisen, weil man aus den angeführten That- 
sachen entnehmen kann, wie sehr auch in diesem Bezuge zu wünschen 
wäre, durch immer neue Beobachtungen bestimmter als aus den an- 
gegebenen möglich wird, die Frage, welche hier sich aufdrängt, der Be- 
antwortung zuzuführen, in welchen Verbältnissen nämlich be- 
stimmte hohe Wärmegrade der Meeres-Tiefe zu verschiede- 
nen Bewegungen des Meeres stehen; ob nicht da, wo keine 
obere Strömung, doeh aber hohe Temperatur der Meeres -Tiefe in 
gewisser Läugen-Ausdehnung sich zeigen sollte, irgend eine und wel- 
cherlei Bewegung in dieser Tiefe zu vermuthen, oder, was mit 
jetzigen Hülfsmitteln nur entfernt möglich ist, zu entdecken sey. Vul- 
kanische Spalten sind nirgends an allen Stellen, welche sie 
durchziehen, gleich offen und thätig, weder unter dem Meere, 
noch unter dem Festland. Die Thätigkeit aber, die an bestimmten Punkten 
derselben, an einigen immerwälhrend,, sich äussert, wirkt oft mächtig 
in ungemessene und noch unermessliche Fernen und wer 
möchte wohl so kühn seyn, z.B. jene mehralssied-heisse Stelle 
des Golfstroms bei Amerika für einen schlechthin vereinzel- 
ten Punkt, für einen solchen auszugeben, der keiner vulka- 
nischen Linie angehöre? ist sie doch im Lauf des Gulfstroms 
selbst keineswegs die einzige bis jetzt entdeckte Quelle 
seiner plutonischen Wärme, Und wie jung noch, wie arm und 
doch wie reich schon sind unsere Entdeckungen! Seelig, wem es ver- 
gönnt ist, neue und neuere zu wagen. 


299 


Nur schwache zwar und vereinzelte, doch darum nicht minder denk- 
würdige Erinnerungen an die höhere Temperatur des uralten 
Meeres, die”) wenigstens in den reiferen Ausbildungs - Perioden der 
Erde gleichfalls nicht überall völlig dieselbe war, — Erinnerungen, 
sagte ich , Periode mit Periode gemessen, an diese Zeiten gibt noch 
heute die Temperatur solcher Meeres-Flüsse, die, wie der Golfstrom, 
nach meiner Ansicht, an gewissen Punkten, selbst in weiten Strecken, 
vulkauischen Boden voraussetzen. Die Temperatur solcher Ströme ist 
aber weder überall, noch an allen Stellen nothwendig immer — sich 
gleich, und oben, bei bestimmter und bewegter Tiefe, keineswegs un- 
mittelbar gerade immer und allein da am höchsten, wo senkrecht 
hinab in der Tiefe jene mitwirkungsfähigen Spalten liegen **). Auf 
solche und ähnliche Art also, kann auch die Wärme von un- 
ten, nicht bloss die atmosphärische von oben, Bewegungen 
des Meers vermitteln, selbst, wo sie bleibend, anhaltende Strömun- 
gen wesentlich mit begünstigen, ihre Temperatur wesentlich mitbestimmen. 

Das Weitere ergibt sich dem Unterrichteten daraus. von selbst, 
Wir wollen hier die Frage nicht weiter ausdehnen auf die Herde, wo 
im Innern des Erdbalis die Wärme entschieden und bis zu solchem 
Grade steigt, dass alles dorthin eindringende Wasser schlechtweg in 
Dampf sich wandelt, wie unsere Thermen (Jahrb. 1840, 386 f.), 
selbst jene Art von Erd-Erschütterungen zeigen, welche von den Grie- 
chen dem Poszıvos zugeschrieben wurden (Jahrb. 1841, 200 f. mit 1840, 
386 ff.). Nach eben diesem Gotte würden, wie ich in der Hertha sagte, 
die Alten, wäre er im Kreise ihrer Erfahrung gelegen , auch den Golf- 
strom, diesen Pyriphlegethon- des Meeres, genanut haben, die 
Strasse nänlich Poszınons, wie sie die Milchstrasse, wie die alten 
Skandinavier den Regenbogen, Strasse der Götter naunten. 

Die anhaltende Erhöhung des Meeres -Bodens durch unablässige 
Niederschläge, die Verschlauwinung ungestörter Risse der Tiefe wird aber 
gegen die gegebene Ansicht Niemand einseitig geltend machen, der die 
Thätigkeit, zumal die anhaltende, gewisser Vulkane des Festlandes mit 
eigenem Auge beobachtet oder über die Gesebichte der Erd-Bildung , ja 
nur über unterseeische Ausbrüche sich unterrichtet hat. Oder sollten 
wir etwa an die Prämissen der Lehre Davry’s u. A. erinnern, welche 
die Erdbeben durch Einstürzen des Meeres in metallische Tiefen des 
Innern erklärt? 


Diese also und ähnliche Beziehungen lassen wir in vorliegender 
Betrachtung ruhen. Sie führen weit hinaus über den gegenwärtigen 
bestimmten Zustand der Dinge auf seine Veränderungen, auf seine 


*) Jahrb. 1841, 200 ff. 224 (mit 1834, 183 und 1840, 412). Dass übrigens plutonische 
Spalten unter dem Meere sowohl als unter trockener Erdoberfläche selbst für 
die Schichtung bedeutend sind, habe ich Jahrb. 1841, 200 ff. nachgewiesen. 

**) Vgl. Hertha 1836, S. 189. Unabhängig von der Hitze des Äquators gleicht sich 
natürlich die Temperatur des Golfstroms, da wo er am schnellsten geht, am 
schwersten mit der des umgebenden Ozeans aus. 


300 


‘Geschichte, sowohl in, als vor der heutigen Erd-Periode, und dadurch 
unabweisbar zuletzt auf alle Grund-Verhältnisse der feuer 
flüssigen Tiefe-zur starren, zur meerbedeckten, sowohl, 
als zur sog. trockenen Erd-Rinde; sie führen in die Geheimnisse 
der Hebungs- und Seukungs-Linien bestimmter Länder 
Strecken, und der Stadien ihrer Hebung, in die Räthsel des Zu- 
sammenhangs der tellurischen Veränderungen des Magnetismus, der 
nur im Starren sich gefällt, mit den Veränderungen an den tiefsten 
Gräuzen der Erd-Rinde, kurz auf alle jene Fragen, die ich im Jahrb. 
1840, 569 theils entwickelt, theils berührt habe und von denen keine 
ohne die andere befriedigend zu lösen ist, — auf jene Bestim- 
mungs-Gründe, die uns zuletzt durch Schlüsse, welche auf Schlüsse 
sich stützen, die auf Thatsachen ruhen, im Innersten der Erde die 
tiefste, darum unaufgeschlossene Einheit, die Lösung aller Wider- 
sprüche erkennen lassen, den Heerd, weil der höchsten tellurischeu 
Wärme, darum der höchsten Ausdehnung, und doch zugleich, wie 
von selbst sieh versteht, und mit derselben Bestimmtbeit, den 
Heerd der höchsten Schwere, der unmittelbarsten Sichselbst-Anziehung 
der Erde, die weder von Aussen anwäclhıst, noch irgend etwas von sich 
entweichen lässt, sondern in Allem sich selbst aus sich entwickelt im 
Welt-Systeme, dem sie gehört. Hier zeigt sich zumal und mit ei- 
nem Blicke jenes o0jJ100 des ArıstorELes , vielmehr jene wahre 
Simultaneität und Dialektik, welche schon die Alten im reinen Begritle 
wenigstens der apxı) einfacher, tiefer und allseitiger erkannten, als 
alle seitherigen und als die allermodernsteu Natur-Philosophen. Werden 
z. B. Gase als die einfachsten Stoffe vorgestellt, und iu so fern, doch 
in allseitigem Vereine, im Innersten der Erde angenommen , so gibt 
schon die Lehre ihrer sogenannten Erstarrung, die Chemie des Diamants, 
Graphits ete, Winke genug, wie in diesem Innern höchste Hitze und 
höchster Druck zugleich denkbar wird, doch nur Denen, welche be- 
greifen, dass und warum (Jahrb. 7841, 211) in solcher Tiefe keines- 
wegs an Krystallisation und dergleichen zu denken ist. Der Heerd 
vestalischer, nie entweichender Gluth, das heisse Reich des Gottes 
mit dem bildenden Hanımer der Schwere öffnet sich nur dem Blicke, 
der in der Fülle der Erfahrungen , welche dem Alterthum verborgen - 
‘blieb, mit arıstotelischer Schlusskraft jenes stetige Verhältniss zu 
durchdringen weiss, welches PrLaTon ”) Analogie nannte, Schlüsse 
aber der Analogie im aristotelischen Verstande, sind Schlüsse, in 
welchen die Einzelnheit nicht als Vielheit wie in der Induktion, son- 
dern als bestimmte Allgemeinheit, als Moment der Allheit die entschei- 
dende, die schlusskräftige Mitte, — eine Mitte ist, der nur mit allseiti- 
ger Vorsicht und Umsicht das richtende Urtheil sich nähern kann, 


*) Pıatom Timaros, S. 31 (27 ff). Vergl. CH. Kapp in Lüppe’s Ztschr, Vergl. . 
 Erdk. 1, I, 1842, S, 1—23. 
# * 


301 | 
eK‘ Heidelberg, 4. April 1842. 
Nachträglich die RR dass nach Niıcouinı u. A. der Spiegel 
des Mittelmeeres von 18235 — 1828 um 112 Millimeter gesunken seye, 
der Länder-Boden also in bestimmten Gebieten um so viel sich gehoben 
haben soll: eine Angabe, die jedoch schwer ausführbare Messungen 
voraussetzt. Die Hebung der Italienischen und Dalmatischen Küsten 
des sturmreichen Adriatischen Meeres, wie der Jonischen Inseln etc. 
(Jahrb. 1839, 450 ff.) betrifft die: bekannten Linien , die ich in meinem 
Italien, Berlin bei Reımer 1837, Vorles. III bezeichnet habe. Auf das 
Mittelmeer führt mich auch die längst SEBENLUBSENB Fortsetzung oben 
stehender Abhandlung. 


Cur. Karp. 


Frankfurt a. M., 11. Febr. 1812. 


In meinem Schreiben an Sie vom 23. Juni v. J. (Jahrb. 1841, 461) 
sprach ich die Vermutbung aus, dass es unter den fossilen Sauriern 
solche geben könnte, deren Zahn-Struktur jener analog beschaffen 
wäre, welche in den nach prismatischer Art gebauten Zähnen wahrge- 
nommen wird, und glaubte, dass die unter Mastodonsaurus begriffe- 
nen Thiere geeignet wären, einer solchen Abtheilung - anzugehören. 
Durch die fossilen Knochen, welche Hr. Professor Dr. Prienincer die 
Güte hatte aus der Trias Württembergs mir mitzutheilen, und deren 
genauere Darlegung in dessen Werk erfolgen wird, verwirklicht sich 
meine Ausicht immer mehr. Der Name Labyrinthodon, welchen 
Owen an die Stelle von Mastodonsaurus gesetzt wissen wollte, 
passt nun nicht mehr für ein einzelnes Genus; denn der Labyrintho- 
donten sind, wie ich [und Owen] gefunden, mehre, und unter diesem 
Namen liesse sich’ jetzt eine Familie oder gar eine Ordnung begreifen. 
Zu einer Klassifikation dieser eigenthümlichen Saurier bin ich bereits 
im Stande folgende Skizze zu liefern. 

Labyrinthodontes: Saurier, deren Zahn-Struktur jener ähnlich 
ist, welche in den nach prismatischer Art Be Säugethier -Zähnen 
wahrgenommen wird u. s. w. 

I. Mastodonsaurus Jäcer (Salamandroides Jäger, Ba- 
trachosaurus Fırzınger, Labyrinthodon Owen): Kopf nach vorn 
zugespitzt; Augen-Höhlen in der hintern Hälfte der Schädel- Länge an 
die Mitte derselben grenzend; die Augen-Höhlen in geringer gegensei- 
tiger Entfernung; Nasen -Löcher am vordern Ende der Schnautze (der 
Grad (der gegenseitigen Eutfernung der Nasenlurkten) so wie das Schei- 
tel-Loch sind noch nicht ermittelt) etc. 

1) M. Jaegeri H. v. Meyer, in der Letten-Kohle des Keupers von 
Gaildorf; Sammlungen zu Stuttgart etc. 

II. Capitosaurus Münster: Kopf nach vorn stumpf zugerundet; 
Augen-Höhlen in der ungefähren Mitte der hintern Hälfte der Schädel- 

Jahrgang 1842. 20 


302 


Länge, verhältnissmäsig etwas kleiner als bei I und weiter von einander 
entfernt; Nasen - Löcher am vordern Ende der Selmautze und . von 
Binder entfernt; Scheitel-Loch; etc. 

1) C. arenaceus Münsrt. "Kopf-Länge } 3 von L, 1; aus dem Ken- 
per von Benk in Franken; Sammlung zu Bayreuth. 

2) C. robustus H. v. Mer. Kopf-Länge % grösser als bei II, 1, 
‘oder etwas über 2 von I, 1; im Keuper-Sandstein von ae ee 
lung des Hrn. Sekretär Staur in Stutigart etc. 

If. Metopias H. v. Mer. Kopf nach vorn stumpf zugerundet; 
Augen-Höhlen in der vordern Hälfte der Schädel -Länge; die Augen- 
Höhlen weit von einander entfernt; Nasen - Löcher am vordern Ende 
der Schnautze und weit von einander entfernt; Scheitel-Loch; ete. 

1) M. diagnosticus H. v. Mer. Kopf-Länge ungefähr wie in 
IH, 1; im Keuper-Sandstein von Stuttgart; Sammlung der Zentral-Stelle 
des landwirthschaftl, Vereins in Stuttgart. i 

Zu derselben Abtheilung von Thieren gehört ferner der Odonto- 
saurus, von dem indess noch solche Theile fehlen, welche es möglich 
‚machen würden, ihn in ein Schema wie vorstehendes einzureihen. 

Es gehören vielleicht sämmtliche, bisher für Mastodonsaurus 
gehaltene Überreste aus dem Keuper-Sandstein von Stuttgart nicht diesem, 
sondern den andern Genera an; und es wäre nun auch nicht überflüssig 
nachzusehen, ob die Reste aus dem New-red-Sandstone von Warwick, 
Leamington und anderen Lokalitäten Englands wirklich von Mastodon- 
saurus, oder von welchem Genus sie herrühren. 2 

In dem Stuben - Sandstein der Keuper- Formation von Löwenstein 
in Württemberg liegt ein Saurus mit gewöhnlicherer Zahn - Struktur, 
dem ich wegen der Pfeil-förmigen Gestalt seiner Zähne den Namen 
Belodon Plieningeri gegeben habe. oje 

Der Simosaurus gehört nun auch Deutschland an, Die. aus 
Frankreich zur. Untersuchung erhaltenen Reste lehrten mich den Schä- 
del desselben bis auf das vordere Ende der Schnautze kennen, welches 
an allen diesen Exemplaren weggebrochen war. Oben erwähnte Sen- 
dung enthält einen von der Oberseite entblösten Schädel von Simosau- 
rus mit völlig erhaltenem vorderem Schnautzen-Ende aus dem ‚etwas 
dolomitischen gelblichen Muschelkalk-Gebilde der Gegend von Ludwiys- 
burg. Dieses Prachtstück, woran nur die Seiten-Flügel der Hinterhaupts- 
Gegend fehlen, ‚gehört Sr. Erlaucht dem Grafen Wırnzım von Wäürt- 
temberg. Nachdem nunmehr ‚das vordere Ende der Schnautze gekannt 
ist, so stellt sich in der allgemeinen Umriss-Form des Schädels auffal- 
lende Ähnlichkeit zwischen Simosaurus und dem viermal grössern. Ma- 
stodonsaurus heraus, und doch gibt es nicht leicht zwei Genera, welche 
im Übrigen so gänzlich von einander verschieden wären, als die eben 
genannten. Die mehr rundliche Form des Schnautzen-Endes in 'Simo- 
saurus fällt gegen die schmale gleichförmige Verlängerung, welche 
dieser Theil in Nothosaurus darstellt, wie ich erwartet hatte, hinlänglich 
auf; die vor den Nasen-Löchern liegende Strecke, welche in Nothosaurus 


303 


fast so Jang ist, als der Raum vom wvordern Nasenloch-Winkel bis zum 
hintern ‚Augenhöhlen- Winkel, misst in Simosaurus nur die Hälfte die- 
ser Strecke; in Simosaurus verhält sich die vor den Nasen - Löchern 
liegende Strecke zu der bis zur Hinterhaupts- Fläche reichenden Länge 
des Schädels wie 1.:5, in Nothosaurus wie 2:9, der Grund aber zu 
diesem nicht sehr auffallenden Unterschied liegt darin, dass in Notho- 
saurus der längern Schnautze durch die grössere Länge der bhiutern 
Schädel-Hälfte das Gleichgewicht gehalten wird. 

Der hinlänglich bekannte, dem Unteroolith angehörige Eisenoolith 
von Aalen in Württemberg umschliesst ein eigenes Genus von schmal- 
kieferigen Sauriern, dem ich den Namen Glaphyrorbynchus, und 
in der vorliegenden Form Gl. Aalensis gebe. Hr. Graf zu Münster 
hatte die Güte, mir einige Kiefer - Fragmente mitzutlieilen, woran ich 
die auffallenden Verschiedenheiten . erkannte, welche dieses Tbier von 
den andern Genera, deren Schädel in der äussern Umriss-Form Ähnlich- 
keit besitzt, auszeichnen; leichter wird dieser Saurus an den ovalen, 
schräggestellten Alveolen erkannt. 

Der dichte gelbe Jurakalk von Aulen umsehliesst ebenfalls einen 
neuen Saurus, der weit grösser, als der zuvor erwähnte ist. In Betreff 
seiner verweise ich auf das fünfte Heft der vom Hrn. Grafen zu Mün- 
STER herausgegebenen Beiträge zur Petrefakten-Kunde, worin ich einen 
Zahn von diesem Thier, das ich Brachytaenius perennis nenne, 
näher darlegen werde. 

In demselben Hefte der Beiträge: besehreibe ich auch den kürzlich 
im, lithographischen Kalkschiefer von Kelheim gefundenen Pterodac- 
tylus Meyeri Münsr.; es ist diess gegenwärtig das kleinste Thier 
aus. der merkwürdigen Abtheilung fliegender Saurier; sein Grössen- 
Verbältniss zu Pt. brevirostris, dem kleinsten vor seiner Entdeckung, 
berechnet sich wie 2:3, und zu P, grandis, dem grössten wie 1:13 
oder 14. An diesem Thierchen überzeugte ich mich von der Gegenwart 
eines Abdominalrippen-Apparats, :gleich. dem in den Sauriern; die Bauch- 
und 'Verbindungs-Rippen sind an ihm so fein wie Haare. 

„»ili Die vom Hrn. Grafen zu Münster im bereits erwähnten gelben 
-diehbten. Jurakalk von Aalen gefundenen ‚Überreste meines Krustazeen- 
Genus Prosopon wurden mir durch die Gefälligkeit ihres Besitzers 
zur Untersuchung mitgetheilt. Sie gehören dreien Spezies an; dem 
von ‚mir ‚bereits aus einem ähnlichen Kalke von Kelheim bekannt ge- 
maebten, Pr. rostratum ;und zweien‘ neuen. Arten, ‚welche ich Pr. 
spinosum,und Pr. marginatum ‚benannt habe. Die bei Aufstellung 
des Genus ‚ausgesprochene Vermuthung über eine Trennung desselben 
scheint.. durch Auffindung neuer Formen und vollständiger: Exemplare 
immer mehr sich zu bestätigen. So ergibt sich jetzt, dass Pr. rostra- 
tum und Pr. marginatum jeinander verwandter 'sind,, als den ‚übri-. 
gem ‚Spezies, ‚welche ihrerseits nähere gegenseitige Verwandtschaft 
zeigen. Für den Fall einer wirklicben Trennung schlage ich vor, die 
beiden ersten unter dem bezeichnenden Namen Pithonoton zusammen- 


20° 


304 


zufassen. Die Klassifikation soll zwar nicht vorgreifen, sie.:darf aber 
und muss sogar Hand in Hand mit der Erweiterung: der Entdeckungen 
gehen, um die Bezeichnung: der Formen mit hinlänglicher Schärfe vor- 
nehmen zu können. | 


Herm. v. Mevix. 


Tübingen, 15. Febr. 1842. 


Ich bin seit geraumer Zeit mit unsern Schwäbischen Formationen . 
beschäftigt, besonders mit dem Jura, und hoffe noch:im Laufe des Som- 
mers darüber ein kleines Werkchen zu Stande zu bringen. Es macht mir 
einige Mühe, weil’ich darin eine kurze Charakterisirung und das ge- 
naue Vorkommen der Petrefakte besonders zu berücksichtigen habe. 
Zu dem Behufe wurden die meisten Ammoniten-Spezies mit Farben an- 
gemalt, um die Loben um so sicherer hervorzuheben. Grosse Schwie- 
rigkeit machen die Bauch-Loben, doch ist es mir bei den meisten ge- 
Jungen, sie darzustellen. Die Kenntniss der Bauch-Seite der Ammoniten 
ist niebt ganz unwichtig. Zunächst finden wir immer in der Median- 
Linie des Bauches einen schmalen, aber sehr lang herabhängenden Lo: 
bus, den ich vorzugsweise unter dem Bauch-Lobus verstehe. Zwischen 
ihm und dem untern Seiten-Lobus heftet sich der Naht-Lobus an, des- 
sen äussere sichtbare Wand die sogenannten Hilfs- Loben bildet, und 
dessen innere durch die Involution verdeckte gewöhnlich der äussern 
gleicht: Nur bei ganz involuten Formen (A. Amaltheus, A. Mur- 
chisonae...) hat der Naht-Lobus keine Tiefe, sondern löset sich in 
eine Zahl von Hilfs-Loben auf, die in gerader Reihe stehen. Hingegen 
bei Planulaten, Coronaten ist der Naht-Lobus überaus tief. Demnach 
sind also der Rücken-Lobus, jederseits zwei Seiten-Loben und ein Bauch- 
Lobus als die sechs bekannten Haupt-Loben zu unterscheiden; zu ihnen 
kommt noch links und rechts ein Naht-Lobus, der durch die Naht- 
Linie ungefähr halbirt zwar eine grosse Breite hat, aber in’ den meisten 
Fällen nur als Hilfs-Lobus anzusehen ist. Nur bei einzelnen Familien 
wird er so gross, dass der zweite Seiten-Lobus gegen ihn verschwindend 
klein wird, wie diess L. v. Buch bei Planulaten und Coronaten ‘schon 
längst nachgewiesen hat. In Beziehung auf den Bauch-Lobus zerfallen 
die Ammoniten in zwei grosse Klassen. Bei der einen ist der Bauch- 
Lobus sehr synimetrisch und endigt in zwei markirte Spitzen (Arieten, 
Caprieornier, Dorsaten‘...), die wie am 'Rücken-Lobus durch 'einen 
ganz kleinen Satiel geschieden sind, bei der andern ist er mehr un 
symmetrisch und endigt nur in einer etwas schief stehenden Mr 
(Planulaten, Coronaten). 

Auch die Gervillien haben mir viel zu schaffen gemacht, doch 
gelingt es endlich, den Zusammenhang zwischen G. pernoides des 
Braunen Jura und dem Mytilus socialis des Muschelkalks in allen 
einzelnen Theilen nachzuweisen. Sie haben in Ihrer Lethäa Tf. 79, Fg. 13 b 


305 


zuerst hervorgehoben, dass nıan am Schlosse der Gervillia (linke grosse 
Klappe) die glatte Bandfläche mit queerliegenden Muskel-Furchen wohl 
von der innern Falten- Fläche unterscheiden müsse, die sich vorn zu 
einzelnen grössern Falten-Zähnen entwickelt. Ganz dasselbe zeigt der 
Mytilus. Aussen findet sich eine Band-Fläche mit sechs Muskel-Furchen 
(doch wechselt diese Zabl bei verschiedenen), von denen ich schon frü- 
her gesprochen habe; denn sie lassen sich überall auf Stein- Kernen 
leicht erkennen (selbst von Mytilus keratophagus hat es Dr. Geinıtz 
bewiesen). Allein dass auch innen sich eine wiewohl schmalere Falten- 
Fläche finde, sebe ich zum ersten Male auf einem verkieselten Exenı- 
plare aus dem obern Muschelkalk von Waiblingen, was einer meiner 
fleissigsten Zuhörer von dort entdeckt hat. Unter den Wirbeln ent- 
wickelt sich diese Falten-Fläche zu zwei ziemlich hoch hervorstehenden 
Zähnen, die ich auch schon längst von Steinkernen kenne. Von den 
Zähnen der G. pernoides zeichnen sie sich durch ihre Schärfe aus. 
Ich muss hier wiederholen, was ich schon früber behauptet habe, dass 
ich keine glatte Avicula kenue — sowohl im Jura als im Muschelkalke 
— [aber doch lebend], bei der man nicht Grund hätte, das Schloss, der 
Gervillia zu vermuthen. Die Unterschiede des Schlosses halte ich nicht 
für genügend, um beide in verschiedene Familien zu stellen. 

Zu meinem Erstaunen habe ich im den Wendelsheimer Steinbrüchen 
(nördlich Rottenburg) des grünen Keuper-Sandsteius ein Schenkel-dickes 
Equisetum columnare bekommen, in dem «ein Calamites arena- 
ceus steckt! Im Knoten, wo die Blattscheide sitzt, ist nämlich eine 
dünne Schicht von der Oberfläche des Equisetum weggesprungen, und 
ein sehr deutlicher Calamites blosgelegt. Beider Kuoten fallen genau 
zusammen, Ich zeigte dieses seltene Stück dem Prof. H. Mont, und 
der scharfsinnige Botaniker bewies mir gleich, dass selbst, abgesehen 
von dem Zusammenfallen der Knoten, beide Stücke zusammengehörig 
seyn müssten, weil der innere Kalamit gerade doppelt so viele Längs- 
streifen zeigt, als die Blattscheide des äussern Equisetun an derselben 
Stelle Furchen hat. Kommen wir zuletzt doch noch zu dem kaum ge- 
abneten Resultat, dass die Kalamiten des Steinkohlen-Gebirges Equise- 
ten sind, deren äussere Haut abgestreift ist, während im Keuper nur 
die jüngern Exemplare dieselbe durch Verwitterung verloren haben ? 

Man kann in unserm Muschelkalke den Wellen - Dolomit immer ge- 
nau von dem darüber folgenden Wellen - Kalke unterscheiden. Der 
Wellenu-Dolomit greift weit in die Fläche des Bunten Sandsteines über, 
während der Wellen- Kalk eine steile Wand dem Sandsteine zukehrt. 
Ausserdem gehört die glatte Trigonia cardissoides nur dem Wellen- 
Dolomite, Mytilus costatus (Gervillia) dem Wellen-Kalke an. In 
jenem Wellen-Dolomite habe ich auf einer Pfingst-Reise bei Simmozheim 
nordöstlich Calw einen kleinen Saurier entdeckt, der auffallend dem 
Ichthyosaurus des Lias gleicht. Die markirt gestreiften Kegel-förmigen 
Zähne stehen in einer, wenn auch flachern Furche, die Wirbel-Körper 
(2 breit) sind genau wie Damenbrett-Steine, und Knochen-Glieder der 


: 306 


Füsse von den Polygonal-Knochen der Ichthyosauren nieht zu unter- 
scheiden. Einzelne Knochen dieses kleinen Ichthyosaurus sind überall 
in Wellen-Dolomit gar nicht selten. { 

Gern möchte ich bei der Eintheilung der Formationen Dasjenige 
zusammenbhalten, was zugleich räumlich eng aneinander geknüpft ist, 
welches Prinzip Leor. v, Buch mit so vielem Glück auf die Eintheilung 
unseres Jura angewendet hat. Dem folgend gehört der Wellen-Dolomit 
mit Trigonia cardissoides dem Bunten Sandstein an, weil beide 
weit mit einander fortsetzen, der Wellen-Kalk mit Gervillia eostata 
aber dem Muschel-Kalke, denn er schliesst sich eng in die Steil-Wand 
des Haupt - Muschelkalkes an. Die Letten - Kohle gehört wieder zum 
Muschelkalke, denn sie bedeckt ihn über weite Strecken, nur nicht ganz 
bis zum unfruchtbaren Steil-Rande, Erst auf der Letten-Kohle setzt 
der Keuper in markirten Berg-Rändern ab, Nun wird freilich auch der 
Keuper auf weite Strecken hin gleichmäsig vom untern Lias bedeckt: 
es könnte daher scheinen, dass nach demselben Prinzipe auch der Keu- 
per mit diesem untern Lias zu einer Formation zu vereinigen wäre. 
Allein an dieser Vereinigung hindern uns merkwürdige Verwerfungen. 
Der untere Lias bildet nämlich eine horizontale Fläche, 
aus weicher die Keuper-Rücken Insel-artig hervorstehen. 
Im Bebenhäuser Grunde nördlich Tübingen hat schon SchüsLer darauf 
aufmerksam gemacht. Am schlagendsten aber sind die Filder, zunächst 
an dem bekannten Punkte bei Echterdingen. Hat man von Stutigart 
her die Keuper-Höhe bei Degerloch erreicht, so ist die fruchtbare Filder- 
Fläche überall mit Kalken der Gryphaea arcuata bedeckt. Nur 
südlich Echterdingen erreicht man plötzlich die Thone des Ammonites 
Turneri, darüber die Stein-Mergel der Terebratula numismalis 
(mittler Lias), endlich sogar Posidonomyen - Schiefer, Stinksteine und 
Ammonites Jurensis, die sicherste Leitmuschel für die allerobersten 
Lias-Schichten, Aber man gehe nur wenige Schritte vorwärts bergan, 
so treten schnell die rothen Thone des Keupers ein, auf der Höhe be- 
deckt von dem harten gelben Keuper - Sandstein mit dem bekannten 
„Bonebed“, Den Rücken des Schönbuchs erreicht nicht die Spur des Lias; 
erst wenn man wieder hinabsteigt nach Waldenbuch, so tritt abermals 
der untere Lias der Filder ein. Wie hier gegen den Wald-Rand des 
Schönbuchs , so verhält sich auch die Filder - Fläche auf dem rechten 
Neckar -Ufer bei Esslingen gegen den Wald-Rand des Schurwaldes. 
Die Filiale Esslingens; Sulzgries, Hohenäcker, St. Bernhard, Serach etc., 
liegen genau im Niveau der Filder auf Lias; sobald man aber zu Katha- 
rinen-Brücke oder zum Berg-Rande des Jägerhauses hinaufsteigt, so 
ist überall Keuper bis auf die höchste Fläche, Eine bemerkenswerthe 
Analogie für Echterdingen findet sich zwischen Kimmichsweiler und 
Oberhof östlich Esslingen, von wo ein kleiner Riss nach Westen führt. 
Hier steht der gauze Lias bis über den Ammonites Jurensis hinaus 
an, während 10 Schritte davon der weisse Keuper - Sandstein (Stuben- 
Sandstein) gebrocheu wird, Ähnliche Thatsachen lassen sich am 


307 


Hohenstaufen etc. nachweisen, Es sind also zweierlei Erscheinungen 
merkwürdig: 

ı) dass der untere Lias an vielen Punkten bedeutend von Kevper- 
Höben überragt wird, was nur durch Niveau - Veränderung des 
Bodens in der Zwischen - Zeit von Keuper und Lias genügend er- 
klärt werden kann, welche Niveau-Veränderungen E, pe BEAumonT 
bekanntlich als so wichtig für Formations - Bestimmungen nachge- 
wiesen hat; 

2) dass sich auf diesem grossen Lias-Felde zwei Punkte finden (Ech- 
terdingen und Kimmichsweiler), welche von aller Verbindung ab- 
geschnitten die obersten Lias-Lagen zeigen. Bei Kimmichsweiler 
ist es eigentlich nur ein ganz unbedeutendes Gebirgs- Stück, was 
an dem tiefliegenden Thal- Abhang gleichsam nur hingeworfen 
scheint; mitten zwischen bohen Keuper - Rändern sucht man ver- 
gebens die Verbindungs-Glieder, welche erst an der linken Fils- 
Seite bei Hochdorf auftreten. 

Aber noch auffallender als dieses sind die eckigen Kalk. Blöcke, 
welche überall mit den vulkanischen Tuffen in engster Beziehung stehen. 
Diese sogenannten Basalt-Tuffe stehen bekanntlich zwischen Reutlingen 
und Boll sowohl auf der Fläche des Kalk - Plateau’s als tiefer im brau- 
nen und schwarzen Jura an mehr als 100 Punkten hervor. Mir erschei- 
nen sie immer als das Resultat eines grossen Vulkan-Herdes, wo die 
Basalt-Massen als untergeordnete Lava-Ströme. den Tuff durchbrachen. 
Denn abgesehen von der bei weitem überwiegenden Menge erlaubt es 
schon die Beschaffenheit der Tuffe nicht, sie als Reibungs-Produkte des 
Basaltes anzusehen. Nur wenn die Hügel klein sind (etwa 15’ bis 40°), 
geformt wie Maulwurfs- Hügel, bestehen sie ganz aus Tuffen. Sind 
sie höher, so stehen unten rings die Gesteine an, welche dem jedes- 
maligen Niveau entsprechen, und nur der äusserste Gipfel ist mit etwas 
Tuff bedeckt. In diesem Tuffe fehlen nun nirgends die grossen und 
eckigen Blöcke von weissem Jurakalk. Um aber die Stelle, wo diese 
Blöcke weggenommen sind‘, zu ermitteln, müssen Sie wissen, dass in 
unserm weissen Jura sich drei Abtheilungen scharf und Jeicht unter- 
scheiden lassen. Die untere ist ein wohl geschichteter thoniger ho- 
mogener Kalk mit Terebratula impressa. Die mittle ist viel 
weniger zur Schichtung geneigt, nähert sich gerne der oolithischen 
Struktur und zerklüftet sich bei der Verwitterung zu grotesken Felsen, 
die durch zahlreiche Sprünge wie Breccien aussehen. Schwämme 
und Terebratula lacunosa stellen sich hier zuerst in Menge ein. 
Die obere beginnt endlich mit einem ganz ungeschichteten Kalke, der 
entweder Thon-frei und homogen mit vielen Kalkspath- Adern (Marmor 
gewöhnlich genannt), oder zuckerkörnig und häufig der trefflichste Do- 
lomit ist. Der Reichtbum an Quarz und Feuersteinen fällt darin auf, 
Von diesen Kalken finden sich in den Tuffen nun zwar alle, aber am 
meisten fallen die mittlen mit Schwämmen auf. Jetzt führe ich Sie 
zuerst auf den Hohenstaufen, nehmen Sie Taf. II, Fig. 2 des trefflichen 


308 


Memoirs über die geologische Konstitution der Alp von Graf von Man- 
DELSLOH zur Hand. Der steil ansteigende Gipfel (1. Argile Oxfor- 
dienne) ist geschichteter-unterer weisser Jura (kein Schwamm 
und keine Terebratula lacunosa darin), welcher steil auf dem 
braunen Jura absetzt. Auf diesem letzten, südwestlich vom Berge, liegt 
ein Stein-Haufen (2. Dolomie jurassique), im mächtigen Blöcken über- 
einander gestürzt: es ist mittler weisser Jura mit Schwämmen, auch 
einigen zuckerkörnigen Kalken, die allerdings etwas Bittererde enthalten 
dürften. Jedenfalls gehört das Ganze einer Abtheilung an, die höher 
als der Staufenberg liegen sollte. Untersucht man nun die Unterlage 
(3. Calcaire et Schistes), so zeigt sich bald, dass diese nicht verworfen 
ist: es ist der mittle braune Jura mit Ostraea Cristagalli, der 
unter dem Orte Hohenstaufen durchstreicht. Mit einem Worte, denken 
Sie sich eine Masse, die Zevs vom Himmel dorthin geworfen hat. Ge- 
wöhnlich pflegen sich unter solchen Stein-Haufen Spuren von basalti- 
schem Tuff zu finden; allein der Wind pfiff mir zu stark um die Ohren, 
ieh habe ihn hier nicht gefunden. Steigen wir jetzt aus dem Neckar- 
That auf den mit einer Linde gekrönten @eigerbühl nordöstlich Er. 
Bettlingen (südwestlich Nürtingen)! Man sieht es gleich den massigen 
Felsen an: hier ist Terebratula lacunosa sammt den Schwamm- 
Korallen; und wühlt man im Schutt herum, so findet man auch bald 
Spuren von schwarzem Glimmer und Basalt-Tuff. Und doch liegt dieser 
Haufen über 14 Stunden vom Alp-Rande entfernt, unmittelbar auf Po- 
sidonomyer-Schiefer, der bier noch nicht 1150° Meeres-Höhe erreicht. 
Dringen wir weiter nach Süden vor, so zeigt schon die Kegel-artige 
Form des Kapfs bei Grafenberg,, dass hier Tuff vorhanden seyn muss. 
Unten am Berge ist aber überall der unveränderte horizontal-geschichtete 
mächtige Thon des untern braunen Jura mit Ammonites opali- 
nus, der steil über der Sohle des Lias ansteigt. Nur die äusserste 
Spitze ist mit Kalk-Blöcken wie am Geigerbühl bedeckt; bereits sind 
wir aber auf diesem Gipfel wenigstens 150° höher, als auf dem Geiger- 
bühl. Noch eine halbe Stunde südlicher steht der Gipfel des Florians- 
Berges schon auf den blauen Letten des mittlen braunen Jura; der 
Tuff dieses Gipfels ist vorherrschender, aber mächtige Blöcke stecken 
ihre Köpfe heraus, als ständen die Kalke mit Schwämmen hier an: sie 
liegen gegen den @eigerbühl schon 400° höher. Endlich erreichen wir 
den Haupt-Vulkan-Berg des ganzen Rands, den Clausenberg (Juriberg), 
bedeckt von einer Kalk-Kappe, zuckerkörnig und dolomitisch; aber 
auch Schwämme und Terebratula lacunosa fehlen nicht, Zwar 
sind wir hier abermals um ein Beträchtliches höher gerückt, und doch 
stehen wir nicht im Niveau des mittlen weissen Jura; wir müssen noch 
um ein gutes Stück vorwärts und hinauf, um diesen zu erreichen, 
Überschauen wir jetzt von der Schloss-Ruine Neuffen (2300', ungefähr | 
die Höhe, wo viele der erwähnten Kalke sich in ihrer ursprünglichen 
Lagerstätte finden, — nur die zucker-körnigen Kalke entsprechen einer 
noch grössern Höhe) die Gegend, so liegt der fernste Tufl-Punkt, der 


309 


Geigerbühl, 2 Stunden direkt von uns und zugleich sein Gipfel über 
1100° tiefer; je näher die Tuff-Berge unserer Burg stehen, desto höher 
ragt der Tuff, und folglich auch der Kalk-Schutt hinauf, doch bleiben 
alle unter ihrer ursprünglichen Lagerstätte zurück. Sie müssen sich 
folglich alle gesenkt haben. Aber wie sollen wir uns diess denken ? 
Warum müssen nur alle Tuff-Gipfel diese kleine Kappe von Blöcken 
tragen und die andern Berge nicht? Das ist eine Haupt-Schwierigkeit, 
und gerade diese finde ich bei der Betrachtung nirgends erwogen! 
Wären diese Blöcke Granit (wie am Rangenberge) oder irgend eine 
ältere Gebirgsart, als am Berge ansteht, so würden wir schnell be- 
haupten, diese Massen können nur aus der Tiefe herauf gefördert seyn. 
Allein jetzt sind es jüngere Gebirgs-Massen, die bei der gleichmäsigen 
Struktur des ganzen Stufen-Landes unmöglich im Innern stecken, auch 
rings um den Tuff-Berg nirgends in gleichem Niveau mit dem Berge 
anstehen können. Sie müssen von der Höhe herabgekommen 
seyn, und zwar, wenn sie nicht aus dem Himmel gefallen sind, vom 
nahen höher hinauf liegenden Al»p- Rande, Lägen diese Kalk- Blöcke 
auch in den Thälern , und nicht bloss auf den Tuff Gipfeln , kämen sie 
nicht so gesetzlich immer nur mit dem Tuff zusammen vor, so würde 
ich, der ich vielleicht zuletzt an die Gletscher in Deutschland glaube, 
zu diesem verzweifelten Erklärungs - Mittel die letzte Zuflucht nehmen. 
Allein schon das Vorkommen der Kalk-Blöcke mit Tufien , und zwar so, 
dass keines ohne das andere bestehen kann, erlaubt keine Erklärung 
durch Gletscher. Anderer Einwürfe nicht zu gedenken. Schon seit 
drei Jahren beschäftige ich mich mit diesem Probleme, suche mir auch 
die Sache durch allerlei theoretische Voraussetzungen zu erklären, allein 
zu einer bestimmten Ansicht kann ich darüber nicht kommen. So viel 
ist aber gewiss, dass wir hier grosse eckige Stein-Blöcke haben, die 
auf andere Weise als durch Gletscher von der Höhe dorthin gekom- 
men seyn müssen. 
QUENSTEDT. 


Göttingen, 19. Febr. 1842. 


Mit den Petrefakten des Muschelkalks habe ich mich verschiedent- 
lich beschäftigt und bin dadurch zu einigen erweiternden Angaben über 
dieselben in Stand gesetzt. Schon im vorigen ‘Sommer hatte ich durch 
ein Exemplar von Ceratites nodosus,' das ich im obersten Muschel- 
kaik in der Nähe des Meissners fand, Gelegenheit, die Frage über die 
Lage des Sipho in diesem Konchyl definitiv erledigen zu können. Er 
ist nämlich entschieden dorsal, wie bei den übrigen Ammoniten, und 
es möchte daher an dem angeschliffenen Exemplare Ihrer Sammlung, 
wie Sie (Leth. 178) auch selbst unentschieden liessen, nur den Schein 
eines fast zentralen Sipho haben. Merkwürdig ist allerdings, dass sich 
dieser Sipho so selten zeigt; doch habe ich ihn später auch an zwei 


310 


Exemplaren aus der Nähe Göftingens durch eine im Rücken hinziehende 
runde Rinne angedeutet gefunden, während es an dem zuerst erwähn- 
ten Exemplar scheint, als ob er Rosenkranz-förmig sey. Neulich 
schrieb mir Hr. Hrxamer, dass er dort zu Leimen bei Heidelberg eben- 
falls ein Exemplar mit einer Rücken-Rinne aufgefunden habe. 

Ganz nahe bei meinem heimatlichen Dorfe Meensen findet sich im 
obern Muschelkalke eine Schicht etwas porösen Kalksteins, welche 
viele gut erhaltene Konchylien enthält; die Schwierigkeit ist zwar nicht 
gering, um durch Hinwegarbeiten des Gesteins die feineren Theile der 
Petrefakte blos zu legen, doch ist es wir durch viele Geduld gelungen, 
mir auf diese Weise einige Aufklärungen zu verschaffen. Vor Allem 
interessirt es mich, hier aufgefunden zu haben, dass das von Ihnen 
aufgestellte Genus Myopbhoria nicht, wie Gorpruss will, mit Lyrio- 
don zu vereinigen ist, sondern in. seinen Rechten erhalten werden muss. 
Aus der erwähnten Schicht bei Meensen besitze ich am Schloss ent- 
blösste Exemplare von Myophoria eurvirostris, M. laevigata 
und M. ovata (Mactra trigona Gospor. = Lyrodon ovatum 
Gorpr,), welche deutlich zeigen, dass die Schloss - Zähne ungestreift 
sind. Auch habe ich früher schon in Schwaben, z. B. in der ALBERTI- 
schen Sammlung, gute Exemplare von M, Goldfussi gefunden, welche 
eben so wenig, Streifung der Schloss-Zähne zeigten, als diejenigen, 
welche ich bei Ihnen gesehen. Überdiess habe ich. fast von allen 
Myophorien gute Kerne, welche aber niemals eine Spur von Streifung 
der Schloss - Zähne wahrnehmen lassen , was doch bei den Kernen der 
ächten Lyriodon-Spezies der Fall ist. Sie sind (Leth. 174) im Zweifel, 
ob der bei Zıeren Taf. 72, Fig. 1 abgebildete Kern, welcher solche 
Streifung zeigt, aus der Trias- oder aus einer andern Formation sey, 
indem Zıeten den Fundort nicht angebe; indess ist in einer andern 
Stelle (S. 100) bemerkt, er sey aus unterm Oolith, — Die in der er- 
wähnten Schicht vorkommenden Univalven geben mir Gelegenheit zur 
Erweiterung der noch immer höchst mangelhaften Kenntniss der Uni- 
valven des Muschelkals. Ich habe eine Natica von der Grösse einer 
Kastanie herausgearbeitet, welche die erste ganz vollständige Univalve 
ist, die mir und wohl überhaupt aus der Trias bekannt geworden; sie 
ist zu vollständig, um bestimmen zu können, ob sie mit den zerdräück- 
ten Kernen im Bunten Sandstein der Pogesen, welche als N. Gaillar- 
doti Lerroy bekannt sind, ident sey. Trochus Albertinus Goupr, 
ist Pleurotomaria Albertina Wıssm. Ferner habe ich in dieser 
reichhaltigen Schicht einen Euomphalus entdeckt von der Grösse der 
Helix lapicida, mit welcher er auch in der Gestalt etwas Ähnliches hat, 
nur ist die Spira eingesenkt. Ferner einen ziemlich grossen Trochus 
-mit vielen Spiralen. 

Ein® neue Spezies von Lima findet sich im obern Muschelkalk, 
welche sich von den übrigen dieser Formation sogleich auszeichnet, 
indem sie ungestreift ist, mit Pecten laevigatus aber wegen ihrer höhern 
Wölbung und geringeren Gleichseitigkeit nicht zu verwechseln ist. Ich 


311 


fand'sie schon zu Leimen bei Heidelberg ; in Graf Münster’s Sammlung 
liegt sie aus der Baireuther Gegend als Lima venusta Münster, 
und vor einiger Zeit fand ich sie auch hier am Hainberge.. — Auch 
finden sich am Hainberge fast alle die vielen Spezies von Nucula, 
welche Graf Münster in der Gegend von Baireuth entdeckt und bei 
Gorpruss bekannt gemacht. hat; es ist auffallend, dass sich in den ent- 
sprechenden Schichten der Heidelberger Gegend nur sehr wenige dieser 
Spezies finden, Übrigens besitze ich aus dem dolomitischen Wellen- 
Kalk Schwabens noch mehre unbeschriebene Spezies von Nucula. 

In dem ganz erstaunlich reichen Museo Münsteriano habe ich auch 
endlich die ersten unzweifelhaften Korallen aus dem Muschelkalke 
gesehen. 

In Berlin arbeiten jetzt Beyrıcan und Ewırn die Resultate ihrer 
Untersuchungen im westlichen Schenkel der Alpen aus. 


Dr. Wissmann. 


Bovende, 1. März 1842. 


Diesen Winter habe ich zwischen Petrefakten des Harzes zuge- 
bracht; ich kenne jetzt etwa anderthalb Hundert Spezies von dort und 
habe über die Alters- Verhältnisse dieses herrlichen Gebirges , welches 
ich freilich in geologischer Beziehung noch nicht bereist habe, schon 
einige Auskunft erhalten ; leider kenne ich Versteinerungen nur aus der 
nördlichen Hälfte und rührt die Mehrzahl aus dem Kalke bei Grund 
und aus den Sandsteinen der Schalke und des Rammelsberges; letzte 
entsprechen der kohligen, die Kalke bei Grund und Elbingerode der 
Plymouth-Gruppe des Englischen devonischen Systems, und da weiter süd- 
lich bei Lesbach in den mit Diorit wechsellagernden Eisensteinen Bron- 
tes sıgnatus Puırries mit mehren eigenthümlichen Arten nicht selten 
vorkommt und den silurischen Wenlock-Kalk anzeigt , die Schichten des 
Harzes aber ein südöstliches Einfallen haben, so scheint es fast, als 
wenn sie sämmtlich übergestürzt wären; es ist diess indessen eine nur 
auf der Stube gebildete Ansicht, welche im Sommer geprüft werden 
muss. Einige Spezies seheinen einen sehr scharfen Horizont zu bilden 
und z. B. die Posidonomyen nur in der obersten kohligen Gruppe 
des devonischen Systems vorzukommen ; dagegen dürfte Pruıtrırs doch 
irren, wenn er das Kohlen-, das devonische und das silurische Gebirge 
für eben so scharf gesondert ansieht, wie das Kreide-, Oolith- und 
Salz-Gebirge ; wie auffallend ist es z. B., dass fast alle Korallen von 
Plymouth auch wieder im Wenlock-Kalke vorkommen, Zur Zeit bin ich 
eifrig beschäftigt, sämmtliche Arten zu lithographiren und bofie im 
Frübjahre zunächst im Rheinischen Schiefer-Gebirge Vergleichungs-Punkte 
aufsuchen zu können. Aus Berlin erfahre ich, dass Hofrath Hausmann 
bei Krantz eine sehr schöne Sammlung von Übergangs-Versteinerungen 
für das Göttinger Museum erstanden bat: allerdings eine sehr erwünschte 


312 


Bereicherung dieser Anstalt. — Mein jüngster Bruder hat eine Mono- 
graphie von Astarte bearbeitet. | 


Fr. A. Dasieal 


Kassel, 7. April 1842, 


Ihr Aufsatz über die Eis-Theorie (S. 56) ist mir wie aus der Seele ge- 
schrieben; namentlich bin auch ich schon seit lange zur Überzeugung 
gekommen , dass diejenigen Revolutionen, welche unsre geologischen 
Perioden geschieden haben, schwerlich über den ganzen Erdboden sich 
erstreckten, und dass die Erhebungen der Kontinente und der Gebirgs- 
Ketten nur in den seltensten Fällen plötzlich geschehen sind, sondern 
mebrentheils wohl Jahrhunderte und länger gedauert und, in vielen 
Fällen wenigstens, stossweise oder allmählich gewirkt haben. Hierauf 
hat mich unter Anderem die Untersuchung des Verhältnisses geführt, in 
welchem an den verschiedenen Lokalitäten Siciliens und Unteritaliens die 
ausgestorbenen zu den lebenden Arten fossiler Konchylien stehen. Ich 
theile Ihnen das Resultat dieser Untersuchungen mit. Wo nur wenige 
Arten gefunden worden sind, so dass das Verhältniss zwischen den 
lebenden und ausgestorbenen Arten durch spätres Auffinden zahlreicherer 
Arten bedeutend modifizirt werden könnte, habe ich ein * beigesetzt. 


Zahl bekannter Quote aus- 


Arten. gestorbener 
; Arten. _ 
Im nördlichen Calabrien im Allgemeinen . . . 164 ... . 0,46 


5 „ e zu Monasterace, Ost- 

Enten, lo hab NH LUN yUn Si REN 7 a Er 
Zu Cutro zwischen Catanzaro und Cotronre . 70... 045 
„ Nasiti oberhalb Reggio in 1500° Seehöhe*. 22 . . . 0,36 
Im’ Dhalides’Uamato‘: 1. 3, Se 215 ee 
Zu. Gravina' in Apulien: 2.00%. 2040 1000 0 
» Pezzo, Messina gegenüber in 100'—150° . 79 . 2. ..:0,16 
„ Carrubbare, 1 St. von Reggio in 300° . . 129 . . . 0,12 
.Möünteleona3a900% 2... 2. I a ee 
Trend NT LE, 1) 7 RER 


Im innern Siciien im Allgemeinen ww 03 SAH INOIT TE 
ZulBuccheri® ix sau Day, wesen Bi RE BT RT 
HrSyracus.* sh Bee RR TR DT er 
irGirgenti” : amt wma. u ar eh Dale Tun DOWN As 
muPdlermo .. nausifsen HR IN N TATIE TIER 20504 
visite ri sa il m a eig IE 012 
REBEBEN NET SuitITTRNERINT IRABRRPUNS TOO 
„.: Cefali; bei Catania. „510 ee. rn. OR. 0 200,085 
„  Nizzeti oberhalb der Cyclopen-Insein. . . 68 . ... 0,055 
yenllelazzon. su. ziehe Venen RB EITITT 


313 


Ich glaubte anfangs in diesen Tertiär-Bildungen Unterabtheilungen 
machen zu können, und in Sicilien ginge diess zur Noth an; allein ich 
habe es aufgegeben bestimmte Abschnitte zu machen, da für eine jede 
Lokalität das Verhältniss zwischen den lebenden und ausgestorbenen 
Arten ein andres ist. Ich zweifle gar nicht, dass, wenn man für. sämmt- 
liche Lokalitäten, wo Tertiär-Versteinerungen vorkommen, solche Ver- 
zeichnisse entwerfen wollte, alle Ziffern von 100— bis 0 zum Vorschein 
kommen würden. Was wird dann aus der Eintheilung in eocen, miocen 
und pliocen (oder richtig äocän, meocän und pleocän *)? 


-  Paitieen. 


Neuchätel, 10. April 1842. 


Durch die grossartige Unterstützung Sr. Majestät des Königs von 
Preussen ”*) bin ich in den Stand gesetzt worden, dieses Jahr meine 
Versuche auf dem Aar-Gletscher wieder aufzunehmen und durch Er- 
weiterung derselben hoffe ich Thatsachen genug über einige noch un- 
genügend gekannte Erscheinungen zu sammeln, um das Ganze einer 
Erledigung näher zu bringen. Da bei den bereits gemachten und wei- 
ter auszuführenden Arbeiten mehre Erscheinungen, die nicht so leicht 
beobachtet werden können, aufs Anschaulichste an den Tag gelegt 
werden sollen, wollte ich durch Ihr Journal alle diejenigen, die sich 
um Gletscher - Fragen interessiren, einladen, diese Gelegenheit zu 
benützen, um sich von dem Bestande der Thatsachen zu überzeugen. 
Es dürfte dazu nicht bald eine günstigere Gelegenheit dargeboten wer- 
den, und da ich wünsche, dass die gewonnenen Resultate, die es schwer 
seyn dürfte wiederholt zu kontroliren, von Niemanden bezweifelt wer- 
den können, soll mir häufiger Besuch willkommen seyn. Ich werde zu 
Anfang Juli wieder auf den Aar- Gletscher gehen und da in einer 
See-Höhe von 7600’—8000’ auf dem freien Eis - Meere ungefähr 6 Wo- 
chen lang kampiren. Von da aus lassen sielı leicht Ausflüge in der 
Nähe machen, um alle Erscheinungen ferner zu untersuchen, die nicht 
gerade dort am augenscheinlichsten sind. Für diejenigen, denen ein 
Aufenthalt auf dem Gletscher selbst zu beschwerlich erscheinen dürfte, 
bietet das Hospiz auf der Grimsel einen bequemen Zufluchts-Ort. Die 
Hütte, die ich bereits habe hinschleppen lassen , wird geräumig genug 
seyn, um mehre Personen aufnehmen zu können. Haben Sie daher die 
Güte diese Ankündigung in Ihrem nächsten Hefte aufzunehmen. 

- .. Ich ‚will diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne Ihnen 


*). Von ? aiovy: aevum: Zeitalter ; AEloV: weniger 5 TAEIOV: mehr; und kaıvos: 
Neu. 

*=) Welcher nach öffentlichen Blättern auf den Antrag der Herren vox Prvru und 
von Humeorpr Hrn. Acassız 3000 Frances jährlich zur Fortsetzung seiner Unter- 
suchungen hat zur Verfügung stellen lassen. Br. 


314 


Einiges über die neueste Produktion im Gebiete der Gletscher-Litteratur 
zu schreiben. Ich meine Hucr's Schrift „über das Wesen der Gletscher“, 
— Hosı erhebt sich vor Allem gegen die Behauptung, dass die Glet- 
scher den Fels-Boden, auf dem sie sich fortbewegen, wirklich poliren 
und abrunden. Er behauptet, diese Abrundung sey ‘eine natürliche 
Folge der schaaligen Absonderung des Granits und’ komme weder auf 
schieferigem Urgebirge, noch ‘auf Kalk vor. Dass aber die Glimmer- 
schiefer, Gneise und Halbgranite des Hassli an den Thal-Wänden wirk- 
lich polirt und abgerundet sind, wurde bereifs 1838 bei der Versamm- 
lung der Societe geologique de France in Pruntrut gemeldet. Dass 
der Kirchet oberhalb Meyringen, der dem Hochalpen - Kalke angehört, 
dass der Boden des Rosenlaui-Gletscher, der ebenfalls Kalk ist, polirt 
und gerundet sind, wurde auch schon damals angezeigt; dass der schie- 
ferige Serpentin an den Thal-Wänden und unter dem Gorner-Gletscher 
im Zermatt- Thale dieselben Verhältnisse zeigt, wurde 1839 gesehen 
und bekannt gemacht. Alle diese Thatsachen sind in den Eiudes sur 
les glaciers wieder erwähnt: davon weiss aber Hr. Hucı im Jahre 1842 
noch nichts, davon hat er nichts gesehen. Dagegen bringt er keine 
Einwendungen, und doch glaubt er sich berufen durch Zurechtweisungen 
die Welt über das Wesen der Gletscher aufzuklären. Wer möchte da 
Hrn. Hucı nieht fragen, ob die genannten schieferigen Gesteine und 
der Hochgebirgs- Kalk denn auch in grossen Massen sich schaalıg 
absondren? Ferner behauptet Hr. Hucı, die Oberfläche der Bauch - Ge- 
stalten des Granits in Oberhassli sey so rauh, als die Oberfläche des 
Granits im Allzemeinen. Hätte Hr. Hucı die Verhältnisse näber unter- 
sucht: er würde gesehen haben, wie dort der härtere Quarz zu einer 
Fläche geebnet ist mit dem Feldspath, dass neben dieser allgemeinen 
Glättung die Oberfläche geritzt ist, dass die Ritzen und Reifen auf 
langen Strecken mehre Ellen lang ohne Unterbrechung auf der Ober- 
fläche eingegraben sind, und dass von einer Verwechselung mit Gang-. 
Spiegeln keine Rede seyn kann, um so weniger als die Richtung dieser 
Furchen und Ritzen im Allgemeinen der Richtung des Thales folgt, 
hie und da und namentlich an verengten Stellen des Thales etwas ansteigt, 
und sie überall von den herunterrieselnden Bächen und von den furcht- 
baren Schnee-Lawinen im rechten Winkel durchschnitten und selten von 
denselben verwischt werden. Sehen Sie übrigens hierüber Comptes 
rendus de VInstitut, 14. Mars 1842, wo Hr. Desor nähere Details 
mitgetheilt. So viel also von diesen schon längst und vielseitig bespro- 
chenen Verhältnissen. Ich komme zu den angeblichen neuen Versuchen 
Hucr’s, die er während eines 13tägigen Aufenthalts auf dem untern 
Grindelwald - Gletscher im Januar 1832 gemacht haben will. Wie 
Hr. Hucı seine Beobachtungen über die Veränderungen der Oberfläche 
des Gletschers bei dem hohen Stande des Winter - Schnee’s gemacht 
haben mag, leuchtet nicht ganz ein. Noch weniger kann ich begreifen, 
wie Hr. Hucı mit 8 Männern, und wären es Riesen gewesen, die Fahrt 
nach dem obern Theil des Gletschers unternehmen und. mit: Allem 


315 


hinreichend sich versorgen konnte, um dort oben 13 Tage ohne Verkehr mit 
dem Thale zu bleiben „mit allem Nöthigen für 2—3 Wochen versehen“, 
Der Bedarf an Lebensmitteln allein würde 8 Männer bei der Schwie- 
rigkeit des Weges hinreichend in Anspruch genommen haben. Ich 
weiss wenigstens, dass während eines Monat-langen Aufenthaltes auf 
dem Aar-Gletscher ein Mann alle andere Tage regelmäsig, Extra-Sen- 
dungen nieht eingerechnet , mit Proviant für 8— 10 Personen herauf- 
kommen musste, dass ein anderer zur Herbeischaffung des im Sommer 
nöthigen Holz-Vorraths ebenfalls jeden andern Tag brauchte. Also war ein 
Mann beständig beschäftigt zur Erhaltung von 10 Leuten; wie sollen 
da 8 Männer bei der rauhen Jahreszeit für 9 Personen auf 2—3 Wochen 
alles Nöthige fortschleppen können und dazu Instrumente zu Beobach- 
tungen, Decken zum Schutze gegen die Kälte und Stricke und Stangen 
zu wiederholten Einfahrten in das Innere des Gletschers durch die 
‘Spalten mitgenommen haben ? Auf dieser Exkursion will Hucı zweimal 
bei einer Tiefe von 114° und 161° den Boden erreicht und Gletscher 
und Boden vereint gefunden haben. Wie diese Einfahrten bewerkstel- 
ligt wurden, wie namentlich Hucı bei seiner wohlbeleibten Gestalt von 
8 Männern ohne besondere Vorrichtung wieder heraufgezogen werden 
konnte, wird nicht erzählt. Doch verweilte Hucı lang genug in der 
Tiefe der Schrunde, um Beobachtungen mit dem Thermometrographen 
machen zu können und namentlich um zu erfahren, dass 4° in den 
Gletscher eingesenkt das Instrument immer um 0° oder etwas weniger 
zeigte. Ich halte den für sehr geschickt, um nicht mehr zu sagen, der 
es vermag, ein 4’ tiefes Loch zum Empfang eines Thermometrographen 
auf dem Grunde eines Gletscher-Schrundes zu bohren. Mir wenigstens 
wollte es nicht jeden Tag glücken auf der freien Oberfläche des Glet- 
schers bei freier Bewegung mit einer von zwei Mäunern gehandhabten 
Bohrstange so tief einzudringen. Denn um S. 125 sagen zu können: 
„Im Innern der Firn- wie der Gletscher - Masse herrscht fortwährend 
bei allen Tags- wie Jahres-Zeiten eine Temperatur die unveränder- 
lich 4° unter Null steht“ — muss er es doch auch gethan zu haben 
behaupten. 

Die Ermittelung der Temperatur der innern Masse eines Gletschers 
ist eine Angelegenheit, deren Erledigung einem jeden Freunde der 
Wissenschaft sehr am Herzen liegen muss, auf die man aber noch 
lange warten dürfte, da direkte Beobachtungen in dieser Beziehung zu 
(den schwierigsten gehören, die man auf dem Gletscher vornehmen kann; 
und ausser einer einzigen, die ich 7840 in einem Bohrloche von etlichen 
20° Tiefe gemacht, ist mir nicht bekannt, dass irgendwo Angaben der 
Art mitgetheilt worden wären; meine Beebachtungen aus dem Jahre 
1341 bis zu einer Tiefe von 140° sind noch nicht veröflentlieht *). Hr. 
Hucı weiss es aber besser, wenn er sagt: „Unzählige eigene und 
fremde Beobachtungen über das Gletscher-Eis sprechen sämmtlich 


*) Doch im /astitut durch Hrn. v. HumsorLor gemeldet. Br. 


\ 


316 
folgende Thatsache aus. Das Gletscher-Eis hat in seinem Innern allenthal- 
ben eine. Temperatur, die nie über dem Gefrier- Punkte und nie 00,5 
unter demselben steht“. Ich will Hrn. Hucı nicht fragen, woher er das 
weiss und wo er seine Bohr-Versuche gemacht hat, um die Temperatur 
des Innern des Gletscher-Eises zu bestimmen? denn .er hat mir selbst 
vor 2 Jahren gesagt, dass er nie Bohr-Versuche gemacht und dass er 
sich sehr auf meine -Resultate freue. Oder wird vielleicht Hr. Hucı 
behaupten, die Tenıperatur des Innern lasse sich aus unzähligen Beob- 
achtungen an der Oberfläche erschliessen? Etwas fällt mir. biebei sehr 
auf, dass nämlich dieser allgemeine Schluss Hucr’s buchstäblich mit 
dem Resultat der einen Beobachtung übereinstimmt , die ich bereits 
bekannt gemacht, aber gar nicht mit denjenigen, die ich später in 
grösserem Umfange angestellt und noch nicht der Öffentlichkeit über- 
geben habe, Ich hatte 171840 wahrgenommen, dass der äussre Temperatur- 
Wechsel in so weit auf die Temperatur der Gletscher - Masse einwirke, 
dass dieselbe öfters bis zu einer Tiefe von 8’—9’ gerade bis Null er- 
höht würde, in einer grössern Tiefe aber bis mehr denn 20' Tiefe fand 
ich damals beständig — 4° C. Dieses Resultat schmückt. Hrn. Hucı ge- 
genwärtig auf folgende Weise aus: „Im Sommer fand Acıssız die 
Gletscher - Temperatur von oben bis jzu 25° Tiefe — 0,33%. Ich fand 
immer etwas weniger, was wahrscheinlich den Instrumenten zuzuschrei- 
ben ist. Die meinen zeigten im Innern der Gletscher - Masse — 0,28° 
bis — 0,29°. Die rauhe Gletscher - Kruste schwankte immer naeh. der 
umgebenden Luft; war diese z. B. 5° warm, so stieg die Temperatur 
der Kruste auf + 1° bis 2°; sank dagegen die Luft- Temperatur auf 
— 5°, so fand ich in der Kruste — 1°,5. Anders als der Gletscher 
verbält sich der Firn. Bei stärker Kälte sinkt seine Temperatur einige 
Grade unter den Gefrier-Punkt, und bei starker Wärme steigt er mehre 
Grade über selben. An einem warmen Tage lockert sich der Firn in 
seinen Körnern 3’ bis 2’ tief auf, und dann sinkt von seiner Oberfläche 
bis in jene Tiefe das Thermometer von + 5° auf + 1%, 

Wohlgemerkt: es handelt sich von der Temperatur des Eises und 
nicht etwa von der der umgebenden Luft; also Gletscher-Eis von + 
2° Wärme und Firn vön + 5°! 

Weit entfernt, Ihre Kritik meiner Gletscher-Ansicht im Jahrbuch un- 
gerne gelesen zu haben, hat mich Ihre freimüthige Besprechung dersel- 
ben sehr gefreut. Nur wollen wir die Gletscher-Erscheinungen nicht 
zu: nahe mit zoologischen Gründen beleuchten *). In meiner eben 


Pr 


*) Ich glaube die zoologischen Gründe nicht auf die Gletscher - Erscheinungen, son- 
dern auf die daraus gefolgerte Hypothese angewendet zu haben, und nur in der- 
selben Weise, wie es mein verehrter Freund selbst zu thun versucht hat! Der im 
Eingange dieses Briefes enthaltenen Einladung gemäss erlaube ich mir zu. den 
in diesem Sommer zu lösenden Aufgaben einige Fragen zu stellen, Es ist zwar 
plausibel, aber noch keineswegs erwiesen, dass das Eis-Wasser jede Nacht in 
die Haarspalten eindringe, darin gefriere und die Gletscher ausdehne. Man messe 
daher in al i i rt sei i i einer 

aher in allen Theilen eines Gletschers el. an seinem Anfang, in s 


317 


fertig gewordenen Monographie der Myaceen, erste Abtheilung, die 
Ihnen in Kurzem zukommen soll, werden Sie einige Betrachtungen über 
die Grenze der verschiedenen Schöpfungen,, so wie über die Verschie- 
denheit der Arten in verschiedenen Formationen finden. Weitere Be» 
obachtungen werden wohl die jetzt abweichenden Ansichten einander 
näher bringen. Sie erhalten zugleich auch, wenn nicht schon früher, 
die erste Lieferung meines „Nomenclator Zoologicus“. 


Acassız. 


Greifswald, 31. März 1842. 


Im Binnenlande zu Quitzin habe ich letzten Sommer einige hübsche 
Ausbeute gemacht und sehr schöne Galeriten mitgebracht. Ich habe 
mich dabei aufs Neue überzeugt, dass dort die Überreste höherer Kreide- 
Schichten als auf Rügen zu Tage treten. Obenauf lagert eine Schichte 
Dammerde #’—2’ stark; dann folgt einiges Mergel-artiges Kreide-Gerölle 
und eine 3’—5' mächtige Schiehte sehr harter Kreide, welche der harten 
Kreide von Seeland sehr nahe komnit. Sie wird von der gewöhnlichen 
weichen Kreide, ganz der bröckeligen Rlügen’schen ähnlich, unterlagert 
und enthält gewiss die meisten, wenn nicht alle Arten der Rügen’schen 
Petrefakte, wovon ich mindestens schon 100 Arten gefunden habe. 
Sehr häufig ist dort Galerites vulgaris in den schönsten Exempla- 
ren und in so vielen Übergängen, dass man aus den Extremen wohl 
4 Arten bilden könnte, unter denen G. abbreviatus nicht immer mit 
Gewissheit. herauszufinden ist. Zwei neue dürften sich indess doch 
feststellen, wovon der eine grosse Ähnlichkeit mit G. albo-galerus 
hat, der andere aber vielleicht der grösste aller Galeriten ist. Darüber 
in der 4. Abtheilung der Monographie ein Mehres. Nicht minder häufig 
ist die einzige Belemniten-Art, B. mucronatus, welche eben so mit 
Schmarotzern bedeckt ist, wie auf Rügen. — Es hat mir bisher an Ge- 
legenheit gefehlt, die Pommern’schen Lager zu Gustebin und Warsin 
eben so sorgfältig zu untersuchen, wo ein ähnliches Resultat zu er- 
warten ist. 

Fr. von Hagenow. 


Mitte, an seinem Ende, um wie viel er durch jene Ausdehnung bei Nacht dicker 
und breiter wird und sich in die Länge streckt; man messe wie viel er durch 
Schmelzen bei Tag an Höhe und Breite abnehme und wie es mit seiner Voranbe- 
wegung stehe, Ist Ausdehnung des gefrierenden Wassers die alleinige Ursache 
seiner Bewegung, so kann er sich nur bei Nacht bewegen; ist die Ursache eine 
andre, so wird er es hauptsächlich bei Tag tlıun. Gletscher, die sich in ihrer 
Mitte 300°—400° jährlich voranubewezen, geben genügende Mittel zu Entscheidung 
dieser Fragen. Man messe auch die Menge des bei Tag und bei Nacht am Ende 
des Gletschers abtliessenden Wassers. Auch das Eis verdunstet unter dem Null- 
Punkt; muss denn nicht schon desswegen das Eis in allen Kanälen, Spalten, Rin- 
nen, Haarspalten im Innern des Gletschers schwinden und daher der Gletscher 
allmählich zusammensitzen:; eben dadurch sich voranbewegen? Andre Bedenken 
folgen 5. 344—347 in der Anzeige des CuarrextTier’schen Buches. 
Br. 


Jahrgang 1842, Bu 21 


Neue Literatur. 


E27} 


A. Bücher. 
1S40. 


C. Moxon: Illustrations of characteristic Fossils of British Strata 
[340 figures] , to which are added explanatory notes, London, 4° 
[12 shill.]. 

C. Moxon: the diametric Chart of the principles and Sheoyicn of Geo- 
logy in one large sheet, culoured [104 shill.], 0x mounted on canvas 
in boards [134 sbill.]. 


1841. 


H. Asıen: Erläuternde Abbildungen geologischer Erscheinungen beob- 
achtet am Vesu» und Ätna in den Jahren 1833 und 1834, mit fran- 
zösischem und deutschem Texte, Braunschweig, 8 SS, 10 Taf. gr. 
Queer-Folio [4 fl. 48 kr.]. 

L. Acassız: Recherches sur les Poissons fossiles ; Neuchätel et Soleure, 
in 4° avec Atlas in Fol. — 14 livrais. [vgl. Jahrb. 1840, 221; 
ist die vorletzte Lieferung. ] 

L. Acaıssız: de la succession et du developpement des Etres organises 
a la surface du globe terrestre dans les differens ages de la na- 
ture, 17 pp. 8°, Neuchätel. 

BaArtLert’s: Index geologieus, London [grosse Tabelle der Formationen 
mit ihren oryktognostischen und organischen Einschlüssen]. 

Bartıertt’s Index geologicus übersetzt von EsEnau und Tnomä. Stutt- 
gart [grosse Tabelle, s. o.] 

H. G. Bronn und J. J. Kaur: Abhandlungen über Gavial-artige Rep- 
tilien der Lias-Formation (mit 4 lithographirten Tafeln in 9 Blät- 
tern und 1 Vignette) in Fol., Stuttgart [fl. 5. — Rthlr. 3 4 ger.]. 

E. Desor: V’Ascension de la Jungfrau, effectuee le 28. avüt 1S41 par 
MM. Acıassız, FoRBES, DU CHATELIER et DESoR, precedee du 
Tecit de leur traversde de la mer de glace du Grimsel a Viesch 


319 


en Valais (tir& de la Bibliotheque universelle de Geneve, Non, 
1841) 56 pp. 8°, 2 cart. 

Durrenox et ELıe pe Beaumont: Carte geologique de la France sous 
la direclion de Mr. BRoCHANT DE VILLIERS; 6 feuilles coloriees 
et un tableau d’assemblage egalement colorie, Paris, ful. 

Durrenoy et Erıe DE Beaumont: Explication de la carte geologique 
de la France etc., Paris, 4°. 

Eow. Hırcucock: First Anniversary Adress before the Association of 
American Geologists at their second annual meeting in Philadel- 
phia, April 5, 1841 (50 pp.) New-Haven [bei SınLıman, 25 Cents]. 

A. Pricuarn: a history of Infusoria, Ka and fossil, London, 8°. 

J..Sowersy: Mineral-Konchologie u. s. w. [Jahrb. 1842, 104], übers. 
von Acassız, Lief. VIIL (8. Taf. 138 — 157), Braun- 
schweig [3 Thlr.]. 

F. Unser: Chloris protogaea, Beiträge zur Flora der Vorwelt, Leipzig; 
4°, Heft I, ıv, ıv und 16 SS., v Tafeln, 


1842. 


W. M. Hıccıns: the Book of Gevloyy, being an Elementary Treatise 
on that Science; tho which is added an Account of the Gevlogy 
of the English Watering Places, with col. plat., London, 8°. 

F. J. Hucı: über das Wesen der Gletscher-und Winter-Reise ın das 
Eis-Meer, Stuttgart, 135 SS., 8°. 


B. Zeitschriften. 


1) Memoires de la Societe ee de France, Paris, 4° 
[vgl. Jahrb. 1842, 104]. 

1841, IV, ı1, p. 229—365, pl. xıt—xvı. 

J. CornveL: Abhandlung über das untre Kreide- und obre Jura-Gebirge 
im Kreise Vassy, Haute-Marne, S. 229— 278, Tf. xın—xıv. 

J. CorsveL: Notitz über die Haupt- Merkmale der Felsarten zwischen 
den: gefleckten Portland-Kalk und dem geodischen Eisen desselben 
Departements, zur Erleichterung der Grenz-Bestimmung zwischen 
den Jura- und Kreide-Gebilden daselbst, als Fortsetzung voriger 
Ablıandlung, S. 279—290, Tf. xv. 

A. Leymenıe: Abhandlung über das Kreide - Gebirge des Aube- Dept. 
mit allgemeinen Betrachtungen über das Neocomien, S. 291—364, 
Tf, xv1s; xvır [>> Jahrb. 1839, 464-466]. 


2) Annales des Mines etc. [Jahrb. 1842, 105]. 
1841, no. ı1, 113; XIX, 11, ıı1, S. 238—850, pl. m —ıx. 


A. PaıLLEtTe: Abhandiune über Lagerung, Ausbeutung und Behandlung 
des Eisen -Erzes in den Umgegenden von Almeria und Adra in 
Andalusien, S. 239 — 266; 

9X] * 


Pe 


320 


F. J. Neweorp: über den jetzigen Zustand des Ätna, S. 387—389. 

Mineral-Chemie : Auszug der Arbeiten von 1840, S. 391—546. 

Durocner: Untersuchungen über Felsarten und Mineralien der Feröer, 
S. 547—592. 

en Chemie: Auszug der Arbeiten von 1840, S. 599-748. 


3) Transactions of.the Manchester : Society, 
London, 8°, Vol. I, 1841. 


4) Der Bergwerks-Freund, ein Zeitblatt für Berg- und 
Hütten-Werke, Gewerke ete., Eisleben, 8° [vgl. Jahrb. 1840, 


591]. 
1841, III, Forts.; und IV, no. 1—12 ( wöchentlich 1ı Nummer, | 
1842, IV, no. 13 ff. 36 Nummern 1 Baud. 


5) Jahrbuch für den Berg- und Hütten-Mann für 1842 (214 
SS. 8°, 1 Tab. und 2 Taf.), Freiberg [20 N.Gr.). 


6) Actes de la Societe helvetique des sciences naturelles, 
assemblee a Friboury le 24— 26. Avut 1840, 23° session ; 
Fribourg (253 pp.), 8°. 


7) L’Institut, 1. Sect. Sciences mathematigues, physiques 

et naturelles, Paris, 4° [vgl. Jahrb. 1842, 237]. 
IX. annee, 1841, Dec. 6—28, no. 415—418, S. 417—452. 

BaRLETT, Austen, BucKLAND, LyTte, DE Lı Bec#e: posttertiäre Bildungeu 
und Höhlen in Cornwall und Devon (Brit. Assoc. Plymouth, 1841), 
8. 421—422. 

Sesuin: Artesischer Brunnen zu Claye (Akad. 6 Dee.), S. 426. 

Bourson: neues Verfahren um schöne Krystalle von Kupfer -Sülfit zu 
erhalten (i5.), S. 426. 

DE QUATREFAGES: Geologie der Chausey-Inseln (Soc. philomat., Nov. ein 


S. 426—427. 
PricnH: alte organische Reste von Cornwall u. s. w. (Brit. Assoc. 1541), 
S. 428. 


Jorpan: galvanische Kopie’n von Fossilien (ib.), S. 428. 

Wırriams : vulkanische Produkte um Plymouth (ib.), S. 428. 

Revrıero: fossile Fische im Rothen Sandstein von Connecticut: 5 Pa- 
laeoniscus- und 3 Catopterus- Arten (Assoc. Amer. Geol PR 
S. 430. 

Vınuxem: Fährten erloschener Vogel-Arten im Neuen rothen Sandsteine 
von Massachusetts und Connecticut (ib.), S. 430 [= Jahrb. 7841, 739]. 


% 


321 


Vanuxem: alte Kg auf der Allantischen Küste der Vereinten 
Staaten (tb.), S. 431—432 [= Jahrb. 1842, 248]. 

Durerrer: Kälte- Eh der nördlichen Hemisphäre (Soc. Philomat., Dec. 4), 
S. 434—435. 

R. E. Rogers und Jackson: über Dolomit (Assoc. Americ, Geol., 1841), 
S. 439. 

Maruer und Jackson: Sulheh in Ur- , Übergangs- und Sekundär - Ge- 
steinen (ib.), S. 439. 

Marner , H. D. Rocers, Locke, C. T. Jackson: erratische Blöcke im 
Diluvial-Gebirge (ib.), S. 439—440. 

Tayror und H. D. Rocers: Steinkohlen-Gebirge in Pennsylvanien (ib.), 
S, 440. 

Horser: Zahn - System des Mastodon (Americ. philos. Soc.), S. 449 
= Jahıb. 1841, 619]. 

SuerarD: Gediegen- und Meteor-Eisen von Oswego und Giulford (Amer. 
Journ.), S. 451—452. 
X. annee, 1842, Janv. 3 — Fevr. 24; no. 419—426, p. 1—72. 
Araco: artesischer Brunnen von @renelle (Acad. Frang. 3. Jänn.), S. 2. 
DurzrreyY: über 2 nördliche Kälte-Pole (Soc. Philomat. 4. Dec.), S. 3, 
Dauseny : Dolomit-Zersetzung in Tyrol (Brit. Assoc., 1841), S. 4. 
NicorLer: geologische Beobachtungen über den Mississippi (Assoc. 
Americ. geol., 1841), S. 6. 

Hovsnron: Metall-Gänge im südlichen Michigan (ib.), S. 6, 7. 

MaARrRcEL DE Serres , „Tripoleenne“: ein neues dem Tripel analoges Mi- 
neral (Acad. Frang., Janv. 10), S. 10. 

Owen: fossile Reptilien in Gross- Britannien (Brit. Assoc., 1841), S. 11—13. 

H. E. SrrickLıno: Cardinia Ac., ein für den Lias als bezeichnend an- 
gesehenes Mollusk (ib.),: S. 13. 

M. E. Moore: Ion er Reste bei Plymouth, und Diskussionen. 

| (ib), S. 13—14. 

E. Eienwarn: Ichthyosauren und Ceratiten in Russland (Acad. St. 
Petersb., 1840), S. 16. 

-J. Jounston : neue Beryll-Varietät (Sırrım. Journ. > Jahrb.S.326), S. 19. 

Gramm: heisse Quellen in Grönland, S. 40. 

RB. Owen: 6 neue Arten fossiler Chelonen (Geolog. Soc.), S. 44—45. 

Kersten: fossiler Menschen-Schädel, S. 47—48 [Jahrb. 1841, 703]. 

Burat: Geologie des Kohlen-Beckens in Saöne-et-Loire (Acad. scienc., 

„1842, Fevr. 7), S: 50. 

HB D’Orzıenr: zoologisch- geologische Betrachtungen über Rudisten 
(das.), S. 51. 

"A. D’Orzıieny: Instrument zu Messung des Spiral- Winkels der gewun- 
denen Konchylien (Soc. Philom. und Paleont. Franc.), S. 52. 

Martıns: Beobachtungen über die Gletscher. (das.), S. 52—53. 

Fourser: Geologie der Alpen zwischem dem Wallis und Oisans. "Ge- 
birge und Erz-Lager in den Alpen und Toskana (Soc. Phil.), S.59— 60. 

Einsenkung, des todten Meeres, S. (35) 64. 


322 


©. Kunsten : Ergebniss der Experimente, um im N Vana- 
dium zu suchen, S. 64 (Posen Ann.). 

Rozer: Ungleichbeiten der Erd-Rinde, S, 68 Jahrb. 1841, 603). 
Baırry: artesischer Brunnen im Militär-Hospital von Lille Ach: Scienc., 
‘ Fevr, 21),.8. 66. wa, 

Moore: artesischer Brunnen zu Plymouth (Brit. Assoe a S. 68. j 
Buckrınp: Schnecken-Löcher in Feisen (das,), S.: 68. 

Psırvies: Alter der Formationen in Devon (das.), S. 68. 

Bove: Feldspathe der Urgesteine des Delaware. (Philad.: Soe.), 8.70. 
Anschüttungen an der West-Küste Frankreichs [Jahrb. 1842, 447]; B.:72,: 
Beıenungaen’s Aerolithen-Regen, 8. 72. 


8) B. Sırrıman: the American Journal of Science and Arts, 
New-Haven, 8° (vgl. Jahrb. 1841, 575]. | 
1841, Juli, Oect.; XLI, 1, 2, S. 1—216—1408. 
W. C, Reverenp: über Amerikanische fossile Fische, S. '26—28. 
W..C. Reprıewv; über einen Tornado zu New - - Braunschweig , a: 
19. Juni, S. 69— 79. 
R.C. Tıyror: Notitz über ein Modell vom westlichen Theil des Schuyl- 
fill- oder südlichen Kohlenfeldes in Pennsylvanien, S. 80—92, 
Versammlung der Amerikanischen Geologen in Philadelphia, S. 158—189. 


Miszellen: Proceedings ofthe Geological Society of London, 
S. 190. — Ehemalige ‚Gletscher in Schottland, S. 191. — Neue 
Infusorien in Steinsalz, S.. 183. — Acassız und seine Werke, S. 194. 
— Skizze der Geologie N.-Amerika’s, S. 195. — Vulkanische Phä- 
nomene auf Hawaii, S. 200. — Fossile Schildkröten und Saurier, 
S. 404. — Geologische Zeichnungen, 8.206, — Gletscher; Morä- 


nen; MurcHison im Ural, S. 207. — Fossile Foraminiferen im Grün- 
sand von New-Jersey, S. 213. — Entdeckung einer regelmäsigen 
Steinsalz - Formation in Virginien, S..214. —. Verhandlungen der 
Akademie zu Philadelphia, S. 215. 4,6] 


E. Hırcncock: erste Jahrtags-Rede vor der een Re u Ame- 
rikanischer Geologen in Philadelphia am: 5. April 1841, S.232—275. 

J. W. Baızey: Skizze der Infusorien aus der Familie: der Baeillärien 
mit Rücksicht auf die wichtigsten der im lebenden oder im fossilen 
Zustand in den Vereinten Staaten vorkommenden Arten, S. 284—306. 

J. T. Hopge: Beobachtungen über die Sekundär- und Tertiär-Formationen 
in. den‘ südlichen Atlantischen Staaten, mit einem ‚Anhang: von 
ConkaD, S. 332—348, 1 Tafel. 

3.C. Booru: Analyse verschiedener Blei-,:Silber- ,: Kupfer-, Zink - uud 
Eisen - Erze von .King’s Mine, .N.-Carolina, S. 348—352.. 0) 

Cu. U. SHuerasp: über 2 Varietäten von lolit, S:.354—8358; + 

-Miszellen: Baımey: Polythalamien im  obern.. Mississippi ; Ss. 400. 
FORCHHAMMER: neue Substanzen in Torf, Sı-402, 


EG 


323 


9) Cir. Moxon: the Geologist, a montlhily record of investiga- 

_ tions and discoveries in Geology, Mineralogy and their 
associate sciences, London, 8°. 

1842, January, I, no. 1, ı1, 111, p. 1—94, pl. 1, a. 

Einleitung, S. 1—2. y 

Periodische Zusammenfassung: die Eis-Theorie, S. 3—14. 

Original-Mittheilungen: J. Buckman: Lias-Schichten bei C'heltenham, S. 14. 

Verhandlungen der Sozietäten: der geologischen zu London 1841, Nov. 3; 
zu Manchester, Oct. 2, S. 20—29. 

Bücher-Schau: Manchester Transactiouns I; DuvaL-Jouve, S. 29—32. 

Monatliche Notitz, 1. Februar, S. 33—36. 

Original-Mittheilungen: C. B. Rose: über Rinder-Knochen im Thon von 
Norfolk ; p’Orsıgny über Ammoniten [aus der Paleontologie Fran- 
caise!), S. 36—45. 

Verhandlungen der Sozietäten: der geologischen zu London 1841, 
Dee. 1, 15; und zu Manchester, Dec. 16; zu Dudley 1842, Jänn. 17, 
S. 45—61., 

Bücher-Schau : StEININsErR Saar-Gegend, S. 62—64. 

Monatliche Notitz, 1. März, S. 65—66. 

Original-Mittheilungen: ArLLrorr: ein Lophiodon-Zahn unter Londonthon; 
D’ORBIGENY: Ammoniten, Fortsetzung; Gorpon Schmelz - Punkt der 
Metalle, S. 66—84. 

Miszellen: Zerlegung des Sillimanits, Anthosiderits, S. 84—85. 

Sozietäts - Verhandlungen zu Manchester, der Akademie zu Paris, 
Ss. 85—91. 

Bücher-Schau : ou Roquan RBudisten, S. 91—94, 


——___ 


10) Erman’s Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russlund, 
Berlin, 8° [vgl. Jahrb. 1842, 107]. 


1841, I, nı, S. 423—596, Taf. ıı, ıı1, 


H. R. Görrert: über ein in Wolhynien gefundenes versteintes Holz, 
so wie über das Studium der versteinten Hölzer überhaupt, S. 493 
—513, Tf. ın. 

A. Erman: über: Tbier- Fährten im Livländer Sandstein nach FiscHer 

von Warpneim [Jahrb. 7840, 737], S. 526—528, Tf. ıu, Fg. 1. 

A. Enman: über vermeintliche Ichniolithen bei Buchtarminsk (sind 
Kunst Erzeugnisse), S, 529—533, Tf. sr, Fg. 2. 

A. Erman: die Entstehung‘ der Imatra-Steine nach E. Horrmann , PARr- 
RoT und EHrRENBERG, S. 534—544 [Jahrb. 1840, 679, 714]. 

A. Erman: Beiträge zur Klimatologie des Russischen Reiches, I. Ab- 

"schnitt, S. 56%— 580- 

A. v. Meyenporrr’s und seiner Begleiter Bericht über ihre Reise im 

Europäischen Russland im J. 1840, S. 580 — 589 [mitbegriffen im 
Jahrb. 1842, 91 —95]. 

Von zwei in Russland vorkommenden Versteinerungen, Tf. m, einem . 


324 


lehthyedorulithen (Fg. 3) und einem Baier n 4) Aa 1840, 
136], S. 592—595. 


11) H. Kröver%® Tidskrift for Naturvidenskaberne, Kjöben- 
havn, 8° [vgl. Jahrb. 1841, 110]. | 


1840, III, 1—306, m. 3 Taf. (nach der Isis). 


Luso: Hinblick auf die Thier- Welt Br asiliens vor der letzten Erd-Um- 
wälzung (aus @versigte:n over det kgl. Danske Videnskabernes 
Selskabs Forhandlinger i 1838), S. 85—101 > Isis 1841, 686— 692. 

Lunp: spätre Berichte (ebendaher, 1839), S. 700--703 [vollständiger im 
Jahrb. 1840, 120—125)]. 


12) The London and Edinburgh Philosophical Mayazine and 
Journal of Science (incl. the Proceed. of the geol. Soc, of. 
London), Lundon, 8° [vgl. Jahrb. 1842, 106]. 

41841, Sept., Oct., XIX, ım, ıv, no. 123, 124, p. 177—336. 

W. H. Mirrer: über Form und optisches Verhalten des Anhydrits, 
S. 177— 178. A 

C. Darwin: über eine merkwürdige Sandstein - Barre vor Pernambuco 
an der Küste Brasiliens, 8. 257—260 [>> Jahrb. 1842, 243]. 

Proceedings of the Gevloyical Society 1841, Jänn, 20 — Febr. 3, 
S. 315-325 [vgl. 1841, 689]. x 

R. Owen: über die Zähue von Labyrinthodon u. s. w., S. 315— 
318 [>> Jahrb. 1841, 629—630]. 

Ta. Austin: Beobachtungen über Hebung der.Küste von Waterford 
Haven in der Menschen-Periode, S, 318—320. 

Cu. Lyere: Süsswasser-Fische von Mundesley, von Agassız bestimmt, 
S. 320—321. & 

W. Hoezıns: geologische Struktur des Wealden-Distrikts und des 
Bas-Boulonnais, S. 321—325. 

Proczedings of the Chemical Society. of London, 1841, Mai 11 — Jwii 
(S. 328—333). 

Yorke: über ein Stück künstlichen Arragonits, S. 330—332. 
Kunrmann: Verkieselung des Kalksteins, S, 332 [>> Jahrb. 1842, 242). 

Wesster’s Aukündigung von Vorlesungen auf dem neuen Lehrstuhl 

der Geologie am Collegium zu London, 3.538. 


C. Zerstreute Aufsätze. 

F.W. Horz: Übersicht der in Bernstein und Anime-Gummi 
bekannt gewordenen Insekten (Transact. of the London 
enltomul. Society, 1836, I, 133). 

H.v. Meyer: über das Vorkommen von Lebias Meyeri Ac, im Thone 
von Frankfurt (Museum Senkenbergianum, I, 288). 


———— men 


Auszüge 
| we 


A. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


J. Domzxıko: Analysen verschiedener Kupfererze aus 
Chili (Ann. des Min., 3me Ser., XVIII, 82 cet.). 1) Kupferkies, 
meist derb, selten krystallisirt; aus den ‚Gruben: a) de los Sapos, 
b) de Villador, c) de la Iguera, und 2) Bunt-Kupfererz, stets derb 
und mitunter in sehr beträchtlichen Massen, aus den ‚Gruben: d) de 
Tamaya, e) de los Sapos, f) de la Iguera. 


1. Kupferkies. 2. Bunt-Kupfererz. 
Te DU nn 7 
a) b) ce) g) e) f) 


Kupfer sin. 428,9.3657 kr in AI 565 
Busen. 45) 24.312648 0,26,0 51132; kr) 1, 5149117577. 19,2 
Schwefel 2. .29,0 . 33,8. 30,6 '.20,8. 23,1. 20,5 
Ganoarkinar.. 1,04 u u ILS 


99,7 . 98,1 . 100,9 . 96,7 . 100,0 . 100,1 


Tu. Taomson: über die um Glasgow vorkommenden Mineral- 
Substanzen (Phil. Mag. Dechr. 1840, 402 cet.). Die Gegend um 
"Glasgow — Lead Hills, Wanlock Head, die Gebirgs-Züge auf beiden 
Ciyde-Ufern, die Hügel-Reihe jenseits Greenock und Port Glasgow bis 
Kilmacolm — gehört zu den an Mineralien besonders reichen. Wäh- 
rend der Regierung Jako IV. wurde die Grube von Lead Hilis als 
„Goldwine“ bearbeitet. Das hauptsächlichste Erz ist Bleiglauz uud 
dessen gewöhnliche Gangart Barytspath; Kalkspath und Arragon kom- 
men in Menge und nicht selten sehr schön krystallisirt vor. Ausserdem 
finden sich in Lead Hills: Blei-Vitriol, koblensaures Bleioxyd, 
schwefelsaures Bleioxyd mit Kupferoxyd, kohlensaures 
Bleioxyd 'mit schwefelsaurem Bleioxyd, schwefelsaures 


326 


Bleioxyd mit drei Atomen kohlensauren Bleioxyds, phos- 
phorsaures Bleioxyd, kohlensaures Bleioxyd mit schwefel- 
saurem Bleioxyd und mit Kupferoxyd, phosphorsaures Blei- 
oxyd mitchromsaurem Bleioxyd, und vanadinsaures Bleioxyd. 
[Wir übergehen die vom Vf. beigefügten Bemerkungen, weil sie sämnt- 
lich durch mineralogische Hand- und Lehr-Bücher, so wie durch Jour- 
nale bereits bekannt geworden.] — Die Hügel von Kilpatrick, welche 
das Olyde-Thal von Stockey bis Dumbarton begrenzen, bestehen aus 
sog. Trapp - Gesteinen. In den Blasenräumen finden sich: Stellit 
(schneeweiss; in Krystallen, welche wie Strahlen von mehren Mittel- 
punkten ausgehen; Eigenschwere — 2,612; chemische Formel — 
4CaSz + M3Sz +AIS- 21 ag); Thomsonit; Natrolith; Me- 
solith; Scolezit; Glottalit: (die, Abstammung der Substanz von den 
Hügeln hinter Port Glasgow noch zweifelhaft; Mer scheinbar (?) in 
Oktaedern En glasglänzend; spez. Gew. — 2,181; Formel: 
CaS-+ AIS;% + 3 ag); Laumontit; Chabasie; Kuala Clu- 
thalit (nahe bei‘ Dumbarton in den Hügeln von Kilpatrick gefunden ; ; 
bildet grössere rundliche aus Krystallen, scheinbar rechtwinkeligen Pris- 
men bestehende Massen i im Mandelstein ; fleischroth; fast undurchsichtig; 
glasglänzend; spez. Gew. = 2,166; Formel: 4 (Al + Ms) S; + 
(S N) S +3 ag); Stilbit; Heulandit. Hermotom. — Koh- 
lensaure’ Magnesia wurde neuerdings zu Bishoptown entdeckt, 
Ausserdem findet man in der oben bezeichneten Gegend: Wollasto- 
nit; Prasolit (lauchgrün; besteht aus sehr locker verbundenen Fa- 
sern; Eigenschwere — 2,311; Gehalt: Wasser , Kieselerde, Magnesia, 
Eisenoxydul, Thonerde und walırscheinlich (?) auch Natron); Fluss- 
spath (u. a. bei Gourock);.Prehnit (in grösster Häufigkeit); Labra- 
dor (als Gemengtbeil einer. Grünstein-Erde); Kipatrick - Quarz (in 
Mandelsteinen 'Kugeln von. Haselnuss-Grösse bildend; gemengt mit 
Stilbit und mit Kalkspath;. spez. Gew. — 2,525; enthält neben der _ 
Kieselerde 2 Prozent Wasser und eine Spur von Schwefelsäure; ein 
ähnliches Mineral ist aus Neu-Schottland nach England gebracht wor- 
den); Schwefel-Cadmium (Greenockit). 


‘rt 


- RAMMELSBERG: über das sogenannte schlackige Magnet- 
eisen aus dem Basalt von Unkel am Rhein (Pogsenp, Annal. .d. 
Phys. Lil, 129 u. S. w.). Die Analyse ergab: | 


„ Eisenoxydul Me, 2, 604 EAREN ’ 
alı uns - RE Ih N „Li F 
Eu | _ Titansäure . . . 39,6... 

‚ i ‚ Bau ıı rar unlbias EB WAZ TIL RZ ZZ 


100,0.) 


J. Jonsston: neue Varietät von‘ B eryli:z u. Haddam, in. Con- 
neeticuti entdeckt. «Sırııman Amerie. Jowrn. XL, 401.cet.)..” Farbe 


327 


berggrün;  Eigenschw. = 2,716 — 2,719. Vorkommen auf einem im 
Gneise aufsetzenden Feldspath-Gange, y 


— 


'Wäißsner: über den Pouchkinit (Bullet. de la Soc. Imp. des 
Naturalistes de Moscou ,' Annee 1841, Nr. I, 112 cet.). Vorkommen 
unfern des Hüttenwerkes Neyvoroudiansk im Ural in Quarz-Trümmen, 
welche in rötblichem Thon liegen. „Zwiebelgrün“ oder „fahlgelb “, je 
nachdem die Krystalle in paralleler Richtung mit der Axe, oder unter 
einem rechten Winkel mit derselben betrachtet werden. Glasglanz. 
Sechsseitige Prismen, nur selten deutlich 'ausgebildet. Bruch uneben, 
zum Muscheligen sich neigend. Härte’ == 6,7. Blass olivengrünes 
‚Strich-Pulver. * Eigenschwere = 3,066. Resultat der ‚Analyse: 

Fear Kieselerde . ; : 38, ‚885 
Thonerde . . . 18,850 
Eisenoxyd . . Ay 16, 340 


Manganoxyd . . 0,260 
Kalkerde . . . "16,000 
Falkerden ur... 6,100 
N ie LE, 
Lithion 1 Se LO 

99,665. 


bb: A. Necrer:, krystallisirtes Talk-Hydrat auf dem Ei- 
lande,Unst (Bibl. univers., nouv. ser. XXVII, 371). Der Gang, in 
‚welchem jene Mineral- Substanz im. Serpentin - Fels vorgekommen und 
der alle Handstücke geliefert hat, welche sich in Europäischen Minera- 
lien- Sammlungen finden, ist gänzlich erschöpft; nur hin und wieder 
kommt das Talk-Hydrat in der Nähe noch auf sehr schmalen Adern 
vor,, ‚Die vom Verf. beobachteten Krystalle sind, sehr kleine entrandete 
‚sechsseitige Prismen, deren P-Fläche in ihrer Ausdehnung bei weitem 
‚vorwaltet; in ‚der Richtung dieser Fläche liegt auch der einzige deut- 
liche Durchgang. 


—_—_ 


Derselbe. Vorkommen vom Arragon in Schottland (a. a. O.). 
Das Mineral findet sich”ebenfalls auf ‘dem’ Eilande Unst, indem nänı- 
lichen -Serpentin-Fels‘, welcher ‚den‘ Gang von Talk -Hydrat umschloss. 
-Die’Wände kleiner Spalten sind 'mit “Arragon -Krystallen  überkleidet. 
‚Bis jetzt’ kannte man in a nur. die’ ing Art mr Mineral- 
Substanz. 


"W.iF, Fürst zu Saum - Horstmar: Zerlegung‘ des." Dorfs von 
Coesfeld (Possenp. Ann.'d. Phys.'LII, 624)  0,299'Grm; Torf gaben 


328 


0,024 Gran. Salmiak; dieses entspricht 0,0063 Grm. Stickstoff; bier 
enthält der nina Torf 2,1 Proz. Stickstoff. 


A. Breituaupr : über den Bismutit, das kohlensaure Wis- 
muthoxyd (a. a. ©,, S. 627 f.). Auf der Eisenstein - Grube Arme 
Hülfe zu Ullersreutk bei Hirschberg im Reussischen Voigtlande findet 
sich u; a. in einem hornigen Brauneisenstein: Gediegen - Wismuth, 
Wismuth-Glanz und -Hypochlorid, erstes in eingesprengten oder kleinen 
Partie’n, das zweite in eingewachsenen Nadel-förmigen Krystallen, auch 
derb. . Beide ‘metallischen von Kupferkies. begleiteten Mineralien sind 
zuweilen an ihren Rändern und an der Oberfläche, gewöhnlich aber 
durch und durch in eine blassgraue oder grüne Substanz umgewandelt, 
die mehr oder weniger rein aus kohlensaurem Wismuthoxyd besteht. 
Äussere Kennzeichen: Glasglanz in den reinsten Partie’n, selten lebhaft ; 
der aus Wismuthglanz entstandene Bismutit berg- und unrein zeisig- 
grün, selten strohgelb; der aus Gediegen-Wismuth entstandene gelblich- 
grau, Stroh- und Erbsen-gelb; Strich in den dunkelgrünen Abänderun- 
gen grünlichgrau, sonst farblos; undurchsichtix bis an den Kanten 
durchscheinend; Nadel-förmige After-Krystalle, eingesprengt und derb; 
Bruch muschelig, uneben, zum Theil fast erdig; Härte zwischen 54 
und 44; sehr spröde; spez. Gewicht — 6,864— 6,909. — Grüne, gelbe 
und graue Abänderungen lösen sich in Säure vollständig auf. Nach 
PrArTtner’s chem, Untersuchung besteht das Mineral hauptsächlich aus 
kohlensaurem Wismuthoxyd, welches nicht frei ıst von Eisen, Kupfer- 
oxyd und Schwefelsäure. — Auch im Erzgebirge ist der Bismutit 
vorgekommen: zu Schneeberg, aus umgewandeltem Gediegen - Wismuth 
entstanden, und im ee Revier auf Bergmännischer- 
rn LEN 


BE 


Krınz: über von Korenr’s Conikrit und den Pyrosklerit 
‚(Karsten und v. Decnen Arch. f. Min. XV, 378 u. s. w.). Beide Substan- 
zen — welche, unfern Porto-Ferrajo, der Hauptstadt auf Elba, Gänge 
in Serpentin zusammensetzen — scheinen, wenn man sie an Ort und 
Stelle mit ihrem Nebengestein vergleicht, nicht viel Anspruch auf 
Selbstständigkeit machen zu dürfen. .Conikrit dürfte ein verhärteter 
Talk seyn, der sich auf Ablösungs-Klüften, wie nach der Begrenzung 
mit Serpentin hin, immer noch charakteristisch hervorhebt. . Da, ‚we,er 
dem Bespülen des Meeres ausgesetzt ist, sondert er sich ‚auf der’ Ober- 
fläche körnig ab,’ Durch eine gleiche Umwandelung aus Diallag scheint 
auch der Pyrosklerit hervorgegangen zu seyn. 


G. Rose: Xanthophyllit, eine neue Mineral-Gattung 
(Pogsenp. Ann. d.'Phys. L, 654 ff). Bildet' in Talkschiefer eingewachsene 


329 


kugelige Zusammenhäufungen von einem Zoll und darunter Durchmesser, 
die an der Oberfläche mit einer Menge kleiner Magneteisen -Krystalle 
besetzt sind. Der Kern der Kugeln besteht aus Talkschiefer, um welchen 
der Xanthophyllit eigentlich nur eine 3 bis 4'' dicke konzentrische 
Hülle ausmacht. Die Hülle selbst besteht aus breitstängeligen oder 
‚schaaligen Individuen, die exzentrisch zusammengehäuft sind und nach 
innen zuweilen die regelmäsigen Umrisse von sechsseitigen Tafeln er- 
kennen lassen. Farbe: Wachs-gelb; in dünnen Blättchen durchsichtig ; 
auf der Spaltungs - Fläche ziemlich stark Perlmutter - artig glänzend; 


Härte, wie jene des Feldspatlis; spez. Gewicht = 3,044. Vor dem 
Löthrobre in der Platinzange unschmelzbar; mit Borax leicht zu grün- 
lichem durchsichtigem Glase fliessend. — Die angestellten Versuche, 


welche in der Urschrift nachzusehen sind, ergaben, dass das Mineral 
aus Thonerde, Kalkerde, Natron, etwas Eisenoxyd und Kieselsäure zu- 
sammengesetzt ist; von Flusssäure, Talkerde und Kali keine Spur. — 
Vorkommen in den Schischimskischen Bergen bei Slatoust, 


Jacquzrraın: über das Platin (Ann. de Chim. et de Phys., LXXIV, 
213 cet.).. Wahrscheinliche Krystall-Form ist ein regelmäsiges Oktaeder. 
Durch BoussinsauLt wurde das Vorkommen auf einem Gold-führenden 
im Diorit aufsetzenden Gang zu Santa-Rosa in Columbien ausser Zwei- 
fel gestellt. 


H. Rose: über die Zersetzung der in der Natur vorkom- 
mende Aluminate (PocgEnD. Aunal. d. Phys. LI, 275 fi... Zu einem, 
Auszuge nicht geeignet. 


E. Scuwsizer: Analyse des Porphyrs von Kreutznach (a. a. O, 
S. 287 ff). Der Porphyr — dessen Feldstein-Grundmassen eine Menge 
kleiner Feldspath- und Quarz - Krystalle enthält, bisweilen auch etwas 


tombackbraunen Talkglimmer — besteht aus: 
--Kieselerde - - De Pe 70,50 
Thonerde } ; - - . 13,50 
Eisenoxyd ; - } s 5 5,50 
Kalkerde ’ i - - 0.25 
Talkerde .  . : R s } 0,40 
Kalı.. . 5 } 5 x : 5,50 
Natron . . . . . . 3,55 
Ehlor . Nur were 0,10 
Wasser . 5 . . . 0,77 


100,07 


330 


Bei der: vulkanischen Bildungs - Weise des Porphyrs erklärte‘ man 
sich das bekannte Auftreten der Sool-Quellen bisher so, dass die Soo- 
len ihre Nahrung von Salz- Thon hätten, der Gang-artige Klüfte füllte. 
Ursprünglich‘ dürften die Chlor-Metalle im Porphyr enthalter seyn. Das 
aus der Tiefe zufliessende Wasser zieht dieselben, so wie die übrigen 
Bestandtheile der Quelle, unter Mitwirkung von Wärme, hohem Druck 
und Kohlensäure aus den: Gesteinen selbst. Daneben lassen ‚sich: immer 
noch grössere oder geringere Anhäufungen von Salz-Massen- UNEIEREAENG 
die zur Ernährung der Quellen beitragen. 


.Pm. Warter: über fossiles Wachs aus Gallizien (Ann. de 
Chim. et de Phys. Oct. 1840, 214). Vor einigen Jahren wurde 
bei Truskawica ein fossiles Wachs ‚entdeckt, welches 2 bis 3 Meter 
tief in Lagen von Sandstein und-von EI Thon VkOBRuE Die 
Analyse ergab: 


Kohlenstoff > ; 85,85 
Wasserstoff ; s 14,28 
100,13 


Ta. Scurerer: über den Euxenit (Poccenn. Annal. d. Phys. 
L, 149 #.). Fundort: Jölster im nördlichen Bergenhuus-Amt in Nor- 
wegen. Verhältnisse des Vorkommens sind dem Vf. nicht bekannt. Das 
Mineral ist bräunlichschwarz, in dünnen Splittern röthlichbraun durch- 
scheinend, metallisch fettglänzend und von unvollkommen muscheligem 
Bruche; keine Spur von krystallinischer Struktur. Spez. Gew. = 4,60. 
. Chemischer Gehalt: 


Tantalsäure (Titansäure-haltig) . . ; 49,66 

Titansäure . - : ; . - BR 7,94 
" Yttererde . Ä i % x E : 25,09 

Uranoxydul . . L B EAN, a 3: 


Ceroxydul . - : s ; - 5 2,18 
Lanthanoxyd ‘ 2 : > - . 0,96 
Kalkerde . Al . Ä R ; 2,47 
Talkerde av, E - Ä 5 k 0,29 
Wasser ; $ ; Ehe ; ' 3,97 

98,90 


Es sollen die Zahlen-Verhältnisse jedoch nur als von annäherndem 
Werthe zu betrachten seyn. Der Name wurde nach den vielen seltenen 
Bestandtheilen gebildet, welche die Substanz enthält. 


G. Rose: Mittheilung von Untersuchungen über die Zu- 
sammensetzung des Feldspaths und anderer verwandter 


331 


Gattungen, ausgeführt von verschiedenen BR Chemi- 
kern (a..a..0. LII, 465 ff.). 

1. Feldspath. Die Analyse bestätigte die Goguchrant des Natron- 
Gehaltes, der von Asıcn (Jahrb. 1841, 468 ff.) in allen Abänderungen 
des :glasigen Feldspaths nachgewiesen worden, auch in den übrigen 
Feldspath- Abänderungen, im Adular und gemeinen Feldspath, wenn 
auch in geringerer Menge. Die zerlegten Feldspathe sind a) Adular 
vom Gotthardt; b) Feldspath von Schwarzbach im Riesen-Gebirge, 
in Drusenräumen von Granit vorkommend, mit kleinen Albit-Krystallen 
besetzt; die Masse der letzten schneidet jedoch scharf von der des Feldspa- 
thes ab und dringt nicht in diese ein; c) Feldspath von Alabaschka 
bei Mursinsk im Ural, ebenfalls in Granit-Drusenräumen vorkommend. 

2. Albit-ähnliches Mineral aus Pennsylvanien. 

3. Oligoklas von Ajatskaja nördlich von Katharinenburg im Ural, 
verschieden von dem bei Stockholm vorkommenden durch grössern Kali- 
und Eisenoxyd-Gehalt. 

4. Albit-ähnliches Mineral von Pisoje bei Popayan in Co- 
lumbien. 

(5. Labrador-äh nlsalfke Mineral vom Baumgarten in Schlesien 
im Gemenge mit Hornblende sich findend: 

(1a) (1b) (Le) (2) (3) (4) (5) 
Ban... 50.4447 885 :10,18) 21,57 3,91 0,80 
Natron # 22.2. °2.02000144 5,06. 3,50 9,91 7,55 6,19 19,39 
Kalkerde ... . ..... Spur 0,21 0,11 1,44 2,16 9,38 . 6,54 


Balkerden sul. 4a ,..1., Spur; ;:2,0,31 0,31 1,05 0,41: 
Thonerde ....... 18,28 20,03 21,10 19,60 26,52 25,23 
Thonerde «Titan- haltig) 19,64 r 
Eisenoxyd - » ... ». Spur .0,18 4,11, 0,70 


Kieselsäure. . . . . 65,75 67,20. 65,91 67,20 61,66 56,72 58,41 
99,64 101,84 100,80 100,07 99,5% 100,31 99,98 


SauvacE: Analyse eines in den Ardennen unter dem Namen 
Gaize oder Pierre morte bekannten Gesteius (Ann. des Min. 
ame Ser. XVIII, 520 cet.). Die Felsart nimmt unter der Kreide-For- 
mation ihre Stelle ein; sie bedeckt die Gault-Thone. Die Mächtigkeit 
beträgt bei 100 Meter. Die Masse ist sehr weich, ieicht, grau von 
Farbe. Unter starker Lupe ergibt sich, dass das Gestein nur ein schein- 
‚bar gleichartiges ist; inmitten der körnigen Masse sieht man viele kleine 
schwarze Punkte. Resultat der Zerlegung: 


Wasser . i : Ä s 8,0 
Gelatinöse Kieseler de - ß . 56,0 
Grünsand (Chlorit) - ? 12,0 
Thon . . 5 s . e 7,0 
Feiner quarziger Sand . . . 17,0 


100,0 


332. 


W. 0. Bovanz: Nachricht über das Vorkommen von „Zeo- 
lithen“ und andern Mineral- Substanzen in Bergen, Beryen 
County, New-Jersey (SıLLıman Americ. Journ. XL, 69 cet.). Die 
Bergen-Hills bilden das südliche Ende der unter dem Namen Palisadves 
bekannten „Grünstein“-Felsen an der westlichen Seite des Hudson- 
Flusses. Der Vf. fand: Stilbit auf Kalkspath- Gängen; Eisenkies, 
Heulandit und Laumontit unter ähnlichen Verhältnissen; Prehnit 
auf Kalkspath- Gängen; Datolith ebenso; ferner Analzim, Natro- 
lith, Apophpyllit in der primitiven und in mehren abgeleiteten Ge- 
stalten, die Krystalle theils von einem Zoll im Durchmesser; Thom- 
sonit, schmale Gänge zusammensetzend; begleitet von Prehnit und 
Mesotyp u. s. w. 


CH. U. Suerarn: über eine muthmaaslich neue Mineral- 
Substanz aus New-York und Canada (a. a. 0. XXXIX, 357 cet.). 
Ohne Wieder-Abbildung der dem Aufsatze beigefügten Krystall-Figuren 
ist kein Auszug möglich. Eine Analyse des vorläufig Ledererit ge- 
nannten Minerals: fehlt noch; vor dem PEOREERn verhält sich dasselbe 
wie Sphen. 


J. Fr. L. Hausmann: über die Krystallisation des Kupfer- 
niekels und des Antimonnickels (Studien des Götting. Vereins 
bergmänn. Freunde, IV, 347 ff... Kupfernickel-Krystalle von Riechels- 
dorf ergeben sich als Bipyramidal-Dodekaeder mit abgestumpften Grund- 
kanten. Für den Antimonnickel darf ein regulär sechseckiges Sy- 
stem entschieden angenommen werden; der Verf. beobachtete das Vor- 
kommen von Bipyramidal-Dodekaeder-Flächen, die, wenn sie nicht voll- 
kommen ausgebildet sind, auf den End-Flächen der sechsseitigen Tafeln 
eine regulär sechseckige Reifung bewirken. 


Derselbe: über einen blättrigen Graphit aus Zeylan (a. a. 0. 
349 f.). Die untersuchte Abänderung des Minerals besitzt diekstängelige 
Absonderungen und zeigt an einigen Stellen Anlagen zur krystallini- 
schen Individualisirung. Die Länge der Stängel beträgt bis zu 2 Par. 
Zoll. Sie sind theils gerade und gleichlaufend, theils gebogen, Die 
Stücke erscheinen durch parallele Flächen begrenzt, welche entweder 
rechtwinkelig, oder etwas schiefwinkelig gerichtet sind; wahrscheinlich 
gehörten dieselben einem Gange an. Die einzelnen Stängel gestatten 
nach ihrer Länge höchst vollkommene Spaltung bis zu den dünnsten 
Lamellen. Die Breite der Blätter richtet sich nach der Stärke der ab- 
gesonderten Stücke und pflegt zwischen 4 und 2 Linien zu messen. 
Die Spaltungs-Flächen sind stark glänzend und vollkommen spiegelnd. 
Unter der Lupe erscheinen auf ihrem Rauten-förmigen Queerrisse, ohne 


335 


Zweifel versteckte Blätter-Durchgänge andeutend, die den Haupt-Blätter- 
re Frentwinkehg, scheiden. ; 


C. Rımmersgerg: über die Zusammensetzung des Lievrits 
(Pogsen». Annal. d. Phys. L, 157 ff.). Aus neuen von R. angestellten 
Versuchen besteht der Lievrit aus: ya Ä 


"Nach der Analyse. Nach der Berechnung. 
ne ; 29,831 ° ENTE 
Eisenoxydul .. 52,683 ne 

oder Dreh) Be 00 een BE 
andrem ; 
Fersuch | Oxydul 33,074 . - . 33,06 
MkKalkerde 4.4: 012,487 13,40 
Manganoxydul . 1,505 
Wasser b . 1,612 we 
g8,008 mi ;#} 100,00 


Will man Kalkerde und Eisenoxydul als isomorph betrachten und 
auch das Mangan in die Formel aufnehmen, so wird diese: 


Ca? ) Si-+ Fe? Si 


Mn? 


A. Breituaupr: Beiträge zur nähern Kenntniss einiger 
Kiese und der Kies-bildenden Metalle, auch neue Isomor- 
phieen (a. a. O. LI, 510 ff.). Diese Mittheilungen, den Magnetkies, 
Gelb-Nickelkies, Roth-Nickelkies und den Antimon-Nickel betreffend, 


eignen sich nicht zu einem Auszuge,; 


Derselbe: über den Greenockit (a. a. O. S. 507 ff). Da in 
diesem Jahrbuche schon zu mehren Malen (u. a. Jahre. 1840, S. 687) 
von dieser neuen Substanz, dem Schwefel- Cadmium, die Rede ‚gewesen, 
sp müssen wir uns begnügen, auf den Urtext zu verweisen, 


yi 

Bussy: Untersuehung der Steinkoblen von Commentry 

(Journ. de Pharm. XXV, 713). Ausser abgesetztem. Schwefel wurde 

darin Salmiak in feinen Theilchen ‚Bingemsngt gefunden. Der BalBrn 
enthält Jod-Ammonium. 


x \ M 
Serez: Zerlegungen verschiedener Eisenspathe (Ann. de 
Min. 3me Ser. XVIIT, 536 cet.). Die analysirten Erze stanımen von 
Jahrgang 1842, 22 


334 


Pradines (a), Vorkommen inmitten talkiger Schiefer, der Eisenspath ist 
rein weiss; — von Magnols (b), gelblichbraun, von Kalkspath-Schnüren 
durchzogen und mit Barytspath gemengt; — von l’Hermie (c) und von 
Lasalle (d), beide letzten kommen im Kohlenschiefer vor. Resultate: 
ih are (a) (b) (e) . (d).- 
Koblensaures Eisen. . . 82 . 75 .. 74 . 68 


Kohlensaure Bittererde . 8. 1. ae 
Kohlensaures Mangan . . ee Re ne. 
Kohlensaurer Kalk . . . a BR ai: 4 
Bleiglanz . . . . ... Spur 

Barytspath . ». x. 2.2. ak 

Gangart 2a dw; Sense | ur RT 


100 . 100. 100 . 100 


Cu. U. Suerann: Zerlegung eines unfern Little Piney im 
Staate Missouri am 13. Februar 1839 gefallenen Meteorsteins 
(SıLLıMmaN Americ. Journ. XXAIX, 254—255). Das Resultat war: 


Kieselsäurg, ., 04 samssmana S1s22 

Billererde:. ... „0 2: 2. 42.88 

Eisen-Protoxyd . . . . 17,25 } Erdiger Antheil. 

Bionerde ,. 2 1...8 vo 0,49 

Matron" a... 0029. 10000 DDRE 

Brent). ons ven E0BO 

Kobalt und Chrom . . . 4,28 

VECHERTE Un SR HIN AL RRU TE IRELE 
' Schwefel und Verlust . . 4,73 


Meteoreisen. 


100,00 


W. Haipincer: über eine neue Varietät von Arragonit 
(Posen. Aun. d. Phys. LIII, 139 #.). Vorkommen in Zwillings-Kry- 
stallen (deren genauere Beschaffenheit der Abbildungen wegen in der 
Urschrift nachgesehen werden muss) zu Herrengrund auf körnigem 
Kalk. Mit den Arragonit-Krystallen finden sich auch merkwürdige 
Pseudomorphosen von Kalkspath nach Arragonit, und zwar (nach Be- 
obachtungen des Bergraths von Kocn in Nenusohl) in den obern Theilen 
der Drusen, während die untern den Arragonit enthalten, dessen Kry- 
stalle jedoch auch bereits zum Theil von einer Seite zerfressen und auf 
der andern mit mikroskopischen Kalkspath - Krystallen besetzt sind, so 
dass eine Suite jedes Zwischenglied der Pseudomorphose zwischen 
Arragonit und Kalkspath darstellt; Phänomene, welche unbezweifelt als 
Beweise der Abkühlung von oben gelten müssen. Der kürnige Kalk, 
auf welchem die Arragonite aufsitzen, muss wohl bei noch höherer 
Temperatur als sie selbst gebildet seyn. 


j 335 


L. Eısser: Entwickelung einer sehr einfachen Formel, 
nach welcher schon aus jeder krystallographischen Grund- 
form die grösstmögliche Anzahl gleichartiger Flächen sich 
bestimmen lässt, die in den respektiven Systemen vorkom- 
men können (Erpmann und MarcnHanD Journ. für prakt. Chem. XXIIT, 
442 ff... Zum Auszuge nicht geeignet. 


L. A. Necker : über das chromsaure Eisen auf-Unst (Bibl. 
univers., Nouv. Ser., XXVII, 372). Das ganze mittle Drittheil der 
Insel besteht aus Serpentin; er bildet Höhen von 200 bis 300 Meter. 
Hıegert entdeckte hier 1819 zahlreiche Haufwerke von chromsaurem 
Eisen. Der Serpentin ist ganz von diesem Erz durchdrungen; es fin- 
det sich eingesprengt in Körnchen von der Kleinbeit jener des Schiess- 
pulvers bis zu Massen von mehren Fussen und selbst von mehren 
Metern Durchmesser, aus Körnern bestehend , welche theils Nuss- 
Grösse haben. 


A. Breitnauet: Plakodin, ein neuer Kies (Pocsexn. Ann. d. 
Phys. LIII, 631 #.). Vorkommen (angeblich) auf der Grube Jungfer 
bei Müssen zwischen Eisenspath und Nickelglanz. Metallglänzend; 
bronzegelb; schwarzer Strich; Primär- Form: hemidomatisches Prisma 


erster Art + P es = v — 64°56' (wegen der übrigen Krystallisatione- 
Verhältnisse müssen wir auf die Abhandlung verweisen, da die beige- 
fügten Abbildungen zur Verständigung unentbehrlich sind); Bruch zwi- 
schen muschelig und uncben; sehr spröde; Härte —= 641 —64; spez. 
Gew. — 7,988—8,062. — Nach PrLartner’s qualitativer Untersuchung 


besteht der Plakodin aus Nickel und a. mit Spuren von Kobalt 
und Schwefel. 


Prressen: Analyse des Basaltes von der Steinsburg bei Suhl 
(Rammersgerg Handwörterbuch des chemischen Theiles der Mineralogie *) 
I, 84 und 85). Der zersetzbare Antheil (a) betrug 0,425, der unzer- 
setzbare (b) aber 0,575. Dieser wurde aber nachher durch Fluor- 
Wasserstoff-Säure zerlegt. Es enthielten nun: 


(a) ch) 

Kieselsäure . . 187,25 } 61,63 
Thonerde " N 8,82 l 14,28 
Eisenoxyd - - 11,76 
Eisenoxydul .: } 18,47 Ä 7,54 
Kalkerde : f 6,61 ! 6,03 
Talkerde ; k 10,29 ; 5,50 
Natron .° „, z 0.05 ; 3,92 
Kali h Re 1,10 
Wasser ; 3,69 

’ 101,11. 100,00 


*) Es enthält diess treffliche Werk (Berlin 1841) die Resultate mehrer chemischer 
Untersuchungen , welche vom Vf. selbst oder in seinem Laboratorium angestellt 
und noch nicht anderweitig publizirt worden. 


22 * 


ai 


336 e 


Die Berechnung ergab für den 
. zersetzbaren Theil: % zeolithischen Theil: 


Zeolith . ., * use lb, Kieselsäume, "1. 2.0 
Olivia ee a SB. Uhonende merk ET BERAN 18,70 
Maxneteisen, .„,... - 12,04 Kalkerde 7.2005 2022 72201 
Yan ALLOn.i Mae 0,11 
Kaly Van oe 8,84 
Wasser © . ea 7,83 


101,11' 


ein Resultat, welches, obgleich es ziemlich der Formel 

| (Ca, Kr US +5 H Be 
entspricht, dennoch auf ein Gemenge hinweisen möchte. - Der unzersetz- 
bare Antheil lässt noch weniger eine bestimmte Deutung zu; versucht 
man vermittelst des Alkalis die Menge von Labrador zu ermitteln, so 
mangelt es dafür an Thonerde. zu 


Divav: Analyse des Kaolins von Grimaud, Var. (Ann. des 
Min., 3me Ser. XVIII, 725). 


Wasser ; ; > N a 2,8 
Kieselerde- . : { i ; SE: 
Thonerde . 5 EU Auer go 19,8 
Eisenoxyd . Rah rl i - 2 1,2 
Kalkerde . h u IE Spur 
Taikerde . Eden, SR : 5 2 2,8 
GEN REF SR A a a re 9,1 

98,2 


W. Hamincer: über eine neue Lokalität von Gaylussit- 
Pseudomorphosen (PossEnD. Ann. d. Phys. LIII, 142: #.). Vorkom- 
men in der Kalkstein-Höble in der Tufna unfern Hermanecz bei Neusohl 
in hboblen Räumen der Sinus frontales eines Schädels von Ursus 
spelaeus, welcher aus einer mehre Fuss mächtigen Schichte von Ge- 
röllen und von Kalksinter ausgegraben worden. Die Krystalle des 
Gaylussits geben sich als Pseudomorphosen zu erkennen. Sie bestehen 
aus einem sehr locker zusammenhängenden Gewebe ganz kleiner Kalk- 
spatb-Krystalle, die jedoch stets grösser sind als die Individuen der sie 
umgebenden zarten Pulver - artigen Bergmilch -Bildungen. Ihre Form 
lässt sich auf die durch BoussinsauLt und FREIESLEBEN beschriebenen 
zurückführen. (Nach G. Rose kommen, Gaylussit-Krystalle auch beim 
Dorfe Kating unfern Tönningen in Schleswig 6—-7' unter der Dammerde 
in Mergel eingewachsen vor.) 


337 


H. Rose: über die Licht-Erscheinungen bei der Krystall- 
Bildung (Ber. d. Berliner Akad. und daraus in Erpmann und Mur- 
CHAND Journ. für prakt. Chem. XXIII, 447 ff... Am Schlusse heisst es: 
die Licht-Erscheinungen, welche sich beim Krystallisiren gewisser Kör- 
per zeigen, werden dadurch bedingt, dass das Salz aus einem Zustande 
in einen andern, isomeren, übergeht. Ein solcher Übergang ist häufig 
mit Phänomenen begleitet, welche von. ähnlicher Natur scheinen, wie 
das Leuchten bei der Krystallisation einiger Salze. Die bekannteste 
Erscheinung dieser Art ist das plötzliche Erglüken gewisser Oxyde, 
wie das des Chromoxyds , der Titansäure u. s. w., so wie auch einiger 
Mineralien, wie des Gadolinits. Vor dem Erglüben sind dieselben 
leicht in Säure löslich oder. durch solche zersetzbar, nach demselben 
zeigen sie sich unlöslich ‚oder wenigstens sehr schwer löslich und zer- 
setzbar. Bei beiden Zuständen der arsenigen Säure sind Verschieden- 
heiten im spezifischen Gewichte und in. der Auflöslichkeit im Wasser 
wahrnehmbar. Auch bei den. erwähnten Mineralien findet ein Unter- 
schied im spezifischen Gewichte vor und nach dem Erglühen Statt. 
Dasselbe ist nach der Feuer-Erscheinung, aber nicht immer, wie man 
vermutben sollte, grösser ‚als vorher, sondern bisweilen auch leichter. 
Dieser Umstand veranlasste die Untersuchung, ob sowohl bei der Licht- 
Entwickelung bei der Krystallisation als auch bei der Feuer-Erscheinung, 
welche gewisse Oxyde und Mineralien zeigen, Wärme frei wird; allein 
weder bei der Licht- Erscheinung beim Krystallisiren der Glas-artigen 
arsenigen Säure noch ‚bei der Feuer - Erscheinung, welche das Chrom- 
oxyd beim Erhitzen zeigt, wurde merkliche Wärme-Entwickelung wahr- 
genommen. Beide Phänomene, die vielleicht identisch seyn dürften, 
scheinen nicht in einem ‚Verhältnisse zu der Veränderung zu stehen, 
welche jene Substanzen vor und nach der Krystallisstion und dem Er- 
hitzen beobachten lassen. , 


Eszımen: über eın Alkali-haltıiges Manganerz (Ann, des 
Min., 3me Ser., XIX, 155 cet.). Die Substanz wurde vor einigen Jah- 
ren zu Gy (Haute - Saöne) aufgefunden. Vorkommen: als mehr oder 
weniger grosse rundliche Massen von faserigem Gefüge, schwach me- 
talliısch glänzend, dunkelgrau, welche in einer aus kohlensaurem Kalk 
und eisenschüssigem Thon "bestehenden Gangart sich: finden. Das Erz 
ist so weich, dass es zwischen den Fingern zerrieben werden kann. 
Die Analyse ergab: 


Wasser ; i Ä 1,67 
Oxygen s 14,18 
Mangan- Protoxyd.. L 70,60 
Eisen-Protoxyd , . ..-. . 077 
Fe 6,55 
KRalının, , Ä 5 4,05 
Talkerde °. ’ Ir 1,05 
Kieselerde . \ ii 0,60 


99,47 


338 


Wahrscheinlich stammt das fragliche Erz aus regellosen Höhlungen 
in den Kalk-Lagen der obern Abtheilung der zweiten Jura-Etage. 


L 


C. Rımmeispere: nachträgliche Bemerkungen über die 
Zusammensetzung des Humboldtits (Poceenn. Annal. d, Phys. 
LII, 633 £.). Wiederholte mit dem Biliner Mineral vorgenommene 
Versuche ergaben die Formel Fe & +3 H# als richtige, 


Kranz: über die in Drusenräumen der Granit-Gänge von 
St. Pietro auf Elba vorkommenden Mineralien“). (Kırsten und 
von Decuen Arebiv f. Min. XV, 399 ff... Es zeigt sich der neuere 
Granit Gang-artig im ältern theils mit scharfer Begrenzung, theils mit 
ihm verschmelzend. Beide Gesteine unterscheiden sich durch das grob- 
körnige Gefüge des neuen, durch seinen vorwaltenden Feldspath-Gehalt, 
den gleichmäsig vertheilten Turmalin und eine grössere Hinneigung 
zum Verwittern. Die Gäuge selbst, von sehr wechselnder Mächtigkeit, 
streichen vorwaltend hor. 11 und fallen stark. Die in NONE: 
vorkommenden Mineralien sind: 

1. Feldspath, besonders häufig und von hohem Grade ausge- 
zeichnet. Die Krystalle, deren Form stets das symmetrische sechssei- 
tige Prisma, sind am häufigsten einfach, jedoch nicht selten auch regel- 
mäsig verwachsen nach demselben Gesetze wie die Karlsbader Zwillinge, 
In der Regel zeigen sie sich klein, mitunter auch so gross, dass der 
Durchmesser von einer stumpfen Seitenkante zur andern 4‘ beträgt, 

2. Albit, weit seltner als Feldspath und nicht so ausgezeichnet. 

3. Quarz. Die Krystalle gewöhnlich nur klein, lassen zuweilen 
Bhomben- und Trapez-Flächen wahrnehmen, 

4, Lithbion-Glimmer, in zusammengehäuften sechsseitigen Ta- 
feln, zuweilen von Zoll-Grösse. (Als Gemengtheil des Granits findet sich 
nur schwarzer, wahrscheinlich einaxiger Glimmer.) 

5. Granat, kleine Dodekaeder und Leuzitoeder, zwischen hyazinth- 
roth und honiggelb. 

6. Berylli, ausser Krystallen der Kernform noch andere alle 
Flächen zeigend, welche bei der Substanz wahrgenommen worden, Am 
häufigsten wasserhell, ferner lichte-rosenroth, violblau, grünlich- und 
blaulichweiss, Manche Krystalle haben mehr als einen Zoll Länge 
und über einen halben Zoll Durchmesser; gewöhnlich sind dieseiben 
mit dem Ende auf Quarz oder Feldspath aufgewachsen, 

7. Turmalin, sehr ausgezeichnet, nicht "sowohl durch- seltene 
Krystall- Varietäten, als durch grosse Farben - Mauchfaltigkeit. Was 
letzte betrifft, so sind die Hauptfarben schwarz, grün und rotb. Schwarze 


*) Nach Bemerkungen von G. Rost, 


339 


Krystalle sind undurchsichtig, die übrigen durchscheinend bis vollkom- 
men durchsichtig. Seltner sieht man sie gleichmäsig gefärbt, wie u. a. 
die schwarzen und rothen; meist finden sich mehre Nuancen, die theils 
scharf von einander abscheiden, theils in einander übergehen. Es las- 
sen sich nach der Färbung folgende fünf Haupt-Varietäten unterscheiden: 

a) Schwarze undurchsichtige Krystalle, an den Enden mit den 
Rhompboeder-Flächen, besonders mit denen des Haupt-Rhomboeders ; auf 
den Seiten-Flächen ziemlich glatt; einzeln aufgewachsen, auch exzen- 
trisch gruppirt. 3 

b) Rothe Krystalle: an den Enden neben den Rhomboeder- Flächen 
mit der geraden End-Fläche, die nicht selten vorberrscht und sich oft 
ganz allein findet. Rosenroth und im Allgemeinen: sehr intensiv; die 
Farbe erblasst aber nicht selten gegen das freie Ende, wo die Krystalle 
zuweilen ganz farblos erscheinen. Diese zeigen sich einzeln aufgewach- 
sen, die sehr dünnen Nadel-förmigen in Büscheln zusammengehäuft und 
von Albit, Lithion-Glimmer und Quarz begleitet. 

c) Krystalle, zum Theil einige Zoll gross, am untern Ende schwarz, 
in der Mitte gelblichgrün, am obern Ende rosenroth, in beiden letzten 
Farben durchscheinend; die ersten Nuancen scheiden ziemlich scharf 
von einander ab, letzte gehen in einander über. Seiten - Flächen mit 
starker Streifung. 

- d) Krystalle am untern aufgewachsenen Ende rosenroth, nach u 
zu blasser werdend und lichte- olivengrüne Farbe annehmend, sind am 
obern freien Ende mit einer dünnen, höchstens eine halbe Linie dicken, 
schwarzen :Schichte bedeckt, die scharf an der vorhergehenden abschei- 
det. ‚Das freie Ende mit den Flächen des Haupt-Rhomboeders begrenzt. 
Die Kıystalle mitunter bis zu 24 Zoll Grösse. 

e) Krystalle am aufgewachsenen Ende schwärzlichgrün, das sich 
schnell durchs Olivengrüne ins Wasserhelle verlauft; an den freien 
Enden wie die unter d geschilderten Varietäten begrenzt. Manche mit 
den Seiten aufgewachsene Krystalle sind in ihrer Mitte schwärzlichgrün 
und zeigen an beiden Enden die so eben beschriebenen Farben-Änderungen, 

Der Granit der Gänge von St. Pietro zeigt viele Ähnlichkeit mit 
jenem von Morne [Mourne-Mountains] in Irland und von Baveno; in-. 
dessen ist jede dieser Örtlichkeiten durch besondere Eigenthümlichkeiten 
von der andern ausgezeichnet. Der Granit von Morne enihbält densel- 
ben weissen Feldspath, der jedoch nicht so gross vorkomnit, kleinen 
zusammengehäuften Albit, ferner Quarz, Lithion-Glimmer; und Beryll, 
wiewohl diese von andern Farben als beim Granit von Elbe, der Quarz 
Nelken-braun, der Lithion - Glimmer :grünlichgrau und der. Beryli grün 
und blau , aber keinen Turmalin ; statt dessen dagegen kleine Krystalle 
weissen Topases. Der Granit von Baveno enthält besonders Feldspath, 
der gewölinlich Fleisch-roth und durch schöne rechtwinkelige Zwillinge 
ausgezeichnet ist, ferner Quarz, der in grössern Krystallen als bei St. 
Pietro vorkommt, und Albit.. Die übrigen Mineralien finden sich nur 
seltener und bestehen ‘in kleinen undeutlichen Krystallen von Epidot, 


340 


in violblauen und weissen Flussspath-Oktaedern und iu Chlorit' und 
Laumontit. ' Nicht weniger bemerkenswerth sind kleine Tafel-forwmige 
Kalkspath- Krystallß, ‚welche in Drüsen zusammengehäuft den Feldspath 
und Quarz bedecken, a Zu 


Bıor: kr akt ‚Bibauue des N (Paric. Akad. 1841, 
Oct. 25 > UInstit. 1841, IX, 365). Die Apophjyllit- Krystalle von 
Feröe ruhen alle auf einer Gangart von Zitzen-fürmigem Mesotyp und 
‘ lassen, wenn: man’ sie queer im polarisirten Lichte des: Nicor’schen 
Prisma: mit: einer Lupe bewaffnet HE tRSEhLERG eigenthümliche Krystalli- 
satious-Verhältnisse: erkennen. IE? 

„Die unvollkommneren Krystalle treten mittelst eines Oniköneheiili 
vorspringend aus der Gangart: hervor, während die vollkommenen durch 
einen Punkt in ihrer Mitte; auf einer kleinen Mesotyp- Zitze erzeugt 
worden und vom Berührungs - Punkte aus nach beiden Seiten in die 
Länge gewachsen sind. Offenbar lässt diese Erzeugungs- Weise keine 
Endigung durch hermetisches [?] Abschneiden au beiden Enden des Kry- 
stalles zw: auch hat der Vf. keinen gefundeu, wo diese Symmetrie voll- 
ständig gewesen wäre. Doch bemerkt man im Allgemeinen eine be- 
sondre Übereinstimmung zwischen beiden so erzeugten Hälften. Sie 
ist um so: auffallender, als jede derselben stets aus einer gewissen An- 
zahl Lagen (etages) von ungleicher Höhe zusammengesetzt ist, deren 
jede eine Art ihr eigenthümlich - angehörenden Rahmens umgibt; und 
das Ganze ist wie in einer gemeinschaftlichen Schachtel von 'besondrer 
Struktur eingeschlossen, ; Meistens entsprechen sich jene Lagen in bei- 
den Hälften des Krystalles in gleichen. Abstande vom Mittelpunkt, wie 
das’ die fast beständige Gleichheit der Farben zeigt, die sie im polari- 
sirten Lichte in ihrem Innern, wie auf ihren Umrissen wahrnehmen 
lassen. Unter einigen Hundert auf einer Mesotyp-Masse sitzenden Kry- 
stallen fand‘ der Vf. die grössten nur 00,005 lang und 0m,001 dick, 
und: andre bis von den:kleinsten Maasen herab; aber diese waren dann 
demungeachtet ganz eben 'so gebildet.“ 

Die Apophyllite von Grönland kommen zwar auch auf einer Gang- 
art von Mesotyp vor, lassen aber nur Spuren des beschriebenen Baues 
erkennen , indem die innre Masse wohl ebenfalls in einer gemeinschaft- 
liehen Hülle enthalten ist, 'aber die bJättrige Anordnung nach der 
Queere gewöhnlich keinen Zusammenhang zeigt. — Die fortschreitende 
Zusammensetzung der Feröer Krystalle aus unterschiedenen Lagen; 
welche symmetrisch oder unsymmetrisch um einen Mittelpunkt ‚vertheilt 
sind, weicht ‚merklich‘ von der gewöhnlich angenammenen Bildungs- 
Weise der Krystalle ab, wornach man diese als zusammengesetzt be: 
trachtet aus’ konzentrischen unendlich dünnen Schichten, welche nach- 
einander um den zentralen Embryo angelegt werden; aber das Resultat 
bleibt dasselbe für ‘die äussre Gestaltung, weil die Bedingnisse, wodurch 
die Krystallisation geeudigt wird, 'immer die Grenz - Oberflächen den 


341 


 zweiflächigen Winkeln gemäss zu richten scheinen, welche die Theorie 
als möglich für jede Substanz zulässt nach der Betrachtung der den 
integrirenden Theilchen, woraus man den Krystall gebildet annimmt, 
zustehenden Abnahmen (decroissements). 


P. Bzrrmer: über das Vorkommen von Brom - Silber in 
Mexiko und zu Huelyoeth in Frankreich (Ann. chim. phys. 1841, C, 
Il, 417). - Der Bezirk von Plateros, 17 Stunden von Zacatecas und 
14 St. N. von Fresnillo liefert theils gediegenes Silber (sg. Blausilber) 
eingesprengt in einer derben grauen sehr Blei-reichen Masse, theils 
und hauptsächlich reines Brom-Silber, eine neue Mineral-Art in kleinen 
olivengrünen und gelblichen Krystallen (sg. Grün-Silber). Der Bezirk 
ist ein über die umgebenden Ebenen wenig erhobenes Kalk-Plateau, 
dureh welches hin und wieder kleine Thonschiefer - Hügel bervortreten, 
von Quarz-Gängen durchsetzt, die als Anzeigen von Erz- -Gängen gelten. 
Jetzt ist nur ein Werk in Betrieb, das von San Onofe, welches wöchent- 
lich 120—150 Mark Silber gibt. Das untersuchte Handstück war derb, 
grau, etwas röthlich, von unebenem glänzendem Bruche, voll kleiner 
Zellen, welche zum Theil mit einer matten blassgelben Materie und 
theils mit sehr kleinen schlecht ausgebildeten, glänzenden, olivengrünen 
Krystallen erfüllt sind, welche gänzlich dem Chlor - Silber gleichen, 
aber reines Brom-Silber sind. Das Stück bestund zu 0,45 aus kohlen- 
saurem blei, welches mit Quarz und etwas Eisenoxyd inuig verbunden 
die Haupt-Masse bildete, und lieferte 0,069 Silber. — Nach Durorr’s 
Bericht, welcher das Handstück geliefert, soll das Brom-Silber in Me- 
ziko nicht seltem seyn und sich oft in schönen kubischen und oktaedri- 
schen Krystallen finden. | 

Nun ist es bekannt, dass die Erze von Huelgoeth, Dept. von Fi- 
nistere, hauptsächlich Chlor-Silber enthalten. Da man aber zuweilen 
kleine grünliche krystallinische Körner darin angegeben, so untersuchte 
der Vf. einige Handstücke chemisch und fand in einem ärmeren Stücke 
von 0,019 und in einem reicheren von 0,15 Silber-Gehalt, welches ei- 
nem derben Eisenoxyd hin und wieder mit Mich-Quarz glich und über- 
all mit Chlor - Silber, sogar zuweilen in kleinen glänzenden Krystallen 
imprägnirt war, zwar keine Spur von Brom-Silber, entdeckte solches 
aber nachher in einem dritten eben so reichen schon mit dem freien Auge, 
indem es ausser den kleinen perlweissen kubischen Körnern von Chlor- 
Silber auch olivengrüne Körner, ganz jenen von Plateros ähnlich ,„ un- 
terscheiden liess, welche dann auch auf chemischem Wege als solche 
bestätigt wurden. Übrigens scheint das Brom - Silber daselbst rar zu 
seyn, obschon es an seiner grünlichen oder Zeisig - gelben Farbe leicht 
zu erkennen ist. Mit dem Chlor-Silber kommt es zwar nahe zusammen 
vor, ist aber nicht iuniger damit verbunden. 


342 


B. Geologie und Geognosie. 


J. DE CHARPENTIER: Essai sur les glaciers et sur Le ten. 
rain erratique du bassin du Rhöne, Lausanne 1841, 8° [363 pp. 
avec beaucoup de vignettes, 8 pll. lith. et 1 carte du terrain erratique 
du bassin du Rhöne]. Acaıssız hat seine „Studien über die Gletscher“ 
den Herren Venerz und CHArrEnTIEr dedizirt, weil er „durch ihre Ar- 
beiten zur Untersuchung der Gletscher angespornt, durch ihre Güte in 
den Stand gesetzt worden seye, selbstständig mit Nutzen diesen Gegenstand 
zu verfolgen“. 1836 brachte er einige Monate desshalb bei Cu. zu. Ob- 
. schon er nun seinerseits ihrem Verdienste die gebührende Anerkennung 
nicht versagt, und S. 12—14 seines Werkes noch näher bezeichnet hat, 
welche Entdeckungen und Ansichten man jedem von beiden — wenig- 
stens nach deren bis dahin erschienenen Bekanntmachungen — verdanke, 
liegt die Venerz’sche Abhandlung (1821) halbvergessen *), und scheint 
das neue CHArrentier’sche Werk, welches das Licht der Welt leider in 
einer Lausanner Buchhandiung erblickte, dort nur wenig vom Licht der 
Welt erblickt zu werden, nachdem es von der Acassız’schen Schrift 
‚ übereilt worden. Der anspruchlose Begründer eines grossen Theiles 
unsrer neuen Lehre von den Gletschern, welcher überall bemüht ist 
einem Jeden seinen Antheil an dem gesammten Verdienste zu sichern 
und mehr auf die Sache als auf die Verherrlichung seines Namens be- 
dacht, hat er verschmäht die Tageblätter mit seinen Entdeckungen zu 
füllen oder in brieflichen Zirkularen, wie sie jetzt von allen Seiten her- 
beiströmen, sich um Prioritäten zu streiten, während die Anpreisungen 
von Hucı’s Schrift über die Gletscher sogar in politische Zeitungen 
ihren Weg finden. Wir können uus daher nicht versagen, unsre Leser 
auf eine Schrift aufmerksam zu machen, welche bei Beurtheilung aller 
Gletscher-Verbältnisse, was Prioritäten, Gediegenheit und Klarheit der 
Darstellung betrifft, vor allen Andern beachtet zu werden verdient, und, wie 
sehr wir auch fürchten , dass die organische Schöpfung und die ganze 
Geognosie nicht aufs Neue — in unsrer Zeitschrift — unter dem Ur- 
Eis begraben werde, wenigstens eine Analyse der in genanntem Buche 
niedergelegten Untersuchungen mitzutheilen. Ref. erhielt es erst, nach- 
dem sein Aufsatz (Jahrb. 1842, 56—88) schon zum Drucke abgegeben 
war. Es besteht aus einer geschichtlichen Einleitung (S. ı—x), wor- 
in auch die während des Druckes dem Vf. zugekommenen Gletscher- 
Schriften von GoDEFFRoY, Renpu und Acassız, auf welche er ausserdem 
nur noch in einigen Noten Bezug nehmen konnte, kurz gewürdigt wer- 
den; — dann aus einem ersten Theile über die Gletscher (S. 1—114) 
und einem zweiten über das erratische Gebirge (S. 115 — 353), nebst 
einer Inhalts-Übersicht und Erklärung der Tafeln. Die $$. des ersten 


*) in den Memoires de la Societe helvetique I, Ir. 
**) Ausser den ersten Abhandlungen in den Ann. d. Min. TTII, 219—236, über die 
wahrscheinliche Ursache des Transportes der erratischen Blöcke im RAöne-Thale; 

dann in Bibl, uniwvers. > Jahrb,. 1837, 467-472. 


343 


Theiles handeln vom 'ewigen;Schnee, vom Firn, von seiner Verwandlung 
in Gletscher , von deren Wasser - Absorption, von dem Gefrieren und 
der Ausdehnung dieses Wassers, von der Struktur und der Zu-und- 
Abnahme der Gletscher, von der Ursache ihrer Voranbewegung, von 
der Glättung ihrer Unterlage, den Moränen, den Gletscher-Tischen, der 
Ausstossung fremder Körper, den Gletscher-Alluvionen, dem Einfluss 
organischer Körper auf die Gletscher, von Geschiebe - Gängen im Eis, 
von den Gletscher-Spalten und - Nadeln, von den Gletscher-Bächen und 
ihrem Wasser im Winter, von dem Gefrorenbleiben des Gletscher-Bettes, 
von den Gletscher-Furchen und dem Polar-Eise u. s. w. Die $$. des 
zweiten Theiles geben Auskunft von dem Begriff des erratischen Ge- 
birges, von dem Unterschied zwischen ihm und den Diluvial- und Al- 
luvial-Bildungen, von seinem Alter, von Arten, Formen, Grösse und 
Gemenge der Bestandtheile, von ihrer Anordnung, Verbreitung, Schich- 
tung und Stellung, von der Höhe ihres Vorkommens, von der Art und 
Weise wie das erratische Gebirge endiget, von seiner Erstreckung auf- 
geriebene Oberflächen, von den Auswaschungen, von den verschiedenen 
Hypothesen über seine Absetzung, welche der Reihe nach aufgeführt 
und einzeln widerlegt werden; Widerlegung der Einwände gegen die 
Gletscher- Theorie; Ursache der Diluvial- Gletscher, Widerlegung der 
Einwände gegen die angenommene Klima- Veränderung; Einfluss der 
Gletscher auf Diluvial-Erscheinungen; — Schlüsse, Befürchtungen und 
Hoffnungen. 

"Aus dem besonderen Inhalte können wir nur Einzelnes ausheben. 
Gletscher entstehen nur in denjenigen unteren Schnee- Gegenden, wo 
es thaut, und nur an Stellen (Schluchten), wo der Schnee mächtig ge- 
nug liegt, dass das Schnee- Wasser ihn nicht alle ganz durchdringen 
und aus 'seiner Soble entweichen kann; es muss dann in dessen Innerm 
wieder gefrieren, den Schnee binden und in Eis verwandeln, die Gletscher 
ausdehnen u. s. w., aus deren Boden daher weniger Wasser entweicht 
(S. 3, 5). Der Schnee bewegt sich daher auch nicht, wie der Gletscher 
und der locker - köruige Firn, der aber in seinem innern und untern 
Tbeile oft schon Eis ist, obschon er nur in Höhen vorkommt, wo es 
selten thaut (8000'). Die Haarspalten entstehen dadurch, dass das 
eingedrungene Schnee-Wasser sich ungleich vertheilt und in ungleichen 
Zeiten gefriert; daher eine ungleiche Spannung der ganzen Gletscher- 
Masse jene Risse veranlasst (S. 12). Die Gletscher - Masse wird ge- 
nährt durch direkten Schnee -Fall und hauptsächlich durch zusammen- 
gewehten Schnee, wenig durch Lawinen. Die Ausdehnung des Glet- 
schers durch das Gefrieren des Schneewassers in seinen Haarspalten 
geschieht hauptsächlich in der Richtung des kleinsten Widerstandes, 
also: von’ der Sohle nach der Oberfläche, und von dem Anfang gegen 
das Eude herab, weil rückwärts und seitwärts die Gebirgs-Wände hin- 
derlich sind; daher sich der ganze Gletscher abwärts bewegen muss. 
Seine Schwere verwag diess nicht zu bewirken, denn bald ist das Ge- 
fälle viel! zu unbedeutend (5°--6°) oder durch Erhebungen der Sohle 


344 


unterbrochen, bald ist es so stark (45°—50°), dass die, ganze Masse, 
wenn, sie einmal zu ‚gleiten begönne, in. immer . schnellere, Bewegung 
kommen müsste. Der Druck höherer Gletscher - Massen . auf. -tiefere,, 
2— 3 Stunden entfernte würde ein: Bauschen der dazwischen. .befind- 
lichen, aber keine Vorwärtsbewegung der letzten veranlassen (S. 33 u. a.).; 
Zwei. benachbarte Gletscher können: der eine vorrücken,, während der 
andre sich zurückzieht, je nachdem sie gegen die herrschende Rich 
tung des Windes, welcher sie mit Schnee versieht, geöffnet 'oder ge- 
schützt sind; wobei aber auch ihre Lage gegen. die Sonne : und. die 
Stärke ihres Gefälles von Einfluss ist (S. 28). Das Wiedererscheinen 
eingesunken gewesener Steine an der Oberfläche der Gletscher ist eine. 
blosse Folge des Abschmelzens des Eises darüber und der Ausdehnung! 
des Eises darunter durch gefrierendes Schneewasser (eine einfachere 
und deutlichere Erklärung , als die Acassız’sche , wornach es: scheint, 
als würden dieselben wie fremde Körper in einem Organismus durch 
Geschwüre über und aus ihrer Umgebung herausgehoben). : Bei vielen 
Veranlassuugen macht der Verf. aufmerksam ‚auf ein fortwährendes:Sich-, 
zusammensetzen (fassement) der Gletscher, welche. trotz der Ausdehnung 
des beständig einsickernden Wassers Statt findet und dureh :welche die: 
Gletscher - Thore insbesondre soleher Bäche, die im. Winter versiegen, 
sich mehr und mehr schliessen, S. 82 [sollte diess nieht auch zum Theil 
dem Niederschlage und Gefrieren feuchter Dünste an und in: den Wän- 
den dieser Thore zuzuschreiben seyn?] Auch er behauptet,: dass. der 
Boden unter den Gletschern selbst im Sommer. grösstentheils gefroren 
bleibe; wenn die Gletscher - Bäche im Winter nicht versiegen , sind: sie 
warmen Quellen zuzuschreiben. Er führt als hauptsächlichen Beweis, 
an, dass man seit 1821 jährlich von Juni bis Oktober. den @etrotz-. 
Gletscher im Bagnes-Thale bis auf seiner Sohle durchschrote, um: ‚einer 
neuen Sperrung der Drance, wie sie 1595 und 1818 Statt; gefunden, 
zuvorzukommen, und dass man dabei jedes Jahr die Kies-Sehle .dessel-, 
ben gefroren finde, mit Ausnahme eines 10’ breiten Streifens längs:dem 
Strome hin. Auch hat Ca. die Entstehung der „Karrenfelder“..beobachtet 
durch das Herabträufeln von Wassertropfen aus Eisgewölb-Spalten auf 
Kalk - Massen, worin sie bis 10° — 20° tiefe Furchen auszuhöhlen im. 
Stande sind (S. 101). Die ganze Darstellung der Gletscher-Verhältuisse 
zeichnet sich durch eine Einfachheit des Styls und der Erklärung aus, 
wie man sie nicht grösser wünschen kann. Nur in .der. Erwiderung 
auf die den Vortrag des Vfs. bei der Naturforscher - Versammlung. zu 
Basel am 13. Sept. 1838 gemachten Einreden vermissen |wir.;die-son- 
stige Bündigkeit des Beweises. Wie Ref. schon an einer andern Stelle 
geäussert (Jahrb. 1842, 61), so ist er weit entfernt, jan.den Thatsachen, 
um welche es sich handelt, zu zweifeln, oder wo: sie/ja, einer.Berich- 
tigung bedürfen sollten, diese ohne Studien an Ort und Stelle,geben 
zu wollen. Aber die Erklärung dieser Thatsachen kann ‚unmöglich 
genügend seyn, wenn sie nicht für jeden, auf dem gehörigen, wissen- 
schaftlichen Standpunkte Stehenden überzeugend wird. , Es. kann :niehts 


| 345 
klarer: seyn, als dass das Wasser, welches an der Oberfläche des Firns 
und Gletschers entstehet und in seine Tiefe versinkt, dort gefrieren, 
den Gletscher ausdehnen und die über ihm befindlichen Theile desselben 
in die Höhe ‘heben könne, während seine Oberfläche sich durch jenes 
Abschmelzen. in einem stärkeren oder schwächeren Grade senkt und 
die «Hebung :kompensirt. Sänke jedes entstandene Wasser - Theilchen 
senkrecht gegen den Erd-Mittelpunkt nieder und höbe gefrierend den 
Gletscher senkrecht auf seine Sohle wieder in die Höhe, so würde 
sehon ‘durch den Winkel, welchen beide Richtungen miteinander ma- 
chen, eine Voranbewegung der Gletscher -Masse nöthig werden, um 
so‘stärker, je höher jede einbildliche Gletscher -Schichte gegen die 
übrigen liegt, weil sie an deren Bewegungen mit Theil nimmt und weil 
im näwmlichen Verhältnisse auch der Widerstand der thalabwärts von 
- dem fraglichen Punkte befindlichen Gletscher - Theile rascher abnimmt 
gegen. den der thalaufwärts befindlichen, welche in einem mehr aufge- 
thauten Zustande auf der schiefen Ebene hinabsinken. Wie aber hiedurch 
allein der Gletscher auch an und mit seiner Sohle soll vorge- 
schoben‘ werden können, so dass er in manchen Jahren trotz des Ab- 
sehmelzens mit seinem untern Ende 50°’ weit und darüber vorrückt, ist 
nieht’ klar. Zuerst ist sein Vorrücken zum Theile auch dem Umstand 
zuzuschreiben, dass das wieder gefrierende Wasser sich nicht begnügt 
hat , in’ absolut senkrechter Richtung in den Gletscher einzudringen, 
sondern mehr oder weniger weit dem Gletscher entlang fortgeflossen 
ist: ein kleiner Theil des Gletschers fliesst (im Sommer) täglich weit hinab, 
während‘ der grösste fest-bleibende Theil täglich nur etwas Weniges 
hinabsinkt.' Aber davon abgesehen erlaube man mir zu glauben, dass 
eine. Quantität in der Tiefe des Gletschers gefrierenden Wassers viel 
leichter eine 100° hohe Eis-Säule über ihr (mit unbedeutender Reibung, 
weilalle Eis-Säulen nebeneinander zugleich dasselbe erfahren) emporheben, 
als die Reibung seiner 2— 4 Stunden langen Eis-Masse von genannter 
Höhe auf einer nur 5° — 10° geneigten unebenen und dazu mit ihm zu- 
sanımengefrorenen Fläche überwinden würde. Soll aber die Voranbe- 
wegung’in einer diägonalen Richtung zwischen der‘Sohle des Gletschers 
und‘ seiner’ darauf senkrechten Höhe gehen, so kann dadurch keine 
Glättung und 'Ritzung der Sohle bewirkt werden, wie es doch ge- 
schehen"sell.“ Der Vf. sucht zwar diese Einrede damit voraus zu wider- 
legen (8.105), dass er bemerkt, diese Ausdehnung und Bewegung finde 
ja’ zugleich; in) allen Theilen 'des Gletschers Statt. Diess wird aber 
nur zur Folge 'haben‘, dass man jene Hebung und Ausbreitung einer 
einzelnen Stelle des' Gletschers, das Bauschen desselben nirgends be- 
merken kaun, weil ‘es an allen Stellen zugleich eintritt, nicht aber dass 
die Sumnie der erwähnten Reibung vermindert wird. Aber die Summe 
der Kräfte: wird’ doch vermehrt, wodurch diese Reibung überwunden 
werden soll?’ Darauf haben wir zu erwidern, dass trotz dieser Ver- 
mehrüng'die Richtung des kleinsten Widerstandes immer die nach den 
Seiten (wenn sie frei stehen) und der Oberfläche des festgefrorenen 


346 


Gletschers statt parallel zu seiner Sohle bleiben würde: dass aber anch 
jene gegen das Ende des Gletschers wirkenden Kräfte nur dann als im 
Verhältvisse der in seiner Länge gefrierenden Wasser-Tbeilchen wirklich 
vervielfältigt zu betrachten seyn würden, wenn jedes in allen Richtun- 
gen parallel zur Gletscher-Sohle an einen absolut starren, harten, in- 
kompressiblen und unzertrümmerbaren Körper angrenzte, am'den es 
sich anstämmen könnte, wie die Eisenbarre, welche der Vf. S. 38!zur 
Versinnlichung braucht. Wir lesen aber in allen Werken: über die Glet- 
scher und so auch in diesem, dass dieselben in allen Richtungen leicht 
ihren Zusammenhang einbüssen und zerspringen, dass sie daber in allen 
Richtungen von zahllosen Haarspalten durchzogen sind, dass sie überall 
von mehr oder weniger breiten Rissen und Klüften durchsetzt werden, 
welche immerhin nicht alle bis auf deren Grund niedergehen oder sie 
nicht in ihrer ganzen Breite durchschneiden mögen (was nur ihre Wir- 
kung vermindert, nicht aufhebt, wie S, 108 angenommen wird), dass 
das körnige Gletscher-Eis demungeachtet nicht absolut spröde, wie ge- 
wöhnliches Eis, sondern in seiner Masse verschiebbar und komprimirbar 
ist und dass es sich fortwährend zusammensetzt (se tasse). Wer soll 
da eine Verschiebung der tiefsten Gletscher-Theile in der Richtung fast 
des stärksten Widerstandes glauben, wenn andre Richtungen ‚offen ste» 
hen? Unter solchen Umständen wäre nicht abzusehen, wie die Schwere 
(oder auch irgend eine andre mitbewegende Kraft) für die Theorie der 
Gletscher-Bewegung entbebrt werden könnte, wenn die Meinung derselben 
die ist, dass durch die Ausdehnung des gefrierendeu Sicker- 
wassers mehr als bloss das jedesmalige untre Ende des 
Gletschers in ganzer Mächtigkeit sich parallel zur Sohle 
auf derselben (um sie zu glätten) fortschiebe, — wie Ref..be- 
zweifelt, dass ein auf ganz ebenem Plateau liegender Gletscher von 
3—4 Stunden Durchmesser und 100'’— 200° Mächtigkeit sich mit mehr 
als seinem peripherischen Theile in ganzer Mächtigkeit radial in die 
Breite ausdehnen würde, so lange sich nämlich keine bündigeren als 
die bisherigen Beweise finden. Würde sich denn eine Schicht erhärteter 
Mergel z. B. von gleicher Tenacität, Form und Dimension wie ein Glet- 
scher auf solehe Weise voranschieben lassen? Dagegen läugnet Ref, nicht 
die Möglichkeit der Seitwärtsbewegung der Basis des Gletschers; durch 
jene Kraft im Verhältnisse als seine Seitentheile durch den. Reflex 
des Sonnenlichts wegschmelzen,, noch die Vorwärtsbewegung seiner 
obern Schichten in seiner ganzen Länge, noch die Bewegung der Basis 
überhaupt, aber in zufälligen und veränderlichen Richtungen, wie sie 
Gletscher-Bäche, Zusammensitzen, Spalten als sekundäre Ursachen etc. 
veranlassen können, die allerdings am öftesten longitudinale seyn mögen, 
Ref. erwartet daher und mit ihm viele Andere, entweder überzeugendere 
Thatsachen oder physikalische Beweise, oder eine Anwendung ‚der jetzi- 
gen Theorie auf bloss das jedesmalige untere Ende der Gletscher (mit 
100’—500’—1000' Länge) und eine Beschränkung derselben ‚hinsichtlich 
des obern, oder die Zuhülfenahme noch einer andern bewegenden Kraft. 


347 


Er glaubt aber, dass die zweite dieser Annahmen unter Berücksichti- 
gung der Wanderungen des unteren Endes der Gletscher und der vor- 
hin angedeuteten mittelbaren Kräfte, die in deren Sohle wirken, zu 
. Erklärung aller Erscheinungen genüge, ohne dass man sich zu denken 
brauche, der ganze Gletscher werde durch gefrierendes Wasser in sei- 
ner ganzen Höhe auf der Sohle vorangeschoben, um diese zu glätten, 
In anderen als. den wenigen oben angedeuteten Punkten scheint 
der Vf. nicht von den Ansichten Acassız’s (oder vielmehr Acıssız nicht 
von den seinigen älteren) abzuweichen, so weit der erste Theil reicht. 
Der zweite behandelt einen Gegenstand, welcher, einige Abschnitte aus- 
genommen, von Acassız kürzer erledigt worden ist. Unter erratischem 
Gebirge versteht Cu. Gestein - Trümmer (Blöcke, Kies, Sand, Erde), 
welche man entfernt von den Gebirgen, denen sie entstammen, findet, 
deren Fortbewegungs-Weise aber in den Augen vieler Geologen noch 
räthselhaft ist und jedenfalls von mächtigeren, als heut zu Tage wirken- 
den Ursachen herrührt. Sie sind, wie sich später zeigen wird, von 
Gletschern abgesetzt. Sie sind selten geschichtet, nehmen mit der Ent- 
fernung nicht an Grösse der Bestandtheile ab, sondern bestehen aus gros- 
sen und kleinen Trümmern durcheinander, die grösseren sind häufig noch 
rauh und scharfkantig, die grössten zu gross, um durch Wasser-Ströme auf 
ihre Lagerstätte gelangt zu seyn. Die Bildung dieses Gebirges scheint nach 
der Erhebung der Alpen begonnen und bis zu Ende der Diluvial - Bil- 
dungen fortgedauert zu haben und im Kleinen noch fortzudauern,, so 
dass es unter und über gewöhnlichem Diluvial-Lande vorkommt. Seine 
Bestandtheile, deren Ursprung, Formen, Grössen, Sortirung, schwebende 
Stellung u. dgl. können wir als mehr bekannt voraussetzen, obschon 
noch manches Bemerkenswerthe darüber gesagt wird. Hinsichtlich sei- 
ner Ablagerungs-Weise zerfällt es in zerstreutes, wie es sich noch jetzt 
am Ende der ins Freie ausmündenden Gletscher bildet, — in zusan- 
mengehäuftes, welches alten Moränen entspricht, und in geschichtetes, 
wie es noch jetzt oft in Wasser-Ansammlungen innerhalb neuer Moränen 
entsteht. Ch. verfolgt dessen Begrenzung wie sie vom obern Wallis 
an längs der Thal-Seiten in 2000°—3000° Höhe über der Rhöne fortgeht 
und sich am gegenüberliegenden Jura von Solothurn bis hinter Genf 
ebenfalls in 2000’ — 3000° Höhe über den See-Spiegeln verfolgen lässt, 
aber in der Mitte am höchsten an den Jura hinansteigt. Die Karte 
versinnlicht diess sehr schön. Die Fels-Schliffe kommen nur innerhalb 
der Grenzen des erratischen Gebirges vor und setzen unter die Glet- 
scher fort; sie finden sich auch auf Puddingen und Nagelfluh; die feinen 
Ritzen ‚auf denselben sind parallel unter sich, aber nicht mit dem Ab- 
hange des Gebirges, sondern vielmehr mit dem des Thal-Bodens [was, 
wenn Bef. es recht versteht, für dessen obige Ansicht spricht). Von 
den Furchen auf den Fels - Schliffen findet sich nichts erwähnt. Wir 
wollen dem Verf. nicht in der sehr vollständigen Aufzählung der (12) 
verschiedenen Hypothesen zu Erklärung der Erscheinungen des erratischen 


\ 


348 


Gebirges der Schweitz *) und ihrer eben so sorgfältigen Widerlegung 
(8.171 — 241) folgen, 'sondern sogleich zur Erklärung durch die Glet- 
scher übergehen, welche er selbst entwickelt und begründet. Prayr4m 
im J. 1815 (Works I, xxıx) und Görne 1829 (W. Meıster’s Wander- 
Jahre, 1829, Bd. XX, Buch ı1, Kap. 10) hatten auf eine solche Ansicht 
schon hingedeutet; der Vf. hörte sie ebenfalls zuerst 1815 und später 
aus dem Munde mehrer Alpen- Bewohner und Jäger, bei welchen sie 
(theils durch Traditionen) ziemlich verbreitet zu seyn scheint;' VEnETZ 
theilte sie ihm als Ergebniss eigener Studien an Ort und Stelle i. J. 
1829 schon in solcher Ausdehnung mit, dass er bereits die Blöcke der 
Hoch-Alpen durch das Rhöne- u. a. Thäler über die breite. Niederung 
der Schweitz binüberwandern liess. In der Absicht ihn zu widerlegen, 
studirte nun Cn. alle Verhältnisse genauer und fand darin seine eigene 
Bekehrung, welche er 1834 in der mehrerwähnten Vorlesung bei der 
Naturforscher-Versammlung zu Luzern (abgedruckt in den Ann. d. Min. 
VIII) aussprach, die wieder die Studien von Acassız nach sich zog. 
Des letzten erste Theorre war jedoch etwas abweichend von der jetzi- 
gen, in welcher Beide ziemlich übereinzustimmen scheinen, wesshalb 
wir darüber auf das Jahrb. 1842, 5. 53—59, Nr. 1—4 verweisen. Nach 
Aufstellung jener Hypothese (S. 247— 248) durebgehbt CH. wieder alle 
oben angedeuteten Verhältnisse des erratischen .Gebirges ausführlich, 
um mit wunderbarer Klarheit nachzuweisen, wie einfach und nothwen- 
die sich alle durch die Annahme «einer einst grösseren Ausdehnung der 
Gletscher erklären (S. 248—286). Can. handelt nur von dem erratisehen 
Gebirge der Schweitz und nimmt auf das in Süd- Amerika oder auf 
die Gletscher des Nordens nur eine gelegentliche augenblickliche Rück- 


sicht, ohne seine Forschungen mit Acassız auch auf den Schwarzwald, 


England u. s. w. auszudehnen. Worin aber Acassız und der Vf. noch 
wesentlich von einander abweichen, das ist in der Erklärung der Ur- 
sache, welche den Gletschern jene so viel grössre Ausdehnung gestattet 
hatte, und in den Schlüssen, welche sich an die Thatsache und Beding- 


‘nisse der einstigen Vergrösserung der Gletscher in Bezug auf die übrige 


Geologie etwa anknüpfen lassen. Acassız.hat, wie wir gesehen haben, 
zum Theil in Folge seiner 'extensiveren Beobachtungen als jene Ursache 
eine allgemeine Temperatur-Erniedrigung der Erde angenommen und 
diese sich zwischen allen angeblichen Erd-Perioden wiederholen lassen. 
C#. begnügt' sich‘ mit lokalen Ursachen und enthält sich allen Spekula- 
tionen in Bezug''auf andere Erd-Alter. :Er bedarf zu dem Ende nichts 
als eine Reihe kühler und regnerischer Jahre, wie die von’ 1812—1818 
gewesen sind, binneu welcher der Aar-Gletscher um 150° vorrückte. 
Nur 774 Jahre solchen Vorrückens und er hat den 66 Stunden langen 
Weg aus dem 'Grunde des Wallis bis nach Solothurn zurückgelegt! 
Die Zeit dieser Jahre und der Umherstreuung des erratischen Gebirges 


#9 Einige davon findet man im Jahrbuch: die Schimrer - Asassız'sche (von Agassız 
in seinem Werke aufgegeben), in 1838, 194; eine von Wıssmans in 1840, 314 ff. 


349 


dev Schweitz fiel unmittelbar) nach der 'der Hebung. der Atpen. Cu. 
hätte: desshalb ‘seit 1834 die” Ursache jener Temperatur - Erniedrigung 
in einer grössren Höhe der Alpen zu finden geglaubt (Jahrb. 1837, 472). 
‚Jetzt hält er dieselbe um so weniger für hinreichend, als sie über die 
‘erratischen Blöcke der Pyrenäen, N.-Asiens und Amerika’s keinen Auf- 
schluss gibt. Die Katastrophe ‚welehe die Alpen emporhob, erstreckte 
sich in grösserer oder geringerer Stärke über einen beträchtlichen Theil 
der ‚nördlichen Hemisphäre , beschränkte ‚sich. aber häufig nur auf die 
Bildung von Spalten’'und Rissen. : Die Tagewasser sanken durch diese 
Spalten nieder, 'erhitzten sich in der Tiefe und stiegen als Dämpfe 
wieder empor, welche jedoch im Verhältnisse fortschreitender Abkühlung 
oder Schliessung jener Spalten immer kühler wurden und die Sonne 
in Form von Nebel und Wolken mehr verhüllten, daher die Atmosphäre 
(besonders im Norden des 22° Br.) selbst abkühlten und den Regen 
vermehrten. Solche Dämpfe sieht man nach Pörrıs (Reise in Chili, I, 
416 ff.) noch jetzt den Vulkan von Antuco, dessen Kegel in eine Eis- 
Masse von unbekannter Dicke gehüllt ist, in reicher Menge ausstossen, 
die sich öfters als Wolken über die Erde ausbreiten. Jener Vorgang 
genügte, um in jenem Theile der nördlichen Hemisphäre die alten 
Gletscher sich nach der Tiefe ausdehnen und neue entstehen zu machen; 
er erklärte, warum im höhern Norden, in Skandinavien u, s. w., die 
Gletscher eine verhältnissmäsig noch grössre Entwickelung gewonnen, 
als in den Alpen, und hier eine grössre als in den südlichern Pyrenden 
[wenn aber die Temperatur sank, so dass Gletscher in grössrer Tiefe 
entstanden, musste deren Bildung in den vorigen Höben nicht aufhören ?]. 
Jene mechanische Katastrophe tödtete viele Lebenwesen da, wo sie 
beträchtlicher wär; andre kamen erst durch die grössre Feuchtigkeit 
und Kälte um und ihre Arten starben aus. ' Vielleicht sind die Elephan- 
ten und Rhinocerosse Sibiriens , wie von HumsoLpr vermuthet, durch 
die mit jener Katastrophe verbundenen Erd-Erschütterungen geschreckt, 
aus Mittel- Asien nach N.- Sibirien ausgewandert und dort schen im 
ersten Winter durch Kälte zu Grunde ‘gegangen. — Endlich hörten 
jene Dämpfe auf, die Temperatur erhöhete sich wieder und die Gletscher 
schwanden. Die Temperatur stieg sogar in der Schweitz nachher höher, 
als sie jetzt ist, so dass nach VEnetz’s u. A. Nachweisungen im X. Jahr- 
hundert manche Gletscher viel beschränkter , "manche Acker - Kulturen, 
-Gewächse und insbesondre die Wälder gegen die Höhe hin ausgedehn- 
ter waren, als sie jetzt möglich wären (S. 324,' 327 Noten); und es 
scheint, als ob noch jetzt die Temperatur tiefer sinke. Diese Verände- 
rungen in den Gletschern wirkten aber auch auf die Gestaltung des 
Bodens in den Thälern und der Ebene zwischen den Alpen und dem 
Jura, auf die Bildung‘'der ‚Diluvial-Ablagerung und des erratischen Ge- 
birges. ‘Die Gebirgs-Tbäler der Alpen sind Reste jener Dampf-Spalten, 
welche durch Schutt allmählich ausgefüllt, fast alle nur nächst ihren 
Mündungen Vertiefungen behielten, worin sich Wasser sammelten, See’n 
entstanden und die Fortführung der Gebirgs Trümmer aus den Thälern 
Jahrgang 1842. 23 


390 


in. die Ebene der Schweitz hinderten ; daher: deren untern Diluvial-Schich- 
ten auch nur Trümmer der Vorberge enthalten.‘ Als die Gletscher sieh 
‚bis zu jenen See’n ausdehnten. und sie zum Theil überbrückten, konnten 
‚sie ihre End-Moränen nicht durch sie hindurchschieben, wohl aber die 
Lasten ihres. Rückens darüber. hinaustragen «und .»andere Stoffe für die 
Diluvial- Schichten liefern... Als die Gletscher: sich ‚wieder zurückzogen, 
jentstunden Diluvial-Gewässer: überall in dem von ihnen bis dahin -ein- 
genommenen Bereiche, geschiehtete Niederschläge bildeten sich darin 
aus manchfaltigen Materialien, und die fliessenden: Tagewasser warfen 
die Bestandtheile der Moränen durcheinander und ebneten den Boden 
der tieferen. Schweitz. 

. Dass die Emporhebung der Alpen nicht able Einfluss auf das Klima 
der Gegend gewesen, ist unbezweifelt. Was man irgend theoretisch 
daraus ableiten kann, spricht für eine Erniedrigung desselben. ; Weniger 
strenge erweislich dürften aber die Spalten der dampfenden: Erd-Rinde 
und ihre Wirkung nach des Verfassers Theorie seyn, wenn sie auch 
keineswegs etwas Unmögliches sind. Doch kann man wohl fragen, wo 
denn die Beweise seyen. ihrer Ausdehnung über die ganze Erde im Nor- 
den des 22° Br,?.— Bei. weitem der Regen-reichste Punkt in Europa 
fällt in.die.O.- Alpen nordwestlich vom. Ende des: Adriatischen. Meeres, 
also ziemlich entfernt vom höchsten Punkte der Alpen. : Welche Ursaehen 
bewirken dort. eine solche Menge von Niederschlägen? Die Kenntniss 
dieser: Ursachen würde wabrscheinlich zur Lösung des andern Problems 
beitragen! 


L. A. Necker: über Gletscher - Moränen und Eis- Zeit 
(hauptsächlich nach dem 6. Abschnitte von Necrer etudes geologiques 
dans les Alpes, Paris, 8°, 1841, I, 492 pp:). Necker.ist durch seine 
20jährigen Beobachtungen über .die ‚Gletscher: ganz zu. denselben, An- 
- Siehten, wie sein Grossvater Saussure gelangt. Er @agt, wie es komme, 
dass die Begründer der newen Hypothese, wonach die Bewegung der 
Gletscher durch das Gefrieren. des in ihre. Zwischenräume eingedrunge- 
nen. Wassers bewirkt werden soll, nicht. zuerst die ‘Thatsachen wider- 
legt haben, worauf die Saussure’sche Theorie beruht. Ob. nieht die 
Gletscher auf geneigten Flächen ruhen? ’ob sie dadurch nicht dem Ein- 
fluss der Schwere. unterworfen sind? ob nicht ‚wirklich der; auf den 
Berg-Spitzen, gefallene Schnee endlich bis ans untre Ende der Gletscher 
gelange ? ob: nicht Erd - Wärme: an der Sohle der ‘Gletscher thätig seye 
und zwar manche Gletscher -Bäche auch im Winter: fliessen mache? 
Alles diess hat nicht. bestritten ‚werden können, ‚noch sind für die neue 
Theorie anderweitige Thatsachen ‚geltend gemacht ‚worden, die sich: nicht 
auch ‚mit. der. alten vertrügen. , ‚Selbst die Spuren. einer einstigen grös- 
seren Ausdehnung. der. Gletscher ı waren GRruner’s und Saussure’n 
nicht entgangen und sind ‚von diesem für seine Ansichten mit in Rech- 
nung gebracht worden. Nzcker läugnet dagegen, dass die Ausdehnung 
des in die Gletscher-Masse kingelnnpenen Eis-Wassers zur Erklärung der 


sl 


grossen Erscheinungen hinreichend seye, die man ihr zuschreiben wolle, 
dass die angeblichen obern Schichten der Gletscher sich schneller als 
die unteren bewegten, und dass sie vermögend seyen mittelst des an 
ihrer Sohle befindlichen Sandes und erratischen Gesteines die Felsen 
'zu poliren und zu ritzen, weil man erratische Fels-Blöcke weder im 
Innern der Gletscher finde, noch solche durch die seltenen und nach 
unten verengten Gletscher-Spalten bis auf den Grund würden gelangen 
können, noch Firn und Eis eine hinreichende Härte besässen, um selbst 
das Gestein zu glätten, oder die ritzenden und furchenden Kiesel fest 
genug in die viel bärtern Flächen zu pressen [doch drückt man auch 
mit dem weichen Finger ritzenden Sand fest genug in Glas etc.]; selbst 
das erratische, kalkige und feldspathige Gestein seye oft nicht hart 
genug, um in das darunter liegende härtere, quarzige einzudringen. 
Was endlich das Beispiel des polirten Felsen am Bernhard -Hospiz be- 
treffe, so seye es gar unglücklich gewählt, indem er der Überrest einer 
Spalten -Seite oder eines Sahlbandes seye und seine vollkommen pa- 


rallele Streifung , "ganz so beschaffen wie man sie überall an Quarz- 


Krystallen zu sehen gewöhnt ist, nicht von aussen herrühre,, sondern 
ein Ergebniss der innern Anordnung der krystallinischen Theile seye 
[was auch CHARPENTIER in seinem Buche bestimmt ausgesprochen hat. 
Br.]. Auch gegen die andre Theorie erklärt sich NEckeEr, welche, weil 
in den höchsten Alpen-Gegenden die Temperatur immer unter Null seye 
und mithin der Schnee nie schmelzen könne, um in das Innre einzu- 
sickern und aufs Neue gefrierend allmählich das Gletscher-Eis zu bilden, 
annimmt, die hiezu nöthige Wärme rühre von dem Drucke der höhern 
‚auf die tiefern Schichten her, wodurch latente Wärme frei werde: diese 
Ansicht werde durch kein Experiment und durch keine Beobachtung 
im Grossen unterstützt, und auch auf den höchsten Alpen-Spitzen seyen 
Zeiten, wo die senkrechte Sonne oder laue Winde den Schnee schmel- 
zen machen, dass er wieder gefrieren könne, daher man auch auf die- 
sen höchsten Spitzen Eis-Krusten antreffe. NEcKER ist der Überzeugung, 
dass die Gletscher auch zur Zeit ihrer grössten Ausdehnung nie die 
Thäler überschritten haben, in welche sie jetzt herabreichen. 

Die Diluvial-Blöcke, im Gegensatze der alluvialen, erscheinen um 
so häufiger, je weniger ausgedehnt das Terrain ist, dem sie entstam- 
men ,. und je weiter sie jetzt davon entfernt sind. So sind um Genf 
die von der Zentral- Kette der Alpen abstammenden Blöcke unendlich 
häufiger, als die sekundären Blöcke namentlich des Kalk-Gebiets, welches 
doch viel näher und ausgedehnter als jenes ist. Diess vertrage sich 
nicht mit einem Transport dieser Blöcke durch Gletscher, die sie gerade 
in entgegengesetzter Proportion fortgeschafft haben würden. Ihre Form 
ist im Allgemeinen wie an denen der Moränen ; ihre Kanten und Win- 
kel sind etwas abgestumpft, manchfaltige Abreibung andeutend. Aber 
nichts in der Vertheilung, Stellung und Struktur der Diluvial-Ablagerun- 
gen in der Ebene könne auch nur entfernt an Moränen erinnern. Der Vf. 
vermuthet [auf welchen Grund hin?]. dass alle Diluvial- Blöcke, selbst 

23 


« 


5 352 


‘die isolirt an Gebirgs-Abhängen liegenden, einstens Theile beträchtlicher 
Massen ausmachten, welche am Ausgange des Rhöne-, des Arve-Thals 
u. a. Alpen-Thäler mit andern Blöcken, Schutt, Sand und Schlamm 
obne Regelmäsigkeit durcheinander. abgesetzt waren als ungeheure 
Schutt-Kegel, deren‘ Mächtigkeit so beträchtlich war, dass, obschon 
sie sich in allmählicher Böschung gegen die Schweitzer Ebene senkten, 
ihr Fuss sich doch noch 2000'’—3000° hoch (absolute Höhe) an die Vor- 
berge des Jura anlegen: konnte; später wären'dann die feinen Theile 
allmählich weggeflösst worden und nur. grössre Blöcke, zum Theil 
selbst. weiter nach der Tiefe herabgeführt, noch einzeln liegen geblieben. 
Der Agentien, welche noch jetzt in den Alpen eine Fortführung von 
solchen Materialien bewirken, können nur drei seyn: ihre eigene Schwere, 
das Gletscher-Eis und die Berg-Ströme, Aber in ibrer jetzigen Stärke 
würden sie wohl nieht genügen, die schwersten der Diluvial - Blöcke 
fortzuführen, wenigstens nicht bis auf die Abhänge des ‚Jura hinüber. 
In den Thälern selbst und namentlich im Chamouny- Thale findet man 
noch Reste alter Moränen von ungeheurer Mächtigkeit: wahre Berge 
von mehren Hundert Metern Höhe, hinter denen sich natürlich das Was- 
ser zu beträchtlichen See’n aufstauete und, nachdem die Gletscher sich 
verringert ‚hatten , endlich mit so furehtbarer Gewalt den Damm durch- 
brechend Alles mit sich fortriss, dass das analoge Ereigniss im Bagnes- 
Thale davon nur eine schwache Vorstellung gewähren kann. Bei sol- 
chen Durchbrüchen also wurden auch die Granit- und Protogyn-Blöcke 
von den Zentral- Alpen und die in’.den untern dem Ausgange nähern 
Theil des Thales herabgestürzten sekundären Blöcke von dem Wasser 
mit fortgeführt, letzte aber nicht so weit als erste, weil die bei 
ihrer Begegnung schon verminderte Triebkraft des Wassers ihnen nicht 
mehr die Bewegung wie jenen mittheilen konnte, während die ersten 
mit ihrer ursprünglich grösseren Geschwindigkeit weiter vor das Thal 
hinaus fortgeführt wurden [?]. Es ist aber nicht im Chamouny-Thale allein 
so, auch im Wallis und in vielen andern Alpen- Thälern liefern Reste 
alter Moränen, von VEnerz‘.u. A. in grosser Entfernung unterhalb den 
jetzigen Gletschern aufgefunden, den Beweis, dass die Gletscher einmal 
viel ausgedehnter als jetzt waren, tiefer in die Thäler herabstiegen und 
sie oft queer durchsetzten, so dass sie das Wasser zurückstaueten, 
welches dann beim Zurückzug der Gletscher überall durchbrach. Da- 
her: sieht man Haufwerke von Diluvial-Blöcken und andern - Trümmern 
überall da vor der Mündung der Alpen-Thäler, wo die Zentral-Kette, 
von der sie kommen, hoch genug über die Grenzen des ewigen Schnee's 
binaufreicht, um zahlreiche Gletscher zu tragen (im Veronesischen, Mai- 
ländischen, Piemont), nicht aber in den O.- Alpen (Kärnthen, Krain, 
Kroatien, Dalmutien) ,. wo die Berge die nöthige Höhe’ nicht besitzen, 
noch im Vicentinischen, Feltrinischen, Bellunesischen und Friaul, wo 
die Thäler schon in den. niedrigen: Seiten-Ketten auslaufen. Das ein- 
zige andere Gebirge in Europa, ‚welches noch ansehnliche Gletscher 
besitzt, hat auch allein noch Diluvial - Blöcke geliefert, und zwar 


353 


ebenfallsin der Art, dass nach Hausmann die Blöcke in Braunschweig und 
Hannover aus Dalekarlien u. a. zentralern Theilen Skandinaviens stam- 
men, als die in Mecklenburg und Pommern, welche nur von Gottland und 
Öland herrühren. Anders verhält es sich mit den Pyrenäen, welche zwar 
ebenfalls reich an Gletschern sind, aber wenigstens nordwärts keine 
Diluvial- Blöcke zerstreut zu haben scheinen; denn ihre Gletscher sind 
von Sıussure’s zweiter Abtheilung,, welche nur an den Berg- Seiten 
hängen, ohne in die Thäler herabzusteigen. Sie konnten daher auch 
nicht den Lauf eines Flusses hemmen, und die Gesteins - Haufwerke, 
welche man im Innern der Thäler findet, mögen von Fels-Stürzen her- 
rühren. Die Karpathen und Türkischen Gebirge haben nach Bove 
weder Gletscher, obschon einige der letzten über die Schnee - Grenze 
binaufreichen, noch an ihrem Fusse erratische Blöcke. Und so zeigt es 
sich auch in den aussereuropäischen Gebirgs-Zügen, zu deren Betrach- 
tung der Vf. eine neuerlich von Darwın bekannt gemachte Übersicht 
benützt. Der Blöcke entbehren demnach die N. und O.-Ebenen Süd- 
Amerika’s nach v. HumsoLor, die des Amazonen - Stromes nach LA 
Coxpamıne, die des Chaco nach Azara, die beiden Seiten der chilesischen 
Kordileren bis zum 41° s. Br. nach Darwin und Puraguay nach RenGcer ; 
in Afrika: Algerien nach BosrayE, Süd- Afrika vom Wendekreis bis 
zum 35° s. Br. nach A. Smırn; in Asien: Nord-Indien am Fusse des 
Himalaya nach Royre; in Australien der SO.-Theil Neuhollands nach 
Mrreuert. Aber die Geschieb - Blöcke stellen sich ein in Süäd-Amerika 
von 41° an südwärts in Chili, in Putagonien, im Feuerlande und auf 
den S. und O. von diesen liegenden Inseln, wo auch grosse, bis zum 
Meere herabreichende Gletscher vorhanden sind. Darwın hatte aus 
seiner Zusammenstellung, wornach die Blöcke in beiden Hemisphären 
nur von deu Polen her bis in die polare Hälfte der gemäsigten Zonen 
reichen, freilich den Schluss gezogen, dass man ihre Umherstreuung 
in diesen Gegenden den bis dahin schwimmenden Eis - Schollen zuzu- 
schreiben habe. Aber Necrer will diese Erklärung nur für wenige 
Blöcke gelten lassen, die allerdings von den in hoben Breiten bis 'zum 
Meere reichenden Gletschern aus durch Eis-Schollen weit fortgeführt 
worden seyn könnten, aber nicht von den kontinentalen Alpen z. B., 
falls man nicht nachweisen könne, dass auch ihr Fuss einst vom Meere 
bespült worden seye; aber dann müssten wcehl viele Blöcke von Eis- 
Schollen an die damaligen nächsten Gestade, an die nördlichen Kalk- 
Alpen abgesetzt worden seyn, wo man durchaus keine findet. Da aber 
nicht wohl zu glauben, dass der ganze Ozean einst bis in die bezeich- 
nete Höhe gereicht habe, so müsste also das Land noch um so viel 
weniger hoch aus demselben emporgestiegen gewesen seyn, wodurch 
dann wieder alle Möglichkeit der Gletscher-Bildung in den Alpen weg- 
fiele. Daher bleiben nur zwei Arten der Erklärung übrig: entweder 
sind, lokal, die Gletscher einmal ausgedehnter gewesen und konnten 
die noch jetzt vorhandenen Flüsse die Fortführung und Umherstreuung 
der Blöcke vollenden, — oder solches ist durch eine grosse und 


allgemeine Fluth bewirkt worden, welche: der Vf. zwar ' ausgemacht: . 
festzustehen scheint, aber gerade: bei, den erratischen Blöcken unerklärt: 
lassen würde, warum diese auf die Nähe der Schnee- und Eis-Gebirge: 
beschränkt seyen, und: warum unter ihnen die primitiven Gesteine ; ‚der‘ 
weit ‚grösseren Ausdehnung der sekundären Gebirgsarten  ungeachtet;, 
so weit vorwalten.  (Eingesendet,) j Be 

Cu. Martins: Beobachtungen über die Gletscher Spitzber-: 
gens verglichen mit denen der Schweitz und Norwegens: (Bibl., 
univers. 1840, XXVIII, 139— 172). Murrıns war Mitglied der. grossen, 
uordischen Expedition der Franzosen auf der Recherche in den Jah-, 
ren 1838 und 1839, und Spitzbergen. ist. eine Insel: zwischen dem:76° 30!, 
und 80° 30° n. Br. und dem 8° und 21° ö.L. von Paris. Seine ganze, 
West-Küste besteht aus aneinandergereiheten breiten und tiefen Buchten, 
wie der Hurn-Sund, der Eis-Sund,: die Kreutz-Bai, die Hamburger: 
und Magdalenen- Bai; überall: erheben sich daran 500m — 1200m hohe. 
Berge steil aus dem Meere, welche durch die Ausmündungen ‚enger 
Thäler getrennt sind. Die Thäler sind augefüllt von Gletschern, welche; 
mit solchen im Innern des Landes zusammenhängen, wie die Berichte von; 
Martens, Pnıpps, Scorzesgr, Parry, Lartta, KeiınHau u, A. bestätigen, 
aus welchen der Vf., da wo eigene Beobachtungen mangelten‘, zahl-. 
reiche Notitzen schöpft. Denu seine Studien. beschränken sich. auf die, 
Gletscher des Bell- Sund, der Magdalenen - Bai, und der sieben. Eis- 
Berge, alle nördlich: von der Priuz-Karl-Insel. Ihr Ansehen. erinnerte) 
ihn lebbaft an das der Schweitzer und Savoyer Gletscher, die er vier-. 
mal bereiset hatte. — Am: Bell-Sund in der Recherche-Bai sind 2 Glet- 
scher; der westliche kleinre auf der Fuchs - Spitze und der südliche, 
oder Haupt-Gletscher von Bell-Sund. In Magdalenen-Bai sind: rechts; 
oder südlich am Eingang der Entree-Gletscher und der der Grabmäler-. 
Spitze, dann „der Gletscher des Grundes der Bai“, an welchem M. seine: 
meisten Beobachtungen machte; zwei andre kleine im N. und S. reichen. 
nicht bis zum Meere, Hier. die. wichtigsten Resultate aus seinen und) 
der Andern Beobachtungen. 

1) Ausdehnung, Alle Gletscher erreichen das Meer; sie nflsgem 
gleichschenkelig dreieckig mit vom Meere gebildeter Grundlinie zu seyn; 
die grössten haben hier bis 34 engl, Meilen (zu 1852") Breite; ihre: 
Läuge verhält sich zur Breite höchstens wie 5:1, wechselt aber. bis zw 
1:1, während die Schweitzer Gletscher viel länger zu seyn pflegen. 

2) Sie entsprechen daher den obern Gletschern, Eismeeren, 
Firnen der Schweitz, deren untre Grenze nach Hucı in 2470m Höhe, 
ungefähr wie die Schnee-Grenze ist, — nicht den untern oder eigenuts, 
lichen Gletschern. | 

3) Sie erheben sieh mit ihrer Sohle. nur zu 3 der Höhe dortiger 
Berge, d.h. zu 300m —400m unter _\ 10°—-20°, während die Schweitzer 
Gletscher bis 2000‘ ansteigen: unter 100—30°, die Firnen aber bis. 1000 
bei schwachem, Winkel haben. 


355 


4) Ihre Oberfläche ist gleich- oder etwas‘ Wellen - förmig , im 
Ganzen eben oder von den Seiten ‘gegen die Mitte zu etwas vertieft, 
wie die der Firnen; die Nadeln der Gletscher, deren Bildung von der 
Stärke des Gefälles und des Abschmelzens ‘abhängt, finden sich nur 
zu Bell- Sund zu beiden Seiten am untern 'Theile des Gletschers, wo 
das Eis der steten Einwirkung: von 'den nahen nn zurück- 
geworfener Sonnenstrahlen ausgesetzt ist. 

5) Senkrechte Spalten durchsetzen die Gletscher in die Queere, 
parallel unter sich und zur Küste; sie sind an der Oberfläche am wei- 
testen und verengen sich nach der Tiefe (20m), ohne den Grund zu 
erreichen; sie sind um so weiter (bis 10m), je näber dem: untern Ende, 
Alles etwa wie in der Schweitz. Als Ursache ihrer Bildung ‚mag man 
die wechselweise Ausdehnung und Zusammenziehung betrachten, welche 
eintritt zwischen Sommer und Winter, wo die tägliche Temperatur 
von -+ 4° auf —.40° herabgeht, Das wärmere Wasser, das sich darin 
ansammelt, wieder gefriert und als Keil sich ausdehnt, ar eine Haupt- 
ursache ihrer Erweiterung seyn. 

6) Die Beschaffenheit des Eises entspricht der auf den Firnen. 
Die Oberfläche ist rauh und uneben, die-Farbe der: Spalten azurblau; 
oft scheinen sie gestreift durch eine Menge verlängerter Luft-Bläschen, 
die man aber zuweilen auch rund findet; endlich ist dieses Eis nicht 
aus sg. Eis-Krystallen (Husı’s) zusammengesetzt, die in den Gletschern 
nach oben zu immer kleiner werden und in den Firnen sich ganz ver- 
lieren. Doch hat der Vf. andre krystallinische Bildungen ausnahmsweise 
zu Beil- Sund in Magdalenen- Bai beobachtet, beide Male zur Seite 
fliessender Gewässer, welche er weiter beschreibt. 

7) Gestein-Blöcke. Die Gletscher fliessen [?im Sommer] nicht, 
wie die Firnen, seitwärts oder da, wo sich an ihrem untren Ende Berge 
ihrer Fortbewegung entgegenstellen, mit den Bergen zusammen, son- 
dern sind durch tiefe Gräben, oft durch Bäche von ihnen getrennt und 
fallen mit steilen Mauern gegen sie ab, so dass sich ihr Inneres leicht 
studiren lässt; noch besser ist Solches möglich, wo sie‘ vom Meere 
unterwaschen fortwährend zusammenstürzen. Auf ihrer Oberfläche 
nun findet man nie Stein-Blöcke über und in ihrer Mitte, selbst nicht: 
bei ihrem Abfalle ins Meer; wohl aber erscheinen solche an den Seiten 
auf der Oberfläche wie im Innern häufig. Es könnte daher keine Mo- 
ränen am JEinde der Gletscher geben, wenn dieses auch nicht ins Meer 
fiele; wohl aber ‚gibt es solche längs der Seiten unmittelbar an deren 
Fusse, während die Schweitzer Gletscher ihre oben aufgenommenen’ 
Blöcke in den unteren Moränen oder der mitteln Gufer - Linien 'aus- 
stossen. Da die Sohle der Spitzberger Gletscher keinen Fall von den 
Seiten gegen die Mitte besitzt, und die Gletscher selbst seitlich mit 
steilen Wänden abfallen, so kann sich hier allerdings kein mit Blöcken 
beladenes Eis von deu Seiten gegen die Mitte drängen; doch ist vom 
Vf. nicht: nachgewiesen, warum keine Blöcke von oben längs der Mitte 
herabgelangen [zweifelsohne ist das starke Wegschmelzen an den Seiten 


336 


durch reflektirte Sonnenstrahlen: — obschon der Verf. sagt, dass die 
Gletscher in Spitzbergen fast garnicht schmelzen — die Ursache: der 
oben erwähnten seitlichen ‚Gräben (oft mit Bächen) :und:der Fortbewe- 
gung des Eises nach. beiden Seiten]. - Gletscher- Tische gibt es nicht, 
da. das Eis fast nicht schmilzt. [Woher denn die Bäche und Seitenwände?] 

8) Die vertikale Mächtigkeit der Gletscher an ihrem untern 
Ende ist 30m — 120m, worin ihnen die Firuen mehr als die Gletscher der 
Schweitz gleichkommen. | 

9) Die Ursache der jährlichen Zerstörung aiSehu Glet- 
scher ist, dass sie sich fortwährend in das Meer hinein bewegen und 
von diesem unterwaschen und getragen allmählich zusammenstürzen. 
Erstes erkennt man daraus, dass man das Ende der Gletscher in seiner 
Mitte: nie auf Gestein ruhen sieht, selbst nicht‘, wenn eben ein grosser 
Theil vom Ende des Gletschers ins Meer gestürzt ist, das gleich an 
ihrem Fusse 32% —120m Tiefe hat, und ‚dass dieses Ende die von Natur 
konkaven Buchten hinten mit gerader Queerlinie abschneidet. Ihre Fort- 
bewegung ins Meer ist im Winter durch dessen Eis- Decke gehemmt: 
und erfolgt nur im Sommer. Diese erfolgt aber nicht auf dem Boden 
des Meeres, sondern der Gletscher wird theilweise von Wasser getra- 
gen, durch ‘dessen Oberfläche - Temperatur von unten abgeschmolzen, 
durch dessen Bewegung abgespühlt, so dass, wenn ein Theil desselben 
einstürzt, er tief ins Meer hinabsiukt, um daun erst vom Grunde in 
die Höhe zu steigen. Diese Erscheinung ist daher entsprechend der 
der Höhlen-Bildung auf der Sohle der Schweitzer Gletscher, ; 

10) Die Haupt-Ursache der Fortbewegung der Gletscher 
sind ihr Gewicht, die Ausdehnung des in ihren Spalten gefrierenden 
Wassers und somit die Erweiterung dieser Spalten selbst, — da ein 
Abschmelzen am Boden der Gletscher hier gar nicht Statt findet. 


Ca. Martins: In wie fern Gletscher die Steine ausstossen 
(VPInstit. 1842, X, 52). Es ist bekannt, dass „der Gletscher nichts‘ 
Unreines in sich leidet“. Marrıns und Beavaıs machten im Sommer 
1841 darüber folgende Versuche auf dem kleinen Faulhorn-Gletscher in 
2620m Seehöhe. Am 26. Juli versenkten sie einen Stein 0M26 tief in 
seine Oberfläche, stellten darauf einen Messpfabl mit einem Visir, 
bemerkten sich auf den Hügeln zu beiden Seiten des Gletschers zwei‘ 
Punkte, die mit dem Visir eine gerade Linie bildeten, und bedeckten 
dann vollends den Stein mit dem herausgebohrten Eise. Fünf Tage 
später lag der Stein, durch Abschmelzen dieses Eises blos, noch 0m 04 
unter der Oberfläche des Gletschers; um aber das Visir wieder in ge- 
rade Linie mit den zwei Punkten zu bringen, musste man den Pfahl 
noch um 0mM02 heben. Relativ war also der Stein gestiegen, aber ab- 
solut um 0M02 gesunken. Die Oberfläche des Gletschers hatte um’ 
00224 abgenommen. 

Am 8. August grub man einen Stein 0W66 tief in den Glowihet 


l 


357 


ein; am 5. Sept. war er wieder an der Oberfläche; aber absolut war 
er um 0m96, die Oberfläche des Gletschers also um 162 gesunken, 
Der ganze Gletscher hatte sich jedoch seit einem Monat auffallend zu- 


sammengesenkt. 
Also der Stein steigt nicht über den Gletscher, sondern der Glet- 
scher schmilzt um den Stein ab — wie bei den Eis-Tafeln. Escher von 


‚DER Lintw bat im nämlichen Jahr gleiche Resultate am Aletsch-Gletscher 
erhalten [Jahrb. 7841, 675]. 


"L. Acassız: neue Beobachtungen am Aar-Gletscher (v. Hum- 
zsoLpr’s Brief an die Paris. Akad. 1841, Okt. 18 > VInstit. 1841, IX, 
354). A. versichert nun durch ein 140° tiefes Bohrloch die Wasser-Mengen 
ausgemittelt zu haben, welche bei Tag und bei Nacht und bei sehr 
ungleichen Temperaturen in die verschiedenen Tiefen der Gletscher ein- 
dringen, — Im Iunern des Gletschers wechselt die Temperatur nur 
zwischen 0° und — 0°,5. Bei dieser Temperatur blieb das Bohrloch 
trocken und zog sich binnen 48 Stunden sogar von 34” auf 24'° Weite 
zusammen. Die Einsiekerung des Wassers in das Bohrloch zeigte sich 
regelmäsig, wenn die Temperatur nicht merklich unter 0° hinabsank. — 
In der Eis-Masse sind vertikale Bänder blauen Eises vorhanden, welche 
mit weissen von 4’ bis zu einigen Zollen Dieke wechseln und wenig- 
stens 120° tief eindringen. — Der Firn ist kein Primitiv- Zustand des 
Schnee’s in hohen Gegenden. Auf mehren 10,000’ hohen Spitzen beob- 
achtete A. beständig folgende Abstufungen: 1) den eigentlichen Gletscher, 
2) den körnigen Firn, 3) Schnee mit Eis-Schichten wechselnd. — End- 
lieh hat er wiederholt gesehen, wie der Gletscher seinen Boden aus 
Granit, Serpentin und Kalk abschleift. 


W. A. Lampanius: über die Verflüchtigung des Goldes und 
Silbers vorzüglich durch die Röst-Prozesse (Erom. Journ. 
f: prakt. Chemie, 1839, XVT, 204—211). Dieser auf hüttenmännische 
Erfahrungen gegründete Aufsatz bietet Stoff zur Theorie der Erz-Lager- 
stätten. — Bei einer eben zum Schmelzen hinreichenden Temperatur: 
und sorgfältigen Behandlung verflüchtigen sich genannte Metalle nicht. 
Wehl aber hat man sie in Sauerstoff - Feuer, durch elektrische Einwir- 
kung, durch Brennspiegel-Hitze verdampfen gesehen, und Acrıcora und 
ErkEr wussten bereits, dass Anwesenheit von Arsenik ihre Verflüchti- 
gung begünstige. Der Vf. selbst hat in langjähriger Erfahrung folgende 
Beobachtungen gesammelt: 

A. Im Schmelz-Feuer. 

a. Silber verflüchtigt sich metallisch (1, 2, 3, 4), oder als Oxyd (5, 6). 

1) Iu offenem Hessischem Graphit - oder Thon-Tiegel verliert das 
Silber in der Hitze, wenn es treibt, d. h. bei anfangender Weissglüh- 
Hitze, selbst als Feinsilber mehr oder weniger an Gewicht. Als bei 
einem 1809 unteruommenen Versuch 10 Mark Feinsilber 2 Stunden lang 
in offenem Hessischem Tiegel bei 50° — 62° des Pliotometers; d. i. 


f 


358 


beinahe in der Hitze der Glas-Öfen, in Fluss erhalten wurden, verloren 
sie 0,02 ihres Gewichtes. 

-.. 2) Ein 12—15löthiges Kupfer -Silber auf ähnliche Weise bchnndektz 
aber halb mit Kohlen - Staub bedeckt, verliert 0,01 (Wınkrer Europ. 
Amalgamation, 134), und man findet einen Theil des verflüchtigten Sil- 
bers im Flug-Gestübe der über den Schmelz-Öfen angebrachten Conden- 
sations-Kammern. L. fand darin 0,181 dieses Staubes aus BEN 
Silber-Staub zusammengesetzt. 9, 

3) Fein-Silber eben so behandelt, aber unter völliger Kenn. im 
mit Kohlen-Staub , erleidet keinen merklichen Abgang. Aus diesen drei 
Beobachtungen zusammengenonmen ergibt sich, ‘dass das Silber. nicht 
eigentlich in Dampf-Gestalt aufgetrieben , sondern durch den Luft-Zug 
mechanisch mit emporgerissen werde. { 

4) Als der Vf. 1824 unter Andern (vgl. dessen Supplemente zur Hütten) 
Kunde II, 144) 20 Mark fein zu brennendes Silber mit etwas Blei auf 
einem in Sand gesenkten Teste dem Feinbrennen in Steinkohlen-Flamme 
übergeben und zuletzt bei scharfem Zuge und anfangender Weissglüh- 
Hitze gearbeitet hatte, fand er beim Ausräumen des Ofens den Sand 
einige Zolle hinter dem Teste bis nahe an den Fuchs hin mit metalli- 
schen Silber-Körnern von der Grösse kleinrer und grössrer Stecknadel- 
Köpfe belegt, welche inzwischen nur 3,1 Loth von dem 8,7 Loth be- 
tragenden Verluste ersetzten, daher noch ein Theil durch die Esse ent- 
wichen seyn musste. Diese Verflüchtigungs - Weise könnte. begünstigt » 
seyn durch die von Lucas wahrgenommene Entwiekelung von Sauerstoff- 
Gas bei Erstarrung des geschmolzenen Silbers (dieses Gas muss wäh- 
rend des Schmelzens zwischen die Silber - Atome eingedrungen und 
mechanisch von ihnen gebunden worden seyn). 

5) Silber durch Sauerstoffgas-Feuer in einer Kohlen-Grube geschmol- 
zen entweicht als Silberoxyd in Form eines feinen Rauches, den man 
auffangen kann. 

6), Bei eben solcher Behandlung bis zu Weissglülı - Hitze he das 
Silber von einigen strengflüssigen, ihm in der elektrischen Reihe. nahe 
stehenden Metallen zurückgestossen und dadurch dessen. Verflüchtigung 
ungemein begünstigt. Legt man zwei ungefähr gleichgrosse Körner 
von Silber und Nickel in die Kohlen-Grube, so drehen sie sich schnell 
um einander herum, und das Silber verdampft als Oxyd weit stärker 
als für sich allein. Dasselbe (vgl. Erpm. Journ. IV, 280, und XT,:9) 
beobachtete der Vf. beim Zusammenbringen von Silber mit Platin und Irid. 

b. Gold verflüchtigt sich in diesen Fällen weit weniger, und im 
dem letztgenannten Versuche mit Platin und Irid gar nicht (a. a. O. 
XT, 8, 9). 

B. Bei geringerer Hitze, wie beim Rösten Gold- und Silber- 
haltiger Erze, erfolgt die Verdampfung beider Metalle ebenfalls sehr 
leicht, und zwar nicht allein durch Mitverflüchtigung durch Chlor, schwe- 
felige und arsenige Säure und Salpeter-Säure etc., sondern sogar aus 
reinem Quarz. Nach den Freiberger Oberhüttenamts-Akten ist 


359 


4) der: Silber - Verlust beim Rösten einer aus dürren und bleiischen 
Erzeu bestehenden Röstpost von 7 Loth Silber- Gehalt pr. Centn. in 
Flammen-Öfen und behutsamer Behandlung = 0,0057 und bei stärkerer 
Röstung = 0,012 bis 0,015 gewesen. 

2) Derselbe beim Rösten 4löthigen Rohsteins in Roststätten = 0,0089. 

3)’ Derselbe bei einem von WinktEr 1826 sorgfältig durchgeführten 
Versuche mit 6%löthiger Freiberger Awalgamir-Beschickung —= 0,023. 
Der Rostflug -Staub in den Fluggestüb-Kammern enthielt viele mit auf- 
geflogene Erz - Theile; der grösste Theil des Verlustes aber war als 
Chlor - Silber in eine am Ende der Röstofen- Esse angebrachte Verdich- 
tungs-Kanımer übergegangen. 

4) Bei vier auf der Antonshütte bei Schwarzenberg angestellten 
Versuchen betrug der Verlust von eben so vielen zum Rösten vorgelau- 
fenen bleiischen Silbererz-Beschickungen 
> @..von 334 Centn, mit -170 Mark Silbergehalt = 0,0197 


Br 55130 »„ 169 „ ” = 0,0760 ir a 
ERBEN PRESSE RL TRRSETTESURN HT — 0,0403( Au HE 
Bain ig, raten, „5 = 0,0319 3 7 


Die zweite Post allein, welche den grössten Verlust erlitt, enthielt 
kein Blei; die übrigen waren mit Bleiglanz beschickt. 

' WınkLer (Erpm. Journ. I, 467) sagt von Silber-Verlust beim Rö- 
sten. der. sehr zinkreichen Erze auf der Sala-Silberhütte in Westmanu- 
land, dass 

a..die Schlicbe 0,10) verloren; im Duuchschnmiltti roelmpin man 

‚“ß. die, Stufferze 0,04| 0,07 Verlust, 
was.jedoch zum Theile von dem Mangel der Fluggestüb- fir her- 
rührte, 

‚ Der Russische Bergwerks- Chef vow Tscherrkın (über den Gold-: 
und ‚Silber-Verlust bei den Röst-Arbeiten, a, d. Russ. übers., Weimar 
1836) gibt den Verlust noch grösser an. Nach ‘ihm. erhielt von Mar- 
wainsky zu, Katharinenburg (a a. 0. S. 8) aus einem: ungerösteten. Roh- 
steine, welcher im Pud 1338 Solotnik Silber und $2 Sol. Gold, zusam-. 
men. 1432 Sol. güldisches Silber hielt, nach dem Abrösten desselben 
in, einem zugedeckten Tiegel nur 135%, und auf einem. Böst-Scherbchen 
unter der Muffel nur 114© güldisches Silber: 

„der Silber-Verlust im Tiegel = 0,043, unter der Muffel 0,203, 

„ ‚ Gold- Da} » = 0,200, „5 » » 0,400. 

Es. ergab: sich ferner, dass, je vollkommner die Abröstung der Sil- 
ber- und Gold-Erze erfolgte, desto mehr Silber und besonders Gold ver- 
loren ging, welches in 2 Fällen: sogar gänzlich verschwand (S. 10). 
Bei sieben im. Grossen mit Silber- und Gold-haltigen Rohsteinen , theils 
mit zerstückten in Roststätten, theils mit gepochten. in Flammen - Öfen 
angestellten Versuchen war der Verlust 

an Silber — 0,0225 'bis. 0,28, im Mittel = 0j15, 

ileld.e=0,32.00 see 

Bei melıren kleinen Versuchen, wo man Gold-Pulver mit Silber- 


360 


haltigem Kies, Eisenspath und Schwefel in mancherlei ' Verhältnissen 
mengte, betrug der Verlust an Gold = 0,16 bis 0,29. IF 
‚Endlich veranstaltete der Vf. einen Versuch mit künstlichen: Gi 
mengen von-reinem Gold mit Quarz-Mehl, mit Eisenkies- und mit'Ar- 
senikkies-Pulver, welche dann bei der erfolgenden 3stündigen Röstung 
unter der Muffel (bei den zwei letzten Gemengen mit einem kleinen 
Zuschlag von Koblenstaub) 0,360, 0,342 und 0,427 Verlust'an Gold 'er- 
litten, der mithin bei reinem Aura eben so gross war, wie bei der 
Anwesenheit flüchtiger Gemeng-Theile. | 


C. Petrefakten-Kunde. 


J. Duvar-Jouve: Belemnites des terrains eretaces infe- 
rieurs des environs de Castellane (Basses- Alpes), conside- 
rees geologiquement et zoologiquement, avec la descrip- 
tion de ces terrains, Paris 1841, 4° (80 pp. IX pll. et Il: cart.). 
Der Vf. hatte zu seiner Verfügung theils in Folge eigenen ’zehnjähri- 
gen Sammelns und theils in Hrn. Emerıc’s Museum ‘über 10,000 Belem- 
niten aus der unteren Kreide (Neocomien) seiner Umgegend. Es ist 
diess die Fund-Grube jener merkwürdigen Crioceratiten und jener 
bizarren, zusammengedrückten und ünregelmäsigen Belemniten-Formen, 
unter welchen RasrpaıL 61 Arten unterscheiden zu müssen geglaubt hat, 
während »’Orsıeny solche iin seiner Pal&ontologie Francaise auf nur 
5—6 Arten reduzirte, ohne jedoch aus Mangel an Material darin eine 
sichere Grundlage zu haben, daher der Vf. deren Zahl wieder auf 16 
bringt. Denn ihm war es möglich, Hunderte von Fenp En jeder Art 
zu zerbrechen; um auf dem Queer- und Längen-Bruche die Form-Ver- 
änderungen zu studiren, (welche jede Art von Jugend auf zu durchlaufen 
hat; er fand, dass nicht alle Arten die Schichten, welche sie fortwäh- 
rend von akiaden an ihre Scheiden anlegen, überall in gleicher Dicke aus- 
bildeu oder überhaupt über die ganze Oberfläche fortsetzen, und dass sie 
auf diese Weise mit dem Alter gar manchfache Gestalten anzunehmen ver- 
mögen, welche jedoch bei jeder Art einem gewissen Gesetze unterliegen, 
Er fand aber auch, dass nicht selten ein Individuum seine Spitze äb- 
bricht und, indem es nun um die Scheide ganz ohne Spitze oder mit 
abgebrochener und verschobener Spitze neue Zuwachs-Schichten anlegt, 
ganz eigenthümliche, aber zufällige Formen annimmt, deren manche bei’ 
Rasraıt ebenfalls als Arten aufgeführt sind. Die merkwürdigste Ent- 
deckung aber ist, dass, während bei allen andren, drebrunden, Arten’ 
der Siphon auf der Mittellinie längs der Bauch - Seite des Alveoliten 
nämlich unter der Bauch-Rinne der Scheide verläuft, er bei den zusam- 
mengedrückten Arten der Kreide der Basses- Alpes an der entgegen- 
gesetzten Rücken-Seite hinzieht, wesshalb der Verf. gegen FAurz-Bisuer, 
DE FERussac u. A. bezweifelt, dass ein zentraler oder ein zwischenständiger 


361 


Siphon ‚bei denselben jemals vorkomme,. Daher der Vf. die Belemniten 
in-3 Familien sondert, die Gastrosiphiten, die Notosiphiten und 
(die Bipartiten, wohin nämlich nur die einzige Art gleichen Namens 
gehört‘, ‘deren’ Scheide durch eine Rücken- und eine Bauch-Rinne der 
Länge. nach in zwei verwachsene Kegel getheilt wird und deren Siphon 
noch unbekannt ist. 

Folgendes ist die Inbalts:Übersieht von vorliegendem Werke: I. Be- 
schreibung der unteren Kreide-Bildungen unr Castellane (S. 5, Tf.xı, x); 
II. über Belemniten im Allgemeinen; ältre Ergebnisse; des Vfs. Beob- 
achtungen (S. 17); III. Geschichte der Belemniten der Basses - Alpes, 
RasraurL (S. 31); IV. Grundsätze des Vfs. bei Unterscheidung und Klas- 
sifikation der Arten (S. 34—39); V. Beschreibung und Klassifikation 
derselben (S. 40); VI. Ergänzende Resultate: synoptische Tabelle der 
Arten, Tabelle der geologischen Verbreitung und geologische Ergebnisse 
überhaupt (S. 77—80). 

Der Vf. klassifizirt seine Arten auf folgende Weise unter die schon 
genannten 3 Haupt - Abtheilungen, und gibt die ungefähre Exemplaren- 
Zahl an, die ihm von jeder Art zu Gebot gestanden. 


Belemnites. 
I. Biparties: eine ganze Rinne auf beiden Seiten. . „. 1. bipartitus Desu, 200. 


I. Notosiphites cs. 0.). 
4. Polygonales. 
Alveolar-Gegend breiter als der Rest; Form pyramidal 2. isoscelis ». 500. 
Alveolar-Gegend so breit als das hintre 1/3; Form - 
BERBBERBELCHE A a on REIS NE AR A Aula 732.600: 
Alveolar-Gegend sehr schwach; Form linear . . . . 4. trabiformis r, 100. 
' Alveolar-Gegend sehr schwach; Form sehr elliptisch „ 5. sicyoides z. 100. 
B. Plates. 

Scheide kurz, wenig zusammengedrückt, oft kantig. . 6. hybridus ». 1000. 
Scheide sehr lang, sehr zusammengedrückt, nie kantig 7. dilatatus Bıv. 1000. 
Scheide hinten sehr breit; schmale Seiten sehr gebogen 8. Emerici Rsp, 300. 

C. Semiplutes. 
Kanal längs der ganzen Bauch-Seite . . . . 2 . . 9. latus Bıv. 500. 
Kanal auf der halben Länge . . 2. 2... .10. Grasianus z. 100. 


1. Gastrosiphites (cs. o.). 
AConiques ....... 4 2 BE NR WIE extinetoriustRar, 100. 
B. Cylindriques. 

Kanal auf fast der ganzen Bauch-Seite . . -. . . . 12. Orbignyanus z, 100. 
flachgedrückt . . . 13. subfusiformis. Rsp, 3000, 
drehrund . . . .14. pistillifornis Bıv. 200. 
Scheide hinten sehr flach ge- 

jung sehr kurz . drückt . . : . . 15. platyurus ». 500. 
fast zylindrisch . . 16. semicanalicul, Brv. 1000. 


Jung sehr lang; alt 


Hinsichtlich der Synonyme entnehmen wir nur, dass der B. dila- 
tatus 12, der B. subfusiformis 12, der B, platyurus 6 Rasruıt- 
sche Arten in sich begreift; dass auch noch einige Buarsvirue’sche 
Arten unter die obigen eingetheilt worden sind; dass Actinocamax 
fusiformis und A. Milleri Vorrz unter B. subfusiformis und 
der Pseudobelus bipartitus Brv. mit Bel, bicanaliculatus Bıv. 
unter Bel. bipartitus Desn. gehört. 


362 


Die geologische Übereinanderfolge der Arten im SÖ. Theile'der 
Kreises von Castellane , Basses-Alpes, und im NW.-Theile des Kreises 
von Grasse, Var, ist diese; wobei die gemeineren mit * "bezeichnet und 
bei den in grössrer Vertikal-Erstreckung vorkommenden’Arten der Name 
zweimal, zu Anfang und zu Ende mit diesen Zeichen: ( und: )' ne ist. 


LE “ 


Rhotomagensis; Orbitulites etc. 


mit Dikotyledonen- 
Turbinolia; Cidaris; Discoidea subuculus; Te- 
T. 


h) Gault (schwarzer Mergel): 
Holz; 
rebratula ovata So., 


a) Grünsand mit Gryphaea columba, Ban tri- 
angularis Mr., Turrilites costatus So.; Ammonites 
suleatus So.; Natica 2 A. ; Solarium; Trochus 8 A.; 
Turbo 4 A.; Rostellaria Parkinsoni Mor.: Nautilus 


Clementinus 2’0.; Ammonites Dufrenoyi D’O:, A. 
Guettardi Rasp., E Emerici R., A. Duvalianus »’0., 


[; Juilleti D’VO., A. striafisuleatus D’O., A. erassico- 


Grünsand. 


status D’O., A. Martini p’0,., A, pretiosus D’O., A. 
nisus D'O., A. inornatus 0’0., A. Parandieri »’O., 
A does ha Micıt.. A. impressus »’O.. A. tortisul- 
catus D’O., A. Beudanti Brex., 
Fittoni P’O., 
A. denarius So., A. interruptus Brc., 
A. monilis So.; Turrilites 2 
a.; Squalus. 


A. splendens So., A 
A. Raulinianus D’O,, A. Guersanti p’O., 
A. Lyelli Levm., 
A.; Baculites; Hamites 
Totundus u. 


RD Harter weisser Kalk mit grünen Körnern: mit 
l Cidarites-Stacheln; Terebratula diphya u. a.; Nau- 
tilus pseudo-elegans D’O.; Ammon. pulchellus, A. com- 
- pressissimus, A. Parandieri, A. Castellanensis, A. in- 
fundibuium n»’O., A. sneife Rasp., A. ligatus , A. 
intermedius, A. incertus, A 
tes; Crioceratites Duvalii l’Ev, 


d) Graue Mergel mit Pentacrinites; Cidaris; Spa- 
tangus retusus u. a.; Serpula; Terebratula 7-8 A.; 
Ostrea; Pecten 5costatus; Trigonia; Pectuneulus; 
Pholadomya Langii; Aptychus 2 A.; Nautilus neoco- 

!mensis D’0.; Ammonites Lepoldinus, A. cryptoceras. 
A. inaequicostatus, A. incertus, A. subfimbriatus, 
A. diffieilis, A. elypeiformis, A. Grasianus, A. angu- 

\lieostatus. A. cultratus, A. Asulcatus, A. Ixion, A. 
verrucosus, A. Neocomensis, A. asperrimus, A. sim- 
plex 2’O., Crioceratites Duvalii, Cr. Emericii l’Ev.; 
Scaphites Puzosii, Sc. Yvanii, Baculites. 


Neocomien. 


e) Chloritische Schicht mit Am. radiatus Brc., A. 
Renauxianus n»’O.; Cidaris ? claviger; Nautilus Re- 
quieni D’O.; Aptychus. 


nel lm m m | 

f) Untre Kalk- und Merzel-Schichten mit Aptychus 
2A.; Terebratula 6—8 A.; Spatangus retusus; Exo- 
gyra Coulonii, Ostrea 3 A.; Solen 2 A.; Pholado- 
'mya u.a, 


lL/astriata Le.; Ostrea; 
Gryphaea; De Pecten 5costatus, Inoceramusj- 


. Ifostriatus »’Q,; Hami- 


Belemnites 
semicanaliculatus*; 


platyurus*; Grasianus} 


(subfusiformis; 
(dilatatus; 
a N subfusiformis * 
dilatatuss) —_ - (bipartitus; 
Emerieij — dlatus; 


-Orbignyanus; 
trabiformis ; sieyoides; ; i 
(pistiliformis; ' 
extincetorius; — latus*;) 
bipartitus >) .—; pisillifor- 
mis 


isoscelis *) — hybridus;) 
subfusiformis ® *), 


? 


. z 
vH n 


Endlich modifizirt der Vf. die von n’Orsicny anderwärts über die 
geologische Verbreitung der Belemniten überhaupt aufgestellten er 


etwas, in folgender Weise *): 


1) Die Belemnitellen (mit Alveolar-Rinne vorn) scheinen der ‚oberen 
oder weissen Kreide anzugehören (wie D’ORBIENY). | 


_ ri 


vw 


2) Die Belemniten mit Bauch-Rinne, doppelter a re 


*) Diese Notitz steht anch im Institut 1841, 6%, als Vortrag bei Pariser Akademie 1841, 


August 30. 


re 


i 2 ı% Ä 


3635 


runder Alveole, scheinen von der weissen Kreide ausschliesslich an bis 
zum oberen Theile der Oolithe einschliesslich zu reichen. D’ORrzıenY 
beschränkt dieselben auf den Gault und das Neocomien, .D. zitirt dü- 
gegen den B. subclavatus Vorrz im mitteln Jura-Gebirge der Basses- 
Alpes, den B. hastatus Brv. in den Vaches nvires, den B. ferrugi- 
nosus im Eisen-Oolith des Oxford-Thons nach Vorrz. 


3) Die Notosiphiten und Bipartiten scheinen das Neocomien und erste 
noch den obern Theil der Oolithe zu charakterisiren. »’Orsıcny be- 
schränkt sie auf erstes allein, aber VorLrz (bei DE LA BEcHE) zitirt den 
B. dilatatus Bzrv. noch im untern eisenschüssigen Oolith von Bayeur 
und im Lias von Gundershofen und Befort; BramwvisLe die von ihm 
selbst abgebildeten Exemplare in den Oolithen von Esnandes (Charente- 
infer), und der Verf. fand 2 Varietäten von B. latus’in ‘den Jura- 
Kalk- und -Mergel-Schichten unmittelbar über jenen mit Gryphaea 
arcuata. 


4) Die Belemniten ohne Bauch-Rinne und ohne doppelte Seiten-Linie, 
mit oft faltigem Scheitel und oft an der Spitze gekrümmiter, vorn ovaler 
Alveole scheinen die untern Oolith-Schichten nicht zu überschreiten. 


Die Lithographie’n in diesem Werke sind ausgezeichnet schön, Der 
Vf. scheint erst die Absicht gehabt zu haben, auch andre Familien fos- 
siler Konchylien auf dieselbe Art zu bearbeiten, hat sich aber nun ent- 
schlossen und bei den Ammoniten bereits angefangen, all’ sein reiches 
Material an pV’Orsıcny zur Aufnahme in dessen Paleontologie Fran- 
Caise zu übergeben. 


„RB. Owen: sechs neue Arten fossiler See-Schildkröten 
im London-Thon (Geolog. Proceed. > VlIastit. 1842, X, 44.— 45). 
Diese Reste stammen aus dem London - Thon der Insel, Sheppy und 
Nr. 6 aus dem der Gegend von Harwich. Cuvırr und BuckLann haben 
zwar Beste von See-Schildkröten im Muschelkalk, Wealden-Thon, Kreide 
und London-Thon erkannt und angeführt, aber noch ist keine Art ächt 
wissenschaftlich bestimmt worden. Einige Schildkröten - Reste von 
Sheppy hatte Cuvıer den Sumpf-Schildkröten, Emys, zugeschrieben. 


1) Chelone breviceps a. hat einen fast vollständigen Schädel 
und einen Schädel mit Rücken- und Bauch - Panzer hinterlassen. Am 
ersten fehlt nur das Hinterhauptbein. Er stellt einen starken ununter- 
brochenen Wulst, eine Kappe dar, die sich von der Parietal-Leiste je- 
derseits über die Schläfen-Grube erstreckt und hauptsächlich durch eine 
grosse Entwickelung der Hinter - Stirnbeine gebildet wird; ein sichres 
Kennzeichen des meerischen Geschlechtes, welches noch begleitet wird 
durch beträchtliche Dimensionen und die seitliche Stellung der Augen- 
Höhlen, deren hintere Grenze sich über den vordern Rand der Parietal- 
Linie hinaus erstreckt, durch die Abwesenheit der tiefen Furche, welche 


364 


bei den Sumpf- Schildkröten das obre Maxillar- Bein vom Pauken» Bein 
trennt, durch die seitlich ausgedehnte Platte der Wand-Beine, welche 
mittelst einer geraden Naht mit den Hinter-Stirnbeinen auf 2 ihrer Er- 
streckung, auf dem andern ‚Viertheil aber mit dem Schläfen - Bein oder 
zygomatischen Element. verbunden sind, und durch. die Bildung. der 
Schädel-Basis. Die äussre Fläche der Schädel-Kuochen ist unregelmä«-. 
sig ausgehöhlt und bietet ein ‚eigenes chagrinirtes- Ansehen dar. Auch 
im Unterkiefer finden sich zwei Kennzeichen von Meer - Schildkröten, 
indem das Zahn - Stück einen grösseren Theil davon als bei den Land- 
und Süsswasser- Schildkröten bildet und der untre Theil der Symphyse 
leicht ausgehöhlt ist. Die äussre Fläche beider Panzer zeigt: dieselben 
Unebenheiten, wie die des Schädels. Der Rücken - Panzer ist lang, 
schmal, eiförmig, vorn breiter, verschmälert sich allmählich nach binten 
und ‚endet. fast in eine Spitze. Neun (von 11), Wirbel-Platten sind er- 
halten und 8 Paare Rippen, wovon die 6 vorderen Paare genügende 
Theile ihrer äussern schmalen und gezähnelten Enden darbieten, um 
wieder die See-Schildkröte erkennen zu lassen. Diese Wirbel-Platten wei- 
chen 'wesentlich von denen der Emyden ab. Das letzte Rippen - Paar 
fügt sich an die 9., 10. und 11. Wirbel-Platte an, wie bei den See- 
Schildkröten. Das Stersum ist zwar mehr als bei den lebenden Arten 
dieses Geschlechtes verknöchert, bietet aber alle wesentlichen Kenn- 
zeichen desselben dar. Die Art unterscheidet O. von’ anderen an der Kürze 
des Gesichts-Theiles des Schädels im Verhältnisse seiner Breite u. s. w. 

3) Ch. longiceps n. hat einen Schädel mit eigenthümlich 'verlän- 
gerter und zugespitzter Schnautze geliefert. Die Oberfläche der Kno- 
chen ist auch ebener, als bei voriger Art, aber die sonstigen Charaktere 
deuten ebenfalls auf eine Chelone , wie insbesondre die Schlund - und 
Nasen-Gegend. Aber diese Art unterscheidet sich von den lebenden 
durch‘ die Schmalheit des Keil-Beins an der'Basis des Schädels und 
durch die Form und die Höhlungen der Flügel-Beine. Der Vf. beschrieb 
im: Detail auch noch 2 mittle  Wirbel- Platten mit den ausgebreiteten 
Theilen der entsprechenden Rippen rechter Seite, Wirbel-Stücke, das 
rechte Xiphosternal-Stück, einen Humerus und einen Femur, die mit 
dem Schädel gefunden worden sind. Ein fast vollständiger Rücken: 
Panzer in Bowersank’s Sammlung ‚„ welcher zu dieser Art gehört, un- 
terscheidet sich vom vorigen, indem er breiter und flacher ist, und durch 
einige untergeordnete Abweichungen. Der Brust-Panzer ist noch merk- 
würdiger, als der von Ch: breviceps, durch die grössre Erstreckung sei- 
ner Verknöcherung, indem der Knorpel-Raum in der Mitte verringert ist. 

3) Ch. latiscutata a. berührt auf einem. beträchtlichen Theile 
des, Panzers eines jungen Thieres von 0m75 Länge von der 2. bis 7. 
Wirbel-Platte einschliesslich, mit 'den ausgebreiteten Theilen der 6 ersten 
Rippen-Paare und dem Hyosternal - und Hyposternal- Theile des Bauch- 
Panzers. Sie unterscheidet .sich sehr von allen bekannten Arten durch 
die verhältnissmäsig grössre Breite der Wirbel- Platten ‚. welche. fast 
2mal so breit als lang sind. | id 


365 


4) Ch. aubeonvexa nm. beruhet auf einem fast vollständigen Pan- 
zer und hält das Mittel zwischen den 2 ersten Arten, indem ihr Rücken- 
‚Panzer schmaler und gewölbter als bei 2, breiter und in regelmäsigerer 
Kurve gewölbt ist als bei 1. Der Vf. beschrieb die einzelnen Theile 
ausführlich. Als See-Schildkröte wird die Art hauptsächlich eharakteri- 
‚sirt dureh die Form, die leichter sigmoide Krümmung und die geringere 
Länge des Femur, welcher nur 0m025 misst, während er bei einer gleich 
‚grossen Emys 0m038 haben würde. 

5) Ch. suberistata n. nähert. sieh durch ihren Panzer mehr als 
die vorigen der Ch. Mydas durch die Form seiner Rücken-Buckeln und 
zumal den kurzen schneidigen Längen - Kamm auf der 6. und 8. Platte 
(während er bei Mydas weniger stark auf der 4. und 6. Platte ist). 
Alle Theile wurden ausführlich beschrieben. | 

6) Ch. platygnathus, ein Schädel in Sepswick’s Sammlung, als 
‚solcher einer See-Schildkröte bezeichnet durch die grosse Ausdebnung des 
Knochen-Wulstes an den Schläfen-Gruben und durch den Antheil, welchen 
die Hinter-Stirnbeine an dessen Bildung nehmen; demungeachtet grenzt 
‚diese Art näher als die vorigen an Trionyx und Emys durch die schiefe 
Stellung der Augen -Höhlen und die minder beträchtliche Grösse des 
Raumes zwischen ihnen. Auch ist die Erstreckung von vorn nach 
hinten grösser als an allen lebenden und erloschenen Chelonen und die 
Abplattung des unteren Theiles der Symphyse merkwürdig. Auch ein 
Stück Brust - Panzer ist zu Harwich gefunden worden und wird im 
Britischen Museum aufbewahrt. 

So lange man die Schildkröten-Heste von Sheppy den Süsswasser- 
Sehildkröten, Emys, zugeschrieben, war der Unterschied der eocenen 
und der jetzigen Chelonier - Bevölkerung Englands ‘nicht so auffallend, 
weileine Emys, E. Europaea, noch gegenwärtig aufdem Kontinente häufig 
ist und selbst in England vorkommt. Nachdem man aber nun auf dem 
beschränkten Raum von Shrppy mehr Chelone-Arten gefunden, als jetzt 
im Ganzen noch lebend gefunden werden, von welchen nur 2, Ch. Mydas 
"und Ch. earetta, zuweilen die Gegenden besuchen, so gewinnt die Sache 
ein höheres Interesse, Sie deuten ,„ wie andere eocene Thiere, auf eine 
höhere Temperatur hin und mögen durch ihre Anzahl sehr zu Vermin- 
derung der Krokodil-Eier jener Zeit beigetragen haben, um: ihrerseits 
wieder die Beute der erwachsenen Krokodile zu werden. | 


Arc. P’OrBIoHY: Abhandlung über die Foraminiferen der 
weissen Kreide des Pariser Beckens (Mem. soc. geol. 1840, V, 
1—52, pl. 1-ıv > Bullet. soc. geol. 1840, XI, 38—39.. Zuerst zählt 
der Vf. die Leistungen von J. PLancus, LEDERMÜLLER, SoLpanı, FicHTEL 
und Morr, Lamarck, Nırsson, Dusırnın, RoEMeEr, v. Hauer u. A., so 
wie seine eigenen über die Foraminiferen überhaupt auf. Der Vf. bezeich- 
net ihr Vorkommen von den Oolithen bis in die lebende Schöpfung. Mau 
kennt über 1500 lebende oder fossile Arten. Im untern Tertiär-Gebirge 


Jahrgang 1842. 24 


366 


von @entilly bei Paris ist eine Gesteins-Schichte fast ganz daraus zu- 
sammengesetzt; nur ein leichtes Zäment bindet sie aneinander; ein 
Kubik-Zoll des Gesteins enthält deren 58,000, ein Kubik-Meter 3,000,000,000. 
Lebend finden sie sich in allen Meeren. Ihre Reste sind es hauptsäch- 
lich, welche allmäblich die Sandbänke bilden, die Golfe verstopfen , die 
Häven erfüllen und mit den Korallen wärmerer . Meere neue. Inseln 
bilden. Eine Sondirung Lerkvre’s in 35’ Tiefe des Havens von Alexzan- 
dria hat dem Vf. den Beweis geliefert, dass die drohend fortschreitende 
Verschlammung desselben ‚hauptsächlich aus Foraminiferen besteht. Jede 
Gebirgs-Formation hat ihre eigenthümlichen Arten , mit deren Hülfe sie 
sich erkennen lässt. So hat auch jetzt jede klimatische Zone der Erde 
ihre eigenthümlichen Genera, mit deren Hülfe sich mithin: wieder die 
Temperatur einer Gegend oder einer Zeit erschliessen lässt. Die voll- 
ständigsten jetzigen Foraminiferen-Faunen findet man: von den Antillen 
bei pe za Sacra *), von den Canarischen Inseln bei Wer und Bekr- 
THELOT ”*), von Süd-Amerika beim: Vf. selbst *"*). n 

In der weissen Kreide insbesondre hat man bisher aus der Pariser 
Gegend »ur Lenticulina rotulata, Lituola nautiloides und L. 
difformis durch Lamarck, aus England wieder die erste uuter dem 
Namen Nautilus Comptoni durch Sowerxy, und aus Schweden die- 
selbe unter dem Namen Lentieulites Comptoni und L. cristella 
nebst drei neuen Arten durch Nırsson gekannt. Der Vf. hat im Pariser 
Becken, indem er alle Steinbrüche ‚und alle Sehiebten - Abtheilungen 
fleissig durchsuchte,, allmäblich 54 Arten zusammengebracht:; aber auch 
die der Kreide an der Loire , an der Charente, an der Gironde, in 
. Süd-Frankreich und in Belgien gesammelt, um durch deren Vergleichung 
zu allgemeineren Ergebnissen zu gelangen. Die geologische Stellung 
der weissen Kreide von Paris ist bekannt genug, um als Niveau zu 
dienen; sie enthält die 3 der Kreide eigenthümlichen ‚Genera Flabel- 
lina, Verneuilina und Gaudryina und eine ‚Menge: ‚erloschener 
Arten; während die Kreide von Mastricht, Fauquemont (Belgien), Tours, 
'Chavagne und Vendöme jünger ist, indem sie nur noch lebende oder 
‘wenigstens in Tertiär-Bildungen wieder vorkommende Geschlechter zeigt, 
alle andre Kreide - Ablagerungen aber nach der: Beschäffenheit ihrer 
-Foraminiferen als älter angenommen werden . müssen. Gleichwohl 
müsste man, um alle Kreide-Sebichten in Frankreich nach diesen Re- 
sten zu klassifiziren, sie in zwei geographische Abthejlungen bringen, 
die nordöstliche (Seine, Loire, Belgien, England), wo alle Arten von 
den untersten bis zu den obersten Schichten eine auffallende Ähnlichkeit 
und einen regelmäsigen Übergang aus der einen Schicht in die andre zeigen, 
— und die südwestliche, wo nieht nur .die Arten.alle von den vorigen 
verschieden sind, sondern auch- fast alle anderen. Geschlechtern ange- 
hören. Der Vf. gibt folgendes Bild: harter! 


*) Histoire politique, physique et naturelle de V’ile de Cuba, 
**) Histoire nalurelle des #les Canaries. ' 
“**) Foyage dans U’.Amerique meridionale. 


tl. 


10. 


8 


3. 


= 


zu 


367 


NO.-Gruppe. 


. Obre Kreide von Mustricht und Fau- 


quemont. 

Polyparien-Kreide von Falognes und 
Nehou. 

Dergl. im Loire-Becken, zu Fendöme 
(Loire-et-Cher), Chavagne (Maine- 
et-Loire), Tours (Indre-et-Loire). 
Weisse Kreide von Ciply in Belgien. 
Dergl. von Paris, Yonne, Aube, Eng- 
land, 


 Craie tufau mit Gryphaea columba, 


Loire, 


Grünsand von Mans (Sarthe). 


Gault von Troyes, Aube. 
Neoconien im .£ube-Dept. 


SW.-Gruppe. 


. Nummuliten-Krelde von Royan (Chu- 


rante infer.) und längs der Pyrenüen 
zu Suint-Marlory (Haute - Garonne) 
und St Gaudens bis zum Aude-Dept. 


. Polyparien - Kreide zu Suintes (Chu- 


rente infer ) 


. Ammoniten - Kreide mit Gr. columba 


zu Martrous bei Rochefort. 


. Kaprinen-Kreide auf dir, in den Cor- 


bieres, lude. 


. Gründsand von Fouras, auf dir, in 


den Corbieres. 


Die Foraminiferen darin sind, nach denselben Nummern zusammen- 
gestellt, folgende, jedoch in der Richtung von unten nach oben besser 


‚überblicken. 
"Die Agathistegier (Milioliten) bleiben der tertiären und jetzi- 


gen Schöpfung aufbewahrt. 


12. 


u 


IL, 
. Die Genera, welche weiter unten noch 


Zu den 3 bei 10. genannten Genera 
gesellen sich neu: Nonionina, Fau- 
jasina und Heterostegina, 
welche alle auch lebend oder tertiär 
vorkommen, 


nicht als erloschen bezeichnet sind; 
neu treten auf Polystomella, Po- 


iymorphina, Globulina. 
.. Gleichzeitig mit 8; daher noch Fla- 


bellina; aber sonst audre Arten als 
in 8. 


. Alle Genera wie in 3, zum Theil mit 


den nämlichen Arten; Flabellina 
seit 3 bestehend erscheint zum letzten, 
Verneuilina und Gaudryina 
zum ersten und letzten Male; Nodosa- 
ria, Marginulina, Valvulina, 
'Rotalina, Rosalina, Trunea- 
tulina, Uvigerina, Globige- 
rina, Pyrulina, Sagrina er- 
scheinen zum ersten Male; am häu- 
figsten sind Frondicularia und 
die Binreih-fächrigen Formen, 


3 


. Litwola trittineben Dentalina auf, 


Dentalina,Citharinacverschwin- 
det hiemit), Frondicularia, Fla- 
bellina, Cristellaria, Buli- 
mina, Guttulina. 


}. 


Textularia. 


haupt von den einfachsten. 


Für die Pariser weisse Kreide zeigt 


Verhältnisse von 54 Arten an: 


1. Monostegier.. . .. . 
NM. Stichostegier. 


Dentalına . 
Märbınulina. .. |. „0 aau 
Frondienlariıa..- . - „20 


A. Gleichseitige . . 


B. Ungleichseitige . . . 


ill. Helicostegier, 


5 


nn 


Nodosaria. 


Flabellina . 


A. Nautiloideen . 


Cristellaria 
Lituola. 
' Rotalına 
Globigerina 
Truneatulina 
Rosalına 


. 


Valvulina . 


B. Turbino:deen . 


“” \ Verneuilina 
Bulimina 


“ 


Uvigerina. 
Pyrulina . 
Gaudryina 


IV. Entomostegier ... 


V. Enallostegier. 
A. Tezxtularideen 


B. Polymorphinideen . . . 
VI. Agathistegier . . . . 


Die ersten Monostegier erscheinen 


| Textularia 
“ | Sagrina 


Cristellaria, Nammaulinaschr 


häufig. Guttulinma. 

Nur Cristellaria. 

Die unter 3 genannten Formen im 
Allgemeinen. 


. Wie in 3. } 
. Dentalina, Cristellaria,Li- 


tuola, Alveolina, Chrysali- 
dina, Cuneolina 


f 


In den Oolithen gibt Citharina die Mehrzalıl der Arten; die Formen sind über- 


folgende Tabelle die Zahlen- 


I DER MIR DIN SER 
. u, UI UF- 20.\20 


oo) 


nn 
» = 
} £ > o 
3A A 
(7) .. wg 
e \ 5 a 


“ 
Dun on DD m N Gm rw 


. ° . . . “ . ® . 


° . [I . ” . . . . ° ” {1} 


erst in: den obern Tertiär- 


Bildungen, die ersten Entomostegier in der obern Kreide von Mastricht, 
die ersten Agathistegier in den untersten Tertiär-Schichten. Die Fauna 
der weisseu Kreide hat wenig Analogie mit den untern, mitteln und 
obern Tertiär-Bildungen von Paris, von Bordeaux, von England und 


369 


Belgien, wohl aber durch die grosse Anzahl von Stichostegiern mit 
jenen Wiens und der Subapenninen. — Diese Fauna der weissen 
Kreide mit der unsrer jetzigen Meere verglichen stimmt am meisten 
mit der des Adriatischen Busens überein; nur hier ist, wie dort, die 
grosse Menge der Stichostegier und die grosse Zahl von Bulimi- 
nen-Arten; bier allein kommen noch lebende Frondicularien vor, 
die in der weissen Kreide so manchfaltig sind; bier finden sich endlich 
die zwei einzigen Arten, welche sich noch lebend erhalten haben: Den- 
talina communis und Rotalina umbilicata. Man könnte daher 
folgern, dass das Klima der Pariser Gegend damals ein wärmeres ge- 
wesen; dass sich die weisse Kreide in einem gegen die Bewegung 
und Fortführung heftiger Wogen geschützten Busen oder Becken abge- 
setzt habe, da die Fossil- Reste in keiner Weise abgerollt sind, und 
dass auch Süd- England mit in dieses Becken gehört habe. — Welch’ 
vollständige Analogie aber hinsichtlich ihrer Foraminiferen - Reste zwi- 
schen der weissen Kreide von Meudon bei Paris, Saint-Germain, Sens 
(Yonne) und England bestehe, erhellt aus folgender Zusammenstellung: 


Gesammt- Arten-Zahl von 


Foraminiferen. zahl der 
Arten, Meudon. 


St.- Germain. Sens. 


England. 


Stichostegier . . 20 15 

Helicostegier .„. 30 19 14 18 

Enallostegier .„ . 4 4 1 1 

Im Ganzen . . .. 54 38 33 28 23 
. Dabei eigenthünlich . | . . . 9 2 6 

Mit den andern Orten | . . . 29 31 22 


Mit andern Schichten aber hat die weisse Kreide folgende Arten 
gemein: mit dem Grünsande von Mans: Dentalina sulcata, Mar- 
ginulina compressa, Cristellaria rotulata, wovon die erste 
und letzte auch in Schweden vorkommen; — mit der jüngeren Polypa- 
rien-Kreide von Tours: Bulimina obtusa und Textularia turris; 
— mit der Mastrichter Kreide: Dentalina multicostata und Ro- 
talina Cordierana; — mit den Tertiär- Schichten Wiens und der 
Subupenninen und zugleich der lebenden Fauna die schon genannten 
zwei Arten; so dass 47 Arten der weissen Kreide zu eigen bleiben. 

Hierauf folgt die Diagnostik, Beschreibung und Nachweisung des 
Vorkommens aller 54 Arten, welche sämmtlich in mehrfältigen Ansichten 
abgebildet sind. 


L. v. Buch: über Produkten oder Leptänen [?aus dem Bullet. 
der Berl. Akad. von 1841: 7 SS.). Productus oder Leptänen sind 
Brachiopoden , daher symmetrisch in allen ihren Theilen und innen mit 
2 Spiral- Armen versehen ‚„ die am Rande mit Frangen oder Winpern 


370 


besetzt sind. — Dem Geschlecht eigenthümlich ist: ein in seiner ganzen 
Länge gerader Schloss-Rand, horizontal wenn die Schaalen in ihrer 
Länge senkrecht stehen, ohne Spur von Area. ‚In der Mitte des 
Schlosses treten 2 Zähne der Oberschaale divergirend hervor und um- 
fassen 2, eng mit einander zu einem Knöpfchen vereinigte Zähne der 
unteren Ventral Schaale, die durch eine dreieckige Öffnung in den Buckel 
der oberen Schaale eindringen und diese Öffnung völlig verschlies- 
sen. Kein Heft-Band aus dieser Öffuunz. Dagegen stehen hohle Röhren 
an der ganzen Länge des Schlosses bin und häufig auch auf der Fläche 
der Oberschaale. Innen sind beide Schaalen mit einer Menge 
über die ganze Fläche zerstreuter Branchien-Spitzen bedeckt. 
Die Produkten unterscheiden sich daher von Spirifer und Orthis vor- 
züglich durch den Mangel eines Heft- Bandes und der Area. Auch 
fehlen ihnen die 2 inneren Lamellen oder auseinanderlaufenden Scheide- 
wände, durch welche die Spiral Arme bei Spirifer genöthigt sind nach 
eutgegengesetzten Seiten sich zu verbreiten. Auf der Oberfläche sind 
die Produkten jederzeit diehotomirend gestreift; nie sieht man die 
Streifen scharf und Dach-förmig, wie an Spirifer. Der untere Theil 
hängt schr oft. wie eine Schleppe herab und kann vom Thiere selbst 
nichts mehr, als Respiratious- Organe umschliessen. — Im Innern sind 
die Organe nach ganz ähnlichen Gesetzen, wie in anderen Brachiopoden, 
symmetrisch vertheilt. -Die zu einem Knötchen vereinigten Zähne tra- 
gen auch hier das ganze Knochen-Gerüste schwebend im Freien. Eine 
Scheidewand aus der Mitte entlässt zu beiden Seiten das Gerüst, wel- 
ches die Spiral - Arme unterstützt. Diese Spiralen wenden, sieh, von 
Aussen nach Innen und steigen mit Jhrer Spitze gegen die 
Dorsal-Schaale hberuuf, beide parallel mit einander; sehr verschie- 
den von Spirifer, aber ganz ähnlich, wie in Orbieula. Auf den Kernen 
erscheinen sie als zwei hochsteheude Buckeln, durch welche diese 
oft wunderbare Formen erhalten. Sowersy hat sie oft als eigene Arten 
aufgeführt (Pr. humerosus, Pr. calvus, Pr. personatus). ‚Dureh 
die Schaalen aber werden die Vertiefungen soleher Kerne ganz wieder 
ausgeglichen und diese dann zu bekannten Arten zurückgeführt.  Zwi- 
schen den mächtigen, tief in die Oberschaale eindringenden , senkrecht 
gestreiften Muskel- Eindrücken sieht man auf der ÜUnterschaale eine 
Blatt - förmige Erhöhung zu beiden Seiten des Dissepiments, den Ein- 
druck der inneren (Leber) Organe. Diese ganze innere Einrichtung 
hat Hr. Hönınsuaus in Crefeld 1828 auf einem besonderen Blatte schön 
abbilden lassen. — Die ganze innere Fläche der Srhaalen ist vom 
Schnabel bis zum äussersten Rande mit einer unglaublichen Menge 
Spitzen besetzt, welche oft wie Thränen hinter einander fort liegen 
eder auch an die Spitzen eines Herwelin- Mantels erinnern. Sie sind 
bei allen Pruoduetus-Arten so auffallend, dass sie schon allein hinreichen 
einen Productus zu unterscheiden und haben Puırrıes und Sowerer 
verleitet eine Menge Arten zu bilden, welche von vorher bestimmten 
mit Schaale gar nicht abweichen. Dennoch ist es nichts für die Produkten 


371 


Ausschliessliches. Es sind die verhärteten Wimpern oder Bran- 
chien-Ansätze der inneren Seite, am Rande des Mantels, welche 
das Thier benutzt, ausserhalb des Mantels das Wasser in Bewegung 
zu setzen und zu den Branchial - Gefässen zu führen. Werden die 
Wimpern zu hart, so bleiben sie auf der inneren Seite des Mantels 
‚zurück, und neue Wimpern dringen hervor. Diese Einrichtung ist allen 
Brachiopoden gemein. Auf Terebrateln, vorzüglich den glatten, 
sind diese Wimpern - Eindrücke als unzählige Poreu ganz deutlich, und 
T. punctata Sow. hat darin nichts Eigenthümliches. In der lebenden 
-T. ’dorsata erscheint im Innern jede Spitze als der Mittelpunkt, von 
welchem feinere Wimpern nach dem Rande auslaufen, und in T. spinosa 
treten diese Wimper - Spitzen sogar über die äussere Oberfläche hervor. 
— Die sonderbaren Röhren an den Schloss - Rändern der Produkten 
und’ zuweilen auch auf ihrer Oberfläche sind ihnen ganz allein 'eigen; 
sie wachsen fort mit der Muschel, und diess unterscheidet sie wesent- 
lich von den Hermelin - Spitzen des Mantels. Diese vergrössern sich 
nieht, und wenn sie auch einen Theil der Schaale durchdringen, so 
bleiben sie doch in der Schaale versenkt mit der Länge dieser Schaale 
gleichlaufend und mit der Spitze nach unten. Die Röhren dagegen 
steigen auf, von den uuteren Rändern abgewandt; und sind sie ab- 
gebrochen und verloren, wie in den meisten Fällen, so zeigen ‘doch 
ihre Narben eine völlig Zirkel-förmige Öffnung senkrecht auf die Fläche 
der Schaale, wie das die Spitzen nie thun. PuırLıes und SowErsBy 
haben überall Röhren und Brauchien - Spitzen mit einander verwechselt; 
allein Röhren stehen, ausser am äussersten Schloss- Rande, niemals 
auf der Fläche der Unterschaale, dagegen bedecken Spitzen 
das Innere der Unterschaale in derselben Menge und mit derselben 
Vertheilung, als das Innere der Oberschaale. — Die Produkten werden 
der Gebirgs-Lehre dadurch so vorzüglich wichtig, dass sie auf eine 
gar schmale und enge Zone in die Reihe der Gebirgsarten eingeschränkt 
sind. Wo sie in Menge erscheinen, da ist man gewiss von der grossen 
Steinkohlen-Formation nicht selır weit entfernt. In früheren silurischen 
Schichten, selbst in den oberen, sind sie nur selten (Pr. spinulosus, 
Pr. sareinulatus) und können in ihnen fast nur als Fremdlinge an- 
gesehen werden; auch sind es keine von denen, die der Schleppe-artige 
Fortsatz der Schaalen so auffallend macht. In neueren Schichten aber, 
über dem Koblen-Gebirge wird das ganze Vorkommen der Produkten 
mit dem Pr. aculeatus ScurorH. (horridus, calvus, humerosus) 
des Zechsteins scharf und schneidend beendigt, und von der ganzen 
Form findet sich seitdem nichts Ähnliches mehr, am wenigsten in der 
lebenden Schöpfung. Man köunte daher die ganze Formation des 
Kohlen - Kalksteins bezeichnender Produkten- oder Leptänen-Kalk 
nennen, um so mehr, da er sich über grosse Räume ausdehnen kann, 
ohne dass Steinkohlen darauf folgen, und wiederum , da es nicht eben 
nothwendig ist, dass er jederzeit als Trennungs-Glied zwischen siluri- 
schen und Koblen-Schichten wirklich vorkonmen müsse. So ist er in 


372 


der That in Deutschland recht selten, Es ist bekannt, welchen grossen 
Raum die Transitions-Gebirge in der Mitte von Deutschland einnehmen; 
der grösste Theil der Ardennen, der Eifel, des Hundsrücks, des Wester- 
Waldes, des Taunus, des Harzes, des Fichtelgebirges, des Voigtlandes 
sind daraus gebildet; “allein Alles gehört den älteren Bildungen. Es 
finden sich keine Produkten darin, und nur an den Bändern erscheinen 
sie ganz vereinzelt und ohne Zusammenhang. So sieht, man sie in 
der Nähe von Hoff bei Trogenau und bei Planschwitz, so bei Ralingen 
an der Ruhr, wo ihnen die Kohlen-Schichten in weniger Entfernung 
darauf folgen. : Einen zusammenhängenden Produkten-Kalk, Berg-Kalk 
oder Kohlen-Kalk würde man auf einer Karte von Deutschland gar 
nicht angeben können. Anders ist es, sobald man die Maas über- 
schreitet. Wise bei Mastricht, Choquier, Namur, Dinant, Tournay und 
viele andere Orte sind schon lange als reiche Fund- Gruben von Bro- 
dukten bekannt. Diese Produkten - Schichten begleiten das Koblen- 
Gebirge ununterbrochen fort und selbst am westlichen Ende, bei Buu- 
Zogne erscheinen sie wieder. Sie bilden die östliche Begrenzung der 
grossen Mulde, die sich über Belgien und den grösseren Theil von 
England und Schottland verbreitet und in ihrem tiefsten Punkte vom 
Kanal, wie von einer Axe, durchschnitten wird. — Eine ähnliche 
Mulde findet sich im Innern von Nord- Amerika wieder, und in Süd- 
Amerika haben die Herren PentLanp und ALcıpE D’OrzIcnY die Pro- 
dukten des Kohlen-Gebirges auf der Höhe der Anden, an der Ost-Seite 
des Sce’s von Titicaca in grosser Menge gefunden (Pr. antiquatus), 
Eine andere Mulde, der West-Europäischen ähnlich, verbreitet sich in 
kolossalem Maasstabe zwischen Finnland, dem südlichen Theile von 
Russland und dem Ural, und eben, wie in dieser , erscheint auch nun 
der Produkten- Kalk in ungeheurer Ausdebnung fort, welches auf die 
anschaulichste Art auf den Karten hervortritt, die man dem Baron 
v. Meyenporrr, den Hrn. v. HELMERSEN und vorzüglich der umsichti- 
gen und kritischen Arbeit des Hrn. AnoLru Erman verdankt. Deutsch- 
land und die Skandinavische Halbinsel bilden einen Damm zwischen 
diesen beiden Europäischen Mulden, welche der Produkten - Kalk in 
Deutschland kaum erreicht, in Schweden und Norwrgen aber gar nicht; 
denn in diesen Ländern, welche doch silurische Schichten bis weit 
über den Polar-Kreis aufweisen können, ist noch von Produkten des 
Bergkalks keine Spur entdeckt worden. — In Schlesien hat man vor 
wenigen Jahren bei Altwusser unweit Waldenburg auf einem kleinen 
Raum fast alles dieser Formation Eigenthümliche gefunden, was in 
Russland über einen so grossen Laudstrich verbreitet vorkommt; unter 
Diesem auch Produkten in gewaltiger Grösse, dann wieder bei Neudorf 
in der Grafschaft Glatz und bei Falkenberg; diess sind die einzigen 
Orte ihres Vorkommens in Schlesien. In der Schweitz und Italien hat 
man sie bisher noch nirgends gesehen , in den Alpen überhaupt nur 
ganz unerwartet zwischen Jura - Schichten am Fusse des Bleiberges 
in Karnthen. 


373 


Nach vielen Versuchen scheint es am zweckmäsigsten, die Produk- 
ten in solche einzutheilen, welche auf ihrem Rücken hochgewölbt sind, 
ohne alle Einsenkung der Mitte: Dorsati, und solche, welche in der 
Mitte durch eine grösstentheils flache und breite Furche, durch einen 
Die Furche entsteht 
durch die Entfernung der beiden aufsteigenden ‚Kegel der Spiral-Arme, 
zwischen welchen der Mantel und somit auch die Schaale einsinkt. 
Andere Kennzeichen ergeben die Streifung der Oberfläche, die Lage 
der Röhren , die Produktion der Schaalen, seltener die Branchien- 
Spitzen im Innern, und sehr selten die fast immer ungemein ‚veränder- 


Sinus, in zwei Hälften getheilt sind: Lobati. 


liche Form. 


Clavis der Productus-Arten. 


Rücken gewölbt (Dorsati). 
Oberklappe Schleppe-artig herabhängend ; produzirt. 


Produetus,. 


Produktion unsymmetrisch, vom schmalen Schloss an lang und breit 1. limaeformis. 


Produktion wenig breiter, oder schmaler als das Schloss, 


Ohren am Sehloss flach, dünu aufeinanderliegend . . .» .. 


Ohren am Schloss dick aufgeblähet . . 2» 2 2 2 2. 
OÜberklappe ohne Schleppe-artigen Fortsatz. 
Längsstreifen über die Anwachs-Runzeln hervortretend. 
Schloss viel breiter als die Mitte der Schaale . .. .» 

Schloss kürzer als die Mitte. ; 

Anwachs-Ringe keine ; queer-oblong . . ». . 2.2... 

Anwachs-Ringe oder Runzeln vorhanden, 

Streifen fein flach; queer-oval . . 2 2 22 .. 


Seäarınenob TUnd ID E PZN IE PN 


Längsstreifen von den Anwachs-Runzeln verdeckt. 
Anwachs-Ringe Dach-förmig, entfernt. . » 2 2 2 2 0% 
Anwachs-Runzeln rund, naheliegend. 


"Schloss breiter als die Mitte der Schaale . . » 2 2.» 


Sahlko sshächutaler 1101.30. IRRE: IENIBARINTL JO 


..2. comoides. 
3. giganteus. 

. 4, latissimus, 
5. sarcinulatuns, 


6. Scotieus, 
. 7. margaritaceus. 


8. fimbrieatus. 


9, spinulosus. 
; 10. aculeatus So. 


Rücken flach oder eingesenkt (Lobati). — OÜberklappe stets Schleppe- 


artig herabhängend; produzirt. 
' Rücken breit, am Sclhmabel nicht eingesenkt. 


Seiten mit dem Schnabel in gleicher Ebene . . .» 2. 2 0. 


Seiten herabhängend ..  :ucnaue even ehwlerte 
Rücken bis in den Schnabel eingesenkt. 


SEI aaellien zelnen es le eigene ee Zei eat 


queer- oder längs-gestreift. 
Längsstreifen über die Anwachs-Runzeln hervortretend. 
jene rund mit den Zwischenräumen gleich breit. 
Streifung stark, am Schnabel gegittert. 
Röhren am Rücken keine; gross . » ». . 0. 
Röhren 4 im Halbkreis auf dessen untrer Hälfte . . 
Strefung Seide drug. VERF NES VYN N 


jene breiter als die Zwischenräune . . 2 2». 000. 


Längsstreifen verdeckt von den Anwachs-Runzeln. . - 


1) Pr. limaeformis (Lima Waldaica) zu 
Anglesea. 


11. plicatilis. 
12. Martini. 


13. horridus. 


‚ 14. antiquatus. 
. 15. lobatus. 

. 16. coneinnus. 
17. costatus. 

. 18. punctatus. 


Nowgorod , Yise, 


2) Pr. comoides (Pr. pugilis Ph.) zu Altwasser, Bolland, Ra- 


tingen, Vise. 


374 


3) Pr. giganteus (Pr. personatus, Pr. auritus Pm., Pr. 
Edinburghensis) zu Nowgorod, und in Derbyshire. u 
4) Pr. latissimus zu Alezin und PUR DRSIR. an der Er Czerna 
bei Krakau; in Yorkshire. 
5) Pr. sarcinulatus, Gothlund, Ratingen, Eifel, Wales. 
6) Pr. Scoticus. au 
7) Pr. margarıtaceus zu Pise. 
8) Pr. fimbriatus (Sow.459, 1), zu Refrath bei Bensberg ; Däkrneh: 
9) Pr. spinulosus (Sow. 68, 3) zu Altwasser , Gerolstein; Vise. 
10) Pr. aculeatus (Sow. 68, 4, Marrını 1808) in England. 
11) Pr. plicatilis (Sow. 459, 2) zu Podolsk bei Moskau, Donetz, 
Ratingen; Vise. 
12) Pr. Martini: England, Tournay. 
13) Pr. horridus (Pr. aculeatus ScurLoru.) zu Gera, Lauban, 
. Büdingen; Durham. 
14) Pr. antiquatus (Sow. 317, 1—6) zu Kirilvw, Ratingen; Vise. 
15) Pr. lobatus (Sow, 318, 2—5) zu Altwasser ; in N.-England. 
16) Pr. coneinnus. 
17) Pr. costatus Pr. sulcatus Sow. 560, 1: 319, 2). 
18) Pr. punctatus (Sow. 823) zu Alexzin an der N Vise; 
Derbyshire, Cork. 
Diese Arten gehören fast alle dem Bergkalke an; Nr. 5 und 8 sind 
silurisch und Nr. 13 im Zechstein. 


H. G. Brons und J. J. Kaue: Abhandlungen über Gavial- 
artige Reptilien der Lias-Formation (mit 4 lithographirten Ta- 
feln in 9 Blättern und 1 Vignette; in Fol., Stuttgart). Beide Autoren 
haben sich entschlossen, ihre Untersuchungen über die Gavial-artigen 
Reptilien des Lias in einem gemeinschaftlichen Werke bekannt zu ma- 
chen, um sie gegenseitig zu ergänzen und den Gegenstand sogleich 
vollständiger zu erledigen, so weit ihre Materialien solches gestatten. 

Die Kaur’sche Arbeit (S. 1—3) enthält 1) eine neue Prüfung der im 
Dresdener Museum befindlichen sehr unvollständigen Reptil-Reste von 
Beil, auf welchen Herm. v. Meyer’s Genus Macrospondylus beruht; 
— 2) die erstmalige eigne Beschreibung und Abbildung des in Darm- 
stadt aufbewahrten Schädels von Altdorf, welcher seinem eignen Ge- 
schlechte Mystriosaurus zur Grundlage gedient hat; — und 3) die 
erstmalige Beschreibung. und Abbildung einer Unterkiefer - Symphyse 
aus gleichem Geschlechte in Graf Münster’s Sammlung ebenfalls von 
Altdorf : die ersten aus den Schiefern, die zwei letzten aus dem Kalke des 
Lias. Als Resultat ergibt sich, dass diese dreierlei Reste, so wie der 
Teleosaurus Chapmanni Könıe’s bei BuckLanp, nahe mit einander 
verwandt sind; dass jedoch Macrospondylus ein besondres, durch 
die Länge der Zähne und auffallend scheinenden Abweichungen in den 
Proportioneu der übrigen Körper - Theile ausgezeichnetes Genus bilde, 


375 


wenn anders jene Zähne zu diesen gehören; und dass die beiden an- 
‚deren Beste zweierlei Mystriosaurus - Arten anzeigen, welche sich in 
Proportionen des. Schädels und Zahl und Stellung der Zähne unter- 
‚seheiden und die Namen M. Laurillardi und M. Egertoni erhalten, 

Der Bronn’sche Antneil (S. A—36) dieses Werkes enthält 1) die 
erstmalige vergleichende Beschreibung und Abbildung zweier ziem- 
‚lich ‚vollständigen Skelette seiner Sammlung nebst Abbildung in gan- 
‚zer Grösse, eines Schädel-Theiles aus einem sehr unvollkommenen 
.‚Skelette des Hrn. Apotheker Weısmann in Stuttgart, des Gaumens von 
dem Skelette des Hrn. Grafen MAnpersLon in Ulm, nebst einigen ver- 
‚gleichenden ‚Nachweisungen über dasselbe und das der SENKENBERG- 
schen Gesellschaft in Frankfurt gehörende Skelett (indem die ausführ- 
lichere Beschreibung dieser zwei letzten Hrn. H. v. Meyer vorbehalten 
ist), ‚welche Reste sämmtlich aus; den Lias - Schiefern der Gegend von 
Boll stanınen; — 2) die erstmalige vollständige Original- Untersuchung 
des Schädel-Kernes aus dem Altdorfer Lias- Kalke im Mannheimer 
Kabinete, welcher zur Gründung des Kaur’schen Geschlechtes En- 
gyommosaurus. gedient hat; — 3) eine systematische Zusammenstel- 
Jung uud Charakteristik dieser mit sämmtlichen schon anderwärts be- 
schriebenen Gavial-Resten der Lias-Schiefer. Deutschlands und Englands; 
— 4) eine Vergleichung mit den noch übrigen Gavial-artigen Geschlech- 
tern der höbern Oolithe und insbesondre eine Revision der Charaktere 
‚des Geschlechtes Teleosaurus aus dem mitteln Theile derselben; — und 
5) allgemein zoologisch-geologische Betrachtungen über alle diese Thiere. 
Der Vf. hat nicht nur seine eignen 2 Skelette aus dem Gesteine her- 
‚ausgearbeitet und deren Schädel sogar von allen Seiten ganz frei ge- 
macht, sondern auch am den Manwperston’schen und Weısmann’schen 
‚Exemplaren. von der Unterseite des Schädeis wenigstens noch die Gau- 
‚men-Gegend frei gelegt, wodurch er nicht nur diese. Schädel alle, son- 
dern. auch; die ihnen. einzeln entsprechenden weiteren Theile des Skelettes 
in:grossem Detail kennen lernte und zu vielen neuen und wichtigen 
‚Resultaten: gelangte. Folgendes etwa sind die bedeutendsten darunter. 
a): Alle:6 unmittelbar untersuchten Individuen bilden mit den. lebenden 
Gavialen eine Familie.und stehen (so weit ein jedes derselben erhalten 
ist). denselben; ausserordentlich nahe nicht nur durch die. Gesammt- 
Bildung des ‚Skelettes und insbesondie des: langrüsseligen Schädels mit 
seinen endständigen vorderen und auch den, am Ende des Gaumens ste- 
‘henden: runden engen hinteren Nasen-Öffnungen, sondern auch durch das 
‚Keil-förmige Eindringen .der Ineisiv - Beine zwischen die Kiefer - Beine 
‚oben ;auf: den Rüssel, dureh die mehr oder weniger nach oben gerichte- 
ten: Augen-Höhlen und dahinter gelegenen Scheitel- Löcher, durch die 
-Kegel- förmigen längsstreifigen Zähne in getrennten Alveolen, und mit 
‚den Ersatz - Zähnen in: den Wurzeln, dureh 17 lange und in der Mitte 
stark  verengte Brust- und Lenden-, und 2 Becken-Wirbel, durch die 
Axt-förmigen 'Hals- Bippen, durch den zusammengedrückten Buder- 
schwanz, durch die Bildung der bekrallten 5 Zehen vorn und 4 hinten, 


376 


durch die Panzer -artige Umkleidung des Körpers. Sie weichen aber 
von den lebenden Gavialen ab durch eine vielleicht etwas flachre Stirne, 
durch kleinere flachrandige Augen-Höhlen, durch weit grössre längliche 
Scheitel-Löcher, welche fast die ganze hintre Schädel-Fläche einnehmen, 
durch kleinre Flügel-Beine, durelı ein eigenthümliches Relief des Gau- 
mens um und vor der hinteren Nasen- Öffnung, durch die Aufnahme 
der Kiefer - Beine zwischen den Incisiv-Beinen an der unteren’ Seite, 
durch die meistens grössre Anzahl von Zähnen und die eigenthümliche 
schon von Mystriosaurus bekannt gewesene Stellung der Schneide- 
zähne zuf dem Löffel- förmigen Rüssel-Ende, durch bikonkave (statt 
konkav-konvexe) Wirbel-Körper, durch 15 Brust- und 2 Lenden-Wirbel, 
durch (von vorn nach hinten) längre Dornen-Fortsätze, durch eine etwas 
frühere gänzliche Verbindung der Rippen mit den Queer-Fortsätzen an 
den vordersten Brust-Wirbeln, durch ein grössres Missverhältniss zwi- 
schen den schwachen Vorder- und starken Hinter-Beinen und gewöhnlich 
auch zwischen dem oberen und dem unteren Theil der Beine, dureh 
einen stärkeren, aus lauter grossen viereckigen und porösen Schildern 
bestehenden Panzer. Die fossilen Geschlechter der Oolithe:' Aelodon 
Gnathosaurus, Metryorhynchus und Leptocranius, so viel.sie bekannt, 
unterscheiden sich jedes in seiner Weise in den Proportionen des Schä- 
dels, der Zahl, Stellung und Form der Zälne, in der Zahl und Bildung 
der Wirbel; im besondren aber Aelodon durch nur 24—25 Zähne und 
4—5 Lenden-Wirbel, gegen 12—13 Brust-Wirbel wie bei den lebenden 
Krokodilen; Gnathosaurus dureh mehr als 40 etwas zusammengedrückte 
vorn viel stärkre Zähne mit den Ersatz - Zähnen neben sich; Metrie- 
rhynchus durch nur 22 zweischneidige Zähne und konvex - konkave 
Wirbel-Körper mit pyramidalen Queer-Fortsätzen, und Leptosramius 
durch einen sehr schmalen, unten Keil - förmig . zusammenlaufenden 
Schädel mit grossen und ganz seitlichen auseinandergerückten Augen- 
Höhlen. — 6) Eines der eigenen Skelette mit den drei anderen unmit- 
telbar untersuchten Individuen, nämlich einschliesslich des Engyomma- 
'saurus, so wie der Teleosaurus Chapmanni Könıcs bei BuckLanp ge- 
'hören zu Mystriosaurur, welches sich insbesondre auszeichnet durch 
eine vorn stark abgestutzte Scehnautze mit vorwärtsgerichteter queerer 
Nasen-Öffnung, durch kleine sehr nahe zusammengerückte und ganz 
nach’ oben gekehrte Augen-Höblen, durch nur mit einer Kanten-artigen 
Einfassung versehene und wenig getrennte Scheitel- Löcher, durch eine 
die Äste an Länge übertreffende Symphyse des Unterkiefers mit einem 
Symphysen-Winkel von 35°—40°, durch 4 + 28 bis 34 Zähne überall, 
durch Vorder- Extremitäten, welche 2 von der Länge der hinteren be- 
sitzen. — c) Das andre, kleinere der eigenen Skelette bildet ein zwar 
naheverwandtes, doch vielfach unterschiedenes Geschlecht, Pelagosau- 
rus, mit einer vorn niedrigeren abgerundeten Schnautze und länglicher 
nach oben gekehrten Nasen-Öffnung, durch grössre von einander wehr 
entfernte und mehr seitliche Augen-Höhlen, durch eine breitere flache 
Einfassung und’Trennung der Scheitel-Löcher, durch eine nach ‚vorn 


377 


verlängerte (in eine Knochen -Blase fortsetzende?) Anschwellung der 
Gegend um.die hintre Nasen. Öffnung, durch noch kleinre und mehr 
nach vorn gedrängte Flügel-Beine, durch eine die Äste an Länge nicht 
erreichende Synıphyse des Unterkiefers, deren Winkel 28° beträgt, durch 


nur Per B = Zähne jederseits, durch einen kürzeren Hals, durch stärker 

verengte Brust- Winkel, und durch nur die halbe Länge der hinteren 
erreichende Vorder-Extremitäten und zumal: schwache Hände. — d) Beide 
Genera, insbesondre aber das letzte, nähern sich dem Teleosaurus 
(so weit dieser bekannt) ausserordentlich. Da er sich von oben nur 
noch durch einen nach hinten im Verhältniss zur Länge breiter wer- 
denden Schädel, durch fast queere (so breite als lange) Scheitel-Löcher, 
durch auswärts geneigte längre schlankere und zahlreichere (im Ober- 
kiefer über 45) Backen-Zähne, durch etwas weniger an den Seiten her- 
abreichende Augen-Höhlen und einige sonstige Dimensions-Abweichungen, 
so wie durch bis zu 4 ihre Oberfläche übereinandergeschobene dicke 
Schilder, welche in Queerreihen von je sechsen den Bauch-Panzer und 
zu je zweien den Rücken- Panzer bilden .und nur am Schwanze gekielt 
sind, von Pelagosaurus: unterscheidet, während die Gesammt-Bildung 
des Hinter-Gaumens völlig übereinstimmt, wenn man nämlich die von 
Cuviıer und GeoFFRroy ST, HıLaıre als Arterien -Loch bezeichnete , aber 
verhältnissmäsig sehr grosse Öffnung für die an Grösse, Form und 
Lage ganz entsprechende hintre Nasen-Öffnung nimmt, so konnte über 
die richtigere Deutung dieser Öffnung kaum ein Zweifel mehr bleiben, 
in welchem Falle aber die weiter vorn im Gaumen befindliche, queere, 
von Cuvier und Georrroy selbst als hintere Nasen - Öffuung_ erklärte 
Spalte um so mehr als Bruch des Gaumen-Beins erklärt werden musste, 
als alle vom Vf. selbst untersuchte Gaumen an dieser Stelle einen, bei 
jedem abweichenden, aber nirgends mit dem Nasen-Kanal kommuniziren- 
den Bruch oder Eindruck wahrnehmen lassen. Auf die Mittheilung 
dieses Ergebnisses an Hrn. Ducrotay De Bramvirze in Paris und auf 
die Bitte das dort befindliche Original des Teleosaurus- Schädels hin- 
sichtlich dieser Öffnung und der Kontinuität des Nasen-Kanals bis zum 
angeblichen Arterien - Loche Cuvier’s unmittelbar untersuchen zu wol- 
len, bestätigte dieser vollkommen des Vfs. Voraussetzungen, nur mit 
der Modifikation, dass jener Bruch nicht die Gaumen-Beine an sich be- 
troffen habe, sondern jener Bruch-Spalt und die dahinter liegende Ver- 
tiefung, der offene Gaumen-Kanal GEorFroyY’s, in welchen diese Nasen- 
Öffnung einmünden sollte, durch das Wegbrechen einer mit dem Nasen- 
Kanal in Verbindung gestandenen mitteln Knochen - Blase als Analogon 
der zwei seitlichen Knochen - Blasen der lebenden männlichen Gaviale 
entstanden seye. Somit entbehrt Georrroy’s Geschlecht Teleosaurus 
des Haupt - Merkmales, worauf es gegründet worden, und fällt dessen 
Familie der Teleosaurier zusammen, die durch die Gavial-artigen Bep- 
tilien der Oolithen-Periode, bei welchen allen er ähnliche Nasen-Öffnun- 
gen, wie bei Teleosaurus vermuthet hatte, gebildet werden sollte. Die 


378 


Genera Teleosaurus und Aelodon unterscheiden sich demnach nicht 'we- 
sentlich von den Lias - Gavialen hinsichtlich der unter b und ce angege- 
- benen Charaktere und schliessen sich an sie zu einer Grüppe an, wäh- 
rend die drei anderen Geschleehter der Oolithe weiter zurückstehen. — 
e).Wenn schon man hiernach sich der Frage kaum erwehren kann, ob 
nicht Teleosaurus und Pelagosaurus die männlichen, und Mystriosaurus 
die weiblichen Individuen ‘eines: grössren geschlechtlichen Typus ent- 
halten, so erscheinen die oben bezeichneten weiteren: Unterschiede, 
nach Analogie des bei lebenden Gavial - Arten Bekannten’ doch :zu be- 
trächtlich, um jener Hypothese Raum zu geben. Ferner zeigen alle 9 
bis jetzt bekannten Individuen von Mystriosaurus in den von: ihnen er- 
hältenen Theilen, besonders aber in der hintern Gaumen-Gegend, :in den 
Dimensionen, Zähnen u. 's. w. noch ‘so auffallende Verschiedenheiten, 
dass‘ man sie für eben so viele Arten halten möchte, oder in Ermange- 
lung der: zur genauen Vergleichung nothwendigen Theile der Skelette 
wenigstens nicht mit Sicherheit in eine: ‘geringere Anzahl von Arten 
vereinigen. kann, welches Resultat ganz mit dem vom Owen neuerlich 
hinsichtlich der Iehthyosauren : des Englischen Lias erhältenen. überein- 
-'stimmen würde. Aber die Unvollständigkeit einiger dieser Individuen 
‘und ©die: Unsicherheit ‘des Werthes,, welchen manche Merkmale. behufs 
‘der Unterscheidung der- Arten noch haben, ‘veranlassen den Vf. zu kei- 
nem (bestimmten Ausspruche in dieser Beziehung,,' ‚obschon ihm ange- 
‘messen scheint „' einem ' Theile derselben : systematische Benennungen 
zu geben. | rt Hi | 


F. C. Luxıs: Bemerkungen und Erläuterungen über die 
Zersetzung der Stämme suceulenter Pflanzen (Loupon’s 
Magaz. of nat. hist. 1834, Jan. 32— 38 == Wızem. Arch. 1835. I, 173). 
Nicht allein die Farnen und, nach Rnope, die Cacteen geben auf ihren 
Stämmen solche Zeichnungen, wie man sie an manchen fossilen Stäm- 
men findet, sondern auch manche succulente Pflanzen. Ganz auffallende 
und’ verschiedene Zeichnungen der Art fand der Vf. in der Epidermis-, 
in der Rinden- und in der Holz-Schichte eines Arms-dicken Stammer 
von Sempervivum arboreum, _ welche auch noch nach dem Alter 
abweichen, wie, beigefügte mt erläutern. Unter drei solchen 
verschiedenen Ansichten kann mithin auch eine und dieselbe Art fossi- 
ler E Pflanzen vorkommen, was er in ‚Phytolithus verrucosus und 
Ph. cancellatus nachweiset. 


umy 


Vorläufige Übersicht 
| über 
- die eigenthümlichen bei Villmar an der Lahn 
auftretenden jüngeren Kalk - Schichten der 
älteren (sog. Uebergangs-) Formation , 
besonders nach ihren organischen Einschlüssen , 
| uch und 
Beschreibung ihrer wesentlichsten neuen Arten; 
nebst ‘einem. Vorwort über Namengebung in der Naturbeschreibung 
überhaupt und in der Paläontologie insbesondere, 
von 


Hrn. GUIDO SANDBERGER. 


— 


Hiezu Tafel VIII B: 


Von mehren ausgezeichneten Männern ist in neuester Zeit mit 
Recht darauf hingewiesen worden, wie erspriesslich nicht nur, sondern 
auch wie unumgänglich nothwendig es sey zur Erreichung einer grösseren 
und genügenderen Einheit der Gesammtwissenschaft (Philosophie), dass 
die Wissenschaft vom Menschen-Geist tund die Wissenschaft 
von der Natur zu einem innigeren Bunde zusammentreten, wie schwer 
auch eine solche Vereinigung wegen des Umfangs beider Gebiete heut- 
zutage für den Einzelnen seyn mägs. Versuche einer solchen innigeren 
Vereinigung beider Gebiete haben einzelne talentvolle Männer in neuerer 
und neuester Zeit schon gemiacht. Allein bei den Hindernissen, welche 
ihr bisher noch in den Weg traten, war es vorauszusehen, dass eine 
genügende Harmonie herzustellen diesen Einzelnen noch nicht gelingen 
konnte. Die Hindernisse liegen auf beiden Seiten. aber vorzugsweise 

Jahrgang 1842, 23 


380 ER 


bis jetzt noch auf Seiten der Naturwissenschaft, und zwar theils in 
dem Gegenstande selbst, theils an seinen Bearbeitern. 

In Betreff des Ersten sind manche der wesentlichsten Natur- 
wissenschaften noch zu jung und unausgebildet, um schon in allen ihren 
Theilen Gleichmässigkeit und Abrundung genug haben zu können, welche 
erst allmählich erreicht werden wird. Das Zweite aber, nämlich die 
Bearbeitung, hängt, wie natürlich, unzertrennlich mit dem Gegenstande 
zusammen und damit, ob die Bearbeiter bei der Behandlung einer 
Wissenschaft bisher tief genug eingegangen sind und dieselbe kritisch 
genug durchgebildet haben oder nicht. Es ist daher sehr wesentlich, 
dass jeder folgende Bearbeiter irgend eines, wenn auch kleinen Zweigs, 
nicht zu viel Autoritäts-Glauben gegen das schon Geleistete und seine Vor- 
gänger beweise, sondern selbst zusehe, wie die Akten stehen; und vor- 
züglich ist diess denjenigen unumgänglich nöthig, welche ein grösseres Feld 
der Wissenschaft sich zur Bearbeitung und Weiterbildung erwählt haben. 

Dass diess von sehr vielen im Allgemeinen und von einzelnen aus- 
gezeichneten Männern auch auf durchgreifende Weise schon geschehen 
ist, kann Niemand läugnen; dass jedoch hauptsächlich es noch daran 
gebricht, dass alle Bearbeiter von Einzelnheiten in den Naturwissen- 
schaften, so viel in ihren Kräften steht, durch eine vernünftige, nicht 
zu äusserliche, sondern auf alles (an sich, nicht in Beziehung auf diesen 
oder jenen Zweck) Wesentliche hinzielende Behandlung der harmoni- 
schen Gestaltung der umfassenderen Gebiete fördernd weiter helfen, liegt 
klar vor und wird an dem einen Beispiel und Hauptpunkt, welchen ich 
jetzt hervorheben will, noch mehr vor die Augen treten. 

Von entschiedenem Einfluss auf das Verständniss im Ganzen und 
im Einzelnen ist bei den beschreibenden Naturwissenschaften doch ohne 
Zweifel eine vernünftige Namengebung, und es scheint wir, da in 
dieser Beziehung noch gar wenige Gesichtspunkte anerkannt, geschweige 
denn wirkliche Prinzipien festgestellt [?] sind und da in der Ausübung 
dieses Geschäfts gar manches Verkehrte könnte vermieden werden, nicht 
unpassend, wenn ich hier einige und zwar insbesondere auf die Paläon- 
telogie bezügliche Gesichtspunkte andeute, die sich mir bei Gelegenheit 
meiner Studien aufgedrungen haben. 

Als Hauptsatz für die Namengebung der. beschreibenden Natur- 
wissenschaft betrachte ich, dass man ein wesentliches Merkmal 
(wo möglich das wesentlichste) indem Namen ausdrücke. Nun 
fällt uns freilich sogleich die eine grosse Ausnahme ein, dass bei der 
‚heschreibenden Astronomie dieser Grundsatz am Einzelnen nicht kann 
durchgeführt werden; dagegen ist aber auch klar, dass sich für unsere 
Anschauung im Bereich der Klassen von Himmels-Körpern, nämlich unter 
den einzelnen Fixsternen, den einzelnen Planeten, den einzelneu Kometen 
keirie Gattungs- und Art-Unterscheidungen machen lassen, und dass dabei 
die Namen meistens (die Spezial-Beschreibung der Mondfläche ausgenommen) 
nur dazu dienen, um einen festen Anhaltspunkt für die gegenseitigen 
Zahlen-, Stellungs-, Grörsen-, Bewegungs-Verhältnisse zu haben, 


381 


Aber im Gebiete der eigentlichen Naturbeschreibung ist ebenfalls 
sogleich und zwar ein sehr zu berücksichtigender Einwurf möglich. Wie 
sollen wir nämlich für die ungeheure Masse von Gegenständen Namen 
genug aufbringen, die alle etwas Wesentliches bezeichnen , ohne dass 
wir Wiederholungen und unzählige Verwirrungen herbeiführen ? Es ist 
diess freilich ein Einwurf, der erst dadurch, dass eine allgemeine Durch- 
bildung der Naturbeschreibung in dieser Beziehung versucht werden 
muss, sich widerlegen kann. Allerdings sind dazu bis jetzt nur erst 
hin und wieder tüchtige Anfänge gemacht worden. Für die Gattungen 
hat man meistens griechische, für die Arten lateinische Benen- 
nungen gebraucht. Nach dem aufgestellten Grundsatz sind also die: 
jenigen Namen gut, welche ausser einer richtigen etymologischen Bil- 
dung, gegen welche leider so vielfach und mitunter auf sehr plumpe 
Weise gefehlt wurde *), wesentliche Eigenschaften aussprechen , und es 
sind auch in einzelnen Fällen diejenigen nicht zu verwerfen, welche von 
mythologischen Personen entlehnt sind, wenn sich nämlich eine genü- 
gende Analogie nachweisen lässt. Nach Eigennamen Arten oder gar 
Gattungen zu benennen, lässt sich nach meiner Meinung mit hinreichend 
triftigen Gründen nicht vertheidigen. (Auch habe ich diess von Männern 
tadeln hören, welche selbst sich solcher leichteren Namenbildung früher 
bedient haben). Ausgezeichnete Männer der Wissenschaft dadurch zu 
ehren, ist nicht nöthig; denn wer wirklich ausgezeichnet darin ist, dessen 
Namen bewahrt die Geschichte der betreffenden Wissenschaft doch der 
Nachwelt auf **). Namen, welche ganz allgemeine Begriffe und Eigen: 
schaften enthalten, wie z. B. die in der Paläontologie häufig angewende: 
ten Arten-Bezeichnungen priscus, antiquus, antiquatus, vetustus, vetustatus, 
_ primaevus, primordialis, primigenius, proavius, grandaevus und ähnliche 
sind auch nicht zu rechtfertigen. Wollte man sagen, der Name solle 
weiter Nichts seyn, als ein Zeichen für einen gewissen Natur-Gegenstand, 
welchen man dabei sich in seinen gesammten Eigenschaften vergegen- 
wärtigt, so ist dagegen zu bemerken, dass, wenn es auch gar Viele 
geben mag, welche auch selbst bei einem guten Namen als an ein 
bloses Zeichen denken, es doch für. diejenigen, welche in einem Wort 
auch gern einen entsprechenden Begriff finden, ungleich leichter ist, von 
der einen wesentlichen im Namen ausgesprochenen Eigenschaft aus- 
gehend, sich auch die übrigen daran anzuknüpfen °**). 

Was die Namen-Priorität anlangt, so glaube ich, kanrı man sie nur 


*) Besonders unangenehm kommen Wörter, welche anstatt aus einer vielmehr aus 
zwei bis drei Sprachen zusammengesezt sind. Ss; fund insbesondere Namen 
wie Gilbertsocrinus! Br.] 

*%*) Vielleicht nicht immer so gewiss als die Namen von NaroL£on oder Jeau Pat, 
denen man gleichwohl Monumente sezt! Br. 

***) Diese im Ganzen sehr begründeten und für alle Fälle, wo sie anwendbar sind, 
nicht oft genug in Erinnerung zu bringenden Vorschläge scheitern nur zu häufig 
nothwendig daran, dass es nicht möglich ist den oder einen Charakter jeder Art 
mit einem Worte auszudrücken, und dann werden alle richtig gebildeten und 
wahren Namen fast gleich gute. > Br. 


382 


in: den Fällen unbedingt festhalten, wo der früßiih Name auch der 
richtigere ist"). ' es 7 T 

Dass für zeitgemässe Weiterbildung der Nomenklatur: und für neue 
Namengebung in.jeder Hauptwissenschaft recht vollständige Namen- 
Register **) nicht nur, sondern auch vollständige synomymische Wörter- 
Sammlungen nöthig sind, hat sich in neuester Zeit besonders in der 
Paläontologie schon sehr deutlich gezeigt. Das wenigstens wäre 
einstweilen sehr zu wünschen und zu berück sichtigen, 
dass beineuen Forschungen und Entdeckungen in diesen 
Gebieten wenigstens das Unzweckmässige und Nichts- 

sagende nicht mehr auftauchen möge. | 

Um hier noch auf einige Einzelnheiten der Namengebung in dr 
Geognosie zu kommen, so halte ich dafür, dass man Schichten, die einer 
Gegend ausschliesslich eigenthümlich sind, allerdings nach der 
Fundstelle benennen mag, wenn nicht sonst ein genügender Charakter 
im Namen leicht zusammengefasst werden kann. Eine‘ solche Benen- 
nung kann aber dann natürlich, wenn man’s streng nimmt (wie man es 
immer nehmen sollte), sobald analoge Schichten noch anderwärts 'sich 
vorfinden , nicht mehr bestehen bleiben “*“*), und man muss nach einem 
geeigneteren Namen sich umsehen, was alsdann ‘schon dadurch sehr 
erleichtert wird, dass sich der eigentlich wesentliche Charakter fast immer 
noch bestimmter herausstellt, wenn die Schichte mehrfach‘ vorkommt. 

Von den meisten Namen, mit welchen man die verschiedenen geolo- 
gischen Formationen bezeichnet, ist es bekannt, dass sie theils nur berg- 
männische und zufällige Bezeichnungen sind, theils auf einen früheren 
Standpunkt der Wissenschaft sich beziehen, und dessen veraltete Ansichten 
aussprechen, so dass in dieser Beziehung ein bedeutender Mann der 
Wissenschaft die Gesammtheit der verschiedenartigen geologischen Namen 
scherzweise einem buntlappigen Hanswursten verglichen hat. 

Noch ist zu erwähnen, dass das Benennen von Schichten nach 
anderwärts bekannt gewordenen ähnlichen mit grösster Vorsicht geschehen 
muss, dass solche Schichten, um sie mit Recht parallelisiren zu können, 
eine genügende Analogie haben und unter einem passenden Namen zu- 
sammengefasst werden müssen. Beispielsweise will ich hier einen Punkt 
besprechen, welcher gerade jetzt sehr an der Zeit ist. Die ältere (sg. 
Übergangs-) Formation fängt gegenwärtig an, nachdem sie in England 
besonders durch Murcuison und Sepewick im Einzelnen genauer erforscht 
worden ist, auch in Deutschland die besondere Aufmerksamkeit der 
Geognosten und Paläontologen in Anspruch zu nehmen. Für die engli- 
schen Schichten hat Murcniıson von Eigennamen und besonders auch von 
Lokalitäten Benennungen gewählt, welche nach den vorhin aufgestellten 


*) Dann gute Nacht allen Namen! BR. 


**) Wie wir z. B. in gewisser Beziehung für Geologie, Geognosie, Mineralogie und 
Paläontologie einsehr dankenswerthes Hülfsmittel von Hrn. Lommeı. in dem Reper- 
torium erhalten haben. 

***) Da man diess aber nie voraus wissen kaun, so würden sich gerade gegen diese 
Namen von vorn herein die begründetsten Einwendungen machen lassen, Br, 


383 


Gesichtspunkten nieht genügen; und bleiben wir hier Beispiels-weise 
nur bei den zwei Namen silurisch und devonisch stehen, so ist der 
erste Name von den Siluriern hergenommen, und es ist doch keine 
andere Beziehung zu den nach ihnen benannten englischen Schichten 
vorhanden, als dass die Silurier etwa in jenen Gegenden in alten 
Zeiten gewohnt haben. Ich glaube, es wird leicht Jedermann klar seyn, 
dass diese Beziehung nicht vollkommen berechtigen kann, für die Wissen- 
schaft einen solchen Namen festzustellen. Diese Schichten sind nun auch 
England eben so wenig lokal-eigenthümlich, als die von Devonshire 
benannten devonischen. Nun wird aber doch der zufällige Umstand,